Donnerstag, 18. Dezember 2014

Adventskalender 18. Fenster

TEIL 3


Ich ging in die Zweite Herren. Das war für mich leichter nachzuvollziehen. Das waren ein paar Kumpels, die sich zum Fußballspielen trafen. Die hatten sogar Spaß dabei, und wie! Freitagspiele, das bedeutete nach dem Spiel direkt in die Disse. Frisch geduscht und irgendwer fuhr immer. Wir spielten in der dritten Kreisklasse ganz oben mit. Ich durfte unter Trainer Jörg machen was ich wollte. Nichts mit „Mitte, Mitte“, sondern Instinkt. Einzige Voraussetzung, nach jedem Tor musste ich an die Seitenlinie kommen und abklatschen.
Keine Ahnung welchen Platz wir am Ende belegten, ich weiß nur noch, dass ich am letzten Spieltag das hundertste Tor für die Habenseite unserer Mannschaft schoss. Ein sehr einschneidendes Jahr. Natürlich blieb in der Zweiten Herren das Taktikbord ebenfalls im Keller, oder besser im Kaufhaus für Büroaccessoires, aber ich fühlte mich bestätigt, mit dem Spaß kommt der Erfolg und das reichte mir als Antrieb.

Die Zeit der Fehler war damit aber leider nicht vorüber. Im darauf folgenden Jahr spielte ich wieder bei der Ersten Herren. Der Ehrgeiz und ein neuer Trainer waren die Gründe. Nach dem zweiten Spiel voller Irrtümer und Achselzucken, prellte ich mir im Training den Mittelfuß. Ein gefrorener Maulswurfshügel tauchte plötzlich vor dem Sechzehner auf  und nahm mir den Ball ab. Durchgezogen hatte ich trotzdem. Nachdem mir eine typische Simulation attestiert wurde, durfte ich zum Abgewöhnen gleich die anstehende Ecke schießen. Der Ball hoppelte zwei Meter weit und ich in die Kabine. Ich hinkte von Arzt zu Arzt und die Mannschaft von Niederlage zu Niederlage. Der direkte Abstieg war die logische Konsequenz. Eine Schlappe, die vermutlich viele in ihren Alltag mitnahmen und vielleicht heute noch mit sich rum tragen. Wer kann es ihnen verdenken?
Ich habe in der Zeit nur wenige unserer Spiele gesehen. Der Grund waren die anstrengenden Grundsatzdiskussionen. Man bezichtigte mich weiterhin der Simulation und folgerichtig machte mich das zum Hauptverantwortlichen des Abstieges. Es ist schon gruselig, wenn ein erwachsener Amateurkicker dich mit seiner ganzen pädagogischen Einfühlungsgabe fragt, ob du denn überhaupt in deinen Körper hineinhorchen könntest. Er wollte wohl sehen, wie ich mich selbst entlarve und weglaufe.

Das tat ich dann auch, im übertragenen Sinne. Es war am letzten Spieltag. Seid ungefähr einem halben Jahr stand fest, dass ich im Falle eines Abstieges und gleichzeitigen Aufstieges des Nachbarvereins, genau dorthin wechseln würde. Auf irgendeiner der vielen Silberhochzeiten innerhalb der Familie wurde dieser Deal mit meinen Cousins geschlossen. Der Gedanke: entweder spielen wir gegeneinander oder miteinander. Sonst wusste niemand davon, das hätte man mir sonst nur nachgetragen.
Grüße an Manuel, bald ist Weihnachten.

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