Posts mit dem Label Dienstag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dienstag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 18. August 2015
Dienstag, 17. Mai 2011
Gemeinsame Gegenwart - 26. April 2011
+++ Schalke unterliegt Manchester United im Champions League Halbfinale mit 0:2; China zwingt VW zur Gründung eigener Marke; Apple 4 bringt weißes iPhone 4 heraus; Es wird verkündet, dass ab Sonntag Deutschland den Arbeitsmarkt zu Osteuropa öffnet +++
Dienstag, den 26. April 2011 - Silke
Haaaaaallo Deutschland, ist noch alles schön bei dir??
Seit nunmehr 8 Jahren rege ich mich gerne und regelmäßig über die Eigenarten des täglichen Lebens in England/Holland/Österreich auf. Jetzt bin ich seit kurzem wieder, jedenfalls theoretisch, in Deutschland ansässig und genieße damit die Vorzüge eines deutschen Arbeitsvertrages. Krankenkasse, super. Urlaubsgeld, auch schön (bzw – kriege ich eigentlich Urlaubsgeld? Nochmal checken. Ist das gesetzlich vorgeschrieben?), ich habe mich gefreut. Eine ordentliche Rentenabsicherung, toll!
Heute morgen habe ich dann zum ersten Mal in 8 Jahren eine deutsche Gehaltsabrechnung in den Händen gehalten. Beim überfliegen der vielen Zahlen wurde mir langsam schlecht. Auf einmal sehen meine Wahlheimaten nicht mehr so schlecht aus... wen kümmert es schon, das es keine Mischwasserhähne, Fensterdoppelverglasung, funktionierende Heizkörper, zuverlässige öffentliche Verkehrsmittel und gutes Wetter gibt? Dafür gibt es an jeder Straßenecke einen Pub, da muss man flexibel sein. London, Darling, I am reconsidering!
Ernsthaft, bei den Steuerabzügen bin ich verwundert, dass sich noch so viel geschäftliches Talent in Deutschland aufhält (Tut es das eigentlich? Ich bin da nicht so im Bilde).
Doch zu schöneren Dingen – die Wohnungssuche in Hamburg hat begonnen. Jedenfalls mental! M. und ich haben die Einrichtung schon zusammen; eine Altbauwohnung mit Balkon und Original Stuck soll es werden. Idealerweise in einem der höheren Stockwerke, dann aber gerne auch mit Lift. Das ganze in Nähe der Schanze für eine entsprechend angebrachte Monatsmiete, warm.
Nachdem wir ca. eine Woche damit zugebracht haben, uns über wichtige Details einig zu werden (Geschirrspüler? Wer bringt den Müll raus? Mindestens ein monatlicher Pokerabend. Fernseher ist unnötig, oder wenn, dann nur ein kleiner) fingen wir heute an, im Internet nach dem passenden Objekt zu suchen. Schnell wurde klar, dass unsere Vorstellungen mit denen der Vermieter was das Preis-Leistungsverhältnis angeht, eher auseinandergehen. Zudem sind wir nicht wirklich gewillt, eine Courtage in Höhe von 2.38 x der Monatsmiete zu zahlen (2.38 x !!!!! Ich bin fassungslos. Immer noch.). Daher wird nun bis auf weiteres in der Mitte Niedersachsens verweilt – unsere Zeit wird kommen, ich habe das im Blut.
You can never go home again, but the truth is you can never leave home, so it's all right. ~Maya Angelou
Dienstag, den 26. April 2011 - Ole
Man vs. Machine.
Gestern beklagte ich mich im Cafe beiläufig darüber, dass ich schon vor gut einem Jahr meinen 4gb USB-Stick verloren zu habe. Woraufhin man mir den Tipp gab, dass bei Media Markt gerade welche im Angebot sind. Passt sich gut, ich muss heute sowieso einkaufen.
Meine Eltern sind im Urlaub - die Vorratskammer ist erschöpft und das Pfandflaschenreservoir droht überzulaufen... Zwei Kästen Bier und weitere 136 Einzelflaschen haben sich bei dem legendären „Loft Der Visionaere“ am letzten Freitag zu House angesammelt. Ein Dutzend SchnapsEinwegflaschen hatte ich bereits entsorgt. Um 14:00 Uhr ging es los und endete um 9:00 Uhr. Es ist mit 19 Stunden nur die zweitlängste Loft Lounge. Dafür die pfandreichste...
Für einen kurzen Moment stellt sich mir die Frage: Erst „Einfach hin und weg“ und anschließend „Einmal hin alles drin“ oder nur letzteres? Der Umwelt und dem Geldbeutel zuliebe würde ich normalerweise zweifellos nur eine Fahrt machen, angesichts der Pfandmengen entscheide ich mich jedoch ohne zu zögern erst für Hol Ab und anschließend Real.
Denn in puncto Pfandannahme ist der Mensch der Maschine noch weit überlegen. Der einzige Vorteil der Maschine – sie beklagt sich nicht. Anders als der Mitarbeiter, der mich für die Rückgabe dieser „Unmengen an Pfandflaschen“ rügt.
Weiter geht’s zu Real. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Senf, Ketchup und Baguettes, denn ich organisiere heute einen Grillabend beim Schützenverein.
Senf
Wo steht dieser verdammte Senf!? Warum zum Teufel steht der nicht beim Ketchup – da wo er hingehört! Die Suche beginnt. Ätzend. Ich dachte die heutigen Supermärkte überlassen nichts dem Zufall und sind bis ins kleinste Detail durchgeplant. Sie manipulieren sogar den Kunden. Dir ist mit Sicherheit schon einmal aufgefallen, dass auf allen Werbetafeln, Verpackungen und in der „Supermarkt News“ die Schrift, Linien und Bilder eine (positive) Tendenz von links unten nach rechts oben aufweisen – außer bei Jawoll... Achte mal darauf.
Nachdem ich nun fast alle Regale abgeschritten habe, finde ich den Senf – bei der Konservenwurst!
Auf dem Rückweg noch kurz beim Schlachter meines Vertrauens angehalten, 10 Krak und 20 Brat rausgeholt. Der Abend endet spät, wir spielen Hornochse(6 Nimmt) und UNO ohne Regeln bis tief in die Nacht...
Dienstag, den 26. April 2011 - Verena
Optimistisch wie ich nun mal immer bin, stelle ich mir den Wecker immer auf ziemlich früh, sodass ich mit mehreren Weiterstellen trotzdem nie so früh aufstehe wie eigentlich gewollt. Gleitzeit im Büro ist eine tückische Ratte. Je später man kommt, desto länger muss man bleiben.
Es ist warm, was soll ich da anziehen? Mein Auto sieht aus wie Sau. Scheiß Pollen. Wenn es morgen nicht regnet, muss ich doch noch in die Waschstrasse, sonst werfen die Leute noch Post ein, so gelb ist es.
Im Büro spontanes Team-Meeting gehabt und erfahren, dass ganz Rostock zum Bundesparteitag komplett ausgebucht ist. Und ich brauche mehr Zimmer als geplant. Nicht gut. Dem Hotel trotzdem mal die Namensliste mit einem Zimmer mehr geschickt (hoffe, dass sie es nicht merken einfach akzeptieren) und bis morgen muss ich mir was überlegen und rumtelefonieren. Brauche nämlich noch zwei.
Unangemeldet kam in allen Büros ein Typ vom Gesundheitsvorsorge-Dingens vorbei, der seinen Vortrag über richtiges Sitzen und Einstellungen von Bildschirmen hielt. Zufällig saß ich grad ordentlich und alles ist in Ordnung. Der muss das allein an diesem Tag mindestens 20 mal aufsagen. Wir haben ihn nicht beneidet.
Nach der Arbeit noch kurz beim ADAC vorbei und mich wegen dem Mietwagen für den England-Roadtrip im Sommer informiert. Klingt alles gut, werd ich so buchen. Meine Bedenken wegen des Linksverkehrs ließ ich mir nicht anmerken. Jeder sagt mir, das ist alles kein Problem, also werde ich mich einfach mal darauf verlassen. Dann noch spontan in den Laden nebenan und aus Spaß ein paar Sommerhosen anprobiert. Sah alles irgendwie kacke aus, also kaufte ich nichts und beschloss stattdessen, vielleicht doch mal meinen verrückten Plan umzusetzen, das Laufen anzufangen.
Leider hat mir Laufen nie besonders Spaß gemacht, was eventuell nicht die beste Voraussetzung für dieses Vorhaben darstellen könnte. Vielleicht muss man nur die ersten Wochen durchhalten, bis man ein bisschen Kondition hat und dann wird es besser? Andere laufen ja auch ständig. Jedenfalls wäre es dann ein praktischer Sport.
Sport, den ich gerne mache, ist nämlich eher unpraktisch: Schwimmen, Inline skaten oder Fahrrad fahren. Beim Schwimmen muss man wieder erst rausfinden, wann der Verein trainiert und die Bahnen blockiert, bzw., wann die Hauptschwimmzeit der Omis ist, die einem auch immer die Bahnen klauen. Außerdem nervt das ganze Umziehen und Haare föhnen. Inline skaten und Fahrrad fahren scheitern an den geographischen Gegebenheiten, weil es hier absolut bergig ist. Das macht keinen Spaß. Außer, man fährt erstmal so 20 km mit dem Auto irgendwo hin. Aber das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein.
Laufen war ich dann tatsächlich, vielleicht war es auch mehr spazieren. Es war ähnlich schön wie gedacht. Naja. Morgen geh ich wieder. Bis es Spaß macht.
Und die runtastic App muss man anschalten, bevor man startet.
Dienstag, den 26. April 2011 - Thomas
Die Arbeit fällt nach vier freien Tagen nicht leicht. Besonders dann nicht, wenn man zurzeit in einem verlassenen Gymnasium in Bremen die muffigen Räume abgehen darf. Sowie ich das gerade tue. Wenigstens auf die Sonne ist verlass und lässt auf eine gefühlt kurze Viertagewoche hoffen.
Während der Arbeit telefoniere und schreibe ich ständig zwischen Julia und einem Mittelsmann hin und her. Angewiesen auf das Wort Dritter, tippe ich Vertrauensparolen ins iPhone. Ich muss an eine Textpassage der Band Kinderzimmer Productions denken. „Ich sag schon nicht mehr Hallo, ich sag immer erst Entschuldigung“. Mein geringer Einfluss in der Sache nervt mich.
Nach der Arbeit geht es direkt ins Fitnessstudio. Meine Beine sehen fatal aus. Rot, Grün, Blau getreten, inklusive Rasenflechte. 40 Minuten aufwärmen auf dem Kardio-Rad, länger kann ich mich nicht beim Lesen konzentrieren, zu viele abschweifende Gedanken bereiten mir Sorgen und ohne eine adäquate Ablenkung hat das andauernde, ausdauernde Radeln keinen Zweck. Außer den 362 verbrannten Kalorien. Das entspricht ungefähr einem Glas Saft. Welcher Arsch hat sich diese Relationen ausgedacht? Kardio war das Programm für die Waage, jetzt kommt das für den Spiegel. Ich setze die Kopfhörer auf und mich vor die Gewichte.
Nach dem Fitnessstudio kaufe ich für die Restwoche ein. 20 Euro für den Einkauf pro Woche sind realistisch kalkuliert. Da die gut ausgebildete Verkäuferin beim ALDI solange damit wartet den nächsten Kunden abzukassieren bis der vorige Kunde, in diesem Fall ich, seinen Kram von der Fläche hinter dem Scanner weggeräumt hat, schäme ich mich in Grund und Boden. Peinlich, peinlich. Normalerweise achte ich darauf die Sachen, die in der Tüte oben liegen müssen, als letztes auf das Warenband zulegen und normalerweise addiere ich die Preise bereits im Kopf zusammen, sodass ich sofort passend zahlen kann. „Wo die Neurosen wuchern, will ich Landschaftsgärtner sein“. Element of Crime. Im Gegensatz zu Kleingeld, habe ich Textpassagen immer parat.
Hauptsächlich kaufe ich Kühlschrankfüllende Frühstücksutensilien ein. Zum späten Mittag gibt es warme Knackwürstchen, oder allgemein auch Wasserwurst genannt, auf Toast. Dazwischen kommt Butter. Eins der wenigen Gerichte, bei denen ich mir sicher sein kann, es geht schnell und gelingt. Ich habe keine Lust zu kochen oder auf Überraschungen, außerdem muss die Butter, normalerweise ausschließlich für Gäste gedacht, weg.
Auf Pro7 läuft eine neue Simpsons Folge, danach kommt auf Sat1 das Champions League Halbfinale. Schalke gegen ManU. Wer ein Spiel lesen kann, weiß nach fünf Minuten wie dieses Spiel ausgehen wird. Ich lasse es im Hintergrund laufen und widme mich wieder Julias Angelegenheit und meinen hoffnungsarmen Versprechungen. Niemand reagiert auf meine Anfragen. Ich weiß nicht, was für Schlüsse ich daraus ziehen soll. Zum Glück haben die vielen Wasserwürste auf Toast meinen Magen betäubt, ansonsten müsste ich von einem miesen Gefühl in der Magengegend berichten.
Sido, Howard Carpendale und Jürgen Drews sitzen unter anderen bei Markus Lanz und reden über die Jugend und die Zukunft im Allgemeinen. Sido kassiert ein paar Lacher. Das zugeknöpfte Lanz Publikum kichert bei jedem unflätigem Wort des Rappers. Jürgen Drews sagt, in Fünfzig Jahren haben wir eine Weltdemokratie. Der Königstitel von Mallorca sei nur der Anfang, wird von irgendwoher eingeworfen. Ich mag ja Jürgen Drews, so als Mensch. Wirklich.
Während der Arbeit telefoniere und schreibe ich ständig zwischen Julia und einem Mittelsmann hin und her. Angewiesen auf das Wort Dritter, tippe ich Vertrauensparolen ins iPhone. Ich muss an eine Textpassage der Band Kinderzimmer Productions denken. „Ich sag schon nicht mehr Hallo, ich sag immer erst Entschuldigung“. Mein geringer Einfluss in der Sache nervt mich.
Nach der Arbeit geht es direkt ins Fitnessstudio. Meine Beine sehen fatal aus. Rot, Grün, Blau getreten, inklusive Rasenflechte. 40 Minuten aufwärmen auf dem Kardio-Rad, länger kann ich mich nicht beim Lesen konzentrieren, zu viele abschweifende Gedanken bereiten mir Sorgen und ohne eine adäquate Ablenkung hat das andauernde, ausdauernde Radeln keinen Zweck. Außer den 362 verbrannten Kalorien. Das entspricht ungefähr einem Glas Saft. Welcher Arsch hat sich diese Relationen ausgedacht? Kardio war das Programm für die Waage, jetzt kommt das für den Spiegel. Ich setze die Kopfhörer auf und mich vor die Gewichte.
Nach dem Fitnessstudio kaufe ich für die Restwoche ein. 20 Euro für den Einkauf pro Woche sind realistisch kalkuliert. Da die gut ausgebildete Verkäuferin beim ALDI solange damit wartet den nächsten Kunden abzukassieren bis der vorige Kunde, in diesem Fall ich, seinen Kram von der Fläche hinter dem Scanner weggeräumt hat, schäme ich mich in Grund und Boden. Peinlich, peinlich. Normalerweise achte ich darauf die Sachen, die in der Tüte oben liegen müssen, als letztes auf das Warenband zulegen und normalerweise addiere ich die Preise bereits im Kopf zusammen, sodass ich sofort passend zahlen kann. „Wo die Neurosen wuchern, will ich Landschaftsgärtner sein“. Element of Crime. Im Gegensatz zu Kleingeld, habe ich Textpassagen immer parat.
Hauptsächlich kaufe ich Kühlschrankfüllende Frühstücksutensilien ein. Zum späten Mittag gibt es warme Knackwürstchen, oder allgemein auch Wasserwurst genannt, auf Toast. Dazwischen kommt Butter. Eins der wenigen Gerichte, bei denen ich mir sicher sein kann, es geht schnell und gelingt. Ich habe keine Lust zu kochen oder auf Überraschungen, außerdem muss die Butter, normalerweise ausschließlich für Gäste gedacht, weg.
Auf Pro7 läuft eine neue Simpsons Folge, danach kommt auf Sat1 das Champions League Halbfinale. Schalke gegen ManU. Wer ein Spiel lesen kann, weiß nach fünf Minuten wie dieses Spiel ausgehen wird. Ich lasse es im Hintergrund laufen und widme mich wieder Julias Angelegenheit und meinen hoffnungsarmen Versprechungen. Niemand reagiert auf meine Anfragen. Ich weiß nicht, was für Schlüsse ich daraus ziehen soll. Zum Glück haben die vielen Wasserwürste auf Toast meinen Magen betäubt, ansonsten müsste ich von einem miesen Gefühl in der Magengegend berichten.
Sido, Howard Carpendale und Jürgen Drews sitzen unter anderen bei Markus Lanz und reden über die Jugend und die Zukunft im Allgemeinen. Sido kassiert ein paar Lacher. Das zugeknöpfte Lanz Publikum kichert bei jedem unflätigem Wort des Rappers. Jürgen Drews sagt, in Fünfzig Jahren haben wir eine Weltdemokratie. Der Königstitel von Mallorca sei nur der Anfang, wird von irgendwoher eingeworfen. Ich mag ja Jürgen Drews, so als Mensch. Wirklich.
Dienstag, den 26. April 2011 - Tanja
Es ist ein Dienstag- und somit auch wieder der richtige Fuß!
Wache Augen, spitze Ellenbogen und zwei gute Standbeine hatte ich auch heute auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Am Morgen die Metro in Shanghai zu nehmen ist wie 1. Reihe Hatebreed Konzert. Da wird gedrängelt, geschubst, die Ellenbogen gespitzt, Kopfnüsse verteilt und geschwitzt.
Es war 8:30 Uhr als ich die Treppe zur Metro hinunterging. Hier trifft sich die arbeitstüchtige Ameisenkolonie. An den meisten Tagen ist man es bereits gewohnt in der Menschenmasse zu versinken, aber es gibt wiederum auch Tage, an denen man am liebsten einen Stacheldrahtzaun um sich herum binden würde. Heute zum Beispiel war so ein Tag. Wir standen mittig der “Warteschlange“. Vor uns und neben uns standen mindestens 20 Leute, die nur hektisch darauf warteten, sich in die nächste Metro zu quetschen. Einige von ihnen knurrten bereits und knirschten mit den Zähnen. Ich hatte mich gefragt, wie viele wohl von ihnen in die nächste Metro passen würden und wann wir an die Reihe kommen. Ich hatte fälschlicherweise auf zwei bis drei Fahrten getippt.
Ich sah zur Tür und konnte es mal wieder nicht fassen wie viele von ihnen letztendlich doch noch in die bereits komplett überfüllte Metro passten. Als sich die Tür öffnete, wurden die vordersten Leute mit einer gewaltigen Wucht aus der Metro hinausgeschleudert, ähnlich wie angesammeltes Stauwasser, das bei einem gebrochenen Damm herausströmt. Während die einen rausdrücken, stürmen die anderen gleichzeitig rein. Ein bitterer Kampf durch das Dickicht, was sich Chaos pur nennt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es passen nur noch zwei Leute hinein. In Shanghai werden aus zwei gleich mindestens 10 - und dann steht man da wie die Hühner auf der Stange: wie angewurzelt, Hintern an Hintern, Haut an Haut und das Atmen fällt einem schwer. Anfangs nahm man das ganze noch mit Humor und Geduld. Aber wenn man diesen Krieg täglich mitmachen muss, dann kommt man an einen Punkt, der sich Fassungslosigkeit und Unfassbarkeit nennt.
Generell ist auf folgendes zu achten:
1. Lass die Höflichkeitsfloskeln und spiele mit chinesischen Karten.
2. Nimm die erste Metro, die du kriegen kannst.
3. Glaube niemals, es würde bei der nächsten Fahrt leerer werden.
4. Warte nicht, bis alle Fahrgäste draußen sind. Schwimme mit dem Strom und ggfs. auch gegen den Strom. Vergiss aber nie die Ellenbogen!
5. Sichere dir möglichst einen Platz an der Tür.
6. Gehe niemals zu weit rein, ansonsten kommst du nicht mehr raus.
7. Hast du einen Platz gefunden, schlüpfe in die Rolle des eisernen Felsen in der Brandung.
8. Trage niemals helle geschweige denn weiße Schuhe, es sei denn du wolltest sie ohnehin schwarz färben lassen.
9. Möchtest du nicht gerupft werden, trage möglichst einen Pferdeschwanz und selten die Haare offen.
10. Trägst du eine Strumpfhose, habe stets eine Ersatzstrumpfhose dabei.
11. Stehe niemals in der Mitte eines Ganges. Es wird Ping Pong mit dir gespielt.
12. Beim Aussteigen gilt es Zähne zu zeigen und Ellenbogen zu nutzen.
13. Niemals langsam aus der Metro gehen, ansonsten überrollt dich die Lawine von hinten.
“Da Shijie dao le“ – hier muss ich aussteigen. Es ist immer dasselbe Verhalten. Kaum öffnet sich die Tür und alle wollen die oder der erste an der Rolltreppe sein, ob man nun jemanden umfährt oder auch nicht. Das Verhalten ähnelt einer Schar von Mäusen, die Käse gewittert haben und instinktiv dem Geruch folgen. Wozu die ganze Hektik?! Am Ende ist keiner schneller als der andere, ob man nun wie verrückt gehetzt ist oder in Ruhe die Rolltreppe genommen hat, denn oben angekommen bildet sich auch schon die nächste Warteschlange.
Es war ohnehin ein sehr heißer und sonniger Tag. Ich hätte mir bloß keine Jeans anziehen sollen! Am Fahrstuhl zum Büro erwartete mich die nächste Ladung Gruppenkuscheln. Wieder musste gequetscht werden und wieder stand man mit 20 Leuten in einem Raum, der für mein Befinden gerade einmal groß genug für 8 Personen ist. Hätte meine Nase gejuckt, hätte ich noch nicht einmal den Arm heben können, um mich zu kratzen. Ich war genervt. Der Fahrstuhl hielt zu meinem Ärger auch noch an jedem Stock. Im 16. Stock angekommen klebte meine Jeans bereits wie eine zweite Haut an meinem Körper. Ich brauchte wieder Platz, frische Luft und einen Ventilator, um wieder runterzukommen!
Um Punkt 18:00 Uhr endete der Arbeitstag für mich. Ich fuhr nach Hause und das um weiten entspannter als am Morgen - auch wenn der ein oder andere mir wieder auf die Füße getreten ist. Heute war der letzte Shanghaier Abend für die Jungs. Geplant war ein letztes großes gemeinsames Abendmahl, was letztendlich doch im kleinerem Rahmen stattgefunden hat. Es war wohl ein Glas Pflaumenwein zu viel gestern! Oder doch 10?! Auf jeden Fall sind wir ins beschauliche Las Tapas gegangen – kleine spanische Häppchen für viel Geld. Die Jungs sahen sichtlich angeschlagen aus und ich hatte mit einem ruhigen Abschiedsabend gerechnet.
Schließlich landeten wir doch noch in einem Club. Alles hatte angefangen mit einem Konterbier, den U. ausrief, und der wachsenden Motivation für ein weiteres Bier auszugehen. Während Y. und U. sich noch zurückgehalten haben, nahmen C. und S. wieder ihre alte Gestalt an und besorgten sich Free Flow Bändchen für die noch bevorstehende lange Nacht. Ich bin nicht der geborene Tanzbeinschwinger – nur an exzellenten Orten mit exzellenter Musik. In einem gewöhnlichen Club hingegen findet man mich immer in einem guten Abstand zur Theke, von wo aus ich den besten Blick auf den bunten Zoo habe. Hier findet sich so einiges wieder:
Die Sträuße, die, wenn sie zu tief ins Glas geschaut haben, den Kopf in die Toilette halten.
Die Pfauen, die Art von Vögeln, die es sich auf den teuren Couchecken gemütlich machen und durstige Weibchen mit ihrer Schleppe aus Geldfedern anlocken.
Der Nimmersatt, der gezielt nach seinem westlichen Fang sucht und seine Beute im richtigen Moment abfängt.
Die Stachelschweine, die tagsüber unscheinbar sind und erst zur Dämmerung aus ihrem Bau hervorgekrochen kommen, um sich auf die Suche nach Futter zu machen.
Der Papagei, der viel Aufmerksamkeit braucht und allen anderen Vögeln die Show stehlen will.
Der Schluckspecht, der es sich an der Theke gemütlich macht.
Und nicht zu vergessen die platinblonden Gogo-Dancerinnen.
Vermutlich waren A. und ich die einzigen Arbeitstiere im heutigen Zoo, die am nächsten Tag schon früh aus dem Haus mussten. Wir hatten uns von den anderen verabschiedet und machten uns auf den Heimweg.
Wache Augen, spitze Ellenbogen und zwei gute Standbeine hatte ich auch heute auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Am Morgen die Metro in Shanghai zu nehmen ist wie 1. Reihe Hatebreed Konzert. Da wird gedrängelt, geschubst, die Ellenbogen gespitzt, Kopfnüsse verteilt und geschwitzt.
Es war 8:30 Uhr als ich die Treppe zur Metro hinunterging. Hier trifft sich die arbeitstüchtige Ameisenkolonie. An den meisten Tagen ist man es bereits gewohnt in der Menschenmasse zu versinken, aber es gibt wiederum auch Tage, an denen man am liebsten einen Stacheldrahtzaun um sich herum binden würde. Heute zum Beispiel war so ein Tag. Wir standen mittig der “Warteschlange“. Vor uns und neben uns standen mindestens 20 Leute, die nur hektisch darauf warteten, sich in die nächste Metro zu quetschen. Einige von ihnen knurrten bereits und knirschten mit den Zähnen. Ich hatte mich gefragt, wie viele wohl von ihnen in die nächste Metro passen würden und wann wir an die Reihe kommen. Ich hatte fälschlicherweise auf zwei bis drei Fahrten getippt.
Ich sah zur Tür und konnte es mal wieder nicht fassen wie viele von ihnen letztendlich doch noch in die bereits komplett überfüllte Metro passten. Als sich die Tür öffnete, wurden die vordersten Leute mit einer gewaltigen Wucht aus der Metro hinausgeschleudert, ähnlich wie angesammeltes Stauwasser, das bei einem gebrochenen Damm herausströmt. Während die einen rausdrücken, stürmen die anderen gleichzeitig rein. Ein bitterer Kampf durch das Dickicht, was sich Chaos pur nennt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es passen nur noch zwei Leute hinein. In Shanghai werden aus zwei gleich mindestens 10 - und dann steht man da wie die Hühner auf der Stange: wie angewurzelt, Hintern an Hintern, Haut an Haut und das Atmen fällt einem schwer. Anfangs nahm man das ganze noch mit Humor und Geduld. Aber wenn man diesen Krieg täglich mitmachen muss, dann kommt man an einen Punkt, der sich Fassungslosigkeit und Unfassbarkeit nennt.
Generell ist auf folgendes zu achten:
1. Lass die Höflichkeitsfloskeln und spiele mit chinesischen Karten.
2. Nimm die erste Metro, die du kriegen kannst.
3. Glaube niemals, es würde bei der nächsten Fahrt leerer werden.
4. Warte nicht, bis alle Fahrgäste draußen sind. Schwimme mit dem Strom und ggfs. auch gegen den Strom. Vergiss aber nie die Ellenbogen!
5. Sichere dir möglichst einen Platz an der Tür.
6. Gehe niemals zu weit rein, ansonsten kommst du nicht mehr raus.
7. Hast du einen Platz gefunden, schlüpfe in die Rolle des eisernen Felsen in der Brandung.
8. Trage niemals helle geschweige denn weiße Schuhe, es sei denn du wolltest sie ohnehin schwarz färben lassen.
9. Möchtest du nicht gerupft werden, trage möglichst einen Pferdeschwanz und selten die Haare offen.
10. Trägst du eine Strumpfhose, habe stets eine Ersatzstrumpfhose dabei.
11. Stehe niemals in der Mitte eines Ganges. Es wird Ping Pong mit dir gespielt.
12. Beim Aussteigen gilt es Zähne zu zeigen und Ellenbogen zu nutzen.
13. Niemals langsam aus der Metro gehen, ansonsten überrollt dich die Lawine von hinten.
“Da Shijie dao le“ – hier muss ich aussteigen. Es ist immer dasselbe Verhalten. Kaum öffnet sich die Tür und alle wollen die oder der erste an der Rolltreppe sein, ob man nun jemanden umfährt oder auch nicht. Das Verhalten ähnelt einer Schar von Mäusen, die Käse gewittert haben und instinktiv dem Geruch folgen. Wozu die ganze Hektik?! Am Ende ist keiner schneller als der andere, ob man nun wie verrückt gehetzt ist oder in Ruhe die Rolltreppe genommen hat, denn oben angekommen bildet sich auch schon die nächste Warteschlange.
Es war ohnehin ein sehr heißer und sonniger Tag. Ich hätte mir bloß keine Jeans anziehen sollen! Am Fahrstuhl zum Büro erwartete mich die nächste Ladung Gruppenkuscheln. Wieder musste gequetscht werden und wieder stand man mit 20 Leuten in einem Raum, der für mein Befinden gerade einmal groß genug für 8 Personen ist. Hätte meine Nase gejuckt, hätte ich noch nicht einmal den Arm heben können, um mich zu kratzen. Ich war genervt. Der Fahrstuhl hielt zu meinem Ärger auch noch an jedem Stock. Im 16. Stock angekommen klebte meine Jeans bereits wie eine zweite Haut an meinem Körper. Ich brauchte wieder Platz, frische Luft und einen Ventilator, um wieder runterzukommen!
Um Punkt 18:00 Uhr endete der Arbeitstag für mich. Ich fuhr nach Hause und das um weiten entspannter als am Morgen - auch wenn der ein oder andere mir wieder auf die Füße getreten ist. Heute war der letzte Shanghaier Abend für die Jungs. Geplant war ein letztes großes gemeinsames Abendmahl, was letztendlich doch im kleinerem Rahmen stattgefunden hat. Es war wohl ein Glas Pflaumenwein zu viel gestern! Oder doch 10?! Auf jeden Fall sind wir ins beschauliche Las Tapas gegangen – kleine spanische Häppchen für viel Geld. Die Jungs sahen sichtlich angeschlagen aus und ich hatte mit einem ruhigen Abschiedsabend gerechnet.
Schließlich landeten wir doch noch in einem Club. Alles hatte angefangen mit einem Konterbier, den U. ausrief, und der wachsenden Motivation für ein weiteres Bier auszugehen. Während Y. und U. sich noch zurückgehalten haben, nahmen C. und S. wieder ihre alte Gestalt an und besorgten sich Free Flow Bändchen für die noch bevorstehende lange Nacht. Ich bin nicht der geborene Tanzbeinschwinger – nur an exzellenten Orten mit exzellenter Musik. In einem gewöhnlichen Club hingegen findet man mich immer in einem guten Abstand zur Theke, von wo aus ich den besten Blick auf den bunten Zoo habe. Hier findet sich so einiges wieder:
Die Sträuße, die, wenn sie zu tief ins Glas geschaut haben, den Kopf in die Toilette halten.
Die Pfauen, die Art von Vögeln, die es sich auf den teuren Couchecken gemütlich machen und durstige Weibchen mit ihrer Schleppe aus Geldfedern anlocken.
Der Nimmersatt, der gezielt nach seinem westlichen Fang sucht und seine Beute im richtigen Moment abfängt.
Die Stachelschweine, die tagsüber unscheinbar sind und erst zur Dämmerung aus ihrem Bau hervorgekrochen kommen, um sich auf die Suche nach Futter zu machen.
Der Papagei, der viel Aufmerksamkeit braucht und allen anderen Vögeln die Show stehlen will.
Der Schluckspecht, der es sich an der Theke gemütlich macht.
Und nicht zu vergessen die platinblonden Gogo-Dancerinnen.
Vermutlich waren A. und ich die einzigen Arbeitstiere im heutigen Zoo, die am nächsten Tag schon früh aus dem Haus mussten. Wir hatten uns von den anderen verabschiedet und machten uns auf den Heimweg.
Dienstag, den 26. April 2011 - Diana
Mir fehlte es oft an leicht zugänglicher Information in Sachen Politik. Heute im Zeitalter von Google, ist es lange nicht mehr so schwer vom Geschehen der höheren Mächte etwas mit zu bekommen. Aber wie viele setzen sich denn wirklich in jungen Jahren damit auseinander?
Von Tschernobyl hörte ich oft in Verbindung mit stumpfen Witzen oder StudiVz Gruppen wie „1986- der strahlende Jahrgang.“ Wirklich gefesselt hat mich das ganze Thema erst nach dem Erdbeben am 11.3.11 in Japan. Und klar, man begegnet ihnen immer wieder den alternativen Leuten mit gelben Fahnen die gegen Atomkraft demonstrieren, aber als aktives Mitglied solcher Leute zähle ich mich nicht. Obwohl mir oft nichts lieber wäre, als ein Riesenaufstand gegen diesen absurden Staat. Ist er denn eigentlich wirklich so absurd? Unser Privileg ist ja, dass wir als Kinder einer riesigen Marketingkampagne und aufgrund einfachster Lebensumstände frei wählen können ob wir dagegen angehen oder es einfach akzeptieren. Ich bin mir meiner Rolle hier noch nicht bewusst. Aber eins steht für mich seit Jahren fest und so wird es auch immer bleiben; einen Grund zum Jammern und beschweren hat hier definitiv niemand. Wir haben immer ausreichend Nahrung, Strom, Wasser und jede Menge Angebote für eine ausgeglichene Freizeitgestaltung. Wir kommen nie in die Situation, dass eine Naturkatastrophe unser Hab & Gut zerstört und selbst wenn unsere Arbeit nicht das Gehalt einbringt was wir brauchen, werden wir vom Staat unterstützt. Das lasse ich mir gern auf der Zunge zergehen, das der Staat Unterstützung für einfach jeden bietet. Irgendwie wundervoll.
Mit diesem Wissen fällt es mir tagtäglich sehr leicht meine Ziele neu zu setzen und dafür zu kämpfen. Vor allem aber meine Grenzen zu ertasten um mir immer wieder die Frage zu stellen „wie viel brauchst du wirklich zum leben, wie definierst du deine Ansprüche und wohin bringt dich dein Weg?“ Während ich so Etwas überlege, kämpfen andere für einen Schluck Wasser. Ich bediene mich einfach am Wasserhahn, wann, wo und so oft ich will. Welche Auswirkungen Tschernobyl hatte und welche Japan mit sich bringen wird, wie lange es noch dauert bis ich durch unsere Politik durchgestiegen bin. Dankbarkeit, Empathie und Verantwortung sind meines Erachtens Eigenschaften die wir von Grund auf beigebracht bekommen und immer wieder verinnerlichen sollten, um dieses Leben zu meistern.
Von Tschernobyl hörte ich oft in Verbindung mit stumpfen Witzen oder StudiVz Gruppen wie „1986- der strahlende Jahrgang.“ Wirklich gefesselt hat mich das ganze Thema erst nach dem Erdbeben am 11.3.11 in Japan. Und klar, man begegnet ihnen immer wieder den alternativen Leuten mit gelben Fahnen die gegen Atomkraft demonstrieren, aber als aktives Mitglied solcher Leute zähle ich mich nicht. Obwohl mir oft nichts lieber wäre, als ein Riesenaufstand gegen diesen absurden Staat. Ist er denn eigentlich wirklich so absurd? Unser Privileg ist ja, dass wir als Kinder einer riesigen Marketingkampagne und aufgrund einfachster Lebensumstände frei wählen können ob wir dagegen angehen oder es einfach akzeptieren. Ich bin mir meiner Rolle hier noch nicht bewusst. Aber eins steht für mich seit Jahren fest und so wird es auch immer bleiben; einen Grund zum Jammern und beschweren hat hier definitiv niemand. Wir haben immer ausreichend Nahrung, Strom, Wasser und jede Menge Angebote für eine ausgeglichene Freizeitgestaltung. Wir kommen nie in die Situation, dass eine Naturkatastrophe unser Hab & Gut zerstört und selbst wenn unsere Arbeit nicht das Gehalt einbringt was wir brauchen, werden wir vom Staat unterstützt. Das lasse ich mir gern auf der Zunge zergehen, das der Staat Unterstützung für einfach jeden bietet. Irgendwie wundervoll.
Mit diesem Wissen fällt es mir tagtäglich sehr leicht meine Ziele neu zu setzen und dafür zu kämpfen. Vor allem aber meine Grenzen zu ertasten um mir immer wieder die Frage zu stellen „wie viel brauchst du wirklich zum leben, wie definierst du deine Ansprüche und wohin bringt dich dein Weg?“ Während ich so Etwas überlege, kämpfen andere für einen Schluck Wasser. Ich bediene mich einfach am Wasserhahn, wann, wo und so oft ich will. Welche Auswirkungen Tschernobyl hatte und welche Japan mit sich bringen wird, wie lange es noch dauert bis ich durch unsere Politik durchgestiegen bin. Dankbarkeit, Empathie und Verantwortung sind meines Erachtens Eigenschaften die wir von Grund auf beigebracht bekommen und immer wieder verinnerlichen sollten, um dieses Leben zu meistern.
Dienstag, den 26. April 2011 - Maria
I love to see a young girl go out and grab the world by the lapels. Life's a bitch. You've got to go out and kick ass.
Es gibt unter den Dingen, die man auf dem Weg zur Arbeit vergessen kann nichts, das ich mehr vermissen würde, als meinen Ipod. Geld? Wozu denn. Schlüssel? Die Haustür kann man ja zur Not immer mit dem Fingernagel öffnen (Ja genau, willkommen in Portugal). Ach ja, man kapselt sich ab, achtet nicht mehr auf Straßenverkehr, bla bla. Aber die Wahrheit ist, dass ich spätestens, wenn ich aus der Tür bin, mich plötzlich "nackt" um die Ohren fühle und da nichts ist, an das ich meine Schrittgeschwindigkeit anpassen kann, weiß ich, 'du hast etwas ganz essenzielles vergessen....' und fühle mich gleich ein bisschen hilflos.
Dieser Tage ist das Tempo mal wieder elektronischer Natur, für mich ein krasser Gegensatz zu der Lebensatmosphäre hier in Lissabon. Weder bin ich hier nicht mit der gleichen Quantität wie im Berliner Nightlife konfrontiert, weswegen ich die Stadt mit jeder nur erdenklichen Musikrichtung außer Techno & Co. assoziiere, noch will mein Arbeitsweg-Soundtrack zu Bildern oder Gedanken passen. Trotz allem ist es heute genau die richtige Musikrichtung, um mich zu inspirieren.
Ich habe mir heute einen Hut gegönnt, als Belohnung nach der Arbeit. Einen Männerhut von Zara. Zwölf fünfundneunzig und eine gute Investition. Zwar ist es ja irgendwo ein Trauerspiel, dass man auf Grund eines unweiblichen Kopfumfanges dieserart Umwege angewiesen ist, doch ich habe gemerkt, dass es keine schlechte Idee ist, Männerabteilungen hin und wieder einen Besuch abzustatten- freundliche Verkäufer. Männliche Verkäufer. Motivierte Verläufer, die nichts zu tun haben weil es bei den Männern einfach nie voll ist. Wenn Frau also eines Tages schlecht gelaunt und mit Selbstbewusstsein im Keller durch die Innenstadt läuft, rate ich zu einem kurzen Besuch der Zara Männerabteilung, man sollte einfach so tun, als suche mein ganz bestimmtes Teil für einen Bekannten.
Nun bin ich gut behutet, das Ego aufpoliert und mit dem richtigen Soundtrack dazu.
Zufrieden mit meinem Tag.
Dienstag, den 26. April 2011 - Jan-Hinnerk
Dienstag beginnt mit etwas mehr Geschäftigkeit und es gibt ein paar Dinge zu organisieren. Gleich morgens habe ich außerdem Thai-Sprachunterricht bei meiner Lehrerin Khun Am. Khun Am kommt immer direkt bei uns im Büro vorbei und wir können für die 90-minütige Unterrichtseinheit eines der Besprechungszimmer besetzen. Zwischendurch lief es mal ganz gut mit dem Lernen, aber inzwischen ist der Dampf ein bisschen raus. Ganz ehrlich, so richtig begriffen habe ich Thai nicht, aber immerhin reicht es für das Nötigste. Mein falsch betontes Gestammel sorgt bei den Thais jedenfalls nach wie vor für Erheiterung. Aber Thailändisch ist wirklich eine witzige Sprache. Wenn man sich ein bisschen reinhängt, erzielt man ziemlich schnell kleine Erfolge, denn das Alltags-Thai ist ziemlich einfach zu lernen. Zum Beispiel brauchen Verben nicht konjugiert zu werden und es gibt im Prinzip keine Zeitformen. Was allerdings richtig viel Mühe macht, ist das Thai-Alphabet, das aus 44 Konsonanten, 21 Vokalen und 5 weiteren Betonungszeichen besteht. Noch mal: Allein 21 Vokale! Wer wirklich Thai lernen will, kommt an diesem Brocken langfristig angeblich nicht vorbei.
Sobald man allerdings den damit verbunden Aufwand in Relation zum Nutzen setzt, dann muss man feststellen, dass es keine sehr lohnende Investition ist, Thai zu lernen. Außer den 60 Millionen Thais sprechen nur noch 20 Millionen weitere Menschen auf dieser Welt Thai. Thailand ist einfach unbedeutend und für den Südseeurlaub reicht selbst das rudimentärste Thänglisch.
Für abends habe ich mich mit Ju verabredet. Ju heißt eigentlich Juthamas, ist 28 Jahre, Thai und ich habe sie über meine ehemalige Sprachlehrerin aus Stuttgart kennen gelernt. Sie war sozusagen mein allererster Kontakt in Bangkok, weit bevor ich überhaupt einen Fuß auf thailändischen Boden gesetzt habe. Heute wollen wir zusammen was essen gehen. Sie macht ein Geheimnis aus dem Treffpunkt und sagt, dass wir gemeinsam hinfahren müssen. Ich müsse also sehr pünktlich sein. Ich tue uns den Gefallen.
Wir halten mit dem Taxi am Chao Phraya (dem großen Fluss in Bangkok). Es läuft auf eine Dampferfahrt mit Buffet hinaus und außer uns beiden kommt noch Jus Freundin Curbie mit, die ich schon von einem vorherigen Treffen kenne. Auch Curbies Eltern sind mit dabei und die kannte ich bislang noch nicht. So wird es eine schöne bunte Runde, mit gutem Essen an Bord und einem schönen Nachtpanorama auf dem Fluss. Ich schlage ordentlich zu, es ist ja schließlich Buffet.
Während des Essens fragt mich Ju, ob ich mal ein Thailändisches Bier probieren möchte und ich schaue sie verwundert an. Was sie wohl denkt, was ich die letzten fünf Monate in Thailand so getrunken habe? Hacker-Pschorr? Ich sage einfach "ja" und überlege, ob sie mich echt noch nie Bier trinken sehen hat? Ju trinkt selbst überhaupt keinen Alkohol und da ich ausschließlich Gesellschaftstrinker bin, ist es wohl gut möglich, dass ich mich bei unseren bisherigen Unternehmungen zurückgehalten habe. Mein Glück, dass Curbies Vater auch Bier bestellt, so dass ich mich nun definitionsgemäß in Trinkgesellschaft befinde. Ich bestelle ein Singha.
Nach der Flusskreuzfahrt verabschieden wir uns von Curbies Eltern und ziehen zu Dritt noch weiter in eine Cocktail-Bar, die sich auf dem Dach des State Towers befindet. Extrem dekadent hier oben und ganz schön teuer. Aber der Ausblick ist es wert und es gibt außerdem Open-Air-Live-Musik. Mir ist jetzt alles egal und ich bestelle Long Island Icetea. Wenn schon, denn schon! Ju fragt mich, ob sie mal probieren dürfe und ich halte ihr bereitwillig mein Glas hin. Sie nippt vom Rand und schüttelt den Kopf. "I thought it was icetea", sagt sie. Irgendwie reden wir heute aneinander vorbei…
Dienstag, den 26. April 2011 - Marc
Da es in Houston, nachdem ich jetzt schon die ganzen Staedte Texas' kennen gelernt habe, außer dem Basketballteam, was niemals an die glorreichen Bulls herankommen wird, nichts besonderes gibt, fahre ich also einfach weiter und moechte die naechsten Tage am Strand verbringen. Genauer gesagt in meinem Nachbarstaate Mississippi in der angeblich bekannten Stadt Biloxi. Ich habe den Namen zwar noch nie gehoert aber was solls. Bevor ich das Hotel verlasse, schalte ich noch einmal den Wetterkanal an. Im Moment ist hier im Sueden der USA mal wieder Tornado-Saison. Die beginnt so etwa im Maerz eines Jahres und endet im Oktober, sprich hier ist IMMER Tornado-Saison. Das ist wenn man es in Deutschland in der Glotze sieht immer so weit weg und unwirklich, doch als ich letzte Woche bei einem Unwetter grade das Werk (liegt 20 oestlich von Tuscaloosa) in meinen verdienten Feierabend verlassen wollte und dann alle Sirenen losgingen und ich fuer eine halbe Stunde mit 1500 Kollegen in den Schutzraeumen bleiben musste, da fuehlte es sich doch sehr nah an und nebenbei auch sehr wirklich. Die Alabamanesen sind daran gewoehnt und verlassen schon beim geringsten Anzeichen vom Tornado das Buero, um zu ihren Familien zu kommen. Das ist zwar nicht intelligent, weil die besten Schutzraeume ueberhaupt im Werk vorhanden sind, aber ich glaube wenn man Familie hat, will man bei denen sein, egal wie gut oder schlecht oder sinnhaft das ist. Long story short: ja, es gibt Anzeichen auf schlechtes Wetter und die Tornado-Wahrscheinlichkeit zieht sich in einem Guertel Richtung Nordosten. Also fahre ich unter dem Bereich gen Osten und werde dan Tag dann am Strand im Sueden verbringen. Gesagt, getan. Abends in Biloxi schmeiße ich mich in den Pool und entspanne erstmal, wechsele ab und zu zum Hot-Tub rueber, weil das Wasser "nur" 75 Grad hat. Die Wolken ziehen sehr schnell am Himmel vorbei und alles sieht aus wie vor einem riesigen Gewitter. Nachdem Sonnenschirme, Stuehle und andere Gegenstaende langsam das Weite suchen, entscheide ich mich auch, wieder ins Zimmer zu gehen und nach einer Dusche in Richtung Hard Rock Cafe and Casino aufzubrechen. Ich bestelle wie immer den ueblichen "Hurricane" und denke noch, dass das vielleicht ein wenig makaber ist... Da ich aber die Glaeser nun schon aus fast jeder besuchten Stadt auf meinem Kuehlschrank stapele, gehoert es dazu. Uebrigens stoppen solche Ueberlegungen dann in der Mitte des zweiten Cocktails und ich wende mich im Gespraech mit meiner Begleitung wichtigeren Sachen, wie zum Beispiel Weltfrieden und Ueberlebenschancen von Ameisen bei einem Atom-Krieg, zu. Nein, Scherz beiseite, das Essen war gut, die Cocktails auch und die Themen in der Unterhaltung ebenfalls. Mit vollem Magen und halben Schwipps geht es dann ab ins Casino, oder zumindest bis in die Eingangshalle, denn dort steht ein riesiger Bouncer (Rausschmeißer), der beim Ueberpruefen der deutschen drivers license meiner Begleitung nur sagt, dass diese nicht akzeptiert wird und wir somit nicht hinein duerfen. Ok, dann werde ich mein Geld eben woanders verlieren. Umgedreht und Spaziergang nach hause, bzw ins Hotel. Die Bar dort hat um fast Mitternacht auch schon geschlossen, schade. Also ab ins Bett und morgen dann an den weißen Sandstrand...
Gute Nacht.
Abonnieren
Posts (Atom)

