Freitag, 13. August 2010

Das Thema ist so durch: IKEA

IKEA jaha, wie könnte ich das Thema auslassen? Es gibt ja so gut wie gar keine witzigen Menschen im deutschen Fernsehen. Wenn ich höre, dass selbst die Carolin Kebekus jetzt schon als witzig gehandelt wird, dann kann sich Oliver Pocher eventuell ebenfalls noch mal zutrauen mit einem potenziellen Programm auf die Bühne zurückzukehren. Zusammen mit Peach Weber. Aber bitte nicht das Thema IKEA durchnudeln, das wird nämlich hier und jetzt von mir gnadenlos zelebriert. Sowie von dutzend anderen vor mir.

Hallo erstmal, ich war ja letztens bei IKEA. Ich letztens mit meiner Freundin zu IKEA, oh neee doo. Hier IKEA, kennste nä, IKEA? Sex in IKEA Betten, ganz nett, aber das nächste Mal warte ich damit bis zum Ladenschluss.


Persönlich fange ich ja immer so an: Ich dahin…

Ein IKEA Profi bin ich bei weitem nicht. Der Laden ist halt sehr bequem und schnell von meiner Wohnung aus zu erreichen und um bei anderen Möbelhäusern nach Angeboten und Parkplätzen Ausschau zu halten, bin ich zu faul und unflexibel. Von Flohmärkten mal ganz zu schweigen. Ich mache mir auch nicht vor, den Laden jemals unter der 100-Euro-Grenze wieder zu verlassen. Eingang und Ausgang sind das einzige, das ich am Anfang und Ende noch richtig mache. Der Rest ist meiner Orientierungslosigkeit geschuldet.

Oben, im Möbelbereich, werden Einrichtungsideen simuliert, die mich, ich gebe es zu, vom Design her ansprechen. Bierwerbung erreicht mich auf ihre kumpelige Art nie, aber eine hässliche Tischlampe neben dem Plasma Fernseher gefällt mir. Hier kann man Gäste empfangen, denke ich. Den Gedanken beim Kauf den Bedürfnissen anderer zu entsprechen, hatte ich das letzte Mal als ich schwer verliebt war. Da überlegte ich tatsächlich vor dem CD-Kauf welches Album ihr eher in meinem Regal auffallen würde. Songs in A Minor von Alicia Keys oder Zwei von EinsZwo.
Nach langem Hin und Her blieb ich mir treu, es hat dann mit EinsZwo auch funktioniert, trotz allem muss ich gestehen, es war knapp. Das hätte ganz schlimm enden können mit mir. Eine Lektion, die mich heute davon abhält hässliche Tischlampen neben Plasma Fernseher zu stellen. Da fällt mir auf, ich war schon lange nicht mehr schwer verliebt gewesen. Na, dann bin ich ja bei IKEA genau richtig.

Ich scheine hier der einzige Single zu sein. Zumindest bin ich der einzige, der alleine durch die Gänge irrt. Gerne wäre ich jetzt in der Begleitung jener Person, die von sich behaupten kann, der Warnhinweis in den freistehenden Deko-Toiletten, es gäbe auch echte Toiletten am Ausgang, wäre ihr zu verdanken. Man hätte bestimmt viel Spaß. Stattdessen sehe ich junge Paare, bei denen es sich hundertprozentig um das Thema erste gemeinsame Wohnung handelt. Sie meist sehr hübsch, er unauffällig nebenher trabend. Die Frage, wie ich mich da wohl verhalten würde, stellt sich mir erst gar nicht. Eher überlege ich, was der arme Junge wohl alles an Kompromissen eingeht, um sie zu halten.
Wenn die Beziehung den Gang zu, durch und aus dem IKEA unblutig übersteht, dann ist es was Reelles. Vergnügt sieht dennoch anders aus. So recht verstehe ich es nicht, wie man es schafft, aus einer eigentlich sehr guten Ausgangssituation, so ein stressiges Szenario zu machen. Und wie wehrlos beide dagegen sind. Sie wissen gar nicht wie man das wieder abstellen soll oder warum es überhaupt begann. Beim gemeinsamen Autofahren möchte ich die nicht erleben. Oder: doch!
Ich stehe auffällig teilnahmslos vor einem Regal mit bunten Schuhkartons und beobachte das Geschehen. Dabei komme ich mir recht dämlich vor und warte eigentlich nur darauf, dass er gleich zu mir rübergeschickt wird, um mal anzufragen, ob mein Interesse für bunte Schuhkartons nicht langsam überreizt wäre. Es passiert nichts. Feigling.

Das Badezimmer kann man sich ohne weiteres von IKEA einrichten lassen. Der eigentliche Grund warum ich heute hier bin. Schnell wird mir klar, dass ich allein mit den Regalen, immerhin ab 100 Euro das Stück, den Glamour und die demonstrierte Sterilität bei mir zu Hause nicht hinbekommen werde. Außerdem, 100 Euro für ein Badezimmerregal! Bei den Preisen improvisiere ich lieber mit den Überbleibseln aus meinem alten Jugendzimmer. Da wird sich schon etwas finden.
In den voreingerichteten Wohnungen, Motto: Willkommen in meinen 55m², kommt mir der zweite IKEA typische Menschenschlag entgegen. Sohn/Tochter mit solventem Elternteil. Was die ältere Generation verpasst hat, damals gab es noch keinen IKEA, holt sie jetzt mit ihren Kindern nach. Diese wollen ausziehen und ihnen wird beim gemeinsamen Einkauf mit Mutti noch mal ganz deutlich gemacht, wieso sie das wollen.
„Das gefällt mir in rot.“
„Rot, das passt doch gar nicht zu dir. Du nimmst Grün“
Wer die Kohle hat, bestimmt nun mal.

In der Kinderabteilung spiele ich gerne den alleinerziehenden Vater. Was sehr viel schauspielerisches Geschick abverlangt, schließlich habe ich kein Kind dabei und sonst auch nirgends untergebracht. Der Flirtfaktor ist unheimlich hoch auf diesem Sektor. Mehr Chancen hast du nur auf dem Kiez oder auf jedem x-beliebigen Schützenfest und nüchtern schon mal gar nicht. Heute sind aber nur abgeklärte Eltern mit ihren ADS Kindern unterwegs, die sich untereinander, der Strapazen wohl wissend, zunicken oder das Theater abnicken, belastbar weit über das ausgestochene Auge hinaus. Nee, da fühle ich mich jetzt auch ein bisschen verschenkt.
„Was willst du denn? Außer quengelig und nervtötend sein? Geh mal zu dem Mann, der sich dein Vater schimpft.“ Robin hieß das Kind, das gerade von seiner Mutter zurecht gewiesen wird. Bestimmt Christopher Robin.
Nach der Kinderabteilung kommt noch das Restaurant und danach geht es unten weiter. Ab jetzt wird es interessant.

Ich verlaufe mich. Mir kommen Menschen entgegen, so ist das nicht gedacht, allein die Pfeile auf dem Fußboden bringen mich auf diesen Gedanken. Auf meinen Irrwegen sehe ich einen herrenlosen Einkaufswagen an einem Regal stehen. Ich schnappe ihn mir und laufe weg. Schöner Zufall, wo man ganz regulär einen Einkaufswagen herbekäme, wüsste ich eh nicht. Ein Ehemann versucht tatsächlich bei der Gardinenfrage mitzureden, er korrigiert seine Frau sogar. Den Fehler hätte ich selbst bei meinem ersten Anlauf nicht gemacht. Entsprechend wird er ohne Zögern von seiner Frau zurecht gewiesen. Unglaublich wie viele Paare sich selbst in Krisensituationen noch gegenseitig Schatz nennen. Aus Schatz wird dann irgendwann der Papa und die Mama.
Die Pflanzenabteilung macht mir Angst. Ich höre Stimmen in meinem Kopf. Möööörder, stöhnt da jemand. Schnell weiter.

Man kann sagen: hier unten kostet alles 30 Euro und kostet etwas 40 Euro, dann kostet etwas anderes eben 20 Euro. So kann man leicht mitrechnen. Ich kaufe mir einen Teppich für das Schlafzimmer. Den habe ich zwar bereits bei jemand gesehen und dort liegt er im Flur, aber in solchen Dingen fehlt es mir zum Glück an Extravaganz. Schwere, angeblich licht- und schalldämmende Vorhänge, ebenfalls für das Schlafzimmer. Eine Badleuchte für das unfallfreie Rasieren, eine Garderobe, eine Deckenleuchte für den Flur und eine für die Küche, eine Ofenform aus Glas, acht Kleiderbügel und zwei Stromsparlampen, die ich im Nachhinein nicht benötige. Macht insgesamt 188 Euro. Eingescannt von mir höchstpersönlich. Von einem Rollentausch, ich scanne ein, die Verkäuferin zahlt, wollte die Dame im gelben Hemd nichts wissen.

Ohne einen Hot-Dog geht mir niemand nach Hause. Ich musste einmal von zu vielen Hot-Dogs kotzen. Damals waren die für lau und das Beste an dem Geburtstag. Hier ist es fast genauso. Einen Euro für einen Hot-Dog inklusive einem Dauergetränk. Das Hot-Dog-Selberbelegen ist nur bedingt cool. Soviel mehr Gurken und Röstzwiebeln schafft man nicht auszubalancieren, als dass sich der Aufwand des Rumklecksens und Anstehens an den Saucenspendern wirklich lohnen würde. Die Teigtaschen hingegen kann ich überhaupt nicht empfehlen.

Kommentare:

  1. Was sind denn "Lieder in einer Minderjährigen"?
    Da musste ich doch grinsen. :D
    Ich glaube das A sollte groß geschrieben werden, dann würde es Sinn ergeben. A-Moll und so. *klugscheiss*

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  2. Haha, habe etwas gebraucht um das wegzuraffen. Korregiert.

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  3. du scheinst wirklich angemessen lustig zu sein.
    (korrigiert, übrigens.)

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  4. Wenn ich das jetzt noch korrigiere fragen sich die Leute irgendwann: was reden die da?
    Ich glaube ich weiß wer da so anonym tut... M.M.

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  5. master of mediation? haha. naja, ich weiß nicht wovon du redest, aber ich fahr jetzt erstmal zu ikea, auch alleine..

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  6. Herrlich!

    Bei IKEA läßt sich auch großartig das jeweilige Stadium einer Beziehung erkennen: ganz frisch zusammen (kichernd in Schlafzimmer-Wohnwelten) oder bereits gegen Ende (kritisieren von eigentlich allem, was der andere aussucht - u.U. auch pure Gleichgültigkeit) bis zum Ausraster über die Notwendigkeit von Teelichtern.

    Ich muß demnächst auch mal wieder hin. Alleine. Ich freu mich schon! Mit Hot Dog, klar! :)

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  7. Das Problem ist, vom Beobachten nicht ins Starren zu verfällen. Ich gehe auch gerne mit ausgewählten Freundinnen durch IKEA und ärgere mit unserer unbefangenen Art die verkrampften Pärchen.

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