Mittwoch, 27. August 2008

Vasektomie

Ich habe mich über den Nachmittag ins Bett gelegt, um etwas Schlaf nachzuholen. Nebenbei habe ich den Fernseher laufen lassen, ein probates Schlafmittel. RTL glaube ich. Im Halbschlaf bekam ich eine Sendung über eine der weit verbreiteten Unterschichtenbanden, Teenie Familien, mit. Ein Baby heulte lautstark die gesamte Sendung durch und was machen die 16 jährigen Eltern in so einem Fall? Wäre das eine Kriminalserie gewesen, wäre es schnell wieder ruhig geworden, aber es schien sich um eine Dokumentation zuhandeln. Die Eltern schreien sich gegenseitig an. Ich war so dermaßen genervt, es fehlte nur noch das Geschnorre der Katze aus der Whiskas Werbung und ich hätte den Fernseher aus dem Fenster geworfen. Ein Tag später lag ich im Bett und schlafe so vor mich hin, das Fenster war geöffnet, da schreit eins der kleinen Nachbarskinder rum…

HAAALLOOO ICH HABE MICH AUSGESPERRT JAAAAN MACH MA DIE TÜR AUF EEEEYY EEEEYY JAAAAN JAAAAN JAAAAAN EEEEYYY EEEEYYYY MACH MA DAS FENSTER AUF (nervt schon etwas) JAAAN JAAAN EEYYY ICH VERSTEH DICH NICHT SAG MAL LAUTER WAAAAS WAAAAAS WAAAAS JAAAN MACH DOCH MAL DAS FENSTER AUF ICH SPIEL AUCH MIT DIR EEEYYY JAAAAN ICH HABE MICH AUSGESPERRT WAAAAS JETZT MACH DOCH MAL DAS FENSTER AUF (was würde Klaus Kinski jetzt tun? er würde wahrscheinlich mit dem Kind das Fenster einschmeißen). Irgendwann habe ich mein Fenster vom Bett aus zubekommen und morgen mache ich deren Trampolin kaputt und übermorgen ist das Planschbecken dran.

Mittwoch, 13. August 2008

Sie nannten ihn Mücke

„gerade eben zum Beispiel saust eine Mücke
ständig um mein Ohr. Ich grüße nett und fragte, mein
Freund, was hast du vor?“ Dendemann
Neben den Delphinen und manchen Menschen sind Mücken die intelligentesten Lebewesen.
Sie halten mich jetzt schon den gesamten Sommer wach. Durch eins der beiden Fenster oder durch die Zimmertür dringen sie unbemerkt im Gleitflug in mein Territorium ein. Der Grund könnten die hier vorherrschenden tropischen Temperaturen sein. Auf jeden Fall ist es nicht das Licht. Das ist ein Ammenmärchen um kleinen Kinder Angst zumachen, damit sie schön nachts das Licht auslassen. Sobald aber das Licht aus ist und die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, hört man automatisch genauer hin. Man hört immer nur eine Mücke, obwohl dutzende an den Wänden lauern. Sie fliegt provokant über das freie Ohr hinweg, wohl wissend, dass wenn man zuschlägt erstmal taub ist und mit dem Gleichgewicht zu kämpfen hat. Ich warte also bis das Summen verstummt und schätze Richtung und Entfernung ab. Der Lichtschalter befindet sich natürlich in Reichweite neben dem Bett. Die Leuchten sind so ausgerichtet, dass Mücken an den weißen, schrägen Wänden lange Schatten werfen. Streiflicht. Die Mücke sitzt genau hinter dem Kopfkissen am Bettende. Ihre Kollegen haben sich alle auf die einzige schwarze Wand gesetzt oder auf das schwarze Ché Poster (keines mit einer Aufnahme von Alberto Diaz Corda), das da schon viel zu lange hängt. Stehe ich, mit einer BILD Zeitung bewaffnet, vom Bett auf, knarrt dieses mehr als eine Kellertreppe in einem Horrorfilm. Die sensible Mücke hört das Knarren und fliegt weiter. Nicht weg. Ja, Mücken können hören. Sie sehen auch wenn ein Schatten auf sie fällt und machen sich aus dem reichlich vorhandenen Staub. Ich habe es auch schon mit diesen blauen -Mückenbruzzler- Licht versucht. Es bringt nichts, es macht nur blaues Licht, wie Rambo sagen würde. Außerdem kann ich die Brutzellaternen bei mir nirgends aufhängen, also stehen sie auf einem Möbel in einer eher geringen Höhe. Dieses geile, befriedigende Geräusch, wenn eine Mücke verbrutzelt, habe ich noch nie live gehört. Genauso wenig hätte ich gedacht, dass ich dreimal in einer Woche im Blog das Wort Mückenbruzzler unterbringen kann. Wie gesagt, die Mücken scheißen auf das Licht. Sie agieren nur im Schutze der Dunkelheit.
Was machen die Mücken eigentlich in meinem Zimmer? Blutsaugen, das ist ihre einzige Passion! Im Gegensatz zu mir, wissen sie wie sie sich die Zeit vertreiben sollen bis die BILD Zeitung kommt und sie an die Wand klatscht. KRIEG steht auf der ersten Seite, habe ich mir extra gekauft.

Donnerstag, 7. August 2008

Fishing for... Nothing

„Na na na na na ANGELN!“ Homer Simpsons

„Meinetwegen können wir die Angel auch vom Balkon runter halten, Hauptsache es wird gesoffen.“ Herbert Knebel

Gib einem Mann einen Fisch und er hat für einen Tag etwas zu essen. Bring ihm das Angeln bei und du ernährst ihn ein ganzes Leben lang. Von wegen! Ich hätte lieber den Fisch gehabt! Mittwoch waren Fabian und der Mann mit dem Cowboy Kumpel Namen Danny am See angeln. Auf Friedfisch und Raubfisch. Ich habe nicht die große Ahnung von angeln, fasse auch nicht gerne Regenwürmer, Maden oder Fische an, aber ich bin sehr gerne dabei, wenn andere angeln und den Profischnack an den Tag legen und Rumphilosophieren. Alleine das Zeugs zum anfüttern der Fische ist so raffiniert, da kannste eine eigene Sendung auf DMax draus machen. Ich sage nur Vanille Zucker und Frolic. Mittels Schlauchboot und Echolot wurde erst die Tiefe des Sees und das Vorhandensein der Fische ermittelt. Dann nach Gefühl Fischpampe aus Sägemehl oder so ins Wasser geschleudert. Nichts passiert. Fünf Angeln werden ans Wasser gestellt. Auf Aal und Hecht und wie sie alle heißen und beißen. Diese Hightech Angeln haben akustische Signale (von Glöckchen bis Laser) an der Schnur befestigt, sodass man nicht mehr zu gucken braucht. Nur hinhören. Es wird gegrillt und Feuer gemacht.
Fische sind verflucht gerissene Viecher. Die hören alles, sehen alles und wissen angeblich im Voraus was wir planen! Aber warum sollte auch bei einem so großen See der Fisch ausgerechnet an den einen Wurm rangehen? Angeln ist ein Geduldssport, kommentiert Danny meinen, wie ich finde, berechtigten Einwand. Bis 7 Uhr morgens beißt nichts an, es schwimmt noch nicht einmal ein orientierungsloser Fisch gegen die Schnur, damit mal ein bisschen Action aufkommt. Es muss am Gewässer liegen! Zwischendurch schlafe ich am Feuer ein. Als ich wieder aufwache ist es hell. Kein einziger Fisch hat angebissen! Ist ja auch egal, wir haben einen ganzen Kasten und anderen Krams geleert und somit zumindestens eine Erwartung erfüllt.

Nächstes Mal wird mit einem Mückenbruzzler angefüttert, das zeigen die dann bestimmt auf DMax.

Warum bin ich so Frolic? Seehundköder

Feuerstuhl

Rock the Boat

Köder und Angel

hat alles nichts gebracht

Donnerstag, 17. Juli 2008

1000 Fragen

"No Questions, Please - Bitte nicht quetschen" Otto Waalkes

„1000 Fragen über Fragen, Fragen, doch die Lösung ist das nicht“ J-Luv

Wenn fragen etwas kosten würde, dann wäre ich reich.
Am Tag werden mir hunderte von Fragen gestellt. Es sind nie gute Fragen dabei, also Fragen über die man nachdenken müsste, Fragen, bei denen man sich fragt: „wieso habe ich mir das selber noch nie gefragt?“ Viele Fragen sind rhetorischer Natur, also überflüssig. Selbst wenn man diese Fragen provokativ so dermaßen falsch beantwortet, merken die Fragensteller gar nicht wie dämlich dieses Stilmittel von ihnen ist. „Wie geht es Dir?“ Ist mindestens so ernst gemeint wie eine Flasche Strothmann Weizen Korn als Geburtstagsgeschenk. Wenn man aber auf diese Frage nach dem Wohlbefinden mit „Total beschissen, vor mir tut sich die Hölle auf“ antwortet, kann man richtig die ansteigende Panik in den Augen seines Gegenübers erkennen - Der will mir doch jetzt nicht wirklich ein Gespräch aufdrängen und dann noch ein so ernstes…? steht da in den Augen. Es gibt Eisbrecher Fragen, die sich vom Inhalt her selbst beantworten, trotzdem fällt meine Antwort so dermaßen überschwänglich, übertrieben interessiert aus, als arbeitete ich bei der Kundenbetreuung eines Koks Barons.
Der fragt nie wieder nach der Uhrzeit.

Die fünf W-Fragen höre ich jeden Tag mehrmals. Nicht W für Weltfragen, sondern Wo, Wann, Wieso, Weshalb, Warum wer nicht fragt bleibt zwar dumm, ist mir aber tendenziell sympathischer. Wo willst du hin? Und warum? Und wann kommst du wieder? Und was willst du denn hier? Es kann unmöglich daran liegen, dass ich zuwenig von mir erzähle.

Ich werde ständig irgendeinen Quatsch gefragt und oft sind das Fragen nach meiner Meinung. Dabei habe ich immer die juristische Belehrung im Hinterkopf: Alles was sie sagen kann und WIRD gegen sie verwendet werden. Wie bei einem Verhör. Bei so einem Kreuzverhör, welches mein Alltag ist, kommt man schnell auf die Idee sich was zu recht zu lügen. Beängstigend wie diese Übertreibungen ihre Kreise ziehen. In die kleinste Ecke gelangt das. Nervösere Menschen könnten da schnell paranoid werden. Wie Wiglaf Droste schon auf Götz Alsmanns Ausspruch „Das ist ja eine unglaubliche Geschichte“, mit „Viel unglaublicher ist, dass es Menschen gibt, die das glauben“ entgegnete.

Natürlich gibt es auch alltagstaugliche Fragen und es kommt sogar mal vor, dass ich sie beantworten darf. Gute Konversation ist das stellen der richtigen Fragen. Wer sagte das noch mal? Fragen, die das Interesse an seinem Gegenüber durchschimmern lassen. Simpel aber effektiv sind: „Was hast Du heute vor?“; „Woran denkst du gerade?“; „Hast Du auch so einen Durst?“ Diese Fragen wären dann auch kostenlos, alles andere kostet ab jetzt einen Euro. Ob nun 1.000.000 nervige Fragen oder 15 richtige Antworten sind angesichts der Million dann auch egal.

Die häufigste Frage lautet übrigens: Hä?

Mittwoch, 16. Juli 2008

Schnapsöl

„Ich war immer nur der stärkste in der Schule“ Klaus Vogel

„Now throw your hands in the air
And wave 'em like you just don't care” Outkast

“Der schlechteste Abi-Schnitt bringt die Party mit und führt alle auf das Glatteis wie Kati Witt” Dendemann

Mit der Schule hatte ich nie sonderlich Probleme. Okey, zugegeben, ich habe mich den ganz großen Herausforderungen auch nicht immer gestellt. Ich saß rum, habe auf Stichwörter für meine halbwegs qualifizierten Zwischenrufer geachtet und habe geschmollt, wenn jemand schneller war als ich. Was dank jahrelanger Übung sehr selten vorkam. Schriftlich hatte ich halt so meine Stärken und Schwächen. Wie wohl jeder. Der Schlüssel zu guten Noten war damals „die mündliche Beteiligung“. Es gab Lehrer, die haben die aktive Unterrichtsbeteiligung tatsächlich zu 50 oder mehr Prozent in ihre Bewertung mit einfließen lassen. Wie Naiv. Konzentriert an die Tafel starren kann schließlich jeder und wie man so viele „Melder“ wie möglich auf seine Habenseite verbuchte, hatte man auch schnell raus.

Für alle jüngeren, die das hier lesen und die Schulbank drücken dürfen: Der Melde Guide!
Grundsätzlich sollte man sich auch immer melden wenn man schon etwas weiß. Soviel zum Handwerk, die Kunst ist es sich zu melden, wenn man nichts weiß.

  • Wenn eine Frage gestellt wird, die mehrere Antwortmöglichkeit bietet, nervige Aufzählungen oder so, dann sollte man zusehen, dass man als erstes drankommt. Die häufig lasche Einstellung der meisten Mitschüler hilft dabei. War man einmal dran, wird sich zwecks Nennung einer weiteren alternativ Antwort gemeldet. Diesmal nur etwas aufdringlicher, aufgestützt oder schnippend. Das wird nicht gerne gesehen und disqualifiziert Dich für eine weitere Antwort. Wichtig ist, dass sich mindestens ein weiterer, noch nicht drangenommener Mitschüler, ebenfalls meldet. Die angelernte Gleichberechtigung der Lehrer verbietet es ihnen Dich wieder zu nehmen, bevor nicht andere ihre Chance erhielten. Im Hinterkopf bleiben aber deine „Bemühungen“.
  • Bei Fifty / Fifty Antworten, Ja / Nein Fragen immer melden, auch bei völliger Ahnungslosigkeit. Sollte man drankommen, ist es wichtig total seriös, ruhig und selbstsicher zu antworten. Es darf sich nicht wie eine Entscheidung anhören. Ist die Antwort richtig, heimlich feiern. Ist die Antwort falsch: skeptisch gucken. Fifty / Fifty Fragen sind Geschenke. Man muss nur mitzählen, wie oft man bei welchem Lehrer bereits falsch lag.
  • Bei leichten Fragen, bei denen sich eh mehrere melden, schon alleine um sich nicht zu blamieren, sich ruhig schön nervig anbiedern. „Nehmen sie mich! Ich weiß alles, ich bin sooo klug!“ Für diese Nummer wird man nie aufgerufen, aber es wertet die Leistung der anderen ab. Der Lehrer kann ja selber einschätzen wie schwierig die Frage war.
  • Das Gegenteil sind die Monsterfragen, bei denen, wenn überhaupt, die Finger sehr langsam hochgehen. Sollte man die Antwort wissen, nicht melden, sondern ganz lässig ausplaudern. Reaktion vom Lehrer: richtig, wäre aber schön gewesen, wenn Du Dich auch gemeldet hättest. Wenn man so etwas schon weiß, dann sollte man sich auch zu cool zum melden fühlen. Lenkt außerdem vom Streberimage ab. Die Pluspunkte bekommt man eh, dafür ist der Lehrer zu sehr Profi.
  • Akustisches Melden    kam irgendwann so in der 10. Klasse bei mir auf. Man macht das Geräusch eines Buzzers nach oder das eines Tieres. So wie man das von Otto Waalkes kennt, wenn er eine Rufumleitung oder ähnliches simuliert. Es hat sich leider nicht durchgesetzt. Ebenfalls nicht durchgesetzt hat es sich, den Tischnachbarn zu kneifen, dieser ruft „Aua“, der Lehrer schaut, sagt deinen Namen und du beantwortest schnell die Frage. Genial sollte man meinen, wurde aber irgendwie oft fehlinterpretiert.
  • Im Studium wird Lehrern erzählt, die Schüler sollten die Antworten selber erarbeiten, also raten bis es stimmt. Egal ob man sich sicher ist oder nicht, hier ist wichtig irgendetwas rein zu rufen, damit der eh schon langweilige Unterricht nicht, wie NEO im minder langweiligen Film Matrix 3, in einem Zeittunnel stecken bleibt. Schnellraterunde heißt das auf   9Live. Der Scheiß nimmt kein Ende, bevor nicht die richtige Antwort genannt wurde.
  • Manchmal wollen Lehrer einem Schüler mit besonders niedrigen oder hohen Zahle Schocken. Sie stellen eine rhetorische Frage, was man denn annehme wie viel oder wie wenig etwas sei. Man kann ja ungefähr einschätzen in welcher Dimension sich die Antwort abspielt und übertreibt völlig, indem man diese mal 1000 nimmt.
Frage: „Was meint ihr denn, wie viel CO2 der Deutsche im Jahr produziert?“ (ca. 10 Tonnen)
Antwort [exorbitant enthusiastisch]: „Zehntausend Tonnen!“
Nach der Korrektur durch den Lehrer ein enttäuschtes „tzz“ von sich geben.
Die überdimensional falsche Zahl hat den Reiz schon vorweggenommen, der geplante „Uih-Effekt“ bleibt aus. Was das bringen soll weiß ich nicht, mich hat es aber immer beruhigt, wenn der Lehrer wusste, dass ich ihn nicht ernst nehme.
Epilog

Diese Tipps verbessern die mündliche Beteiligung locker um eine Note und wenn nicht, dann bleiben ja noch das Hausaufgabenheft und die Mappenführung. Anstatt farblich abgestimmter Mappen aus umweltfreundlicher Pappe, hatte ich immer nur einen einzigen voll geschriebenen College Block. Einen Block für alle Fächer sozusagen und Lee Majors sang die Titelmelodie. Nicht. Die Seiten blieben schön im Ringordner. Waren die ersten 80 Blatt voll gemaltschrieben, wurden sich neue Blätter, unter Androhung dies sei jetzt aber wirklich das aller letzte Blatt das man sich leihen könnte, geschnorrt. Hier konnte ich endlich mit den Tiergeräuschen trumpfen. Hieß es dann bei der Mappenabgabe: „Gebt bitte die Mappen ab.“, habe ich mit Edding (war damals zurecht im Unterricht wegen Schnüffellei verboten) auf den überquellenden Block fett DIE MAPPEN geschrieben. Das wurde sogar stellenweise akzeptiert! Schließlich war ich so gut im Mündlichen, dass die Mappen eh nicht mehr ins Gewicht fielen. Dort wo das nicht der Fall war, hat das einzig attraktive Mädchen in der Klasse, die dazu noch gleichzeitig meine Tischnachbarin war, die Zettel nach Unterrichtsfächern sortiert und in meine leeren, echten Mappen weggeheftet! No Cadillac, no perms, you can't see, that I'm a motherfucking P-I-M-P.

Dienstag, 8. Juli 2008

Kraft mal Weg

"Ich guck noch mal in die Flasche wie spät das ist" Brösel

"Wenn Arbeit hier nicht Kraft mal Weg ist, widerleg es!
Denn als nächstes bewege ich Träges als wäre es Tetris" Aphroe

Im Oktober und November 2007 habe ich die Gelegenheit bekommen ein wenig Geld zu verdienen. Endlich wieder. Ausgemalt habe ich es mir schon... ich betrete die Bank und knall ein Bündel Scheine auf den Tresen. Daraus wurde zwar eher eine heimliche Überweisung vom Automaten aus, dennoch wurde ein Kasten Bier gekauft und angestoßen. Die Zahlungsmoral war gut und überschau - Bar. Schuldenfrei und Spaß dabei, trotzdem hatte ich daraufhin kein Geld zur Verfügung. Auch die Hoffnung, das Verschwinden des Solls schlägt sich positiv auf meine Gefühlslage nieder trat nicht ein. Ich habe wahrscheinlich nicht fest genug daran geglaubt.
Ich war Handlanger / Gerüstkellner und (Achtung Wortspiel) Bewehrungshelfer auf einem Bau. Einfamilienhaus. Wer jetzt schlimme Wortspiele erwartet (s.o) ist hier an der falschen Adresse. Wortspiele wie Mörtel Kombat oder Kalk Fiction sind gemeint. Ich arbeitete mit den Maurern zusammen. Nee, ich arbeitete für die Maurer. Maurer sind die Diven des Baus. Alles muss denen in die Hand gelegt werden. Nur das Bier holen sie sich hin und wieder selber. Ich brauchte nie auf die Uhr zu schauen, ich machte anhand der verbleibenden Bierflaschen im Kasten klar, wie lange noch gearbeitet wurde. Schön Kasten Herforder Handgranaten 27 Flaschen. Früher 30 Flaschen. Früher hätte ich länger arbeiten müssen. Ich selber trank nichts. Bei dem Tempo in den frühen Morgenstunden hätten die mich am Feierabend jedes Mal aus der Regenwassertonne fischen können. Der 11 Uhr Zug war mir ja bekannt, aber die eindutzend Sonderfahrten waren mir neu. Jedes Mal, wenn der Bauherr vorbeischaute, wurde der Ton etwas schärfer und man sollte plötzlich drei Dinge auf einmal erledigen, unter anderem die leeren Bierflachen einsammeln und verstecken. Dabei kam mir der Herr Bauherr überhaupt nicht streng oder wie ein Lehrer vor, eher sehr unentschlossen und unstetig. Ständig mussten Änderungen vorgenommen werden.
Alles hier, außer mir, hatte einen Kosenamen bekommen. Die große Steinsäge hieß zum Beispiel: „das Moped" und der Bolzenschneider hieß: „Mattenschere". Ich habe mir nicht alles merken können, aber Mörtel hieß jedenfalls: „Mucks".

- „Ma`ma Mucks!" hörte ich oft.

Egal voran ich drehte oder rüttelte, irgendwer drehte und rüttelte ein zweites Mal daran und sagte: „SO!" Das machte wenig Spaß. In den Pausen wurden Geschichten vom Bau erzählt. Von spektakulären Unfällen und unangekündigten Kontrollen vom zuständigen Amt war da die Rede. Es erinnerte stark an den Film „Was nicht passt, wird passend gemacht".
Ansonsten lallten (die Maurer), nuschelten (ich) wir herum und der Mischer knatterte so laut, dass ich mich nicht mehr denken hören konnte. Trotzdem verstanden sich alle offensichtlich prima.

- „Kannst... rüttel, schramm ...von draußen... Schepper, Schepper ...schnell holen?"
- „Yo!"

Ich hatte Blasen an den Füßen. Ich sollte öfters privat meine Arbeitsschuhe tragen und Frühaufstehen üben. Aber das Wetter war toll. Goldener Oktober

kaputt malocht

Die fünf wichtigsten Benimmregeln auf dem Bau:

- Nirgends anlehnen
- Mit einem gepressten „YO" antworten. Das klingt immer schwer beschäftigt.
- Hölzer, besser noch Metall, immer knallen oder scheppern lassen. Das klingt noch mehr nach Beschäftigung.
- Mittrinken
- Imperativ

Montag, 23. Juni 2008

Golden Girls & Boys

„Living my life like it´s golden“ Jill Scott

Vielleicht kommt das hier 40 Jahre zu früh oder wie im Falle der Rolling Stones auch 40 Jahre zu spät. Womit soll man sich beschäftigen, wenn man sich als Rentner mal langweiligen sollte. Im Garten stehen und Bäume fällen? Dann müsste ich jetzt schon mal anfangen welche zu pflanzen. Nur wo? Keine gute Idee, Garten an sich ist keine gute Idee. Rente wird es nicht geben, also bleibt eine kriminelle Laufbahn nicht aus. Von der Rentnergang habe ich ja bereits berichtet. Es darf sich übrigens beworben werden. Nörgelnde Opis, die mit Kissen auf der Fensterbank kopfüber aus dem Fenster lehnen und Autounfälle kommentieren, die sie kurz vorher selbst verursacht haben, nerven nur und rauchen anscheinend noch nicht genug, sonst wären sie keine Rentner geworden. Es Arthur Spooner gleich zutun ist eine tolle Alternative dazu. Andere gründen eine Zweitfamilie, aber das wird aufgrund des zu hohen Grundwasserspiegels in Niedersachsen nicht so einfach funktionieren.

Ich habe mir überlegt, im hohen Alter nur noch gut, also richtig gut, zu essen. Dann hat man auch die Zeit sich da rein zu lesen, bedacht einzukaufen, zu kochen und zu kauen. Essen wird zum Mittelpunkt werden und das Diebesgut, welches die Rentnergang abwirft, wird für ausschweifende Restaurante Besuche auf den Kopf gehauen. Das halte ich für einen gelungenen Lebensabend. Außerdem lässt es sich gut mit dem Hobby Weinanbau verbinden. Zumindest kann man zum Selbsterklärten Weinkenner werden. Dann könnte man sich, gesellschaftlich abgesichert, zu jeder Mahlzeit ordentlich einen reinverhelfen.

Solche Gedanken machen es jedenfalls leichter…

PS: wußtest ihr, dass man Rentner vorwärts wie rückwärts schreiben kann?

Samstag, 21. Juni 2008

A - Team

Dienstag, 20. juni 2008, 23.00 Uhr, A-Team - Kult

Das „A – Team“ kommt, genau wie „Eine himmlische Familie“, zu unchristlichen Zeiten. Beides konnte ich aktuell nicht sehen. Ich schreibe einfach ein paar Zeilen aus dem Gedächtnis. Entschieden habe ich mich übrigens, wie man der Überschrift entnehmen kann, für die Serie A – Team. Die Serie habe ich damals auf unserem ersten Fernsehgerät geschaut. RTL hatten wir nur krisselig rein bekommen, weil wir weder eine Schüssel, noch Kabel hatten. Egal, für Knight Rider, Ein Colt für alle Fälle und das A – Team hat es gereicht.

Das absolut coolste an jeder Folge war, wenn dem A – Team, aus unerfindlichen Gründen, genug Zeit gegeben wurde etwas aus Schrott zu basteln. Eine Waffe oder ein improvisierter Panzer. Was man halt so in Vietnam lernt. Sowieso war die Truppe super besetzt, da war für jeden etwas dabei. Col. John Smith a.k.a. Hannibal, der Anführer. Er liebt es wenn ein Plan funktioniert. Heute dürfte bestimmt kein Held mehr im Fernsehen kubanische Zigarren rauchen und dabei Erpresser aus ihren Cadillacs schießen.

Lt. Templeton Peck a.k.a. Faceman, a.k.a. Starbucks, ein Schönling der einem früh beibrachte: wenn du gut aussiehst, dann nimm es dir einfach. Mir ist erst ganz spät aufgefallen, dass Dirk Benedict blöd guckt, als im Vorspann ein Zylone an ihm vorbei geht!
Capt. H.M. Murdock hat den verrückten Piloten gegeben. Er und B.A. hatten die Gags in der Serie. Meiner Meinung nach war der gar nicht verrückt, er hat sich nur gerne den Arsch nachtragen lassen.
Der letzte ist der Muskel- und Quotenneger B.A. Baracus a.k.a der nie alternde Mr. T. Er war der McGyver der Superlative. Keiner schweißt ein schweres Geschütz so schnell zusammen wie er. Mr. T hat mehr Ketten als ein Fahrradhändler. Ich habe nie verstanden warum er nicht seine Goldketten versetzte und in Rente ging. Irgendwohin, wo ihn Colonel Roderick Decker und Murdock nicht finden würden.

Jede Serie begann gleich. Hannibal hat sich kompliziert verkleidet und einen fadenscheinigen Auftrag irgendeiner Zivilperson angenommen. Meist hatte der Klient eine hübsche Tochter oder war selber die hübsche Tochter, naja, jedenfalls musste Faceman seiner Rolle gerecht werden und rumbuhlen. Aber vorher hieß es für ihn erstmal Murdock aus der Klapse zu holen. Der hatte wie üblich einen neuen Tick für sich entdeckt. Er redete mit einer Socke oder war als Superheld verkleidet. B.A. regte sich tierisch darüber auf, dazu hatte der schwarze Mann Angst vorm fliegen und der Verrückte war auch noch der Pilot. Hannibal machte B.A. bewusstlos und ab ging es in die Ferne. Wenn nicht geflogen wurde, heizte das Team in einem coolen schwarzen Bus durch die Gegend. Das Teil hatte eine Abhörstation, Monitore, Sitzplätze für 6 Leute und eine Waffenkammer untergebracht. Die Reifen quietschten selbst auf Sandboden und die Karosserie war scheinbar auch Kugelsicher. Ständig wurde geballert und nie wurde dabei ernsthaft ein Mensch verletzt. Respekt, das war wohl der Preis dafür, dass geraucht werden durfte. Es gibt Internetseiten, die sich nur mit den physikalischen Wundern in der Serie beschäftigen. Gerade das und die coolen Sprüche haben das A – Team für mich ausgemacht. Ein echter Gangster muss Anzug tragen und in Erpressung machen!
Meine Lieblingsfolge war die, als B.A. gegen Rocky Balboa kämpfte… oder nicht?

Sonntag, 15. Juni 2008

Kleiner Chauvi

"das ahn ich gar nicht, doch weil ich an große Gefühle glaube, hole ich Dir gerne so viele Sterne von jeder rostigen Kühlerhaube." Dendemann

Wenn ich überhaupt mal etwas zu der Verbesserung unserer Welt beigetragen habe, dann ist es jedenfalls schon länger her. Ich wurde mal von einer Bekannten gefragt: Welche ist denn nun die hübscheste Frau der Welt? Zu schwer. Ein Wunder, dass ich relativ schnell mit Rosario Dawson antwortete. Ich habe sie mal bei einem Promi Poker Turnier gesehen und war hin und weg. Der Humor, das Lachen ist ja so wichtig... im Grunde stimmte alles. Die hatte ich sofort in dem Moment im Kopf. So einen Namen vergisst man ja auch nicht.

Leider habe ich einen anderen unvergesslichen Namen vergessen. Ich hatte mich eigentlich schon auf eine andere Frau geeinigt, die mir aber so schnell nicht einfiel, trotzdem immer Gültigkeit haben wird wenn es um die Frage der tollsten Frau auf diesem Erdenrund geht.

Und jetzt zu meinem Beitrag zur Verbesserung der Welt… Liebe Frauen, seit doch bitte alle ein bisschen mehr wie Mavie Hörbiger und alles wird besser und vor allem gut.

Was soll ich zu dieser Frau noch sagen…? schaut es euch an. Youtube ist voll mit Ausschnitten von Mavie und scheinbar bin ich nicht alleine mit meiner Meinung. Diesen Clip hier aus der Willkommen Österreich Sendung finde ich aber persönlich am besten. Weil sie da lacht.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Steißlage

„Ey mein Body du und ich, ich weiß, du lässt mich nicht in Stich. Andere hätten bei so einem Leben längst den Löffel abgegeben“ Udo Lindenberg

„Ich habe kein Bock auf Politik und Gewalt, ich werde langsam alt und konservier mich halt“ Lotto King Karl

Man ist mir schlecht. Früher konnte ich die durchzechten Nächte besser wegstecken. Heute dagegen leide ich ein bis sogar zwei Tage nach. Anfangs macht der Restalkohol ja noch Spaß, aber ungefähr nach den Bundesligaspielen fordert der Körper den Tribut dafür ein, dass er gestern so toll mitgemacht hat.
Das heißt Dehydration, der Elektrolyte Haushalt ist hinüber, der Rücken schmerzt, als ob ich auf einem Hinkelstein gepennt hätte und mein Kopf pocht im Takt dazu. Die Zunge fault im Mundraum rum und verwechselt ständig leckere Sachen mit nicht so leckeren Sachen. Im Grunde schmeckt alles nach Cola und Diabetigerschokolade. Durch die Nase atmen macht mir überhaupt keine Freude mehr. Ich ekele mich vor mir selbst. Der Placeboeffekt, den meine übertriebene Körperhygiene mit sich bringt, schlägt nicht mehr an. Einfach weiter saufen, wie es Lotto King Karl gerne in seinen Liedern anpreist, bringt nichts. Es geht auch nichts oben rein. Mal abgesehen von den Physischen Defiziten, leide ich auch Psychisch. Ein schlechtes Gewissen und die Frage: hat sich das denn wirklich gelohnt, plagen mich durch den scheinbar ewig langen Tag. Ich bilde mir, zumindest hoffe ich das, Herzrhythmusstörungen ein oder anderes Organversagen. Da kommt der Hypochonder in mir durch.
Dennoch bin ich gegen Arzneimittel. Für mich bitte keine Tabletten und auch keinen In-Stand Better Life Aspirin Scheiß. Da muss ich alleine durch. Das Beste ist deftig essen. Knüppel mit Gerümpel, Schranke. Hunger habe ich immer, dazu trinke ich literweise Wasser. Das Zeug kann gar nicht verdünnt genug sein. Die Fenster werden aufgerissen, die frische Luft soll vom eigenen Gestank ablenken. Auf dem Plattenteller rotiert Udo Lindenberg, schön zu wissen, dass es da jemanden gibt, der noch kaputter ist. Wäre ich nicht alleine, dann würde ich jetzt jammern wie schlecht es mir geht.
Morgen wird wieder gesoffen, puh.

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Mittwoch, 7. Mai 2008

Sonnenbrand

„sun is shining, the weather is sweet,
make you want to move your dancing feet” Bob Marley

“the sunshowers that fall on my troubles
are you over my baby
and some showers I'll be aiming at you
'cos i'm watching you my baby” M.I.A.

Die Sonne scheint und ich schlendere so durch die Innenstadt. Ich nutze die Gelegenheit und trage meine schneeweißen Sneaker. Aufgrund eines Gerichtsbeschlusses muss ich außerdem noch eine Hose und ein weißes Longsleeve tragen. Alles von Ecko. Das kommt richtig gut. Meine Gedanken kreisen um Astrologie, Esoterik, Innere Schönheit und Tierpsychologie und darum, dass man sich über solche Dinge eigentlich nur lustig machen kann. Das geht solange gut, bis ich ein Rudel Hunde sehe und gleich danach ein Rudel Punks. Die armen Punks, denke ich. Die müssen, aufgrund ihrer Angst sich einzugestehen 20 Jahre lang mit der falschen Attitüde rum gelaufen zu sein, Schwarz tragen und schwitzen. Dazu noch das viele Metal im Gesicht, erhitzt sich das nicht? Und der ganze giftige Scheiß läuft in bunten Tropfen aus den gefärbten und gegelten Haaren direkt in die Augen. Die meisten haben außerdem noch Stiefel und Westen an, übersäht mit Aufnähern aus dem EMP Katalog. „Gegen Rechts“ steht da. Richtig so. Scheiß Nazis, die haben uns die Antifa eingebrockt.
Ich habe gelesen, dass die Anzahl der Raucher und Kiffer zurückgegangen ist! Dafür ist die Zahl der Säufer gestiegen. Ich glaube ja, dass die Kiffer alle in der Umfrage gelogen haben um den „Gras Preis“ zu drücken.
Apropos drückend, bei der Hitze tragen die Punks zu allem Überfluss schwarze Röhrenjeans, wie man sie sonst nur von Heroin Junkies kennt. Heißer Scheiß. Der bloße Anblick lässt mich automatisch Richtung Softeis Laden schlendern. Softeis findet man ja gar nicht in Mülltonnen, das schmilzt viel zu schnell. Deshalb lungern Punks auch nicht vor Softeis Läden rum! Softeis funktioniert ausschließlich nur mit Vanille. Aber dafür ist es dann auch genial.
Die Sonne ballert wohl noch ein paar Stunden. Genug Zeit um seine Gedanken um Softeis, Körperschmuck, Feng Shui und Indigo Kinder kreisen zulassen.