Dienstag, 18. März 2008

Scar Tissue

"Scar tissue that I wish you saw
Sarcastic mister know it all" Red Hot Chili Peppers

"Move on to my own
Here comes Battle Scars
It`s the final charge
Here comes Battle Scars" Chemical Brothers

Narben machen sexy. Im laufe der Zeit haben sich an meinem Körper zahlreiche Narben angesammelt. Wenn man Fußball spielt bleibt das nicht aus. Ich wünschte nur, die Narben kämen alle ausschließlich vom Sport. Dieser hat höchstens am Rande was mit meiner widerstandsfähigeren Haut zutun. Das ist es nämlich was Narben sind, einfach nur widerstandfähigere Haut. Passt leider nicht zum Weicheirest.

Von den Füßen angefangen, findet man die erste Narbe an meiner rechten Wade. Bei meinem früheren Fußballverein musste man noch die Müllsäcke selber an die Straße stellen. Nur doof, dass ich einen erwischt habe aus dem eine groteskgroße Scherbe ragte, die mir auf den letzten Metern das Wadenbein aufschlitzte. Ich hatte keine Zeit das nähen zulassen, ich musste noch Fußballspielen.

An meinen Knien sind gleich zwei Narben. Als kleiner Junge habe ich zusammen mit Freunden gerne Fußball in meinem Zimmer gespielt. Für das eine Tor musste der Heizungskörper herhalten. Nach einer rettenden Grätsche auf der gedachten Torlinie haben die Lüftungsschlitze der Heizung mein Knie aufgeschlitzt. Auch hier wurde nicht genäht. Meine Eltern dachten, dass hätte irgendeine pädagogische Wirkung auf mich. Die Zweite Narbe kommt vom Bäumefällen. Wie jedes Jahr Pfingsten werden im Wald Birken gefällt und wie jedes Jahr wird dabei ordentlich was weggeschluckt. Aber nur dieses eine Jahr habe ich mir die stumpfe Axt ganz unglücklich ins Knie gerammt. Gemerkt haben es andere für mich. Dieses Mal wurde genäht. Nach einem lauten „Moin Moin“ meinerseits, meinte der Arzt, eine Betäubung sei wohl nicht mehr vonnöten. Recht hatte er.

Knapp über der Hüfte habe ich auf der linken wie auf der rechten Seite jeweils kleine, dezente Narben. Die sind mit abstand am dämlichsten zustande gekommen. Jägerzaun ist das Stichwort. Das erste Mal drübergeklettert und einen stechenden Schmerz unterhalb der Rippen verspürt und auf dem Rückweg war der Schmerz dann auch auf der anderen Seite. Es war dunkel und ich habe nicht gesehen, dass sich mein weißes Shirt an den Seiten algengrün und blutrot gefärbt hatte. Das passierte bei einem Ausflug mit der Mannschaft, klar. Trotzdem stellt sich die AOK quer...

Irgendwo knapp oberhalb des Steißbeines habe ich eine kleine Narbe von einer Glasscherbe. Aquariumsglasscherbe um genau zu sein. Ich bin betrunken in das Aquarium eines Freundes gefallen. Dieser Freund ist Jahre später durch einen Glastisch gedonnert. Der hat jetzt eine Narbe knapp unterhalb des Steißbeines. Kann passieren.

Noch weniger Schuld trifft mich bei meiner Blinddarmnarbe. Das Ding musste sein. Zumindest nach dem medizinischen Standpunkt von vor vier Jahren. Die Narbe ist überdurchschnittlich lang geworden. Passt ja. Der Arzt sagte bei der Chefvisite, dass ich mir doch einfach eine Tätowierung drüber machen lassen könnte, das sei total im Trend. Arschloch, was sollte ich mir denn da draufmachen lassen? Ein Bierglas? Oder das chinesische Zeichen für Ärztepfusch? Kurz darauf hat sich die Narbe noch mal entzündet. In Zukunft mache ich das lieber wieder selber...
Hmm? war das wirklich mit „Narben machen Sexy“ gemeint?

Montag, 10. März 2008

Songzitate Zitierer

“Tonight I am a Rock ´n` Roll Star” Oasis

“It`s the Music that we choose” Damon Alban

“singen ist die niedrigste Form der Kommunikation” Homer Simpson

“Don´t start a Revolution from my Bed”. Dieser Satz sollte eigentlich jegliche rebellisch veranlagte Aktivität der Frau auf der Gästeseite des Bettes sofort im Keim ersticken. Was für ein cooler, stilvoller und vor allen: was für ein nützlicher Satz. Ich bin einer von den wenigen Menschen, die sich Songtexte zu Herzen nehmen und sie gerne in ihrer bestechenden Coolness auch weiterverbreiten. Das Beatles Zitat „Whatever gets you through the night, it´s alright” rechtfertigt zumindest in meinen Augen den naiven Umgang mit Zigaretten, Alkohol, Drogen und Frauen. Sowieso gibt es für alles ein passendes Zitat. Man hat immer die Gelegenheit sich und seinem Umfeld einen Beigeschmack von Rock ´n` Roll zu verleihen.
Mein Englisch beschränkt sich auf Songfetzen, aus denen ich wiederum neue Sätze bilde und diese dann rhythmisch, fast singend wiedergebe.

„Well there's a light in your eye that keeps shining, like a star that can't wait for the night.
I hate to think I've been blinded baby, why can't I see you tonight.”
Noch Fragen?

Was Komplimente angeht, entnimmt man die besten nicht dem Pöbel vom Ballermann, sondern die stecken in den Texten der Soul- und Bluessänger. Leiht man sich diese, kann es ja trotzdem vom Herzen kommen, nur hören sie sich dazu auch noch gut an.

“It`s better to burn out then to fade out!“ Wieder ein echter Beatle. So was darf man nicht hinterfragen. Mir ist egal was für ein guter Songwriter ein Michael Stipe oder eine Joni Mitchell oder ein Nick Cave oder ein Richard Ashcroft oder ein psychisch gestörter Syd Barrett ist. Ein Lied kann aus einer einzigen Punchline bestehen, wenn diese gut ist. Inhalt ist wichtig, klar, eignet sich aber gänzlich schlecht zum zitieren. Ich weiß bis heute nicht, wie die Strophen von Elton Johns und George Michaels „Don`t let the sun go down on me“ lauten.
Wenn ich ausgebrannt bin, achte ich mal drauf…

Montag, 18. Februar 2008

Leicht zu begeistern

"Wir haben euch etwas mitgebracht: HASS HASS HASS" Hooligangesang

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Sarah Kuttner unsympathisch finde? Pure Ironie auf zwei Beinen wie Schornsteine. Was stört an der so dermaßen, dass ich sie noch nie in voller Länge habe ertragen können. Weder in ihrer Sendung, als Gast oder in ihrer Kolumne. Das erste Mal sah ich sie in ihrer pubertären Viva Sendung zusammen mit 50 Cent. Fifty promotete gerade seine erste Single „In da Club“, die ich heute noch für ein Brett halte. Natürlich blieb er seinem Image treu und trat mitsamt fünf Kollegen (G-Unit) und einer Masse Goldketten auf. Sarah war so froh, dass 50 Cent das HipHop Klischee bediente. Ihr Redeschwall hatte eine Zielscheibe. Sie ironisierte und ritt auf den Klischees rum, bis Fifty keinen Bock mehr hatte mit ihr zu reden! Er hielt einfach konsequent die Schnauze. In der nächsten Sendung dann hat die Sarah sein baldiges Ende herbei beschworen und den HipHop Trend für tot erklärt. Sie!

Dass Trends nicht ewig anhalten sagt der Name bereits. Kein mutiges Understatement. Was aus Fifty und seiner G-Unit geworden ist wissen wir ja heute. Ich glaube, sie ist noch nie auf die Idee gekommen, wie sehr sie nervt. Das kommt aber nicht gut an, so ganz ohne Selbsteinschätzung, also sagt sie, natürlich mit ironischem Unterton: ich bin wohl doof. Meint aber eigentlich: ich bin wohl supi dupi. Keine Menschenkenntnis und gleichzeitg warnsinnig selbstverliebt. Passt doch.

Sie trägt ihre Indie Scheiße wie ein Schutzschild vor sich her, holt sich jeden Gitarre spielenden Penner von der Straße in die Sendung und gibt ihnen einen kuriosen Namen wie: The derben Verben. Die spielen eine Musik, die keinen Zweifel offen lässt warum die keiner kennt und dürfen danach wieder zurück in die Garage.

Für viele junge Mädchen ist Sarah Kuttner die einzige Frau im Fernsehen, denen sie nacheifern können wenn es um Humor geht. Es braucht nichts dazu, außer viel Ironie. An Helen Hunt aus "Mad about you" trauen sie sich nicht ran. Oder wie wäre es mit Nicole Kidman oder Heike Makatsch als Vorbild? Mehr Lady als Girlie, bitte. Wer Muriel Baumeister kennt, möchte nie wieder Sarah Kuttner im TV sehen.

Sarah Kuttner würde jetzt diesen Text nehmen und ihn vorlesen, damit man sieht wie toll sie mit Kritik umgehen kann. Danach würde sie die Rechtschreibfehler zählen und dann einen Sido Witz machen. So berechenbar ist sie. Oder sie verklagt mich sofort.

Meine Theorie ist, dass Sarah durch ihren dicken Hintern Luft holt und so 24 Stunden durchquatschen kann und aus dem selben Grund kommt oben auch nur Scheiße raus! Kann sein, sage ich. Campino hat sich mal in ihrer Sendung vorgenommen sie ernst zu nehmen und wirkte etwas gereizt und deplatziert. Der Schlussgag von ihr ist gut und von Kurt Krömer. Heute hat Frau Kuttner einen neuen Job auf dem PayTV Sender Sat1 Comedy, bei dem auch ihr Kollege Nils Ruf gesignt ist. Sie moderiert eine Poetry Slam Sendung. Viel Erfolg dafür.



Top Five der witzigsten Fernsehfrauen:

Freitag, 15. Februar 2008

Funny Valentine

„Elvira, ich liebe Dich, aber du bist es nicht wert“ Max Goldt

Der Amerikaner kommt! Die letzten Wochen waren geprägt von amerikanischen Großereignissen. Den Super Bowl schaue ich mir seit drei Jahren an und ich glaube auch mittlerweile die Regeln verstanden zu haben. Spannend ist es auf jeden Fall. So müssen sich Frauen beim Fußball während der WM gefühlt haben. Man jubelt immer zwei Sekunden versetzt zu dem Rest der Nation. Die hochwertige Werbung zwischen der Super Bowl Ausstrahlung wird in Deutschland ja leider nicht gezeigt. Dafür die Halbzeit Show. Eine Woche Danach kam die Grammy Verleihung. Zwar geschnitten und von Werbung nur so zersetzt, aber die Showacts sind der Hammer. Aretha Franklin, Kanye West mit Daft Punk, Alicia Keys mit Frank Sinatra, Beyonce zusammen auf der Bühne mit Tina Turner und was Beyonce anhatte, das war viel schärfer als der Nippel Gate. John Legend mit Fergie auf der Bühne, es war schon eine gute Show. Ringo Starr hat eine der coolsten Dankesreden gehalten, die ich je gesehen habe. Er geht an das Podium und sagt: „Hello, my name is Ringo“, danach macht er mit beiden Händen das Victory Zeichen und geht einen Schritt zurück. Das Publikum rast. Nächste Woche sind die bestreikten Oscars, und ja, auch dieses Schmierentheater werde ich mir ebenfalls anschauen. And the Oscar goes to...
Gestern war der Valentine´s Day. Stichwort: Blumenindustrie. Wenn man den vergessen hat reagieren die meisten Frauen genau so empfindlich darauf, wie sie immer reagieren wenn etwas vergessen wird. Nur weil Mann sich hin und wieder wie ein Elefant benimmt, heißt es noch lange nicht, dass Mann auch ein Gedächtnis hat wie der älteste Elefant in der tiefsten Serengeti. Wenn Mann aber cool ist, dann kann er auch beruhigt drauf scheißen. Den Kitsch dahinter kann Frau nicht wegargumentieren.
Für jede die vergessen wurde oder jedem, der es vergessen hat oder jedem, dem es egal ist, singt jetzt Funny van Dannen. Geh weg mit deiner Herzscheiße…

Dienstag, 12. Februar 2008

Map of my Head

"i'm sick of feeling my soul
two people who'll never know
just how purposely and empty they grow
because their language confuses
like computers refuse to understand
how i'm feeling today" Muse

Wenn ich Mails beantworten muss, lese ich alles dreimal. Spiele dabei mit Doppeldeutigkeiten, erwähne nur beiläufig in Nebensätzen worum es mir eigentlich geht. Manchmal behandle ich versehentlich Menschen wie Mails. Früher fand ich das viel interessanter als den gängigen Talk Show Slang. Live and indirect in your Face. Heute ziehe es durch, weil sich die meisten dran gewöhnt zu haben scheinen und gerne darüber reden wie was wohl gemeint gewesen sein könnte. Wenn ich telefoniere läuft Musik im Hintergrund. Keine zufällige „immer da“ Musik, sondern bewusst gewählt. Die passende Melodie fürs passende Girl. Wenn da Prince läuft mit „How come you don`t call me anymore“, dann hättest du dich mal wieder melden können und wenn da Norah Jones „I don`t know why I didn`t call“ singt, dann war es mal wieder höchste Zeit für mich.

Ich bekomme nichts unbegründet hin. Für fast alles könnte ich mich sofort rechtfertigen, wenn ich müsste. In Gedanken spiele ich Dialoge und Gegebenheiten durch, um, falls es dazu kommt, ohne eine Pause richtig reagieren zu können. Da steckt dann meist ein langer Gedankengang hinter. Oder ich besinne mich auf etwas, das ich mal gelesen habe. Erlesenes Wissen, aufbereitet und sofort abrufbereit. Mr. Schlagfertig wie Sprühsahne und so. Aus diesem Grunde merke ich mir auch alles was zu mir gesagt wird. Es könnte ja mal etwas Wiederverwertbares dabei sein. Man wundert sich wirklich, wie oft man immer dasselbe hört. Schnell denkt man in Kategorien. Das liegt aber natürlich auch an der Unsicherheit, dass man alles kategorisieren muss. Klar. Ich brauche für alles Gründe, das Bauchgefühl ist mir völlig abhanden gekommen. Ich tröste mich damit, dass es jedem so ergeht. Unbewusst, ein Segen. Wenn mir Leute als Antwort ein selbstverständliches „das ist halt so“ oder ein kindisches „darum“ liefern, dann erkläre ich sie heimlich für unzurechnungsfähig. Wenn ich trinke hört das auf. Früher dachte ich, ich würde unachtsam werden. Heute weiß ich die Scheißegal Haltung zu schätzen.

Selbstverständlich kann ich auch Dinge geschehen lassen, einfach so und dabei trotzdem gewaltig entspannt aus der Wäsche gucken. Es ist nicht so, dass ich jetzt jede Matheformel herleiten müsste, bevor ich sie anwende. Es ist ja kein Zwang, halt nur ein zwischenmenschliches Ding. Tja, so bin ich. Total verunsichert.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Stickeralbum

"Deine Sammlung ist der Spiegel deiner Seele und nicht etwa, weil ich dir hier irgendeinen erzähle" Dendemann

Früher kamen die Newsletter von Plattenlabels noch mit der Post und mit ihnen kamen zu Werbezwecken Aufkleber und Postkarten der angepriesenen „Stars“. Auf Konzerten gab es auch immer gut was für die Jackeninnentasche. So kam es, dass sich über die Jahre dutzende von Aufkleber in meiner Schublade für solche Dinge sammelten. Wohin damit? Zum aufkleben waren die mir immer zu schade. Beziehungsweise wollte ich den Wiederverkaufswert meiner Billigmöbel nicht völlig auf Null senken. Ich weiß noch, wie ich es in frühen Kindestagen gehasst habe, wenn mir gebrauchte Möbelstücke gekauft wurden, auf denen fremde Kinder mir ihre Panini- und sonstigen Sticker vererbt hatten. Von Geschmack zeugten nur die wenigsten Aufkleber, darunter die Nationalmannschaft ´90 an meinem Bettkasten. Ich selber war nicht ganz unschuldig. Damals kaufte ich mir für einen Groschen diese Kaugummis mit den kleinen Stickern vom A-Team, ALF oder Knight Rider darin. Das Kaugummi schmiss ich weg, das Bild klebte ich auf das Schutzblech meines Fahrrads. Michael Knight landete in der Innenseite von der Minibar meines Vaters. Heute möchte ich nicht mehr unbedingt, dass mein Zimmer aussieht wie das Schanzenviertel. Außerdem hinterlassen Etiketten auf Holzfurnier genauso einen albernen Eindruck wie Jan Cux und Cuxi auf süddeutschen Autos. Beim entrümpeln der Uni Sachen habe ich das Merchandise in der Schublade mit den X-Akten wieder entdeckt. Also wohin damit? Das meiste sind Aufkleber von deutschen HipHop Bands, die es zum Teil gar nicht mehr gibt und welche von Klamottenmarken sind auch dabei.
Früher hätten sie die Rostflecken meines Autos kaschieren können, leider kommt die Idee ein bisschen spät. Wenn einer weiß was ich damit anfangen kann, der soll sich bitte melden. Verschenken werde ich sie nicht! ...vielleicht aber tauschen.

Stick up Kids

Donnerstag, 10. Januar 2008

Bombenteppich

"Die würde ich sofort aus dem Bett schubsen! Auf dem Fußboden ist doch viel mehr Platz!" Lunchmann
„Warum aufräumen wenn einmal jeder Handgriff sitzt?“ Martin Cordes

Ich verstehe nicht warum etwas, das auf dem Fußboden liegt gleich als unaufgeräumt betrachtet wird. Wer solcher Ansicht ist, der räumt selbst Schuhe im Flur in ein Regal. Für mich ist der Fußboden ein riesiges Möbelstück. Manchmal schlafe ich darauf, manchmal sitze ich darauf und manchmal esse ich vom Boden, weil man es kann. Unarchiviert ist nicht gleich dreckig. Der Fußboden ersetzt einen zweiten Tisch, ein CD-, Platten- und Bücherregal. Mein letztes Geld habe ich für Bücher ausgegeben. Bücher, die ich zwar alle schon gelesen habe, aber nicht besessen. Mir geht es nicht darum Besuch zu beeindrucken und auf die Frage zu hoffen: „haste die alle gelesen?“. Damit ich dann sagen kann: „geschrieben!“.
Mir geht es darum Dinge nachzuschlagen. Woher habe ich denn den schlechten Witz hergenommen und von wem kommt die Formulierung – sozial auffällig? (Heinz Strunk)
Dies geht am besten, wenn die Bücher griffbereit in der Nähe des Bettes rum liegen. In der Klausurenzeit liegen Skripte, hunderte von kopierten Blättern und aufgeschlagene Bücher, einem kompliziertem Konzept folgend, überall auf dem Fußboden verstreut. Es sieht aus wie bei David Aames aus dem Film Vanilla Sky, als dieser sich über seine Gesichtschirurgie informiert.
Klamotten, die zusammengelegt auf dem Teppich liegen, könnte ich sicherlich in den dafür vorgesehenen Schrank packen. Sie stören aber auch nicht wenn sie vor dem Schrank liegen bleiben. So habe ich eine gute Übersicht davon welches Shirt ich noch fürs Wochenende habe und wann ich die Wäsche waschen sollte. Der Durchlauf ist gewaltig, es lohnt gar nicht richtig die Shirts zu sortieren und zu wegzuräumen. Das ist dann wohl Single Luxus, wie Frauen hinterher pfeifen oder pupsen.
Boxen- und Cinchkabel verlaufen quer durch den Raum, vom Verstärker zu den Plattenspielern, rüber zum Notebook, hin zum Fernseher und wieder zurück. Man kann quasi kein Staub saugen ohne mindestens einmal ein Kabel aus dem Staubsaugerkopf zu rupfen. dieser Aufwand wird wohlwollend in Kauf genommen, die Kabel zu verlegen lohnt sich nämlich ebenfalls nicht. Zu oft räume ich den Elektrokram um. Es hört sich jedes Mal geil nach Arbeit an, wenn der „Staub“ durch den Sauger klöttert. Die Warnlampen werden ignoriert, dass das Gerät trotzdem arbeitet, ist ja deutlich zu vernehmen. 
Es gibt den Teppich jetzt schon seit zehn langen Jahren und ich warte immer noch auf den Tag an dem er wieder (haha) angesagt sein wird. Hätte ich einen 4 cm dicken, weißen Kaschmirteppich würde ich wohl auch anders damit umgehen, was die Sache nicht gemütlicher macht.
Cinchkabel und Brandfleck

Montag, 7. Januar 2008

Funky for you

zu Teil II

"As long as it`s funky...alright" Common

"Schreib doch mal was nettes" Nadieke

Wusch. Die Eingangstür der Drogerie öffnet beim betreten des Ladens automatisch via Lichtschranke. Wenn ich mich unbeobachtet fühle, streiche ich mit der rechten Hand durch die Luft und tue so, als ob ich ein Jedi - Ritter wäre, der die verschlossene Tür mit Hilfe der Macht öffnet. Im Augenblick beobachtet sie mich. Dennoch möchte ich nicht auf die Geste verzichten, was mir sofort einen kleinen Rempeler einbringt.
Einkaufen mit ihr bedeutet: sie kauft ein. Jedes mal wieder völlig unroutiniert wie bei ihrer ersten Fahrstunde schlendert sie zwischen den Regalen entlang und erklärt mir, dass wir Bückwarenkäufer sind. Ich schaue ihr dabei zu, allerhöchstens bücke ich mich für sie gelegentlich nach "JA" Produkten. Es gibt keine Alltagsgegenstände, die ich vorrätig bräuchte. Erst wenn etwas leer ist, gehe ich einkaufen. Nicht umsonst haben die Läden mittlerweile bis 22 Uhr geöffnet. Auf Vorrat kaufen, nennt man wohl auch eher Shopping und das ist sowieso allein ihr Ding.

- Brauchst du keinen Korb?
- Nee, ist nicht viel.
- Okey.

Ich platziere mich vor dem Kondomaushangdrehständer, der dicht an den Kassen steht und lese mir die Rückseiten der Kondomverpackungen durch. Mich interessiert, ob dort Übersetzungen der Gebrauchsanweisung zu lesen sind, wie bei den Single Menus und wenn ja, welche Sprachen bei Kondomen vor der deutschen kommen.
Sie geht wortlos an mir vorüber und holt sich einen dieser roten Körbe, die am Eingang bereitgestellt werden. Sie hat Glück, dass sie nicht mit Mario Barth zusammen ist. Das sage ich ihr auch direkt, als sie auf ihrem Weg zu den Männerdüften wieder an mir vorbei kommt. Ich bin in eine Frau verliebt, die Männerdüfte trägt. Sie rechtfertigt das damit, dass sie es sei, die sich den ganzen Tag riechen müsse und da will sie nun mal gut riechen. Außerdem sei die Zeit Kerle aufzureißen ja erstmal vorbei. Sie sagte tatsächlich erstmal. Komischer Liebesbeweis, so unromantisch, so realistisch.
Aktuell ist es "Jump" von Joop. Unauffällig oft benutze ich es selber, also sage ich ihr nicht, dass man den parfümierten Eigengeruch höchstens fünfzehn Minuten lang wahrnimmt. Womöglich aus Selbstschutz, jedenfalls halte ich aus diesem Grund lieber meine Klappe.
Sie holt mich eine halbe Stunde später mit einem vollen Korb vom Kondomaushang ab.

- Wie kann man da eine halbe Stunde lang vorstehen? Die Leute müssen ja denken, dass du die Dinger klauen willst.
- Was glaubst du? Heißt die Familienpackung deshalb so, weil da einfach mehr drin ist oder weil die wenigen die drin sind alle Löcher haben?
- ...oh man… jetzt stehe ich hier auch schon rum. Nimm halt welche mit.
- Ich kann mich nicht entscheiden!
- Dann nimm zwei.
- Was? einen ganzen Jahresvorrat?
- Was bist du denn heute so nervig gut aufgelegt?
- Jetzt gerade bin ich froh, dass der Satz nach dem nervig noch weiterging…
- Apropos weitergehen!


Nie würde ich zugeben, wie viel Spaß mir das Einkaufen mit ihr macht.

Samstag, 5. Januar 2008

Gute Vorsätze

„Morgen geht`s früh raus kalt duschen und spätestens mittags
gibt`s Matetee und Mehrkornbrezeln und die ersten Sit-ups
frühstück, halb auf geht`s bald drauf zur Typberaterin
und ich muss in Sachen Sport dringend 'n Halmapartner finden
ich muss Versicherung checken sonst gibt`s noch weniger Rente
wenn ich so weiter mache brauch ich jede Mark für Medikamente“ Dendemann

Vorsätze sind für den Arsch. Das sollte jeder gut einschätzen können, der es mal mit welchen versucht hat. Fitness Center stellen für 2-3 Monate neue Angestellte ein, um den Ansturm von Januar bis März auffangen zu können. Abonnements von Wohlfühl-Magazinen werden abgeschlossen oder wurden letztes Jahr zu Weihnachten verschenkt, weil man nebenbei noch ein Sponsorengeschenk absahnen kann. Ein Klassiker ist es mit dem Rauchen aufzuhören. Das alles dient allein dem Gewissen. Andere sind zu guten Vorsätzen vertraglich gezwungen. Wie zum Beispiel Michael Ballack. Wenn das nicht sein Jahr wird, dann war es das mit seiner Karriere. Halt immer wenn Geld im Spiel ist, sollte man dieses Jahr kürzer treten oder gerade Gas geben. Warum wird eigentlich ständig wenn man von Vorsätzen spricht, das in Verbindung mit dem Wort „gut“ getan? Sollte das nicht selbstverständlich sein?

- Herr Bush, was sind ihre Vorsätze für das neue Jahr?
- Krieg!
- und was sind ihre guten Vorsätze für das neue Jahr?
- Frieden in den USA!
Ist doch das gleiche, egal wie man die Vorsätze nun benennt.

Natürlich müsste auch ich mehr Sport treiben und allgemein gesünder leben. Nur interessiert mich das ab April, ab den ersten Sonnenstrahlen nicht mehre. Da verschwände ich gar keinen weiteren Gedanken dran. Den Charakter formen gehört zu meinen liebsten Hobbys, das muss ich mir nicht vornehmen. Was dabei sonst noch so geformt wird, sind nette Begleiterscheinungen gegen den Magersuchtswahn.
Zwischenmenschlich gäbe es aber einiges für mich zutun.
Kontakte pflegen ist eben mehr als ein Profil im Netz zu erstellen oder regelmäßig seine eigene Homepage anzulügen. Die wenige Zeit besser nutzen, darum geht es doch genau genommen. Jedes Jahr wieder. Sportlich rüber kommen, geil aussehen oder die Karriere nach vorne bringen wollen alle. Das sind einfallslose, feige Vorsätze.
Ich würde gerne viele Menschen öfters sehen. Das zu versprechen wäre jetzt ganz groß, es bleibt aber nur bei einem feigen Vorsatz meinerseits.

Sonntag, 23. Dezember 2007

4. Advent

"Ich kaufe ungern Toiletenpapier. Statt Toilettenpapier kaufe ich Haushaltspapier. Das schneide ich in der Mitte durch - die Verkäufer sollen nicht wissen, dass ich kacke." Phillipp Jessen

Das schönste an der Vorweihnachtszeit ist für mich nicht die gefühlsduselige Stimmung bei den Pärchen auf den Weihnachtsmärkten, sondern die Gelegenheit endlich Dinge zu kaufen, die mir zu kaufen den Rest des Jahres unangenehm ist. Man kann alles wie einen weihnachtlichen Geschenkekauf aussehen lassen. Die ehrlich gemeint, gut gelaunten Verkäuferinnen achten nur noch auf den Betrag, der auf der digitalen Kasse aufblinkt, anstatt auf die Produkte, die sie über den Scanner piepen lassen. Wenn man mal an Badezimmerutensilien denkt, wird jeder nachvollziehen können was ich meine. Badezimmerutensilien wie zum Beispiel: Kilometerweise Klopapier, Nasenhaarentferner, Antischuppenshampoo, Kokain, Enthaarungscreme oder so einen Stift, der die ergrauten Haare wieder schwarz glitzern lässt (benötigen tue ich davon natürlich nichts). Oder glaubt ihr wirklich, dass die zu Weihnachten verkauften KuschelRock CDs alle verschenkt werden?

Vorsichtshalber sollte man an der Kasse beim Kauf unangenehmer Dinge alle Register ziehen. Am besten zu zweit einkaufen und sich über die gelungene Geschenkidee unterhalten. „Mensch, der Glenrothes Whiskey ist ein richtig tolles Geschenk für den Opa.“
Dass man ein extravagantes Alkoholproblem hat (und wenn nötig noch direkt auf dem Parkplatz), davon ahnt die Verkäuferin nichts mehr. Ist man alleine, kann man nach der Umtauschgarantie fragen, klappt auch gut. Das schönste Lob für dieses Schmierentheater ist die Frage: „Soll ich es für Sie einpacken?“ In diesem Fall „Ja, bitte“ sagen und genießen.

Probiert es Montag mal aus und kauft euch alle einen Sitzkringel!