„Provisorien halten ein Leben lang“ Homer Simpson
Ich war gestern im Baumarkt. Mit diesem Satz fangen 50 Prozent aller Stand up Programme selbsternannter Comediens an. Das Thema hat aber auch Potenzial. Traurig ist nur, die ganzen Klischees stimmen.
Ich war dort um mir einen neuen Duschschlauch zu kaufen, bzw. in der Erwartung überhöhter Preise, ganz einfach Gaffa Band. Mein alter Schlauch ist an der Sollbruchstelle zwischen Duschkopf und Schlauchanfang eingerissen und begrüßt mich seitdem jeden Morgen mit einem dünnen Wasserstrahl über den Duschvorhang hinweg, gegen die Badezimmertür.
Die Sanitärabteilung hatte ich schnell gefunden. Auch wenn ich einen Bogen laufen musste, weil die Gänge von fleißigen Mitarbeitern verstellt wurden, die die Regale voll oder leer räumten. Es hatte den Anschein, als ob es hier mehr Mitarbeiter als Kunden geben würde. Und ich dachte immer, man fände hier nirgends einen Angestellten. Bei den Badezimmerartikeln sprang mir ein Angebot ins Auge.
-Duschschlauch inklusive Luxus Massageduschkopf und gratis Duschradio (Batterien nicht enthalten)- für schlappe 10 Euro.
Daneben hing ein weiterer Duschschlauch im Angebot, solo, ebenfalls 10 Euro. Da würde ich doch gerne wissen warum ich nicht das Gesamtpaket für das gleiche Geld kaufen sollte. Als ich einen Mitarbeiter suchte, waren alle mit einem Kunden beschäftigt oder rannten in die andere Richtung. Während ich mir die Zeit vertrieb indem ich die Rückseiten der einzelnen Verpackungen durchlas, das Preisschild war natürlich genau über den deutschen Text geklebt, fragt mich ein genervt wirkender Mann, ob ich hier irgendwo einen Mitarbeiter gesehen hätte. Ich sagte ja und dass er gerade in diese Richtung (ich deutete irgendwo hin) verschwunden sei, als er ihn hat kommen sehen. Der Mann fluchte und ging weiter den Flur entlang. In dem Moment, in dem er abbog, strömten mindestens fünf Angestellte des Baumarktes wieder in die Sanitärabteilung. Es war wie bei dem Spiel „Blinde Kuh“. Ich schnappte mir einen von denen und fragte ihn nach dem Unterschied zwischen den beiden Produkten. Die Lebensdauer schwankt zwischen 2-3 Jahren, erklärte er mir. Ein für mich unüberschaubarer Zeitraum, dennoch kaufte ich den Markenschlauch.
Folgender Gedanke kam mir auf dem Parkplatz:
Wie soll das gehen, dass du als Mann in den Baumarkt gehst und genau weißt was du brauchst und das auch zu Hause in bester Handwerker Manier zusammen bastelst und gleichzeitig noch in den Kühlschrank schaust und genau weißt was man aus den Zutaten kochen kann, damit es schmeckt wie in einem Sternerestaurante. Dazu kommt, dass du dich mit Musik auskennen musst, einen spitzen Humor besitzen sollst, eine Bettgewalt darstellen kannst und belesen bist.
Das wird nicht klappen, aus mir wird nie ein guter Handwerker werden.
Ich stellte es mir recht leicht vor den Schlauch zu wechseln, leider habe ich mir das Ausmaß des Dilemmas vorher nicht sorgfältig genug angeschaut. Immer erst den kaputten Schlauch abmontieren bevor man in den Baumarkt fährt! Die Adaptermuffe vom Schlauchende zum Wasserventil ist völlig vergriesknaddelt. Ohne Werkzeug bekomme ich die nicht runter und ohne Einsatz eines Schraubstockes oder einer dritten Hand wird das auch nichts. Erst am Wochenende kann ich da mit schweren Gerät bei. Ein 18er Röbel Fröbel mit Schnörkranz oder ein Förmasterkröm sollte reichen. Bis dahin improvisiere ich. Das bedeutet auch, noch zweimal unter erschwerten Bedingungen duschen.
Ich frage mich, ob mein Vermieter die 10 Euro für den neuen Duschschlauch übernimmt? Oder wäre das für ein so empfindliches Verhältnis wie zwischen Mieter und Vermieter zu pedantisch?
Mittwoch, 19. August 2009
Samstag, 15. August 2009
Nach Hause kommen
„Aber wo war noch mal hier?
Tja, genau genommen geht's nicht um die Richtung,
beides ist nach Hause kommen.
Trotzdem ist da hier und hier da geworden.
Im Westen nichts Neues, alles klar im Norden“ Dendemann
Dank Christian Kracht weiß ich, dass sich einem die Stadt vom Bahnhof aus erschließt. Sie lässt sich daran beurteilen, wie es sich anfühlt, wenn man aus dem Bahnhof tritt und in ihre Innenstadt geht. In Bremen ist es so, dass mir der Bahnhof sehr klein vorkommt, nicht nur im Vergleich zu anderen Großstädten. Die Menschen drängeln bereits an den Treppen zum Bahnsteig und ist man erstmal im Menschenstrom, wird am Ausgang wieder gequetscht und getrieben. Kein wunder, dass es einem zu eng verkommt.
Wenn ich an einem Sonntag nach Bremen zurückkehre, bin ich nie vom Wochenende erholt, sondern immer noch angeditscht vom vielen Feiern und dem Suff.
Wie ein gekochtes Ei, das vom Tisch fällt. Man kann es zwar noch essen, aber keinem mehr anbieten.
Nimmt man Kracht`s Maßstab, hinterlässt Bremen einen recht miesen ersten Eindruck. Vom Bahnhof aus in Richtung Innenstadt kommt erstmal eine Unterführung, darunter billiges Rotlichtmilieu und Fast Food Läden. Wer wo mehr reinspuckt kann man nur erahnen.
Die Straßenbahnstation ist an einem Sonntag, und sonst auch immer, überfüllt. Wenn nicht gerade meine S-Bahn einfährt, kann ich getrost zu Fuß gehen. Dort wartend rum stehen und angebettelt werden ist anstrengender, als die halbe Stunde Fußmarsch zu meiner Wohnung in der Neustadt und außerdem soll man ja die Stadt, das Leben zu Fuß erkunden.
Bevor man die Sögestraße erreicht, kommen reichlich Dönerläden, an denen man seinen Elektrolyte Haushalt wieder ausgleichen kann. Mein Rekord waren sage und schreibe drei Stopps an drei verschiedenen Buden bis ich vollgefressen auf dem Sofa lag. Das war aber auch kein normaler Tag.
Sollte ich am Freitag vergessen haben den Kühlschrank leer zu fressen, erwartet mich am Sonntagabend welkes Gemüse, hartes Brot und schwappeliges Obst. Es kam auch schon vor, dass ich nichts mehr zu trinken im Haus hatte. Ätzend wenn man vorher dehydriert im Zug saß. Ich war gezwungen mir beim Dönerladen um die Ecke eine 1 Liter Flasche Fanta zu kaufen. Nur 2 Euro, das ging noch in anbetracht meiner verzweifelten Lage. Aus dem Wasserhahn trinke ich nichts. Wenn schon kein Alkohol drin ist, muss es wenigstens sprudeln. Fanta ist natürlich flüssige Diabetes und nicht das Beste für den Nachdurst, Stichwort: Pappmaul, aber in der Not trinkt der Teufel eben sein eigenes Produkt.
Den Rest dieser angebrochenen Sonntage verbringe ich vor dem Fernseher. Selbst sonntags gibt die Prime Time selten etwas Gutes her. Besser man legt sich vorher DVDs zurecht oder man gibt sich im Netz die untertitelten Naruto Folgen der letzten Wochen. Früh ins Bett, oder wie in meinem Fall, überhaupt mal ins Bett, ist letztendlich der beste Grundsatz und meine größte Motivation für das „nach Hause kommen“.
Tja, genau genommen geht's nicht um die Richtung,
beides ist nach Hause kommen.
Trotzdem ist da hier und hier da geworden.
Im Westen nichts Neues, alles klar im Norden“ Dendemann
Dank Christian Kracht weiß ich, dass sich einem die Stadt vom Bahnhof aus erschließt. Sie lässt sich daran beurteilen, wie es sich anfühlt, wenn man aus dem Bahnhof tritt und in ihre Innenstadt geht. In Bremen ist es so, dass mir der Bahnhof sehr klein vorkommt, nicht nur im Vergleich zu anderen Großstädten. Die Menschen drängeln bereits an den Treppen zum Bahnsteig und ist man erstmal im Menschenstrom, wird am Ausgang wieder gequetscht und getrieben. Kein wunder, dass es einem zu eng verkommt.
Wenn ich an einem Sonntag nach Bremen zurückkehre, bin ich nie vom Wochenende erholt, sondern immer noch angeditscht vom vielen Feiern und dem Suff.
Wie ein gekochtes Ei, das vom Tisch fällt. Man kann es zwar noch essen, aber keinem mehr anbieten.
Nimmt man Kracht`s Maßstab, hinterlässt Bremen einen recht miesen ersten Eindruck. Vom Bahnhof aus in Richtung Innenstadt kommt erstmal eine Unterführung, darunter billiges Rotlichtmilieu und Fast Food Läden. Wer wo mehr reinspuckt kann man nur erahnen.
Die Straßenbahnstation ist an einem Sonntag, und sonst auch immer, überfüllt. Wenn nicht gerade meine S-Bahn einfährt, kann ich getrost zu Fuß gehen. Dort wartend rum stehen und angebettelt werden ist anstrengender, als die halbe Stunde Fußmarsch zu meiner Wohnung in der Neustadt und außerdem soll man ja die Stadt, das Leben zu Fuß erkunden.
Bevor man die Sögestraße erreicht, kommen reichlich Dönerläden, an denen man seinen Elektrolyte Haushalt wieder ausgleichen kann. Mein Rekord waren sage und schreibe drei Stopps an drei verschiedenen Buden bis ich vollgefressen auf dem Sofa lag. Das war aber auch kein normaler Tag.
Sollte ich am Freitag vergessen haben den Kühlschrank leer zu fressen, erwartet mich am Sonntagabend welkes Gemüse, hartes Brot und schwappeliges Obst. Es kam auch schon vor, dass ich nichts mehr zu trinken im Haus hatte. Ätzend wenn man vorher dehydriert im Zug saß. Ich war gezwungen mir beim Dönerladen um die Ecke eine 1 Liter Flasche Fanta zu kaufen. Nur 2 Euro, das ging noch in anbetracht meiner verzweifelten Lage. Aus dem Wasserhahn trinke ich nichts. Wenn schon kein Alkohol drin ist, muss es wenigstens sprudeln. Fanta ist natürlich flüssige Diabetes und nicht das Beste für den Nachdurst, Stichwort: Pappmaul, aber in der Not trinkt der Teufel eben sein eigenes Produkt.
Den Rest dieser angebrochenen Sonntage verbringe ich vor dem Fernseher. Selbst sonntags gibt die Prime Time selten etwas Gutes her. Besser man legt sich vorher DVDs zurecht oder man gibt sich im Netz die untertitelten Naruto Folgen der letzten Wochen. Früh ins Bett, oder wie in meinem Fall, überhaupt mal ins Bett, ist letztendlich der beste Grundsatz und meine größte Motivation für das „nach Hause kommen“.
Freitag, 7. August 2009
Fertig zum Schlagen
"Schenkt ihnen nichts. Aber nehmt ihnen alles was sie haben!" aus dem Film 300
Bloggern kann man privat so schön den Wind aus den Segeln nehmen, indem man ihren Monolog mit dem Satz „Heb dir das für deinen Blog auf“ unterbricht. Damit mir das nie passiert, lege ich mir eine vernichtende Antwort zurecht. In petto quasi. Schlagfertigkeit ist das, was du 24 Stunden vorher weißt.
Ansonsten fiebere ich dem Ende des Transfermarktes entgegen, also dem 01. September. Mir versauen die Wechselgerüchte und Ablösesummen den Saisonstart an diesem Wochenende. Ich habe heute gelesen, dass Real Madrid 252 Mio. Euro ausgegeben hat. Das bedeutet, dass aus dem 300 Mio Euro Etat des Herrn Peréz noch 48 Mio. übrig sind. Dann sollen die Bayern doch Franck für das Geld hergeben und oben drauf noch Snjider oder meinetwegen auch Van der Vaart fordern. Eingespielt hat sich Franck mit der neuen Bayern Elf unter dem neuen Trainer auch noch nicht und auf der 10er Position spielen die beiden Holländer vermutlich eh effektiver. Zudem kennen sie van Bommel aus der Nationalmannschaft, was den Spielfluss aus der Abwehr heraus in den Angriff sicherlich fördert. Für mich ist das nur sinnig. Solche Personalentscheidungen sind sowieso nur auf internationaler Bühne von Relevanz. Was interessiert es einen Maik Franz von Eintracht Frankfurt, ob Franck Ribery oder Wesley Snjider auf ihn zudribbelt? Der überlegt nur „faulen oder durchwinken?“. Leider ruft mich keiner der Big Bosse aus München mehr an. Mich macht das wirklich nervös.
Heute auf der Arbeit bei einem "Mieter" vorgefunden. Einen IN DIANA JONES Flipper Automaten. Goiles Gerät. Man beachte den Kugelabschussmechanismus getarnt als Revolvergriff. Ich wette das Ding hat auch die Titelmelodie drauf. Leider konnten wir es nicht flippern lassen. Hätte irgendwie unprofessionell auf den Mieter wirken können. Er schaute schon so mißtrauisch auf meine Charlie Harper Shorts.


Internet User unterzeichnen doch so gerne Petitionen via Mausklick oder verlinken diese zumindest mahnend. Ich wäre dafür, dass man das Wort „nicht“ in Zukunft so schreibt: nciht. Das ist mein absoluter Lieblingszweifingerschreibstilvertipper. Würde die Schreibweise sich ändern, müsste ich nciht mehr soviel nachbessern. Natürlich steht es mir frei wie ich was schreibe, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, will man auch weiterhin alles richtig machen.
Was gibt es sonst noch? Dieser Blogeintrag ist der 300. Yeah. Was auch das dümmliche Zitat am Anfang erklärt. Das Teil kommt total unscheinbar daher. Das Wetter ist zu gut und das Wochenende verspricht einiges an Glückseligkeit, sodass ich mich erstmal ausloggen werde. Schönes Wochenende wünscht Dein Lieblingsmensch.
Bloggern kann man privat so schön den Wind aus den Segeln nehmen, indem man ihren Monolog mit dem Satz „Heb dir das für deinen Blog auf“ unterbricht. Damit mir das nie passiert, lege ich mir eine vernichtende Antwort zurecht. In petto quasi. Schlagfertigkeit ist das, was du 24 Stunden vorher weißt.
Ansonsten fiebere ich dem Ende des Transfermarktes entgegen, also dem 01. September. Mir versauen die Wechselgerüchte und Ablösesummen den Saisonstart an diesem Wochenende. Ich habe heute gelesen, dass Real Madrid 252 Mio. Euro ausgegeben hat. Das bedeutet, dass aus dem 300 Mio Euro Etat des Herrn Peréz noch 48 Mio. übrig sind. Dann sollen die Bayern doch Franck für das Geld hergeben und oben drauf noch Snjider oder meinetwegen auch Van der Vaart fordern. Eingespielt hat sich Franck mit der neuen Bayern Elf unter dem neuen Trainer auch noch nicht und auf der 10er Position spielen die beiden Holländer vermutlich eh effektiver. Zudem kennen sie van Bommel aus der Nationalmannschaft, was den Spielfluss aus der Abwehr heraus in den Angriff sicherlich fördert. Für mich ist das nur sinnig. Solche Personalentscheidungen sind sowieso nur auf internationaler Bühne von Relevanz. Was interessiert es einen Maik Franz von Eintracht Frankfurt, ob Franck Ribery oder Wesley Snjider auf ihn zudribbelt? Der überlegt nur „faulen oder durchwinken?“. Leider ruft mich keiner der Big Bosse aus München mehr an. Mich macht das wirklich nervös.
Heute auf der Arbeit bei einem "Mieter" vorgefunden. Einen IN DIANA JONES Flipper Automaten. Goiles Gerät. Man beachte den Kugelabschussmechanismus getarnt als Revolvergriff. Ich wette das Ding hat auch die Titelmelodie drauf. Leider konnten wir es nicht flippern lassen. Hätte irgendwie unprofessionell auf den Mieter wirken können. Er schaute schon so mißtrauisch auf meine Charlie Harper Shorts.
Was gibt es sonst noch? Dieser Blogeintrag ist der 300. Yeah. Was auch das dümmliche Zitat am Anfang erklärt. Das Teil kommt total unscheinbar daher. Das Wetter ist zu gut und das Wochenende verspricht einiges an Glückseligkeit, sodass ich mich erstmal ausloggen werde. Schönes Wochenende wünscht Dein Lieblingsmensch.
Donnerstag, 6. August 2009
Lanzenbruch
Es gibt Personen, die von der Öffentlichkeit gewaltig unterschätzt werden. Für diese Menschen möchte ich eine Lanze brechen, wie man so schön sagt.
Wem besonders der Rücken gestärkt gehört sind...
Uli Hoeneß
Uli hat einen gewaltig schlechten Stand in der Gesellschaft. Er ist wie die Bildzeitung. Man kann unmöglich alles ernst nehmen, aber der Sportteil ist gut. Oft werden Uli´s Taten vom Proletariat zerredet, das nur wenig Ahnung vom Fußball hat. Gegen Hoeneß zu sein, suggeriert den meisten Sportanhängern ja bereits eine gewisse Kompetenz. Glauben sie. Noch heute wird ihm gerne der verschossene Elfmeter im EM Finale 76 vorgehalten. Wenn einem ein verschossener Elfmeter über 30 Jahre später noch verfolgt, dann kann man davon ausgehen, dass man sonst alles richtig gemacht hat. Was das Fußballmanagement angeht, ist Uli der Beste in Deutschland. Vielleicht sogar der Beste der Welt und seiner Zeit weit voraus. Erfolg kommt nicht von ungefähr.
Ihm und seinem FC Bayern wird ständig Arroganz nachgesagt, ich habe aber nicht die geringste Vorstellung, wie sich die äußern soll und würde das gerne mal erklärt bekommen. Wenn er vor der Saison sagt, er wolle Meister werden, dann ist das doch nur realistisch und für die Fans genau das, was sie hören wollen. Erstrecht wenn der Verein FC Bayern heißt. Er hat sehr oft recht mit seinen Aussagen, auch wenn sie unpopulär sind. Öfters als andere aus dem Bundesligaumfeld, dabei haben die viel seltener die Gelegenheit Blödsinn in die Kamera zu palavern und lassen sich die Chance dennoch nicht nehmen. Der Fall Daum zum Beispiel.
Zudem ist Hoeneß unheimlich unterhaltsam und hat auch einen guten Humor, man muss sich nur die Sendungen anschauen, in denen er nicht von dilettantischen Journalisten auf das kommende Jahrhunderttalent oder der Stimmung im Stadion angesprochen wird.
Bayern ist der einzige Verein mit richtigen Fans, alle anderen Fans sind eine Mischung aus bequemer Antipathie gegenüber Bayern und Lokalpatriotismus...
So fühlt es sich an, wenn einem ständig Vorwürfe wegen seiner Vereinsloyalität gemacht werden.
Für jedes Argument dagegen, gibt es auch eins dafür!
Deutsche Synchronsprecher
„Ey, du musst dir das englischsprachige Original angucken!“ Wie ich diesen Satz hasse. Als ob die jedes Wort verstehen würden was da geredet wird, bzw. die Hintergründe der Gags sofort durchleuchten, weil sie jede amerikanische oder englische B-Prominenz auf die angespielt wird, kennen. Wenn ich englische Originale gucke, fällt es mir schwer hundertprozentig in den Film einzutauchen. Ich kenne die englischen Originalstimmen nur aus Interviews oder Making of Sendungen und assoziiere sie auch damit. Wenn ich also einen Film auf Englisch sehe, warte ich jedes Mal darauf, dass gleich die Kulisse umfällt oder der Regisseur „CUT“ ruft oder mir jemand aus dem Off erklärt was da gerade geschieht. Dazu kommen nervig gebrabbelte Akzente, bei denen ich endgültig passen muss. Mir macht es keine Freude einen Film in der Originalsprache zu sehen und ich schätze, dass diejenigen, die behaupten ihre Lieblingsserie im Originalton zu schauen, heimlich zu Hause die Synchronisierte Fassung im Regal stehen haben und nur bei Besuch die Tonspur wechseln.
In Deutschland wird sich, was die Synchronisation angeht, noch richtig viel Mühe gegeben. Die größte Fehlerquelle ist dabei die Übersetzung. Es ist unheimlich schwer den Insider Gag ins deutsche zu übertragen. Shit happens... Scheiße passiert.
Die Simpsons ist ein gutes Beispiel. Da wird ein Subway Sandwich mit U-Boot Sandwich übersetzt und einem eine Halfpipe als Halbröhre verkauft. Wer sich da nicht denken kann was gemeint ist, sollte Serien via Stream im Internet schauen. Viele Gags aus den Zeichentrickserien kann man prima auf den Alltag übertragen. Mach das mal, wenn du im Kopf den Gag erst sinngemäß übersetzen musst. Da darfst du dich aber des Öfteren mit einem „Im Original ist das wirklich voll lustig“ rechtfertigen. Zumal keiner weiß, was du eigentlich meinst.
Die Stimmen selbst sind besser und fassettenreicher als die englischen, auch weil nicht eine Person gleich zehn Rollen übernimmt und so die Tonlagen auch mal ändern darf ohne gleich wie ein Nebencharakter zu klingen. Homer Simpsons deutsche Synchronstimme Norbert Gastell gilt unter Kennern sogar international als die Beste und wer möchte mir erzählen, dass Marge sich auf Englisch besser anhört als Elisabeth Volkmann´s Version? Als ich das erste Mal etwas von Ice Age gesehen habe, dachte ich, es wäre eine deutsche Produktion. So gut passt Ottos stimme und Wesen zu Sid dem Faultier. Ich habe keine Lust mir das vom Original versauen zu lassen.
Bei Lost, einer Serie bei der man in jeden Satz eine Anspielung hineindeuten kann, ist es wichtig, dass der Satz inhaltlich richtig übersetzt wird. Was aber viele beim Original schauen vergessen ist, dass sie selber es ja auch übersetzen müssen und nicht wie selbstverständlich das richtige dabei herauskommt. Ganze Foren werden damit vollgeschrieben wie welcher Satz übersetzt welchen Sinn ergibt. Na da macht das Original schauen ja richtigen Spaß. Ich halte die deutschen Synchronisationen für sehr gelungen, da lohnt sich auch das warten auf den deutschen Release. Hört euch mal spanische Fassungen an, die haben nur einen Synchronsprecher für alles. Das letzte Wort in diesem Fall hat Santiago Ziesmer.
Dorfjugend
Die Jugendlichen auf den Dörfern haben einen schweren Stand bei den Städtern. Früher, vor den DSL Leitungen und der Revolution des Internets im Allgemeinen, mag das auch gestimmt haben. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen und das sehr behütet. No alarms and no surprises and no allergies. Man lernte die Tugenden und die dazugehörigen Menschen besser kennen als sonst irgendwo. Man hat ja auch nichts anderes, weshalb Freundschaften noch gepflegt werden. Ich habe die Zeit für die Charakterbildung effektiv genutzt.
Meiner Meinung nach muss ein Kind die Chance gegeben werden Buden zu bauen, von Bäumen zu fallen und sich im Wald zu verlaufen. Es spricht nichts dagegen in großen Häusern aufzuwachsen, mit großen Gärten und viel Platz drum herum. Wir Dorfkinder mussten sicherlich mehr schuften, aber geschadet hat das keinem von uns. Heute weisen Manager und Politiker sogar auf ihren Stallgeruch hin, um kompetenter und vertrauenswürdiger zu wirken.
Die schönsten Kindheitserinnerungen von Jugendlichen aus einer Metropole sind gewiss der Abenteuerurlaub auf dem Bauernhof oder die Reitstunden auf dem Ponyhof, der in den Sommerferien besucht wurde oder die Kinderserien von Astrid Lindgren oder „Die Kinder vom Süderhof“. Der Hof als großes Plus des Dorfes.
Jetzt, wo allmählich jedes 100 Seelen Kaff mit der Außenwelt via Internet verbunden ist, unterscheiden sich Dorfkinder kaum noch von den Städtern. Das Konsumverhalten kann man im Netz schnell anpassen und auch die Informationen, die man benötigt, um auf dem aktuellsten Stand der Subkulturen zu bleiben, holt man sich per Knopfdruck. In Bremen treffe zwangsläufig auf Menschen die in der Stadt groß geworden sind und muss feststellen, dass viele doch sehr langweilig sind. Die Fähigkeit sich für etwas zu begeistern wird von ihnen mit Naivität verwechselt und sowieso fehlt es denen an Kommunikationsbereitschaft. Mir gefällt es sehr gut einen Zugang zu beiden Lebensmodellen zu haben und weiß dass es den anderen, die vom Dorf in die Stadt gezogen sind, genauso geht. Feldwegpartys sind eine Lebenseinstellung und wir sind viele.
Wem besonders der Rücken gestärkt gehört sind...
Uli Hoeneß
Uli hat einen gewaltig schlechten Stand in der Gesellschaft. Er ist wie die Bildzeitung. Man kann unmöglich alles ernst nehmen, aber der Sportteil ist gut. Oft werden Uli´s Taten vom Proletariat zerredet, das nur wenig Ahnung vom Fußball hat. Gegen Hoeneß zu sein, suggeriert den meisten Sportanhängern ja bereits eine gewisse Kompetenz. Glauben sie. Noch heute wird ihm gerne der verschossene Elfmeter im EM Finale 76 vorgehalten. Wenn einem ein verschossener Elfmeter über 30 Jahre später noch verfolgt, dann kann man davon ausgehen, dass man sonst alles richtig gemacht hat. Was das Fußballmanagement angeht, ist Uli der Beste in Deutschland. Vielleicht sogar der Beste der Welt und seiner Zeit weit voraus. Erfolg kommt nicht von ungefähr.
Ihm und seinem FC Bayern wird ständig Arroganz nachgesagt, ich habe aber nicht die geringste Vorstellung, wie sich die äußern soll und würde das gerne mal erklärt bekommen. Wenn er vor der Saison sagt, er wolle Meister werden, dann ist das doch nur realistisch und für die Fans genau das, was sie hören wollen. Erstrecht wenn der Verein FC Bayern heißt. Er hat sehr oft recht mit seinen Aussagen, auch wenn sie unpopulär sind. Öfters als andere aus dem Bundesligaumfeld, dabei haben die viel seltener die Gelegenheit Blödsinn in die Kamera zu palavern und lassen sich die Chance dennoch nicht nehmen. Der Fall Daum zum Beispiel.
Zudem ist Hoeneß unheimlich unterhaltsam und hat auch einen guten Humor, man muss sich nur die Sendungen anschauen, in denen er nicht von dilettantischen Journalisten auf das kommende Jahrhunderttalent oder der Stimmung im Stadion angesprochen wird.
Bayern ist der einzige Verein mit richtigen Fans, alle anderen Fans sind eine Mischung aus bequemer Antipathie gegenüber Bayern und Lokalpatriotismus...
So fühlt es sich an, wenn einem ständig Vorwürfe wegen seiner Vereinsloyalität gemacht werden.
Für jedes Argument dagegen, gibt es auch eins dafür!
Deutsche Synchronsprecher
„Ey, du musst dir das englischsprachige Original angucken!“ Wie ich diesen Satz hasse. Als ob die jedes Wort verstehen würden was da geredet wird, bzw. die Hintergründe der Gags sofort durchleuchten, weil sie jede amerikanische oder englische B-Prominenz auf die angespielt wird, kennen. Wenn ich englische Originale gucke, fällt es mir schwer hundertprozentig in den Film einzutauchen. Ich kenne die englischen Originalstimmen nur aus Interviews oder Making of Sendungen und assoziiere sie auch damit. Wenn ich also einen Film auf Englisch sehe, warte ich jedes Mal darauf, dass gleich die Kulisse umfällt oder der Regisseur „CUT“ ruft oder mir jemand aus dem Off erklärt was da gerade geschieht. Dazu kommen nervig gebrabbelte Akzente, bei denen ich endgültig passen muss. Mir macht es keine Freude einen Film in der Originalsprache zu sehen und ich schätze, dass diejenigen, die behaupten ihre Lieblingsserie im Originalton zu schauen, heimlich zu Hause die Synchronisierte Fassung im Regal stehen haben und nur bei Besuch die Tonspur wechseln.
In Deutschland wird sich, was die Synchronisation angeht, noch richtig viel Mühe gegeben. Die größte Fehlerquelle ist dabei die Übersetzung. Es ist unheimlich schwer den Insider Gag ins deutsche zu übertragen. Shit happens... Scheiße passiert.
Die Simpsons ist ein gutes Beispiel. Da wird ein Subway Sandwich mit U-Boot Sandwich übersetzt und einem eine Halfpipe als Halbröhre verkauft. Wer sich da nicht denken kann was gemeint ist, sollte Serien via Stream im Internet schauen. Viele Gags aus den Zeichentrickserien kann man prima auf den Alltag übertragen. Mach das mal, wenn du im Kopf den Gag erst sinngemäß übersetzen musst. Da darfst du dich aber des Öfteren mit einem „Im Original ist das wirklich voll lustig“ rechtfertigen. Zumal keiner weiß, was du eigentlich meinst.
Die Stimmen selbst sind besser und fassettenreicher als die englischen, auch weil nicht eine Person gleich zehn Rollen übernimmt und so die Tonlagen auch mal ändern darf ohne gleich wie ein Nebencharakter zu klingen. Homer Simpsons deutsche Synchronstimme Norbert Gastell gilt unter Kennern sogar international als die Beste und wer möchte mir erzählen, dass Marge sich auf Englisch besser anhört als Elisabeth Volkmann´s Version? Als ich das erste Mal etwas von Ice Age gesehen habe, dachte ich, es wäre eine deutsche Produktion. So gut passt Ottos stimme und Wesen zu Sid dem Faultier. Ich habe keine Lust mir das vom Original versauen zu lassen.
Bei Lost, einer Serie bei der man in jeden Satz eine Anspielung hineindeuten kann, ist es wichtig, dass der Satz inhaltlich richtig übersetzt wird. Was aber viele beim Original schauen vergessen ist, dass sie selber es ja auch übersetzen müssen und nicht wie selbstverständlich das richtige dabei herauskommt. Ganze Foren werden damit vollgeschrieben wie welcher Satz übersetzt welchen Sinn ergibt. Na da macht das Original schauen ja richtigen Spaß. Ich halte die deutschen Synchronisationen für sehr gelungen, da lohnt sich auch das warten auf den deutschen Release. Hört euch mal spanische Fassungen an, die haben nur einen Synchronsprecher für alles. Das letzte Wort in diesem Fall hat Santiago Ziesmer.
Dorfjugend
Die Jugendlichen auf den Dörfern haben einen schweren Stand bei den Städtern. Früher, vor den DSL Leitungen und der Revolution des Internets im Allgemeinen, mag das auch gestimmt haben. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen und das sehr behütet. No alarms and no surprises and no allergies. Man lernte die Tugenden und die dazugehörigen Menschen besser kennen als sonst irgendwo. Man hat ja auch nichts anderes, weshalb Freundschaften noch gepflegt werden. Ich habe die Zeit für die Charakterbildung effektiv genutzt.
Meiner Meinung nach muss ein Kind die Chance gegeben werden Buden zu bauen, von Bäumen zu fallen und sich im Wald zu verlaufen. Es spricht nichts dagegen in großen Häusern aufzuwachsen, mit großen Gärten und viel Platz drum herum. Wir Dorfkinder mussten sicherlich mehr schuften, aber geschadet hat das keinem von uns. Heute weisen Manager und Politiker sogar auf ihren Stallgeruch hin, um kompetenter und vertrauenswürdiger zu wirken.
Die schönsten Kindheitserinnerungen von Jugendlichen aus einer Metropole sind gewiss der Abenteuerurlaub auf dem Bauernhof oder die Reitstunden auf dem Ponyhof, der in den Sommerferien besucht wurde oder die Kinderserien von Astrid Lindgren oder „Die Kinder vom Süderhof“. Der Hof als großes Plus des Dorfes.
Jetzt, wo allmählich jedes 100 Seelen Kaff mit der Außenwelt via Internet verbunden ist, unterscheiden sich Dorfkinder kaum noch von den Städtern. Das Konsumverhalten kann man im Netz schnell anpassen und auch die Informationen, die man benötigt, um auf dem aktuellsten Stand der Subkulturen zu bleiben, holt man sich per Knopfdruck. In Bremen treffe zwangsläufig auf Menschen die in der Stadt groß geworden sind und muss feststellen, dass viele doch sehr langweilig sind. Die Fähigkeit sich für etwas zu begeistern wird von ihnen mit Naivität verwechselt und sowieso fehlt es denen an Kommunikationsbereitschaft. Mir gefällt es sehr gut einen Zugang zu beiden Lebensmodellen zu haben und weiß dass es den anderen, die vom Dorf in die Stadt gezogen sind, genauso geht. Feldwegpartys sind eine Lebenseinstellung und wir sind viele.
Mittwoch, 5. August 2009
Lagerfeuermusik
"Ihr lieben Achtundsechziger
Danke für Alles - Ihr dürft gehn" Peter Licht
"So viele Jahre mit der Gitarre
So viel Melodie im Hirn
So viel Schweiß auf der Stirn
Ich lass es rocken" Der Junge mit der Gitarre
Wenn das Wetter es zulässt und man das Wochenende im Freien verbringen kann, gehört das Lagerfeuer dazu wie der Alkohol. Ausgeladen sei derjenige, der in diesem Zusammenhang einen Widerspruch erkennt. Holz und Fläche gibt es genug auf dem Dorf. In vielen Dörfern steht sogar irgendetwas mit Holz auf den Ortsschildern. Wir Kinder vom Dorf haben zum Glück eine gewisse Routine mit der Lagerfeueratmosphäre, sodass niemand anfängt pathetisch oder larmoyant zu werden. Sitzen, Trinken und Unterhalten mehr braucht es nicht. Als Bräuteabschleppkabinett sollte man ein Lagerfeuer nicht missbrauchen. Musik ist natürlich auch da, Musik sollte immer da sein. Die Musik darf oder soll sogar ruhig, pathetisch oder larmoyant sein, das funktioniert. Jack Johnson hat das Prinzip verstanden.
Mittlerweile ist es ja kein Problem einen iPod mit klangvollen Boxen dabei zu haben oder ein Baustellenradio oder einer parkt sein Auto in der Nähe. Fahren darf man ja eh nicht mehr.
Schlimm wird es, wenn jemand, meist männliche Vertreter, seine Gitarre oder sonstiges mitbringt. Diese Leute verlangen ein unglaubliches Maß an Aufmerksamkeit. Es ist ja wirklich schön, dass es Menschen gibt, die dieses traditionsreiche Instrument beherrschen, aber im Hintergrund agieren können sie nicht. Man denke an eine kleine Runde, da sollte Musik aus dem Off kommen und es ist eher unwahrscheinlich, dass der Herr Musiker seinen Stuhl (obwohl solche Leute konsequenterweise eine Decke dabei haben) nimmt und sich fünf bis zehn Meter weiter weg setzt. Zudem ist das Repertoire auf dem iPod, den Mixtapes oder dem viel erträglicheren Abendprogrammen der Radiosender um einiges größer und mannigfaltiger als das Notenblatt, das der Gitarre zu Weihnachten beilag.
Man hört „Under the Bridge“, „Creep“, „Wonderwall“, „Let it be“, wieder „Under the Bridge“, „Wish you were here“ und wenn man sich mal von Radiohead „Everyone can play guitar“ wünscht, ist gleich jemand beleidigt.
Oft wird man genötigt den Refrain mitzusingen. So was lockt doch nur Pfadfinder an und über die Textsicherheit und Qualität brauchen wir erst gar nicht zu reden. Unterhaltungen werden da unmöglich.
„Wer singt dieses Lied?“
„Oasis“
„Ja, genau und ich finde es sollte auch so bleiben!“
Live Musik am Lagerfeuer bringt Niemanden etwas, bis auf dem Interpreten selbst. Dabei verdienen sie in etwa genau soviel Prestige wie halbstarke Kids im Zugabteil, die lautstarke Musik aus dem Handy hören. Selbst zu Sheryl Crow oder KT würde ich sagen, Mädel, nice but unnötig.
Ich möchte Niemanden seine Illusionen eines romantischen Abends am Lagerfeuer nehmen und ich bin mir sicher, dass ein Thom Yorke den perfekt umsetzen würde, aber leider steckt immer etwas anderes dahinter wenn ein Instrument den Wegins ans Lagerfeuer findet.
Bei uns kommt so ein Anfängerfehler nicht vor. Wenn es passiert, sind es fremde Leute, die eh einen schweren Stand haben und sich mit ihrem Hippieesken Verhalten völlig ins Abseits profilieren. Dann bringt doch stattdessen lieber einen Hund mit, danke.
Danke für Alles - Ihr dürft gehn" Peter Licht
"So viele Jahre mit der Gitarre
So viel Melodie im Hirn
So viel Schweiß auf der Stirn
Ich lass es rocken" Der Junge mit der Gitarre
Wenn das Wetter es zulässt und man das Wochenende im Freien verbringen kann, gehört das Lagerfeuer dazu wie der Alkohol. Ausgeladen sei derjenige, der in diesem Zusammenhang einen Widerspruch erkennt. Holz und Fläche gibt es genug auf dem Dorf. In vielen Dörfern steht sogar irgendetwas mit Holz auf den Ortsschildern. Wir Kinder vom Dorf haben zum Glück eine gewisse Routine mit der Lagerfeueratmosphäre, sodass niemand anfängt pathetisch oder larmoyant zu werden. Sitzen, Trinken und Unterhalten mehr braucht es nicht. Als Bräuteabschleppkabinett sollte man ein Lagerfeuer nicht missbrauchen. Musik ist natürlich auch da, Musik sollte immer da sein. Die Musik darf oder soll sogar ruhig, pathetisch oder larmoyant sein, das funktioniert. Jack Johnson hat das Prinzip verstanden.
Mittlerweile ist es ja kein Problem einen iPod mit klangvollen Boxen dabei zu haben oder ein Baustellenradio oder einer parkt sein Auto in der Nähe. Fahren darf man ja eh nicht mehr.
Schlimm wird es, wenn jemand, meist männliche Vertreter, seine Gitarre oder sonstiges mitbringt. Diese Leute verlangen ein unglaubliches Maß an Aufmerksamkeit. Es ist ja wirklich schön, dass es Menschen gibt, die dieses traditionsreiche Instrument beherrschen, aber im Hintergrund agieren können sie nicht. Man denke an eine kleine Runde, da sollte Musik aus dem Off kommen und es ist eher unwahrscheinlich, dass der Herr Musiker seinen Stuhl (obwohl solche Leute konsequenterweise eine Decke dabei haben) nimmt und sich fünf bis zehn Meter weiter weg setzt. Zudem ist das Repertoire auf dem iPod, den Mixtapes oder dem viel erträglicheren Abendprogrammen der Radiosender um einiges größer und mannigfaltiger als das Notenblatt, das der Gitarre zu Weihnachten beilag.
Man hört „Under the Bridge“, „Creep“, „Wonderwall“, „Let it be“, wieder „Under the Bridge“, „Wish you were here“ und wenn man sich mal von Radiohead „Everyone can play guitar“ wünscht, ist gleich jemand beleidigt.
Oft wird man genötigt den Refrain mitzusingen. So was lockt doch nur Pfadfinder an und über die Textsicherheit und Qualität brauchen wir erst gar nicht zu reden. Unterhaltungen werden da unmöglich.
„Wer singt dieses Lied?“
„Oasis“
„Ja, genau und ich finde es sollte auch so bleiben!“
Live Musik am Lagerfeuer bringt Niemanden etwas, bis auf dem Interpreten selbst. Dabei verdienen sie in etwa genau soviel Prestige wie halbstarke Kids im Zugabteil, die lautstarke Musik aus dem Handy hören. Selbst zu Sheryl Crow oder KT würde ich sagen, Mädel, nice but unnötig.
Ich möchte Niemanden seine Illusionen eines romantischen Abends am Lagerfeuer nehmen und ich bin mir sicher, dass ein Thom Yorke den perfekt umsetzen würde, aber leider steckt immer etwas anderes dahinter wenn ein Instrument den Weg
Bei uns kommt so ein Anfängerfehler nicht vor. Wenn es passiert, sind es fremde Leute, die eh einen schweren Stand haben und sich mit ihrem Hippieesken Verhalten völlig ins Abseits profilieren. Dann bringt doch stattdessen lieber einen Hund mit, danke.
Mittwoch, 29. Juli 2009
How to be an engineer…
„Ich habe da ein Problem, Thomas, du bist doch Ingenieur…“ sagt man so
Ein Ingenieur zu werden ist mehr oder weniger schwer. Wie jedes Studium ist es eine Fleißfrage, man geht oft schematisch vor und operiert nach Fahrplan. Am wichtigsten ist im Grunde der Sachverstand. Jedenfalls bekommt man keine guten Noten geschenkt, wie in einem Biologie, Mathe oder Architektur Studium. Ob das immer alles gerecht ist, sei mal dahingestellt und interessiert auch nicht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, wenn man erstmal Ingenieur ist.
In meinem Studium wurden die Professoren nicht müde von ihren grandiosen Erfolgen in der freien Welt zu berichten, wiesen weniger unterschwellig auf ihre Kompetenzen hin und streuten nebenbei ein, dass die Errungenschaften auf jenem Sektor ihnen zu verdanken seien. Wenn man das so hört, während man sich den Hintern auf den harten Klappsitzen des Hörsaales breit sitzt, zudem chronisch pleite ist, denkt man schnell, da will ich auch hin. Das Bild des unheimlich innovativen Bastlers mit unermüdlichen Forschungsdrang und einen Haufen Ideen in der Schublade brannte sich in meinen Hinterkopf ein. Ein Ingenieur schafft Lösungen, rettet die Umwelt, revolutioniert Denkweisen, trifft schwerwiegende Entscheidungen und lässt sich dafür den Arsch vergolden. Ein Gedanke, der mir häufig die Motivation verlieh, der Hausarbeit doch mehr als nur einen oberflächlichen Blick zu gönnen.
Ich erinnere gerne an den Werbespot, in dem ein Ingenieur aus seinem Strandhaus auf das Wasser schaut und über Bewegung nachdenkt. Kurz darauf watschelt ein klappriges, vom Wind getriebenes „Fortbewegungsmittel“ über den Strand. Schon wieder etwas erfunden. Ich glaube, es ging in der Werbung um ein Auto. Oder Scotti, aus der alten Star Trek Reihe. Der Mann benötigte für die Reparatur eines Warpantriebes nur einen Tag und rettete am Schluss die gesamte Besatzung.
Die, zugegeben schöne, Vorstellung des Ingenieurberufes ist ziemlich unrealistisch. Das kann man sich immer wieder sagen, dennoch, der Druck nun endlich sein persönliches Rad zu erfinden, bleibt. Es ist kein „9 to 5“ Job, sondern ein „Entweder Du bist es oder Du warst es nie“ Job. Ideen möchten realisiert werden, auch nach Feierabend.
Zurzeit denke ich viel darüber nach, wie man dieses Bild nach unten korrigieren kann, ohne eine Inflation des Berufstandes zu provozieren. Die Ärzte haben das doch auch geschafft. Nicht jeder entdeckt ein Mittel gegen oder für etwas. Im Gegenteil, viele sind einfach Durchschnitt, beraten auch mal falsch und wirken dabei glücklich mit ihren Schluckimpfungen an Grundschulen. Kann sein, dass bei denen ein „warum bin ich nicht wie Dr. House“ in den Hinterköpfen rum schwiert, aber anmerken tut man es ihnen nicht.
Mir geht es nicht darum in Zukunft mit gerissenen Sätzen Kunden, Arbeit- oder Auftragsgeber zu beschwichtigen oder Kompetenz zu suggerieren, Hauptsache eine gewisse Seriosität zu vermitteln oder ganz einfach weniger zu tun. Ich möchte die Sichtweise auf das was ich tue ändern. Angefangen habe ich damit, meinen Beruf als Job zu bezeichnen. Das nimmt erstmal wenigstens verbal eine gewisse Last, die ich während meiner Berufsfindung und Abwägung meiner Zukunftsperspektiven nicht gebrauchen kann. Geholfen hat mir dabei ein Gespräch mit meinem Teamleiter von der Arbeit. Dem ging es vor kurzem noch ähnlich, nur dass er Frau und Kinder hat und ihm die Entscheidung den Job zum Beruf zu machen somit abgenommen wurde.
Seit diesem Jahr werden keine Diplom Ingenieure mehr ausgebildet. Stattdessen heißen die Abschlüsse nun Master of Science. Wie sich das auswirken wird weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich sehr froh bin noch ein diplomierter Ingenieur geworden zu sein.
Ein Ingenieur zu werden ist mehr oder weniger schwer. Wie jedes Studium ist es eine Fleißfrage, man geht oft schematisch vor und operiert nach Fahrplan. Am wichtigsten ist im Grunde der Sachverstand. Jedenfalls bekommt man keine guten Noten geschenkt, wie in einem Biologie, Mathe oder Architektur Studium. Ob das immer alles gerecht ist, sei mal dahingestellt und interessiert auch nicht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, wenn man erstmal Ingenieur ist.
In meinem Studium wurden die Professoren nicht müde von ihren grandiosen Erfolgen in der freien Welt zu berichten, wiesen weniger unterschwellig auf ihre Kompetenzen hin und streuten nebenbei ein, dass die Errungenschaften auf jenem Sektor ihnen zu verdanken seien. Wenn man das so hört, während man sich den Hintern auf den harten Klappsitzen des Hörsaales breit sitzt, zudem chronisch pleite ist, denkt man schnell, da will ich auch hin. Das Bild des unheimlich innovativen Bastlers mit unermüdlichen Forschungsdrang und einen Haufen Ideen in der Schublade brannte sich in meinen Hinterkopf ein. Ein Ingenieur schafft Lösungen, rettet die Umwelt, revolutioniert Denkweisen, trifft schwerwiegende Entscheidungen und lässt sich dafür den Arsch vergolden. Ein Gedanke, der mir häufig die Motivation verlieh, der Hausarbeit doch mehr als nur einen oberflächlichen Blick zu gönnen.
Ich erinnere gerne an den Werbespot, in dem ein Ingenieur aus seinem Strandhaus auf das Wasser schaut und über Bewegung nachdenkt. Kurz darauf watschelt ein klappriges, vom Wind getriebenes „Fortbewegungsmittel“ über den Strand. Schon wieder etwas erfunden. Ich glaube, es ging in der Werbung um ein Auto. Oder Scotti, aus der alten Star Trek Reihe. Der Mann benötigte für die Reparatur eines Warpantriebes nur einen Tag und rettete am Schluss die gesamte Besatzung.
Die, zugegeben schöne, Vorstellung des Ingenieurberufes ist ziemlich unrealistisch. Das kann man sich immer wieder sagen, dennoch, der Druck nun endlich sein persönliches Rad zu erfinden, bleibt. Es ist kein „9 to 5“ Job, sondern ein „Entweder Du bist es oder Du warst es nie“ Job. Ideen möchten realisiert werden, auch nach Feierabend.
Zurzeit denke ich viel darüber nach, wie man dieses Bild nach unten korrigieren kann, ohne eine Inflation des Berufstandes zu provozieren. Die Ärzte haben das doch auch geschafft. Nicht jeder entdeckt ein Mittel gegen oder für etwas. Im Gegenteil, viele sind einfach Durchschnitt, beraten auch mal falsch und wirken dabei glücklich mit ihren Schluckimpfungen an Grundschulen. Kann sein, dass bei denen ein „warum bin ich nicht wie Dr. House“ in den Hinterköpfen rum schwiert, aber anmerken tut man es ihnen nicht.
Mir geht es nicht darum in Zukunft mit gerissenen Sätzen Kunden, Arbeit- oder Auftragsgeber zu beschwichtigen oder Kompetenz zu suggerieren, Hauptsache eine gewisse Seriosität zu vermitteln oder ganz einfach weniger zu tun. Ich möchte die Sichtweise auf das was ich tue ändern. Angefangen habe ich damit, meinen Beruf als Job zu bezeichnen. Das nimmt erstmal wenigstens verbal eine gewisse Last, die ich während meiner Berufsfindung und Abwägung meiner Zukunftsperspektiven nicht gebrauchen kann. Geholfen hat mir dabei ein Gespräch mit meinem Teamleiter von der Arbeit. Dem ging es vor kurzem noch ähnlich, nur dass er Frau und Kinder hat und ihm die Entscheidung den Job zum Beruf zu machen somit abgenommen wurde.
Seit diesem Jahr werden keine Diplom Ingenieure mehr ausgebildet. Stattdessen heißen die Abschlüsse nun Master of Science. Wie sich das auswirken wird weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich sehr froh bin noch ein diplomierter Ingenieur geworden zu sein.
Sonntag, 26. Juli 2009
Der Tag, an dem Michael Jackson starb
"Do you remember the time?" Michael Jackson
Freitag, 26. Juni 2009
Wie jeden Werktag springt mein CD/Radiowecker auch heute um 6 Uhr an. Wirklich wecken muss er mich nicht mehr, sonst wäre es auch quatsch die Weckzeit auf eine volle Stunde zu stellen, wie zum Beispiel 6 Uhr. Eine Zeit in der garantiert immer Nachrichten laufen, die einen meist nicht zu wecken vermögen. Im Gegenteil. Ich nutze das Radio nur noch um Abends beim Lesen ein wenig Hintergrundgeplänkel zu haben.
„Bremen 4, die Nachrichten. Michael Jackson ist tot. Oldenburg gewinnt die Basketballmeisterschaften. 80 Prozent Regenwahrscheinlichkeit.“
Da war es! Normalerweise drücke ich mindestens 6-mal auf die „Schlummertaste“, bevor ich wirklich aufstehe. Dieses Mal machte ich das Radio direkt aus. Nach der Hiobsbotschaft hockte ich auf der Bettkante und zwang mich dazu irgendetwas zu empfinden, von dem ich irgendwann mal stolz berichten könnte. Nichts, alles leer. Ich war weder betroffen, noch überrascht oder erleichtert. Mein Gefühl passte zum sachlichen Ton des Nachrichtensprechers.
Mit dem Musiker Jackson habe ich schon länger abgeschlossen. Für mich war Michael ab dem Tag in Rente gegangen, an dem er die Song-Angebote der Neptunes abgelehnt hatte. Justin Timberlake war die hörbar bessere Alternative gewesen. Zum Glück war das so. Seit diesem Moment habe ich gehofft, dass der Mensch Michael Jackson eine Ahnung davon bekommen hat, wie man in Würde altert und er von der großen Bühne abtreten möchte. Alle Comeback Gerüchte waren halt nur Gerüchte und die 50 Shows in London hätte er eh nie gespielt, so meine Meinung. Das lässt sich jetzt leicht sagen.
Ich setzte mich vor den Fernseher und schaute das Sat 1 Frühstücksfernsehen. Es waren die ersten bewegten Bilder, die ich sah und so blieb ich bei dem Sender. Woran er gestorben ist, konnte ich mir denken. Bei dem Leben. Eine Kerze, die von beiden Seiten brennt. Ein schwules Moderator-Maskottchen, das zu einer Frühstücksendung gehört, wie der gute Laune Köter, tut so, als wäre er seit Lebzeiten mit dem King of Pop per Du gewesen. Er fuchtelte aufgeregt mit seinen Knickhänden vor der Kamera rum und plauderte aus dem Nähkästchen. Er degradierte den wohl einflussreichsten Menschen in meinem Leben zu Klatsch und Tratsch. Die Bilder von Michael waren aber klasse. Außerdem hat das Programm eine kleine Uhr am Bildschirmrand, also blieb ich dran.
Auf einen renommierten Nachrichtensender zu schalten kam mir nicht in den Sinn. Ich frühstückte und alles fühlte sich erschreckend normal an. Auf dem Weg zur Arbeit bildete ich mir ein, die Straßenbahn sei leerer als sonst und die Straßen sowieso. Anstatt produktiv zu arbeiten, schrieb ich einen Nachruf in den Blog und las im Internet Zeitung. Am Kiosk war das einzige Blatt mit einer Titelstory über MJs Tod die Bildzeitung. Darauf konnte ich verzichten.
Um 11 Uhr hatte ich einen Termin bei einem Designer im Steintor Viertel. Thema sollte dessen Wohnung sein, vorüber wir eigentlich reden würden, war mir vorher klar. In der Bahn unterhielten sich ein paar Franzosen. Ich verstand nur zwei Wörter: Billie und Jean. Der Designer war barfuss als er mir die Tür öffnete. Zum Glück erlaubte er mir ausnahmsweise meine Schuhe anzubehalten. Wir gingen in seine „kleine Oase“ wie er es nannte und setzten uns auf teuer aussehende Stühle. Ich redete den üblichen Smalltalk runter, während er sich eine Zigarette drehte und mich anschielte.
Er: „Ich will Dich nicht ablenken, aber glaubst Du, Michael Jackson ist wirklich gestorben? Ich glaube das nicht. Es ist wie bei Falko, da haben die das auch alle vermutet.“
Ich: „Möglich wäre es natürlich. Ein schöner Gedanke, Michael irgendwo auf einer Südsee Insel, das erste Mal seit 40 Jahren wirklich wieder in Frieden und glücklich.“
Er: „Und mit dem Ausverkauf der jetzt folgen wird auch finanzierbar. So eine Leiche ist doch schnell manipuliert oder einfach verschwunden. Wie damals bei Falko.“
Was hatte der denn immer mit Falko? Ich finde es viel schlimmer, dass so Unsinnspersonen wie Britney Spears, Pete Doherty und Amy Winehouse immer noch weiter machen dürfen. Dabei war Michael noch nicht einmal ein richtiger Junkie.
Das ist dann jetzt wohl die Trotzphase, dachte ich. Im Büro hörte ich meinen eigenen Radiosender. So konnte ich den stündlich neuen Gerüchten aus dem Weg gehen und wurde nicht ausschließlich mit Jackson Songs beschallt.
Die Kollegen im Büro schienen den Verlust mit wenig gelungenen Stand up Einlagen kompensieren zu wollen.
„Ob der beerdigt wird oder kommt der in den Sondermüll?“
„Habt ihr schon gehört, Michael Jacksons Nase ist bei eBay drin.“
Wenn man mal darüber nachdenkt, dann könnte meine Generation die interessantesten Zeitzeugen der Geschichte hervorbringen. Mauerfall, Weltmeister, Millennium, 11. September, Weltwirtschaftskrise, Barack Obama, Michael Jacksons Tod, Lost Serienfinale, wieder Weltmeister und das Ende des Maya Kalenders im Jahre 2012 kann ebenfalls spektakulär werden… Sie könnte aber auch als die dusseligste Generation in die Geschichtsbücher eingehen.
Am Abend schaute ich nach, wie die anderen im Internet so reagierten. Ich schrieb jedem einen bedeutungsschwangeren Songtitel auf die virtuelle Pinnwand. Paul kam vorbei und wir schauten ablenkungsreiche DVDs. Auf 3 Sat kamen bis in die tiefe Nacht alle Michael Jackson Videos. Die Beste Reaktion eines Fernsehsenders überhaupt. Mal nicht quatschen, sondern abliefern.
Die stündlich aktualisierten Amazon Charts zeigten das dumme Verhalten derer, die scheinbar etwas ganz großes erst dann erkennen, wenn es vorbei ist. Platz 1 bis 14 gingen an den toten King of Pop. Auf Platz 26 tauchte er noch mal mit Dangerous auf und die Vinyl Version von Bad kam auf Platz 40. Da war er, der angekündigte Hype und er sollte noch lange bleiben.
Freitag, 26. Juni 2009
Wie jeden Werktag springt mein CD/Radiowecker auch heute um 6 Uhr an. Wirklich wecken muss er mich nicht mehr, sonst wäre es auch quatsch die Weckzeit auf eine volle Stunde zu stellen, wie zum Beispiel 6 Uhr. Eine Zeit in der garantiert immer Nachrichten laufen, die einen meist nicht zu wecken vermögen. Im Gegenteil. Ich nutze das Radio nur noch um Abends beim Lesen ein wenig Hintergrundgeplänkel zu haben.
„Bremen 4, die Nachrichten. Michael Jackson ist tot. Oldenburg gewinnt die Basketballmeisterschaften. 80 Prozent Regenwahrscheinlichkeit.“
Da war es! Normalerweise drücke ich mindestens 6-mal auf die „Schlummertaste“, bevor ich wirklich aufstehe. Dieses Mal machte ich das Radio direkt aus. Nach der Hiobsbotschaft hockte ich auf der Bettkante und zwang mich dazu irgendetwas zu empfinden, von dem ich irgendwann mal stolz berichten könnte. Nichts, alles leer. Ich war weder betroffen, noch überrascht oder erleichtert. Mein Gefühl passte zum sachlichen Ton des Nachrichtensprechers.
Mit dem Musiker Jackson habe ich schon länger abgeschlossen. Für mich war Michael ab dem Tag in Rente gegangen, an dem er die Song-Angebote der Neptunes abgelehnt hatte. Justin Timberlake war die hörbar bessere Alternative gewesen. Zum Glück war das so. Seit diesem Moment habe ich gehofft, dass der Mensch Michael Jackson eine Ahnung davon bekommen hat, wie man in Würde altert und er von der großen Bühne abtreten möchte. Alle Comeback Gerüchte waren halt nur Gerüchte und die 50 Shows in London hätte er eh nie gespielt, so meine Meinung. Das lässt sich jetzt leicht sagen.
Ich setzte mich vor den Fernseher und schaute das Sat 1 Frühstücksfernsehen. Es waren die ersten bewegten Bilder, die ich sah und so blieb ich bei dem Sender. Woran er gestorben ist, konnte ich mir denken. Bei dem Leben. Eine Kerze, die von beiden Seiten brennt. Ein schwules Moderator-Maskottchen, das zu einer Frühstücksendung gehört, wie der gute Laune Köter, tut so, als wäre er seit Lebzeiten mit dem King of Pop per Du gewesen. Er fuchtelte aufgeregt mit seinen Knickhänden vor der Kamera rum und plauderte aus dem Nähkästchen. Er degradierte den wohl einflussreichsten Menschen in meinem Leben zu Klatsch und Tratsch. Die Bilder von Michael waren aber klasse. Außerdem hat das Programm eine kleine Uhr am Bildschirmrand, also blieb ich dran.
Auf einen renommierten Nachrichtensender zu schalten kam mir nicht in den Sinn. Ich frühstückte und alles fühlte sich erschreckend normal an. Auf dem Weg zur Arbeit bildete ich mir ein, die Straßenbahn sei leerer als sonst und die Straßen sowieso. Anstatt produktiv zu arbeiten, schrieb ich einen Nachruf in den Blog und las im Internet Zeitung. Am Kiosk war das einzige Blatt mit einer Titelstory über MJs Tod die Bildzeitung. Darauf konnte ich verzichten.
Um 11 Uhr hatte ich einen Termin bei einem Designer im Steintor Viertel. Thema sollte dessen Wohnung sein, vorüber wir eigentlich reden würden, war mir vorher klar. In der Bahn unterhielten sich ein paar Franzosen. Ich verstand nur zwei Wörter: Billie und Jean. Der Designer war barfuss als er mir die Tür öffnete. Zum Glück erlaubte er mir ausnahmsweise meine Schuhe anzubehalten. Wir gingen in seine „kleine Oase“ wie er es nannte und setzten uns auf teuer aussehende Stühle. Ich redete den üblichen Smalltalk runter, während er sich eine Zigarette drehte und mich anschielte.
Er: „Ich will Dich nicht ablenken, aber glaubst Du, Michael Jackson ist wirklich gestorben? Ich glaube das nicht. Es ist wie bei Falko, da haben die das auch alle vermutet.“
Ich: „Möglich wäre es natürlich. Ein schöner Gedanke, Michael irgendwo auf einer Südsee Insel, das erste Mal seit 40 Jahren wirklich wieder in Frieden und glücklich.“
Er: „Und mit dem Ausverkauf der jetzt folgen wird auch finanzierbar. So eine Leiche ist doch schnell manipuliert oder einfach verschwunden. Wie damals bei Falko.“
Was hatte der denn immer mit Falko? Ich finde es viel schlimmer, dass so Unsinnspersonen wie Britney Spears, Pete Doherty und Amy Winehouse immer noch weiter machen dürfen. Dabei war Michael noch nicht einmal ein richtiger Junkie.
Das ist dann jetzt wohl die Trotzphase, dachte ich. Im Büro hörte ich meinen eigenen Radiosender. So konnte ich den stündlich neuen Gerüchten aus dem Weg gehen und wurde nicht ausschließlich mit Jackson Songs beschallt.
Die Kollegen im Büro schienen den Verlust mit wenig gelungenen Stand up Einlagen kompensieren zu wollen.
„Ob der beerdigt wird oder kommt der in den Sondermüll?“
„Habt ihr schon gehört, Michael Jacksons Nase ist bei eBay drin.“
Wenn man mal darüber nachdenkt, dann könnte meine Generation die interessantesten Zeitzeugen der Geschichte hervorbringen. Mauerfall, Weltmeister, Millennium, 11. September, Weltwirtschaftskrise, Barack Obama, Michael Jacksons Tod, Lost Serienfinale, wieder Weltmeister und das Ende des Maya Kalenders im Jahre 2012 kann ebenfalls spektakulär werden… Sie könnte aber auch als die dusseligste Generation in die Geschichtsbücher eingehen.
Am Abend schaute ich nach, wie die anderen im Internet so reagierten. Ich schrieb jedem einen bedeutungsschwangeren Songtitel auf die virtuelle Pinnwand. Paul kam vorbei und wir schauten ablenkungsreiche DVDs. Auf 3 Sat kamen bis in die tiefe Nacht alle Michael Jackson Videos. Die Beste Reaktion eines Fernsehsenders überhaupt. Mal nicht quatschen, sondern abliefern.
Die stündlich aktualisierten Amazon Charts zeigten das dumme Verhalten derer, die scheinbar etwas ganz großes erst dann erkennen, wenn es vorbei ist. Platz 1 bis 14 gingen an den toten King of Pop. Auf Platz 26 tauchte er noch mal mit Dangerous auf und die Vinyl Version von Bad kam auf Platz 40. Da war er, der angekündigte Hype und er sollte noch lange bleiben.
Samstag, 25. Juli 2009
Cigarettes & Alcohol
„Is it my imagination
Or have I finally found something worth living for?
I was looking for some action
But all I found was cigarettes and alcohol” Oasis
„Wir brauchen mehr Rauch!“ Schwiens
Es fing damit an, dass Martin und ich beschlossen haben, zu einem Oasis Song rauchen zu müssen. Warum brauche ich jawohl nicht zu erklären. Die Coolness eines Liam Galagher stand uns ins Gesicht geschrieben und schwebte seitdem dazu noch ungefähr einen Meter über unseren Köpfen. Getanzt wurde nie, nur gesoffen und dabei geraucht. Ein anderer Grund mit dem Rauchen anzufangen war für mich der Gedanke, dass man unbedingt rauchen können sollte. Also kein Husten oder Röcheln oder schnell das Fenster öffnen falls man mal genötigt wird sich eine anzustecken. Dieses peinliche Verhalten kann man nicht gebrauchen, wenn einem von jemand wichtigem eine Zigarette oder ähnliches angeboten wird. Man muss sich auf ein gewisses Level hoch rauchen und es dann seinlassen. Ich rauche nur an Wochenende in der Kombination mit Alkohol und wenn ich dazu Lust habe. Also fast jedes Wochenende, aber immer noch so selten, dass das Nikotin anfangs nervt. Alles andere ergibt für mich überhaupt keinen Sinn.
Es gibt grenzwertige Situationen, in denen man gezwungen wird zu warten. In diesen Momenten könnte man rauchen und das „Warten“ zu „cool herumstehen“ aufwerten. Ich tue es aber nicht, der Grad ist mir zu schmal.
Meine Devise lautet, sobald ich kein Geld für Zigaretten ausgebe, ist alles im grünen Bereich.
Raucher ist derjenige, der auch dann raucht, wenn es Niemand sieht. Und es gilt nach wie vor, einmal Raucher immer Raucher. Egal ob Du Held es mal einen Tag geschafft hast Dir keine stinkende Asche in die Schnauze zu drücken, Du bist und bleibst ein Raucher auf Entzug.
Parallelen zum Alkohol liegen in dieser Hinsicht nahe. Zur Verdeutlichung: Ein Alkoholiker braucht den Stoff, ein unumstritten abhängiges Verhältnis. Ein trockener Alkoholiker darf den Stoff nicht mehr anfassen, ebenfalls ein abhängiges Verhältnis. Die Kontrolle über das Wesentliche haben beide verloren. Jörg Fauser hat einmal in einem Interview auf die Frage, wie das denn mit den Drogen ausging, geantwortet:
„Ich habe aufgehört.“
„Einfach so?“
„Ja natürlich einfach so, wie denn sonst?“
Schon wieder genial.
Viele meiner Bekannten sind auf den blauen Dunst hängengeblieben. Für die ist es mehr als nur eine Geste geworden. So auch Martin. Aber irgendwo müssen die Zigaretten für das Wochenende ja herkommen!
Es gibt nur ganz wenige Männer, bei denen Rauchen gut aussieht. Johnny Depp zum Beispiel und ich natürlich, sonst würde ich es ja nicht machen. Bei anderen Menschen wiederum gehört der Rauch einfach dazu. Malocher, die ihre Zigaretten selbst drehen, dabei den Tabak und das Blättchen in ihren riesigen Wühlhänden verschwinden lassen und wenn sich ihre Faust wieder öffnet, sich in ihnen eine stramm gedrehte Zigarette präsentiert.
Männer mit dünnen Fingern sollten nicht rauchen.
Insgesamt ist mir die Raucherei auf Partys zuviel geworden und ich will es wie Jörg Fauser halten: einfach so aufhören. Zugegeben, Nikotin ist kein Heroin, aber ich habe ja auch nicht vor das als Erfolg zu verbuchen.
„Don´t ask me why I smoke, but I drink to get drunk“ Sia
Or have I finally found something worth living for?
I was looking for some action
But all I found was cigarettes and alcohol” Oasis
„Wir brauchen mehr Rauch!“ Schwiens
Es fing damit an, dass Martin und ich beschlossen haben, zu einem Oasis Song rauchen zu müssen. Warum brauche ich jawohl nicht zu erklären. Die Coolness eines Liam Galagher stand uns ins Gesicht geschrieben und schwebte seitdem dazu noch ungefähr einen Meter über unseren Köpfen. Getanzt wurde nie, nur gesoffen und dabei geraucht. Ein anderer Grund mit dem Rauchen anzufangen war für mich der Gedanke, dass man unbedingt rauchen können sollte. Also kein Husten oder Röcheln oder schnell das Fenster öffnen falls man mal genötigt wird sich eine anzustecken. Dieses peinliche Verhalten kann man nicht gebrauchen, wenn einem von jemand wichtigem eine Zigarette oder ähnliches angeboten wird. Man muss sich auf ein gewisses Level hoch rauchen und es dann seinlassen. Ich rauche nur an Wochenende in der Kombination mit Alkohol und wenn ich dazu Lust habe. Also fast jedes Wochenende, aber immer noch so selten, dass das Nikotin anfangs nervt. Alles andere ergibt für mich überhaupt keinen Sinn.
Es gibt grenzwertige Situationen, in denen man gezwungen wird zu warten. In diesen Momenten könnte man rauchen und das „Warten“ zu „cool herumstehen“ aufwerten. Ich tue es aber nicht, der Grad ist mir zu schmal.
Meine Devise lautet, sobald ich kein Geld für Zigaretten ausgebe, ist alles im grünen Bereich.
Raucher ist derjenige, der auch dann raucht, wenn es Niemand sieht. Und es gilt nach wie vor, einmal Raucher immer Raucher. Egal ob Du Held es mal einen Tag geschafft hast Dir keine stinkende Asche in die Schnauze zu drücken, Du bist und bleibst ein Raucher auf Entzug.
Parallelen zum Alkohol liegen in dieser Hinsicht nahe. Zur Verdeutlichung: Ein Alkoholiker braucht den Stoff, ein unumstritten abhängiges Verhältnis. Ein trockener Alkoholiker darf den Stoff nicht mehr anfassen, ebenfalls ein abhängiges Verhältnis. Die Kontrolle über das Wesentliche haben beide verloren. Jörg Fauser hat einmal in einem Interview auf die Frage, wie das denn mit den Drogen ausging, geantwortet:
„Ich habe aufgehört.“
„Einfach so?“
„Ja natürlich einfach so, wie denn sonst?“
Schon wieder genial.
Viele meiner Bekannten sind auf den blauen Dunst hängengeblieben. Für die ist es mehr als nur eine Geste geworden. So auch Martin. Aber irgendwo müssen die Zigaretten für das Wochenende ja herkommen!
Es gibt nur ganz wenige Männer, bei denen Rauchen gut aussieht. Johnny Depp zum Beispiel und ich natürlich, sonst würde ich es ja nicht machen. Bei anderen Menschen wiederum gehört der Rauch einfach dazu. Malocher, die ihre Zigaretten selbst drehen, dabei den Tabak und das Blättchen in ihren riesigen Wühlhänden verschwinden lassen und wenn sich ihre Faust wieder öffnet, sich in ihnen eine stramm gedrehte Zigarette präsentiert.
Männer mit dünnen Fingern sollten nicht rauchen.
Insgesamt ist mir die Raucherei auf Partys zuviel geworden und ich will es wie Jörg Fauser halten: einfach so aufhören. Zugegeben, Nikotin ist kein Heroin, aber ich habe ja auch nicht vor das als Erfolg zu verbuchen.
„Don´t ask me why I smoke, but I drink to get drunk“ Sia
Mittwoch, 15. Juli 2009
Das Handwerk des Alleinseins
„Allein Allein“ Polarkreis 18
Wissenschaftler haben herausgefunden… Halt! Wissenschaftler irgendeiner renommierten Universität haben herausgefunden, dass der durchschnittliche Jugendliche 50 Freunde hat und davon sind 24 rein virtuell. Es besteht also kein Kontakt außerhalb des Internets mit Ihnen. So gesehen ist Sociophobie für mich ein Fremdwort. Daran gemessen, habe ich einen überdurchschnittlich großen Freundeskreis und zusätzlich so etwas, was man einen erweiterten Bekanntenkreis nennt. Sie kennen mich, aber ich kenne sie nicht.
Bei meinem Umzug vom platten Land in die kleine Großstadt Bremen, bringen mir die vielen Bekannten und Freunde erstmal nichts. Unterm Strich ist man allein. Neue Beziehungsfelder (habe ich das Wort endlich mal untergebracht!) schafft man sich schnell, indem man hier studiert oder in einer WG lebt und die Bekannten seiner Mitbewohner vereinnahmt. Wenn man aber arbeitet und alleine wohnt, hat man nur die Kollegen und möchte man die in seiner Freizeit sehen? Klares Nein. Ohne dass ich es darauf anlege, ergibt es sich, dass ich die 45 Minuten Zugfahrt in die alte Heimat fast jedes Wochenende auf mich nehme. Das hinterlässt natürlich einen komplett falschen Eindruck. Die Anlässe sind immer gegeben. Diplomparty, Scheibenschießen, 40. Geburtstag, wieder eine Diplomparty und dutzende Einladungen zu irgendetwas. Wie gesagt, so gesehen habe ich einen überdurchschnittlich großen Freundeskreis.
Jetzt fühlt man sich dazu genötigt in der neuen Stadt ebenfalls Fuß zu fassen. Das Gefühl habe ich nicht, aber der Gedanke ist da. Es wäre doch normal sich anzubiedern. Ich denke, es ist nicht normal sich anzubiedern. Ich denke, es ist normal alleine mit sich gut zurecht zukommen. Ohne ekelerregend bemitleidenswert klingen zu wollen, ist es auch gar nicht möglich Kontakte oder Freunde aus dem Stehgreif zu finden. Man ist noch nicht einmal irgendwo „der Neue“. Es wird als soziale Inkompetenz angesehen, wenn man sich auf Partys nicht an andere ranmacht und sich und die damit verbundene Geselligkeit anpreist. Solche Menschen sind doch furchtbar.
Vor ein paar Wochen lag ich auf einer Liege und wartete auf den Physiotherapeuten. Die Behandlungszimmer waren nur durch einen Vorhang getrennt und ich konnte das Gespräch von nebenan mithören. Eine ältere Dame erzählte davon, dass man in Bremen (oder war es Deutschland allgemein?) Niemanden kennenlernen würde. Alle wären so reserviert. Der Therapeut bestätigte dies und gab ein Beispiel aus dem Kroatienurlaub zum Besten, das das genaue Gegenteil aufzeigte.
Ich dachte, yo, stimmt. Aber jammern und hinterherlaufen kann unmöglich die Alternative sein. Man suggeriert mit dem Alleinsein auch immer Einsamkeit und wenn man das tut, ist sie auch da. Man braucht nicht zu lernen damit umzugehen, man muss sich nur bewusst werden, dass man nicht einsam ist. Man kommt alleine und man geht auch wieder alleine, dazwischen ist man alleine. Was nach Monty Python klingt, ist nur zu wahr.
Die Kunst des alleine Zurechtkommens
"So sitzt er Nacht für Nacht mit Zettel und Stift allein in seinem Keller und bastelt Bomben nur für sich" Doppelkopf
In den vielen Büchern der verschrienen Popliteratur ist der Protagonist immer auf sich gestellt und meistert dies souverän mit allen Tiefen und Höhen. Es wechseln zwar die Freundinnen und der Kumpel, aber alleine ist er ständig. Und er macht weiter und sammelt Eindrücke. Es geht ja auch. Diese Freundeskreise mit ihren Rumkumpeleien wirken doch oft, aus der dritten Perspektive gesehen, ziemlich verblödet und wie Stillstand. So wie es auf mich wirkt, empfinde ich das auch, als angenehme Pause. Etwas Stillstand bevor es wieder weiter geht mit dem Alltag.
Alleine funktioniere ich viel besser. Im Dialog gebe ich mir überhaupt keine Mühe mehr, reinste Gaghascherei, rumspinnen, unterhaltsame Lügen erzählen, besser wissen, die pure Verdummung, total angenehm eben.
Man kann sich ja denken woher dieser Drang nach Gemeinsamkeit kommt. Fernsehen um die Mittagszeit, Werbung, Zeitschriften… usw. *
Viele haben bereits die Notwendigkeit, alleine mit sich klar zu kommen, verlernt. Schon diese Grußmitteilungen. Sie werden meist gar nicht mehr ausformuliert, stattdessen wird nur noch ein triviales hdgdl ins Tastenfeld gehauen, auf allen Plattformen der digitalen Kommunikation.
Ich denke oft an andere, besonders an die, die mir wichtig sind und ich könnte sie das auch wissen lassen und Grüße an Pinnwände oder Telefonnummern schicken, aber ich lasse es, weil ich nicht weiß, wie es dann weiterginge oder wie man darauf reagieren sollte. Ich schätze mal gar nicht. Vielleicht sind die Leute mir auch wichtig, weil sie wissen, dass es auch ohne diese ganzen Bekennungen funktioniert.
Alleine ins Kino gehen, muss man üben. Der Film bleibt derselbe, man nimmt ihn nur anders oder überhaupt wahr. Für viele wirkt das armselig, aber der Satz: „Ich wollte heute eigentlich ins Kino (Freibad, Café, Stadion, Restaurant, Ikea, Konzert), leider wurde daraus nichts, weil Niemand mit wollte.“ zeugt auch nicht gerade von Eleganz, Flexibilität und Unabhängigkeit.
Alleine in den Urlaub ist die Königsdisziplin und wird deshalb auch Reisen genannt. Da muss man hin, da sind die Erfahrungen, da ist das Bewusstsein. Mit den Freunden, ist es nur noch Urlaub.
Vollidioten, die eine Lücke im Lebenslauf mit „Selbstfindungsphase“ erklären, sollten darüber mal nachdenken, dafür bräuchten sie noch nicht einmal verreisen.
Dieser romantische Gedanke des Einzelgängers, der alleine in seiner Mansarde Wohnung vor dem PC hockt und einer Arbeit nachgeht, die erstmal Niemanden etwas angeht und später jeden erreicht, ist etwas, das einem immer weitermachen lässt. Nicht im Sinne von durchhalten, sondern im Sinne von: es geht weiter.
So, das war der Text. Ich treffe jetzt noch Freunde zum Grillen am Werdersee.
* Zum Verständnis, es geht hier nicht um die Freundin oder den Freund die/den man meiden soll, sondern um die Gesellschaftssucht im Allgemeinen. Paare, die länger zusammen sind, kennen das sicherlich auch. Irgendwann kommt das Thema selbst in einer tollen Beziehung wieder auf. Schneller als man denkt sogar. Letztens habe ich den Begriff Alibifreundin gehört, ich dachte an Schwule, gemeint war aber: lieber mit irgendjemanden zusammen, als alleine.
Wissenschaftler haben herausgefunden… Halt! Wissenschaftler irgendeiner renommierten Universität haben herausgefunden, dass der durchschnittliche Jugendliche 50 Freunde hat und davon sind 24 rein virtuell. Es besteht also kein Kontakt außerhalb des Internets mit Ihnen. So gesehen ist Sociophobie für mich ein Fremdwort. Daran gemessen, habe ich einen überdurchschnittlich großen Freundeskreis und zusätzlich so etwas, was man einen erweiterten Bekanntenkreis nennt. Sie kennen mich, aber ich kenne sie nicht.
Bei meinem Umzug vom platten Land in die kleine Großstadt Bremen, bringen mir die vielen Bekannten und Freunde erstmal nichts. Unterm Strich ist man allein. Neue Beziehungsfelder (habe ich das Wort endlich mal untergebracht!) schafft man sich schnell, indem man hier studiert oder in einer WG lebt und die Bekannten seiner Mitbewohner vereinnahmt. Wenn man aber arbeitet und alleine wohnt, hat man nur die Kollegen und möchte man die in seiner Freizeit sehen? Klares Nein. Ohne dass ich es darauf anlege, ergibt es sich, dass ich die 45 Minuten Zugfahrt in die alte Heimat fast jedes Wochenende auf mich nehme. Das hinterlässt natürlich einen komplett falschen Eindruck. Die Anlässe sind immer gegeben. Diplomparty, Scheibenschießen, 40. Geburtstag, wieder eine Diplomparty und dutzende Einladungen zu irgendetwas. Wie gesagt, so gesehen habe ich einen überdurchschnittlich großen Freundeskreis.
Jetzt fühlt man sich dazu genötigt in der neuen Stadt ebenfalls Fuß zu fassen. Das Gefühl habe ich nicht, aber der Gedanke ist da. Es wäre doch normal sich anzubiedern. Ich denke, es ist nicht normal sich anzubiedern. Ich denke, es ist normal alleine mit sich gut zurecht zukommen. Ohne ekelerregend bemitleidenswert klingen zu wollen, ist es auch gar nicht möglich Kontakte oder Freunde aus dem Stehgreif zu finden. Man ist noch nicht einmal irgendwo „der Neue“. Es wird als soziale Inkompetenz angesehen, wenn man sich auf Partys nicht an andere ranmacht und sich und die damit verbundene Geselligkeit anpreist. Solche Menschen sind doch furchtbar.
Vor ein paar Wochen lag ich auf einer Liege und wartete auf den Physiotherapeuten. Die Behandlungszimmer waren nur durch einen Vorhang getrennt und ich konnte das Gespräch von nebenan mithören. Eine ältere Dame erzählte davon, dass man in Bremen (oder war es Deutschland allgemein?) Niemanden kennenlernen würde. Alle wären so reserviert. Der Therapeut bestätigte dies und gab ein Beispiel aus dem Kroatienurlaub zum Besten, das das genaue Gegenteil aufzeigte.
Ich dachte, yo, stimmt. Aber jammern und hinterherlaufen kann unmöglich die Alternative sein. Man suggeriert mit dem Alleinsein auch immer Einsamkeit und wenn man das tut, ist sie auch da. Man braucht nicht zu lernen damit umzugehen, man muss sich nur bewusst werden, dass man nicht einsam ist. Man kommt alleine und man geht auch wieder alleine, dazwischen ist man alleine. Was nach Monty Python klingt, ist nur zu wahr.
Die Kunst des alleine Zurechtkommens
"So sitzt er Nacht für Nacht mit Zettel und Stift allein in seinem Keller und bastelt Bomben nur für sich" Doppelkopf
In den vielen Büchern der verschrienen Popliteratur ist der Protagonist immer auf sich gestellt und meistert dies souverän mit allen Tiefen und Höhen. Es wechseln zwar die Freundinnen und der Kumpel, aber alleine ist er ständig. Und er macht weiter und sammelt Eindrücke. Es geht ja auch. Diese Freundeskreise mit ihren Rumkumpeleien wirken doch oft, aus der dritten Perspektive gesehen, ziemlich verblödet und wie Stillstand. So wie es auf mich wirkt, empfinde ich das auch, als angenehme Pause. Etwas Stillstand bevor es wieder weiter geht mit dem Alltag.
Alleine funktioniere ich viel besser. Im Dialog gebe ich mir überhaupt keine Mühe mehr, reinste Gaghascherei, rumspinnen, unterhaltsame Lügen erzählen, besser wissen, die pure Verdummung, total angenehm eben.
Man kann sich ja denken woher dieser Drang nach Gemeinsamkeit kommt. Fernsehen um die Mittagszeit, Werbung, Zeitschriften… usw. *
Viele haben bereits die Notwendigkeit, alleine mit sich klar zu kommen, verlernt. Schon diese Grußmitteilungen. Sie werden meist gar nicht mehr ausformuliert, stattdessen wird nur noch ein triviales hdgdl ins Tastenfeld gehauen, auf allen Plattformen der digitalen Kommunikation.
Ich denke oft an andere, besonders an die, die mir wichtig sind und ich könnte sie das auch wissen lassen und Grüße an Pinnwände oder Telefonnummern schicken, aber ich lasse es, weil ich nicht weiß, wie es dann weiterginge oder wie man darauf reagieren sollte. Ich schätze mal gar nicht. Vielleicht sind die Leute mir auch wichtig, weil sie wissen, dass es auch ohne diese ganzen Bekennungen funktioniert.
Alleine ins Kino gehen, muss man üben. Der Film bleibt derselbe, man nimmt ihn nur anders oder überhaupt wahr. Für viele wirkt das armselig, aber der Satz: „Ich wollte heute eigentlich ins Kino (Freibad, Café, Stadion, Restaurant, Ikea, Konzert), leider wurde daraus nichts, weil Niemand mit wollte.“ zeugt auch nicht gerade von Eleganz, Flexibilität und Unabhängigkeit.
Alleine in den Urlaub ist die Königsdisziplin und wird deshalb auch Reisen genannt. Da muss man hin, da sind die Erfahrungen, da ist das Bewusstsein. Mit den Freunden, ist es nur noch Urlaub.
Vollidioten, die eine Lücke im Lebenslauf mit „Selbstfindungsphase“ erklären, sollten darüber mal nachdenken, dafür bräuchten sie noch nicht einmal verreisen.
Dieser romantische Gedanke des Einzelgängers, der alleine in seiner Mansarde Wohnung vor dem PC hockt und einer Arbeit nachgeht, die erstmal Niemanden etwas angeht und später jeden erreicht, ist etwas, das einem immer weitermachen lässt. Nicht im Sinne von durchhalten, sondern im Sinne von: es geht weiter.
So, das war der Text. Ich treffe jetzt noch Freunde zum Grillen am Werdersee.
* Zum Verständnis, es geht hier nicht um die Freundin oder den Freund die/den man meiden soll, sondern um die Gesellschaftssucht im Allgemeinen. Paare, die länger zusammen sind, kennen das sicherlich auch. Irgendwann kommt das Thema selbst in einer tollen Beziehung wieder auf. Schneller als man denkt sogar. Letztens habe ich den Begriff Alibifreundin gehört, ich dachte an Schwule, gemeint war aber: lieber mit irgendjemanden zusammen, als alleine.
Mittwoch, 8. Juli 2009
Sommerferien
"In the summertime when the weather is fine you got women on your mind" Mungo Jerry
Ohne mich wiederholen zu wollen, wirklichen Urlaub hatte ich nie. Wie auch, wirklich Arbeiten tue ich erst seit Dezember. Vorher konnte ich einfach wegfahren, da nannte das Niemand Urlaub, sondern „Thomas ist gerade woanders oder im Garten oder im Bett“.
Das Büro hier, ist nur noch sporadisch besetzt. Viele nutzen die Sommerferien um wegzufliegen oder wegzufahren, Hauptsache weg, allein schon wegen der Kinder.
Der Gedanke von der Arbeit mindestens einmal für zwei bis drei Wochen im Jahr wegkommen zu müssen, zu entfliehen, macht mich betroffen. Das spiegelt für mich nur wieder, wie organisatorisch man durch das Leben geht. Da behalte ich doch lieber den Gedanken aufrecht hin und wieder woanders zu sein. Nicht so zwanghaft.
Gerade lese ich bei Facebook eine Nachricht, aus dem Urlaub eines Dritten kommend:
„Ich bin gerade im Urlaub, grüße aus [hier beliebtes Urlaubsziel eintragen].“
Was muss das für ein toller Urlaub sein, wenn man Internet hat und anstatt mühseligen, aber oft ehrlich gemeinten Postkarten einfach Wasserstandmeldungen via Web 2.0 abgeben kann. Ein recht beschissener, stelle ich mir vor. Internet im Urlaub, ist wie mit der eigenen Freundin auf Malle. Da bremst doch was.
Wenigstens dieses durchtriebene Gefühl etwas im Grunde schönes vorzeitig beenden zu müssen, um endlich den anderen davon erzählen zu können, wer kennt es nicht? hat sich ja mit einer Live Reportage dann erledigt. Und bloß nicht zu sehr ins schwärmen geraten, hier und da auch mal ein klein bisschen Kritik üben, damit die eh schon genervten, freundlich bemühten Zuhörer nicht sofort abspenstig reagieren.
Ich höre gerne Urlaubsgeschichten von Menschen, die wirklich in jede Touristenfalle tappen. Betrug beim Wechselgeld, 5 Kilometer vom Strand entfernt, anstatt den angepriesenen 50 Metern, selbst Google Earth wurde von der Hotelleitung bestochen! ein Stern sind nicht vier Sterne, das Hotelzimmer wurde leer geräumt, die gesamte Familie entführt und man selbst bekommt Tripper. Im Nachhinein ruft die Urlaubsliebe an, man benötige dringend Geld für eine lebensrettende Operation des Vaters, Haialarm und Montezumas Rache. Das sind Themen, von denen ich gerne lese. Nicht wegen der viel gelobten Schadensfreude, sondern, weil das so schön in meine Vorstellungen passt. Man kann das ganze ja auch mit Humor nehmen.
Meinen Idealen nach, bist du zumindest für die Zeit im Ausland ein Globetrotter und benimmst dich auch so, sprich, du erlebst was und redest nicht darüber. Oder du bist eben zwei bis drei Wochen weg von deinem Arbeitsplatz und spielst woanders den Touristen. Sollte das so sein, dann sind das doch die Geschichten mit dem größten Unterhaltungsfaktor, wenn schon berichtet werden muss. Gönnen tue ich diesen Leuten 49 – 50 Wochen Spaß auf der Arbeit, vorausgesetzt, sie lassen mich damit in ruhe.
Urban Hymns
Die folgende Geschichte ist wahr und meinen Bekannten wirklich passiert.
Ein mir bekanntes Ehepaar, wenn eine Geschichte so beginnt, gibt es allen Grund zur Skepsis, verbrachten vor Jahren ihren Urlaub in einer der vielen Touristenanlagen Europas. Sonne, Strand, All Inklusive, das volle Programm. Als sie gut gelaunt vom Strand in ihre angemietete Hütte zurückkamen, war diese auf links gezogen. Koffer wurden durchwühlt, Schubladen aufgerissen, das klassische Bild eines Einbruchs eben. Der Verdacht liegt nahe, dass ein oder mehrere Buhmänner im Haus waren. Natürlich rufen sie erstmal die verantwortliche Hotelleitung oder den Hüttenwart an oder wer auch immer dort die Verantwortung hat. Eine schnelle Inventur zeigt, dass es nichts zum notieren für die Versicherung gibt. Es ist tatsächlich noch alles da. Man geht davon aus, dass die Einbrecher überrascht wurden und schnell das Weite suchten. Glück im Unglück. Der Urlaub konnte mit einem kleinen Schrecken entspannt fortgeführt werden. Eine Woche später laden meine Bekannten die Nachbarn und Freunde zu einem Diaabend ein. Früher war noch nicht alles digital und solche Abende durchaus üblich. Dias Dias oh buenos días. Als dann die ersten Bilder des Fluges und der Anreise durch waren, zeigten die nächsten Bilder, die nach deren Entwicklung direkt unbegutachtet in den Diaprojektor gelegt wurden, ein paar zwielichtige Gestalten, die sich offensichtlich gegenseitig fotografierten. Nur wobei sie sich fotografierten, ist selbst in Abgeschiedenheit von Gästen noch rasend peinlich. Die Einheimischen suchten kein Geld oder sonstige Wertsachen in der Urlaubshütte meiner Bekannten, sondern nur deren Fotoapparat. Fündig geworden, gingen sie ins Bad und steckten sich die Zahnbürsten der Betroffenen in ihre Hintern! und machten Bilder davon. Danach packten sie den Fotoapparat und die Zahnbürsten wieder dorthin wo sie am wenigsten auffallen, dorthin, wo sie die Sachen gefunden haben. Dass man sich auch im Urlaub mindestens zweimal am Tag die Zähne putzt, sollte jedem klar sein. Scheiß Gefühl.
Meinen Bekannten ist das, wie man sich denken kann, nie passiert. So was passiert immer nur Bekannten von Bekannten und anderen Unbekannten.
Wenn ihr das hier lesen könnt, viel Spaß im Urlaub.
Ohne mich wiederholen zu wollen, wirklichen Urlaub hatte ich nie. Wie auch, wirklich Arbeiten tue ich erst seit Dezember. Vorher konnte ich einfach wegfahren, da nannte das Niemand Urlaub, sondern „Thomas ist gerade woanders oder im Garten oder im Bett“.
Das Büro hier, ist nur noch sporadisch besetzt. Viele nutzen die Sommerferien um wegzufliegen oder wegzufahren, Hauptsache weg, allein schon wegen der Kinder.
Der Gedanke von der Arbeit mindestens einmal für zwei bis drei Wochen im Jahr wegkommen zu müssen, zu entfliehen, macht mich betroffen. Das spiegelt für mich nur wieder, wie organisatorisch man durch das Leben geht. Da behalte ich doch lieber den Gedanken aufrecht hin und wieder woanders zu sein. Nicht so zwanghaft.
Gerade lese ich bei Facebook eine Nachricht, aus dem Urlaub eines Dritten kommend:
„Ich bin gerade im Urlaub, grüße aus [hier beliebtes Urlaubsziel eintragen].“
Was muss das für ein toller Urlaub sein, wenn man Internet hat und anstatt mühseligen, aber oft ehrlich gemeinten Postkarten einfach Wasserstandmeldungen via Web 2.0 abgeben kann. Ein recht beschissener, stelle ich mir vor. Internet im Urlaub, ist wie mit der eigenen Freundin auf Malle. Da bremst doch was.
Wenigstens dieses durchtriebene Gefühl etwas im Grunde schönes vorzeitig beenden zu müssen, um endlich den anderen davon erzählen zu können, wer kennt es nicht? hat sich ja mit einer Live Reportage dann erledigt. Und bloß nicht zu sehr ins schwärmen geraten, hier und da auch mal ein klein bisschen Kritik üben, damit die eh schon genervten, freundlich bemühten Zuhörer nicht sofort abspenstig reagieren.
Ich höre gerne Urlaubsgeschichten von Menschen, die wirklich in jede Touristenfalle tappen. Betrug beim Wechselgeld, 5 Kilometer vom Strand entfernt, anstatt den angepriesenen 50 Metern, selbst Google Earth wurde von der Hotelleitung bestochen! ein Stern sind nicht vier Sterne, das Hotelzimmer wurde leer geräumt, die gesamte Familie entführt und man selbst bekommt Tripper. Im Nachhinein ruft die Urlaubsliebe an, man benötige dringend Geld für eine lebensrettende Operation des Vaters, Haialarm und Montezumas Rache. Das sind Themen, von denen ich gerne lese. Nicht wegen der viel gelobten Schadensfreude, sondern, weil das so schön in meine Vorstellungen passt. Man kann das ganze ja auch mit Humor nehmen.
Meinen Idealen nach, bist du zumindest für die Zeit im Ausland ein Globetrotter und benimmst dich auch so, sprich, du erlebst was und redest nicht darüber. Oder du bist eben zwei bis drei Wochen weg von deinem Arbeitsplatz und spielst woanders den Touristen. Sollte das so sein, dann sind das doch die Geschichten mit dem größten Unterhaltungsfaktor, wenn schon berichtet werden muss. Gönnen tue ich diesen Leuten 49 – 50 Wochen Spaß auf der Arbeit, vorausgesetzt, sie lassen mich damit in ruhe.
Urban Hymns
Die folgende Geschichte ist wahr und meinen Bekannten wirklich passiert.
Ein mir bekanntes Ehepaar, wenn eine Geschichte so beginnt, gibt es allen Grund zur Skepsis, verbrachten vor Jahren ihren Urlaub in einer der vielen Touristenanlagen Europas. Sonne, Strand, All Inklusive, das volle Programm. Als sie gut gelaunt vom Strand in ihre angemietete Hütte zurückkamen, war diese auf links gezogen. Koffer wurden durchwühlt, Schubladen aufgerissen, das klassische Bild eines Einbruchs eben. Der Verdacht liegt nahe, dass ein oder mehrere Buhmänner im Haus waren. Natürlich rufen sie erstmal die verantwortliche Hotelleitung oder den Hüttenwart an oder wer auch immer dort die Verantwortung hat. Eine schnelle Inventur zeigt, dass es nichts zum notieren für die Versicherung gibt. Es ist tatsächlich noch alles da. Man geht davon aus, dass die Einbrecher überrascht wurden und schnell das Weite suchten. Glück im Unglück. Der Urlaub konnte mit einem kleinen Schrecken entspannt fortgeführt werden. Eine Woche später laden meine Bekannten die Nachbarn und Freunde zu einem Diaabend ein. Früher war noch nicht alles digital und solche Abende durchaus üblich. Dias Dias oh buenos días. Als dann die ersten Bilder des Fluges und der Anreise durch waren, zeigten die nächsten Bilder, die nach deren Entwicklung direkt unbegutachtet in den Diaprojektor gelegt wurden, ein paar zwielichtige Gestalten, die sich offensichtlich gegenseitig fotografierten. Nur wobei sie sich fotografierten, ist selbst in Abgeschiedenheit von Gästen noch rasend peinlich. Die Einheimischen suchten kein Geld oder sonstige Wertsachen in der Urlaubshütte meiner Bekannten, sondern nur deren Fotoapparat. Fündig geworden, gingen sie ins Bad und steckten sich die Zahnbürsten der Betroffenen in ihre Hintern! und machten Bilder davon. Danach packten sie den Fotoapparat und die Zahnbürsten wieder dorthin wo sie am wenigsten auffallen, dorthin, wo sie die Sachen gefunden haben. Dass man sich auch im Urlaub mindestens zweimal am Tag die Zähne putzt, sollte jedem klar sein. Scheiß Gefühl.
Meinen Bekannten ist das, wie man sich denken kann, nie passiert. So was passiert immer nur Bekannten von Bekannten und anderen Unbekannten.
Wenn ihr das hier lesen könnt, viel Spaß im Urlaub.
Donnerstag, 11. Juni 2009
Das Leben der Anderen
„Gut zitiert ist halb erfunden“ Dendemann
Nicht erst seitdem das Studienverzeichnis, kurz Studivz, kommerziell geworden ist, lungern dort abnormal viele Nicht-Stundenten rum. Ich schätze den Anteil der Nicht-Studierenden mittlerweile auf lockere 40 Prozent. Ist ja auch egal, umso besser sogar. Mir geht es eh nur ums spionieren, um dann resignierend mit dem Kopf zu schütteln. Stasivz, sagte mal Jemand scherzhaft. Ich frage mich wen manche Leute mit ihrem Geschmack, Urlaubsbildern (die Betroffenen werden es immer Bildungsreise nennen) und Pseudofreunden beeindrucken wollen? Mich nicht. Wenn das Netzwerk dafür da ist den Kontakt beizubehalten, wieso darf dann jeder in Deutschland zwischen 17 und 30 daran teilhaben? Mich erinnert das an die gute alte Geltungssucht aus der Schulzeit.
- Kennste eh nicht!
Natürlich kann man auch sein Profil für andere, unbeteiligte User sperren. Aber dann verstehe ich es nicht, warum die Fotoalben noch freigeschaltet sind. Wenn ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, dann macht das bei 22 Fotoalben und 200 verlinkten Bildern mal eben… eine ganze Menge Wörter. Niemand braucht da noch das Profil zu sehen. Piercing in der Schnauze bedeutet bei Lieblingsmusik steht Evanescens, Poison the Well, Avenged sevenfolds. Das zieht sich durch alle Genres. Umso einfacher, anonymer es ist jemanden zu erreichen, desto banaler, sinnloser werden die Informationen, die übermittelt werden. Die Pinnwände sind voll mit Schämenswerten Gehirnfürzen.
Ich habe noch nie Jemanden vollkommen Fremdes aufgrund ein oder zwei Übereinstimmungen angeschrieben. „Hey Puppe, lass uns mal zusammen Vegetariern das Essen wegessen.“ Ich kenne auch keinen der so etwas macht. Flirtversuche sehen im Studivz so aus: Man klickt auf das hübsche Foto einer Studentin, es ist selbstverständlich das gelungenste Foto von ihr, schaut sich die Fotoalben an und schreibt unter dem Foto, auf dem die meiste Haut zu sehen ist, etwas wie: grrrr, hechel, wow, perfekt, hübsch hübsch… und so weiter. Vielleicht funktioniert es ja wirklich, aber dann macht wenigstens über Mails weiter.
Warum bist du dann noch angemeldet?
erstens Werbung hierfür und zweitens gibt es Leute, die es nicht schaffen ihre sozialen Kontakte über das Studivz hinaus zu gestalten. Jedenfalls nicht mit mir… und drittens gibt es Gruppen, in denen sich Leute den Arsch für dich abrecherchieren.
Top Five der gestellten Fotos im Studivz:
- Mit Sonnenbrille am Wasser liegen und direkt in die Sonne gaffen.
- Auf einer Party zwei hübsche Frauen umarmen und die dann auch noch verlinken können (wichtig).
- In einem Porsche sitzend, so aufgenommen, dass man den fluchenden Autohausbesitzer nicht sieht.
- Wie bei allen coolen Fotos nie direkt in die Kamera schauen und nackt sein.
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