Dienstag, 12. Februar 2008

Map of my Head

"i'm sick of feeling my soul
two people who'll never know
just how purposely and empty they grow
because their language confuses
like computers refuse to understand
how i'm feeling today" Muse

Wenn ich Mails beantworten muss, lese ich alles dreimal. Spiele dabei mit Doppeldeutigkeiten, erwähne nur beiläufig in Nebensätzen worum es mir eigentlich geht. Manchmal behandle ich versehentlich Menschen wie Mails. Früher fand ich das viel interessanter als den gängigen Talk Show Slang. Live and indirect in your Face. Heute ziehe es durch, weil sich die meisten dran gewöhnt zu haben scheinen und gerne darüber reden wie was wohl gemeint gewesen sein könnte. Wenn ich telefoniere läuft Musik im Hintergrund. Keine zufällige „immer da“ Musik, sondern bewusst gewählt. Die passende Melodie fürs passende Girl. Wenn da Prince läuft mit „How come you don`t call me anymore“, dann hättest du dich mal wieder melden können und wenn da Norah Jones „I don`t know why I didn`t call“ singt, dann war es mal wieder höchste Zeit für mich.

Ich bekomme nichts unbegründet hin. Für fast alles könnte ich mich sofort rechtfertigen, wenn ich müsste. In Gedanken spiele ich Dialoge und Gegebenheiten durch, um, falls es dazu kommt, ohne eine Pause richtig reagieren zu können. Da steckt dann meist ein langer Gedankengang hinter. Oder ich besinne mich auf etwas, das ich mal gelesen habe. Erlesenes Wissen, aufbereitet und sofort abrufbereit. Mr. Schlagfertig wie Sprühsahne und so. Aus diesem Grunde merke ich mir auch alles was zu mir gesagt wird. Es könnte ja mal etwas Wiederverwertbares dabei sein. Man wundert sich wirklich, wie oft man immer dasselbe hört. Schnell denkt man in Kategorien. Das liegt aber natürlich auch an der Unsicherheit, dass man alles kategorisieren muss. Klar. Ich brauche für alles Gründe, das Bauchgefühl ist mir völlig abhanden gekommen. Ich tröste mich damit, dass es jedem so ergeht. Unbewusst, ein Segen. Wenn mir Leute als Antwort ein selbstverständliches „das ist halt so“ oder ein kindisches „darum“ liefern, dann erkläre ich sie heimlich für unzurechnungsfähig. Wenn ich trinke hört das auf. Früher dachte ich, ich würde unachtsam werden. Heute weiß ich die Scheißegal Haltung zu schätzen.

Selbstverständlich kann ich auch Dinge geschehen lassen, einfach so und dabei trotzdem gewaltig entspannt aus der Wäsche gucken. Es ist nicht so, dass ich jetzt jede Matheformel herleiten müsste, bevor ich sie anwende. Es ist ja kein Zwang, halt nur ein zwischenmenschliches Ding. Tja, so bin ich. Total verunsichert.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Stickeralbum

"Deine Sammlung ist der Spiegel deiner Seele und nicht etwa, weil ich dir hier irgendeinen erzähle" Dendemann

Früher kamen die Newsletter von Plattenlabels noch mit der Post und mit ihnen kamen zu Werbezwecken Aufkleber und Postkarten der angepriesenen „Stars“. Auf Konzerten gab es auch immer gut was für die Jackeninnentasche. So kam es, dass sich über die Jahre dutzende von Aufkleber in meiner Schublade für solche Dinge sammelten. Wohin damit? Zum aufkleben waren die mir immer zu schade. Beziehungsweise wollte ich den Wiederverkaufswert meiner Billigmöbel nicht völlig auf Null senken. Ich weiß noch, wie ich es in frühen Kindestagen gehasst habe, wenn mir gebrauchte Möbelstücke gekauft wurden, auf denen fremde Kinder mir ihre Panini- und sonstigen Sticker vererbt hatten. Von Geschmack zeugten nur die wenigsten Aufkleber, darunter die Nationalmannschaft ´90 an meinem Bettkasten. Ich selber war nicht ganz unschuldig. Damals kaufte ich mir für einen Groschen diese Kaugummis mit den kleinen Stickern vom A-Team, ALF oder Knight Rider darin. Das Kaugummi schmiss ich weg, das Bild klebte ich auf das Schutzblech meines Fahrrads. Michael Knight landete in der Innenseite von der Minibar meines Vaters. Heute möchte ich nicht mehr unbedingt, dass mein Zimmer aussieht wie das Schanzenviertel. Außerdem hinterlassen Etiketten auf Holzfurnier genauso einen albernen Eindruck wie Jan Cux und Cuxi auf süddeutschen Autos. Beim entrümpeln der Uni Sachen habe ich das Merchandise in der Schublade mit den X-Akten wieder entdeckt. Also wohin damit? Das meiste sind Aufkleber von deutschen HipHop Bands, die es zum Teil gar nicht mehr gibt und welche von Klamottenmarken sind auch dabei.
Früher hätten sie die Rostflecken meines Autos kaschieren können, leider kommt die Idee ein bisschen spät. Wenn einer weiß was ich damit anfangen kann, der soll sich bitte melden. Verschenken werde ich sie nicht! ...vielleicht aber tauschen.

Stick up Kids

Donnerstag, 10. Januar 2008

Bombenteppich

"Die würde ich sofort aus dem Bett schubsen! Auf dem Fußboden ist doch viel mehr Platz!" Lunchmann
„Warum aufräumen wenn einmal jeder Handgriff sitzt?“ Martin Cordes

Ich verstehe nicht warum etwas, das auf dem Fußboden liegt gleich als unaufgeräumt betrachtet wird. Wer solcher Ansicht ist, der räumt selbst Schuhe im Flur in ein Regal. Für mich ist der Fußboden ein riesiges Möbelstück. Manchmal schlafe ich darauf, manchmal sitze ich darauf und manchmal esse ich vom Boden, weil man es kann. Unarchiviert ist nicht gleich dreckig. Der Fußboden ersetzt einen zweiten Tisch, ein CD-, Platten- und Bücherregal. Mein letztes Geld habe ich für Bücher ausgegeben. Bücher, die ich zwar alle schon gelesen habe, aber nicht besessen. Mir geht es nicht darum Besuch zu beeindrucken und auf die Frage zu hoffen: „haste die alle gelesen?“. Damit ich dann sagen kann: „geschrieben!“.
Mir geht es darum Dinge nachzuschlagen. Woher habe ich denn den schlechten Witz hergenommen und von wem kommt die Formulierung – sozial auffällig? (Heinz Strunk)
Dies geht am besten, wenn die Bücher griffbereit in der Nähe des Bettes rum liegen. In der Klausurenzeit liegen Skripte, hunderte von kopierten Blättern und aufgeschlagene Bücher, einem kompliziertem Konzept folgend, überall auf dem Fußboden verstreut. Es sieht aus wie bei David Aames aus dem Film Vanilla Sky, als dieser sich über seine Gesichtschirurgie informiert.
Klamotten, die zusammengelegt auf dem Teppich liegen, könnte ich sicherlich in den dafür vorgesehenen Schrank packen. Sie stören aber auch nicht wenn sie vor dem Schrank liegen bleiben. So habe ich eine gute Übersicht davon welches Shirt ich noch fürs Wochenende habe und wann ich die Wäsche waschen sollte. Der Durchlauf ist gewaltig, es lohnt gar nicht richtig die Shirts zu sortieren und zu wegzuräumen. Das ist dann wohl Single Luxus, wie Frauen hinterher pfeifen oder pupsen.
Boxen- und Cinchkabel verlaufen quer durch den Raum, vom Verstärker zu den Plattenspielern, rüber zum Notebook, hin zum Fernseher und wieder zurück. Man kann quasi kein Staub saugen ohne mindestens einmal ein Kabel aus dem Staubsaugerkopf zu rupfen. dieser Aufwand wird wohlwollend in Kauf genommen, die Kabel zu verlegen lohnt sich nämlich ebenfalls nicht. Zu oft räume ich den Elektrokram um. Es hört sich jedes Mal geil nach Arbeit an, wenn der „Staub“ durch den Sauger klöttert. Die Warnlampen werden ignoriert, dass das Gerät trotzdem arbeitet, ist ja deutlich zu vernehmen. 
Es gibt den Teppich jetzt schon seit zehn langen Jahren und ich warte immer noch auf den Tag an dem er wieder (haha) angesagt sein wird. Hätte ich einen 4 cm dicken, weißen Kaschmirteppich würde ich wohl auch anders damit umgehen, was die Sache nicht gemütlicher macht.
Cinchkabel und Brandfleck

Montag, 7. Januar 2008

Funky for you

zu Teil II

"As long as it`s funky...alright" Common

"Schreib doch mal was nettes" Nadieke

Wusch. Die Eingangstür der Drogerie öffnet beim betreten des Ladens automatisch via Lichtschranke. Wenn ich mich unbeobachtet fühle, streiche ich mit der rechten Hand durch die Luft und tue so, als ob ich ein Jedi - Ritter wäre, der die verschlossene Tür mit Hilfe der Macht öffnet. Im Augenblick beobachtet sie mich. Dennoch möchte ich nicht auf die Geste verzichten, was mir sofort einen kleinen Rempeler einbringt.
Einkaufen mit ihr bedeutet: sie kauft ein. Jedes mal wieder völlig unroutiniert wie bei ihrer ersten Fahrstunde schlendert sie zwischen den Regalen entlang und erklärt mir, dass wir Bückwarenkäufer sind. Ich schaue ihr dabei zu, allerhöchstens bücke ich mich für sie gelegentlich nach "JA" Produkten. Es gibt keine Alltagsgegenstände, die ich vorrätig bräuchte. Erst wenn etwas leer ist, gehe ich einkaufen. Nicht umsonst haben die Läden mittlerweile bis 22 Uhr geöffnet. Auf Vorrat kaufen, nennt man wohl auch eher Shopping und das ist sowieso allein ihr Ding.

- Brauchst du keinen Korb?
- Nee, ist nicht viel.
- Okey.

Ich platziere mich vor dem Kondomaushangdrehständer, der dicht an den Kassen steht und lese mir die Rückseiten der Kondomverpackungen durch. Mich interessiert, ob dort Übersetzungen der Gebrauchsanweisung zu lesen sind, wie bei den Single Menus und wenn ja, welche Sprachen bei Kondomen vor der deutschen kommen.
Sie geht wortlos an mir vorüber und holt sich einen dieser roten Körbe, die am Eingang bereitgestellt werden. Sie hat Glück, dass sie nicht mit Mario Barth zusammen ist. Das sage ich ihr auch direkt, als sie auf ihrem Weg zu den Männerdüften wieder an mir vorbei kommt. Ich bin in eine Frau verliebt, die Männerdüfte trägt. Sie rechtfertigt das damit, dass sie es sei, die sich den ganzen Tag riechen müsse und da will sie nun mal gut riechen. Außerdem sei die Zeit Kerle aufzureißen ja erstmal vorbei. Sie sagte tatsächlich erstmal. Komischer Liebesbeweis, so unromantisch, so realistisch.
Aktuell ist es "Jump" von Joop. Unauffällig oft benutze ich es selber, also sage ich ihr nicht, dass man den parfümierten Eigengeruch höchstens fünfzehn Minuten lang wahrnimmt. Womöglich aus Selbstschutz, jedenfalls halte ich aus diesem Grund lieber meine Klappe.
Sie holt mich eine halbe Stunde später mit einem vollen Korb vom Kondomaushang ab.

- Wie kann man da eine halbe Stunde lang vorstehen? Die Leute müssen ja denken, dass du die Dinger klauen willst.
- Was glaubst du? Heißt die Familienpackung deshalb so, weil da einfach mehr drin ist oder weil die wenigen die drin sind alle Löcher haben?
- ...oh man… jetzt stehe ich hier auch schon rum. Nimm halt welche mit.
- Ich kann mich nicht entscheiden!
- Dann nimm zwei.
- Was? einen ganzen Jahresvorrat?
- Was bist du denn heute so nervig gut aufgelegt?
- Jetzt gerade bin ich froh, dass der Satz nach dem nervig noch weiterging…
- Apropos weitergehen!


Nie würde ich zugeben, wie viel Spaß mir das Einkaufen mit ihr macht.

Samstag, 5. Januar 2008

Gute Vorsätze

„Morgen geht`s früh raus kalt duschen und spätestens mittags
gibt`s Matetee und Mehrkornbrezeln und die ersten Sit-ups
frühstück, halb auf geht`s bald drauf zur Typberaterin
und ich muss in Sachen Sport dringend 'n Halmapartner finden
ich muss Versicherung checken sonst gibt`s noch weniger Rente
wenn ich so weiter mache brauch ich jede Mark für Medikamente“ Dendemann

Vorsätze sind für den Arsch. Das sollte jeder gut einschätzen können, der es mal mit welchen versucht hat. Fitness Center stellen für 2-3 Monate neue Angestellte ein, um den Ansturm von Januar bis März auffangen zu können. Abonnements von Wohlfühl-Magazinen werden abgeschlossen oder wurden letztes Jahr zu Weihnachten verschenkt, weil man nebenbei noch ein Sponsorengeschenk absahnen kann. Ein Klassiker ist es mit dem Rauchen aufzuhören. Das alles dient allein dem Gewissen. Andere sind zu guten Vorsätzen vertraglich gezwungen. Wie zum Beispiel Michael Ballack. Wenn das nicht sein Jahr wird, dann war es das mit seiner Karriere. Halt immer wenn Geld im Spiel ist, sollte man dieses Jahr kürzer treten oder gerade Gas geben. Warum wird eigentlich ständig wenn man von Vorsätzen spricht, das in Verbindung mit dem Wort „gut“ getan? Sollte das nicht selbstverständlich sein?

- Herr Bush, was sind ihre Vorsätze für das neue Jahr?
- Krieg!
- und was sind ihre guten Vorsätze für das neue Jahr?
- Frieden in den USA!
Ist doch das gleiche, egal wie man die Vorsätze nun benennt.

Natürlich müsste auch ich mehr Sport treiben und allgemein gesünder leben. Nur interessiert mich das ab April, ab den ersten Sonnenstrahlen nicht mehre. Da verschwände ich gar keinen weiteren Gedanken dran. Den Charakter formen gehört zu meinen liebsten Hobbys, das muss ich mir nicht vornehmen. Was dabei sonst noch so geformt wird, sind nette Begleiterscheinungen gegen den Magersuchtswahn.
Zwischenmenschlich gäbe es aber einiges für mich zutun.
Kontakte pflegen ist eben mehr als ein Profil im Netz zu erstellen oder regelmäßig seine eigene Homepage anzulügen. Die wenige Zeit besser nutzen, darum geht es doch genau genommen. Jedes Jahr wieder. Sportlich rüber kommen, geil aussehen oder die Karriere nach vorne bringen wollen alle. Das sind einfallslose, feige Vorsätze.
Ich würde gerne viele Menschen öfters sehen. Das zu versprechen wäre jetzt ganz groß, es bleibt aber nur bei einem feigen Vorsatz meinerseits.

Sonntag, 23. Dezember 2007

4. Advent

"Ich kaufe ungern Toiletenpapier. Statt Toilettenpapier kaufe ich Haushaltspapier. Das schneide ich in der Mitte durch - die Verkäufer sollen nicht wissen, dass ich kacke." Phillipp Jessen

Das schönste an der Vorweihnachtszeit ist für mich nicht die gefühlsduselige Stimmung bei den Pärchen auf den Weihnachtsmärkten, sondern die Gelegenheit endlich Dinge zu kaufen, die mir zu kaufen den Rest des Jahres unangenehm ist. Man kann alles wie einen weihnachtlichen Geschenkekauf aussehen lassen. Die ehrlich gemeint, gut gelaunten Verkäuferinnen achten nur noch auf den Betrag, der auf der digitalen Kasse aufblinkt, anstatt auf die Produkte, die sie über den Scanner piepen lassen. Wenn man mal an Badezimmerutensilien denkt, wird jeder nachvollziehen können was ich meine. Badezimmerutensilien wie zum Beispiel: Kilometerweise Klopapier, Nasenhaarentferner, Antischuppenshampoo, Kokain, Enthaarungscreme oder so einen Stift, der die ergrauten Haare wieder schwarz glitzern lässt (benötigen tue ich davon natürlich nichts). Oder glaubt ihr wirklich, dass die zu Weihnachten verkauften KuschelRock CDs alle verschenkt werden?

Vorsichtshalber sollte man an der Kasse beim Kauf unangenehmer Dinge alle Register ziehen. Am besten zu zweit einkaufen und sich über die gelungene Geschenkidee unterhalten. „Mensch, der Glenrothes Whiskey ist ein richtig tolles Geschenk für den Opa.“
Dass man ein extravagantes Alkoholproblem hat (und wenn nötig noch direkt auf dem Parkplatz), davon ahnt die Verkäuferin nichts mehr. Ist man alleine, kann man nach der Umtauschgarantie fragen, klappt auch gut. Das schönste Lob für dieses Schmierentheater ist die Frage: „Soll ich es für Sie einpacken?“ In diesem Fall „Ja, bitte“ sagen und genießen.

Probiert es Montag mal aus und kauft euch alle einen Sitzkringel!

Freitag, 21. Dezember 2007

2012: The War for the Souls

„Und dann kam ihm dieser Gedanke – heute leben – auch schon wieder unwahr, ausgedacht, geheuchelt vor, schlicht deshalb, weil er ihn schon zu oft gedacht hatte.“ Moritz von Uslar

Jetzt haben sie mich alle vergessen. Innerhalb 48 Stunden keine einzige eMail im Posteingang. Noch nicht einmal eBay oder GMX 2.0, die einem etwas andrehen wollen. Hätte ich nicht soviel Schiss davor, dann würde ich die Spams durchlesen und beantworten.
Mein Handy klingelt seit Jahren nicht. Ich benutze es nur noch als Wecker und Uhr, weil ich keine Armbanduhren ausstehen kann. Früher hatte ich überhaupt keine Uhr bei mir. Notfalls habe ich einen Schokoriegel oder ein Bier im Supermarkt gekauft um auf dem Kassenbon die Uhrzeit und das Datum zu erfahren. Es funktionierte prima. Freunde wohnen ein paar Straßen weiter. Aber das Wetter ist total beschissen und mir fällt auch kein Grund ein rüber zufahren. Ich kann ja schlecht klingeln und sagen: „Moin, ich langweile mich zu Tode. Kann ich mich bei euch hinsetzen und einfach nur teilhaben?“ Denen geht es ja nicht anders. Nur haben die Familien und langweilen sich, auf lange Sicht gesehen, im großen Stil. Dennoch haben die ihre Schäfchen im trockenen, die brauchen sich nichts mehr zu beweisen. Und schon gar nicht vor mir.

Ideal wäre es sich zu verlieben. Auf die schnelle. Express quasi. Das große Gefühl fordern und wenn es nur für ein paar Monate ist. Sich irgendwie in den Frühling retten. Aus der einen, großen Liebe wird wohl nichts mehr. Nicht mit 30. Da fangen alle an sich zu arrangieren, nennen das nur anders. Wenn mit der Liebe erstmal nichts wird, dann stirbt vielleicht einer aus dem Bekanntenkreis? Das wäre wenigstens mal ein handfester Grund zum jammern und gequält aus der Wäsche gucken. Böser Gedanke. Aber anders kommt man ja nicht an die großen Emotionen, die mich noch mal fordern würden, ran. Dem ungeachtet ist es eine gute Erklärung, warum man sich so benimmt wie ich es tue. Das ist wohl eines dieser Dinge, die man noch nicht einmal denken darf. Sich geistig darauf vorzubereiten kann trotzdem nicht schaden… Wieder Fernsehen. Wenn man all diese übertrieben glücklichen und unglücklichen Menschen im Fernsehen sieht, da kann man schon neidisch werden…

Ich gehe ins Badezimmer und schaue in den Spiegel. Vielleicht ist ja noch irgendetwas zu machen? Ne, schon alles erledigt. Vielleicht eine Veränderung? Eine Narbe an der Stirn mit der dazugehörigen Piratengeschichte? Oder noch einmal duschen? Wenn ich so auf meine schrumpeligen Fingerkuppen schaue, würde ich sagen, zuviel ist auch nicht gut. Ich könnte wieder Depressiv werden… aber das habe ich abgelegt als es Trend wurde. Essen kann man stattdessen immer.

Um Bücher zu lesen muss man sie ja erstmal haben. Das ist mit Musik einfacher, die gibt es im Internet auf Abruf. Ich lese Comics. Gute Geschichten und total unbegreiflich für mich wie man so zeichnen kann. Wenn ich ein Talent hätte, dann könnte ich mir das in den Hinterkopf packen und an harten Zeiten einfach denken: "Ich habe ja noch mein Talent“.
Wäre ich krank, dürfte die Zeit ruhig weiterlaufen. Es gibt mittlerweile für jedes Verhalten eine passende Krankheit. Alles ist Normal und total out. Das beruhigt mich. Der einzige Unterschied liegt darin, ob du mit deinem Verhalten alleine da stehst oder ob du viele Leidensgenossen hast. Zum Beispiel das Boreout Syndrom. Das Gegenteil vom Burnout Syndrom. Langeweile auf und bei der Arbeit. So oder so, du bist Krank. In Amerika hat jeder einen Therapeuten. Ich habe noch nicht einmal einen Hausarzt. Natürlich habe ich einen, der wechselt aber jedes Mal mit der Schwere der Krankheit. So weiß ich nie was ich in der Praxis auf die Frage: „und wer ist ihr Hausarzt?“ antworten soll
Im Kino läuft Spiderman 5. Alleine ins Kino? Wenn ich mir einen bunten Schal anziehe, denkt die Kartenfrau bestimmt ich sei Filmkritiker oder -Student. Vorsichtshalber könnte ich auch beim bezahlen das Handy aus der Tasche ziehen und deutlich vor mir hinbrabbeln: „Oh, sie sitzt schon drinnen.“ Und dann noch einen großen Eimer Popcorn kaufen. Unmöglich, dass ich den alleine essen werde. Das könnte ich machen. Oder ich setze mich vor den Rechner und spreche ein paar Bekanntschaften im Chat an. Online sind genug. Ach, dieses scheiß „sichzuerstmelden“, den ersten Schritt machen, stehe ich nicht durch. Dann diese Machtkämpfe, wer braucht wen am wenigsten? Die anderen tun so beschäftigt und nach zwei Stunden chatten kam nichts rum. Doch, 24 weniger 2. Das lohnt nicht. Man fühlt sich so abhängig und unterwürfig den anderen gegenüber. Wenn ich mir versuche vorzustellen, wie die vor ihren Rechnern aussehen, dann sehe ich nur gelbe Smily Gesichter. Versuche ich mir vorzustellen was diese Smilys gerade machen, sind sie alle anderweitig beschäftigt. Ich bin der einzige, der wirklich auf eine, noch so lakonische, Antwort wartet. Nur um dann seitenweise zurück zuschreiben. Und plötzlich heißt es: Tschüß, ich treffe mich noch mit dem und dem… Scheiße. Was für ein Theater.

Ich mache mir keine Sorgen. Als Kind habe ich mir immer gedacht: Junge, egal was aus dir wird, Michael Jackson stirbt früher. So langsam brauche ich einen Plan B…

Sonntag, 16. Dezember 2007

3. Advent

"Tinkel`s Weihnachtbäume. Blaufichte, Serbische Fichte, Nordmannstanne. Frisch geschlagen." Schild

Tinkel`s Bauwagen.

Wir haben bei uns im Dorf einen Weihnachtsbaumverkauf. Um an die Bäume zu kommen, muss man über den Hof und durch die Scheune von Tinkel latschen. Hinter der Scheune steht ein kleiner Bauwagen mit Platz für 5-6 Personen. Von dort aus steuert Tinkel das weltweite Weihnachtsbaumgeschäft. In diesem Bauwagen stehen ein Ofen und ein Radio. Früher, leider ist auch diese Tradition abgerissen, sind wir bei aufsteigendem Rauch rüber zu Tinkel gegangen und haben ihm Gesellschaft geleistet. Wir haben Spekulatius gegessen und seinen Glühwein, mit gutem Hansen Rum verfeinert, weg getrunken. Über die ganze Zeit habe ich nie einen einzigen Kunden dort gesehen. In dem Bauwagen war dennoch reger Betrieb. Leute kamen und torkelten wieder nach Hause. Nicht jeder war den drei Stufen aus dem Bauwagen, runter zum rettenden Boden, gewachsen. Ich selbst kam nicht selten mit rot eingefärbten Hosen nach Hause. Ständig fragte Tinkel uns: „Sag mal, habt ihr eigentlich schon einen Weihnachtsbaum?“ Natürlich hatten wir bereits einen Weihnachtsbaum. Einen großen. Vor dieser Investition war es verheerend zu Tinkel zu fahren. Er hätte einem ohne weiteres so eine Tanne auf den Gepäckträger gespannt. Geschäftsmann durch und durch. Gerne hätte ich es mal gesehen, wie einer von uns betrunken in diese Baumeinnetzmaschine fällt. Nur gibt es dort keine… Schade.

Ihr fragt euch was der hier für eine Scheiße schreibt? so ganz ohne moralischen Hintergrund, weihnachtlichen Kitsch, erhobenen Zeigefinger, Pointe oder einen lehrreichen Aspekt für die Kinder. Immer nur saufen, saufen, saufen! Früher, früher, früher! Drei Mal das Wort Weihnachtsbaum benutzt und schon gut genug für die Massen. Ich finde diese fünf Minuten Text spiegeln ganz gut den 3. Advent wieder. Noch kam nicht viel rüber vom Weihnachtswahn. Schönen 3. Advent wünsche ich trotzdem und die Weihnachtskalender nicht über Heizungskörper und Kommoden hängen. Viel zu schnell rutscht da beim Türchen öffnen so ein kleines Schokoladenstücken hinter und ist weg.

Sonntag, 9. Dezember 2007

2. Advent

„Weihnachten als Überforderung: Erwartungen an die Familienharmonie, an Ruhe, Entspannung oder Festlichkeit, treffen auf Küchendienst, verunglückte Geschenke, das zweifellos vergebliche Bemühen, es allen recht zu machen, den kaum unterdrückbaren Wunsch nach einer Art Weihnachtsglücks-Empfinden der Kindheit.
Das alles ist wohl eine schlichte Überforderung für einen Durchschnittsmenschen.“ Dorothee Hess-Maier

Ich habe keine Ahnung wie es sich etablieren konnte. Ich weiß auch nur noch lückenhaft wie es anfing. Wir waren in einem Alter, indem wir Heilig Abend nicht mehr unbedingt mit unseren Familien verbringen mussten. Zur Kirche gingen wir auch nur am 24. Dezember. Die Vorstellung, die sehen uns erst in einem Jahr wieder, war in einem Dorf natürlich hinfällig.

Ich möchte Vorausschicken, dass mir die Nummer im Nachhinein doch recht asozial vorkommt und ich es heute nicht mehr begrüßen würde. Selbst dann nicht, wenn die anderen versuchen würden mich zu überreden.

Vor dem Gottesdienst haben Freunde von mir und ich einen Kasten Bier hinter der, sich vor der Kirche befindlichen, Bushaltestelle verschanzt. Wir sind jedes Jahr auffällig früh durch das Dorf Richtung Kirchturm marschiert. Ich weiß nicht was der Rest dachte, für mich sollte jedenfalls ein vorbildlicher Eindruck entstehen. Wir setzten uns also in die Bushaltestelle, tranken Bier, überlegten was am Abend noch so geht und grüßten die anderen Kirchenbesucher. Das eigentlich Schlimme war, dass die Familien, die uns ja alle sehr gut kannten, zurückgrüßten. Welche haben sich sogar auf dem Weg zur Kirche, vorbei an uns, überlegt was sie witziges sagen könnten. Hat es geschneit, kam man sich vor wie in Finnland. Dass wir dann in der überfüllten Kirche nur noch ganz hinten Platz nehmen konnten, hat uns nicht weiter gestört. Dafür hat jeder von uns mitgesungen!

Ein Jahr haben wir vergessen die Kiste bereitzustellen. In diesem Jahr sind wir mit einem randvoll mit Bierflaschen gefüllten, blauen Eimer losgetigert. Das war auch das letzte Mal gewesen. So sterben Traditionen aus.

Sonntag, 2. Dezember 2007

1. Advent


"Vergeßt nicht, Kinder, daß es auch heute noch Menschen unter uns gibt, die ihre Weihnachtslieder selbst singen müssen." Sinnspruch

Es war in der Adventszeit vor sechs Jahren. Ich saß in meinem Zeichnerbüro, das ich mit meiner ebenfalls auszubildenden, amerikanischen Kollegin teilte. Damals hatte ich die Lust an Weihnachten bereits verloren. Ich war in der Ausbildung, habe mein eigenes Geld verdie... bekommen und bin von der Rolle des Beschenkten in die Rolle des Schenkenden getrieben worden. Handschuhe und Schal waren wieder mal irgendwann zum Frühlingsanfang unauffindbar verschwunden, die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten turnte nur noch wenig an und man begann sich zu fragen, wer das eigentlich alles bezahlt. Es fiel nur selten Schnee und alles was liegen blieb war grauer Matsch. Bei uns zu Hause wurde, wie jedes Jahr, viel Stress ums Kekse backen, Fensterbilder basteln und Geschenke kaufen verbreitet. Am Arbeitsplatz war auch nichts von Weihnachtstimmung zu spüren. Kein alberner Adventskranz und auch kein Radio mit Last Christmas. Auf eigenen Wunsch. Ich zwang mich zur Vorfreude, indem ich an Weihnachtsgeld, gutes Essen, gute Filme, Urlaub und die Feten dachte. Damals besaß ich noch kein Jackson 5 Christmas Album, also sang ich selber:

„Weihnacht winkt, Batman stinkt
Robin legt ein Ei
das Batmobile taugt nicht viel
und der Joker, der ist frei. Hey“

Meine Kollegin schaute mich böse an. Das war nicht die Reaktion, die ich erwartet hatte.
Nie wieder sollte ich versuchen einen englischen Text so plump ins deutsche zu übersetzen. Selbst nicht, wenn es mir einigermaßen gelang. Ich entschuldigte mich damit, dass der Song von den Simpsons sei.
Sie rezitierte:

„Jingle Bells Batman smells
Robin lay an egg
The Batmobile lost a wheel
And the Joker runs away. Hey”

Das Original ist viel cooler und Live noch besser als auf CD! Selbst als Teenager habe ich solche dummen Sätze nicht gesagt. Aber gedacht habe ich es schon.