"Hey Leute, wo wollt ihr hin, mit dem Mikro in der Hand? Ich frage, hey Du, wo willst du hin mit dem Mikro in der Hand?" Eißfeldt
Vor Jahren hatte ich mal die Idee von meinen Texten Remixe
schreiben zu lassen. Neu
eingetippt von den ganz großen der Szene oder eben jedem, der Lust dazu hat. Die Idee soll nicht länger brach liegen. Das bedeutet ein Text aus dem Archiv wird von euch aufgegriffen und darf komplett neu
interpretiert werden oder der Blickwinkel ändert sich oder was auch immer ihr
mit dem Text anstellen wollt. Dabei soll sich nicht an meinem Wortlaut gehalten
werden, sondern ein eigenständiger Text entstehen. Ich denke, das Prinzip wurde
verstanden. Ihr dürft dem Remix selbstverständlich auch einen ausgefallenen
Namen geben. Also, falls ihr einen Lieblingstext habt und beim Lesen dachtet „ja,
aber…“ dann schreibt mir eine Mail. Der Remix wird dann ganz oben auf der Seite
veröffentlicht. Der viele Fame und meine Anerkennung müssen Lohn genug sein.
Ich freue mich auf Zuspruch und euch wünsche ich viel Spaß.
Der Kenner weiß bescheid. Allein der Soundtrack von Geinoh Yamashirogumi ist es wert. Die englische Version des Anime klassikers Akira. Nur hier und auf Youtube. Di Caprio plant mit seiner Produktionsfirma eine Realverfilmung. Kann man nur hoffen, dass er es nicht versaut. South Park, Die Beginner, Die Simpsons, Kanye West uva. haben sich bereits bei Akira bedient. Vollkommen zu Recht.
Wenn man denkt es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein
Stöckchen her. In diesem Fall heißt der Flankengeber Verena.
Stöckchen sind so eine Art Poesiealbum, das unter Bloggern weitergereicht wird
und wie damals in der Schule schreibe ich gerne etwas in das Album hinein, gebe
es aber nicht zurück oder weiter. Weder kenne ich andere Blogger, geschweige
denn gleich fünf Stück, noch kann ich mir vorstellen, dass andere gerne bei so einer
Aktion mitmachen würden. Wie damals in der Schule halt. Also werde ich einfach
diejenigen „taggen“, die beim letzten PmD bei mir kommentiert haben. Selbst
Schuld.
Wie es geht:
1. Verlinke die Person, die dich getaggt hat. 2. Beantworte die Fragen, die dir gestellt wurden. 3. Tagge anschließend 5 weitere Leute. 4. Gib den Personen Bescheid, die getaggt wurden. 5. Stelle anschließend 5 Fragen an die, die getaggt wurden.
Hier Verenas fünf individuelle, drei supergute Fragen:
1. Soundtrack Deines Lebens? (5 Songs)
2. Du bist 1 Tag lang Programmdirektor von RTL. Dein Plan? 3. Du erhältst einen Brief der obersten Schulbehörde. Ihnen ist ein Fehler
unterlaufen und Du musst die 10. Klasse wiederholen. Was würdest Du heute
anders machen als damals?
4. Stell Dir vor, Du wärst ein Superheld. Welche Farbe hätte Dein Cape?
5. Hund, Katze, Maus. Aus welchem Buch liest Du Deinem Lieblingstier auf einer
einsamen Insel vor, bevor Du es essen musst, weil es dort keine anderen
Lebensmittel gibt? Für Vegetarier: Interpretiere das Verhalten der Romanfigur
anhand der Beziehung zu seiner Mutter (ausführliche Begründung!).
1. Unmöglich präzise zu beantworten. Chronologisch betrachtet,
haben mich jedenfalls diese fünf Songs nachhaltig beeindruckt und den weiteren
musikalischen Werdegang gewiss beeinflusst.
- Michael
Jackson – Smooth Criminal
- Prodigy –
No good (Start the Dance)
- Absolute Beginner – Hammerhart
- Led Zeppelin – Kashmir
- Radiohead – High and Dry
2. Als großer Fan des Amiga Spiels Mad TV fällt mir die
Frage recht leicht. Da ich aber nur einen Tag habe und im Archiv von RTL „Kultur
Heute“ nicht vorhanden sein wird, muss ich wohl mit dem arbeiten was mir zur
Verfügung steht. Was genau wäre das? Oliver Geissen sollte das
Frühstückfernsehen moderieren, der sieht immer so unausgeschlafen, verwuschelt
aus, damit kann sich der unmotivierte Arbeitnehmer identifizieren. Für den
anspruchsvollen Arbeitslosen gibt es danach 90er Jahre Zeichentrick-Serien. Eine
Live Dokumentation über die Autoren des vertrauten Trash TVs fände ich
interessant. Einmal den Spinnern über die Schulter schauen. Wer sind diese
Leute, wie ticken sie, woher nehmen sie ihre Inspiration, wie steht es mit dem
Gewissen? Wer wird Millionär sollte auf jeden Fall in der toten Zeit zwischen
19-20 Uhr laufen. Die Lücken, die die ausgebooteten Krimi Serien, Casting Shows
sowie Reality und Daily Soaps reißen, werden mit Gottschalk/Krüger Filmen und
ALF gestopft. Für tatsächlichen Anspruch kommt jegliche Hilfe zu spät.
3. Ich würde meine Brillen gleich bei Fielmann kaufen… Falls
ich die Zehnte wiederholen müsste, würde ich die Mädchen fragen, ob sie eine
ältere Schwester haben und den Typen raten das mit den albernen Frisuren zu
lassen, es wirkt immer dümmlich und inkompetent. Ansonsten wäre ich wohl eine
Mischung aus Martin und Nelson. Ich würde gewaltig mit meinem überflüssigen Wissen
angeben und den Schulhofschläger geben. Ob da jetzt großartig was anders ist,
sei mal dahin gestellt.
4. Dafür muss ich mir nicht vorstellen ich sei ein
Superheld. Mein Cape ist Schwarz wie die Nacht.
5. Ich würde dem Schwein aus „Herr der Fliegen“ vorlesen. Danach
hätte es sicherlich Verständnis für meine Situation.
"Für wen soll das Autogramm sein? - Für eBay!" aus Futurama
Mein erster Versuch etwas bei eBay zu verkaufen, blieb
bisher auch mein einziger. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Frage, ob ich mich bei einem Flohmarktverkauf beteiligen wolle, der Grund war mich mit dem damals noch
jungen Internetauktionshaus zu beschäftigen. Flohmarkt ist von gestern, erklärte ich. Das
frühe Aufstehen, Preise erfinden für Sachen, dessen Wert man nicht
einschätzen kann ohne dreist oder naiv zu wirken, und die Gefahr das Verdiente Geld direkt wieder für anderen
Plunder auszugeben, ließen mich den Entschluss fassen die Sachen bei eBay zu
verkaufen und durch das Internet endlich reich zu werden, so wie der Rest meiner Generation.
Vom Prinzip her hat das Verkaufen klasse funktioniert. Die Artikel,
hauptsächlich Klamotten denen ich entwachsen war, wurden in Fabians Zimmer auf
die Hundedecke drapiert und mit einer klobigen Digitalkamera abfotografiert. Fabian
besaß die perfekten Voraussetzungen um ein erfolgreiches Unternehmen zu starten. Einen
Internetzugang, eine Digitalkamera, Erfahrungen mit eBay und
sein Zimmer befand sich im Keller, was der Operation Cashflow eine
verschwörerische Note gab. Er suchte aus der Postbroschüre die korrekten
Versandkosten heraus und ich sammelte im Supermarkt die leeren Kartons ein. Beispielsweise
eignen sich Käsekuchenschachteln ideal um Vinyl zu verschicken. Blieb
nur zu hoffen, dass genug Leute die Verpackung ihres Käsekuchens direkt im
Markt entsorgten. Inseriert wurde am Sonntagnachmittag. Der perfekte Zeitpunkt für
die vielen „in letzter Sekunde" Bieter.
Alle Artikel gingen trotz respektabler Aufmachung und all
der Mühen, wir lasen sogar die AGBs, weit unter Wert weg. Einen Haufen Geld
versprach ich mir aus dem Verkauf meiner Klamotten. Von wegen verblödete Internet
Community, Kaufsucht im Cyper Space, Schuldenfalle eBay, Ulrich Meyers Berichterstattungen
hatten damals schon weniger Wahrheitsgehalt als der Wetterbericht. Eine weiße HIS
Hose ersteigerte die Arbeitskollegin von einem Herrn aus meiner Nachbarschaft. Stellvertretend
für Susi65 holte er die Hose noch am selben Abend des Zuschlages persönlich ab und drückte mir dabei gleich den fälligen Euro in die Hand. Welch
Erniedrigung. Selbst er erkannte, dass dies nicht die Idee hinter eBay sein
konnte. An eine weitere Hose hatte er leider kein Interesse.
Mittlerweile weiß jeder von einem ersteigerten eBay
Schnäppchen zu berichten, als ob beim Bieten viel Geschick dazu gehöre. Nun, womöglich
sitzt in diesem Augenblick irgendwo ein Internet Millionär und erzählt von
seiner roten Ecko Jacke, die er damals bei eBay von irgend so einem Vollidioten
für lausige zehn Euro ersteigert hat. Es schmerzt immer noch wenn ich daran denke.
Jahre später hat sich eBay trotz allem etabliert und macht
einen recht professionellen Eindruck. Vieles kommt nur noch über den
Sofort-Kauf unter den Hammer, Versandkosten werden pauschal mit fünf Euro
veranschlagt und viele der Verkäufer bieten ihren Ramsch in heavy Rotation an. Nach
all den Jahren möchte ich noch mal einen Versuch starten und gewisse Dinge bei
eBay feilbieten. Zum einen eine komplette Comic Reihe, dessen einzelne
Exemplare im Sofort-Kauf für circa sieben Euro keinen Abnehmer finden, zum
anderen ein PS2 Spiel, das ich mir mal geliehen und nie zurückgegeben hatte und
selbst bei einem Startpreis von zehn Euro Niemand drauf bietet und Platten, die
ich doppelt besitze. Die Platten versprechen als einziges einen angemessenen Gewinn.
Natürlich erkundige ich mich vorher welche Preisvorstellungen realistisch sind und gerade
beim Vinyl musste ich doch sehr staunen. Zehn Jahre alte 12 Inch Singles aus
dem Bereich Deutscher HipHop werden von Händlern für 40-50 Euro angeboten. Nostalgie
scheint besser anzukommen als der Nerd Kram. Bisher weiß ich nicht, ob die auch
für den Preis gekauft werden, falls ja, sehe ich in den guten alten Zeiten eine echte Einnahmequelle. Selbst
Snippet Tapes gehen scheinbar für unangemessen viel Geld weg. Ich habe noch einen ganzen Schuhkarton voll
mit gesammelten Tapes von diversen Jams. Auch ein Eimsbush Tape ist dabei, die werden aktuell für 50 Euro gehandelt.
Ich sehe gerade, der letzte Zugriff auf mein Profil war im
Juni 2008. Da muss ich einiges aktualisieren bevor Projekt Cashflow2 an den
Start gehen kann.
"Du schläfst, ich lenk
Ich schlaf, du lenkst
Endlich lern ich zu verstehen was du gerade denkst
Und ich lern dich einfach so zu nehmen ohne Navigationssystem" Dennis Lisk
Hätte ich ein Auto, benötigte ich ein Navigationssystem. Wenn
ich mal ein Auto zur Verfügung habe oder auf langen Fahrten als Fahrer
eingewechselt werde, besteht die Gefahr am ursprünglichen Zielort niemals
anzukommen. Es geht schon damit los, dass die ich nur raten kann in
welcher Himmelsrichtung sich die ausgeschilderten Städte befinden. Das Wissen wäre hilfreich, um wenigstens grob die richtige Richtung bestimmen zu können. Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist: Wenn du hintereinander viermal links oder rechts abbiegst, bist du wieder am Ausgangspunkt. Mein Reset Knopf für die Orientierung.
In diese Abhängigkeit können auch erfahrene
Langstreckenfahrer verfallen, wie ich einst feststellen durfte. Ein Kumpel von
mir hätte sein Auto, inklusive uns als Insassen, fast in der Weser versengt,
weil sein Navigationsgerät ihn dazu geraten hatte. Ein weiteres Beispiel dafür, dass man der Technik nicht blind vertrauen sollte. Mein Status als Fahranfänger reichte nicht
aus um ihn davon abzubringen auf das Wasser zuzuhalten. Zudem war klar, dass
er mich auch wieder mit nach Hause nehmen musste, vermutlich betrunken, den
Radiosender verstellend. Da hörte er lieber von vornherein ausschließlich auf
die lieblich säuselnde Stimme aus den Lautsprechern. Einen Meter vor unserem nassen
Grab bremste er, drückte kommentarlos auf den Knöpfen des Navis herum, stellte die Funktion „Fähren
berücksichtigen“ aus und drehte schweigend um. Meine Frage weshalb er überhaupt
noch aus dem Auto herausschauen würde, er könne doch gleich nach den Linien auf
dem kleinen Bildschirm in der Mittelkonsole fahren, versetzte die Stimmung endgültig auf ihren Tiefpunkt. Selbst mein Entschluss bereits auf der Hinfahrt zu trinken und am Radio
herumzuspielen, konnte die Situation nicht mehr retten.
So was wäre nicht passiert, wenn es
damals schon das TomTom mit individueller Sprachausgabe gegeben hätte. Wer will
noch Radio, wenn Darth Vader, Yoda oder Ernie und Bert einem den Weg weisen?
Wenn Darth Vader die blauen Linien für die Straßen hält, dann ist das zu respektieren.
Choose your Destiny Destination!
„Ich habe mir nie Gardinen zugelegt, weil ich mich
hier nicht wohl fühlen wollte.“ (ungefähr) Benjamin von Stuckrad-Barre
Wenn ich fremde Wohnungen betrete, werde ich schnell neidisch. Die anderen
gestalten ihre Räume offen, setzen Möbel gezielt in Szene und verwenden Farben
in den richtigen Kombinationen. Stichwort Komplementärfarben. Meine Wohnung ist
dagegen das, was die Abstellkammer für den Innenarchitekten ist. Zu gerne würde
ich den schmalen Grad zwischen hin- und zugestellt einschätzen können. Pflanzen
sind ein großes Plus wenn es um das Wohnklima geht, das ist mir bewusst, leider
passen sie sich meinem Engagement gegenüber der Raumgestaltung schnell an. Nach
spätestens drei Monaten verlieren sie die ersten Blätter und damit ihre Wirkung.
Erstmal schiebe ich es auf die für die Pflanzen falsche Jahreszeit, egal welche
Jahreszeit gerade ist. Aber spätestens wenn die Fruchtfliegen um den letzten Sprössling
kreisen, gebe ich die Hoffnung auf. So wie die Mafia ihren Schuldnern die Füße
einbetoniert und im Meer entsorgt, entsorge ich die Pflanzen umgetopft in die
Zimmerecke und lasse sie von dort aus mit ihrem morbiden Charme spielen. Ich
weiß nicht woran es jedes Mal scheitert. Zu viel Wasser oder zuwenig
Sonnenlicht? Die Kombination aus beidem wird es sein. Gut gemeint ist oft das
Gegenteil von Gut.
Meine Stärke liegt eh in den Accessoires. Zum Beispiel kaufe ich nur die
Pflegeprodukte, die auf die sensible Haut des Mannes eingehen. Dabei ist meine
Haut so sensible wie die von Thomas Doll. Darauf kommt es mir auch gar nicht
an. Ob nun pflegend und beschützend oder beruhigend und erfrischend,
letztendlich ist die Wirkung eh eine reine Kopfsache. Das wichtigste ist, sie
sind Duftneutral. Sorgfältig im Bad aufgereiht, sprechen die grundsätzlich in
Weiß gehaltenen Produkte für einen akkuraten, modernen Typ Mann. Da will jemand
wirken oder hat sich zumindest noch nicht ganz aufgegeben. Somit ist das Bad
meine kleinste Baustelle
Solcher Kniffe ungeachtet, möchte ich mich in meiner Wohnung gerne wieder
erkennen. Niemals könnte ich ein Bild aufhängen oder eine Wand streichen ohne das
drohende Verhör der Gäste voller Stolz zu überstehen. Bisher hat es für mich
gereicht die vorhandene Stellfläche mit den Dingen auszufüllen, die meine
Interessen so mitbringen. Ein Sofa zum liegen und mehrere Regale gefüllt mit
Büchern, Cds und Platten. Alles Dinge, die unarchiviert, außerhalb jeglicher Stellwände
ungenierte Besetzermentalität ausstrahlen würden. Der Fußboden wird weiterhin
als Möbelstück vollkommen unterschätzt. Niemand möchte sein Gedöns zur Bückware
dekretieren. Dabei suggeriert das entfesselte Bereitstellen jeglicher
Inspirationsquellen auf dem Fußboden soviel mehr Lebendigkeit und
Ernsthaftigkeit als es jedes Regal bieten kann. Bedauernswerterweise wird
solches Verhalten prinzipiell als Unordnung aufgefasst. Wenn es wenigstens massive,
deckenhohe Schränke wären, die jeden der davor steht überragen und von ganzen Lebensabschnitten
erzählen. Bei mir stehen halt nur schäbige Regale, wobei ich Rafael Horzon den Erfolg damit
gönne.
Wenn ich bei jemanden zu besuch bin, in meinem Alter bedeutet das häufig in
der gemeinsamen Wohnung eines langweiligen Paares, schaue ich mich zuerst in
den Regalen um. Vorausgesetzt ich kann auf den ersten Blick etwas Interessantes
ausmachen. Regale stehen und hängen grundsätzlich erstmal in jeder Wohnung. In ihnen
erkennt man schnell Interessen, Urlaubsziele, ob nun bereist oder nicht, Studienrichtungen
oder eine bewegte Jungend, ob nun gelebt oder nicht. Völlig Zweckentfremdet sind
Regale, die einzig Dekorationszwecken dienen. Solche Regale sind dann meist
„angebracht“. Sie werden voller Vertrauen in das eigene handwerkliche Geschick über
den Fernseher gedübelt, als ob das Überwinden der Schwerkraft Teil der
Dekoration sei. Wie oft ich mich schon unbeliebt gemacht habe, weil ich die
Buch- oder Albumtitel studieren wollte, die im angebrachten Regal über dem Flachbildfernseher
schweben. Ich war gezwungen mich vorsichtig nach vorne zu beugen um bloß nicht
mit den Knien oder Restunterkörper an den wackligen Bildschirm zu kommen. Ganz
davon zu schweigen, dass der Fernseher lief und ich im Weg Stand. „Ist dein
Vadda Glaser?“
Mein eigener Anspruch soll endlich über das stilvoll gefüllte Regal
hinausgehen. Ich will Wände, die mir, wenn ich sie aus einer herbei gelangweilten
Isoliertheit heraus anstarre, gefallen. Ich will auf etwas schauen, das mich
zufrieden stellt und gleichzeitig schreit: hier wohnt er, der Neue. Was auch
immer. Bisher verdiente ich mein Geld mit der Umsetzung von Ideen anderer.
Dementsprechend fällt es mir schwer für die Umsetzung meiner eigenen Ideen Geld
auszugeben. Aber das wird, man möchte ja auch mal den Besuch rumführen und dabei
was erzählen können.
"Also gebt mir ´nen Job und sei es auch so unfaßbar für so manche
wenn ich nicht mein Cheddar krieg dann heirate ich Frau Antje
und teuer ist guter Rat nur, ist dein Flavor nix als guter Matur
ich freu mich auf Resonanz und bin draussen wie Mutter Natur" Dendemann
Über das Arbeitsamt hört man selten etwas Gutes. Vielleicht ist
das der Grund, weshalb die Behörde in Agentur für Arbeit unbenannt wurde.
Jedenfalls darf ich mich mit dem Verein seit Beendigung meiner Indienreise
herumschlagen. Die Agentur für Arbeit beweißt ihr Gespür für Timing und führte
ungefähr im selben Zeitraum ihren neuen Telefonservice ein. Die Service-Nummer
Arbeit kostet vom Festnetz aus 3,9 ct/min und vom Mobilfunknetz aus 42 ct/min.
Ich besitze kein Festnetz, der Anschluss würde mich 5 Euro im Monat kosten, was
nicht in Relation zum Gebrauch steht. Wer hat denn noch Festnetz von den unter
30 Jährigen? Zwar steht mir ein Festnetz zur Verfügung, nur wird mir bei Eingabe
des Zahlenlabyrinths - drücken Sie die 1, drücken Sie die 8, geben sie ihre
Postleitzahl ein – gesagt, mein Gedrücke könne nicht verwertet werden. Ob
das nun am Telefonhersteller oder an der Software der Arbeitsagentur liegt, sei
mal dahin gestellt… an mir liegt es nicht!
Seit der Weihnachtszeit rufe ich fast täglich bei der
Service Hotline an. Von allen Versuchen erreichte ich nur zweimal einen
Menschen. Bei meinem ersten Erfolg, gar zwischen den Feiertagen, war die junge
Dame am Telefon nicht bereit mir einen Termin zugeben weil ich so doof war und
ehrlich antwortete. Die Arbeitsbescheinigung würde mir in den nächsten Tagen
zugesandt werden und somit hätte ich die beiden Dokumente, Lohnteuerkarte und
Arbeitsbescheinigung, die ich laut Service-Dame benötige, in kürze beisammen. Darauf antwortete sie, sie dürfe
mir nur einen Termin geben, wenn ich die Dokumente aktuell beisammen hätte. Meinen
Einwand, ich würde doch niemals 2011 noch einen Termin bekommen, wurde mit der
dreisten Aussage: doch, der könne schon morgen sein, zerschlagen. Morgen schon,
das ist früh, lobte ich die Agentur und versuchte es einfach noch mal: „Wissen
sie, dann will ich auch ehrlich sein, eigentlich habe ich beide Dokumente
zusammen und hätte gerne für morgen den besagten Termin.“
So ginge das wiederrum nicht, ermahnte sie. Ich
entschuldigte mich für meine Unwissenheit und beendete das zehnminütige
Gespräch. Dieser Anruf war der erste und einzige, den ich vom Festnetz aus
führen konnte. Seitdem verpulverte ich mehrere Euros in der Warteschleife.
Die Frechheit ist, das Arbeitsamt wirbt sehr aggressiv mit
dieser Hotline. An den Türen der Agentur sind große Plakate angebracht, die einen
auffordern doch besser anzurufen, als persönlich vorbeizuschauen. Auch mir
wurde Vorort bereits gesagt, ich solle einen Termin telefonisch vereinbaren. Den
Zusatz: So einfach ginge das ja nun nicht, musste scheinbar sein. Als wäre ich der anstrengende Part. Ironischerweise lief an dem Tag eine kurze Dokumentation im ZDF über die Telefonabzocke der Arbeitsagentur. Es wurde
der Preisvergleich mit einer Erotik-Hotline gemacht, sowie einige interessante
Zahlen kommentiert. Das brachte mich auf folgendes Zahlenspiel: nehmen wir die geschönte Zahl von
2,78 Millionen Arbeitslosen in Deutschland, lassen jeden von denen einmal im
Monat die Warteschleife der Arbeitsagentur anrufen, dabei benutzen eine halbe Million
ihr Handy, der Ansagentext geht genau 2:02 Minuten bis man ein Amt hat, man
zahlt also bereits drei Minuten bis es überhaupt tutet. Wer Erfahrung hat, der weiß
was er drücken muss um den Ansagetext abzukürzen, aber glaubt mir, dafür tutet es
auch sehr lange! Außerdem gehe ich davon aus, dass der Anrufer sich eine Beratung
verspricht und entsprechend lange dranbleibt.
Ergebnis: (2.280.000 x 0,039€/min + 500.000 x 0,42€/min) x 3min/M
= 896.760 €/M
Wie gesagt, nur ein Zahlenspiel.
Heute sprach ich das zweite Mal mit einem richtigen Menschen.
Es ging immer noch um einen Termin für meinen Arbeitslosengeldsantrag. Das Zwölfminutengespräch
(5€) brachte mich im Grunde nicht viel weiter. Was positiv aus dem Gespräch hervorging,
war die Information, dass ich den Antrag auch per Post einschicken kann. Der
Zusatz: so ginge das schon, aber ich müsse davon ausgehen, dass der Antrag nicht
sofort bearbeitet und wahrscheinlich irgendwann bei fehlerhaften Angaben zurück geschickt
wird, durfte nicht fehlen. Also bräuchte ich eigentlich sehr wohl einen Termin. Der nächst freie Termin ist
überraschenderweise nicht morgen, sondern am 31. Januar. Zudem fragte er erst sich, dann mich wieso mir bei meinem damaligen Beratungsgespräch kein Antrag auf ALG1
mitgegeben wurde. Gute Frage. Zuschicken darf man den nämlich nicht. Wir einigten uns darauf,
dass der zuständige Berater das verpennt hat. Ich wusste bis dahin gar nichts
von irgendeinem Passierschein Antrag. Wie logisch das Ausfüllen eines solchen
Antrages im Nachhinein auch erscheinen mag, wieso taucht der vorher in keinem
Gespräch auf oder wurde mir zusammen mit der Arbeitsbescheinigung zugesandt? Das ginge nämlich sehr wohl...
Jetzt
gehe ich morgen zur Bundesagentur für Arbeit, persönlich und frage mich solange
durch bis ich jemanden gefunden habe, der mir weiterhelfen kann. Der Vorschlag
kam von dem erst inkompetenten, dann latent aggressiven Mitarbeiter der Service-Nummer. Das ist ja nicht seine Schuld, wie er immer wieder minutenlang beteuerte.
Den Antrag Vorort ausfüllen und zusammen mit der Lohnsteuerkarte und
Arbeitsbescheinigung gleich zur Bearbeitung dalassen, ginge so aber nicht! Damit soll ich warten bis zum 31. Januar. Meine Hoffnung liegt darin, dass der ALG1 Antrag bis
zu meinem Beratungsgespräch im Dezember zurückdatiert wird.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele viele Menschen, die in
Kontakt mit dem Arbeitsamt treten müssen, anstrengend, unsachlich und unfreundlich
sind. Ich kann auch nachvollziehen wieso, aber so blöd bin ich nicht und fange am Telefon Streit
an. Das führt nur zu Verzögerungen und Anfeindungen, die niemand gebrauchen kann.
Traurig ist es nur, wenn am anderen Ende der Leitung Leute sitzen, die ihrem eigenen
Schriftverkehr nicht folgen können, Entscheidungen zwischen den Instanzen nicht
begreifen und dabei selbst wenig entscheidungsfreudig sind. Die Argentur für Arbeit weiß doch um ihren Ruf, wie kann man da Leute mit einer Nullbockhaltung hinter die Service-Nummer setzen, auf die sie sich so sehr stützen? Einzelfälle, na klar, aber das bin ich ja auch.
Freie Zeit ist nicht zu verwechseln mit Freizeit. Freizeit
fordert zu viel Engagement. Die letzten Wochen hatte ich sehr viel freie Zeit.
Zurück in Bremen habe ich mir nichts Großartiges vorgenommen. Jeder Tag steht
mir offen gegenüber.
Während meiner zweimonatigen Abwesendheit hat der neue Penny
eröffnet. 500 Meter von der Haustür entfernt. Die kurzen Wege bin ich noch von
meiner alten Wohnung gewohnt. Damals führte es dazu, dass ich nie etwas auf
Vorrat einkaufte. Für jede Mahlzeit bin ich in den Laden gegangen und habe
eingekauft, was gerade zur Zubereitung oder im Haushalt fehlte. Mit dem neuen
Markt ist das nicht anders. So verlasse ich wenigstens regelmäßig das Haus, für
das Gewissen.
Ein großer Vorteil der Stubenhockerei ist, zu wissen, dass
ich meine Wäsche geradezu vollständig in den Kleiderschränken untergebracht und
jederzeit zur Verfügung habe. Ich könnte jeden Tag genau das anziehen, was ich
möchte. Das wirkt unheimlich beruhigend auf mich. Den Vorzug erhält jedoch
jedes Mal der Pyjama, weshalb der Kleiderschrank auch so schön komplett ist.
Im Grunde bin ich ein Nachtmensch. Am Nachmittag denke ich
oft, das kannst du auch noch zwischen 2 und 3 Uhr Nachts erledigen und, was
mich in meinem Denken unterstützt, ich tue es. Bis Mittags schlafe ich. Falls
vom Vortag nichts vom gekochten Essen übrig ist, gehe ich zum Penny, kaufe ein
und koche. Natürlich wieder viel zu viel. Beim Essen schaue ich die Dauerserien
auf Pro 7 und aus dem Fenster, was das Wetter macht. Falls ich es mir ausmalen
kann den zwanzigminütigen Fußweg ins Fitnessstudio trocken zu überstehen, lege
ich mich auf das Sofa. Verdauern, Pläne für den Tag machen, schriftlich
versteht sich, und ein paar Zeilen in einem der vielen angelesenen Büchern
weglesen. Sollte das Wetter sich gehalten haben, gehe ich ins Fitnessstudio.
Sobald ich herausgefunden habe, an welchen Tagen die Zumba Kurse stattfinden,
werde ich meine Besuche daran orientieren. Das sind die besten Tage.
Da das Wetter sehr oft aus Regen besteht, fange ich
entsprechend oft direkt mit dem abhaken der Aktivitäten auf der Liste an. Ich
sauge hier mal was weg oder wische dort mal drüber oder sortiere meine CDs und
Platten neu ins Regal. Die meiste Aufmerksamkeit widme ich der Küche. Es häuft
sich einiges an wenn man jeden Tag kocht. Besonders wenn man im Angesicht der
Pfanne spontan seinen Plan ändert und improvisiert.
Auf der Liste stehen ausschließlich Erledigungen, also alles
was einem Selbstauferlegten Zwang unterliegt. Tagesfüllende Punkte wie Internet,
Buch lesen oder DVD schauen sind nicht darunter, weshalb ich auch immer nur die
Hälfte der Liste schaffe. Es sind eh Pseudotätigkeiten, die die Freizeit
zwischen der freien Zeit rechtfertigen sollen.
Tatsächlich versuche ich das Tageslicht vorrangig für bedeutsamere
Dinge zu nutzen. Rausgehen und Geld ausgeben. Leider funktioniert das unter der
Woche zu selten und allen Leuten zu erzählen ich hätte Zeit, endet darin, dass
ich acht von zehn wieder absagen muss.
So beginnt der Tag für mich erst mit dem Einbruch der Nacht.
Ich schaue mir Dokumentationen, Talk Shows, Interviews und Sendungen an, die
ich unter der Woche trotz allem verpasst habe. Passiv verfolge ich neue
Interessen und nicht selten denke ich: ach was! Ich schreibe mal was, höre neue
und alte Lieder, überlege wie ich die kahle Wand im Wohnzimmer dekoriere und
denke über die berufliche Zukunft nach. Ich gehe in Gedanken alle Berufe durch,
die Benjamin Blümchen bereits hatte und komme immer wieder zu dem Entschluss:
Alles ist möglich.
Bis zum nächsten morgen lese ich konzentriert in den etwas
dickeren Büchern.