Mittwoch, 29. April 2009

Phrasenschwein

"zu wahr, um schön zu sein" Bastian Sick

Mal Hand aufs Herz, wer kennt schon die Bedeutung aller Sprichwörter, die im Alltag so kursieren? außer Pawel Gurasijewitsch. Ich persönlich kann die Bedeutung nur erahnen und den Hintergrund, sowie den Ursprung nur raten.

Redewendungen sind mir oft ein totales Rätsel. Aus dem Kontext kann man sich denken was gemeint ist, aber wieso?

„Da lasse ich mich nicht hinter die Fichte führen“ ist einer der wenigen Aussprüche, die ich von der Bedeutung her gut nachvollziehen kann. Böse Männer verstecken sich gerne hinter Fichten. Alles klar und dann wird man über den Tisch gezogen.
"Das stinkt wie ein Iltis". Bitte was ist ein Iltis und wie genau riecht so ein Tier? war das Stinktier nicht mehr interessant genug?
„Klappe zu, Affe tot“ verstehe ich nicht. Klingt für mich wie ein missglückter Kinderreim eines besoffenen Vierjährigen. Bedeuten soll es wohl „Schluss aus vorbei!“ Warum weiß ich nicht! Weiß Niemand. Benutzen tue ich es deshalb nie, verbreiten schon!
„Da beißt die Maus kein Faden ab“. Beißen Mäuse gerne Fäden ab? Noch nie was davon gehört und was soll das Fäden abbeißen Bewirken, das dieser Spruch so alltagstauglich ist. Angeblich.
Aus zusammenhängenden Sätzen kann man raushören, dass damit wohl „nicht kleinlich sein“ gemeint ist. Der Zusammenhang erschließt sich mir aber nicht. Bisher dachte ich auch, dass aus Böhmischen Dörfern die Musik käme. Schließlich sang einst Peter Alexander „Aus Böhmen kommt die Musik“. Trugschluss.
Mit dutzenden Redewendungen kann ich nichts anfangen und wenn ich diese bei meinem Gegenüber hinterfrage, muss ich feststellen, alleine bin ich damit nicht.

Sprichwörter verhalten sich ähnlich. Obwohl ich darin sicherer bin, könnte ich nicht immer die Hintergründe der einzelnen Sprichwörter wiedergeben. Dafür sind wiederum viele Selbsterklärend. „Den letzten beißen die Hunde“. Klarer Fall und empirisch nachgewiesen.
"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Nachzuvollziehen beim ersten Gedanken. Was aber nur wenige wissen, ist, dass das Sprichwort auf zwei Schneider beruht. Der eine namens Sommer, produzierte qualitativ Hochwertige Kleider und die Konkurrentin Schwalbe setzte auf Quantität. So machte eben eine Schwalbe noch keinen Sommer. Funktionierte für mich mit dem Vogel und der Jahreszeit auch ganz gut bisher.
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“. Das wird sich Isaac Newton auch gedacht haben, hat aber was mit der Genealogie zu tun. „Ich stand auf Messers Schneide“ (Ullstein Tb. 43204, Berlin, 2004) von Pawel Gurasijewitsch ist ein Buch das sich hiermit beschäftigt. Die perfekte Lokuslektüre. Gelesen habe ich es allerdings noch nicht.

Ich finde es ganz witzig Sprichwörter zu mixen. Beispiel: Ein geschenkter Gaul springt nur so hoch wie er muss! Absolut schlüssig. Auch gut, aber leider nicht von mir: Zeit ist Gold!
Ob Zeit nun Geld oder Gold ist, ist ja inhaltlich egal. Meinetwegen kann Morgenstund auch Geld im Mund haben! Put your Money where your Mouth is… Morgenstund!
Besonders schön ist es, wenn man dabei klugscheißerisch korrigiert wird.

PS: Ich sehe gerade, die Jungs von Ravensburger hatten die Idee schon... schau!
PPS: "Spieldauer: 15-20 min", so ein Quatsch, wohl eher 15-20 Jahre!
PPPS: "Speziell für Menschen ab 50 Jahren", der Grund steht oben

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