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Montag, 29. Juni 2015

Nach Diktat verreist - Teil 1


"Was wollt ihr hörn, ich schmiede wieder lustige Pläne
die dir den Atem rauben, wie n goldener Schuss in die Vene" Nico Suave


Still ist es auf diesem Blog geworden. Im gesamten Internet scheint niemand mehr so recht am Schreiben interessiert zu sein. Oder überhaupt. Folgende Ausrede hätte ich spontan parat: Zuerst war Bloggen hip, darauf folgte der Podcast, nun sind es die Youtuber, danach wird Twitch und Online Fernsehen kommen und daraufhin feiert der Blog sein Comeback. Kreislauf. Und das sitze ich halt aus!
Ich reagiere auch nicht mehr allzu sensibel, also mitteilungsbedürftig, auf gewisse Ereignisse. Letztens las ich mich durch das eigene Archiv, auf der Suche nach Beiträgen, die ich glaubwürdig mit einem aktuellen Datum versehen und erneut veröffentlichen kann. Dabei fiel mir auf, dass ich früher doch sehr viel mehr ins Detail ging und mir schlicht mehr hab einfallen lassen oder mir mehr eingefallen ist.

Keine Zeit, der Menschheit älteste Ausrede. So sieht es wohl aus. Viel Maloche steht an und etwas Sport. Danach höre ich Podcasts oder schaue auf Youtube Channels vorbei, aber vor allem penne ich schnell weg. Bei meinen früheren Jobs konnte ich regelmäßig nach der Arbeit, im Büro am PC sitzend, was schreiben, das geht leider nicht mehr. Anwesenheit bedeutet mittlerweile Aufmerksamkeit. Bei dem Umstand gehe ich lieber direkt nach Hause.

Zudem ziehe ich nächstes Wochenende um. Raus aus dem Softghetto Nordstadt, rein in die gentrifizierte List. Alle, denen ich erzählte, ich ziehe in die List, erwiderten daraufhin: Och, wie schön. Frei von Ironie, wie ich vermute. Es waren alles Frauen denen ich das erzählte. Könnte damit zusammenhängen. Zu Fuß zur Arbeit, das ist schon ein Stück Lebensqualität und meinetwegen auch schön.

Jetzt gerade unterbreche ich das Packen. Drinnen ist es einfach zu warm und draußen grillt irgendwer. Außerdem ist der Großteil meines Regalinhaltes bereits handlich komprimiert. Fünf leere Kartons stehen mir noch zu Verfügung, das könnte eine Punktlandung werden. Trotz großer Umzugserfahrung, habe ich erst jetzt damit begonnen meine Klamotten in diese stabilen, blauen Säcke zu stopfen. Das ist viel flexibler beim Transport und man kann auch mal einen Sack unbedarft in die vordere Region des Sprinters werfen. Bei einem Sack weiß man halt sofort, da kann nichts kaputt gehen. So eine Rolle blauer Säcke kostet nur 2€ irgendwas. Wieso kam ich nicht vorher darauf? Vielleicht, weil Kartons geordneter sind und das Tetris-Prinzip besser greift?

Ich besitze so viel coole Sachen, da mag ich nichts von wegwerfen. Das ist der Grund, weshalb ich in eine größere Wohnung ziehe. Nicht hauptsächlich, aber schon. Ein anderer Grund ist das Prinzip der Dreifelderwirtschaft. Vieles geschieht scheinbar aus Prinzip. Ach und Lage, Lage, Lage. Umzugsmusik: The Temptations.

Ein weiteres, bewegendes Ereignis ist die diesjährige „Gemeinsame Gegenwart“. Im August will ich das Tagebuch veröffentlichen. Der genaue Termin hängt mit meinem Internetanschluss in der neuen Butze zusammen. Am 10. Juli soll der Mann von der Telekom seinen gelben Zettel „Ich war da, konnte aber niemanden antreffen und klingeln war mir zu indiskret.“ bei mir in den Briefkasten werfen. Wann er dann einen zweiten Versuch startet, kann ich nur erahnen.
Ein Teaser auf Youtube, um das ganze anzukündigen, würde den Zeitgeist entsprechen. Irgendetwas mit harten Schnitten, vielen Grimassen, Longboards und Humor, den auch eure Kinder verstehen. Oder einfach einen kurzen Text mit Musik drunter, fand ich immer am unaufdringlichsten und es übersteigt nicht meine Kompetenzen.

Apropos Zeitgeist, wieso explodieren eigentlich regelmäßig meine Klickzahlen in der Blog-Statistik? An genau zwei Tagen im Monat schießt der Leserschnitt hoch. Plötzlich werden zehnmal so viele Leser Klicks wie im Rest des Monats registriert. Ohne dass ich irgendetwas veröffentliche oder kalten Kaffee aufwärme oder der Blog woanders, wo es schöner ist, verlinkt wird. Als hätte ich für die Klicks bezahlt. 
Sind das Schwingungen? böse Vorzeichen? Heimspiele? oder habe ich dafür bezahlt, ohne es zu wissen? Sehr suspekt.

Mehr verrate ich im zweiten Teil. Wäre ja Wahnsinn, alles auf einmal rauszuhauen.

Dienstag, 31. März 2015

Hausbibliothek

"Ihr werdet brennen wie Bücher ´33" Torch

Erst das Video schauen!





Bücher wegwerfen, ein radikaler Gedanke und ich muss zugeben, dass ich selbst viele Bücher wegwerfen würde. Aber ich hebe auf jeden Fall mehr als zwanzig Bücher auf und noch lohnt es sich. Schon allein die persönliche Entwicklung verlangt doch nach mehr als zwanzig Büchern. Natürlich könnte ich die Bücher nach dem Lesen wegwerfen, schließlich hängen auch keine Poster von Michael Jackson an meiner Wand (statt einem Poster ist es eine Leinwand mit dem Smooth Criminal Motiv), genauso lese ich kein Buch zweimal, aber ich schlage nach. Woher habe ich das, wie ging der Satz nochmal, wie war dessen Meinung wozu? Und solange meine Hausratsversicherung die Bücher nicht als Brandlast anrechnet und die Beiträge erhöht, kommt mir kein ein eReader, oder wie die Dinger sich nennen, ins Haus.

Was weder Harald noch Manuel in der Show erwähnen, ist der Individualitäts-Faktor. Sich ungelesen Klassiker ins Bücherregal stellen, ist nicht die große Herausforderung. Da fehlt ja völlig der Indikator. Das ist so, als wenn eine Fünfundzwanzigjährige sagt, sie höre ausschließlich Bob Dylan und andere Altrocker und kauft sich im Primark für drei Euro zur Haltung das passende T-Shirt. Da stimmt was nicht. Ich las vor kurzem über einen Buchhändler, dessen Kunde „zwei Meter in Grün“ bestellte. Das war bestimmt ein Innenarchitekt oder ein Designer, auf jeden Fall kein Freund von guten Geschichten, Sätzen und unumstößlichen Meinungen.

Mein Argument für die Hausbibliothek: Wenn es etwas gibt, das die Wohnung auch nach dem zehnten Umzug wohnlich und zu einem Zuhause macht, dann ist es das Bücherregal. Für andere ist es der riesige Fernseher oder der PC oder der Hund und früher vielleicht mal die Familie. Wenn ich bei jemanden zu Besuch bin, schaue ich jedenfalls lieber in ein Bücherregal als auf ein Mountainbike im Flur, Plastikpflanzen oder eine monströse Standuhr. 

Mittwoch, 18. März 2015

Back to the Future



"Reiß den Vorhang auf, schmeiss die verdammten Lampen an
keine Zeit für Spielkonsolen mein Leben ist jump & run" Dendemann

Ich habe etwas Verrücktes getan. Als Spiele-Nerd der ersten Stunde ist mir das aktuelle Angebot der letzten Konsolengenerationen zu eintönig und überteuert. Jeder zweite Titel ist ein Sequel, die Steuerung höllisch kompliziert und das Spielprinzip kennt man schon aus diversen anderen Titeln. Dank meines Xbox Live Gold Status kann ich mir Monat für Monat zwei Spiele kostenlos herunterladen. Vom Arcade bis hin zum großen Franchise Titel wie Far Cry 3 oder The Witcher 2. Was erklärt, weshalb ich drei Versionen von Street Fighter IV besitze.
Den Großteil dieser Spiele habe ich nicht länger als eine Stunde durchgehalten. Teils fange ich sie erst gar nicht an. Sie sind halt kostenlos und meine Festplatte groß genug. Die Länge der Tutorials scheinen genau der Reißfestigkeit meines Geduldsfadens zu entsprechen. Wenn die Spieleindustrie das mal nicht exakt analysiert hat. Hätten sie sich mal besser anderen Dingen gewidmet, wie zum Beispiel:

Wie war die Steuerung noch gleich? Wieso ist das Zielen mit dem Analogstick so ätzend? Warum funktioniert das Spiel nur online? 

Das letzte Spiel, was ich durchgespielt habe, war South Park - the stick of truth. Im Grunde eine interaktive South Park Folge mit der gewohnten Gag -Dichte.  Für 20 € auch okay. Natürlich wurde das Spiel, nachdem ich es mir gekauft hatte, auf 10 € heruntergesetzt. Das nervte mich so sehr, dass ich beschloss erstmal nicht mehr in die Konsole zu investieren. Stattdessen schaute ich auf Twitch anderen Dilettanten beim Spielen zu. Vor allem die Klassiker haben es mir angetan. Leider fehlte mir die Hardware, um die Nostalgie auch in meinem Wohnzimmer aufkommen zulassen.  

Dank diversen Börsen für gebrauchte Medien, bestellte ich mir aus einer Trotzreaktion heraus eine PS2 für 36 €. Dazu kamen einige zeitlose Spiele. Bis auf Shadow of the Collosus habe ich alles zu angemessenen Preisen gefunden. Insgesamt habe ich 100 € ausgegeben. Im Paket enthalten waren: PS2, eine Memory Card, Baphomets Fluch 1 & 2, Worms, Theme Hospital und Command & Conquer Alarmstufe Rot: Gegenschlag. Letzteres kann man über ein Linkkabel gegeneinander spielen. Eine Session ist bereits angekündigt. Es werden noch Discworld, Destruction Derby, Bomberman, Diablo und Ten Pin Alley folgen. Damit sollte die Riege an Party-Spielen vollständig sein. Das Killer-Spiel Final Fantasy VII habe ich irgendwo in einem Karton über die Jahre aufbewahrt, genau für diesen Moment. Die Playstation-Artikel sind alle gut gealtert und leben sowieso nicht von ihrer Auflösung, sondern von ihrem Spielprinzip oder den Geschichten.

Ich habe meinen Spaß. Rechnet man das hoch auf diverse Wochenenden, an denen ich zu Hause bleiben werde, anstatt auf Idioten zu treffen, die sich streiten, ob nun Playstation 4 oder Xbox One besser ist, war der Preis von 100 € eigentlich viel zu niedrig.

Sonntag, 18. Januar 2015

I forgot to remember

„Was war, das war! Ja, so war das, Leute! Heute lach’ ich über gestern, morgen lach’ ich über heute!“ Mutter Natur

Vor kurzem rollte ich meine Socken paarweise zusammen und dieses Wochenende machte ich meine Steuererklärung. So einwenig den Spießer zuzulassen kann nicht schaden. Es sorgt jedenfalls für einen aufgeräumten Schreibtisch und Sockenfach. Während meiner Recherchen in den Schreibtischschubladen, auf der Suche nach diversen Nachweisen und Fahrkarten, stieß ich auf einen Berg von Erinnerungen. Gruß-, Urlaubs-, Eintritts-, Dankeskarten usw. Ich muss die Sachen beim Umzug in die hintere Ecke der Schubladen gefeuert haben, merkwürdig, dafür gibt es doch Schuhkartons und Bettkästen. In meiner kaltherzigen Steuerbetrügermentalität wollte ich erst den ganzen Haufen direkt absetzen wegwerfen.
Bei einer oberflächlichen Durchsicht fielen mir jedoch ein paar Zahlen ins Auge. Ein Datum aus dem Jahr 2000 und ein Eintrittspreis gewannen meine Aufmerksamkeit. Es handelte sich um die Eintrittskarte für das Flash Festival im Hamburger Millerntor. Das Flash Festival 2000 kostete damals lächerliche 46,70 DM. Auf dem Festival traten Künstler wie die Absoluten Beginner, Eins Zwo, Ferris MC, Dynamite Deluxe, Davis P, Spax, Nico Suave, Flowin Immo und D-Flame auf. Im Jahr 2000 hatte der deutsche HipHop Hochkonjunktur. Nochmal: Alles für 46,70 DM.
Ich habe kürzlich für das Olli Schulz Konzert in Hannover knapp 30 EUR bezahlt. Die Relation muss mir mal jemand erklären. Ich rolle zwar meine Socken zusammen, aber den Begriff Inflation habe ich dennoch nicht begriffen.
Warum ich welche Eintrittskarte aufbewahrt habe, lässt sich nur erahnen. Viele Konzerte oder Festivals fehlen auf dem Papier, trotzdem kann ich mich sehr genau an sie erinnern. Erinnerungsstützen wie Fotos oder Armbändchen habe ich in dem Sinne nie benötigt. Ob die Menschen, mit denen ich damals auf den Konzerten war, sich ebenfalls noch daran erinnern können? Das würde mich wirklich interessieren.


Zwischen dutzenden Eintrittskarten fand ich Hochzeitsfotos mit den entsprechenden Einladungen und Danksagungen. Noch sind die Veränderungen im Gesicht oder der Kleidergrößen nicht gravierend genug um bei mir Wehmut auszulösen. Glückwunschkarten zu meinen einzelnen Geburtstagen bewegen mich da mehr. Allein schon, weil Grüße und Glückwünsche heutzutage mit einem Facebook Eintrag beiläufig erledigt werden. Nicht wenige haben sich richtig reingehängt und eigene Karten gebastelt. Sehr aufwendig, sehr nett.


Nachdem ich die Erinnerungen in einen extra dafür bereitgestellten Schuhkarton verstaut hatte, meldete sich die ELSTER Online Steuererklärungsplattform mit dem Hinweis, dass die Aktionszeit abgelaufen ist und mein gesamter Fortschritt nicht gespeichert wurde. Naja, so wichtig ist das jetzt auch nicht, das hat noch Zeit.




 1 Etage höher Wohnung Links mit der ganzen Musik 

Donnerstag, 1. Januar 2015

Persönlicher Jahresrückblick 2014... in Stichworten

Arbeit
Nach einem ziemlichen Reinfall, Karrierebedingt, bin ich mittlerweile in Hannover angekommen.

Buch
Sven Regener – Magic Mystical Tour
Linus Volkmann – Lies die Biber
Charles Bukowski – Das Liebesleben der Hyäne
Christoph Schlingensief - Ich weiß, ich war´s
Rocko Schamoni - Fünf Löcher im Himmel
Heinz Strunk - Das Strunk Prinzip

Empfehlungen
Rocket Beans TV – Kino+
Attack on Titan

Frohe Kunde
Vereinswechsel
Brügge gesehen und überlebt
SKY Kunde
Gesund
Weltmeister

Gescheitert
SVSB
Wandern
DRL
CL Halbfinale
Bandscheibe

Kino
Guardians of the Galaxy

Interstellar

zählbare Erfolge
Dark Souls durchgespielt
Weltmeister
Einen Monat Vegan

Konzerte
Olli Banjo - Dynamit
Torfrock
Blumfeld - L´Etat et moi
Helge Schneider - Pretty Joe & die Dorfschönheiten
Symfonieorkest Vlaanderen - Star Wars
Jens Friebe - Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen Aus
Funny van Dannen - Geile Welt

Lesungen
Sven Regener – Magic Mystery Tour
Martin Sonneborn - Krawall und Satire
Katrin Bauerfeind - Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag
Frank Goosen - Heimat, Fußball, Rockmusik
Rocko Schamoni - Fünf Löcher im Himmel
Create.FM - Zombies in Linden

Liebe
In der Schwebe des Lebendigen

Musik
Lia Ices - Ices (2014)
Jurassic 5 - The way we do it (2014)
Jack White - Lazaretto (2014)
Philip Selway - Weatherhouse (2014)
Lorde - Pure Heroin (2013)
Django Django - Django Django (2012)

Städte
Brügge
Hamburg

Theater
Fenster zur Stadt - Im Schatten des Mondes
Theater an der Gloscksee - Neuland
Pavillion - Alfons - Wiedersehen macht Freunde 

Tore
Einen Elfmeter verwandelt

Urlaub
Vier Tage Brügge

Verluste
Adidas Trainingsjacke

Wohnung
Die dritte Wohnungsbesichtigung wurde erfolgreich abgeschlossen. Keine Provision, Einbauküche vorhanden. Top Lage, Lage, Lage

Sonntag, 9. November 2014

Struktur

„Stand by your man“ Tammy Wynette

In meiner Kreativpause habe ich festgestellt, dass es ganz ohne Struktur auch nicht geht.
Mittlerweile verlasse ich mich auf ein wackliges Gerüst, das meine Woche in feste Zeiten unterteilt. Eine wöchentliche Routine, die sich, abseits vom Haushalt, ausschließlich in den Medien abspielt. Als die amerikanische Serie Lost noch lief, war es ein Ritual jeden Donnerstag die aktuelle Folge zu schauen und den Rest der Woche euphorisch zu diskutieren. Weniger euphorisch, dafür mindestens genauso interessiert, verfolge ich weiterhin Woche für Woche Internetformate, Podcasts, oder TV Serien, deren Kontinuität mich am Tag mehr sehen lässt, als hell und dunkel. Das Prinzip der Mediathek oder des Festplattenspeichers ist in diesem Fall nichts für mich. Würde ich diesen Service nutzen, wüsste ich nicht mehr welcher Wochentag gerade ist und mal ehrlich, ich würde es eh nie schauen, wenn ich es „jederzeit“ nachholen kann. 

Vergnügungssüchtig sind die anderen, ich bin Fan von guter Unterhaltung und gut erzählten Geschichten. Weshalb sich meine persönliche Programmvorschau für die Woche wie folgt liest:

Montag: 20:15 Uhr – Die Simpsons, Pro7
Angeblich neue Folgen. Pro 7 splittet neue Staffeln in zwei Hälften, um mit den 15-20 Folgen über ein ganzes Jahr zu kommen. Im Grunde egal, weil die neuen Folgen eh nicht mehr den alten Geist der Simpsons versprühen. Zudem ist bei denen ein ständiges Vogelgezwitscher hinterlegt, das einen wahnsinnig machen soll.

Montag: 21:15 Uhr – The Big Bang Theory, Pro7
Hier gilt das gleiche wie bei den Simpsons. Die Pseudonerd-Serie erklärt den Hippstern und Pseudonerds die Pointen direkt im Anschluss und schafft es sogar in der aktuellen Staffel komplett ohne Gags auszukommen. Ich mag die Schauspieler.

Montag: 22:00 Uhr - Almost Daily, Rocket Beans TV, Youtube
Die Jungs von Game One oder besser von der Produktionsfirma Rocket Beans TV setzen sich montags an einen, mittlerweile billig vergoldeten, Tisch und diskutieren in illustrer Runde über Themen, die meiner Meinung nach an jeden Stammtisch der örtlichen Kneipe gehören. Also alles außer Politik. Nette Gedankenspiele, die am Ende völlig zerredet in eine Sackgasse führen, sind der Aufhänger der Sendung. Das gute ist, es wird von einem Grundwissen der Zuschauer ausgegangen, was zeitraubende Erklärungen spart und das Internet läuft ja sowieso ständig, dann kann man Begriffe und Andeutungen eh schnell googlen. Keine Angst, es wird nur selten sehr nerdig. Gutes Beispiel, die Star Wars vs Star Trek Folge. 

Donnerstag: 18:00 Uhr - Naruto Shippuuden, Anime-tube.tv
Wieso auch immer wird am Donnerstag das größte Programm geboten. Aus dem japanischen mit deutschen Untertiteln wird seit locker über 600 Folgen die Geschichte von Naruto Uzumaki erzählt.
Die Geschichte geht über mehrere Generationen und ist schön stringent. Jede der Figuren erfüllt seinen Zweck und bisher ist kein Teil der Storyline zu bemüht angestückelt worden oder wirkt improvisiert. Ich mag es ja, wenn das Ende bereits mit der ersten Folge feststeht und kontinuierlich daraufhin gearbeitet wird. Der Anime bewegt sich nämlich auf das Ende zu, was aber noch gefühlt 100 Folgen dauern kann. Die bisherigen Ereignisse erklären das vorangegangene Vorgehen der einzelnen Charaktere und unterstreichen deren Motivation. Das ist so beruhigend und kann leider nicht jede teure, amerikanische Hochglanz-Serie von sich behaupten.

Donnertsag 22:00 Uhr - Kino+, Rocket Beans TV, Youtube
Kino+ ist ein Kino- und Serienmagazin der Produktionsfirma Rocket Beans TV. Das sind die Jungs, die Game One machen. Daniel Schröckert und Etienne Gardé schauen sich aktuelle Kinotrailer an, reden über Gerüchte aus Hollywood, empfehlen weniger bekannte Filme und sind grundsätzlich anderer Meinung. Randinformationen, Fachwissen, Meinung und das alles unangestrengt und humoristisch rübergebracht. Über Filme reden gibt mir mindestens genauso viel, wie sie zu sehen.

Donnerstag: 22:45 Uhr - Stuckrads Homestorys, RBB
Wenn ich richtig mitgezählt habe, kommen noch drei Folgen der Kurzserie. Benjamin von Stuckrad-Barre besucht Prominente zu Hause und interviewt sie in privater Atmosphäre. Es herrscht ein lockerer, vertrauter Umgangston und manchmal erfährt man sogar etwas. Am besten ist es eigentlich, wenn Stuckrad-Barre nebenher seine Meinung zu Kollegen oder gewissen Marrotten oder Umgangsformen äußert. Er liegt ja immer richtig.

Samstag: 15:30 Uhr - Bundesliga, SKY
Achtung: Macht nur Spaß, wenn Bayern gewinnt! Für viele im Norden lohnt die Sendung nicht besonders, da reicht unregelmäßiges Reinzappen. Ich werde in der Rückrunde auf die Spiele wetten und mir ein Haus und Boot kaufen.

Sonntag: 02:20 Uhr – Frag den Lesch, ZDF
Eine Sendung für Leute mit paranoiden Gedanken, die nachts nicht schlafen können, weshalb Harald Lesch auch mit seiner Sendung in die tiefe Nacht gerutscht ist. Im Grunde prädestiniert für das Format Podcast. In bester Erzählonkelmanier fängt Lesch jeden Sonntag mit mir einen Streit über die Natur, Physik und besonders den Weltraum an. 

Sonntag: 16:00 Uhr – Sanft und Sorgfältig, Radio eins
Ich kenne Menschen, die der Titel bereits abgeschreckt hat und die nie in den Genuss von Jan Böhmermanns und Oliver Schulzes dem seine Stimme kommen werden. Die beiden reden über Themen, die ihnen gerade auf dem Herzen liegen oder orientieren sich am Puls der Zeit, jedenfalls ist es sehr amüsant und mir geht das Herz auf, wenn Olli Schulz zum Beispiel aus Fritz Zorns Mars zitiert. Hätte ich denen anfangs nicht zugetraut, aber mittlerweile schon.

Früher gehörte Harald Schmidt mit ins Programm, am besten täglich. Seine Verarbeitung des aktuellen Tagesgeschehens ist nur schwer zu ersetzen. Wer dies ganz gut hinbekommt, ist Dittsche. Ab heute zurück aus seiner Sommerpause.

Sonntag: 23:00 Uhr – Dittsche, das wirklich wahre Leben, WDR

Samstag, 16. August 2014

Die großen Drei


„Danke, gut.“ Dendemann

„Jetzt brauchst du nur noch Gutes zu essen und kannst dir Platten kaufen.“ So meinte mein guter Freund Thilo, nachdem ich vor sechs Jahren den ersten Job als Diplomingenieur in Bremen angetreten bin. Im Grunde hatte er recht damit, wenn da nicht neben der finanziellen Verantwortung der schwer zu beeinflussende Faktor Gesundheit wäre und der ebenfalls schwer zu erzwingende Part „unangestrengte Beziehung“.

Die großen Drei. Um viel mehr muss man sich im Leben nicht bemühen. Der Rest ist dann Alltag. Gemütlicher, gestaltungsfreier Alltag. Gutes Essen, Platten kaufen, auf Konzerte und ins Kino gehen, Abnehmen, Fitnessprogramm, Haushalt, den Wäscheberg nicht größer als die Wohnung werden lassen, Empfehlungen nachgehen, Unterhaltungen, Bloggen, Kochen, Fußballspielen, Bücher weglesen und interessante Podcasts gibt es fast täglich. Leider kommt das alles schnell aus dem Rhythmus, wenn eine der drei Bedingungen nicht gegeben ist. Bei mir ist das die Regel. Für andere scheint das keine so große Herausforderung darzustellen. Die müssen sich nicht mehr bemühen, die brauchen sich nur noch zu kümmern.

Finanziell bin ich seit Beginn des Jahres ziemlich hintendran. Die Verantwortung habe ich übernommen, der Job, der mir meinen Alltag in Hannover finanzieren sollte, war da, nur leider das Gehalt nicht. Eine sehr diffizile Situation. Das gute Essen bleibt also aus. Ich ernähre mich vor allem von dem, was die Tiefkühltruhe hergibt. Freunde der ganzheitlichen Medizin wird es nicht wundern, dass eine bereits überstanden geglaubte Krankheit wieder durchbrach und sich schlimmer äußerte als noch vor ein paar Jahren. Das musste ja so kommen, dachte ich und beobachtete fasziniert was die Psychosomatik alles kann. Mein Immunsystem und meine Ausdauer fielen total ab. Eine Kurzstreckenfahrt mit der S-Bahn hat mich, im wahrsten Sinne des Wortes, körperlich so dermaßen mitgenommen, dass ich nicht mehr stehen oder auch nur eine Stufe nehmen wollte.

Dennoch versuchte ich meinen Alltag beizubehalten, was sollte mich auch daran hindern? Es können unmöglich sämtliche Beschäftigungen vom Geld oder dem Gesundheitszustand abhängig sein… Oder eben doch! Mein Alltag bestand aus Terminen mit dem Arbeitsgericht, mit Ärzten und Ämtern. Ich füllte Formulare aus, schob Rechnungen zur Seite, wechselte die Bank und füllte wieder Formulare aus. Ein einziger struggle. Spät abends blieben mir dann als Beschäftigungen Fernsehen, das Internet oder das, was mir am liebsten war: Schlafen.

Mitte Mai ergab sich eine neue Arbeitsstelle und damit verbunden ein neues, regelmäßiges Gehalt. Der Ärztemarathon brachte mir nur gute Nachrichten ein und mein Gesundheitszustand besserte sich sichtlich. Die Gerichtstermine konnte ich als Sieg verbuchen und warte hoffentlich nicht mehr allzu lange auf das ausstehende Gehalt. Gemäß meiner Kalkulation bin ich im November aus dem Gröbsten heraus und kann mir wieder Platten kaufen und/oder gut Essen. Nach einer Zwangspause befinde ich mich im Fitnessbereich zum ersten Mal in der Definitionsphase und betreibe die Anstrengungen nicht mehr ausschließlich aufgrund irgendwelcher Regenerationsmaßnahmen.

Letzte Woche schlenderte ich ausgelassen, von einem Arzttermin kommend, die Straße entlang. Im Fragebogen des Arztes konnte ich hinter den Allergien, Herzfehlern und sonstigen chronischen Geschichten ein Nein setzen. Außer beim Rauchen, aber das fühlte sich ganz okay an. Die Auflistung all der Krankheiten und körperlichen Gebrechen, die einen Menschen so begleiten können, hinterließ eine deutliche Botschaft: Mir gehts gut. Ich mein, es könnte weiß Gott schlimmer sein.
So verlief auch das Gespräch mit dem Arzt. „Das kriegen wir alles wieder hin.“ Und obwohl ich keine der ansteckenden Krankheiten habe, durfte ich obendrein den Kugelschreiber, mit dem ich den Fragebogen ausfüllte, behalten.

Ich kam also gerade vom Arzt, auf dem Weg der Besserung quasi, schlenderte ausgelassen und ging die Rechnung nochmal durch: Solvent, gesund und das, was andere Mütter wohl eine gute Partie nennen. Grund genug misstrauisch zu bleiben.
Bei Christoph Schlingensief hieß es mal: „Glück hat, wer mal nicht über sich und seinen Zustand reflektieren muss. Und dieses fast zwanghafte überlegen über den eigenen Zustand macht alles so sauer und ungenießbar!“
Endlich nicht mehr über seinen Zustand reflektieren müssen. Im Grunde meint dieser Satz nichts anderes als die großen Drei und die rücken doch tatsächlich in eine für mich realistische Reichweite... hm? Und wie lange würde ich den Zustand aufrechterhalten können?
Vielleicht erstmal ein Jahr, oder bis ich zehn Kilo abgenommen habe oder wenigstens bis die für die Wohnung geplanten IKEA Pflanzen eingehen?

Seit dem 3. August habe ich Rückenschmerzen. Im Lendenwirbelbereich. Bandscheibenvorfall. Derselbe Mistkerl wie vor sechs Jahren. Eigendiagnose oder nicht, die Schmerzen sind da und mir gut bekannt. Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Verdammte Gesundheit.
Manchmal glaube ich, Niemand kriegt das mit den großen Drei auf die Reihe. Die tun nur alle so!