Sonntag, 23. Dezember 2007

4. Advent

"Ich kaufe ungern Toiletenpapier. Statt Toilettenpapier kaufe ich Haushaltspapier. Das schneide ich in der Mitte durch - die Verkäufer sollen nicht wissen, dass ich kacke." Phillipp Jessen

Das schönste an der Vorweihnachtszeit ist für mich nicht die gefühlsduselige Stimmung bei den Pärchen auf den Weihnachtsmärkten, sondern die Gelegenheit endlich Dinge zu kaufen, die mir zu kaufen den Rest des Jahres unangenehm ist. Man kann alles wie einen weihnachtlichen Geschenkekauf aussehen lassen. Die ehrlich gemeint, gut gelaunten Verkäuferinnen achten nur noch auf den Betrag, der auf der digitalen Kasse aufblinkt, anstatt auf die Produkte, die sie über den Scanner piepen lassen. Wenn man mal an Badezimmerutensilien denkt, wird jeder nachvollziehen können was ich meine. Badezimmerutensilien wie zum Beispiel: Kilometerweise Klopapier, Nasenhaarentferner, Antischuppenshampoo, Kokain, Enthaarungscreme oder so einen Stift, der die ergrauten Haare wieder schwarz glitzern lässt (benötigen tue ich davon natürlich nichts). Oder glaubt ihr wirklich, dass die zu Weihnachten verkauften KuschelRock CDs alle verschenkt werden?

Vorsichtshalber sollte man an der Kasse beim Kauf unangenehmer Dinge alle Register ziehen. Am besten zu zweit einkaufen und sich über die gelungene Geschenkidee unterhalten. „Mensch, der Glenrothes Whiskey ist ein richtig tolles Geschenk für den Opa.“
Dass man ein extravagantes Alkoholproblem hat (und wenn nötig noch direkt auf dem Parkplatz), davon ahnt die Verkäuferin nichts mehr. Ist man alleine, kann man nach der Umtauschgarantie fragen, klappt auch gut. Das schönste Lob für dieses Schmierentheater ist die Frage: „Soll ich es für Sie einpacken?“ In diesem Fall „Ja, bitte“ sagen und genießen.

Probiert es Montag mal aus und kauft euch alle einen Sitzkringel!

Freitag, 21. Dezember 2007

2012: The War for the Souls

„Und dann kam ihm dieser Gedanke – heute leben – auch schon wieder unwahr, ausgedacht, geheuchelt vor, schlicht deshalb, weil er ihn schon zu oft gedacht hatte.“ Moritz von Uslar

Jetzt haben sie mich alle vergessen. Innerhalb 48 Stunden keine einzige eMail im Posteingang. Noch nicht einmal eBay oder GMX 2.0, die einem etwas andrehen wollen. Hätte ich nicht soviel Schiss davor, dann würde ich die Spams durchlesen und beantworten.
Mein Handy klingelt seit Jahren nicht. Ich benutze es nur noch als Wecker und Uhr, weil ich keine Armbanduhren ausstehen kann. Früher hatte ich überhaupt keine Uhr bei mir. Notfalls habe ich einen Schokoriegel oder ein Bier im Supermarkt gekauft um auf dem Kassenbon die Uhrzeit und das Datum zu erfahren. Es funktionierte prima. Freunde wohnen ein paar Straßen weiter. Aber das Wetter ist total beschissen und mir fällt auch kein Grund ein rüber zufahren. Ich kann ja schlecht klingeln und sagen: „Moin, ich langweile mich zu Tode. Kann ich mich bei euch hinsetzen und einfach nur teilhaben?“ Denen geht es ja nicht anders. Nur haben die Familien und langweilen sich, auf lange Sicht gesehen, im großen Stil. Dennoch haben die ihre Schäfchen im trockenen, die brauchen sich nichts mehr zu beweisen. Und schon gar nicht vor mir.

Ideal wäre es sich zu verlieben. Auf die schnelle. Express quasi. Das große Gefühl fordern und wenn es nur für ein paar Monate ist. Sich irgendwie in den Frühling retten. Aus der einen, großen Liebe wird wohl nichts mehr. Nicht mit 30. Da fangen alle an sich zu arrangieren, nennen das nur anders. Wenn mit der Liebe erstmal nichts wird, dann stirbt vielleicht einer aus dem Bekanntenkreis? Das wäre wenigstens mal ein handfester Grund zum jammern und gequält aus der Wäsche gucken. Böser Gedanke. Aber anders kommt man ja nicht an die großen Emotionen, die mich noch mal fordern würden, ran. Dem ungeachtet ist es eine gute Erklärung, warum man sich so benimmt wie ich es tue. Das ist wohl eines dieser Dinge, die man noch nicht einmal denken darf. Sich geistig darauf vorzubereiten kann trotzdem nicht schaden… Wieder Fernsehen. Wenn man all diese übertrieben glücklichen und unglücklichen Menschen im Fernsehen sieht, da kann man schon neidisch werden…

Ich gehe ins Badezimmer und schaue in den Spiegel. Vielleicht ist ja noch irgendetwas zu machen? Ne, schon alles erledigt. Vielleicht eine Veränderung? Eine Narbe an der Stirn mit der dazugehörigen Piratengeschichte? Oder noch einmal duschen? Wenn ich so auf meine schrumpeligen Fingerkuppen schaue, würde ich sagen, zuviel ist auch nicht gut. Ich könnte wieder Depressiv werden… aber das habe ich abgelegt als es Trend wurde. Essen kann man stattdessen immer.

Um Bücher zu lesen muss man sie ja erstmal haben. Das ist mit Musik einfacher, die gibt es im Internet auf Abruf. Ich lese Comics. Gute Geschichten und total unbegreiflich für mich wie man so zeichnen kann. Wenn ich ein Talent hätte, dann könnte ich mir das in den Hinterkopf packen und an harten Zeiten einfach denken: "Ich habe ja noch mein Talent“.
Wäre ich krank, dürfte die Zeit ruhig weiterlaufen. Es gibt mittlerweile für jedes Verhalten eine passende Krankheit. Alles ist Normal und total out. Das beruhigt mich. Der einzige Unterschied liegt darin, ob du mit deinem Verhalten alleine da stehst oder ob du viele Leidensgenossen hast. Zum Beispiel das Boreout Syndrom. Das Gegenteil vom Burnout Syndrom. Langeweile auf und bei der Arbeit. So oder so, du bist Krank. In Amerika hat jeder einen Therapeuten. Ich habe noch nicht einmal einen Hausarzt. Natürlich habe ich einen, der wechselt aber jedes Mal mit der Schwere der Krankheit. So weiß ich nie was ich in der Praxis auf die Frage: „und wer ist ihr Hausarzt?“ antworten soll
Im Kino läuft Spiderman 5. Alleine ins Kino? Wenn ich mir einen bunten Schal anziehe, denkt die Kartenfrau bestimmt ich sei Filmkritiker oder -Student. Vorsichtshalber könnte ich auch beim bezahlen das Handy aus der Tasche ziehen und deutlich vor mir hinbrabbeln: „Oh, sie sitzt schon drinnen.“ Und dann noch einen großen Eimer Popcorn kaufen. Unmöglich, dass ich den alleine essen werde. Das könnte ich machen. Oder ich setze mich vor den Rechner und spreche ein paar Bekanntschaften im Chat an. Online sind genug. Ach, dieses scheiß „sichzuerstmelden“, den ersten Schritt machen, stehe ich nicht durch. Dann diese Machtkämpfe, wer braucht wen am wenigsten? Die anderen tun so beschäftigt und nach zwei Stunden chatten kam nichts rum. Doch, 24 weniger 2. Das lohnt nicht. Man fühlt sich so abhängig und unterwürfig den anderen gegenüber. Wenn ich mir versuche vorzustellen, wie die vor ihren Rechnern aussehen, dann sehe ich nur gelbe Smily Gesichter. Versuche ich mir vorzustellen was diese Smilys gerade machen, sind sie alle anderweitig beschäftigt. Ich bin der einzige, der wirklich auf eine, noch so lakonische, Antwort wartet. Nur um dann seitenweise zurück zuschreiben. Und plötzlich heißt es: Tschüß, ich treffe mich noch mit dem und dem… Scheiße. Was für ein Theater.

Ich mache mir keine Sorgen. Als Kind habe ich mir immer gedacht: Junge, egal was aus dir wird, Michael Jackson stirbt früher. So langsam brauche ich einen Plan B…

Sonntag, 16. Dezember 2007

3. Advent

"Tinkel`s Weihnachtbäume. Blaufichte, Serbische Fichte, Nordmannstanne. Frisch geschlagen." Schild

Tinkel`s Bauwagen.

Wir haben bei uns im Dorf einen Weihnachtsbaumverkauf. Um an die Bäume zu kommen, muss man über den Hof und durch die Scheune von Tinkel latschen. Hinter der Scheune steht ein kleiner Bauwagen mit Platz für 5-6 Personen. Von dort aus steuert Tinkel das weltweite Weihnachtsbaumgeschäft. In diesem Bauwagen stehen ein Ofen und ein Radio. Früher, leider ist auch diese Tradition abgerissen, sind wir bei aufsteigendem Rauch rüber zu Tinkel gegangen und haben ihm Gesellschaft geleistet. Wir haben Spekulatius gegessen und seinen Glühwein, mit gutem Hansen Rum verfeinert, weg getrunken. Über die ganze Zeit habe ich nie einen einzigen Kunden dort gesehen. In dem Bauwagen war dennoch reger Betrieb. Leute kamen und torkelten wieder nach Hause. Nicht jeder war den drei Stufen aus dem Bauwagen, runter zum rettenden Boden, gewachsen. Ich selbst kam nicht selten mit rot eingefärbten Hosen nach Hause. Ständig fragte Tinkel uns: „Sag mal, habt ihr eigentlich schon einen Weihnachtsbaum?“ Natürlich hatten wir bereits einen Weihnachtsbaum. Einen großen. Vor dieser Investition war es verheerend zu Tinkel zu fahren. Er hätte einem ohne weiteres so eine Tanne auf den Gepäckträger gespannt. Geschäftsmann durch und durch. Gerne hätte ich es mal gesehen, wie einer von uns betrunken in diese Baumeinnetzmaschine fällt. Nur gibt es dort keine… Schade.

Ihr fragt euch was der hier für eine Scheiße schreibt? so ganz ohne moralischen Hintergrund, weihnachtlichen Kitsch, erhobenen Zeigefinger, Pointe oder einen lehrreichen Aspekt für die Kinder. Immer nur saufen, saufen, saufen! Früher, früher, früher! Drei Mal das Wort Weihnachtsbaum benutzt und schon gut genug für die Massen. Ich finde diese fünf Minuten Text spiegeln ganz gut den 3. Advent wieder. Noch kam nicht viel rüber vom Weihnachtswahn. Schönen 3. Advent wünsche ich trotzdem und die Weihnachtskalender nicht über Heizungskörper und Kommoden hängen. Viel zu schnell rutscht da beim Türchen öffnen so ein kleines Schokoladenstücken hinter und ist weg.

Sonntag, 9. Dezember 2007

2. Advent

„Weihnachten als Überforderung: Erwartungen an die Familienharmonie, an Ruhe, Entspannung oder Festlichkeit, treffen auf Küchendienst, verunglückte Geschenke, das zweifellos vergebliche Bemühen, es allen recht zu machen, den kaum unterdrückbaren Wunsch nach einer Art Weihnachtsglücks-Empfinden der Kindheit.
Das alles ist wohl eine schlichte Überforderung für einen Durchschnittsmenschen.“ Dorothee Hess-Maier

Ich habe keine Ahnung wie es sich etablieren konnte. Ich weiß auch nur noch lückenhaft wie es anfing. Wir waren in einem Alter, indem wir Heilig Abend nicht mehr unbedingt mit unseren Familien verbringen mussten. Zur Kirche gingen wir auch nur am 24. Dezember. Die Vorstellung, die sehen uns erst in einem Jahr wieder, war in einem Dorf natürlich hinfällig.

Ich möchte Vorausschicken, dass mir die Nummer im Nachhinein doch recht asozial vorkommt und ich es heute nicht mehr begrüßen würde. Selbst dann nicht, wenn die anderen versuchen würden mich zu überreden.

Vor dem Gottesdienst haben Freunde von mir und ich einen Kasten Bier hinter der, sich vor der Kirche befindlichen, Bushaltestelle verschanzt. Wir sind jedes Jahr auffällig früh durch das Dorf Richtung Kirchturm marschiert. Ich weiß nicht was der Rest dachte, für mich sollte jedenfalls ein vorbildlicher Eindruck entstehen. Wir setzten uns also in die Bushaltestelle, tranken Bier, überlegten was am Abend noch so geht und grüßten die anderen Kirchenbesucher. Das eigentlich Schlimme war, dass die Familien, die uns ja alle sehr gut kannten, zurückgrüßten. Welche haben sich sogar auf dem Weg zur Kirche, vorbei an uns, überlegt was sie witziges sagen könnten. Hat es geschneit, kam man sich vor wie in Finnland. Dass wir dann in der überfüllten Kirche nur noch ganz hinten Platz nehmen konnten, hat uns nicht weiter gestört. Dafür hat jeder von uns mitgesungen!

Ein Jahr haben wir vergessen die Kiste bereitzustellen. In diesem Jahr sind wir mit einem randvoll mit Bierflaschen gefüllten, blauen Eimer losgetigert. Das war auch das letzte Mal gewesen. So sterben Traditionen aus.

Sonntag, 2. Dezember 2007

1. Advent


"Vergeßt nicht, Kinder, daß es auch heute noch Menschen unter uns gibt, die ihre Weihnachtslieder selbst singen müssen." Sinnspruch

Es war in der Adventszeit vor sechs Jahren. Ich saß in meinem Zeichnerbüro, das ich mit meiner ebenfalls auszubildenden, amerikanischen Kollegin teilte. Damals hatte ich die Lust an Weihnachten bereits verloren. Ich war in der Ausbildung, habe mein eigenes Geld verdie... bekommen und bin von der Rolle des Beschenkten in die Rolle des Schenkenden getrieben worden. Handschuhe und Schal waren wieder mal irgendwann zum Frühlingsanfang unauffindbar verschwunden, die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten turnte nur noch wenig an und man begann sich zu fragen, wer das eigentlich alles bezahlt. Es fiel nur selten Schnee und alles was liegen blieb war grauer Matsch. Bei uns zu Hause wurde, wie jedes Jahr, viel Stress ums Kekse backen, Fensterbilder basteln und Geschenke kaufen verbreitet. Am Arbeitsplatz war auch nichts von Weihnachtstimmung zu spüren. Kein alberner Adventskranz und auch kein Radio mit Last Christmas. Auf eigenen Wunsch. Ich zwang mich zur Vorfreude, indem ich an Weihnachtsgeld, gutes Essen, gute Filme, Urlaub und die Feten dachte. Damals besaß ich noch kein Jackson 5 Christmas Album, also sang ich selber:

„Weihnacht winkt, Batman stinkt
Robin legt ein Ei
das Batmobile taugt nicht viel
und der Joker, der ist frei. Hey“

Meine Kollegin schaute mich böse an. Das war nicht die Reaktion, die ich erwartet hatte.
Nie wieder sollte ich versuchen einen englischen Text so plump ins deutsche zu übersetzen. Selbst nicht, wenn es mir einigermaßen gelang. Ich entschuldigte mich damit, dass der Song von den Simpsons sei.
Sie rezitierte:

„Jingle Bells Batman smells
Robin lay an egg
The Batmobile lost a wheel
And the Joker runs away. Hey”

Das Original ist viel cooler und Live noch besser als auf CD! Selbst als Teenager habe ich solche dummen Sätze nicht gesagt. Aber gedacht habe ich es schon.

Dienstag, 27. November 2007

Trainerlehrgang feat. Jimmy Hendrik

„Da war nie etwas mit Drogen und wird auch nie etwas sein“ Christoph Daum

Im Trainerlehrgang wird nichts anderes vermittelt als die Umsetzung der aktuellen Spielsituation in eine für jeden verständliche Sprache. Kurze, laute Argumente. Nebensätze haben sich höchstens in der Taktikbesprechung vor dem Spiel verirrt. Ganze Sätze hört man dann nur noch in der Kabine. Die Sprache unserer Trainer. Der Schnack ist groß, der Schnack ist groß!

Direkt vom Taktiktisch:

Männer heute…
Wir haben heute einen großen Platz
Zeigt, dass ihr Fußball spielen könnt
Die Ecken mit halber Kraft
Sprecht miteinander
Die Bälle flach in den Fuß
Wir wollen da oben mitspielen
Ich will Spaßfußball sehen
Männer heute müssen wir umstellen
... soooo Männer…
Ball laufen lassen
Lasst die doch meckern wir sind ruhig
Das geht bei der Trainingsbeteiligung schon los…
Trinkt genug Wasser, es ist heiß
Das ist einfach so
Die sind hier heute nicht zum verlieren hergekommen
Wir haben heute da vorne starke Kopfballspieler
Wir können die da oben noch ärgern
Männer, wir haben es in der Hand heute
Da haben wir wieder das Dreieck
Wenn der geht, dann muss auch einer dafür hinten bleiben
Nutzt die Räume

In der Kabine schon etwas deutlicher:
Die Leute draußen sind alle heiß Männer
Unterschätz die nicht
Lasst die anderen meckern
Hart aber nicht unfair
Die können nicht mehr
Das Ding ist noch nicht gegessen
Wenn der Schiri gepfiffen hat ist ruhe
Macht euch richtig warm
Geht noch mal in euch
Habe ich kein Problem mit
Jeder rennt für den anderen
Der läuft sich auf der rechten Seite tot
Wir sind eine Starke Truppe
Macht die Wege für die anderen
Auch mal aus der zweiten Reihe versuchen ein Tor zu schießen
Ich habe kein Problem damit Jemanden nach 20 Minuten vom Platz zunehmen. Es sitzen starke Leute da draußen

Auf dem Platz:
Klare Dinger
Wenn hier einer meckert, dann bin ich das
War richtig
Kann passieren, nächstes Mal klappt das
Rüber schieben
Die Idee war gut
Nicht stehen bleiben
Stellen! STELLEN! STELLEEEEN! … Man, Man, Man…
Heise! MENSCH!!!
Mosert nicht rum
Versucht es mal aus 20 Metern
ABSCHLUSS suchen
Schießt ruhig mal
Versuch es!
Junge, du hast nen Schuss
Nicht zuschauen da
Guck dir das da mal genau an
Schiri, da steht er!

Hätten wir ein Phrasenschwein, würde es uns die schönsten Mannschaftsfahrten bescheren.
Auswendiglernen, an den Spielfeldrand treten und munter mitmachen. Passt immer.

Donnerstag, 22. November 2007

Tankstellen

”Some of the work gets kinda hard
This ain't no place to be if you planned on bein' a star
Let me tell you it's always cool
And the boss don't mind sometimes if you act the fool” Bruce Springsteen

Ich fahre nicht gerne an Tankstellen. Überraschung! Dabei meine ich nicht die viel zu hohen Preise, sondern mehr das Ambiente Tankstelle an sich. Ich habe erst nach einem Jahr Führerschein das erste Mal getankt. Es war einfach nie nötig. Bis heute habe ich die richtige Handhabung des Zapfhahns nicht verstanden. Drückt man zu fest, macht es klick und man muss neu ansetzen. Das soll ja gar nicht gut für die Umwelt sein, weil die entstehenden Dämpfe beim „Tickern“ nicht abgesaugt werden können… aha. Zu lasch gedrückt und man steht für einen Liter Super eine halbe Stunde an der Säule. Ich habe mal davon gehört, dass man den Hebel auch einhaken kann und dieser solange betankt, bis der Tank voll, das Portemonnaie leer ist. Den Versuch kann ich mir, im wahrsten Sinne des Wortes, sparen, bzw. nicht leisten. Es muss recht bescheuert aussehen, wenn ich tanke. Hausfrauen neben mir gehen weitaus geschickter mit der Anlage um als ich. Den Tankdeckel schließe ich nie ab. Ich bekomme es einfach nicht hin. Beim bezahlen dann werde ich hin und wieder mal gefragt, ob ich aus Versehen falsch getankt hätte. So erklären sich zumindest die Angestellten die geringe Füllmenge. Im Laden selber gibt es alles, was man an Sonntagen / Spieltagen benötigt. Nur kostet einem die exklusive Öffnungszeit auch 200% extra. Nirgends sonst wo bekommt man Lipton Ice Sparks oder Jack Daniels / Cola in 0,33l Dosen (4 €), einzelne Briefumschläge oder BIFI Carazza XXL.

Zum 24. Dezember hin werden wieder überteuerte Geschenkalternativen angeboten, die aufgrund dutzender möglicher Scheidungen am 25. Dezember wieder aus dem Sortiment verschwinden...

Mein persönlicher Alptraum ist aber die Autowaschanlage. Das darf man ja nicht mehr vor der eigenen Haustür erledigen. Umwelt und so. Als Kind fand ich es absolut cool durch die riesigen Bürsten chauffiert zu werden. So muss sich Marlon Brando am Waschtag fühlen.

Nervtötend sind nur der laute Staubsauger und das „Personal“. Diese beiden Eineurojobber haben eine so dermaßen nachfühlbare scheiß Laune, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme wenn ich im Auto von den Classic Soul Dogs – Car Wash aufdrehe. Der Mann mit dem Gartenschlauch in der Hand brüllt irgendetwas. Ich verstehe nichts. Das Fenster ist logischerweise unten, die Musik laut, der Motor soll an bleiben und im Hintergrund dröhnt immer noch der Staubsauger, weil ich zu viele 50 Cent Stücke eingeworfen habe. Was? Wo soll ich hinfahren? Weiter rechts? Aber warum winkt er dann links rüber? Einmal in der Waschanlage kann man nicht mehr viel falsch machen.

Auf der anderen Seite der WA ledert ein Schüler meine Karre ab. Dafür muss er die Türen öffnen, was dazu führt, dass er auch gleich den gesamten Inhalt des Türfaches wieder einräumen darf. Dem ist aber zum Glück alles egal. Fünf Euro zahlen, kein Trinkgeld und zusehen, dass man vom Hof kommt.

Mittwoch, 21. November 2007

Saturday Teenage Kick

„Go, Go, Go, Go,Go,Go,Go shawty
It's you're birthday
We gonna party like
It's you're birthday
We gonna sip Bacardi
Like It's you're birthday
And You know we don't give a Fuck
It's not you're birthday” 50 Cent

Ich gehöre zu denen, die zu einer House Party gehen, weil sie denken es handele sich um eine Haus-Party. So wie die Partys aus Menace II Society oder diversen Rap Videos. Nichts ist. Man bekommt die Ohren vollgedröhnt, von zugedröhnten Vollidioten, die Musik ist gar nicht mal gemeint. Und wenn man sich dann mal den einzigen guten House Song wünscht, kennt den keiner. Das ist denen auch egal was da läuft, mir im Grunde auch. Tschüß.

„Feierst du?“

„Nein, ich mache ein Sit-In.“

Wohl wahr, wohl wahr. Sit-In Partys gibt es nicht, da ist ein Wort zuviel.
Sit-In hat das gegenteilige Problem wie die House Partys. Dort muss zwangsläufig geredet werden. Das können alle. Aber unterhalten können nur die wenigsten. Irgendwann fällt den Gästen nichts mehr ein, wie einem Blogger, der drei Videos hintereinander Postet… Die Atmosphäre muss stimmen, man kann den anderen ja nicht ausweichen. Schnell steht jeder Satz schwer im Raum wie Tine Wittler. Sit-In ist vielleicht vorteilhaft, wenn man verschiedene Bekanntenkreise zusammenführen will. Gerne, aber was macht man die restlichen vier, fünf Stunden? Wenn mir eine gefällt, dann auch auf einer Party lauter lauter Betrunkenen. Außerdem setzt das Zusammensitzen auch eine gewisse soziale Intelligenz voraus, die ich nicht jedem zusprechen möchte. Im Hintergrund läuft meist feige Radio, entweder weil der eigene Musikgeschmack noch nicht einmal für den zwangsläufig eingeladenen Untermieter aus der Kellerwohnung reicht oder weil immerhin das Beste aus den 70ern, 80ern, 90ern und von heute gespielt wird. Kurz, man kann nichts für das Radioprogramm. Aber für den eingeschalteten Sender kann man schon etwas. Hört man einen Song das zweite Mal, sollte man gehen oder fahren. Was kein Problem nach einem Sit-In ist. Dennoch findet man mich dort. Ich unterhalte eben gerne.

Party Hopper sind Leute, die hier und da mal auftauchen. Sie sind nie alleine, weil einer alleine gar keine drei Partys wüsste, auf denen er an einem Abend auftauchen könnte. Es wäre auch eine sehr einsame Sache. Solche Menschen glauben wirklich, dass sich die Gastgeber freuen sie zu sehen. Auch wenn sie noch nicht einmal ihre Jacke ausziehen oder etwas mitgebracht haben. Sind ja eh gleich wieder weg. Auf ihren Touren durch die Dörfer und Diskos halten sie an jeder Bushaltestelle und schreiben mit Edding auf die Bänke: Ich war hier. Die sind das!

Für Studenten wie mich ist das „Vorsaufen“ zu einem unverzichtbaren Ritual geworden. Eine tolle alternative zum Geld ausgeben. Man sitzt mit fünf bis zehn Leuten in Zimmern und verhilft sich bei guter Musik (vielleicht das letzte Mal an diesem Abend) einen rein. Ab 23 Uhr wird an das weiterziehen gedacht. Die Stimmung, gemischt mit Vorfreude (Achtung: hier die Vorfreude nicht zu hoch ansetzen), ist erfahrungsgemäß so gut, dass man eigentlich auch bleiben könnte. In der Regel sind die besten Partys die, bei denen sich vorher getroffen wurde. Egal ob der Alkohol dort umsonst ist oder ein Vermögen kostet.

Sonntag, 18. November 2007

Geilomat feat. Frau Krüger

Wortkreationen, die ich nie wieder hören möchte:

spastisch - deutsch

Wunderbest - Wunderbar

Tippi Toppi - Okey

Okäse - Okey

Zwiebelringe - Zwillinge

Bis Baldrian - Bis bald

Alles Klärchen Bärchen - Alles klar Bär

Naturloch - Natürlich

Tel Aviv - C`est la vie

Kugelbär - Kugelschreiber

Zum Bleistift - Zum Beispiel

Na Bernd - Guten Abend

Bli - Ali

Schanke dön - Danke schön

Chillen - Hinsetzen, Schnauze halten

Regal - Egal

na sichi - mit Gewißheit

Funktionuckelt - Funktioniert

Bis dannemanski - Bis dann

Tschüsikowski - Tschüß

Schitte bön - Bitte schön

See you later Alligator - See you later alegater

Das darf nicht Warstein - Das darf nicht wahr sein

An und Pfirsich - an und für sich

Tschö mit ö - Tschüß

Schiss - Tschüß

Stück ein Rück - Rück ein Stück

The Artist formally known as Prince - Prince

Knoff Hoff - Know How

Hier sind die dazu passenden Sprüche, fertig für den Alltag.

Mittwoch, 7. November 2007

Stehst du noch oder lebst du schon?

„Genauso, genauso, genauso sieht das aus“ Dendemann

"All the Things she said running through my Head, this is not enough" TaTu

„100 Leute haben wir gefragt, was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen“ Werner Schulze-Erdel

Was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen?

Guthaben…….100

Ne, so leicht ist es womöglich nicht. Diese Frage beschäftigt mich seit Monaten, fast solange wie dieser Blog. Gestellt bekam ich die Frage auch nicht von Manuel Andracks ehemaligen Schützling Werner Schulze - Erdel, sondern von einer völlig geistlosen Bekannten. Sie behauptete indirekt, dass ich nicht mit beiden Beinen im Leben stehen würde. Was soll ich da auch? Da sind doch schon alle anderen!

Es war mehr eine hilflose Abwehrreaktion ihrerseits als eine wirkliche Feststellung. Aber deshalb ist die Frage nach der Bedeutung nicht belangloser. Was könnte den Eindruck hinterlassen, ich wäre ein „Hans Gaffindieluft“? ein wirklichkeitsferner Mensch? Ein Hippie? Und was ist der Umkehrschluss? In Kontaktanzeigen ist es oft ein wichtiges Attribut mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Die Frage beinhaltet Stillstand, wirkt spießig und meint es wahrscheinlich auch genauso…

Was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen?

Als erstes denke ich daran, dass es einem scheiße gehen muss. Bemitleidenswert, wirklicher und näher kann das Leben nicht sein. Krankheit, Schulden, Existenzangst, Hartz IV, nicht vermittelbar, Der Staat schaut zu, wehe du lachst! Umschulungen, RTL2, Bus fahren. Da steht man nicht im Leben, man ist einbetoniert. Nein, das kann es nicht sein.

Was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen?

Weiß, Führerschein, durchschnittliches Abitur, danach Ausbildung, langweiliger Job, Vereinsmitglied, Rechnungen kommen, Volksbank oder Sparkasse, Soll, ein Partner, ein fester Partner, AOK, Wohnung, Auto, Urlaub, Deutsch Rock, Pizza, Tätowierung, Hilfiger Hemd… Nein, das ist zwar annährend normal aber klingt noch zu sehr nach „mit beiden Beinen durchs Leben gehen“.

Was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen?

Frau, Kinder, Familie oder Alimente, Deutsche Bank, Haben, Haus, Garten, Hund, Privatpatient, Combi, Rechnungen schreiben, Vereinsgründer, Restaurants, Camel Hemd, DSL 16.000, HDTV, iPhone… auch das nicht.

Was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen?

Eine Gegenbewegung zu alldem darstellen, was andere für „mit beiden Beinen im Leben stehen“ halten. Klingt mehr wie eine Ausrede, als nach einem Erklärungsversuch.

Was bedeutet es mit beiden Beinen im Leben zu stehen?

Zwei Beine und der Rest kommt von alleine, man muss es sich nur bewusst sein. Der Anteil deiner Sorgen sollte so groß sein, dass sich deine Bekannten noch darüber erkundigen, es ihnen aber nicht unangenehm ist, sich darüber zu unterhalten!