Posts mit dem Label Maria werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Maria werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. Mai 2011

Sonntag, den 1. Mai 2011 - Maria


Nothing will work unless you do.

Der 1. Mai verspricht ein aufregender Tag zu werden. Und ich habe da nicht die aus Berlin bekannten Demos und Krawalle im Sinn.. Nach viel zu wenig Schlaf, aber in allerbester Laune aufgestanden, macht mir der ewige Himmel-Sturzbach jedoch kurzerhand einen Strich durch den Plan, einen traumhaften Sonntag in einem der schönsten Gärten Lissabons bei einem Jazzkonzert zu verbringen. 
Die kurzfristige Kursänderung sieht dann ein Treffen mit meinem Portugiesisch-Tandempartner vor, Fleißigsein passt eben besser zu einem Regentag. Wir entscheiden uns für Café-Hopping, Teil 10. Hauptthema heute sind Sprichwörter, deutsche und portugiesische. Es ist wie immer viel zu lachen. 


++ Alle Zitate (Überschriften) von Maya Angelou.

Samstag, 21. Mai 2011

Samstag, den 30. April 2011 - Maria


There is no greater agony than bearing an untold story inside you. 

Der Samstag beginnt erneut mit Kultur, D. und ich sehen uns das Haus Ferando Pessoas an, des größten portugiesichen Dichters. Leider ist es dermaßen überrenoviert, dass man von der ursprünglichen Gestaltung nicht mehr viel erahnen kann. Viele Informationen sind der Ausstellung leider auch nicht zu entnehmen, deswegen ziehen wir beleidigt weiter, um unsere Enttäuschung mit einem Stück des expilzit 'besten Schokoladenkuchens der Welt' zu kompensieren.
Das Ganze dehnt sich zu einer Zwangsregenpause mit unbestimmtem Ende aus, denn wenn es in Lisboa einmal regnet, dann regnet es. Wir blockieren also das 2 Tische 'große' Café einen ausgedehnten Nachmittag lang, reden einmal mehr über Gott und die Welt.

Daheim empfangen mich wieder meine Notizen, Aufgaben und endlosen To-Do-Lists.  
Okay, lieber erstmal kochen. Danach kann ich ja immer noch nichts abarbeiten. Die Liste starrt mich wie immer vorwurfsvoll an: "WAS, immer noch nicht?? Du musst dich so langsam mal um ne Wohnung in Berlin kümmern, du WEIßT doch, wie der Wohnungsmarkt da jetzt aussieht! " und: "Wie bitte, was zum Teufel hält dich davon ab, mal eben diese zwei emails zu tippen?!"
Doch alles bleibt beim alten Fluchtverhalten, ich finde mal wieder keine 'Zeit', die vorgeblich 'wichtigen' Dinge des Lebens zu erledigen. Zu schön ist es, das Erasmussyndrom voll auszuleben.

Für die Nacht steht auf dem Plan, alte Freunde wiederzusehen. Ich werde sie mit ihnen auf der Straße verbringen. Wir reden von großen Plänen, J. möchte seinen Job und Portugal endlich verlassen, nach Finnland gehen und dort ein Album aufnehmen. Einfach so. Außerdem gibt es Pläne, vorher per Anhalter nach Deutschland zu reisen. Ich habe große Lust, gemeinsam mit ihm diesem Trip Richtung Heimat zu unternehmen.. Mit dieser Vorstellung im Kopf nimmt auch der Schrecken vor der Rückkehr ein wenig ab, ich kann mir mittlerweile wieder ein paar gute Dinge ausmalen, auf die ich mich sogar freuen kann. Niemand wacht gern aus einem süßen Traum auf, doch der Realität ist manchmal auch gar nicht so übel.

Freitag, 20. Mai 2011

Freitag, den 29. April 2011 - Maria

Music was my refuge. I could crawl into the space between the notes and curl my back to loneliness.
Diesen Vormittag besuche ich mal wieder freiwillig die Uni, um ein Projekt abzuschließen. Es geht um das Bemalen von Fliesen, welches in Portugal eine sehr lange Tradition hat. Die kurze Zeit, die ich vor Arbeitsbeginn damit verbringe, ist heute ein Erfolgserlebnis- Malerei macht mir einfach unheimlich viel Freude, außerdem ist es auf eine Art meditativ und produktiv zugleich. 
Ich wünsche mir, es öfter zu tun, nicht immer so viele Zweifel an Ideen und an eigenem Talent. Es befreit, etwas auf so unmittelbare Weise entstehen zu sehen, das aus der eigenen Feder stammt.

Für abends schlägt D. Kino vor. Wieder mal umsonst, warum also nicht. Danke liebes Lissabon. Du bietest mir hier so sagenhaft viel Kultur: Filmzyklen von deutschen, italienischem, französischem Kino: umsonst.  Jazzkonzerte: umsonst. Museen: umsonst! Die Liste ist schier endlos und ich fühle mich dabei an Valparaíso erinnert, eine an sich sehr arme Stadt, doch das Kulturangebot hat einen fast erschlagen und gratis war es in der Regel noch dazu.
Wir sehen eine Dokumentation über eine brasilianische Kabaret Gruppe aus den 70er Jahren, "Dzi Croquettes" von 13 Männern in Frauenkleidern und greller Schminke. Ich bin sehr amüsiert und entzückt. Die Gruppe hatte sich zu einem Symbol der Gegenkultur zu der damaligen Diktatur in Brasilien entwickelt, sie erlangte internationalen Ruhm. Leider starb ein Großteil der Truppe an Aids bzw. wurde sogar ermordet.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Donnerstag, den 28. April 2011 - Maria

Bitterness is like cancer. It eats upon the host. But anger is like fire. It burns it all clean.

Eine fatale Idee, auf der Arbeit anzufangen, Radio zu hören. Vor allem, wenn es sich um den immergleichen Sender handelt, Radio 'Radar' in unserem Fall. Es sei denn, man hat ein Enzym gegen Gehirnwäsche. Nun weiß ich wieder, warum ich das jedes Mal wieder an den Nagel hänge. Nie wurde mir ein derartig schlechtes Gewissen verpasst, welche portugiesischen Festivals ich im Sommer verpassen werde. Der schlimmste Aspekt ist demnach: die Werbung. Verallgemeinert: die Wiederholung. Ich bin in Geschichte nie so firm gewesen, aber ist die Repetition in verschiedenen Zusammenhängen nicht schon immer eine beliebte Foltermethode gewesen? Gruselig, sich da Zusammenhänge auszumalen...

Von ebendiesem Radio jedoch erfahre ich heute von dem Anschlag in Marrakech. Sofort gehen die Alarmglocken, denn eine Mitbewohnerin hält sich genau dort gerade auf. Sie ist Französin und es passierte in einem von Franzosen viel frequentierten Café auf dem bekanntesten Platz-  sollte... könnte vielleicht.... sagt sogleich der Paranoia Apparat. Nein, viel zu unwahrscheinlich, sagt die Vernunft. Kaum zu glauben, dass ich selbst vor wenigen Wochen noch auf diesem Platz stand. Und natürlich ist es sinnlos, sich plötzlich Gedanken über seine Reiseziele zu machen, denn ein jeder weiß, dass dann selbst Europa dann als Ziel nicht mehr in Frage kommt. Nichtsdestoweniger bin ich gerade froh, dass mein Trip bereits vorüber ist. 
Es bleibt eine gewisse Besorgnis, bis ich zuhause ankomme, doch nach einem kurzen Anruf sind wir versichert, dass alles in Ordnung mit ihr ist.

Mit D., unserem verbalen Wasserfall, habe ich dann ein spontan-schönes Gespräch. Sehr erfrischend. Zuvor bin ich oftmals vor ihren Redeschwällen geflüchtet.. ein Fehler. 
Hauptsächlich geht es natürlich um Männer. Um Chile. Afrika. Lieblingsbücher. Musik. Ich erfahre persönliche Dinge, sie ich mir mit meinen Vorab-Trugschlüssen niemals hätte vorstellen können. Und das obwohl ich eigentlich eine ziemlich erstaunliche Fantasie besitze! In Wahrheit ist sie ist fantastisch. Es ist schade, dass mir das erst so spät bewusst wird. wir machen aus, von nun an öfter Dinge miteinander zu unternehmen. Nun weiß ich mehr über einen meiner vier Mitbewohner, es ist, als hätte man einen Raum in seinem Haus entdeckt. Einen, der einem zuvor nie aufgefallen ist. Einen Ballsaal.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Mittwoch, den 27. April 2011 - Maria

There is a very fine line between loving life and being greedy for it. 


Wieder einmal gegen den freiwilligen Teil des Tages, sprich Uni, entschieden. Also nun doch länger zuhause chillen und dann nachmittags zum Praktikum. Welch ein Luxus. Wenn ich dafür nun auch noch bezahlt würde, hätte ich noch viel weniger Grund, jemals wieder zurückzugehen. Generell fällt es mir schwer, Dinge zu finden, die bei mir Vorfreude auf eine Rückkehr erwecken.
Ich lese Zitate von Maya Angelou und Saul Williams. Zu Recherchezwecken. Gefällt mir alles sehr. 
Beide sind, wie drückt man das nur unaltmodisch aus?, Poeten aus den Vereinigten Staaten. Angelou ist darüber hinaus auch Autorin, Tänzerin, Afro-Amerikanische Aktivistin und vieles mehr. Williams ist zugleich Musiker und Schauspieler. Schön, mitzuerleben, dass auch dieses Land nicht wenige wundervoll- mulitalentierte Menschen hervorbringt. Besonders Saul Williams ist ein wandelndes Phänomen, einzigartig in der jüngeren Geschichte des Hip Hop, finde ich. Erfahren von ihm und seiner Musik habe ich auch erst vor knapp einem Jahr. Sehr inspirierend. 

Seit langem gab es heute wieder eine roda (capoeira) auf dem wunderschönen Miradouro (Aussichtspunkt) "da nossa senhora do monte" (Geheimtipp für alle, die Lissabon noch nicht kennen). Hauptanlass war die Verabschiedung zweier Mitglieder unserer Gruppe, danach gab es Essen, Getränke und Abschiedsszenen. Wunderschön in der lauen Sommerluft, mit traumhaftem Blick über Lisboa.
Und ehe man es sich versieht, ist es halb Zwei.

Dienstag, 17. Mai 2011

Dienstag, den 26. April 2011 - Maria

I love to see a young girl go out and grab the world by the lapels. Life's a bitch. You've got to go out and kick ass.

Es gibt unter den Dingen, die man auf dem Weg zur Arbeit vergessen kann nichts, das ich mehr vermissen würde, als meinen Ipod. Geld? Wozu denn. Schlüssel? Die Haustür kann man ja zur Not immer mit dem Fingernagel öffnen (Ja genau, willkommen in Portugal). Ach ja, man kapselt sich ab, achtet nicht mehr auf Straßenverkehr, bla bla. Aber die Wahrheit ist, dass ich spätestens, wenn ich aus der Tür bin, mich plötzlich "nackt" um die Ohren fühle und da nichts ist, an das ich meine Schrittgeschwindigkeit anpassen kann, weiß ich, 'du hast etwas ganz essenzielles vergessen....' und fühle mich gleich ein bisschen hilflos. 
Dieser Tage ist das Tempo mal wieder elektronischer Natur, für mich ein krasser Gegensatz zu der Lebensatmosphäre hier in Lissabon. Weder bin ich hier nicht mit der gleichen Quantität wie im Berliner Nightlife konfrontiert, weswegen ich die Stadt mit jeder nur erdenklichen Musikrichtung außer Techno & Co. assoziiere, noch will mein Arbeitsweg-Soundtrack zu Bildern oder Gedanken passen. Trotz allem ist es heute genau die richtige Musikrichtung, um mich zu inspirieren. 

Ich habe mir heute einen Hut gegönnt, als Belohnung nach der Arbeit. Einen Männerhut von Zara. Zwölf fünfundneunzig und eine gute Investition. Zwar ist es ja irgendwo ein Trauerspiel, dass man auf Grund eines unweiblichen Kopfumfanges dieserart Umwege angewiesen ist, doch ich habe gemerkt, dass es keine schlechte Idee ist, Männerabteilungen hin und wieder einen Besuch abzustatten- freundliche Verkäufer. Männliche Verkäufer. Motivierte Verläufer, die nichts zu tun haben weil es bei den Männern einfach nie voll ist. Wenn Frau also eines Tages schlecht gelaunt und mit Selbstbewusstsein im Keller durch die Innenstadt läuft, rate ich zu einem kurzen Besuch der Zara Männerabteilung, man sollte einfach so tun, als suche mein ganz bestimmtes Teil für einen Bekannten.  

Nun bin ich gut behutet, das Ego aufpoliert und mit dem richtigen Soundtrack dazu.
Zufrieden mit meinem Tag.

Montag, 16. Mai 2011

Ostermontag, den 25. April 2011 - Maria

Living a life is like constructing a building: if you start wrong, you'll end wrong

Diesen Tag beginne ich spät. In weiser Voraussicht am Vorabend mit Wasser versorgt, zieht der räudige Kater am Morgen an mir vorüber. Wieso schaffe ich das denn sonst nie?
Es ist Ostermontag. Und als ob das nicht schon genug Feiertag wäre, haben wir in Portugal auch den Jahrestag der Nelkenrevolution vom 25. April 1974, einem volksgestützten Militärputsch gegen die 40jährige Salazar Diktatur. Die roten Nelken, deren Namen die Revolution trägt, wurden den Putschisten als Solidaritätsbeweis von der Bevölkerung Lissabons in die Gewehrläufe gesteckt.

Nach einer verregneten vergangenen Woche brennt nun wieder die Sonne. Was macht man mit solch einem geschenkten Tag? Ich verbringe ihn, wie schon viele meines "Erasmus Urlaubs" zuvor, draußen, am besten Wassernähe. Die in Marokko (dazu würde man dann wohl "Urlaub vom Urlaub" sagen) erworbene Bräune hält sich schließlich nicht von alleine frisch.
Passenderweise wähle ich mir für mein Nickerplätzchen eine der (in Lissabon leider spärlichen - Erholen tut man sich hier glaube ich im Fußballstadion oder so) Wiesen am Tejo Ufer, direkt neben der Brücke des 25.April, ehemals Salazar-Brücke. Beim allerersten Anblick des Bauwerkes vor bald einem Jahr war ich ja zugegebenermaßen enttäuscht. Zu eindeutig, dass dort Diebe geistigen Eigentums am Werke gewesen sein müssen- klar abgeguckt von der berühmte Golden Gate in SanFran. Gleich daneben, auf der anderen Flussseite, ein Christo mit ausgebreiteten Armen, soll dann wohl die Eins zu Eins -Kopie aus Rio sein? 

Die roten Nelken sind aus meinem Kopf verschwunden, sobald ich auf die Straße trete. Für heute soll der sich nur noch mit Wolkenformationen und Auswahl von Schlafpositionen beschäftigen.
Und statt Schäfchen werde ich eben die heute reihenweise auslaufenden Kreuzfahrtschiffe zählen.