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Samstag, 26. Mai 2012

FC Bayern München - Die Saison 2011/12


WARNUNG: in diesem Text geht es ausschließlich um Fußball. Was irgendwelche Herren Abseits des Platzes erzählen und behaupten, ist irrelevant.


Als Freund und Förderer des FC Bayern München werde ich oft um eine Stellungsnahme zur abgelaufenen Saison gebeten. Viele scheinen zu ahnen, dass es nach drei verschenkten Titeln nicht unbedingt mit dem Traditionsverein vorbei ist. Wie geht es also weiter, vorausgesetzt Bayern tritt nächste Saison überhaupt wieder an.

Die Saison 2011 – kein Titel

Dortmund spielt den besseren Fußball. Dies war 2011 bereits zu erkennen. Aber nimmt man die Saison der Bayernspieler aus dem Jahr 2010, ist eine durchwachsende Saison und die Wachablösung an der Tabellenspitze absolut nachvollziehbar.
Bayern wurde 2010 Meister, Pokalsieger und stand im Finale der Champions League. Bei der WM 2010 spielten neun Bayernspieler alle sieben möglichen Partien und in welcher Verfassung Robben aus dem Finale wieder kam, daran wurden wir am Dienstag mit dem umstrittenen Freundschaftsspiel gegen Holland erinnert. Und weil ein exzentrischer Louis van Gaal unfehlbar ist, kauft er keinen einzigen Spieler für die Saison 2011 nach und unternimmt stattdessen riskante Wechselspiele. Die Saison konnte man schnell abhacken. Das Argument, das sind Profis, die dürfen nie müde sein, ist kein Argument. Wie gesagt, es geht nur um Fußball.

Die Saison 2012 – immer noch keinen Titel

2012 kam mit Jupp Heynckes, der von mir favorisierte Trainer, zurück zu den Bayern. Auch die Einkäufe stimmten mich auf eine positive Saison ein. Die Hinrunde lief entsprechend gut.
Die Todesgruppe in der Champions League wurde souverän gewonnen und die Herbstmeisterschaft ging, mit einen neuen Vereinsrekord, verdient an die Bayern.
Natürlich fiel es auf, dass die Dortmunder ihre Spielphilosophie verbessert haben. Deutlich wurde es im direkten Duell gegen die Bayern. Sie spielten einen enorm schnellen, präzisen Umschaltfußball. In der Hinrunde lief der BVB noch verzweifelt gegen tief stehende Mannschaften an, eine Spielweise, die merkwürdigerweise in der Rückrunde nur selten von den Gegnern im unteren Tabellendrittel angewandt wurde. Eben die Spielweise, mit der sich der FC Bayern fast immer auseinander setzen muss.
Leider wurde nie weiter hinterfragt, wieso Bayern so desolat aus der Winterpause kam. Laut Heynckes, haben sie sehr gut gearbeitet. Vielleicht waren es die vertraglich festgelegten Werbespiele um die Geldgeber zufrieden zu stellen, denen gibt man aber nicht gerne die Schuld, oder es wurde ganz einfach nicht besonders gut gearbeitet. Bayern ließ gegen defensiv stehende Mannschaften viele Punkte liegen, während Dortmund wiederum seinen persönlichen Vereinsrekord aufstellte. Im direkten Duell war es der Egoismus, bzw. die besondere „Spielerklasse“, auf die sich die Bayern allzu oft verließen und die dann das Spiel verlor. So ist das, wenn das Gewicht in der Mannschaft nicht gleichmäßiger verteilt ist. Robben gewinnt Spiele oder er verliert sie eben. Für mich als Freund und Mitbegründer der dritten Generation war es eine gute Saison. Einen Grund so mitzufiebern, hatte ich bisher nur bei den Welt- und Europameisterschaften. Champions League Finals mit deutscher Beteiligung sind leider viel zu selten um cool zu bleiben.

Die Finalspiele

Die Saison war mit drei Finalspielen, das Rückspiel in Dortmund mitgezählt, keinesfalls ein Desaster. Auch dass alle drei verloren wurden, kann ich verkraften. Das DFB Pokalfinale wurde durch individuelle Fehler auf Bayernseite entschieden. So verliert man natürlich und auch entsprechend hoch. Für mich sah das so aus, als waren die Bayern mit dem Kopf bereits im CL Finale oder sie sind ganz einfach so unheimlich schlecht. Um das herauszufinden, musste man nur eine Woche später das Champions League Finale schauen. Die Bayern spielten überragend, waren eindeutig überlegen, nur hat Cech einmal mehr bewiesen, weshalb er und nicht Neuer, der beste Torwart der Welt ist. Den Vergleich zwischen Drogba und Gomez ging ebenfalls an Chelsea. Dazu unten mehr. Für Fußballästheten hat das unattraktivere System nun mal die Champions League gewonnen. Im Halbfinale gegen Barcelona war ich noch für Chelsea, logisch, einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung was den Sieg der Bayern im Finale anging. Barcelona hätte die Münchner in den neunzig Minuten vorgeführt. Man erinnere sich an das Finale 2011, ManU stand von vornherein als Verlierer fest und anders wäre es den Bayern auch nicht ergangen. Naiv wie ich bin, hoffte ich, dass Chelsea in einem einzigen, finalen Spiel mehr aufrücken würde, aber dass die von Minute eins ab so sehr auf den Abpfiff hofften, hätte ich nie gedacht. Falls Abramowitsch davon ausgeht wenigstens diese Saison mit Chelsea einen Gewinn zu erwirtschaften, dann hat er jetzt 3,6 Million mehr die er der einen Milliarde Ausgaben gegenüberstellen kann und falls es ihm nur um das Prestige ging, dann hat er spätestens jetzt ganz Fußball Europa gegen sich aufgebracht. Der Titel hat an Glanz verloren, aber heute redet ja auch keiner mehr über Griechenlands EM Sieg 2004. Die Intensität der Bayern wird aufgrund der Niederlage nicht nachlassen und schaue ich nur ein Jahr weiter, sehe ich Chelsea nicht im Viertelfinale der CL 2013.

Die Saison 2013 – wie es weitergehen könnte

Die statische Spielweise der Bayern, die sehr vom Tempo und der Technik von zwei, drei Akteuren lebt, ist ein gefundenes Fressen für Mannschaften, die ihre stärke nicht darin sehen das Spiel selber aufzuziehen. Gladbach, Hannover und Dortmund haben aufgezeigt, wie man das System knackt. Effektiver Umschaltfußball. Das sind Mannschaften, die sehr selten den Ball lange in der gegnerischen Hälfte halten. Der Ballbesitz findet, wenn überhaupt, in der eigenen Hälfte statt, was dann den aufrückenden Gegnern beim schnellen umschalten mit langen Bällen zum Verhängnis wird.
Die Effektivität dieser Spielweise ist unumstritten, nur sehe ich darin kein internationales Potenzial oder finde besonderes Gefallen daran. Die Bayern orientieren sich nach oben, an den FC Barcelona. Die zelebrieren den Ballbesitz und das Hineindrängen des Gegners in die eigene Hälfte. Barcelona hat aber auch die Zeit und die Mittel investiert um eine perfekte Mischung an Spielern für dieses System zu finden. Sie scheuen nicht davor zurück dreistellige Millionenbeträge für das Zusammenstellen der ersten Mannschaft auszugeben. So kostete die Suche nach einem mitspielenden Stürmer, mit Henry, Ibrahimovic und letztendlich Fabregas und Villa, insgesamt 204 mio Euro (Eto´o Tausch inbegriffen). Auch die über Jahre gewachsene Jugendarbeit, mit weltweit agierenden Jugendscouts und einer klaren Spielphilosophie, ist bei Bayern ebenfalls lange nicht soweit fortgeschritten.
Ganz im Gegenteil. Ein Strafraumstürmer wie Gomez ist eher kontraproduktiv um auf das Niveau der Katalanen zu kommen. Er lebt einzig von der individuellen Klasse der beiden Außenstürmer Ribery und Robben. Wenn der Ball in den Sechzehner des Gegners gespielt wird und Gomez kann ihn nicht direkt abnehmen, ist der Ball auch meist daraufhin wieder weg. Ich persönlich begrüße Bayerns mutigen Weg zum Offensivfußball, alles andere könnte ich mir nur mit Bauchschmerzen anschauen, aber es schadet ja nichts die Spritzigkeit und die Lauffreude anderer Mannschaften in das eigene Konzept einzubinden und letztendlich darauf hinzuarbeiten den Ball durch die entstehenden Gassen in der Mitte zu spielen.
Mit Alaba hat sich aus der eigenen Jugend eine perfekte Lösung für die linke Seite ergeben. Schnell, lauffreudig, offensivstark und mit viel Potenzial nach oben. Wäre das derzeitige Konzept der Bayern nicht so erfolgreich und Gomez nicht als alleinige Spitze so treffsicher, dann würde ich heute schon auf das Barca Prinzip umstellen und mir eine längere Findungsphase gönnen. Im Tor haben wir einen der Besten. Neuer
Die Abwehr ist jung und stand zum Ende der letzten Saison schon fest. Alaba – Badstuber – Boateng – Lahm
Auf der Doppelsechs ist Schweinsteiger gesetzt, daneben fehlt noch ein Weltklassemann. Die kosten ungefähr 40-50 Millionen. Gomez dafür hergeben.
Das Mittelfeld besteht im Grunde aus einer offensiven Viererkette und löst den klassischen Stürmer ab. Ribery – Kroos – Müller – Robben
Müller kann die kurzen Wege im Sechzehner auch machen, wenn nicht sogar besser als Gomez, weil spontaner und einfallsreicher aus dem Mittelfeld heraus mit mehr Übersicht und Tempo. Alle vier können vor dem gegnerischen Tor gefährlich auftauchen, sind abschlussstark und vor allem, sie spielen den finalen Pass und haben die Technik dafür mal auf den Ball zu treten, voran Stolper Gomez bereits scheitert. Das wäre doch mal was. Bayern schiebt eh bevorzugt den Ball in der gegnerischen Hälfte hin und her, dann stecken in dem 4-2-4 System aber viel mehr Gefahr, Ideen, Bewegungen und Möglichkeiten drin. Wo habe ich denn jetzt die Nummer vom Uli…

Merkwürdigerweise bin ich gar nicht so scharf auf eine brutale Titeljagt. Titel sind die angenehme Begleiterscheinung, wenn man attraktiven und effektvollen Fussball spielt.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Weltmeisterschaft for Dummies

„Von wegen Fußball integriert, da hat doch heutzutage jede Nation seine eigene Mannschaft.“ Sönke

Diese Verrückten. Natürlich freue ich mich alle vier Jahre wie ein kleines Kind auf die Fußball Weltmeisterschaft, selbst der kleine Bruder, die Europameisterschaft, lässt mich vergessen zwischendurch auch mal ein Wasser zu trinken, aber was in Deutschland während des WM-Monats abgeht, wirkt auf mich sehr befremdlich. Seitdem 2006 die Marke „Das Sommermärchen“ als das Aushängeschild der Deutschen überhaupt proklamiert wurde, drehen alle durch. Deutscher Nationalstolz darf wieder gelebt werden und weil niemand weiß wie das geht, schaut man sich das eben aus anderen Ländern ab. Autokorsos stammen aus der Türkei, Vuzuelas aus Südafrika, Menschenaufläufe aus Sumatra, die Laola stammt aus Mexiko und England steuert noch mal eine ganz eigene Interpretation von Begeisterung bei. Die Deutschland-Flaggen wedeln nicht mehr nur von den Hotelbalkonen auf Mallorca, sondern lassen sich mittlerweile überall finden.


Vielleicht kennt ihr das Gefühl, das mich manchmal auf Festivals beschleicht. Man steht in der Menschenmenge vor der Bühne, ist angestrengt, weil man sich schon lange vor dem Auftritt reindrängeln musste, dabei ist das Interesse an der Band gar nicht groß, dafür aber ihr Name und man möchte einfach nur dass es los und auch schnell wieder vorbei geht, damit man endlich sagen kann: ja, die habe ich auch gesehen.
Jedenfalls scheint es mir, geht es so 90 Prozent der Deutschen mit der WM. Plötzlich sind alle Fans des Sports. Sogenannte Erfolgsfans. Da eigene Erfahrungen mit dem Ball oder jahrelange Recherchen fehlen, wird sich die Meinung von der BILD geliehen und oft nicht wieder zurückgegeben. Heute noch die Helden, morgen schon wieder die Wurst-Truppe. Bei Frauen wirkt das ganze noch angestrengter. Aber die dürfen das, Frauenquote ist beim Feiern immer total wichtig. Nicht wenige glauben, Fantreue spiegelt sich durch die richtigen Assecoires und durch das Grölen der angesagten Gesänge wider. Als wollten sie ihre Ahnungslosigkeit durch Schminke, Perücke und Alkoholpegel ausgleichen. Die Euphorie um die Nationalmannschaft ist in einem Land, das Ironie für den Gipfel des Humors hält, schwer einzuschätzen.


2006 habe ich ein einziges Spiel, Deutschland gegen Schweden, zwischen tausenden anderen Anhängern geschaut. Public Viewing genannt. Eine Wahnsinns Abzocke und nur weil tausend Leute auf einmal Jubeln, empfinde ich das nicht als angenehmer oder bedeutungsvoller. Die Frauen haben vor dem Jubeln erst nach links und rechts geschaut, um sicher zu gehen, ob sie sich im Falle eines Abseitstores nicht blamieren. Kinder konnten gar nichts sehen. Der Rückweg zum Bahnhof war das schlimmste. Alles ist laut und eng und stumpf gewesen. Vertreter anderer Nationen pöbeln gegen die Deutschen und die Deutschen gegen alle anderen Nationen. Hooligans freuen sich auf die WM wie arbeitslose Jugendliche auf die Sommerferien, sie fallen dann nämlich weniger auf. Seitdem schaue ich nur noch Privat oder in überschaubaren Kneipen.

Ich würde mich als Fußball-Fachmann bezeichnen. Nicht weil ich jeden Ersatzspieler der Nordkoreanischen Mannschaft von der Konsole her kenne, sondern weil ich selbst am liebsten mitspielen würde. Ich kann ein Spiel lesen und kenne den Charakter der Mitwirkenden. Den Sachverstand eines Günther Netzers weiß ich einzuschätzen und in die Aussagen der Interviewten interpretiere ich ein Stimmungsbild. Ehrlich gesagt, warte ich alle zwei Jahre wieder auf einen Anruf vom Bundestrainer. Meine Nummer habe ich auf der offiziellen Facebook Seite des DFBs hinterlassen, daran soll es nicht scheitern.

Samstag, 6. Februar 2010

Work Outer Kategorien 4-6

"Ich schaff zwei Klimmzüge, steh kurz vor ner Diabetes,
und nur wegen der Schwimmflügel glaubt keiner, dass man Triatleth ist" Dendemann

Die vierte Kategorie ist der Dicke, das personifizierte Drüsenproblem, der Gourmet unter den Sportlern, kurz: der Kassenpatient. Das Fitnessstudio befindet sich im 2. Obergeschoss, darunter ist eine Bowlinganlage. Am Gebäudeeingang kann man nicht unbedingt sagen, an welches Stockwerk sich der junge Mann orientieren wird. Eindrittel der Dicken treffe ich an der Rezeption wieder. Oft sind sie schneller oben, da ihr Fitnessstand es nicht zulässt die Treppen zu benutzen. Zum Work out tragen sie die alten Basketball Shirts mit den dazu passenden Shorts auf. Zum Beispiel ein verblasstes Chicago Bulls Trikot aus der goldenen Ära als Jorden, Pippen und Rodman dort noch spielten oder ein Football Hemd der Oakland Raiders. Früher liefen alle so auf dem Schulhof rum, heute ist nur noch vereinzelt das Emblem der New York Yankees zusehen. Die Affinität amerikanische Mannschaftsembleme zu tragen, habe ich damals genauso wenig nachvollziehen können, wie die Baseballregeln an sich. Aber wer auf dem Laufband den Eindruck einer Lavalampe hinterlässt, kann auf diesen modischen Fauxpas auch scheißen. Klarer Fall, hier trainiert einer, damit er später in den engen Sarg passt oder wenigsten die Kniescheiben auf dem Weg zum Kühlschrank etwas Entlastung erfahren. Keine wirkliche Konkurrenz beim flanieren entlang des Lady Fitness Bereiches.

Die letzten beiden Kategorien sind nämlich genau diesen gewidmet. Unterm Strich bleiben nur zwei Typen Frau. Die attraktiven und die unattraktiven. Leider herrscht nicht selten eine große Diskrepanz zwischen Gesicht und Arsch Körper. Hat sie einen Top Körper, ist im Gesicht einiges im Argen und umgekehrt. Erst gestern dachte ich mir bei einer: hm, schlecht nicht, bis mir die Segelohren auffielen, die unter dem dünnen Haar hervorlugten. Da ich nichts von Oberflächlichkeiten halte, zählte sie natürlich zu den attraktiven Kandidatinnen.

Um Kondition zu pumpen und weil ich den Zustand meines zermarterten Körpers am besten während des Laufens einschätzen kann, gehe ich nach dem Eisenstemmen auf das Laufband. Hinterste Reihe. Keine Steigung und anfängliche 8 Kilometer die Stunde. Vor mir trainiert eine junge Dame ihre Gesäßmuskeln auf dem Stepper. Eine Frau, wie aus dem Werbefernsehen für Bauchweggürtel. Nach der Benutzung.
Ist es eigentlich normal, dass man sich beim Stepper soweit nach vorne beugen muss?
Egal, „The Body“ tänzelt also vor mir her. Angetrieben von der Herausforderung und dem Song The Gladiator von Common, passiert es. Ich komme mit dem unteren Hüftbereich an den Emergency Stop Schalter. Wenn man damit nicht rechnet, wird der eigene Körper zum Geschoss. Ich knalle nach vorne gegen das Display und fluche auf. Aua aua. Zum Glück hat Jewgenija Kanajewa ebenfalls Kopfhörer in den Ohren und bekommmt nichts von meinem Übermut mit. So beschissen wie das ausgesehen hat, kann ich in dem Moment noch nicht einmal auf den liebenswerten Döspaddel Charme setzen, wie ihn allen voran Dick und Doof mit ihren unfreiwillig clumsigen Aktionen ausstrahlten. Einfach dumm gelaufen.

Um dem Wahrheitsgehalt gerecht zu werden, noch eine kleine Anekdote aus der Umkleidekabine. Da ich „der Neue“ bin, habe ich noch kein Timing dafür, zu welcher Uhrzeit man am besten zum Training kommt und viel wichtiger, wann man duschen geht. Unglücklicherweise bin ich genau ins Schichtende der Muskelprotze geraten. So muss man sich im Knast fühlen, nur dass nirgendwo ein Hörnchenmeister in Sicht war. Ich könnte jetzt mit ein paar Pornoklischees aufräumen, aber ich will den mitlesenden Damen mal ihre Illusionen nicht nehmen. Ich meine, jeder Handwerker ist ja auch attraktiv. Was allerdings stimmt, die Seife rutscht einem unter der Dusche wirklich immer aus den Händen.
Es wurde laut in der Umkleide.

Ein schwarzer Typ, auf dessen T-Shirt das Kürzel UFC prangte, brüllte rum:
„Alter, mir wurde letzte Woche meine Jacke geklaut. Wer klaut MIR denn die Jacke?“

Anderer Heini: „Alter, immer alles einschließen.“

UFC Typ: „Alter, einschließen? dachte wir sind hier alles Kollegen. Seit zehn Jahren schließe ich meine Sachen nicht ein.“

Anderer Heini: „Alter, man lernt nie aus. Es gibt für alles ein erstes Mal“

Ganz anderer Heini: „Alter, ich schwör, Alter, man lernt nie aus.“

UFC Typ: „Wo ist eigentlich Ali?“

Jemand direkt neben mir: „Man, der hat was blondes, gelocktes gesehen, der kommt später. Hähähähä.“

UFC Typ: „N` blonden Typen oder was? Hähähähä“

Ich: „Hähähähä.“ Bloß nichts sagen, was zu einer Handtuchschlacht führen könnte.

Jemand direkt neben mir: „Hähähä, nee die Jakeline. Ich schwör Alter, das ist ein Eiskalter Engel. Steht auch auf ihrem Studi Profil.“

UFC Typ: „Nä eiskalte Votze ist das! Hähähähä!"

Alle: „Hähähähä.“

Unter der Dusche posen wir noch gemeinsam um die Wette.

Freitag, 5. Februar 2010

Work Outer Kategorien 1-3

„Ladies weit und breit, schön dass ihr euch einig seid“ Dendemann

Dies wird mein insgesamt dritter Text über das Fitnessstudio und mein gefühlter hundertster Text über Fitness im Allgemeinen. Dein Lieblingsmensch entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Themen Blog. Warum nicht?

Nach einer lächerlichen Woche ist mir aufgefallen, dass immer die gleichen Personen, mich inbegriffen, zur selben Zeit das Gym besuchen. Natürlich liegt das an den Arbeitszeiten oder was die sportlich ambitionierten Menschen sonst so nachmittags treiben. Bei den Frauen erhöht der Wiedererkennungswert den Flirtfaktor ungemein. Am besten sind die, bei denen die Südländer bereits im Ansatz abblitzen. Das Balzverhalten amüsiert mich so sehr, dass ich zwar Kopfhörer in den Ohren habe, aber der iPod aus bleibt. In dem Fitnessstudio haben, grob gepeilt, 60 Prozent einen Immigrationshintergrund. Oder sie haben es mit der Solarium Flat übertrieben. Jedenfalls ist es sehr interessant wer mit wem und wieso. Im Grunde kann man die Besucher in sechs Kategorien unterteilen.

Die massiven Muskelberge haben ihre eigene Spielecke, die Ecke mit den Ganzköperspiegeln. Wenn man was von ihnen lernen kann, dann, dass auf der Ästhetikskala Muskeln über der Mode stehen. Siehe Daniel Küblböck. Dabei meine ich zu behaupten, dass ein ordentlicher Anzug selbst aus Michael Moore einen Menschen machen würde, was ich einem trainierten Bizeps nicht zutraue. Muskelshirts sind ok, Goldketten schon zuviel, aber MC Hammer Fallschirmhosen sind nur noch lächerlich. Zum Teil tragen die schlecht frisierten Gorillas beim Gewichte stemmen sogar Lackschuhe und Caps. Die Hoffnung ihren Körper irgendwie gewinnbringend einsetzen zu können, sei es im Beruf oder am Weib, schwebt über ihren Köpfen, als Ausdunstung getarnt.
Kein Witz, einer der Schränke konnte sich nicht selber am Rücken kratzen und ich rede hier nicht von einer unbequemen Stelle zwischen den Schulterblättern, sondern eher so vom Nackenbereich. Der Verdacht drängt sich auf, dass Hulks Verwandtschaft dieselben Probleme beim Telefonieren hat und das Handy nicht ans Ohr bekommt. Drauf aufmerksam mache ich sie lieber nur auf diesen anonymen Weg, sonst bekommt man in der Dusche den Heizkörper um den Hals gewickelt. Mehr dazu später im zweiten Teil.

Eine andere Kategorie sind die Durchschnittstypen. Nicht zu Fett, nicht zu kräftig, dennoch den einen oder anderen definierten Muskel. Ich bin so einer. Was mich aber von den anderen unterscheidet, sind die Tatsachen, dass ich alleine ins Studio gehe und nach dem Training dusche. Die Pärchen Zirkeltrainierer blockieren mit ihren Handtüchern und Trinkflaschen sämtliche Geräte. Sie unterhalten sich über ihre langweiligen Jobs, das LA VIVA oder wo es den besten Appletini der Stadt gibt.
Wenigstens tragen sie zu ihrem Dreitagebart sportliche Klamotten, sonst würde man nicht erkennen, dass sie überhaupt trainieren. Sie führen die Übungen falsch aus, drücken die Gelenke immer ganz durch und übertreiben es mit den Gewichten. Warum sind die hier? Wenn zwei von ihnen, immer pärchenweise, in die Umkleidekabine verschwinden, kommen sie bereits nach weniger als 5 Minuten umgezogen wieder heraus und ja, sie tragen Kleidung im Look von Peyman Amin.
Wenn ich es mir recht überlege, zähle ich mich doch nicht zu denen, dann eher so zur dritten Kategorie.

Der Athlet. Einige wenige machen auf mich den Eindruck, als seien sie Hochleistungssportler oder als ob sie zumindest die 100 Meter in 10 Sekunden schaffen würden. Kein Gramm Fett am Leib und die Waden tätowiert. Drahtige Körper, abgerundet durch Bundeswehr-Kurzhaarfrisuren. Die kommen auch alleine zum Work out, stellen sich aber einsam in eine Ecke und betreiben Hochgeschwindigkeitsseilspringen oder Tempo Sit-ups. Die nehmen sich noch nicht einmal die Zeit zum starren.
Ich möchte den selbstverliebten Kraftprotzen nicht unterstellen, dass unter ihnen kein Hammerwerfer sei und dass Hammerwerfen nicht auf einem hohen sportlichen Niveau betrieben werde, aber die Angelegenheit, dass draußen auf dem Parkplatz ihre Frauen im Auto auf sie warten müssen, wirkt schon irgendwie unprofessionell auf mich.

Teil Zwo... kommt!

Donnerstag, 28. Januar 2010

Muskelprotz

„Es ist groß, wenn du als Schmalhans mit deinen Muskeln prahlen kannst“ Dendemann

„Ich besuche deine Frau und mach mich in deinem Haus breit als wärst du ein Fitnessclubbesitzer“ Kollegah

Seit dem 26. Januar gehe ich nach einem Jahr wieder in ein Fitnessstudio. Mein altes Studio war gar kein richtiges Studio. Eher ein therapeutischer Turnverein. Es war sehr Familiär dort und nie überfüllt. Die Beratung war gut. Es muss an mir gelegen haben, dass die Muskelpartien falsch belastet wurden und mein Rücken wieder anfing zu schmerzen.
Der neue Laden passt genau in das Klischeebeladene Bild der Fitnessszene. Angefangen hat alles mit Arnold Schwarzenegger, das hatte damals wenigstens noch einen fundierten Hintergrund. Immerhin Mr. Universum und ich meine, Conan der Barbar ohne Muskeln hätte auch scheiße ausgesehen.

Die Proleten in meinem Studio wollen alle nicht aussehen wie Conan, sondern wie Zuhälter. Das schaffen die auch. Fünf komplett identische Türken, gleich groß, gleicher Bart, gleiche Frisur, gleicher Kleidungsstil, trainieren sogar mit Goldkette um den dicken Hals. Ich schwör. Voll den Körper wollte ich mir nicht reinziehen. Die übertriebenen Hohlkreuze lassen diese Nachwuchsluden aussehen wie Howard the Duck. Bei mir dreht sich alles um den Rücken und Bauch. Die Stabilität und Kondition sollen her. Die Wäsche, die zurzeit auf meinem Waschbrettbauch liegt, bekomme ich so schnell nicht runter, das ist mir klar. 5 bis traumhafte 10 Kilo weniger wären dennoch wünschenswert. Um den Überblick zu behalten, habe ich mir eine Tabelle an die Badezimmertür geheftet. Datum, Gewicht und Differenz werden jetzt einmal die Woche dort festgehalten.

Die Muskelprotze posen ja nicht umsonst. Das Fitnessstudio hat eine relativ hohe Frauenquote zu bieten. Vielen Frauen sieht man an weshalb sie die Mitgliedschaft unterschrieben haben. Die besseren sind die, bei denen man das Gefühl hat, sie begleiten nur ihre plumpe Freundin oder sie sind aus demselben, latenten Grund hier wie ich: mal schauen was so geht.
Wie hoch mag wohl der Flirtfaktor sein, wenn mich die Feuerwehr aus einer dieser Foltermaschinen raus schneiden muss?

Um die Ecke gibt es einen Laden, der meinen Trainingserfolg beschleunigen könnte. Aber gesünder sehen die Menschen auf den Abbildungen auch nicht aus und die handgeschriebenen Preisschilder wirken auf mich ebenfalls unseriös. Als ob der Laden innerhalb einer Stunde die Segel streichen könnte, falls er müsste. Thomas, der Kampfkoloss.


Im Vertrag sind zwei Monate Solarium inbegriffen. Ich habe bisher diese ausgeleuchteten Särge gemieden. Gar nicht mal wegen der Karzinome, ich finde ganz einfach, dass Bräune etwas für Rentner ist. Mal ehrlich, wer findet denn lederbraune Menschen attraktiv? Frauen, die regelmäßig ins Solarium gehen, hinterlassen immer dasselbe Bild. Die Haare strohig, zuviel Schminke, zu viel Make up, zu große Sonnenbrille, zu dünn, die Titten zu hoch gebunden, zu tätowiert, zu hohe Absätze, zu hoher IQ… von allem zuviel. Gebräunte Männer sehen dagegen schnell aus wie Indianer bei Karl May. Ausprobieren möchte ich das aber trotzdem unbedingt, allein schon wegen der angeblich positiven Wirkung auf das, von den dunklen Wintertagen getrübte, Seelenleben. Böse Zungen behaupten, bei meinem Hauttyp würde ich unter intensiver UV Bestrahlung elendig zugrunde gehen. Ich sage: es ist kostenlos!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Jahresrückblick 2009

"This is it, I can say
I’m the light of your world , run away
we can feel, this is real
Every time I’m in love that I feel" Michael Jackson

Was ihr hier lest ist die dritte Version des Textes. Erst wollte ich aufzählen was war gut, was war nicht so gut dieses Jahr, während ich das so aufschrieb dachte ich: ein Glück musst du das nicht lesen. Ist das Langweilig.
Beim zweiten Anlauf wollte ich es mir einfacher machen und stumpf eine Linkliste erstellen, die für sich sprechend, das Jahr rekapitulieren sollte. Nicht so schlecht die Idee, aber gewisse Dinge müssen abschließend gesagt werden, die ich so nirgends im World Wide Web fand.

Jetzt also doch einwenig plaudern.

Finanzkrise einander mal

2009 ist im Nachhinein betrachtet, und darum geht es ja bei einer Retrospektive, ein ziemlich ereignisreiches Jahr gewesen. Irgendwo las ich auch von 2009, dem Krisenjahr. Im Managermagazin womöglich. 2008 fing die Scheiße mit den Lehmann Brothers an. Letztes Jahr war ich ein frischgebackener, also arbeitsloser, Bauingenieur, der, falls er die Gelegenheit gehabt hätte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, eine ganze Versicherungsgesellschaft mit seinen Beiträgen durch die Krise hätte schleppen können. In der Zeit habe ich mich unter der Finanzkrise schön weggeduckt und Tabletten gegen meinen gereizten Spinalnerv gefressen, als wären es Nimm 2.
Im Dezember 2008 unterschrieb ich einen Arbeitsvertrag, der mir die Möglichkeit eröffnete nach Bremen zu ziehen. Die ersten Wochen wohnte ich noch bei einer Freundin, bis ich im Februar meine eigene Wohnung bezog.
Die eigene Wohnung. So mächtig wie das klingt ist es nicht. Ich finde es wichtig, dass man das mal sagt, sonst denken andere sie müssten um so etwas ein riesiges Geschiss machen. Abitur, erstes Auto, erster Arbeitsvertrag, erste Wohnung, 30, Kind, Hochzeit, Scheidung. Darauf darf man anstoßen, aber bitte erzählt mir nicht, wie heftig das alles ist.

Das alte, leidige Thema

Wenn Ärzte sich Röntgenbilder anschauen, sollten sie nicht fluchen. Allgemein sollten Ärzte nie fluchen. Mein neuer Neurochirurg verschrieb mir innerhalb von zwei Minuten eine Physiotherapie. Ich bekam letztes Jahr bereits Physiotherapien und ging dazu noch ins Fitnessstudio, ein speziell auf Bandscheibenprobleme abgestimmtes Programm. Besser wurde es nur für kurze Zeit. Was bei der Tortour letztendlich herauskam waren erneut Rückenschmerzen. Nun hat man in Bremen eine größere Auswahl an Ärzten und Kompetenzen. Der erneute Anlauf einer Physiotherapie verzeichnete früh Erfolge. Vor allem, weil mir endlich vieles richtig erklärt wurde. Die Psyche mischt sich ja in jede Krankheit ein und wenn es ein gebrochenes Bein ist. Seit ungefähr dem vierten Quartal kann ich gänzlich auf Tabletten verzichten. Selbst das Härteprogramm, Ostkurve im kalten Weserstadion, läuft problemlos ab. Die versprochene Besserung ist eingetreten. Leider wurde mir auch versprochen, dass ich eine vollkommene Heilung, mit der dazugehörigen Beweglichkeit, bei meinem Schreibtischjob ausschließen könne.
Die Schlacht ging aber erstmal an mich. Ich darf wieder Fußball spielen und habe im November mein erstes Spiel gemacht. Konditionell ungefähr auf demselben Niveau, auf dem sich Paul Gascoigne heute befinden dürfte, aber dafür sind die zwanzig Minuten, die mir vergönnt wurden, schmerzfrei abgelaufen. Ich konnte sogar einwenig brillieren.

Extrablatt, Extrablatt, alle Tot
Was wurde in diesem Jahr viel gestorben? Wenn ich die ganzen Einträge lese und die schlecht zusammengestellten Videos betrachte, mit dieser scheiß Musik unterlegt, dann hoffe ich, dass diese Social Network Blase bereits geplatzt ist, wenn ich abtreten muss.
Zeitweise fühlte ich mich richtig bedroht von Leuten, die mir ihre Links und Gruppeneinladungen schickten. Mir kam es vor wie am 11. September, als mir von überall her gesagt wurde, was ich zu empfinden habe.
Jeder soll auf seine Weise trauern, aber ich weigere mich zuglauben, dass es irgendwem hilft mit seiner Trauer besser fertig zu werden, indem er sie über das Internet verbreitet. 99 Prozent dieser „Trauernden 2.0“ geht es bei ihrer Anteilnahme nur um den Gutmensch Charakter, den man billig absahnen kann. Trauer, Pietät und Mitgefühl funktionieren im Stillen viel besser.
Einige machen sich noch nicht einmal die Mühe Rest in Peace auszuschreiben.
Und warum auf Englisch, warum nicht auf Chinesisch? Hat man sich das etwa irgendwo abgeschaut? Genau wie das Verhalten in solchen Situationen einfach kopiert wird? Nach dem Motto: Mein gewissen ist rein, ich habe ein Kreuz an den virtuellen Straßenrand gestellt?
Eine StudiVz Gruppe zum Gedenken an einen verstorbenen Menschen zu gründen, macht aus dir noch lange keinen besseren Menschen.

Allgemein wurde sich dieses Jahr wie bescheuert auf Gutmensch Themen gestürzt: Trauer, Mitleid, Toleranz, Ein Herz für Blogs, daran sieht man mal wie verunsichert alle sind.

Der King of Pop lebt im Kühlregal

Die mediale Inszenierung von verstorbenen Personen des öffentlichen Lebens ist zum einen Berichterstattung und zum anderen ein Fluch für die Verbliebenen. Wenn es hieß Michael Jackson wurde in einem Studio gesehen, dann interessierte mich das genauso wie dessen Todesursache. Nämlich sehr. Was da dieses Jahr in den Medien passierte, war nur die logische Konsequenz eines arrangierten Lebens und die ganzen R.I.P. - Schreiber kaufen konsequenterweise die CD Regale leer.
Ich wurde tatsächlich von jemand gefragt, ob bei 6 GB Michael Jackson Material alles dabei sei…
Wen Michael Jackson nicht als Kinderstar oder Frontmann der Jacksons oder als Solokünstler erreicht hat, den hat er spätestens mit seinem Tod erreicht. Wie viele das letztendlich wirklich waren, soll jeder für sich einschätzen.
Ich bin mal gespannt, wann die Werbung Michael Jackson ausschlachtet, wie bei Elvis mit dem Curry King...

Courage und Suizid

Dominik Brunner wird vor lauter Zivilcourage von ein paar Jugendlichen erstochen und Robert Enke hat Depressionen und schmeißt sich vor einen Zug. Natürlich besteht besonders im zweiten Fall ein öffentliches Interesse. Nur wie mit der Trauer umgegangen wurde, war für viele wieder die falsche Art. Der Trubel war pietätlos und wer das behauptete war selber pietätlos und kann sich mal bitte jemand Gedanken um den Lokführer machen usw.
Hätten die mal alle die Schnauze gehalten. Klar haben die Medienmacher am Modell Michael Jackson gesehen, wie sich mit der Verunsicherung der Menschen und deren daraus entstehender Auseinandersetzung mit dem Reizthemen Tod und Anteilnahme, Kasse machen lässt. Wäre Michael Jackson noch am Leben, dann hätte es keine Kerner Sondersendung über den Tod von Robert Enke gegeben. Sage ich.
Wie wenig wirklich nachgedacht wird, sah man an dem Länderspiel Deuschland : Elfenbeinküste. Vor dem Spiel fanden eine Schweigeminute und sonstige Huldigen für den verstorbenen Nationaltorhüter statt. Es wurde nochmals an die schwere Last erinnert, die Robert Enke mit sich herum trug. Alles verständnis- und rücksichtsvolle Menschen im Stadion, denkt man. Als dann in der circa 70. Minute Mario Gomez eingewechselt wurde, wurde dieser von demselben Publikum, noch vor dessen ersten Ballkontakt, ausgepfiffen. Idiotie, wie sie die Simpsons-Macher nicht besser hätten inszenieren können.
Außerdem wette ich, dass Leser mich darauf ansprechen werden, dass ich ja selber Stellung nehmen würde und dass man so was nicht schreiben dürfe. Dazu kann ich nur sagen: lasst mich, ich habe Depressionen.

Apropos, das Thema Depression ist zurzeit total hip. Wenn jetzt eine weitere Staffel von Germanys next Topmodel laufen würde, dann gäbe es keine Diskussion über mangelnde Bildung oder Magersucht, sondern die dummen Bohnenstangen wären alle Depressiv. Mit Sicherheit.

Musik, Buch, Film – Glück ist positiver Cashflow
Musik, Buch und Film bleiben in Kombination ein guter Parameter um das Jahr einzuschätzen.

Ich bin oft ins Kino gegangen. Die kindliche Vorfreude musste ich mir nie erhalten, für mich wird der Kinobesuch immer ein Ereignis, auf das es sich zufreuen lohnt, bleiben. Egal wie der Film letztendlich war. Ähnlich wie beim Stadionbesuch, für Licht- wie Fußballspiel gilt: beides kann ereignislos ablaufen.
Ganz in meiner Nähe wohnt eine Videothek, mit einer bisher ungekannten Vielfalt. Man kann nachfragen, bekommt Empfehlungen und sogenannte Geheimtipps. Da kann das Internet nicht mithalten. Der Preis ist ungeschlagen, billiger als jede Abmahnung, weshalb ich auch dutzende Filme in diesem Jahr gesehen habe. Der beste von Ihnen war Inglorious Bastards.

Das Knalleralbum dieses Jahres kam bereits 2008 heraus. The way I see it von Raphael Saadiq. Ansonsten wurden 2009 viele gute Alben veröffentlicht. Jay Z, Reakwon, Jan Delay, Depeche Mode, U2, Air, Jochen Distelmeyer, Element of Crime, Muse, Williams usw. Wirklich gekauft habe ich mir davon keins. Das wird aber nachgeholt, sobald ich einen neuen CD-Player, bzw. mich mit iTunes angefreundet habe. Meine größte Aufmerksamkeit genießt weiterhin das totgesagte HipHop Genre und dem damit verbundenen Ausverkauf der Vinyl Scheiben. Eine Single für 3 Euro, Ein Album 6 Euro, bitte!
Viele gute Bands erschlossen sich mir, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte. Bei anderen, mir bekannten Interpreten, entdeckte ich wiederum in den Tiefen ihrer Discographie so manche Perle. Die Charts habe ich mir mittlerweile, eher unfreiwillig, völlig abgewöhnt.
Drei Jahre ohne MTV oder Viva gehen spurlos an einem vorbei.
Genau wie die großen Festivals wieder Mal an mir vorbei gingen. Trotzdem war ich, für meine Verhältnisse, auf vielen Konzerten vertreten. Ob die Band Live besser ist, kommt natürlich auf die Band an. Der Zustand Live garantiert noch lange kein gutes Konzert. Das denken häufig kleine Jungen mit Zahnspange, die trotz allem eine Chance bei Mädchen haben wollen, die genauso denken. Ich wurde aber nicht enttäuscht, gerade Kool Savas hat seit dem Splash Finale von 2005 nicht nachgelassen.

Meinen Vielleserstatus (ab 30 Bücher im Jahr. Habe ich mal irgendwo gelesen, was sonst?) dürfte ich knapp verfehlt haben. Ist mir eigentlich nicht wichtig, nur, wenn man die Zeit für Bücher findet, hat man anderes ebenfalls im Griff. Diesen Eindruck bekam ich jedenfalls über die letzten Jahre. Total simpel, wer braucht da noch Feng Shui?

Der Verein
Klinsmann ist dann doch voreilig entlassen worden, was natürlich einzig an den hohen Erwartungen lag. Experiment fehlgeschlagen und mit van Gaal auf nun mal sicher gehen. Von wegen. Schwierige Holländer. Die Saison verläuft nicht optimal, aber ich habe auch schon gute Spiele in diesem Jahr gesehen.
Was mich beruhigt, obwohl es gar keinen Grund zur Unruhe gibt, ist die Tatsache, dass Bayern selbst bei einem Neuanfang nach der Ära Hoeneß und einem eventuellen Scheitern van Gaals mit den jungen Spielern eine super Mannschaft zusammen hat. Kroos, Müller, Badstuber, Lahm, Schweinsteiger und Gomez sind über die nächsten Jahre eine gute Grundlage um Deutscher Meister zu werden. Wer die Mannschaft erweitern wird, seien es schwer zu haltende Stars wie Ribery, Robben oder Demichelis, oder ob neu eingekauft werden muss, ist dabei egal. Aber wie es aussieht nimmt alles ein glückliches Ende. Wie so oft.
Bayern Kontext gehört in jeden Jahresrückblick.

Dein Lieblingsmensch

Die Gefühlslage schwankte so vor sich hin. Ein paar Menschen haben mich positiv überrascht und andere hingegen nachhaltig enttäuscht. Nachhaltig ist gut... auch nicht mehr als sonst. Unabhängig von meiner Erwartungshaltung. Das betrachte ich aber als normal. Dafür kenne ich einfach zu viele Menschen, als dass es immer untereinander glatt läuft und außerdem ist es ja schon schwierig genug mit sich selbst klar zukommen. Leider habe ich viele Dinge, die ich ändern oder anpacken wollte, nicht geändert oder angepackt. Das muss ich mir vorwerfen lassen. Mir gegenüber.
Ich wollte die Hände mehr in die Hosentaschen stecken, anstatt sie in den Jackenärmel verschwinden zu lassen. Das sieht so unreif aus. Im Taxi wollte ich mich nach hinten setzen. Bei allen drei Taxifahrten in diesem Jahr saß ich wieder vorne. Das Thema Fremdsprachen habe ich fast aufgegeben, ich kann es einfach nicht. Guido, mach was.
Optimistisch gesehen, gehen mir für 2010 die Vorhaben so schnell nicht aus.
Das Archiv reflektiert mein Jahr im Grunde genug.

2009… This is it.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

Donnerstag, 6. August 2009

Lanzenbruch

Es gibt Personen, die von der Öffentlichkeit gewaltig unterschätzt werden. Für diese Menschen möchte ich eine Lanze brechen, wie man so schön sagt.

Wem besonders der Rücken gestärkt gehört sind...



Uli Hoeneß



Uli hat einen gewaltig schlechten Stand in der Gesellschaft. Er ist wie die Bildzeitung. Man kann unmöglich alles ernst nehmen, aber der Sportteil ist gut. Oft werden Uli´s Taten vom Proletariat zerredet, das nur wenig Ahnung vom Fußball hat. Gegen Hoeneß zu sein, suggeriert den meisten Sportanhängern ja bereits eine gewisse Kompetenz. Glauben sie. Noch heute wird ihm gerne der verschossene Elfmeter im EM Finale 76 vorgehalten. Wenn einem ein verschossener Elfmeter über 30 Jahre später noch verfolgt, dann kann man davon ausgehen, dass man sonst alles richtig gemacht hat. Was das Fußballmanagement angeht, ist Uli der Beste in Deutschland. Vielleicht sogar der Beste der Welt und seiner Zeit weit voraus. Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Ihm und seinem FC Bayern wird ständig Arroganz nachgesagt, ich habe aber nicht die geringste Vorstellung, wie sich die äußern soll und würde das gerne mal erklärt bekommen. Wenn er vor der Saison sagt, er wolle Meister werden, dann ist das doch nur realistisch und für die Fans genau das, was sie hören wollen. Erstrecht wenn der Verein FC Bayern heißt. Er hat sehr oft recht mit seinen Aussagen, auch wenn sie unpopulär sind. Öfters als andere aus dem Bundesligaumfeld, dabei haben die viel seltener die Gelegenheit Blödsinn in die Kamera zu palavern und lassen sich die Chance dennoch nicht nehmen. Der Fall Daum zum Beispiel.

Zudem ist Hoeneß unheimlich unterhaltsam und hat auch einen guten Humor, man muss sich nur die Sendungen anschauen, in denen er nicht von dilettantischen Journalisten auf das kommende Jahrhunderttalent oder der Stimmung im Stadion angesprochen wird.

Bayern ist der einzige Verein mit richtigen Fans, alle anderen Fans sind eine Mischung aus bequemer Antipathie gegenüber Bayern und Lokalpatriotismus...

So fühlt es sich an, wenn einem ständig Vorwürfe wegen seiner Vereinsloyalität gemacht werden.

Für jedes Argument dagegen, gibt es auch eins dafür!



Deutsche Synchronsprecher



„Ey, du musst dir das englischsprachige Original angucken!“ Wie ich diesen Satz hasse. Als ob die jedes Wort verstehen würden was da geredet wird, bzw. die Hintergründe der Gags sofort durchleuchten, weil sie jede amerikanische oder englische B-Prominenz auf die angespielt wird, kennen. Wenn ich englische Originale gucke, fällt es mir schwer hundertprozentig in den Film einzutauchen. Ich kenne die englischen Originalstimmen nur aus Interviews oder Making of Sendungen und assoziiere sie auch damit. Wenn ich also einen Film auf Englisch sehe, warte ich jedes Mal darauf, dass gleich die Kulisse umfällt oder der Regisseur „CUT“ ruft oder mir jemand aus dem Off erklärt was da gerade geschieht. Dazu kommen nervig gebrabbelte Akzente, bei denen ich endgültig passen muss. Mir macht es keine Freude einen Film in der Originalsprache zu sehen und ich schätze, dass diejenigen, die behaupten ihre Lieblingsserie im Originalton zu schauen, heimlich zu Hause die Synchronisierte Fassung im Regal stehen haben und nur bei Besuch die Tonspur wechseln.



In Deutschland wird sich, was die Synchronisation angeht, noch richtig viel Mühe gegeben. Die größte Fehlerquelle ist dabei die Übersetzung. Es ist unheimlich schwer den Insider Gag ins deutsche zu übertragen. Shit happens... Scheiße passiert.

Die Simpsons ist ein gutes Beispiel. Da wird ein Subway Sandwich mit U-Boot Sandwich übersetzt und einem eine Halfpipe als Halbröhre verkauft. Wer sich da nicht denken kann was gemeint ist, sollte Serien via Stream im Internet schauen. Viele Gags aus den Zeichentrickserien kann man prima auf den Alltag übertragen. Mach das mal, wenn du im Kopf den Gag erst sinngemäß übersetzen musst. Da darfst du dich aber des Öfteren mit einem „Im Original ist das wirklich voll lustig“ rechtfertigen. Zumal keiner weiß, was du eigentlich meinst.



Die Stimmen selbst sind besser und fassettenreicher als die englischen, auch weil nicht eine Person gleich zehn Rollen übernimmt und so die Tonlagen auch mal ändern darf ohne gleich wie ein Nebencharakter zu klingen. Homer Simpsons deutsche Synchronstimme Norbert Gastell gilt unter Kennern sogar international als die Beste und wer möchte mir erzählen, dass Marge sich auf Englisch besser anhört als Elisabeth Volkmann´s Version? Als ich das erste Mal etwas von Ice Age gesehen habe, dachte ich, es wäre eine deutsche Produktion. So gut passt Ottos stimme und Wesen zu Sid dem Faultier. Ich habe keine Lust mir das vom Original versauen zu lassen.



Bei Lost, einer Serie bei der man in jeden Satz eine Anspielung hineindeuten kann, ist es wichtig, dass der Satz inhaltlich richtig übersetzt wird. Was aber viele beim Original schauen vergessen ist, dass sie selber es ja auch übersetzen müssen und nicht wie selbstverständlich das richtige dabei herauskommt. Ganze Foren werden damit vollgeschrieben wie welcher Satz übersetzt welchen Sinn ergibt. Na da macht das Original schauen ja richtigen Spaß. Ich halte die deutschen Synchronisationen für sehr gelungen, da lohnt sich auch das warten auf den deutschen Release. Hört euch mal spanische Fassungen an, die haben nur einen Synchronsprecher für alles. Das letzte Wort in diesem Fall hat Santiago Ziesmer.



Dorfjugend



Die Jugendlichen auf den Dörfern haben einen schweren Stand bei den Städtern. Früher, vor den DSL Leitungen und der Revolution des Internets im Allgemeinen, mag das auch gestimmt haben. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen und das sehr behütet. No alarms and no surprises and no allergies. Man lernte die Tugenden und die dazugehörigen Menschen besser kennen als sonst irgendwo. Man hat ja auch nichts anderes, weshalb Freundschaften noch gepflegt werden. Ich habe die Zeit für die Charakterbildung effektiv genutzt.

Meiner Meinung nach muss ein Kind die Chance gegeben werden Buden zu bauen, von Bäumen zu fallen und sich im Wald zu verlaufen. Es spricht nichts dagegen in großen Häusern aufzuwachsen, mit großen Gärten und viel Platz drum herum. Wir Dorfkinder mussten sicherlich mehr schuften, aber geschadet hat das keinem von uns. Heute weisen Manager und Politiker sogar auf ihren Stallgeruch hin, um kompetenter und vertrauenswürdiger zu wirken.

Die schönsten Kindheitserinnerungen von Jugendlichen aus einer Metropole sind gewiss der Abenteuerurlaub auf dem Bauernhof oder die Reitstunden auf dem Ponyhof, der in den Sommerferien besucht wurde oder die Kinderserien von Astrid Lindgren oder „Die Kinder vom Süderhof“. Der Hof als großes Plus des Dorfes.



Jetzt, wo allmählich jedes 100 Seelen Kaff mit der Außenwelt via Internet verbunden ist, unterscheiden sich Dorfkinder kaum noch von den Städtern. Das Konsumverhalten kann man im Netz schnell anpassen und auch die Informationen, die man benötigt, um auf dem aktuellsten Stand der Subkulturen zu bleiben, holt man sich per Knopfdruck. In Bremen treffe zwangsläufig auf Menschen die in der Stadt groß geworden sind und muss feststellen, dass viele doch sehr langweilig sind. Die Fähigkeit sich für etwas zu begeistern wird von ihnen mit Naivität verwechselt und sowieso fehlt es denen an Kommunikationsbereitschaft. Mir gefällt es sehr gut einen Zugang zu beiden Lebensmodellen zu haben und weiß dass es den anderen, die vom Dorf in die Stadt gezogen sind, genauso geht. Feldwegpartys sind eine Lebenseinstellung und wir sind viele.

Dienstag, 27. November 2007

Trainerlehrgang feat. Jimmy Hendrik

„Da war nie etwas mit Drogen und wird auch nie etwas sein“ Christoph Daum

Im Trainerlehrgang wird nichts anderes vermittelt als die Umsetzung der aktuellen Spielsituation in eine für jeden verständliche Sprache. Kurze, laute Argumente. Nebensätze haben sich höchstens in der Taktikbesprechung vor dem Spiel verirrt. Ganze Sätze hört man dann nur noch in der Kabine. Die Sprache unserer Trainer. Der Schnack ist groß, der Schnack ist groß!

Direkt vom Taktiktisch:

Männer heute…
Wir haben heute einen großen Platz
Zeigt, dass ihr Fußball spielen könnt
Die Ecken mit halber Kraft
Sprecht miteinander
Die Bälle flach in den Fuß
Wir wollen da oben mitspielen
Ich will Spaßfußball sehen
Männer heute müssen wir umstellen
... soooo Männer…
Ball laufen lassen
Lasst die doch meckern wir sind ruhig
Das geht bei der Trainingsbeteiligung schon los…
Trinkt genug Wasser, es ist heiß
Das ist einfach so
Die sind hier heute nicht zum verlieren hergekommen
Wir haben heute da vorne starke Kopfballspieler
Wir können die da oben noch ärgern
Männer, wir haben es in der Hand heute
Da haben wir wieder das Dreieck
Wenn der geht, dann muss auch einer dafür hinten bleiben
Nutzt die Räume

In der Kabine schon etwas deutlicher:
Die Leute draußen sind alle heiß Männer
Unterschätz die nicht
Lasst die anderen meckern
Hart aber nicht unfair
Die können nicht mehr
Das Ding ist noch nicht gegessen
Wenn der Schiri gepfiffen hat ist ruhe
Macht euch richtig warm
Geht noch mal in euch
Habe ich kein Problem mit
Jeder rennt für den anderen
Der läuft sich auf der rechten Seite tot
Wir sind eine Starke Truppe
Macht die Wege für die anderen
Auch mal aus der zweiten Reihe versuchen ein Tor zu schießen
Ich habe kein Problem damit Jemanden nach 20 Minuten vom Platz zunehmen. Es sitzen starke Leute da draußen

Auf dem Platz:
Klare Dinger
Wenn hier einer meckert, dann bin ich das
War richtig
Kann passieren, nächstes Mal klappt das
Rüber schieben
Die Idee war gut
Nicht stehen bleiben
Stellen! STELLEN! STELLEEEEN! … Man, Man, Man…
Heise! MENSCH!!!
Mosert nicht rum
Versucht es mal aus 20 Metern
ABSCHLUSS suchen
Schießt ruhig mal
Versuch es!
Junge, du hast nen Schuss
Nicht zuschauen da
Guck dir das da mal genau an
Schiri, da steht er!

Hätten wir ein Phrasenschwein, würde es uns die schönsten Mannschaftsfahrten bescheren.
Auswendiglernen, an den Spielfeldrand treten und munter mitmachen. Passt immer.

Donnerstag, 20. September 2007

Die großartigen Bayern

„Der Verein sucht sich seine Fans aus, nicht der Fan seinen Verein“ Christian Ulmen

"Das verstehen dieses Textes trägt zum Inhalt des Textes bei." Smudo

"Sorry, Bayern München spielt" Olli Banjo

das alte, häßliche Gesicht des FC Bayern München

"Was? Du bist Bayernfan? Bis eben warst Du mir noch sympathisch." Das höre ich oft. Aber Bayernfan zu sein ist nur die logische Konsequenz aus guten Geschmack. Jeder mag doch anspruchsvollen Fußball, sprich schnelle Kombinationsspiele, seriöses Auftreten, Namen, Charaktere und seit neuestem auch Talente aus der eigenen Schmiede. Es gibt viele gute Argumente für die Bayern und viele lausige gegen sie. Menschen, die wissen, dass sie George W. Bush doof finden müssen, genau wie die Bild Zeitung und eben den FC Bayern München, kommen einem immer mit: „Da kannste ja gar nicht ins Stadion fahren. Das ist soweit weg!“ Natürlich kann man da ins Stadion fahren. Man muss eben nur etwas weiter fahren. Aber dafür macht es auch viel mehr Spaß. Wer zu Auswärtsspielen seines Vereins fährt, der weiß was ich meine. Nur aus geographischer Bequemlichkeit sich einem „heimischen“ Verein anzuschließen ist recht arm. Michael Jackson werde ich wohl auch nicht mehr live erleben, trotzdem gefällt mir die Musik. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele nicht Bayernfans, also Bayernhasser, nicht mit dem Glamour zurechtkommen. P 1, BMW, hübsche Frauen und riesige Gagen. Da fühlt sich der kleine Mann unwohl. Ein anderes altersschwaches Argument ist: „die kaufen doch nur die anderen Mannschaften kaputt.“ Richtig und nur selten haben sie sich dabei selbst gestärkt. Aber Niemand, der seiner Zeit voraus war, hatte es jemals leicht. Bayern denkt als einzige deutsche Mannschaft international und Uli Hoeneß ist der vielleicht beste Fußballmanager der Welt. Obwohl, die Welt ist groß.

Wer für alle 18 Vereine in der Bundesliga einsteht, der wird nicht mehr ernst genommen. Ein Trugschluss ist es stattdessen einfach gegen Bayern zu sein. Dann ist man wenigstens auf der Seite der anderen 17 Vereine. Solche Leute werden ebenfalls nicht ernst genommen! Das sollte Jedem einleuchten. Wer im Ruhrpott in Dortmund, Schalke, Bochum und Duisburg aufgrund seines Fußballfachwissens einen ausgegeben bekommen möchte, der sollte nicht einfach über Bayern herlamentieren, sondern sich bewusst sein, dass er mindestens dreimal eins in die Fresse bekommt!

Früher hörte man auch gerne: „Die haben doch nur Geld!“ Woher das Geld kommt, darüber wird nicht nachgedacht. Tipp: es ist kein neureicher Russe. Es gibt auch den Typ: „eigentlich interessiere ich mich nicht für Fußball, aber Bayern geht gar nicht. Wenn, dann St. Pauli oder FC Freiburg. Die finde ich gut.“ Was für ein mutiges Geständnis. Ich ergänze dann immer stellvertretend für diese Menschen: und mein Lieblingsalbum ist das Weiße von den Beatles.

Am meisten unter den dümmlichen Ansichten leiden die Spieler, die zum FC Bayern wechseln. Charakterlos, geldgeil werden diese tituliert. Natürlich sind die Fans sauer, dass ein guter ihren Verein verlässt. Was aber immer nicht berücksichtigt wird, weil der Rufmord in der Stammkneipe ja gerade soviel Spaß macht, ist, dass diese Spieler vielleicht schon immer bei Bayern spielen wollten. Sie spielen dort mit den besten zusammen was die Bundesliga zu bieten hat und gegen die besten was Europa zu bieten hat. Und charakterlos (Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Jürgen Klinsmann, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Uli Hoeneß, Sebastian Deisler, Thomas Strunz, Giovanni Trappatoni, Mario Basler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Franck Ribery, Karl-Heinz Rummenigge… alle nur ein Schatten ihres Kontos?) ist der größte Quatsch. Die tollsten Eskapaden werden einem vom FC Bayern geliefert. Es ist nie langweilig. Ich will als Fan einen Uli Hoeneß, der vor dem ersten Spieltag ansagt: „Wir werden Meister!“ und keinen kleinlauten Hampelmann, der mit 10 Punkten Vorsprung bei noch 3 verbleibenden Spielen, den Underdog raushängen lässt (gesehen bei Klaus Allofs). Sekundärscharm. Bei Bayern gibt es kein verlogenes Rumgedruckse. „Ja… mmmh… wir müssen ja nicht… mmh… nu… ein Punkt reicht uns…

Jeder kennt einen, der aus der Klausur kommt und sagt: „das lief nicht gut, ich habe bestimmt eine 5.“ Er weiß es besser, du weißt es besser, aber keiner traut sich etwas zu sagen und später hat er eine 2. Es könnte ja anmaßend klingen. Uli Hoeneß kommt aus dieser Klausur und sagt: „ich habe gelernt, ich fand es leicht, alles unter einer 1 wäre eine Enttäuschung.“ Also, ich finde das besser so.


Die letzte Saison war im Grunde die beste Saison für mich als Bayernfan. Endlich zahlte sich meine jahrelange (25) Treue zum FC Bayern aus. Eine total verkorkste Saison. Endlich durfte ich mal lautstark zu meinem Verein halten ohne den Neid. Übrigens, Real Madrid finde ich ebenfalls klasse.

das neue, häßliche Gesicht des FC Bayern München