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Samstag, 21. Mai 2011

Gemeinsame Gegenwart - 30. April 2011


+++ Borussia Dortmund ist deutscher Fußballmeister 2011; Mutmaßlich islamistische Terroristen planten offenbar Bomben-Anschläge in Deutschland; Anwohner und Geschäftsleute im Hamburger Schanzenviertel hoffen auf ruhigere Nacht in den 1. Mai +++

Samstag, den 30. April 2011 - Silke

Schön ausschlafen heute, am Samstag. Da habe ich mich schon die letzten beiden Wochen drauf gefreut – endlich mal schön ausschlafen. Um 7 Uhr wache ich auf, bis um 9 Uhr versuche ich wieder einzuschlafen, dann gebe ich auf. Soviel zum schön mal ausschlafen. Ob es das fortgeschrittene Alter ist? Das 27 anders als 18 ist, ist klar. Das ist auch gut so und ich freue mich in regelmäßigen Abständen darüber. Weniger erfreulich sind die sich klar um die Augen abzeichnenden Fältchen (ganz klar jedenfalls, wenn ich 5cm vor dem Spiegel genau hingucke), ob die tolle Creme vom Bodyshop da wohl hilft?
Also aufstehen, frühstücken. Mama ist der Meinung, ich müsste nach dem ganzen Reisen erstmal wieder „geerdet“ werden und schickt mich in den Garten. E. ist am Rasenmähen, mit dem Rasenmähertrecker (heißt das so? Sieht auf jeden Fall so aus), das sieht nach mehr Spaß aus, als Wäsche aufhängen jemals sein könnte. Geschickt biete ich meine Hilfe an und sitze auf dem Gefährt, umgehe damit also langweiligere Erdungsarbeiten. Die Sache stellt sich als durchaus entspannend heraus (ich hoffe, das versehentlich abgemähte Blumenbeet fällt nicht auf).

Die Sonne scheint. Später geht’s zu einem meiner Top 3 Lieblingsplätze in Europa, Blumen gießen: der lokale Friedhof. Hier könnte ich Stunden verbringen; schöner als jeder Park, ruhiger als jeder Park. Kein Buch vonnöten, hier liegen genug Geschichten. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ steht da geschrieben; kann ein Satz mehr Wahrheit sprechen?
And so they are ever returning to us, the dead.

Zum Einbruch der Dunkelheit finde ich meinen Weg wieder nach Hause; in der Stube findet die Familie zusammen. Mein Vater berichtet, dass vor dem Haus unserer Nachbarn (die, wohlgemerkt, über einen Kilometer von uns entfernt wohnen) die Strasse abgesperrt ist und Autos mit Blaulicht davor stehen. Nach einigem Rätseln, was dies wohl sein könnte (Meine Mutter: „Komisch, alte Leute wohnen da doch gar nicht, die umgekippt sein könnten“) ruft mein Vater bei den Nachbarn an. Die Tochter des Hauses nimmt ab, weiss aber auch nichts. Spannend.
Ich finde die Neugierde und unbedingte Nähe der Gemeinschaft erst einmal wieder befänglich, fast unangenehm – nach Jahren der absoluten Anonymität in London, Amsterdam und Wien muss ich mich neu daran gewöhnen, was Gemeinschaft bedeutet. So groß ist der Gegensatz; in der Stadt würde sich eine Oma nie eine Tasche nach Hause tragen lassen, im Dorf würde die Oma sich wahrscheinlich bei den Eltern des Kindes beschweren, welches ihr hätte helfen können.


Each of us is a being in himself and a being in society, each of us needs to understand himself and understand others, take care of others and be taken care of himself.  ~Haniel Long

Samstag, den 30. April 2011 - Ole


Schall und Rauch.

Joni hat nur Vorhänge vorm Fenster, drum ist's um halb 12 schon vorbei mit Rausch ausschlafen...
Erstmal kalt duschen und ordentlich FrühSpätstücken. Am Nachmittag geht’s dann wie geplant wieder in die Stadt zum Shoppen. Der Smallville Recordstore öffnet gerade seine Türen, wir sind die Ersten, doch bereits eine Minute später ist der kleine Laden voll. Alles ist nach Labels sortiert, das gefällt mir eigentlich sehr gut. Oft findet man ohne die Unterstützung des Verkäufers sonst nicht eine Platte. Hier ist allerdings das Problem, das die Plattentheken so vollgestopft sind, dass man die Platte gar nicht erst aus dem Fach bekommt. Zudem liegen sogar noch große Stapel Schallplatten oben drauf. Nachdem ich schätzungsweise eine Halbe Tonne Plastik von rechts nach links und zurück gestapelt habe, kaufe ich vier Scheiben.
Auf dem weiteren Weg entdecke ich noch einige nach Keller duftende Secondhand-Schuppen und ich kann meine „Blödelhits“ LP Kollektion von einer LP auf zwei erweitern!
Wir chillen ein Stündchen am Elbufer und bruzzeln mit Eis in der Sonne.
Mein Handy klingelt. So Fresh, So Clean – Outcast. Hehe.
Ich verabrede mich mit einer Freundin aus Hamburg auf einen Drink im Schanzenviertel. Aufgrund des bevorstehenden 1. Mai fährt der Bus nur 3 Haltestellen. Dann ist Endstation. Das gesamte Schanzenviertel ist in einem Radius von mehreren Kilometern für sämtlichen Verkehr hermetisch abgeriegelt. Nach knapp einer Stunde Fußmarsch in der prallen Sonne bestelle ich drei Bier und noch einen doppelten Espresso für mich. Wir unterhalten uns gut und verabreden uns für heute Nacht ebenfalls in der Schanze. Auf dem Rückweg essen wir noch eine Ofenkartoffel gefüllt mit Hähnchenbruststreifen, Peperoni, Tomate, Salat, Nachos und mexikanischer Soße. Die Alternative zum Döner! Von der Haltestelle Sternenschanze können wir glücklicherweise direkt zurück nach Harburg fahren.
Ich leg mich noch ein Stündchen ab. Danach machen wir uns fertig und fahren zurück in die Schanze. Jetzt fällt mir auf, dass ich besser nicht nur Schwarze Hosen mitgenommen hätte. Zusammen mit meiner schwarzen Jacke sehe ich in den Augen der unzählig vielen Polizisten jetzt wahrscheinlich so aus, wie ein gewaltbereiter Mai-Extremist...
Die Stimmung im Viertel ist allerdings in meinen Augen erstaunlich entspannt, außer eines brennenden Müllcontainers gab es nicht viel zu sehen. Da hätte ich etwas mehr Engagement erwartet liebe Hamburger!
Ich möchte nicht wissen was dieser Polizeieinsatz gekostet hat und dann haben die nicht einmal etwas zu tun gehabt - außer Kaffee saufen und an jeder Ecke rumstehen...
Wir trinken drei Bier in einer netten Eckkneipe. Danach fahren wir wieder heim. Ich bin fertig vom (Vor-)Tag. Als wir gerade in die Bahn einsteigen klingelt mein Handy, wo wir uns treffen wollen. Schade.
Joni und ich trinken noch eine Dose Bier auf dem Garagendach, lassen die Füße herunterbaumeln und starren in den Sternenhimmel. Wann hast du das letzte Mal da hochgeschaut?

Samstag, den 30. April 2011 - Verena


Wie soll ein Tag gut starten, wenn man samstags schon um 6 Uhr aufstehen müsste. Also Konjunktiv. Aber immer noch fast rechtzeitig. Dann ab auf die Autobahn und nach Köln. Fast so schlimm wie das frühe Aufstehen ist dann noch die Parkplatzsuche an der FH. Deshalb sollte man auch früher losfahren. Egal, Parkplatz gefunden und nur 15 min zu spät zur Vorlesung: 3 Stunden Corporate Communication. Gibt schlimmeres. Zum Beispiel, wenn der Professor fragt, wer denn die Southfork Ranch noch kennt und dann auf mich zeigt „Sie kennen das bestimmt!“ – „Na toll. Sehe ich so alt aus?“ Verdammt, natürlich kannte ich es, das war von Dallas. Kann ich auch nichts dafür, dass die anderen so jung sind. Außerdem bin selbst ich für Dallas noch zu jung. Meine Mutter macht uns heute noch Vorwürfe, dass sie es damals nie gucken konnte, weil wir nicht ins Bett wollten. Aber ich kenne es, das ist Fernseh-Allgemeinbildung, geguckt hab ich es aber nie.

Der Rest war ganz interessant. Es ging um Hirnforschung und Psychologie und wie uns die Werbung unterschwellig Sachen andreht, ohne dass wir es merken und so. Kenn ich.

Dann nach Hause. Vorher noch in die Waschanlage und was einkaufen. Ein bisschen aufräumen, ein bisschen putzen, dabei ein bisschen fernsehen und Kaffee trinken und auch was essen, weil gefrühstückt hatte ich nicht.

Bin sogar noch laufen gewesen. Diesmal mit der angeschalteten runtastic App. Ging sogar schon besser. Idioten mit gelb-schwarzen Schals fuhren an mir vorbei. Kein gutes Zeichen.

Danach noch was auf die Couch, aber ich konnte nicht schlafen. Abends dann R abgeholt und ins Come In gefahren. Eigentlich war es langweilig. O und C waren auch da. Sie streben den gleichen hedonistischen Yuppie-Lifestyle an wie ich, lassen es aber zu sehr raushängen. Insbesondere, wenn man in einen alternativen Rockladen geht, sollte man das lassen. Ich war freiwillig Fahrer und hab nichts getrunken und was macht R? Trinkt ein Weizen und dann nur noch alkoholfrei. Ist eigentlich auch nicht richtig so was.

Samstag, den 30. April 2011 - Thomas

11 Uhr. Jack Bauers typischer Handy-Ton unterbricht meinen traumlosen Schlaf. Ich habe mir den Klingelton aufgrund der Serie Pastewka, kompliziert, kompliziert, auf mein iPhone geladen und erst im Nachhinein erfahren, dass der Sound ursprünglich aus der Serie 24 stammt. Seitdem ist mir der Spaß daran vergangen. Timo will wissen, wann wir uns wo genau in der Stadt treffen.

11 Uhr 50. Ich treffe Timo und Steffi am Roland. Wir laufen einige Geschäfte ab, es geht hauptsächlich um Kleidung und Musik. Heute ist bei Hot Shots der letzte Tag einer "Gebraucht zum halben Preis" Aktion, auf Originale gibt es immerhin noch 20 Prozent. Ich nehme mir "Unterschied" von den Massiven Tönen, "Different Class" von Pulp, "Idlewild" von Outkast und eine Michael Jackson DVD, die nach seinem Tod herauskam, für insgesamt 10 Euro mit. Da kannst du nicht meckern.

Auf dem Weg zurück in die Neustadt treffe ich auf ein paar Antifa, Punks oder Linksextremisten. Schwer zu sagen. Heute ist eine Nazi Demo angekündigt und das lockt diese Hacky Sack spielenden, Politikverdrossenen Steineschmeißer an, wie Scheiße eben Fliegen nun mal anlockt. Ich lasse mir den Stand der Dinge erklären und Feuer geben. Die Demo ist gerade vorbei, verletzt hätten sie Bedauernswerterweise niemanden. Die Polizei, diese Schweine, hätten die Nazis aus dem Wurfbereich abgeführt. Kein Wort über das scheiß System.

Linke sind wie Hunde, wenn ihre Herrchen in der nähe sind, oder wie die Kirche, sie tun nur so als ob sie friedlich wären. Das Volk ist mindestens genau so besorgniserregend wie ihr Pendant, die Herren von der Leitkultur. Beide Seiten haben ein klar definiertes Feindbild, von dem sie glauben, es würde ihren Scheiß rechtfertigen. Beide Seiten sind schlecht angezogen, beide hören nervige, geistlose Musik und beide wirken auf mich unheimlich dumm und gewaltbereit. Keiner von denen macht den Eindruck als wüsste er was er da tut und wohin das führt. Mit irgendetwas muss man ja die Adoleszenz rumkriegen.

Ich widme mich dem Hirn und esse Knipp. Nach dem späten Mittagessen nutze ich den Tag, indem ich Mails verschicke, lese und Musik höre. Am Abend verrichte ich kleinere Dinge im Haushalt, zu mehr langt es einfach nicht. Der Schwips von vergangener Nacht steckt mir in den Knochen. Mittwoch geht es in den Flieger nach Barcelona, bis dahin wollte ich die Bude sauber haben. Allein die Vorstellung nach dem Urlaub in eine verdreckte Wohnung zurückzukehren, lässt mich den Besen in die Hand nehmen. Mit Spießigkeit gegen das Chaos im Leben. Vor lauter unmotivierten Wischen, vergesse ich die geliehene DVD zurückzubringen. Patrick Bateman wäre das nicht passiert.

Heute wäre Tanz in den Mai. Irgendwo läuft Techno Musik. Ich habe keine Lust.

20 Uhr 15. Wetten Dass...? läuft im Fernsehen. Selten wurde ich so schlecht unterhalten. Désirée Nick, ist die wirklich eingeladen oder wurde die bei einer abgesetzten RTL-Produktion im Studio vergessen? Peinlich. Der Rest der Gäste, sowie alle Wetten bleiben Dankbarerweise vornehm im Hintergrund und versuchen erst gar nicht irgendetwas mit dem Niveau anzustellen. Nur der Liefers wirkt sehr angestrengt dabei als Kulturfreund ernst genommen zu werden. Als US-Star, der rechtzeitig seinen Flieger kriegen muss, wurde Whoopi Goldberg auserwählt. Warum hat Gottschalk eigentlich keinen Fliesentisch für seine drittklassigen Gäste bereitgestellt? Wäre doch angemessen gewesen. Kurz überlege ich den Ton auszuschalten…

Ton aus. Der glattrasierte Hugh Laurie schaut ganz bedröppelt aus der Wäsche. Wie viele Dr. House Anspielungen der sich wohl gefallen lassen muss? Als ich wieder aufwache, suche ich im Dritten Programm nach einer Sportsendung. Bayern hat Schalke mit 4:1 nach Hause geschickt. Ich bleibe bei Death Proof hängen. ARD zeigt den Quentin Tarantino Film in HD. Es ist der mit Abstand schlechteste Tarantino, den ich je gesehen habe und spätestens jetzt habe ich sie alle gesehen. Ich weiß schon warum ich den bisher gemieden habe. Ausgerechnet die Dialoge machen den Film so durchschnittlich.

Um 2 Uhr sehe ich endlich die vier Bayern Tore im Bayrischen Rundfunk und kann zufrieden einschlafen.

Samstag, den 30. April 2011 - Tanja

Der Samstag begann mit einem „Frühstück“ im Abbey Road. Serviert wurden zwei Schnitzel pro Teller mit wahlweise Rösti, Wedges, Spätzle, Pommes oder Salat. Nicht zu vergessen, die Pilzrahmsauce für all die, die sich nichts aus weiteren 300 Kalorien machen. An dem heutigen Samstag sollte es nach Zhujiajiao gehen – eine beschauliche Wasserstadt, die leicht an Venedig erinnert. Da ich bereits davon ausging, dass es dort nichts Kaubares für meinen westlich antrainierten Gaumen gäben würde, wollte ich provisorisch vorsorgen. Selbst jemand mit einer bereits sinisierten Zunge, sollte an derartigen Orten vorsichtiger sein. Heute ist ein ziemlich heißer Tag gewesen und wer weiß, wie lange die Baozi bereits an der Sonne brutzelten und vor sich hin verdunsteten.

Auf lange und stickige Busfahrten hatten wir ebenso weniger Lust und da das Taxifahren in China ohnehin einen Apfel und ein Ei kostet, hatten wir uns für die bequemste Art entschieden. Es war unser Glück, dass der Taxifahrer sein lukrativstes Geschäft des Tages in uns witterte. Auf dem Hinweg zum Abbey Road bot er uns eine Hin- und Rückfahrt an und obendrauf würde er sogar auf uns warten. Abgemacht! Er lachte und wir freuten uns über diesen Extraservice.

Die Hinfahrt dauerte etwa eine Stunde und kostete uns insgesamt 230 RMB (ca.25 Euro). Auf der Autobahn bemerkte ich, dass sich meine Strickjacke in der Tür verfing und ¼ der Jacke nun aus dem Auto hing und durch die Luft wedelte. Bemerkt hatte ich es aber erst, als ich mich für ein Nickerchen zu Recht legen wollte. Es klappte aber auch mit Bewegungseinschränkung, auch wenn ich mir den Rest der Fahrt anders vorgestellt hatte. Ursprünglich ginge ich vom Folgenden aus:
Einsteigen – Small Talk – Nickerchen – aufwachen – uns absetzen – aussteigen.
Die Realität sah aber folgendermaßen aus:
Eingestiegen – eingeschränkte Bewegungsfreiheit – Nickerchen – aufgeweckt worden – verfahren – Missverständnis – verfahren - verfahren – am richtigen Ort vorbeigefahren –Missverständnis – verfahren –umgedreht- angekommen- 230 RMB- ausgestiegen.
Welch ein Maleur! Zum Ende der Fahrt konnte ich mir sogar eine Handvoll Straßennamen merken. Das schaffte ich noch nicht einmal nach 4 Monaten in Peking.
Andererseits hatten wir auch Glück im Unglück: Das ständige Verfahren half uns die Zeit hinauszuzögern, die uns sowohl das Eintrittsgeld (freier Eintritt ab 16:00 Uhr) als auch den Touriauflauf ersparte. Ich bin mir sicher gewesen, wären wir einige Zeit früher angekommen, dann hätte ich mehr Köpfe als Wasser vor der Linse gehabt - Schnitzel und lästige Taxifahrt sei Dank aber nicht!

Einen Spaßverderber hatten wir dennoch im Boot sitzen– die stechend heiße Sonne. Das Wetter wurde unerträglich und die schmalen Gehwege und Gassen wurden zu stickigen Saunabuden. Die Gerüche verschiedenster Garküchen verschmolzen hier miteinander und wäre da nicht der Stinketofu, der dem unausweichlichen Gestank seine gewisse Note dazu verlieh, wäre das Ganze auch kein Problem gewesen. Auf der Suche nach einem Zufluchtsort, hatten wir uns dummerweise verlaufen und es hatte uns ein wenig Zeit gekostet wieder zurückzufinden.
Nach zwei Stunden hatte es uns dann aber auch gereicht. Zhujiajiao ist zwar ein interessantes Plätzchen, unterscheidet sich allerdings nicht groß von anderen touristischen Orten in China, wenn da nicht das Wasser und das venedische Flair wären.

Ich hatte meine Erkältung zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich auskuriert und es wurde auch Zeit wieder zurückzufahren. Der Samstag endete für mich ungewöhnlich früh, als ich auf der Wohnzimmercouch einschlief, während A. noch munter Fußball schaute. Es stand 4:1 für den FC Bayern München.

Samstag, den 30. April 2011 - Diana

Tanz in den Mai du Sau!
Wohin ist das Feeling das man mit 15 hatte wenn Tanz in den Mai war? Heute arbeite ich als Kassiererin auf einem Festival in Stuttgart. Ich wechsele den Leuten ihr Geld in Marken, lächle und wünsche ihnen viel Spaß beim feiern. Plötzlich ist es egal welcher Tag ist, Hauptsache du erlebst ne gute Zeit. Wie definierst du Zeit und wie definierst du gut?
Zeit heißt für mich in den Tag zu leben ohne Verpflichtungen und gut ist es wenn ich jede Menge zu lachen habe.

Ich könnt mir nix schöneres vorstellen als mit meinen Freundinnen auf dem Fahrrad zu sitzen und zu irgendeiner Anlaufstelle zu fahren um andere Bekannte zu treffen. Aber dabei ginge es mir nicht um die anderen, sondern um die Zeit mit meinen Mädels. Also um Zeit und was Gutes. Als ich im Oktober meine Heimat verlassen habe, wurde mir ein Satz mit auf den Weg gegeben den ich Monat für Monat wieder neu selektiere “Du merkst erst wenn du weg bist wer deine wahren Freunde sind.” Ich teil das nicht, weil ich nicht erst fortgehen muss um das zu erkennen. Wahre Freunde hast du ein Leben lang - das erkennst du mit der Zeit. Menschen die früh in dein Leben treten, dich die ganze Zeit begleiten und unterstützen, mit denen du streitest, weinst, rumzickst und lachst. Menschen die dich mal enttäuschen für einen Moment, aber die dir niemals einen Riss ins Herz schneiden oder dich hintergehen. Ich habe einige gute Freundinnen aus Kinder und Jugendtagen, Mädels deren Gesichter ich mir gern auf den Körper tätowieren würde, mit denen ich Jahr für Jahr an Geburtstagen zusammen sitze und darüber lache wie wir uns verändern. Dieses Jahr wird eine meiner liebsten 25 und ich frage mich ob ihre Wohnung mit Schachteln zugehangen wird mitten in der Innenstadt. Ich hab immer gesagt, dass ich vor meinem 25. Geburtstag nicht mehr in Nienburg wohnen werde und somit dem Kult entkomme – ha gepackt! Mit der anderen liebsten plane ich seit über 15 Jahren eine Mega Geburtstagsparty weil unsere Geburtstage so dicht beieinander liegen, aber wir haben es nie geschafft. Stattdessen teilen wir andere gute Momente und peilen realistischerweise den 3. Oder 4. März 2017 an!
Doch jetzt wird erstmal verkauft und stumpfen kleinen Kids mit neonfarbenden Sonnenbrillen ne fette Nacht gewünscht, ich bleib hier in meinem Häuschen sitzen und philosophiere über meine Zukunft – die definitiv spannend wird, weil ich das will. Heute bin ich Kassiererin, morgen bin ich die Königin der Tanzfläche, darauf die Woche gestalte ich Designs für Partys und wische Nachts die alten Holztische in meiner Lieblingsbar ab. Die Welt ist ein Stück Kuchen und ich möchte von jedem Stück etwas kosten.

Samstag, den 30. April 2011 - Maria


There is no greater agony than bearing an untold story inside you. 

Der Samstag beginnt erneut mit Kultur, D. und ich sehen uns das Haus Ferando Pessoas an, des größten portugiesichen Dichters. Leider ist es dermaßen überrenoviert, dass man von der ursprünglichen Gestaltung nicht mehr viel erahnen kann. Viele Informationen sind der Ausstellung leider auch nicht zu entnehmen, deswegen ziehen wir beleidigt weiter, um unsere Enttäuschung mit einem Stück des expilzit 'besten Schokoladenkuchens der Welt' zu kompensieren.
Das Ganze dehnt sich zu einer Zwangsregenpause mit unbestimmtem Ende aus, denn wenn es in Lisboa einmal regnet, dann regnet es. Wir blockieren also das 2 Tische 'große' Café einen ausgedehnten Nachmittag lang, reden einmal mehr über Gott und die Welt.

Daheim empfangen mich wieder meine Notizen, Aufgaben und endlosen To-Do-Lists.  
Okay, lieber erstmal kochen. Danach kann ich ja immer noch nichts abarbeiten. Die Liste starrt mich wie immer vorwurfsvoll an: "WAS, immer noch nicht?? Du musst dich so langsam mal um ne Wohnung in Berlin kümmern, du WEIßT doch, wie der Wohnungsmarkt da jetzt aussieht! " und: "Wie bitte, was zum Teufel hält dich davon ab, mal eben diese zwei emails zu tippen?!"
Doch alles bleibt beim alten Fluchtverhalten, ich finde mal wieder keine 'Zeit', die vorgeblich 'wichtigen' Dinge des Lebens zu erledigen. Zu schön ist es, das Erasmussyndrom voll auszuleben.

Für die Nacht steht auf dem Plan, alte Freunde wiederzusehen. Ich werde sie mit ihnen auf der Straße verbringen. Wir reden von großen Plänen, J. möchte seinen Job und Portugal endlich verlassen, nach Finnland gehen und dort ein Album aufnehmen. Einfach so. Außerdem gibt es Pläne, vorher per Anhalter nach Deutschland zu reisen. Ich habe große Lust, gemeinsam mit ihm diesem Trip Richtung Heimat zu unternehmen.. Mit dieser Vorstellung im Kopf nimmt auch der Schrecken vor der Rückkehr ein wenig ab, ich kann mir mittlerweile wieder ein paar gute Dinge ausmalen, auf die ich mich sogar freuen kann. Niemand wacht gern aus einem süßen Traum auf, doch der Realität ist manchmal auch gar nicht so übel.

Samstag, den 30. April 2011 - Jan-Hinnerk

Ich schlafe bis weit über Mittag. Es ist ungefähr 14 Uhr als ich das erste Mal auf die Uhr sehe. Noch reichlich umnachtet stehe ich auf und latsche ins Wohnzimmer, wo ich wie jeden "Morgen" zu allererst meinen Computer einschalte. Ganz so als wäre es mein Gehirn, dem ich nach der Nacht durch einen Knopfdruck den Saft einschalte. Heute klappt das nicht. So einfach lassen sich die Synapsen samstags nicht beeindrucken. Ich brauche einen echten Saft: Kühl und sauer.

Ich verdaddel noch eine gute Stunde in Bad und Internet, bevor ich beschließe, diesem Tag eine Wendung zu geben und ins Konsum-Wunderland der Stadt zu fahren. Der Wechselkurs zwischen Euro und Thailändischen Baht hat sich in letzter Zeit wieder etwas erholt. Ein Euro ist über 44 Baht wert. Das sind 10 Prozent mehr als zu Anfang meiner Zeit hier! Das heißt auch, gefühlt ist für mich jetzt alles 10 Prozent billiger. Die Gunst der Stunde will genutzt werden.
Ohne zu wissen, wonach ich eigentlich genau suche, lasse ich mich durch die einschlägigen Malls treiben und halte mich vor allem in Klamottenläden und Elektronikabteilungen auf. Einmal betrete ich auch einen Schuhladen. Den aufdringlichen Verkäufer werde ich sofort mit meiner Standardfrage los: "Haben sie den auch in Größe 46?" Das hat bislang immer geklappt. Die Menschen in Thailand sind durchschnittlich eben kleiner. Überhaupt scheint es eine gute Strategie zu sein, motivierte Verkäufer gleich mit einer Gegenfrage zu konfrontieren. Die Antwort lautet in 90 Prozent aller von mir erfassten Fälle "nein". Ich kann das empirisch belegen. Bei einem Verkaufstraining für Vertriebsmitarbeiter wurde mir mal beigebracht, dass man das Wort "nein" nur äußerst selten sagt. Und wenn doch, dann bettet man es in watteweiche Floskeln. Das scheinen die hier anders zu sehen. Neinsagen kann was.

Samstag, den 30. April 2011 - Marc

Dieser Tag ist schnell vergangen. Wir machen eine BBQ party. Etwa 12 Stunden lang mit netten Leuten in Tuscaloosa bei meinem Boss und Kumpel. Sein Haus ist nicht beschaedigt, Garten auch nicht. Keine besonderen Vorkommnisse abgesehen von 17 Mueckenstichen, die auf jeden Fall die naechsten acht Tage jucken werden. Oh, mir faellt doch noch ein, dass der Präsident der USA, Herr Obama, die zerstoerten Bereiche der umliegenden Staedte besucht und sofortige Hilfe zusichert. Vielen Dank dafuer, sehr freundlich. Ich melde mich freiwillig fuer die naechste Woche zum Aufraeumen. Ok, das war dann also Samstag, der vorletzte Tag meines einzigen Tagebuches ueberhaupt. Ich merke schon, wie mich ein sentimentales Gefuehl beschleicht...