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Dienstag, 8. April 2014

Schlagende Argumente

„Ich such' den Power-Knopf bei solchen Vollspacken,
ein schlauer Kopf tankt Sauerstoff oder geht Holz hacken.“ Dendemann

Es ist still geworden.

Mir wurde mal gesagt, oder besser angemahnt, dass ich zu viel in zu kurzen Abständen veröffentlichen würde. In Angesicht meiner gegenwärtigen Kreativpause, sehr schwer vorstellbar. Man, also er, käme nicht mit. Ja, das kann nerven.  Das ursprüngliche Argument lautete, Quantität und Qualität, das geht nicht zusammen. Grundsätzlich. Er hat sich dazu entschieden und irgendwo hat man das ja auch schon mal gehört, also muss es stimmen und außerdem ist das seine persönliche Erwartungshaltung an meinen Blog, die ginge mich nichts an, die müsste ich nur umsetzen.

Ich war anderer Meinung. Viel hilft viel und die Qualität ist ja schon allein dadurch gegeben, dass der ganze Kram von mir stammt. Selbst wenn es ihm nicht gefällt, kann er es immerhin meiner Person zuordnen. Das ist mehr, als ich woanders verlinkt sehe. Darum geht es mir und ich denke, denjenigen, der die Seite gezielt anklickt, ebenfalls. Als ob jemand in einem personenbezogenen Blog liest, weil der Inhalt so gründlich recherchiert ist. Pff.
Naja, wie solche Leute nun mal sind, verwechselte er mich mit einem Dienstleistungsunternehmen und seine Körpersprache ließ vermuten, dass er für meine Blogeinträge bereits im Voraus gezahlt hatte. Ich würde das ja nicht machen, wenn mir egal wäre was die anderen Denken. Und wer Feedback einfordert, der muss auch mit Kritik leben können. Soweit seine Meinung.

Wer was einfordert, das zu erfahren, wäre mal wirklich interessant gewesen. Stattdessen fragte ich ihn, ob mir die Meinung Dritter, nach gründlicher Überlegung natürlich, auch als irrelevant oder falsch erscheinen und meiner bevorzugten Vorgehensweise nicht entsprechen dürfe. Zwar handelte es sich dabei um eine rhetorische Frage, er hätte trotzdem wenigstens kurz darüber nachdenken können. Den Moment hatte er verpasst. So wurde es nochmal anstrengend. Gerade auf Partys braucht solche Grundsatzdiskussionen kein Mensch. Ich versuchte das Ganze zu beenden und verwies auf die Kommentarfunktion in meinem Blog. Die ist extra für solche Fälle eingerichtet. Es hätte mich sehr überrascht, hätte er auf meinen nett gemeinten Hinweis endlich angemessen gelassen reagiert. Wer nur setzt ständig diese militante Internetgeneration auf mich an?
Bevor er handgreiflich wurde, haute er das Killerargument schlechthin raus. Einen Satz, der jeden Talk Show Gast sofort mundtot macht. Es sollten unzählige Nächte folgen, in denen ich wach lag und über das Gesagte nachdachte…

Er meinte, mit mir könne man nicht Diskutieren. Was bleibt mir da noch anderes übrig, als sofort alldem unreflektiert nachzukommen, was ein Fan Leser von mir erwartet? Wer bin ich denn, mein Produkt nicht auf die Wünsche Einzelner abzustimmen? Das gesamte Socialmedia Ding würde ad absurdum geführt. Schließlich möchte ich auch nur geliebt werden… usw.
Man stelle sich mal vor, eine Teenagerin lädt bei Facebook ein Profilbild hoch und keine ihrer Freundinnen bestätigt ihr, wie hübsch sie ist. Dann kann sie es auch gleich lassen. Das wäre wie Krieg, zu dem keiner hingeht. Bzw. nur einer, der sich daraufhin im Internet beschwert, dass die anderen nicht mitmachen.

Das ist nicht der Grund, weshalb ich ein halbes Jahr nichts mehr veröffentlicht habe. Dafür gibt es einen undramatischen, langweiligen Grund, der nichts mit Kritik zu tun hat.
Was ich eigentlich fragen wollte, hat denn jetzt jeder alles weggelesen? Ist jeder mitgekommen?
Gut, dann kann es ja endlich weitergehen.
 

Sonntag, 6. Januar 2013

Alles Chemie

"Du und ich, ich und du, viel mehr gehört vielleicht nicht dazu" Dendemann

Psychologiestudenten geben nicht gerne zu, dass sie Psychologie studieren, wahrscheinlich, weil es das Aushorchen erleichtert.
„Nein, nein, nein, das ist alles Chemie!“ Von einer angehenden Psychologin habe ich mehr erwartet. Wir sitzen auf der Heizung eines WG-Zimmers, um uns herrscht rege Betriebsamkeit. Die Studenten feiern das Ende eines weiteren Semester und ich kenne da eine von. Das erklärt meine Anwesenheit, sie gehört zum Semester. Das Gespräch hat sich auf dem Balkon entwickelt und wurde nun drinnen fortgeführt. Im Schutze der Musik konnte man offener reden oder falsch singen. Sie wollte wissen, ob viele Frauen auf meine freche Art abfahren würden. Sie konnte es sich gut vorstellen. Na klar. Ich erzähle ein bisschen vor mir her, bis sie das Gespräch auf die ganz großen Gefühle bringt, wobei sie sehr pragmatisch vorgeht. Fünftes Semester: mind control. Sie ist der Überzeugung, jedes Gefühl, und gerade die Liebe, basiert ausschließlich auf chemische Reaktionen im Gehirn und sei nicht beeinflussbar und vor allem irrational. Dopamin, Noradrenalin, alles schon mal gehört. Ihre Meinung zusammengefasst: Wer sich der Chemie widersetzt, kann nicht glücklich werden. 
Ich habe da meine Bedenken. Klar, technisch wird es so funktionieren, aber muss man sich das wirklich bedingungslos gefallen lassen? Meiner Meinung nach geht dem immer eine bewusste Entscheidung voran. Ja, Nein und wenn man auf Zeit spielt: vielleicht. Reine Herzensangelegenheit.

Bevor sie mich als hoffnungslos romantisch abstempelt, führe ich das kurz aus. Was auf sie wie eine willkürliche, chemische Reaktion wirkt, dem geht immer eine rationale Entscheidung voraus. Entscheide ich mich für oder gegen jemanden, danach geht es erst mit der Willkür los. Denn für jedes Argument dafür, gibt es eins dagegen. Aus Intelligenz wird Angeberei, aus Interesse wird Aufdringlichkeit oder anders herum, aus Dummheit wird Unbedarftheit, aus Hochmut wird Spaßbereitschaft. Je nachdem wie man sich zu jemanden bekennt. Ob nun für oder wider hängt andererseits von den drei großen Themen ab: Geld, Sex, Macht.
Da gibt sie mir Recht. Ungern zwar, aber wahrscheinlich klang es sachlich genug um ihrem Verständnis zu entsprechen. Daraufhin erzählte sie von einer Freundin (jaja, eine Freundin - Psychorhetorik), die genau das tut und zwar mit unheimlich viel Akribie und Kalkül. Die Freundin selektiert und überlässt dabei wirklich gar nichts dem Zufall. Sie arrangiert sich nämlich wie folgt:

Damit ihr die Hormone kein A – wie Arschloch für ein T – wie Traummann vormachen, verteilt sie die wichtigsten Eigenschaften auf mehrere Männer. Einen für das Bett. Einer mit Geld. Einer für die humoristische Unterlegung. Einer, der sie in allem bestätigt. Einer, der sie hinterfragt. Einer, der sich anhören muss, wieso der für das Bett so ein Arschloch ist usw. Und dann noch einer für jede Stadt, die sie gerne besucht. Alles gute Freunde, versteht sich. Damit das reibungslos funktioniert, dürfen sich die Typen niemals begegnen oder gar miteinander reden. Leuchtet ein. So nimmt sie alles mit, ohne dass die Chemie eine Chance hätte. Jeden bei Laune zu halten ist das Handwerk, den richtigen Abstand zu bewahren, die Kunst. Da steckt viel Arbeit hinter.

Das klingt alles so dermaßen unmoralisch, dass ich mir das gut vorstellen kann. Und dann „erwischt“ es sie dennoch und sie ändert ihren Lebensentwurf um 180 Grad, wie im Film, vermute ich. Die Geschichte geht jedoch erstmal anders weiter.

Beziehungen sind natürlich in das Konzept mit einbezogen und werden gerne mitgenommen. Das garantiert den nötigen Abstand zu dem Rest der Bande. Ansonsten orientieren sich die Beziehungen an die richtige Zeit und den richtigen Ort. Zweckgebunden halt. Was soll sie mit einem Typen in Hamburg, wenn sie in München lebt? Was soll sie mit einem ordinären Angestellten, wenn sie Psycho… äh… Sprachen studiert? Oder sie adaptiert Interessen, so muss sie sich, was auch immer, nicht erst mühsam anlesen oder selbst beibringen. Zudem rechtfertigen Beziehungen falsche Entscheidungen und lassen Niederlagen wie einen Wink des Schicksals aussehen. Zum Beispiel war ihre Freundin mal mit einem namenlosen Studenten aus einem ihrer Kurse zusammen. Der Kurs und die Idee dahinter waren der letzte Mist und absolute Zeitverschwendung, doch bevor sie sich das eingestehen musste, war da bereits dieser scheinbar x-beliebige Kommilitone. Nach dem Motto: hätte ich den Kurs nicht belegt, hätte ich ihn nie kennen gelernt. Nach dem Kurs war Schluss. „Es sollte einfach nicht sein.“

Damit kommt man durch? Ich meine, vor dem Spiegelbild und wer einem sonst so im Alltag begegnet? Wird man davon nicht paranoid? Irgendwann fliegt doch der ganze Puff in die Luft. Ist sie denn nun glücklich damit oder nicht, möchte ich wissen. Angeblich ist sie sogar sehr glücklich damit. Es fühlt sich vielleicht falsch an, aber ihre Argumentation ist hieb- und stichfest.

Wieso sollte ihre Freundin nicht überall jemanden haben, auf den sie sich freut und der sich freut sie zu sehen? Ob sie nun in das Fitnessstudio, zur Uni, zum Nebenjob oder in ihre Heimatstadt fährt oder nur auf einem breiten Sofa liegen möchte. Sie bleibt sich ja treu. Wenn sie ein Auto benötigt, ist sie nicht nett zu demjenigen, der das teuerste Auto hat, sondern zu dem, der ihr am meisten entspricht und den sie auch mag. Und ein Auto hat.
Wie viele von denen, die sich auf die Chemie im Kopf eingelassen haben, sind denn wirklich glücklich damit? Und verfälscht Alkohol nicht das Ergebnis?

Das alles erinnert mich an Sarah Connor, die sich ähnlich verhielt um ihren Sohn John die bestmögliche Ausbildung als Anführer gegen die drohende Roboter Apokalypse zu garantieren. Nur dass es in diesem Fall wohl eher um den Vorteil von Sarah geht und die Roboter Apokalypse das scheiß, echte Leben ist. 
Mehr fiel mir dazu nicht ein. Weder die Chemie-Variante, noch die verschrobene Charakterauslese überzeugt mich. Für mich bleibt es eine Herzensangelegenheit. Womöglich bin ich doch hoffnungslos romantisch oder einfach nur dämlich. Mit dieser Diagnose verabschiedet sie sich jedenfalls von mir und wankt in den Flur. Sie kennt da einen.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Inventur

"Freu dich nicht zu früh auf den Sommer,
Weihnachten ist grade erst vorbei.
Im Treppenhaus riecht es noch nach Glühwein
und im Fernsehen läuft der weiße Hai" Element of Crime


Der Weihnachtstrubel ist vorüber. Ich bin geneigt ein „endlich“ an den Satz zu hängen. Aus Gewohnheit und um in das kollektive Gestöhne der in den Läden eingeklemmten Menschen einzustimmen. Dennoch, ich konnte der vorweihnachtlichen Zeit tatsächlich was abgewinnen. Das ist für mich nicht selbstverständlich. Ich denke, jeder hat dafür sein eigenes Rezept. Bei mir ist es üblicherweise eine Mischung aus Fernsehprogramm, Schnee und Freizeit, was jetzt nicht unbedingt gegeben war. Andere suchen die Nähe Fremder an überteuerten Glühweinständen. Darauf ist natürlich jedes Jahr verlass. Genau wie auf die herbeigesoffene Ironie, ohne die scheinbar niemand mehr feiern kann. Trend dieses Jahres waren kleine Weihnachtsmützchen. Kurz habe ich überlegt an einem Glühweinstand unter die Arbeitskollegen einer gellenden Frau zu treten und anzumerken, was für einen großen Kopf sie doch habe. Wäre bestimmt ein Ankommer gewesen, allerdings zu einfach.

Gegen Weihnachtsmärkte ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Die einzigen, die es übertreiben, sind meist die Fahrgeschäfte für die Kinder. Zu laut, zu hell, zu bunt. Ansonsten kann man sich das schon geben. Obwohl ich nicht weiß, was ich mit Kerzen aus Bienenwachs oder Weihnachtsaccessoires im Allgemeinen anfangen soll. Zu Süßigkeiten gemachte Früchte esse ich auch nicht, im Grunde ist es das aus dem Fernsehen so vertraute Bild, das dem Gedrängel die Anspannung nimmt. Es feiern ja nicht alle Religionen Weihnachten, zudem ist es dort sehr teuer, weshalb die Weihnachtsmärkte bevorzugt von ein und demselben Menschenschlag besucht werden. Selbstzufriedene Büroangestellte, junge, selbstzufriedene Eltern und Rentner. Das ist wie Weihnachten im WDR.

Eine zugegeben merkwürdige, bis bedenkliche Art seinen Frieden mit dem Weihnachtstrubel zu schließen. Aber mal ehrlich, das Schlimmste kommt doch erst noch. Zum Beispiel wird der heimische Weihnachtsbaum spätestens am 27. Dezember mit ganz anderen Augen betrachtet. Der Gedanke an die Arbeit, die das Einsortieren all der Kugeln und das fachgerechte Aufwickeln der Lichterkette beinhaltet, schleicht sich ein. Und erst das ständige Hinterherfegen. Wenn die Zeit des Baumes dann gekommen ist, muss der Christbaumständer mühsam geöffnet werden, wobei dir die Nadeln leise in den Nacken rieseln und augenblicklich hast du das Problem mit der Entsorgung. Wohin damit? Natürlich wird das Auto oder zumindest der Kofferraum vollnadeln und du wirst gezwungen sein im Kalten das Auto zu saugen, alles viel zu laut und du kannst dich wenden und drehen wie du willst, irgendein Körperteil steht immer im Gebläse des Staubsaugers. Dazu die ordinären Mahlzeiten, inklusive der Gespräche darüber, wie praktisch Kohlgemüse ist, gerade in Verbindung mit Kartoffeln. Und wieso spielen die Kinder eigentlich nicht mit dem einzigen Geschenk, das du voller Überzeugung ausgesucht hast?

Abschließend kommt das Böllergeknalle der Kinder, wenige Tage später ist Silvester und damit das Seuchenjahr vorüber. Endlich.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Der Profimensch

„Und ich würde das gerne schön finden
und ich wäre so gern ein Ästhet
Doch ich sehe das alles ganz anders,
als die Freunde der Realität“ Funny van Dannen

Zum Profifußballer langt es bei mir wohl leider nicht. Mehr. Vermutlich bin ich zu teuer und gleichzeitig schlecht vermarktbar. Aber mir bleibt ja noch die Möglichkeit ein Profimensch zu werden. Profi- nicht Gutmensch. Bisher trieb ich mich mit den ganzen Amateurmenschen herum und hatte gewaltigen Spaß dabei, nur war die Entlohnung beschissen. Nun also Profimensch. Was braucht es dazu? Außer einem Elfenbeinturm, nicht viel!

Im Internet fand ich folgende Anleitung:

In der Hierarchie Mensch werden die Talente nach unten hin großzügiger verteilt, weil der Amateur auf sein Talent angewiesen ist. Der bei Amateuren beliebte Satz, man muss alles können, erweckt in einem Vollprofi nichts als Mitleid, Ekel und Verachtung. Der Satz impliziert, dass derjenige sich im Leben mühsam durchschlagen muss. Mit der Belastbarkeit ist es dasselbe. Hat der keine Freunde? Weiß der nicht was er bei Google eingeben muss? Oder am traurigsten, weiß der nicht was gut ist? Denn der große Vorteil, den das Profidasein mit sich bringt, ist der Luxus der absoluten Unabhängigkeit von jeglichem Talent und Engagement.

Vorweg. Es bringt dir gar nichts ein Profileben zu führen, wenn du dich nicht ständig nach unten hin vergleichst. Denk nicht an dich, denk daran, wie dich die anderen wahrnehmen. Es geht nicht darum alles richtig zu machen, sondern das zu lassen, was die Amateure falsch machen. Halte dich einfach an die etablierten, gesellschaftlichen Konventionen. So kommst du nicht in Verlegenheit dich erklären zu müssen. Deine Überzeugungen stehen quasi bereits ausformuliert auf Zigarettenschachteln. Die offenkundigsten Prinzipien lauten: trinke keinen Alkohol, der macht dumm. Kein Fernsehen. Fernsehen macht dumme Menschen dümmer, dein Einsatz ist vielleicht gering, aber das damit verbundene Risiko steht in keinem Verhältnis. Dann lieber einen Rosé zum Essen. Und natürlich nicht Rauchen.
Die Maxime ist ganz einfach, die Meinungen eines Profis muss man irgendwo nachlesen können. So muss er nie selber Eindrücke gewinnen. Wie soll das auch gehen? Wie gewinnt man denn Eindrücke? Das Verhalten, das Aussehen, Meinungen, im Grunde ist alles vordeklariert.

Um das alles besser nachvollziehen zu können, ein kurzes Beispiel aus dem Bereich der Ernährung. Bio und Frisch ist besser als der ganze andere Dosenscheiß aus Tüten oder ausgebeuteten Entwicklungsländern. Tiefkühlfächer, Instand Produkte, Vorgemahlene Gewürze, Discounter, Homogenisiertes, Ketchup, das ist alles was für Amateure. Solche fundierten Profi/Amateur, Gut/Böse Vergleiche sind allgegenwärtig und möchten erkannt und diskutiert werden. Hast du das verinnerlicht, kannst du ruhigen Gewissens außer Haus essen. Bevorzugt teuer.
Das ist nämlich die disziplinarische Grundeinstellung auf dem Weg zum Profi. Es geht nicht darum, ob du es verstehst, hast oder kannst, sondern wie es aussehen würde, verstündest, hättest oder könntest du es. Nur darauf kommt es an. Engagement ist nicht gefragt.

Gleichwohl gehört Produktivität zum markantesten Merkmal eines jeden Profimenschen. Auch hier gilt, nicht machen, sondern, was würde ich machen, könnte ich es. Und planen kann man schließlich alles. Das beginnt bereits damit, dass ein Profimensch sich nicht mit einem unproduktiven „Tschüss“ verabschiedet, sondern mit einem viel effektiveren „Bis bald“. Gestandene Profis benutzen sogar ein nonchalantes „Bis morgen“. Damit wirklich zu überzeugen, wäre für den Anfang aber zu viel verlangt.

Denn die anspruchvollste Herausforderung kommt erst noch. Das Abstumpfen. Es ist deshalb so anspruchsvoll, weil du gleichzeitig deine Ecken und Kanten abrunden musst. Klingt zwar widersprüchlich, davon darfst du dich aber nicht abschrecken lassen. Deine Bescheidenheit, Natürlichkeit, oder sonstige Gewohnheiten, die dich bisher ausmachten, aufzugeben und in den Habitus eines Profis hineinzuwachsen, ist eine gewaltige innere Hürde. Du musst den Anker deines Hedonismus einholen und dich vom Mainstream treiben lassen. Das schwierige daran ist, die letzten Jahrzehnte, und den damit verbundenen, missgebildeten Charakter, einfach mal so als eine Phase abzutun. Schwierig, schwierig, das benötigt viel Einsicht. Das Beste ist natürlich, es kommt erst gar nicht zu dieser inneren Zerrissenheit, indem du dir nie etwas zu Eigen gemacht hast.

Allzu vorbelastete Kandidaten scheitern an dieser Hürde. Aber solange es Menschen gibt, die es schaffen ihre Fantreue aufzugeben oder ihrem Hund immer ähnlicher zu sehen, besteht weiterhin Hoffnung. Übe am besten folgende Sätze vor dem Spiegel ein, hundertzwanzig Wiederholungen, dreimal in der Woche, dreißig Monate lang, bis du sie im Schlaf beherrscht: Geld kann man gar nicht genug haben. Enden ist besser als wenden. Umso größer die Bäume, desto kleiner die Menschen. Ich habe Kleider so gern. 24 Stunden sind nicht genug. Die 70er sind das goldene Zeitalter. Wo die Reinlichkeit am größten, ist Fords Hilfe dir am nächsten. Was für die Frau das Make up, ist für den Mann der Anzug. Vinyl ist schwarzes Gold. Je mehr Nähte, desto mehr Nöte. Meine Pläne stehen.

Nachdem das sitzt, ist der Rest nur noch ein etwas intensiverer Einkaufsbummel. Du kaufst oder leihst dir die Hingabe, Leidenschaft und Interessen anderer, bzw. deren Endprodukte. Alles was irgendwann mal Menschen an Energie, ob durch ihre Kreativität, Teilnahme oder sonstige Beiträge, aufgebracht haben, um ihre Subkultur oder Kunst ins allgemeine Interesse zurücken, kannst du dir heute auf einfachsten Wege einverleiben. So musst du dich nie wirklich einbringen oder einen Bezug zu den Dingen herstellen und bleibst schön stromlinienförmig.

Trage, was du gerne wärst. Höre, was die Jahrzehnte überdauert hat. Lese, was Kult ist. Schaue, was du nicht verstehst. Wähle denjenigen, der gewinnen wird und vor allem, mache dir keine Gedanken, alles steht irgendwo für dich bereit.



von Fiva MC gibt es eine sehr weibliche Sicht auf das Thema

Dienstag, 5. Oktober 2010

Gutes tun

"Gutes tun, Gutes tun
Gutes tun ist gar nicht schwer
Man kann so viel Gutes tun
Zu Hause und im Kreisverkehr" Funny van Dannen

Die Leute fragen mich oft: „Thomas, Du erreichst doch mit deinem Blog theoretisch Millionen von Menschen, was trägst du eigentlich zur Verbesserung der Welt bei?"

Das ist eine gute Frage und soweit richtig. Mir ist auch bewusst, dass dies eine Menge Verantwortung mit sich bringt, die ich nicht weiter auf die leichte Schulter nehmen möchte. Wo kann ich den Hebel ansetzen, was kann ich für das Gemeinwohl aller, Bedeutsames leisten?

Mir ist nichts eingefallen. Unicef und der ganze andere Wichtigtuerkram erfüllen zweifellos ihren Zweck. Aber weder das Problem, noch die Auswirkungen, geschweige denn die Lösung erreichen mich in meinem Alltag, in meinem Denken. Ich möchte mich nicht faul zurücklehnen und mit plakativen Worten meinen Leser zu einem Gutmenschen erziehen. Rettet die Umwelt, bevor sie umfällt. Kondome nicht ins Klo, usw.
Alles Stammtischparolen, die nach den Wahlen zum beliebtesten Blogger schneller wieder vergessen sind, als der Ausgang des letzten FC Bayern Spiels. Ich möchte selbst anpacken, ich möchte voran gehen, um etwas nachhaltig zu bewegen. Schlussendlich wusste ich was zu tun ist.

Seit jeher glorifiziere ich in diesem Blog die Nützlichkeit und die angenehmen Begleiterscheinungen von Klischees. Eine Philosophie die mich davor bewart jeden auf den Boden spuckenden Idioten persönlich kennenlernen zu müssen. Irgendwo kommen Klischees ja her und es erfüllte mich immer mit Stolz, wenn als Ursprung diese, meine Adresse genannt wurde. Bisher! Es erreichen mich viele Leserbriefe von Personen, die sehr unter Vorurteilen zu leiden haben. Natürlich kann eine Doktorandin in weißen Stiefeln mit Absätzen stecken. Alles kein Problem.

Um wenigstens ein Vorurteil endgültig aus der Welt zu schaffen, habe ich mir am Wochenende mit zwei einem Edding meinen Penis schwarz angemalt. Ihr braucht mir nicht zu danken, Afrika.

Peace out!


Der Pointe wegen nachgeschoben:
“Ich könnte behaupten ich hätt nen riesigen Penis,
dankbar für jeden Tag wo das Vieh nicht am stehn is.” Dendemann