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Dienstag, 28. Juni 2011

Die Küche, nachdem sechs Leute satt sind

"Dinner at eight was okay
Before the toast full of gleams
It was great until those old magazines
Got us started up again
Actually it was probably me again" Rufus Wainwright

Mein "Perfektes" Dinner. Es ist fast alles gut gegangen. Es gab: Bärlauchcremesuppe, aufgewertet durch Lachs und grünen Spargel, final abgesrundet mit Creme fraiche als Vorspeise. Die Hauptspeise bestand aus Schweinelende in Apfelsoße und sonstigen geschmackvollen Dingen, dazu Jasmin Thai Reis, ebenfalls angereichert mit geschmackvollen Dingen. Als Nachspeise, die mir nicht ganz gelungen ist... gab es Vanille Eis unter Pfirsich mit Himbeersoße und nachgereichten Schokoblättchen. Als Aperitif bot ich Aperol Spritz an. Alle haben das Essen drinnen behalten. Ein persönlicher Sieg und eine völlig neue Erfahrung. Ich bin zufrieden und freue mich auf die ordinären Gerichte nach Feierabend. Fernsehgerichte. Am 14.07. ist das Finale und dann bekomme ich auch meine Punktzahl mitgeteilt. Abwarten. Ein Video gibt es auch. Vielleicht zeige ich ein paar Szenen mit mir. Wahrscheinlich ist das aber nicht.







Mittwoch, 3. November 2010

Weltmännertag

“It´s a man´s world“ James Brown

Gestern war Weltmännertag. Mir ist gleich aufgefallen, etwas ist anders. Nein, im ernst, wie es bereits im Welt-Artikel von Hajo Schumacher hinterfragt wurde: wie schlimm steht es um den Mann, wenn dieser seinen eigenen Gedenktag braucht? Antwort: Sehr schlimm. Der Mann folgt dem allgemeinen Trend und schafft sich ab. Solange der FC Schalke 04 noch Fans hat, mache ich mir nicht die größten Sorgen, dennoch ist es auffällig mit was für weichgespülten Persönlichkeiten wir es in unserer Gesellschaft zutun haben. Zudem besteht für mich natürlich ein ganz besonderes Interesse an dem Thema. Wer will mich abschaffen?

Mann muss nicht unbedingt sofort so angestrengt heterosexuell rüberkommen wie Mitglieder der Hells Angels oder schottische Hooligans, denen fehlt ja vollkommen die Eleganz und ihnen geht oft das gewisse Flair abhanden, wie ihn die damaligen Leinwandidole hatten. Aber John Wayne, James Dean, James T. Kirk, Humphrey Bogart, Sean Connery oder mein persönliches Vorbild in Sachen Männlichkeit: Michael Caine, das waren noch Typen mit Charakter, die einfach nur da standen und ihr Ding machten. Was dabei rumkam, waren immer die hübschesten Frauen. Nach solchen Leuten konnte man sich richten.

Ich denke, es sind gar nicht mal die fehlenden männlichen Vorbilder. Die Männer haben sich nur zu sehr den Vorstellungen der Frau angepasst, anstatt ihr eigenes Ding zu machen. Selber Schuld, quasi. Als Beispiel: Seitdem sich Wayne Rooney die Brust rasiert, trifft er nicht mehr. Früher konntest du als Mann immer noch etwas darstellen, obwohl du scheiße aussahst. Heute solltest du besser Tanzen lernen oder zumindest nachdenklich gucken können. Oder du driftest gleich in die Hooligan Ecke ab.

Wenn man Single Frauen zuhört, am Nachbartisch sitzend oder beim Telefonieren, heißt es grundsätzlich: gepflegt muss er sein. Das Bild eines ungepflegten Mannes entspricht für mich die Sorte Ehemann, die auf RTL oder sonst wo am Nachmittag seine Meinung zur Rolle der Frau kundtun darf.
Aber jeder, der sich regelmäßig rasiert und täglich duscht mit allem Pipapo, ist doch schon im wahrsten Sinne des Wortes in trockenen Tüchern. Was ist denn sonst mit gepflegt gemeint? Gezupfte Augenbrauen? Geschminktes Gesicht? Lackierte Fingernägel? Gegeltes Haar? Hintrapierte Bärte? Kann es womöglich sein, dass mit "gepflegt" einfach ein Waschbrettbauch gemeint ist? Der Anspruch auf einen Waschbrettbauch die Frau nur viel unglaubwürdiger da stehen lässt, als der Anspruch auf ein gepflegtes Äußeres?
In meiner Vorstellung gibt der ungepflegte Mann sowieso einen Dreck auf die Möchtegern Starlet Tussis, denen das schwuchtelige Äußere so wichtig ist und zudem ist er eh meist mit einer ständig lamentierenden Frau, mehr oder weniger, glücklich verheiratet . Soweit meine Vorstellung.

Etwas, das mich ebenfalls an dem Trend der Metrosexualität beängstigt, ist, dass es vorwiegend humorlos zu geht. Wenigstens wirkt das nicht so scheinheilig. Welcher gutaussehende Typ hat schon Humor und wofür braucht er den, wenn er gut aussieht? Richtig...

Achtet mal drauf, die Besten haben immer körperliche Defizite. Dazu noch ein T-Shirt, Jeans, Sneaker, ein kräftiger Händedruck und fertig ist der Mann. Zeitlos gut, wie sein einziger Anzug im Schrank.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Jahresrückblick 2009

"This is it, I can say
I’m the light of your world , run away
we can feel, this is real
Every time I’m in love that I feel" Michael Jackson

Was ihr hier lest ist die dritte Version des Textes. Erst wollte ich aufzählen was war gut, was war nicht so gut dieses Jahr, während ich das so aufschrieb dachte ich: ein Glück musst du das nicht lesen. Ist das Langweilig.
Beim zweiten Anlauf wollte ich es mir einfacher machen und stumpf eine Linkliste erstellen, die für sich sprechend, das Jahr rekapitulieren sollte. Nicht so schlecht die Idee, aber gewisse Dinge müssen abschließend gesagt werden, die ich so nirgends im World Wide Web fand.

Jetzt also doch einwenig plaudern.

Finanzkrise einander mal

2009 ist im Nachhinein betrachtet, und darum geht es ja bei einer Retrospektive, ein ziemlich ereignisreiches Jahr gewesen. Irgendwo las ich auch von 2009, dem Krisenjahr. Im Managermagazin womöglich. 2008 fing die Scheiße mit den Lehmann Brothers an. Letztes Jahr war ich ein frischgebackener, also arbeitsloser, Bauingenieur, der, falls er die Gelegenheit gehabt hätte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, eine ganze Versicherungsgesellschaft mit seinen Beiträgen durch die Krise hätte schleppen können. In der Zeit habe ich mich unter der Finanzkrise schön weggeduckt und Tabletten gegen meinen gereizten Spinalnerv gefressen, als wären es Nimm 2.
Im Dezember 2008 unterschrieb ich einen Arbeitsvertrag, der mir die Möglichkeit eröffnete nach Bremen zu ziehen. Die ersten Wochen wohnte ich noch bei einer Freundin, bis ich im Februar meine eigene Wohnung bezog.
Die eigene Wohnung. So mächtig wie das klingt ist es nicht. Ich finde es wichtig, dass man das mal sagt, sonst denken andere sie müssten um so etwas ein riesiges Geschiss machen. Abitur, erstes Auto, erster Arbeitsvertrag, erste Wohnung, 30, Kind, Hochzeit, Scheidung. Darauf darf man anstoßen, aber bitte erzählt mir nicht, wie heftig das alles ist.

Das alte, leidige Thema

Wenn Ärzte sich Röntgenbilder anschauen, sollten sie nicht fluchen. Allgemein sollten Ärzte nie fluchen. Mein neuer Neurochirurg verschrieb mir innerhalb von zwei Minuten eine Physiotherapie. Ich bekam letztes Jahr bereits Physiotherapien und ging dazu noch ins Fitnessstudio, ein speziell auf Bandscheibenprobleme abgestimmtes Programm. Besser wurde es nur für kurze Zeit. Was bei der Tortour letztendlich herauskam waren erneut Rückenschmerzen. Nun hat man in Bremen eine größere Auswahl an Ärzten und Kompetenzen. Der erneute Anlauf einer Physiotherapie verzeichnete früh Erfolge. Vor allem, weil mir endlich vieles richtig erklärt wurde. Die Psyche mischt sich ja in jede Krankheit ein und wenn es ein gebrochenes Bein ist. Seit ungefähr dem vierten Quartal kann ich gänzlich auf Tabletten verzichten. Selbst das Härteprogramm, Ostkurve im kalten Weserstadion, läuft problemlos ab. Die versprochene Besserung ist eingetreten. Leider wurde mir auch versprochen, dass ich eine vollkommene Heilung, mit der dazugehörigen Beweglichkeit, bei meinem Schreibtischjob ausschließen könne.
Die Schlacht ging aber erstmal an mich. Ich darf wieder Fußball spielen und habe im November mein erstes Spiel gemacht. Konditionell ungefähr auf demselben Niveau, auf dem sich Paul Gascoigne heute befinden dürfte, aber dafür sind die zwanzig Minuten, die mir vergönnt wurden, schmerzfrei abgelaufen. Ich konnte sogar einwenig brillieren.

Extrablatt, Extrablatt, alle Tot
Was wurde in diesem Jahr viel gestorben? Wenn ich die ganzen Einträge lese und die schlecht zusammengestellten Videos betrachte, mit dieser scheiß Musik unterlegt, dann hoffe ich, dass diese Social Network Blase bereits geplatzt ist, wenn ich abtreten muss.
Zeitweise fühlte ich mich richtig bedroht von Leuten, die mir ihre Links und Gruppeneinladungen schickten. Mir kam es vor wie am 11. September, als mir von überall her gesagt wurde, was ich zu empfinden habe.
Jeder soll auf seine Weise trauern, aber ich weigere mich zuglauben, dass es irgendwem hilft mit seiner Trauer besser fertig zu werden, indem er sie über das Internet verbreitet. 99 Prozent dieser „Trauernden 2.0“ geht es bei ihrer Anteilnahme nur um den Gutmensch Charakter, den man billig absahnen kann. Trauer, Pietät und Mitgefühl funktionieren im Stillen viel besser.
Einige machen sich noch nicht einmal die Mühe Rest in Peace auszuschreiben.
Und warum auf Englisch, warum nicht auf Chinesisch? Hat man sich das etwa irgendwo abgeschaut? Genau wie das Verhalten in solchen Situationen einfach kopiert wird? Nach dem Motto: Mein gewissen ist rein, ich habe ein Kreuz an den virtuellen Straßenrand gestellt?
Eine StudiVz Gruppe zum Gedenken an einen verstorbenen Menschen zu gründen, macht aus dir noch lange keinen besseren Menschen.

Allgemein wurde sich dieses Jahr wie bescheuert auf Gutmensch Themen gestürzt: Trauer, Mitleid, Toleranz, Ein Herz für Blogs, daran sieht man mal wie verunsichert alle sind.

Der King of Pop lebt im Kühlregal

Die mediale Inszenierung von verstorbenen Personen des öffentlichen Lebens ist zum einen Berichterstattung und zum anderen ein Fluch für die Verbliebenen. Wenn es hieß Michael Jackson wurde in einem Studio gesehen, dann interessierte mich das genauso wie dessen Todesursache. Nämlich sehr. Was da dieses Jahr in den Medien passierte, war nur die logische Konsequenz eines arrangierten Lebens und die ganzen R.I.P. - Schreiber kaufen konsequenterweise die CD Regale leer.
Ich wurde tatsächlich von jemand gefragt, ob bei 6 GB Michael Jackson Material alles dabei sei…
Wen Michael Jackson nicht als Kinderstar oder Frontmann der Jacksons oder als Solokünstler erreicht hat, den hat er spätestens mit seinem Tod erreicht. Wie viele das letztendlich wirklich waren, soll jeder für sich einschätzen.
Ich bin mal gespannt, wann die Werbung Michael Jackson ausschlachtet, wie bei Elvis mit dem Curry King...

Courage und Suizid

Dominik Brunner wird vor lauter Zivilcourage von ein paar Jugendlichen erstochen und Robert Enke hat Depressionen und schmeißt sich vor einen Zug. Natürlich besteht besonders im zweiten Fall ein öffentliches Interesse. Nur wie mit der Trauer umgegangen wurde, war für viele wieder die falsche Art. Der Trubel war pietätlos und wer das behauptete war selber pietätlos und kann sich mal bitte jemand Gedanken um den Lokführer machen usw.
Hätten die mal alle die Schnauze gehalten. Klar haben die Medienmacher am Modell Michael Jackson gesehen, wie sich mit der Verunsicherung der Menschen und deren daraus entstehender Auseinandersetzung mit dem Reizthemen Tod und Anteilnahme, Kasse machen lässt. Wäre Michael Jackson noch am Leben, dann hätte es keine Kerner Sondersendung über den Tod von Robert Enke gegeben. Sage ich.
Wie wenig wirklich nachgedacht wird, sah man an dem Länderspiel Deuschland : Elfenbeinküste. Vor dem Spiel fanden eine Schweigeminute und sonstige Huldigen für den verstorbenen Nationaltorhüter statt. Es wurde nochmals an die schwere Last erinnert, die Robert Enke mit sich herum trug. Alles verständnis- und rücksichtsvolle Menschen im Stadion, denkt man. Als dann in der circa 70. Minute Mario Gomez eingewechselt wurde, wurde dieser von demselben Publikum, noch vor dessen ersten Ballkontakt, ausgepfiffen. Idiotie, wie sie die Simpsons-Macher nicht besser hätten inszenieren können.
Außerdem wette ich, dass Leser mich darauf ansprechen werden, dass ich ja selber Stellung nehmen würde und dass man so was nicht schreiben dürfe. Dazu kann ich nur sagen: lasst mich, ich habe Depressionen.

Apropos, das Thema Depression ist zurzeit total hip. Wenn jetzt eine weitere Staffel von Germanys next Topmodel laufen würde, dann gäbe es keine Diskussion über mangelnde Bildung oder Magersucht, sondern die dummen Bohnenstangen wären alle Depressiv. Mit Sicherheit.

Musik, Buch, Film – Glück ist positiver Cashflow
Musik, Buch und Film bleiben in Kombination ein guter Parameter um das Jahr einzuschätzen.

Ich bin oft ins Kino gegangen. Die kindliche Vorfreude musste ich mir nie erhalten, für mich wird der Kinobesuch immer ein Ereignis, auf das es sich zufreuen lohnt, bleiben. Egal wie der Film letztendlich war. Ähnlich wie beim Stadionbesuch, für Licht- wie Fußballspiel gilt: beides kann ereignislos ablaufen.
Ganz in meiner Nähe wohnt eine Videothek, mit einer bisher ungekannten Vielfalt. Man kann nachfragen, bekommt Empfehlungen und sogenannte Geheimtipps. Da kann das Internet nicht mithalten. Der Preis ist ungeschlagen, billiger als jede Abmahnung, weshalb ich auch dutzende Filme in diesem Jahr gesehen habe. Der beste von Ihnen war Inglorious Bastards.

Das Knalleralbum dieses Jahres kam bereits 2008 heraus. The way I see it von Raphael Saadiq. Ansonsten wurden 2009 viele gute Alben veröffentlicht. Jay Z, Reakwon, Jan Delay, Depeche Mode, U2, Air, Jochen Distelmeyer, Element of Crime, Muse, Williams usw. Wirklich gekauft habe ich mir davon keins. Das wird aber nachgeholt, sobald ich einen neuen CD-Player, bzw. mich mit iTunes angefreundet habe. Meine größte Aufmerksamkeit genießt weiterhin das totgesagte HipHop Genre und dem damit verbundenen Ausverkauf der Vinyl Scheiben. Eine Single für 3 Euro, Ein Album 6 Euro, bitte!
Viele gute Bands erschlossen sich mir, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte. Bei anderen, mir bekannten Interpreten, entdeckte ich wiederum in den Tiefen ihrer Discographie so manche Perle. Die Charts habe ich mir mittlerweile, eher unfreiwillig, völlig abgewöhnt.
Drei Jahre ohne MTV oder Viva gehen spurlos an einem vorbei.
Genau wie die großen Festivals wieder Mal an mir vorbei gingen. Trotzdem war ich, für meine Verhältnisse, auf vielen Konzerten vertreten. Ob die Band Live besser ist, kommt natürlich auf die Band an. Der Zustand Live garantiert noch lange kein gutes Konzert. Das denken häufig kleine Jungen mit Zahnspange, die trotz allem eine Chance bei Mädchen haben wollen, die genauso denken. Ich wurde aber nicht enttäuscht, gerade Kool Savas hat seit dem Splash Finale von 2005 nicht nachgelassen.

Meinen Vielleserstatus (ab 30 Bücher im Jahr. Habe ich mal irgendwo gelesen, was sonst?) dürfte ich knapp verfehlt haben. Ist mir eigentlich nicht wichtig, nur, wenn man die Zeit für Bücher findet, hat man anderes ebenfalls im Griff. Diesen Eindruck bekam ich jedenfalls über die letzten Jahre. Total simpel, wer braucht da noch Feng Shui?

Der Verein
Klinsmann ist dann doch voreilig entlassen worden, was natürlich einzig an den hohen Erwartungen lag. Experiment fehlgeschlagen und mit van Gaal auf nun mal sicher gehen. Von wegen. Schwierige Holländer. Die Saison verläuft nicht optimal, aber ich habe auch schon gute Spiele in diesem Jahr gesehen.
Was mich beruhigt, obwohl es gar keinen Grund zur Unruhe gibt, ist die Tatsache, dass Bayern selbst bei einem Neuanfang nach der Ära Hoeneß und einem eventuellen Scheitern van Gaals mit den jungen Spielern eine super Mannschaft zusammen hat. Kroos, Müller, Badstuber, Lahm, Schweinsteiger und Gomez sind über die nächsten Jahre eine gute Grundlage um Deutscher Meister zu werden. Wer die Mannschaft erweitern wird, seien es schwer zu haltende Stars wie Ribery, Robben oder Demichelis, oder ob neu eingekauft werden muss, ist dabei egal. Aber wie es aussieht nimmt alles ein glückliches Ende. Wie so oft.
Bayern Kontext gehört in jeden Jahresrückblick.

Dein Lieblingsmensch

Die Gefühlslage schwankte so vor sich hin. Ein paar Menschen haben mich positiv überrascht und andere hingegen nachhaltig enttäuscht. Nachhaltig ist gut... auch nicht mehr als sonst. Unabhängig von meiner Erwartungshaltung. Das betrachte ich aber als normal. Dafür kenne ich einfach zu viele Menschen, als dass es immer untereinander glatt läuft und außerdem ist es ja schon schwierig genug mit sich selbst klar zukommen. Leider habe ich viele Dinge, die ich ändern oder anpacken wollte, nicht geändert oder angepackt. Das muss ich mir vorwerfen lassen. Mir gegenüber.
Ich wollte die Hände mehr in die Hosentaschen stecken, anstatt sie in den Jackenärmel verschwinden zu lassen. Das sieht so unreif aus. Im Taxi wollte ich mich nach hinten setzen. Bei allen drei Taxifahrten in diesem Jahr saß ich wieder vorne. Das Thema Fremdsprachen habe ich fast aufgegeben, ich kann es einfach nicht. Guido, mach was.
Optimistisch gesehen, gehen mir für 2010 die Vorhaben so schnell nicht aus.
Das Archiv reflektiert mein Jahr im Grunde genug.

2009… This is it.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

Samstag, 5. September 2009

Hohe Erwartungen

"Manche Erwartungen möchte ich einfach nicht erfüllen" Dendemann

"Nach dem Goldrauch
Gehe ich schlafen in meinem Bett aus Eis
Mit dem Wissen, dass ich gar nichts weiß
Mit dem Wissen, dass ich nichts kann
Ich bin ein Thomas und kein Thomas Mann" Fotos


In den Wochen, in denen ich mein Diplom schrieb, kam das Thema verschärft auf. Ich saß mit den anderen Diplomanten im PC Raum, wir zitierten aus Büchern, Zeichneten, spielten Slide-a-Lama und redeten über Arbeitsmärkte und Gehaltsgruppen. Mein Lieblingssatz zu dem Thema war: „Ich brauch keinen Arbeitsmarkt, sondern einen Arbeitsplatz.“ Da fiel den anderen nichts mehr zu ein. Mir selbst auch nicht.

Karriere und Geldverdienen, diese beiden Worte waren zu der Zeit omnipräsent. Auch meine Altersgenossen waren schon lange Gesellen oder beendeten gerade ihr Studium oder begannen eines, sodass das Thema immer aktuell blieb. Man vergleicht sich mit den anderen und die anderen vergleichen sich mit dir. Ständig. Nun ist es so, dass nirgends (außer im Bett vielleicht) soviel gelogen wird wie bei den beruflichen Angaben. Alles wird interessanter gemacht als es in Wirklichkeit ist.

Nun ist es so, dass nicht alle die perfekte Arbeitsstelle, mit super Kollegen, Dienstwagen, übertariflichen Gehältern, in der schönsten Stadt finden können. Die, die eine Arbeit fanden, haben mir aber immer genau das erzählt. Klar ist das verdächtig und man entschließt sich meist dazu ebenfalls zu lügen, anstatt ihnen das Bewusstsein für ihre Umgebung abzusprechen. Ich gebe es zu, ich fühlte auch schon eine gewaltige innere Zufriedenheit, als ich auf jemanden traf, der gnadenlos auf dem Arbeitsmarkt gescheitert ist. Da lügt mal einer nicht und wird von mir mit einem „was du brauchst ist kein Arbeitsmarkt, was du brauchst ist ein Arbeitsplatz“ abgefertigt. Nach dieser Erfahrung entschloss ich mich bei dem Karriereding nicht mehr mitzumachen. Das ist doch pervers.
Der größte Druck geht seitdem von mir selber aus. Den kann ich wenigstens einschätzen. Druck / Zeit < 1 schrieb ich in mein Notizbuch.

Seit dem Moment, in dem ich mich dazu entschlossen habe, meine derzeitige Arbeit als Job anzusehen, ist der Druck nicht weg, aber ich habe eine Ahnung davon bekommen wie Alternativen zu dem Modell Jung - Dynamisch – Erfolgreich aussehen könnten. Der Witz an der Sache ist, seitdem ich Ingenieur bin, reden plötzlich Frauen mit mir, die mich vorher nicht mal mit dem Arsch angeschaut haben. Das bilde ich mir auch ganz bestimmt nicht ein. Das gute, alte Klischee. Heimlich nenne ich diese Frauen Cora Schumacher.
Sie holen oft die Themen Karriere und Geldverdienen wieder hervor. Da mir diese Frauen ja egal sein können, übertreibe ich maßlos in den Gesprächen. Das Wort Reichtum fiel auch schon mal. Man kann es bei denen gar nicht auf die Spitze treiben. Der Satz „Ich bin es ja eigentlich gewohnt, dass Frauen mir teure Geschenke machen, aber bei Dir bin ich bereit eine Ausnahme zu machen“ wurde entweder völlig überhört oder als wohlgesinnte Geste gesehen.

Zum Glück gibt es genug Frauen, die mich schon vorher beachteten und vielleicht sogar achteten. Freundinnen nenne ich die dann. Den konnte ich die Sache mit dem „ein Job ist ein Job“ gut vermitteln. Obgleich sie mich vermutlich am liebsten am Kragen packen und mir unter Ohrfeigen eintrichtern würden, dass man so nicht durch das Leben kommt und außerdem wurde der Freund der Jaqueline schon wieder befördert. Nur so, ganz nebenbei.

So schwer es auch ist Frauen im heiratsfähigen Alter zu erklären, Geld allein mache nicht glücklich, noch schwerer ist es bei deren Eltern. Der Vater fragt bei jedem Besuch: „was macht die Arbeit, die Karriere, das Büro?“ Dem kannste ja schlecht sagen: „Läuft, ist ein netter Job, hält mich am kacken und Kino ist auch hin und wieder drin.“
Jetzt ist es so, dass man bei der Frage nach der Arbeitssituation nicht eine Sekunde mit der Antwort zögern darf, sonst hagelt es gut gemeinte Ratschläge.

„Junge, du musst ins Ausland gehen, da sind die gutbezahlten Arbeitsplätze.
Hier, der Nachbarsjunge hat die Fluglotsenschule mit eins abgeschlossen. Es ist schon schwer genug da überhaupt ranzukommen, die nehmen nur die Besten. Der kann sich den Arbeitsplatz aussuchen, der macht seinen Weg“

Fakt 1: Ich soll ins Ausland abgeschoben werden

Fakt 2: Ich soll durch einen Fluglotsen ersetzt werden

Fakt 3: Wenn mir das egal sein kann, bin ich da angelangt, wo keine Karriereleiter hinführt

Mittwoch, 29. Juli 2009

How to be an engineer…

„Ich habe da ein Problem, Thomas, du bist doch Ingenieur…“ sagt man so

Ein Ingenieur zu werden ist mehr oder weniger schwer. Wie jedes Studium ist es eine Fleißfrage, man geht oft schematisch vor und operiert nach Fahrplan. Am wichtigsten ist im Grunde der Sachverstand. Jedenfalls bekommt man keine guten Noten geschenkt, wie in einem Biologie, Mathe oder Architektur Studium. Ob das immer alles gerecht ist, sei mal dahingestellt und interessiert auch nicht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, wenn man erstmal Ingenieur ist.

In meinem Studium wurden die Professoren nicht müde von ihren grandiosen Erfolgen in der freien Welt zu berichten, wiesen weniger unterschwellig auf ihre Kompetenzen hin und streuten nebenbei ein, dass die Errungenschaften auf jenem Sektor ihnen zu verdanken seien. Wenn man das so hört, während man sich den Hintern auf den harten Klappsitzen des Hörsaales breit sitzt, zudem chronisch pleite ist, denkt man schnell, da will ich auch hin. Das Bild des unheimlich innovativen Bastlers mit unermüdlichen Forschungsdrang und einen Haufen Ideen in der Schublade brannte sich in meinen Hinterkopf ein. Ein Ingenieur schafft Lösungen, rettet die Umwelt, revolutioniert Denkweisen, trifft schwerwiegende Entscheidungen und lässt sich dafür den Arsch vergolden. Ein Gedanke, der mir häufig die Motivation verlieh, der Hausarbeit doch mehr als nur einen oberflächlichen Blick zu gönnen.

Ich erinnere gerne an den Werbespot, in dem ein Ingenieur aus seinem Strandhaus auf das Wasser schaut und über Bewegung nachdenkt. Kurz darauf watschelt ein klappriges, vom Wind getriebenes „Fortbewegungsmittel“ über den Strand. Schon wieder etwas erfunden. Ich glaube, es ging in der Werbung um ein Auto. Oder Scotti, aus der alten Star Trek Reihe. Der Mann benötigte für die Reparatur eines Warpantriebes nur einen Tag und rettete am Schluss die gesamte Besatzung.

Die, zugegeben schöne, Vorstellung des Ingenieurberufes ist ziemlich unrealistisch. Das kann man sich immer wieder sagen, dennoch, der Druck nun endlich sein persönliches Rad zu erfinden, bleibt. Es ist kein „9 to 5“ Job, sondern ein „Entweder Du bist es oder Du warst es nie“ Job. Ideen möchten realisiert werden, auch nach Feierabend.

Zurzeit denke ich viel darüber nach, wie man dieses Bild nach unten korrigieren kann, ohne eine Inflation des Berufstandes zu provozieren. Die Ärzte haben das doch auch geschafft. Nicht jeder entdeckt ein Mittel gegen oder für etwas. Im Gegenteil, viele sind einfach Durchschnitt, beraten auch mal falsch und wirken dabei glücklich mit ihren Schluckimpfungen an Grundschulen. Kann sein, dass bei denen ein „warum bin ich nicht wie Dr. House“ in den Hinterköpfen rum schwiert, aber anmerken tut man es ihnen nicht.

Mir geht es nicht darum in Zukunft mit gerissenen Sätzen Kunden, Arbeit- oder Auftragsgeber zu beschwichtigen oder Kompetenz zu suggerieren, Hauptsache eine gewisse Seriosität zu vermitteln oder ganz einfach weniger zu tun. Ich möchte die Sichtweise auf das was ich tue ändern. Angefangen habe ich damit, meinen Beruf als Job zu bezeichnen. Das nimmt erstmal wenigstens verbal eine gewisse Last, die ich während meiner Berufsfindung und Abwägung meiner Zukunftsperspektiven nicht gebrauchen kann. Geholfen hat mir dabei ein Gespräch mit meinem Teamleiter von der Arbeit. Dem ging es vor kurzem noch ähnlich, nur dass er Frau und Kinder hat und ihm die Entscheidung den Job zum Beruf zu machen somit abgenommen wurde.

Seit diesem Jahr werden keine Diplom Ingenieure mehr ausgebildet. Stattdessen heißen die Abschlüsse nun Master of Science. Wie sich das auswirken wird weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich sehr froh bin noch ein diplomierter Ingenieur geworden zu sein.

Montag, 25. Mai 2009

Pro Brille

„Wie kann jemand mit einer so dicken Brille nur so dämlich sein? Bart Simpson

Harald Schmidt hat in seiner Focus Kolumne mal einen Text veröffentlicht mit dem vielsagenden Titel: Pro Brille. Das ist jetzt ein paar Jährchen her und deshalb auch bereits in Buchform veröffentlicht. Quadrupelfuge heißt dieses.
Wenn Harald und ich etwas gemeinsam haben, dann das Schicksal Brillenträger zu sein.

Schicksal deshalb, weil einem so etwas auf langer Sicht wirklich prägen kann. Man benötigt nur ein Gebrechen und etwas Potenzial nach oben und schon kann die Schulzeit das beste Trainingslager für angehende Entertainer/Arschlöcher werden. Vorausgesetzt man kompensiert es mit Humor/Sarkasmus. Hätte Karl Dall kein hängendes Augenlid, gäbe es keinen Karl Dall und Mike Krüger musste sich sicherlich auch ordentlich was über seine Nase anhören.

Nur mal so nebenbei. Ich wollte mich, 10 Jahre nach Schmidts Text, ebenfalls für die Brille aussprechen. Wenn man sich mal genauer umschaut, ist die Brille doch stark ins Abseits geraten. An einem ausgiebigen Abend unter Menschen, zähle ich gerade mal fünf Brillenträger, was bestenfalls zwei Prozent ausmacht. Dies bedeutet nochlange nicht, dass der Rest fantastisch gucken kann oder aussieht. Die Alternative lautet Kontaktlinsen. Auf den ersten Blick (ha!) haben die Kontaktlinsen nur Vorteile gegenüber dem guten, alten Kassengestell. Beim Sport wird es deutlich. Dennoch vermute ich, dass ganz viele Menschen morgens richtig mies gelaunt sind, eher sie nicht in popliger Fingerarbeit wieder für eine klare Sicht gesorgt haben. Ähnlich wie beim Kaffee trinken.
Ich habe mich davor immer gesträubt, mir einen rundgelutschten Glassplitter ins Auge zu drücken. Der Stress mit der vernünftigen Konservierung kommt erschwerend hinzu. Tageslinsen, die man betrunken irgendwo unterbringen muss und am besten nicht in die Alkoholrestbestände, nerven. Ich kenne jemanden, der ist so hartgesotten, der legt seine Kontaktlinsen übernacht in Tigerbalsam ein. Betrunken ist aber ein gutes Stichwort. Kontaktlinsen fallen natürlich schwerer in den Tzaziki Pott oder zerschellen bei spektakulären Fahrradunfällen.

Die Brille ist für Blinde das, was die Pfeife für den Raucher ist. Pure Geste. Zudem bietet sie zusätzliche Werbefläche. Wenn man Horashio Kain aus CSI Miami mal zuschaut, was der aus seiner Sonnenbrille für coole Moves holt, das ist an einem Pokerabend unverzichtbar.
Menschen hingegen, die Ihre Beine übereinander geschlagen haben, dabei auf ihrer Brille rumkauen und immer wieder „ja, ja, ja“ sagen, muss man nicht so ernst nehmen. Sie tun es selbst auch nicht.

Unterm Strich kann man sagen, Brillenträger haben alle mehr Humor, aber dafür hält sich das mit dem Willen in Grenzen…

EDIT: Top 10

Warum wurde die Sendung "Looki Looki" mit Nils Ruf eingentlich nie ausgestrahlt?

Mittwoch, 16. Juli 2008

Schnapsöl

„Ich war immer nur der stärkste in der Schule“ Klaus Vogel

„Now throw your hands in the air
And wave 'em like you just don't care” Outkast

“Der schlechteste Abi-Schnitt bringt die Party mit und führt alle auf das Glatteis wie Kati Witt” Dendemann

Mit der Schule hatte ich nie sonderlich Probleme. Okey, zugegeben, ich habe mich den ganz großen Herausforderungen auch nicht immer gestellt. Ich saß rum, habe auf Stichwörter für meine halbwegs qualifizierten Zwischenrufer geachtet und habe geschmollt, wenn jemand schneller war als ich. Was dank jahrelanger Übung sehr selten vorkam. Schriftlich hatte ich halt so meine Stärken und Schwächen. Wie wohl jeder. Der Schlüssel zu guten Noten war damals „die mündliche Beteiligung“. Es gab Lehrer, die haben die aktive Unterrichtsbeteiligung tatsächlich zu 50 oder mehr Prozent in ihre Bewertung mit einfließen lassen. Wie Naiv. Konzentriert an die Tafel starren kann schließlich jeder und wie man so viele „Melder“ wie möglich auf seine Habenseite verbuchte, hatte man auch schnell raus.

Für alle jüngeren, die das hier lesen und die Schulbank drücken dürfen: Der Melde Guide!
Grundsätzlich sollte man sich auch immer melden wenn man schon etwas weiß. Soviel zum Handwerk, die Kunst ist es sich zu melden, wenn man nichts weiß.

  • Wenn eine Frage gestellt wird, die mehrere Antwortmöglichkeit bietet, nervige Aufzählungen oder so, dann sollte man zusehen, dass man als erstes drankommt. Die häufig lasche Einstellung der meisten Mitschüler hilft dabei. War man einmal dran, wird sich zwecks Nennung einer weiteren alternativ Antwort gemeldet. Diesmal nur etwas aufdringlicher, aufgestützt oder schnippend. Das wird nicht gerne gesehen und disqualifiziert Dich für eine weitere Antwort. Wichtig ist, dass sich mindestens ein weiterer, noch nicht drangenommener Mitschüler, ebenfalls meldet. Die angelernte Gleichberechtigung der Lehrer verbietet es ihnen Dich wieder zu nehmen, bevor nicht andere ihre Chance erhielten. Im Hinterkopf bleiben aber deine „Bemühungen“.
  • Bei Fifty / Fifty Antworten, Ja / Nein Fragen immer melden, auch bei völliger Ahnungslosigkeit. Sollte man drankommen, ist es wichtig total seriös, ruhig und selbstsicher zu antworten. Es darf sich nicht wie eine Entscheidung anhören. Ist die Antwort richtig, heimlich feiern. Ist die Antwort falsch: skeptisch gucken. Fifty / Fifty Fragen sind Geschenke. Man muss nur mitzählen, wie oft man bei welchem Lehrer bereits falsch lag.
  • Bei leichten Fragen, bei denen sich eh mehrere melden, schon alleine um sich nicht zu blamieren, sich ruhig schön nervig anbiedern. „Nehmen sie mich! Ich weiß alles, ich bin sooo klug!“ Für diese Nummer wird man nie aufgerufen, aber es wertet die Leistung der anderen ab. Der Lehrer kann ja selber einschätzen wie schwierig die Frage war.
  • Das Gegenteil sind die Monsterfragen, bei denen, wenn überhaupt, die Finger sehr langsam hochgehen. Sollte man die Antwort wissen, nicht melden, sondern ganz lässig ausplaudern. Reaktion vom Lehrer: richtig, wäre aber schön gewesen, wenn Du Dich auch gemeldet hättest. Wenn man so etwas schon weiß, dann sollte man sich auch zu cool zum melden fühlen. Lenkt außerdem vom Streberimage ab. Die Pluspunkte bekommt man eh, dafür ist der Lehrer zu sehr Profi.
  • Akustisches Melden    kam irgendwann so in der 10. Klasse bei mir auf. Man macht das Geräusch eines Buzzers nach oder das eines Tieres. So wie man das von Otto Waalkes kennt, wenn er eine Rufumleitung oder ähnliches simuliert. Es hat sich leider nicht durchgesetzt. Ebenfalls nicht durchgesetzt hat es sich, den Tischnachbarn zu kneifen, dieser ruft „Aua“, der Lehrer schaut, sagt deinen Namen und du beantwortest schnell die Frage. Genial sollte man meinen, wurde aber irgendwie oft fehlinterpretiert.
  • Im Studium wird Lehrern erzählt, die Schüler sollten die Antworten selber erarbeiten, also raten bis es stimmt. Egal ob man sich sicher ist oder nicht, hier ist wichtig irgendetwas rein zu rufen, damit der eh schon langweilige Unterricht nicht, wie NEO im minder langweiligen Film Matrix 3, in einem Zeittunnel stecken bleibt. Schnellraterunde heißt das auf   9Live. Der Scheiß nimmt kein Ende, bevor nicht die richtige Antwort genannt wurde.
  • Manchmal wollen Lehrer einem Schüler mit besonders niedrigen oder hohen Zahle Schocken. Sie stellen eine rhetorische Frage, was man denn annehme wie viel oder wie wenig etwas sei. Man kann ja ungefähr einschätzen in welcher Dimension sich die Antwort abspielt und übertreibt völlig, indem man diese mal 1000 nimmt.
Frage: „Was meint ihr denn, wie viel CO2 der Deutsche im Jahr produziert?“ (ca. 10 Tonnen)
Antwort [exorbitant enthusiastisch]: „Zehntausend Tonnen!“
Nach der Korrektur durch den Lehrer ein enttäuschtes „tzz“ von sich geben.
Die überdimensional falsche Zahl hat den Reiz schon vorweggenommen, der geplante „Uih-Effekt“ bleibt aus. Was das bringen soll weiß ich nicht, mich hat es aber immer beruhigt, wenn der Lehrer wusste, dass ich ihn nicht ernst nehme.
Epilog

Diese Tipps verbessern die mündliche Beteiligung locker um eine Note und wenn nicht, dann bleiben ja noch das Hausaufgabenheft und die Mappenführung. Anstatt farblich abgestimmter Mappen aus umweltfreundlicher Pappe, hatte ich immer nur einen einzigen voll geschriebenen College Block. Einen Block für alle Fächer sozusagen und Lee Majors sang die Titelmelodie. Nicht. Die Seiten blieben schön im Ringordner. Waren die ersten 80 Blatt voll gemaltschrieben, wurden sich neue Blätter, unter Androhung dies sei jetzt aber wirklich das aller letzte Blatt das man sich leihen könnte, geschnorrt. Hier konnte ich endlich mit den Tiergeräuschen trumpfen. Hieß es dann bei der Mappenabgabe: „Gebt bitte die Mappen ab.“, habe ich mit Edding (war damals zurecht im Unterricht wegen Schnüffellei verboten) auf den überquellenden Block fett DIE MAPPEN geschrieben. Das wurde sogar stellenweise akzeptiert! Schließlich war ich so gut im Mündlichen, dass die Mappen eh nicht mehr ins Gewicht fielen. Dort wo das nicht der Fall war, hat das einzig attraktive Mädchen in der Klasse, die dazu noch gleichzeitig meine Tischnachbarin war, die Zettel nach Unterrichtsfächern sortiert und in meine leeren, echten Mappen weggeheftet! No Cadillac, no perms, you can't see, that I'm a motherfucking P-I-M-P.