Mittwoch, 17. März 2010

Der Berufsberater

"Bist du Fleischermeister? Studierst du Medizin?
Bist du ein Zugereister oder kommst du aus Berlin?
Bist du Dominatrix oder doch eher devot?
Bist du Pianistin oder Hubschrauberpilot?" Farin Urlaub

Im Grunde steht der Berufsberater auf einem verlorenen Posten. Was soll er den Kids im Abschlussjahr ihrer Schullaufbahn schon großartig vermitteln? Anhand von Noten, was ich sowieso für einen Fehler halte, schieben die einem immer dieselben Berufsempfehlungen zu, immer etwas abseits von der Realität. Nur Berufsberater will keiner werden.
Frei nach Farin Urlaub „Es ist egal was du bist, Hauptsache ist, es macht dich glücklich“, sollte man die Berufswahl angehen. Wie oft begegne ich Verkäufern an der Kasse eines Supermarktes in meinem Alter oder in einem Außenposten eines Internetanbieters gestriegelt im Anzug und unheimlich wichtig ausschauend und ahnungslos. Denen ist das ganze Jobding entweder nicht so wichtig, die sparen ihre Kohle für den jährlichen Urlaub oder den Flachbildfernseher, oder sie machen sich glaubhaft etwas vor.
Absolut beneidenswert, wenn man sich dem Druck, sich über die Tätigkeit definieren zu müssen, völlig entledigen kann. Schlechte Erziehung vorausgehend, habe ich das Gefühl das elterliche Haus und Hof, plus übertrieben großer Garage, Toppen zu müssen. Ist Quatsch, weiß ich auch, soweit aber die Erwartungshaltung.

Ich habe in verschiedenen Berufen gearbeitet, auch auf Lohnsteuerkarte. So viele Jahre sind noch nicht zusammen gekommen, aber aufgrund von Vergleichen und spannenden Erzählungen von Freunden aus deren Berufsalltag, kann ich mir ein Bild machen, wie ein angenehmes Berufsleben, das sich nicht allzu sehr in das echte Leben einmischt, im Idealfall sich sogar gut untermischt, auszusehen hat.

Was ein angenehmer Beruf mitbringen sollte:

1. Man sollte nicht am Wochenende arbeiten müssen
2. Man sollte seine eigene Kleidung tragen dürfen
3. Man sollte vor der Arbeit duschen müssen, nicht danach
4. Man sollte sich nicht nur auf sich selbst verlassen können

Es gibt ja einen Grund warum nirgends so sehr gelogen wird, wie in beruflichen Angelegenheiten. Das geht von den Kollegen, über die Tätigkeit, bis hin zum Gehalt. Immer wird etwas beschönigt. Ach ja und ausfüllen tut es einen auch.
Gesellschaftlich gesehen darfst du nicht einfach etwas tun, was dich am kacken hält. Wenigstens sollte nebenbei etwas laufen, das den kargen Job in jungen Jahren rechtfertigt. Aber da ist kein Roman in der Mache, keine Studioaufnahmen, kein extravagantes Hobby, kein illegaler Handel mit irgendwas, keine revolutionäre Geschäftsidee, kein Patent, kein Studienplatz, sondern man kommt einfach nur über die Runden.
Für strebsame Karrieremenschen und diejenigen, die diese vorantreiben, ist das so, als würde man bei Monopoly vergessen Straßen zu kaufen und sich nur durch das Wasser- und Stromwerk und den einen oder anderen Bahnhof über Los halten. Unvorstellbar, so ganz ohne Gewinnstrategie ins Berufsleben einzusteigen.

Für mich sind diese Leute ein Indiz dafür, dass es auch anders geht. Sozialwissenschaftler haben dafür bestimmt einen unelegant abgekürzten Begriff parat.
Letztens kam bei uns die Frage auf: Wie können Busfahrer in München sich dort ein geregeltes Leben finanzieren? Allein die Tatsache, dass sie umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen, kann das gesicherte Familienleben wohl kaum garantieren.
Für mich stand im Grunde schon immer fest, dass ich studieren möchte. Allein wegen des Bildungsstatus. Erst mit der Enttäuschung, was das Studienleben und das damit hergehende Verhalten einiger Gleichaltriger angeht, begann ich umzudenken. Scheiß auf die, die von mir irgendetwas erwarten.
Es stand so schlecht um mich, dass ich damals davon ausging, dass Busfahrer grundsätzlich mies gelaunt sind; Kellner nach der Arbeit heulend ins Kissen fallen und Kundenberater sich in ihren Anzügen viel zu ernst nehmen; logisch, die haben ja alle auch einen scheiß Beruf.

Heutzutage ist der Arbeitsmarkt Krieg. Alleine das ist schon ätzend genug, zusätzlich noch davon auszugehen, sich den aussichtsreichsten Posten erkämpfen zu müssen, artet in puren Stress aus und man entfernt sich schneller von sich selbst, als es einem bewusst wird.

Sich den Beruf wieder zunutze zu machen anstatt umgekehrt, ist ein erstrebendwertes Ziel.

Egal was man ist. Natürlich bin ich froh dieses aus einer Position heraus schreiben zu können, aus der der Schuhverkäufer einem immer noch an Al Bundy denken lässt, aber das Recht zu Scheitern möchte ich mir deshalb nicht nehmen lassen.


Donnerstag, 11. März 2010

Theorie Dr. Holiday

"Tja, wie soll ich es ihnen klar machen? Sie haben Krebs, überrascht?"
Dr. Hasenbein

In der Schule war ich der Rekordhalter was die Anzahl der Schulstunden anging. Ich war nie krank. Es kam mal vor, dass ich vom Sportunterricht wegen irgendwelcher Brüche oder Bänderrisse befreit wurde, aber zu ganztägigen Schulausfällen wegen Volkskrankheiten wie Grippe, Allergien oder irgendwelchen aktuellen Trendviren, kam es so gut wie nie. Auch 2009 war ich nicht einmal beim Allgemeinmediziner, geschweige denn krankgeschrieben.
Das mag an der schon früh ausgeprägten Verachtung gegenüber all jenen gelegen haben, die sich an Klausurtagen krank schreiben ließen, um dann eine Woche später die gleiche Arbeit, mehr oder weniger gut informiert, nachschreiben zu können. So was war natürlich verdächtig, ganz besonders bei den Wiederholungstätern, die ihren Hausarzt liebevoll Doc Holiday nannten. Sonderlich ausgebufft fand ich so ein Verhalten nicht. Letztendlich kamen solche Kandidaten immer in Zugzwang und auf dem Dorf waren sowieso nur kernige Jungs und Mädels gefragt, die auch mal bei Regen raus durften.

Kränkliche Kinder sind eventuell noch bemitleidenswert, mit kränklichen Jugendlichen aber lässt sich gar nichts anfangen und kränkliche Erwachsene sind nur noch peinlich und anstrengend.
Vitamin A, C, E, viel Alkohol, Magnesium und anderer Standardkram, der sich von vornherein in den Lebensmitteln befindet, sind meine einzigen Gesundheitserhaltenen Maßnahmen. Das lässt auf ein gutes Immunsystem schließen, auf das ich auch seit Jahrzehnten zurückblicken kann, welches ich dennoch mittlerweile anzweifele.
Ich fühle mich seit Tagen krank. Eigentlich sind es eher die kleineren Symptome, die mich veranlassen, mir Gedanken zu machen. Die Brecheranzeichen wie Appetitlosigkeit und ein gewisses Grundschwächegefühl, bis hin zur Übelkeit, bleiben aus.

Die Klüsen und die spröden Lippen führe ich mal auf die furztrockene Luft zurück, die die scheiß Klimaanlage im Büro einem acht Stunden lang ins Gesicht bläst. Selbst drei Liter Wasser am Tag und Nivea Creme helfen dagegen nicht. Durchgehend rauscht dieses Monstrum monoton vor sich hin und wenn es mal eine Pause macht, bekommt man einen größeren Druck auf die Ohren als beim Cranium Crunch. Das ist der Nachteil wenn man im 2. Stock arbeitet und sich die Bürofenster nicht öffnen lassen, da hier jeder zweite Mitarbeiter suizidgefährdet ist.

Dass ich friere, mag am Wetter liegen. Die Hoffnung, es könnte endlich langsam besser werden, liegt unter einer Decke Neuschnee begraben. Zu dumm, die Büroluft gibt weder Wärme noch Feuchtigkeit her und dennoch läuft die Nase. Das können doch nicht nur äußerer Einflüsse sein. Am meisten macht mir die ständige Müdigkeit zu schaffen.
Werbung, bitte hilf!

Montag, 1. März 2010

Funky for you II

zu Teil III

"Du und ich, ich und du, viel mehr gehört wohl nicht dazu." Dendemann

Sie bekam ihr Fahrradschloss nicht auf. Endlich, das war meine Gelegenheit, ihr zu beweisen was ich auf dem Kasten hatte. Eine schlechte Partie war ich mit Sicherheit nicht. Ich konnte den Ball auf dem Finger drehen, trug betrunkene Freunde nach Hause, stritt nicht beim Autofahren, wusste genau wo welcher Sender auf der Fernbedienung zu finden war und verschenkte mühsam aufgenommene Tapes. Nur handwerklich geschickt war ich nicht besonders. Die sollten in Pornofilmen mal mehr Fußballer und Bauingenieure in ihre komplexen Handlungen einbinden, dann wäre der Umgang mit dem Hammer für viele Frauen auch kein so wichtiges Auswahlkriterium. Ich bekomme noch nicht einmal einen vernünftigen Knoten hin, geschweige denn auf. Wäre ihr Fahrrad angeknotet gewesen, dann wäre an dieser Stelle womöglich schon wieder Schluss.

-Komm, gib mal den Schlüssel her.

Einmal den Schlüssel im Schloss gedreht und das Rad war von der Straßenlaterne befreit. Mich erstaunte es selbst wie lässig ich das habe aussehen lassen. Na, wenn sie das nicht beeindruckte, dann muss sie mit David Copperfield per Du gewesen sein.

-Haste gesehen wie das geht? Ich werde nicht immer da sein können, um dein Fahrrad von Straßenlaternen zu befreien.

Sie verdrehte die Augen und boxte mir auf die Schulter.

Vor einer Stunde lagen wir noch auf einem Wäscheberg in einem Geschäft für die Dame von Welt. Sie suchte ein Sommerkleid und ich flanierte hinter ihr her und kommentierte ihre Auswahl mit super und damit siehst du aus wie eine richtige Dame aus einem Pariser Vorort. Keine Ahnung ob das ein Kompliment war, es war jedenfalls so gemeint.

-Nervt es dich nicht, wenn ich ständig hinter dir herlatsche?
-Nee, was willst du denn sonst machen? Die Kleider anprobieren?
-Ich könnte mich hinsetzen und später beim bezahlen helfen.



Während sie durch die Reihen hüpfte und anprobierte, holte ich mein Handy raus und schrieb ins Telefonbuch vor ihren Namen ein doppeltes A, damit sie über allen anderen stand. Eine Frau, die einem beim Fahrstuhl fahren umarmt, sollte man nach ihrer Telefonnummer fragen. Sie hatte Höhenangst, so zumindest die offizielle Version. Seit diesem Tag waren wir noch auf so manchem Berg oder Dach und es ging immer gut, ohne großartiger Nervosität. Beim Fahrstuhl fahren umarmten wir uns dennoch weiterhin.

Als ich sie wiederfand, stand sie gerade vor einem drehbaren Kleiderständer.
Ihr zu folgen war nicht besonders schwer. Überall lagen Klamotten, Gürtel, Schäle über den Regalen geworfen und markierten ihre Spur.

-Warst du das?
-Ja, dafür arbeiten die Leute doch hier.
-Okay.

Ich räumte ein bisschen hinter ihr her, wusste aber auch nicht wohin mit den ganzen Sachen und warf alles wieder lieblos über einen Tisch mit Angeboten. Eine Verkäuferin beobachtete mich und fragte, ob sie das schon mal zur Kasse bringen dürfe. Ich erklärte ihr, das sei alles noch in der engeren Auswahl und verschwand in die Entgegengesetzte Richtung.
Wofür brauchte sie überhaupt ein Sommerkleid? Das passte doch gar nicht zu ihr.

-Wie findest du das?
-Sehr schön, aber wie bekommst du so deinen Walkman mit und überhaupt, hast du dann vor eine Handtasche zu tragen und wer trägt dann deine Handtasche wenn wir tanzen gehen wollen?
-Es gibt auch sportliche Taschen.
-Ich habe auch so was. Du kennst sie, die liegt bei mir stinkend in der Ecke. Die mit den Fußballschuhen drin.


Das Musikargument hinterließ Eindruck. Musik war ihr Ding. Sie bekam in Clubs oft ungefragt gebrannte CDs von den DJs geschenkt. Auf den CDs waren eine einfallslose Auswahl von angesagten R´n´B Songs und eine Telefonnummer. Diese Saftnacken. Die CDs liegen heute alle bei mir unterm Autositz. Die meisten ungehört. Sie war es auch, die mir früh beibrachte, dass man Kopfhörer aufsetzt und nirgends hineinstopft.
Ich sagte ja, ein Sommerkleid passte zu ihr wie ein Zigarettenautomat ans Weserstadion. Sie war sowieso mehr der sportliche Typ. Fast täglich rannte sie der Bahn hinterher und rief dabei: „erst aussteigen lassen!“. Jetzt also Kleider anstatt urbanen Sneaker Look.

Eine nicht so sportliche Frau, die ihren Arsch der Breite von Wühltischen angepasst hatte, vermutlich um so besser die Schnäppchen jagende Konkurrenz abzuwehren, versuchte sich zwischen uns und den Kleiderständern durchzudrängeln. Ich zog sie zu mir.

-Komm zu mir, damit die dicke Frau…
-Denkt wir wären zusammen?


Die sperrige Dame interessierte sich nicht für uns. Selbst nachdem sie uns mit ihrer ausladenden Hüfte erwischt hatte, drehte sie sich nicht um. Ich hielt sie immer noch fest als wir gemeinsam in die kompletten Kollektionen der letzten paar Sommer fielen. Es war ein bisschen wie Fahrstuhl fahren.

-...durch den Gang passt.

Samstag, 6. Februar 2010

Work Outer Kategorien 4-6

"Ich schaff zwei Klimmzüge, steh kurz vor ner Diabetes,
und nur wegen der Schwimmflügel glaubt keiner, dass man Triatleth ist" Dendemann

Die vierte Kategorie ist der Dicke, das personifizierte Drüsenproblem, der Gourmet unter den Sportlern, kurz: der Kassenpatient. Das Fitnessstudio befindet sich im 2. Obergeschoss, darunter ist eine Bowlinganlage. Am Gebäudeeingang kann man nicht unbedingt sagen, an welches Stockwerk sich der junge Mann orientieren wird. Eindrittel der Dicken treffe ich an der Rezeption wieder. Oft sind sie schneller oben, da ihr Fitnessstand es nicht zulässt die Treppen zu benutzen. Zum Work out tragen sie die alten Basketball Shirts mit den dazu passenden Shorts auf. Zum Beispiel ein verblasstes Chicago Bulls Trikot aus der goldenen Ära als Jorden, Pippen und Rodman dort noch spielten oder ein Football Hemd der Oakland Raiders. Früher liefen alle so auf dem Schulhof rum, heute ist nur noch vereinzelt das Emblem der New York Yankees zusehen. Die Affinität amerikanische Mannschaftsembleme zu tragen, habe ich damals genauso wenig nachvollziehen können, wie die Baseballregeln an sich. Aber wer auf dem Laufband den Eindruck einer Lavalampe hinterlässt, kann auf diesen modischen Fauxpas auch scheißen. Klarer Fall, hier trainiert einer, damit er später in den engen Sarg passt oder wenigsten die Kniescheiben auf dem Weg zum Kühlschrank etwas Entlastung erfahren. Keine wirkliche Konkurrenz beim flanieren entlang des Lady Fitness Bereiches.

Die letzten beiden Kategorien sind nämlich genau diesen gewidmet. Unterm Strich bleiben nur zwei Typen Frau. Die attraktiven und die unattraktiven. Leider herrscht nicht selten eine große Diskrepanz zwischen Gesicht und Arsch Körper. Hat sie einen Top Körper, ist im Gesicht einiges im Argen und umgekehrt. Erst gestern dachte ich mir bei einer: hm, schlecht nicht, bis mir die Segelohren auffielen, die unter dem dünnen Haar hervorlugten. Da ich nichts von Oberflächlichkeiten halte, zählte sie natürlich zu den attraktiven Kandidatinnen.

Um Kondition zu pumpen und weil ich den Zustand meines zermarterten Körpers am besten während des Laufens einschätzen kann, gehe ich nach dem Eisenstemmen auf das Laufband. Hinterste Reihe. Keine Steigung und anfängliche 8 Kilometer die Stunde. Vor mir trainiert eine junge Dame ihre Gesäßmuskeln auf dem Stepper. Eine Frau, wie aus dem Werbefernsehen für Bauchweggürtel. Nach der Benutzung.
Ist es eigentlich normal, dass man sich beim Stepper soweit nach vorne beugen muss?
Egal, „The Body“ tänzelt also vor mir her. Angetrieben von der Herausforderung und dem Song The Gladiator von Common, passiert es. Ich komme mit dem unteren Hüftbereich an den Emergency Stop Schalter. Wenn man damit nicht rechnet, wird der eigene Körper zum Geschoss. Ich knalle nach vorne gegen das Display und fluche auf. Aua aua. Zum Glück hat Jewgenija Kanajewa ebenfalls Kopfhörer in den Ohren und bekommmt nichts von meinem Übermut mit. So beschissen wie das ausgesehen hat, kann ich in dem Moment noch nicht einmal auf den liebenswerten Döspaddel Charme setzen, wie ihn allen voran Dick und Doof mit ihren unfreiwillig clumsigen Aktionen ausstrahlten. Einfach dumm gelaufen.

Um dem Wahrheitsgehalt gerecht zu werden, noch eine kleine Anekdote aus der Umkleidekabine. Da ich „der Neue“ bin, habe ich noch kein Timing dafür, zu welcher Uhrzeit man am besten zum Training kommt und viel wichtiger, wann man duschen geht. Unglücklicherweise bin ich genau ins Schichtende der Muskelprotze geraten. So muss man sich im Knast fühlen, nur dass nirgendwo ein Hörnchenmeister in Sicht war. Ich könnte jetzt mit ein paar Pornoklischees aufräumen, aber ich will den mitlesenden Damen mal ihre Illusionen nicht nehmen. Ich meine, jeder Handwerker ist ja auch attraktiv. Was allerdings stimmt, die Seife rutscht einem unter der Dusche wirklich immer aus den Händen.
Es wurde laut in der Umkleide.

Ein schwarzer Typ, auf dessen T-Shirt das Kürzel UFC prangte, brüllte rum:
„Alter, mir wurde letzte Woche meine Jacke geklaut. Wer klaut MIR denn die Jacke?“

Anderer Heini: „Alter, immer alles einschließen.“

UFC Typ: „Alter, einschließen? dachte wir sind hier alles Kollegen. Seit zehn Jahren schließe ich meine Sachen nicht ein.“

Anderer Heini: „Alter, man lernt nie aus. Es gibt für alles ein erstes Mal“

Ganz anderer Heini: „Alter, ich schwör, Alter, man lernt nie aus.“

UFC Typ: „Wo ist eigentlich Ali?“

Jemand direkt neben mir: „Man, der hat was blondes, gelocktes gesehen, der kommt später. Hähähähä.“

UFC Typ: „N` blonden Typen oder was? Hähähähä“

Ich: „Hähähähä.“ Bloß nichts sagen, was zu einer Handtuchschlacht führen könnte.

Jemand direkt neben mir: „Hähähä, nee die Jakeline. Ich schwör Alter, das ist ein Eiskalter Engel. Steht auch auf ihrem Studi Profil.“

UFC Typ: „Nä eiskalte Votze ist das! Hähähähä!"

Alle: „Hähähähä.“

Unter der Dusche posen wir noch gemeinsam um die Wette.

Freitag, 5. Februar 2010

Work Outer Kategorien 1-3

„Ladies weit und breit, schön dass ihr euch einig seid“ Dendemann

Dies wird mein insgesamt dritter Text über das Fitnessstudio und mein gefühlter hundertster Text über Fitness im Allgemeinen. Dein Lieblingsmensch entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Themen Blog. Warum nicht?

Nach einer lächerlichen Woche ist mir aufgefallen, dass immer die gleichen Personen, mich inbegriffen, zur selben Zeit das Gym besuchen. Natürlich liegt das an den Arbeitszeiten oder was die sportlich ambitionierten Menschen sonst so nachmittags treiben. Bei den Frauen erhöht der Wiedererkennungswert den Flirtfaktor ungemein. Am besten sind die, bei denen die Südländer bereits im Ansatz abblitzen. Das Balzverhalten amüsiert mich so sehr, dass ich zwar Kopfhörer in den Ohren habe, aber der iPod aus bleibt. In dem Fitnessstudio haben, grob gepeilt, 60 Prozent einen Immigrationshintergrund. Oder sie haben es mit der Solarium Flat übertrieben. Jedenfalls ist es sehr interessant wer mit wem und wieso. Im Grunde kann man die Besucher in sechs Kategorien unterteilen.

Die massiven Muskelberge haben ihre eigene Spielecke, die Ecke mit den Ganzköperspiegeln. Wenn man was von ihnen lernen kann, dann, dass auf der Ästhetikskala Muskeln über der Mode stehen. Siehe Daniel Küblböck. Dabei meine ich zu behaupten, dass ein ordentlicher Anzug selbst aus Michael Moore einen Menschen machen würde, was ich einem trainierten Bizeps nicht zutraue. Muskelshirts sind ok, Goldketten schon zuviel, aber MC Hammer Fallschirmhosen sind nur noch lächerlich. Zum Teil tragen die schlecht frisierten Gorillas beim Gewichte stemmen sogar Lackschuhe und Caps. Die Hoffnung ihren Körper irgendwie gewinnbringend einsetzen zu können, sei es im Beruf oder am Weib, schwebt über ihren Köpfen, als Ausdunstung getarnt.
Kein Witz, einer der Schränke konnte sich nicht selber am Rücken kratzen und ich rede hier nicht von einer unbequemen Stelle zwischen den Schulterblättern, sondern eher so vom Nackenbereich. Der Verdacht drängt sich auf, dass Hulks Verwandtschaft dieselben Probleme beim Telefonieren hat und das Handy nicht ans Ohr bekommt. Drauf aufmerksam mache ich sie lieber nur auf diesen anonymen Weg, sonst bekommt man in der Dusche den Heizkörper um den Hals gewickelt. Mehr dazu später im zweiten Teil.

Eine andere Kategorie sind die Durchschnittstypen. Nicht zu Fett, nicht zu kräftig, dennoch den einen oder anderen definierten Muskel. Ich bin so einer. Was mich aber von den anderen unterscheidet, sind die Tatsachen, dass ich alleine ins Studio gehe und nach dem Training dusche. Die Pärchen Zirkeltrainierer blockieren mit ihren Handtüchern und Trinkflaschen sämtliche Geräte. Sie unterhalten sich über ihre langweiligen Jobs, das LA VIVA oder wo es den besten Appletini der Stadt gibt.
Wenigstens tragen sie zu ihrem Dreitagebart sportliche Klamotten, sonst würde man nicht erkennen, dass sie überhaupt trainieren. Sie führen die Übungen falsch aus, drücken die Gelenke immer ganz durch und übertreiben es mit den Gewichten. Warum sind die hier? Wenn zwei von ihnen, immer pärchenweise, in die Umkleidekabine verschwinden, kommen sie bereits nach weniger als 5 Minuten umgezogen wieder heraus und ja, sie tragen Kleidung im Look von Peyman Amin.
Wenn ich es mir recht überlege, zähle ich mich doch nicht zu denen, dann eher so zur dritten Kategorie.

Der Athlet. Einige wenige machen auf mich den Eindruck, als seien sie Hochleistungssportler oder als ob sie zumindest die 100 Meter in 10 Sekunden schaffen würden. Kein Gramm Fett am Leib und die Waden tätowiert. Drahtige Körper, abgerundet durch Bundeswehr-Kurzhaarfrisuren. Die kommen auch alleine zum Work out, stellen sich aber einsam in eine Ecke und betreiben Hochgeschwindigkeitsseilspringen oder Tempo Sit-ups. Die nehmen sich noch nicht einmal die Zeit zum starren.
Ich möchte den selbstverliebten Kraftprotzen nicht unterstellen, dass unter ihnen kein Hammerwerfer sei und dass Hammerwerfen nicht auf einem hohen sportlichen Niveau betrieben werde, aber die Angelegenheit, dass draußen auf dem Parkplatz ihre Frauen im Auto auf sie warten müssen, wirkt schon irgendwie unprofessionell auf mich.

Teil Zwo... kommt!

Donnerstag, 28. Januar 2010

Muskelprotz

„Es ist groß, wenn du als Schmalhans mit deinen Muskeln prahlen kannst“ Dendemann

„Ich besuche deine Frau und mach mich in deinem Haus breit als wärst du ein Fitnessclubbesitzer“ Kollegah

Seit dem 26. Januar gehe ich nach einem Jahr wieder in ein Fitnessstudio. Mein altes Studio war gar kein richtiges Studio. Eher ein therapeutischer Turnverein. Es war sehr Familiär dort und nie überfüllt. Die Beratung war gut. Es muss an mir gelegen haben, dass die Muskelpartien falsch belastet wurden und mein Rücken wieder anfing zu schmerzen.
Der neue Laden passt genau in das Klischeebeladene Bild der Fitnessszene. Angefangen hat alles mit Arnold Schwarzenegger, das hatte damals wenigstens noch einen fundierten Hintergrund. Immerhin Mr. Universum und ich meine, Conan der Barbar ohne Muskeln hätte auch scheiße ausgesehen.

Die Proleten in meinem Studio wollen alle nicht aussehen wie Conan, sondern wie Zuhälter. Das schaffen die auch. Fünf komplett identische Türken, gleich groß, gleicher Bart, gleiche Frisur, gleicher Kleidungsstil, trainieren sogar mit Goldkette um den dicken Hals. Ich schwör. Voll den Körper wollte ich mir nicht reinziehen. Die übertriebenen Hohlkreuze lassen diese Nachwuchsluden aussehen wie Howard the Duck. Bei mir dreht sich alles um den Rücken und Bauch. Die Stabilität und Kondition sollen her. Die Wäsche, die zurzeit auf meinem Waschbrettbauch liegt, bekomme ich so schnell nicht runter, das ist mir klar. 5 bis traumhafte 10 Kilo weniger wären dennoch wünschenswert. Um den Überblick zu behalten, habe ich mir eine Tabelle an die Badezimmertür geheftet. Datum, Gewicht und Differenz werden jetzt einmal die Woche dort festgehalten.

Die Muskelprotze posen ja nicht umsonst. Das Fitnessstudio hat eine relativ hohe Frauenquote zu bieten. Vielen Frauen sieht man an weshalb sie die Mitgliedschaft unterschrieben haben. Die besseren sind die, bei denen man das Gefühl hat, sie begleiten nur ihre plumpe Freundin oder sie sind aus demselben, latenten Grund hier wie ich: mal schauen was so geht.
Wie hoch mag wohl der Flirtfaktor sein, wenn mich die Feuerwehr aus einer dieser Foltermaschinen raus schneiden muss?

Um die Ecke gibt es einen Laden, der meinen Trainingserfolg beschleunigen könnte. Aber gesünder sehen die Menschen auf den Abbildungen auch nicht aus und die handgeschriebenen Preisschilder wirken auf mich ebenfalls unseriös. Als ob der Laden innerhalb einer Stunde die Segel streichen könnte, falls er müsste. Thomas, der Kampfkoloss.


Im Vertrag sind zwei Monate Solarium inbegriffen. Ich habe bisher diese ausgeleuchteten Särge gemieden. Gar nicht mal wegen der Karzinome, ich finde ganz einfach, dass Bräune etwas für Rentner ist. Mal ehrlich, wer findet denn lederbraune Menschen attraktiv? Frauen, die regelmäßig ins Solarium gehen, hinterlassen immer dasselbe Bild. Die Haare strohig, zuviel Schminke, zu viel Make up, zu große Sonnenbrille, zu dünn, die Titten zu hoch gebunden, zu tätowiert, zu hohe Absätze, zu hoher IQ… von allem zuviel. Gebräunte Männer sehen dagegen schnell aus wie Indianer bei Karl May. Ausprobieren möchte ich das aber trotzdem unbedingt, allein schon wegen der angeblich positiven Wirkung auf das, von den dunklen Wintertagen getrübte, Seelenleben. Böse Zungen behaupten, bei meinem Hauttyp würde ich unter intensiver UV Bestrahlung elendig zugrunde gehen. Ich sage: es ist kostenlos!

Montag, 25. Januar 2010

Ich grüße euch die Sonne

„Oh when it all, it all falls down
I'm telling you ohh, it all falls down” Ms Lauren Hill

Am Wochenende geht es in den Kurzurlaub. Das erste Mal Urlaub, das erste Mal Fliegen. Fast.
Die internationale Verbindung der MC-DJs macht einen Klassenausflug. So richtig Urlaub wird das also nicht werden, allein wegen des Suffs. Das ist in meinem Fall ja ganz normaler Alltagsstress. Und geflogen bin ich als kleines Kind schon mal, in einer sportlichen Maschine am Tag der offenen Tür des Flughafens in Holzbalge. Das Dorf hat keinen Bäcker, aber einen Flughafen. Merkwürdig.
Chrissler, LinBob und meine Wenigkeit nutzen die letzte Gelegenheit, um Bogomier in Barcelona zu besuchen. Zehn Grad Fahrenheit Temperaturunterschied. Nach oben. Minimal.
Das Kulturprogramm besteht aus Strand, Senioritas und Doppelkopf.

Da mein Nervenkostüm die Tatsache ignoriert, dass ich bereits schon einmal geflogen bin, stelle ich mich diesbezüglich ungewohnt uncool an. Ein paar Randinformation habe ich einholen können, aber genaue Erkenntnisse über Ablauf und Verträglichkeit habe ich dabei nicht gewonnen.

Ich weiß so Dinge wie: Das Gepäck darf nur 10 kg wiegen und den Abmessungen von 55 cm x 40 cm x 20 entsprechen. Flüssigkeiten müssen in einen verschließbaren, durchsichtigen Beutel gepackt werden. Volumen maximal 1 Liter. Die Beutel soll es für einen Euro am Flughafen geben. Die Behältnisse für die Flüssigkeiten dürfen ein maximales Volumen von 100 ml aufweisen. Das hat uns der Taliban eingebrockt. Bedeutet, bei einer Dichte von 1,65 kg/dm³ kann man in seinem Plastikbeutelchen (V = 1 dm³) 1,65 Kilogramm PLX mit ins Flugzeug nehmen. Sicherer fühle ich mich dadurch nicht. Soviel Sprengstoff bekommst du nicht um den Knöchel gebunden.

Viel mehr weiß ich gar nicht über den Ablauf. Ich stelle mir Flughäfen unheimlich stressig vor. Kevin allein zu Haus, LOST, The Terminal, Stirb langsam 2, Final Destination, Dumm und Dümmer, The sexy Beast, Air Force One… immer gab es Schwierigkeiten.

Dazu kommt dieses unangenehme Gefühl, beim Fliegen dem Alkoholproblem des Piloten ausgeliefert zu sein. Man sitzt da und kann nicht eingreifen. Statistisch gesehen ist Fliegen immer noch die sicherste Art zu reisen, aber wenn man mal von einem Blitz getroffen wurde oder im Lotto gewonnen hat, fängt man an auf solche Wahrscheinlichkeitsrechnungen zu scheißen. Achtzig Prozent der Leser würden mir da sicherlich zustimmen.

Erstmal sind das nur unangenehme Gedanken. Ich weiß noch nicht, ob sich diese Gedanken in der Luft auf einer emotionalen Basis widerspiegeln oder sich in eine handfeste Paranoia manifestieren oder einfach nur der Grund für so manchen Schnaps sein werden.

Mehr Erfahrungen habe ich da mit der Trägheits- und Erdanziehungskraft. Das sind schon zwei ziemlich zuverlässige Jungs. Von der Kirmes her weiß ich, dass ich alles was sich dreht, runterfällt, über Kopf steht, sich rückwärts oder einfach schnell bewegt, meiden sollte. Ähnliches, bis auf das mit dem runterfallen hoffentlich, passiert ja auch im Flugzeug. Dagegen hilft aber vielleicht der Tomatensaft.

Ich erkundige mich mal bei zwei befreundeten Stewardessen. Ja, ich kenne zwei Stewardessen. Und sie mich.

EDIT: Fuck!

Freitag, 22. Januar 2010

Beobachtungsgabe

"Ich gerate immer in's Schwärmen
mag Wartezimmer ganz gern
die Versuchung anderer Leuts Diagnose zu erahnen
sind sie ängstlich oder abwesend
was sie für'n Blatt lesen
was sie sonst wohl so machen, wie und wo sie vorher waren." Dendemann

Es hilft, wenn man pinkeln muss. Was wie ein guter Tipp aus einem Sexratgeber klingt, soll eigentlich ein Rat sein, um die Beobachtungsgabe zu schulen. Ein gutes Trainingslager sind Kassenschlangen.

Umso weniger man einkauft, desto unfairer beurteilt man seine schlechte Position in der Schlange. Erstmal steht man sowieso immer ganz hinten an, aber mit vollem Einkaufswagen wirkt die Zeit an der Kasse zu der verbrachten Zeit im Supermarkt eher gering und damit leichter akzeptabel. Kauft man dagegen zum Beispiel nur Delfinflossenseife ein, für die man dann ewig in der Schlange warten darf, beginnt man die Gerechtigkeit in der Welt anzuzweifeln. Und jetzt stellt euch dazu noch vor, ihr müsstet pinkeln.
Alles läuft in Zeitlupe ab und diese Zeit sollte man produktiv nutzen. Anstatt zu versuchen sich in den verchromten Dingen zu spiegeln oder sich über die viel schneller voranschreitende Schlange nebenan zu ärgern, sollte man gelassen das sich bietende Szenario beobachten. Dabei den PC-Muskel zu trainieren kann auch nicht schaden.

Alles was den reibungslosen Deal Ware gegen Geld stören könnte, tritt natürlich in diesem Moment auf.

Hausfrauen, denen im letzten Augenblick, am besten kurz nach dem Empfang des Wechselgeldes, einfällt, dass sie ja eine Plastiktüte bräuchten. Das macht dann noch mal 30 Cent und nachreichen darf die Tüte grundsätzlich immer nur ich. Junggesellen stopfen ihre Einkäufe in den Rucksack. Die sind mir eh am liebsten. Kein Gequatsche, in der einen Hand das bereits abgezählte Geld und in der anderen den geöffneten Rucksack, um, von der dafür gedachten Ablage aus, alles Tetris like, aber vor allem schnell, zu verstauen.

Quengelnde Kinder, die in ihrer Augenhöhe plötzlich das Überangebot an Süßwaren entdecken und der damit verbundene, oft peinliche, Umgang der gereizten Mütter mit dem fast schon rituellen Problem. Väter geben zum Glück sofort nach. Studien über die Entwicklung der Kinder im Bezug auf ihre Wahl an der Süßigkeiten Auslage würden mich interessieren. Ich wette Kaugummi Kinder sind später alles Arschlöcher und Nuts oder Snickers Kinder die coolen, beliebten Kids.

Hippelige Raucher, die das Gitter vor dem Zigarettenfach nicht aufbekommen, bis sie schnallen, dass das an der Kasse erst entriegelt werden muss. Klaro, sonst wäre das Gitter ja überflüssig. Da sind mir Säufer lieber. Übrigens die einzigen Abnehmer der kleinen Schnapsflaschen im obersten Kassenregal. Wer kauft sonst eine 0,2l Flasche Springer oder anderes Pennerglück? Amüsant zu beobachten wie nebenbei die den Stoff zu den anderen beiden Pseudoartikeln legen. Oft so was wie Duschgel oder Deo. Hinterlässt an der Kasse einen gepflegten, also falschen Eindruck.

Die kleine Oma, die beim Einkauf ihre Waren Einleuchtenerweise in Griffnähe stapelt. Nicht selten klappt sie sogar den Kindersitz im Einkaufswagen aus und stapelt ihr Obst da drin. Doof nur, dass sie an der Kasse um den Wagen herumgeht und versucht von vorne an ihren Einkauf zu gelangen. Die Arme zu kurz, der Busen zu groß, der Bauch zu dick, es ist ein Trauerspiel.

Das Kleingeld ist alle und es muss eine neue Kleingeldrolle am Kassenrand aufgeschlagen und ins richtige Fach gekippt werden. Schlimmer wird es, wenn die Kleingeldrollen ausgegangen sind und Nachschub via Mikrofon geordert werden muss. Dagegen sind EC Karten Zahlungen unter 5 Euro oder Ausweiskontrollen nervöser Siebzehnjähriger noch harmlos. Weiter geht es mit Payback Karten oder Menschen, die auf die Frage „Sammeln Sie unsere Punkte?“ mit ja antworten. Sowieso sollten Rentner eine eigene Kasse bekommen. Am besten besetzt von einer Rentnerin, die jedes Mal grimmig guckt, wenn mit einem großen Schein bezahlt wird.

Ein anderer, sich anbietender Schauplatz sind Bahnhofcafés. Idealerweise mit kostenlosem W-Lan.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Bob & Jim

„Ich habe nun zwei neue Freunde, Ben und Jerry.“ Bridget Jones

In der letzten Zeit las ich öfters von dem unwerfenden Geschmack des Ben & Jerrys Eises. Lustige Namen haben die Eissorten ja, zugegeben, aber probiert habe ich es bisher noch nie. Der Preis und die Kalorien schreckten mich ab. Eigentlich auch heute noch. Hätte ich den Namen des Eises nicht im Kopf gehabt, wäre mir das Angebot im Schaufenster des Supermarktes meines Vertrauens gar nicht aufgefallen. Ben & Jerrys 500 ml Becher für schlappe 4 Euro. Normalerweise kostet ein halber Liter 5 Euro. Ein Wink des Schicksals oder anders ausgedrückt, so funktioniert Werbung. Bei den Sorten entschied ich mich für Chocolate Macadamia. Vanille, Schokolade und Nuss, ich wollte keine Experimente eingehen. Das Zeug schmeckt nicht schlecht, Eis eben. Dennoch oder gerade deswegen merkt man die Kalorien mit jedem Löffel.

Die Nüsse sind mit einer dicken Schokoschicht ummantelt und für meinen Geschmack ist zuwenig Vanille im Pott, weshalb der Schokogeschmack gewaltig überwiegt. Man muss schon die Schokonussstückchen mit dem Löffel umkurven, um nicht bei jedem Löffel diesen intensiven Schokoladengeschmack im Mund zu haben. Diabetes lässt grüßen. Es ist so, als ob ihr auf einem großen Stück Schokolade Nuss Nougat einen halben Liter Cola folgen lasst. Unglaublich. Nach ungefähr einem viertel wurde mir schlecht. Mein Magen rebellierte gegen soviel Süßes. Der Amerikaner mag das gewohnt sein, ich hingegen hätte mich erstmal aufs Sofa gelegt, wenn ich nicht schon dort gelegen hätte. In meinen Augen ist das Eis völlig überschätzt. Für das Geld bekommt man einen Liter Vanille Eis und drei Soßen dazu und selbst das würde ich nicht essen.
Ben & Jerrys bleibt ein Frauen Ding. Entweder für den Liebesfilm am Abend oder für verlassene Tanten, die nach der Trennung auf ihre Diät scheißen. Das Eis ist sowieso vielmehr für den Arsch als für den Genuss gedacht.

Der Vollständigkeit halber müsste ich eigentlich dieses dänisch anmutende Eis aus Amerika probieren. Häagen Dasz. Ich warte damit aber bis mein Blutzuckerspiegel wieder auf einem normalen Level runter ist.

Sonntag, 17. Januar 2010

Vermögensschaden Teil III

"Like a turtle on its back i must have looked so bad
Didn’t wanna show the so i said that i’m all right" Pain in the Ass

Obwohl man ständig aus Gläsern trinkt, ist Glas einer der vielen Feinde des Trinkers.
Dieses Mal betraf es mich nicht direkt. Also auch keine Entschuldigung an dieser Stelle.

Seitdem Jack Beauregard seine Freundin rausgeschmissen hatte und sich als Ersatz einen Premiere Receiver zulegte, schlugen wir öfters in seinem Wohnzimmer auf als Boris Becker in Wimbledon.
Im Anschlag hatte jeder von uns seinen Oddset Fußballtipp. Bundesliga Konferenz mit Freunden, die jeweils auf die acht Spiele getippt haben, macht Spaß. Noch mehr Spaß macht es mit Weizen Bier und den richtigen, herbeigebrüllten Endergebnissen in den letzten Spielminuten. Die Euphorie war groß an diesem Wochenende, ein unerwarteter Geldsegen stand ins Haus. Vor lauter Fußballschauen juckte es uns in den Füßen. Wir räumten den Glastisch an den Sofarand und befreiten den Laminatboden von allen störenden Gegenständen. Jack Beauregard bastelte mittels Wischmöpsen und Eimern zwei Tore aus den sich gegenüberliegenden Türen. Unser Tor führte ins Schlafzimmer und das andere raus auf den Flur.

Als Ball nahmen wir eine Klopapierrolle, dessen Perforierung mit Klebeband zusammengehalten wurde. Wir bildeten drei Teams, jeweils zwei gegen zwei. Auf dem Laminat ließ es sich gut schlittern, was die Grätsche ersetzte. Kurzpassspiel und Powerdribblings auf engsten raum. Van Gaal wären die Tränen in die Augen geschossen. Vor Freude. Tore fielen auch.

Als es zu einem Tackling auf Kreisklassenniveau kam, fiel Klöden rücklings in Jack Beauregards innig gepflegtem Glastisch. Das knallte aber mal richtig. Im Western wird die tödliche Kugel oft durch eine Bibel, die die guten Jungs in der Brusttasche tragen, abgefangen. Entweder war Klöden kein guter Junge oder er hatte einfach Pech und Western sind sowieso alle unrealistisch. Eine circa 10 Zentimeter lange Glasscherbe verpasste ihm ein zweites Arschloch. Das Ding bohrte sich tief in sein Hinterteil, da hätte selbst ein Fakir angefangen zu schreien.

Die Scherbe war so schnell wieder draußen, wie sie drinsteckte. Klödens Exfreundinnen werden an dieser Stelle denken: passt. Er aber blieb erstaunlich cool. Das musste an den vielen Korn Blutorange Mischungen liegen, die er sich beim Fußballschauen einverleibt hatte. Korn mit Blutorange zu trinken war damals der hirnrissige Versuch einen Trend zu starten. Der Korn war in Jack Beauregards Hallen heilig. Um ihn gab es einige Rituale, wie die simulierten Kuppelnübungen an den leeren Flaschen, der zelebrierte Marschschritt zum Kühlschrank oder hin zum Regal, in dem dutzende leerer Kornflaschen wie Pokale glänzten. Es wundert mich bis heute, warum an seiner Wand kein Dankesschreiben der Strothmann Brauerei hing. Undankbarer Haufen.

Klödens Kiste blutete saumäßig. Um das Laminat zu schützen stellten wir einen Plastikbecher unter seinen Hintern. Nicht alle wollten das unbedingt sehen. Als ich wieder ins Wohnzimmer kam, trank er gerade den Becher mit dem Blut auf Ex. Ich schloss nicht aus, dass man so was bei der Feuerwehr lernte. Hohen Blutverlust vermeiden, oder so. Bevor ich in die Blumenvase kotzen konnte, erklärte man mir, dass das sein Korn Blutorange Getränk gewesen sei. Nach dem Motto: Einfach weitersaufen, irgendwer wird sich schon um meinen Arsch kümmern. Das war mein Junge. Die Blutung war einigermaßen unter Kontrolle gebracht worden.
Gringo konnte noch fahren. Klaro, wie kamen wir sonst von A nach B, wenn alle betrunken gewesen wären?

Wir trugen den Patienten in das Auto und verfrachteten ihn vorsichtig auf die Rückbank. Mit dem Heck nach oben natürlich und ab ging die wilde Fahrt. Zusammen mit den anderen Hinterbliebenen setzte ich mich wieder aufs Sofa, auf den Schreck erstmal ein Arbeitersekt. Im Krankenhaus angekommen, erfand Klöden eine zufriedenstellende Ausrede, die nicht schwul klang und wurde ohne Betäubung mit ein paar Stichen genäht. Die Stimmung soll grandios gewesen sein. Auch ein "Vorsichtig mit der Nadel, ich bin da empfindlich", soll er sich nicht verkniffen haben. Ein riesiger Spaß für alle Beteiligten.

Samstag, 16. Januar 2010

Vermögensschaden Teil II

"Here in my car
I feel safest of all
I can lock all my doors
It's the only way to live
In cars" Gary Numan

Auch für den zweiten größeren Schaden kann ich mich nur immer wieder entschuldigen. Er entstand in einer Nacht der letzten August Woche. Insider wissen, dass ich da unmöglich nüchtern gewesen sein kann. Was ist passiert?

Ich parkte mein Vehikel, ein roter Opel Vectra, auf dem Anwesen von MC-DJ Chrissler. An den für Autos angestandenen Platz. Da wo die Autos normalerweise immer stehen, weil sie woanders nichts zu suchen haben. Genug Stellfläche für alle Besucher des Bauernguts. Sollte man meinen. Jedenfalls parkte an diesem Tag MC-DJ C.J.C. im Neunziggradwinkel zum Parkplatz, genau vor der Diele. So weit, so nebensächlich.

Nachdem sich die MC-DJ Bagage komplett versammelt hatte, gingen wir zu dem nahegelegenen Rummelplatz. Viele Stunden später taumelten ich und Schwiens, den ich auf dem Rummel eingesammelt hatte, zurück zum Gutshof, wo mein Auto übernachtete. Da wir uns zu blöd anstellten um in den Bauernhof einzusteigen, entschlossen wir uns kurzerhand dazu im Auto zu pennen. Im August kann es nachts schon ziemlich kalt werden, weshalb ich für einen kleinen Moment die Klimaanlage laufen lassen wollte. Mit dem umgedrehten Zündschlüssel sprang das Tapedeck ebenfalls an. Es lief Who wants live forever von Queen.

Obwohl der Opel Vectra das größte Auto war, das ich bisher gefahren bin, war für zwei Hünen wie den Schwiens und mich kaum Platz. Es war kalt, eng, schlichtweg ungemütlich. Im Gegensatz zu den Schwuchteln vom Brokeback Mountain, fanden wir die Situation untragbar. Wenn der Motor schon einmal läuft, dann kann er uns auch nach Hause bringen, so denken betrunkene. Wer fuhr? Schnickeldi, Schnackeldi, SCHNUCK. Stein schlägt Schere. Ich fuhr.

Als ich zum Rückwärtsfahren ansetzte, sah man nach hinten raus nichts. Was sollte da auch sein? Die Hauswand konnte ich überblicken und parken tat man jawohl auf dem dafür vorgesehenen Grünstreifen. Oder Parkstreifen, wie es die wohnhafte Familie nannte.
Ich fuhr in einem großzügigen Bogen Rückwärts. Bis es krachte. Im Rückspiegel sah ich noch, vom Bremslicht illuminiert, ein Paar Fetzen fliegen. Mein Einwand, ich könnte da etwas erwischt haben, sicher wäre ich mir aber nicht, blieb von Schwiens unbeachtet. Uns kann man zugute halten, dass wir ausgestiegen sind und wenigsten nachschauten. Hätte ja auch ein Topf voll Gold sein können. Auf dem ersten Blick war da nichts zu erkennen. Nagut, C.J.C.´s Autowagen stand unglücklich geparkt unmittelbar hinter meinem Auto, aber sonst war nichts zu sehen. Den nächsten Morgen wachte ich Zuhause auf.*

Ein paar verpasste Anrufe und eine SMS von C.J.C. ließen mein Handy aufblinken.
SMS: Bist du gestern noch gefahren? Habe rote Lackspuren an meiner Heckschürze…

Man wollte mich der Fahrerflucht bezichtigen. Zu Recht, wie das Auto in der Garage bewies.
Außer einer kleinen Schramme merkte man dem Opel nichts an. Guter Stahl eben und nicht so ein Plastikgedönst. Selbst meine Eltern bekamen die Schramme nie mit. Schließlich war ich es, der seit Jahren das Auto wusch. Im Garten, ohne Ölabscheider übrigens, wo wir gerade bei Geständnissen sind.

Über einer Zeit von einem schnelllebigen Jahr wurde der Schaden von mir, unter der Mithilfe von Christian M., nicht behoben, aber ansehnlicher gemacht. Ein 10 x 20 cm großes Loch prangte in der Heckschürze und legte den Polyschaum frei. Ein Sylt Aufkleber allein hätte das nicht kaschieren können. Also spachtelte ich in feinster Kleinarbeit das Loch wieder zu. Ein Kiste Bier wurde außerdem transferiert.
O-Ton MC-DJ Bogomier: Chrille, du wurdest beschissen.
Aus Schaden wird man klug. Nächstes Jahr lieber woanders parken.

Pointe am Schluss: MC-DJ C.J.C. pennte in seiner Karre und bekam von dem Crash nichts mit. Bin ich froh, dass wir uns zur Tatzeit keiner Schuld bewusst waren, sonst wäre die einzige Alternative das Abfackeln der Beweismittel gewesen.

Grundierung ist drauf, C.J.C. freut sich.

Feinsäuferliche Kleinstarbeit

Chefvisite
Warten bis die Spachtelmasse getrocknet ist


*Liebe Kinder, ich weiß, dass ihr noch gar keinen Führerschein habt, dennoch macht das niemals, niemals nach. Wir sind ausgebildete Stuntfahrer und Alkoholiker. Die Straßen wurden extra für diese Aktion großräumig abgesperrt. Es ist unnötig und uncool. Außerdem ist die Geschichte gar nicht wahr und nie so passiert. Vielleicht war es auch MC-DJ C.J.C., der das ganze inszenierte! Oder ich schreibe das hier gerade quer in einem Baumstamm steckend.

Fortsetzung folgt...