Donnerstag, 22. Dezember 2011

Adventskalender Tür #22

Freie Zeit ist nicht zu verwechseln mit Freizeit. Freizeit fordert zu viel Engagement. Die letzten Wochen hatte ich sehr viel freie Zeit. Zurück in Bremen habe ich mir nichts Großartiges vorgenommen. Jeder Tag steht mir offen gegenüber.

Während meiner zweimonatigen Abwesendheit hat der neue Penny eröffnet. 500 Meter von der Haustür entfernt. Die kurzen Wege bin ich noch von meiner alten Wohnung gewohnt. Damals führte es dazu, dass ich nie etwas auf Vorrat einkaufte. Für jede Mahlzeit bin ich in den Laden gegangen und habe eingekauft, was gerade zur Zubereitung oder im Haushalt fehlte. Mit dem neuen Markt ist das nicht anders. So verlasse ich wenigstens regelmäßig das Haus, für das Gewissen.
Ein großer Vorteil der Stubenhockerei ist, zu wissen, dass ich meine Wäsche geradezu vollständig in den Kleiderschränken untergebracht und jederzeit zur Verfügung habe. Ich könnte jeden Tag genau das anziehen, was ich möchte. Das wirkt unheimlich beruhigend auf mich. Den Vorzug erhält jedoch jedes Mal der Pyjama, weshalb der Kleiderschrank auch so schön komplett ist.

Im Grunde bin ich ein Nachtmensch. Am Nachmittag denke ich oft, das kannst du auch noch zwischen 2 und 3 Uhr Nachts erledigen und, was mich in meinem Denken unterstützt, ich tue es. Bis Mittags schlafe ich. Falls vom Vortag nichts vom gekochten Essen übrig ist, gehe ich zum Penny, kaufe ein und koche. Natürlich wieder viel zu viel. Beim Essen schaue ich die Dauerserien auf Pro 7 und aus dem Fenster, was das Wetter macht. Falls ich es mir ausmalen kann den zwanzigminütigen Fußweg ins Fitnessstudio trocken zu überstehen, lege ich mich auf das Sofa. Verdauern, Pläne für den Tag machen, schriftlich versteht sich, und ein paar Zeilen in einem der vielen angelesenen Büchern weglesen. Sollte das Wetter sich gehalten haben, gehe ich ins Fitnessstudio. Sobald ich herausgefunden habe, an welchen Tagen die Zumba Kurse stattfinden, werde ich meine Besuche daran orientieren. Das sind die besten Tage.

Da das Wetter sehr oft aus Regen besteht, fange ich entsprechend oft direkt mit dem abhaken der Aktivitäten auf der Liste an. Ich sauge hier mal was weg oder wische dort mal drüber oder sortiere meine CDs und Platten neu ins Regal. Am meisten Aufmerksamkeit widme ich der Küche. Es häuft sich einiges an wenn man jeden Tag kocht. Besonders wenn man im Angesicht der Pfanne spontan seinen Plan ändert und improvisiert.

Auf der Liste stehen ausschließlich Erledigungen, also alles was einem Selbstauferlegten Zwang unterliegt. Tagesfüllende Punkte wie Internet, Buch lesen oder DVD schauen sind nicht darunter, weshalb ich auch immer nur die Hälfte der Liste schaffe. Es sind eh Pseudotätigkeiten, die die Freizeit zwischen der freien Zeit rechtfertigen sollen.
Tatsächlich versuche ich das Tageslicht vorrangig für bedeutsamere Dinge zu nutzen. Rausgehen und Geld ausgeben. Leider funktioniert das unter der Woche zu selten und allen Leuten zu erzählen ich hätte Zeit, endet darin, dass ich acht von zehn wieder absagen muss.

So beginnt der Tag für mich erst mit dem Einbruch der Nacht. Ich schaue mir Dokumentationen, Talk Shows, Interviews und Sendungen an, die ich unter der Woche trotz allem verpasst habe. Passiv verfolge ich neue Interessen und nicht selten denke ich: ach was! Ich schreibe mal was, höre neue und alte Lieder, überlege wie ich die kahle Wand im Wohnzimmer dekoriere und denke über die berufliche Zukunft nach. Ich gehe in Gedanken alle Berufe durch, die Benjamin Blümchen bereits hatte und komme immer wieder zu dem Entschluss: Alles ist möglich.
Bis zum nächsten morgen lese ich konzentriert in den etwas dickeren Büchern.

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