Dienstag, 18. August 2015

Verena - Dienstag, den 28. Juli 2015

Nachmittags ruft mich der Rabbi an; leider muss er unseren Termin absagen. Er hätte am Donnerstag einen Input zum Thema „Politik und Judaismus“ in meinem Seminar halten sollen, kündigte aber beim ersten Gespräch schon an, dass seine Frau im 9. Monat schwanger sei und er deshalb nicht versichern könne, ob es definitiv klappt, je nach dem, wann sich das Baby meldet. Da sich die Anzahl der Rabbis hierzulande begrenzt hält, war ich trotzdem froh über seine Zusage und ließ mich darauf ein. Wird schon klappen. Nun war es also doch schon so weit. Ersatz zu finden ist schwer, vor allem so kurzfristig. Und ich hab schon zwei Dolmetscher bestellt, die seinen Vortrag simultan ins Englische verdolmetschen sollen. Dem Rabbi fiel noch ein Professor aus seinem Gottesdienst ein, den wollte er mal fragen. Ich hatte wenig Hoffnung.

Nach der Arbeit fuhren M und ich zu einem Kochkurs, auf den wir uns schon seit Tagen freuten: Wir sind Mitglied in einem deutsch-israelischen Verein mit so einem Städtepartnerschafts-Ding und dieser hatte diesen Kurs organisiert, in dem israelische Gerichte gekocht werden sollten. Leider landeten wir bei der Anmeldung erst auf der Warteliste und erst am Samstagabend kam die Nachricht, wir könnten doch noch nachrücken. Umso größer die Freude, dass es noch geklappt hat. 

Unsere Gruppe bestand aus 18 Teilnehmern, von denen ich niemanden kannte, weil ich bisher nur zahlendes Mitglied im Verein war und nur einmal zu einer anderen Veranstaltung mitgegangen war. Zunächst wurden die einzelnen Rezepte mit der diplomierten Ökotrophologin (ein schönes Wort) durchgesprochen, dann verteilt: immer zwei Personen sollten ein Rezept zubereiten. M und ich pickten uns die Süßkartoffeln raus, die klangen schön einfach. So kochten wir alle im großen Kochstudio fröhlich vor uns her und die Dozentin und ihre emsige Assistentin wurden nicht müde, all unsere Fragen zu beantworten. 

Am Ende hatten wir ein üppiges Menü voller Köstlichkeiten gezaubert: von Hummus, über gefüllte Auberginen, Fleischbällchen, Falafel, Spinatsalat und gefüllten Teigtaschen – alles war unglaublich lecker. Als ich das Menü zu Beginn gelesen hatte, hätte ich das ehrlich gesagt nicht erwartet, dass mir alles so gut schmecken würde.

So aßen wir uns satt und rund und fuhren nach dem obligatorischen Gruppenfoto auch langsam wieder alle nach Hause.

Thomas - Dienstag, den 28. Juli 2015

Auf der Arbeit ist wieder allerhand zu erledigen, kaum zu beschreiben, deshalb lasse ich es auch. Mein Kollege überredet mich auf die Champions League Qualifikationsspiele zu tippen. Ich kenne kaum die teilnehmenden Mannschaften, die sich durch die dritte Qualifikationsrunde quälen müssen. Aber das tut ja nichts zur Sache. Mein Tipp:

Fenerbahce Instanbul gewinnt gegen Shakhtar Donetsk
Young Boys verlieren gegen Monaco mit zwei Toren Abstand
CSKA Moskva gewinnt gegen Sparta Praha
Midtjylland (hä?) verliert gegen APOEL

Zwei Euro Einsatz, 132 Euro Gewinn... Eventuell.

Zweimal in der Woche versuche ich zum Sport zu gehen. Das Fitnessstudio, übrigens ist die Mitgliedschaft bereits gekündigt, leider die Kündigung nie bestätigt worden, ist nicht weit von der Arbeit entfernt. Einmal die Lister Meile runter. Der Laden zieht nur Proleten an. Erstmal nicht weiter schlimm, die nerven im Grunde kaum, sind einfach nur da und halten die Fresse. Zudem kann ich mir abschauen, wie die trainieren, also was augenscheinlich wirklich etwas bringt. Ganz offensichtlich etwas bringt. Die packen sich die Gesamtzahl der Gewichte drauf, überwinden acht Mal die Schwerkraft und gehen dann nicht duschen. Ähnlich trainiere ich mittlerweile auch. Ich steigere die Gewichtszahl mit jeder Einheit, bis zur Erschöpfung. Das wird vermutlich nichts bewirken, aber Trainingsmethoden ändern sich ja sowieso alle fünf Jahre grundlegend. Egal in welcher Sportart.

Zu Hause rufe ich bei Kabel Deutschland an… ein Vodafon Unternehmen. Zum Service muss ich da wohl nichts mehr schreiben. Oder nur kurz: Als SKY Kunde bezahlt man schlicht viel mehr im Monat, für weniger Programme. Es ist eine Farce. Seit über zwei Wochen hat der Kabel Deutschland Heini nun meinen TV-Anschluss frei geschaltet und das Modem angeschlossen. Wenigstens war er so nett mir zu erklären, dass ich solange nichts zahle, bis mein alter DSL-Vertrag bei O2 Ende August ausläuft. Es sei denn, ich nutze das Telefon oder das Internet bereits jetzt. Dann zahle ich doppelt. Kurz darauf kam Post von KD, ich solle doch mal das Telefon an das neue Modem anschließen, schließlich müsse man testen, ob die Übernahme der alten Nummer funktioniert hat…
Aber was soll das Gemecker? Die Dame am Telefon versichert mir die Freischaltung der HD Programme, schon in den nächsten 45 Minuten! Endlich wieder HD Fernsehen, wie sehr ich mich daran gewöhnt habe!

Wenn es läuft, dann läuft es! Als ich einen Rucksack, der noch vom Umzug in der Ecke des Schlafzimmers verweilte, auf den Schrank werfen wollte, bemerkte ich, dass ich ihn gar nicht ausgepackt hatte. Ein dutzend frischer Boxershorts waren darin! Fernsehen, Boxershorts und Nutella Brötchen... DAS! liebe Kinder, ist das wahre Leben als Erwachsener. Und nicht anders.

Ich räume etwas die Wohnung auf. Es dauert bestimmt Wochen, bis alles einen angestammten Platz hat. Danach fülle ich die Anschreiben von Enercity aus, Gas und Strom, viel kann ich da nicht falsch machen. Den Abwasch schaffe ich nicht. Das wird hoffentlich kein Running-Gag. Abends lese ich "Der dunkle Turm". Ich bin erst bei Band zwei, mit dem Titel „Drei“…Es geht gut voran. Allein der Gedanke, dass die Saga bereits abgeschlossen ist und alle Bänder bei mir im Regal stehen, beruhigt. Gut ist es übrigens auch.

Silke - Dienstag, den 28. Juli 2015

Ein vielversprechender Tag, wenn sich die Woche so weiter entwickelt - gefühlt der erste Tag seit Portugal (auch schon wieder ewig her, bestimmt schon 3 Wochen... ich vermag es nicht so genau zu sagen), an dem ich beruflich motiviert UND produktiv zugleich war. 

Ansonsten denke ich zumindest darüber nach, mich mal wieder sportlich zu betätigen, aber das Wetter lässt mich einfach nicht - manchmal sind auch 700 Meter zum Fitnessstudio im Regen zuviel. Anstelle dessen ein Telefonat mit Oma mit dem Ergebnis, dass ich mir jetzt so Farbaufsaugtücher für die Waschmaschine besorge (n soll). 
Um den letzten Katertag abzuschließen, gehe ich in Richtung Schlafzimmer und denke an morgen.

Ich kann die Motivation schon gedämpft in mir spüren; ein veganer Tag, vielleicht auch nur grüne Smoothies und Detox-Tees, dann 10 km laufen und 500 sit-ups und dann geh ich das Bad putzen. Mindestens. 

Jochen - Dienstag, den 28. Juli 2015

7 Uhr, der Wecker klingelt…. Ines ist schon länger wach und offenbar im Bad. Ich hab keine Ahnung wann ich das letzte Mal so früh aufgestanden bin, muss schon länger her sein.

Der erste Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes, alles Grau und regnen tut es auch.
Wie dem auch sei, ab unter die Dusche, die nächsten Tage wird es nicht mehr so schöne Duschen geben. Also ausgiebig genießen. 

Wir frühstücken noch gemütlich zusammen. Ich frühstücke gern bei Ihr, sie ist Vegetarierin und es gibt immer eine leckere Käseauswahl und viele kleine Köstlichkeiten, Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit, sagt man,  und wird wie immer genossen.

Den gesamten Weg nach Wacken regnet es, hier und da ein paar kleine Staus, in Hamburg noch 2 Mädchen eingesammelt über Mitfahrgelegenheit, die ebenfalls in Wacken arbeiten müssen und dann sind wir auch schon da. 

Das einchecken geht erstaunlich schnell, Wacken ist gut organisiert. 

Kaum angekommen, richten wir nur schnell unser Auto her, damit wir nachts nur noch in den Schlafsack schlüpfen müssen und dann geht’s auch schon direkt aufs Gelände. Dort sind die anderen schon fleißig am Aufbauen. Das erste Bier lässt gottseidank nicht lange auf sich warten. 

Es ist jetzt schon die totale Matschwüste, wie soll das erst aussehen wenn hier knapp 80.000 Menschen rumtrampeln.

Wir sind mit dem Aufbau gegen 18 Uhr mit dem Gröbsten durch und gehen zu der großen Taverne, wo mein Arbeitsplatz sein wird, die nächsten Nächte und treffen uns mit den anderen Kollegen, ich stell mich bei denen vor die ich noch nicht kenne und wir fangen an zügig zu trinken. 

Es ist eine lustige und bunt zusammengewürfelte Runde, sowas verspricht  immer eine gute Nacht zu werden. Irgendwann gegen 5 Uhr morgens torkle ich mit Ines zum Auto und wir schlafen schnell ein.

Kirsten - Dienstag, den 28. Juli 2015

Nachdem wir gemütlich mit den Erdhörnchen, Adlern und blauen Elstern gefrühstückt haben, sind wir nun wieder „on the road“.
Als ersten Stop haben wir erstmal unser Handy in nem Dinner aufgeladen. Zweiter Stop: Seelephantenstrand mit bestialischem Gestank. Vorbei an wunderschönen, nebeligen Küsten haben wir uns entschieden Land inwärts zu campen auf dem Naciemiento Camping Ground on „federal land“. Auf dem Weg dorthin haben wir einen süßen kleinen Minihike im Wald gemacht und die Füße ins klare Wasser gehalten. Zelt aufbauen, Feuerholz holen, Hängematte spannen, kleiner Spaziergang, kleine Familie kennengelernt, die Kinder schaukeln in unserer Hängematte, dafür hilft der Papa uns mit seiner Made in Sweden Axt Holz zu hacken. Auch hier gibt es Erdhörnchen und die frechen, blauen Elstern (hier allerdings mit Kamm auf dem Kopf). Angeblich auch Klapperschlangen!
Die Klos sind dicht gegenüber und wir haben genug zu essen plus Wasser. In dem Wald wächst überall „poison oak“ (drei Blätter mit roten Sprenkeln!).
Dieser Campingplatz ist uriger und durch den relativ engen Weg dorthin gibt es keine professionellen Camper, mit Zaun und kack Nationalflaggen. Mit den Mosquitoräucherstäbchen lässt es sich hier aushalten. Gleich gibt’s Tortellini von Trader Joes und hoffentlich ne große Portion voll Schlaf! Ich freu mich schon auf San Francisco + Duschen, gewöhn mich aber auch so langsam ans campen und genieß die Stille. Endlich mal: Keine Hubschrauber, Sirenen oder Musik von den Nachbarn, stattdessen Vögel zwitschern, Summen der Insekten, Blätterrascheln und das Klappern des Campinggeschirrs der Nachbarn.

Imke - Dienstag, den 28. Juli 2015

Ok – heut wieder früh aufgestanden…ok 6:30 ist eigentlich noch eine ganz angenehme Zeit – kann mich da ja wirklich nicht beschweren! Um 7:00 Uhr wird Daniel hier immer von seiner Mutter auf dem Weg zu ihrer Arbeit abgesetzt – er ist nur über Nacht bei ihr (totaler Schwachsinn…aber das ist ein anderes Thema).

Über zur Morgenroutine (Kaffee & Nachrichten gucken & Zigaretten drehen).
Danach bin ich zum Postamt gefahren (in Australien haben fast alle ein Postfach; da es hier ja doch alles etwas weitläufiger ist, wird die Post in kleineren Gemeinden nicht bis zur Haustür gebracht) und Daniel bei der Schule abgesetzt.

Mich weiter der altertümlichen Übersetzung gewidmet…ok wird wohl doch nichts mit heute fertig werden aber ich habe ja noch bis zum Wochenende Zeit…dann geht es mit dem Flieger wieder zurück nach Deutschland…

Da das Wetter heute mal so richtig schön war (momentan ist es oftmals wärmer in Deutschland als hier!) habe ich mich spontan dazu entschlossen noch eben die Sonne zu genießen und den Ute (Arbeitsauto) zu waschen…schön mit MP3 Player in den Ohren und Mitsingen. Plötzlich, als ich mich umdrehte, stand ein Mann hinter mir…der Ärmste musste sich meinen schiefen Gesang wohl schon eine Weile anhören bevor ich ihn bemerkt hab ;). Der super Wachhund lag immer noch seelenruhig unter dem Wagen…er ist seiner Aufgabe richtig gerecht geworden! Der Mann wollte sich nur vorstellen und einen Termin für die nächste Woche absprechen um die Dachrinnen zu reinigen. Immer wieder beruhigend einen Hund zu haben (er wollte dann auch gleich mit dem Mann mitgehen).

Nach kurzem Zweifel dann doch den Fallschirmsprung für Samstag eingebucht (falls was passiert, dann ist es wenigstens am Ende – haha)…bisschen Bammel…bisschen ist gut…je mehr ich darüber nachdenke, bereue ich meine Entscheidung bereits, aber da muss ich jetzt durch;-).
Noch ein bisschen im Büro gearbeitet (hat ja auch Vorteile wenn man von Zuhause aus arbeiten kann) und später Daniel von der Schule abgeholt. Weiter mit den Kostenrechnung für die neue Goldmine und bevor es zu dunkel wurde (um 19:00 ist es hier schon immer stockdunkel) den Hund und mein Fahrrad ins Auto verfrachtet und zum Mountainbike-Track gefahren (ist nur 15 Minuten entfernt: haben die richtig genial aufgebaut; die kürzeste Strecke ist 5,5km lang aber man kann immer noch andere Strecken dazu nehmen wenn man noch Puste hat…insgesamt sind es fast 20 verschiedene Wege (in Sachen öffentliche/kostenlose Einrichtungen/Campingplätze/Nationalparks sind die Australier nicht zu toppen!). Heute habe ich jedoch nur die kurze Strecke ausgewählt, da ich etwas spät losgefahren bin. Kurz zuvor hatte es noch schön zu regnen angefangen und somit war ich komplett mit Matsch überseht als ich wieder beim Auto angekommen bin.

Wieder zuhause angekommen hatten wir noch den Landbesitzer der Miene zu Besuch (kamen gleichzeitig mit mir an)…zum Glück sind gerade die Farmer super locker drauf, so dass es auch kein Problem war, dass ich noch völlig mit Matsch übersät war…hatten uns dann natürlich nach draußen gesetzt;-).

Nach der ziemlich notwendigen Dusche dann schnell Essen gekocht (mit dem Kochen habe ich wirkliche Fortschritte gemacht…es ist zu mindestens genießbar), gegessen und nach unserem 10 minütigem Spiel hab ich Daniel nach Hause gebracht. Das Spiel ist ein Ritual von uns und darf auch keine Minute kürzer sein – da achtet er schon darauf ;-).

Später nach dem Horror Film „Freitag der 13.“ ins Bett gegangen… schon wieder verdammt spät geworden - Mist!

Montag, 17. August 2015

Montag, den 27. Juli 2015

Imke - Montag, den 27. Juli 2015

Genial – Montagmorgen und keinen Wecker stellen. Normalerweise heißt es um 6:30 aufstehen, da Daniel dann von seiner Mutter vorbeigebracht wird, aber heute hat es zur Ausnahme seine Schwester übernommen und ihn um 8:00 direkt zur Schule gebracht. Daher bis 8:30 geschlafen (bisschen spät geworden die Nacht zuvor), nach zwei Kaffee und nachdem ich meinen täglichen Vorrat an Zigaretten gedreht habe (die Dreh-Maschine ist die beste Erfindung aller Zeiten…bevor mir Leute hier in Australien davon erzählt hatten, war ich kurz davor das Rauchen aufzugeben, da die normalen Zigaretten einfach viel zu teuer waren und ich ziemlich hoffnungslos mit dem Drehen in der Hand war), habe ich mich wieder an die Übersetzung für einen Freund in Albany gemacht (ups – dachte hätte es vor Monaten schon vollendet und abgeschickt…falsch gedacht). Ziemlich öde Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert – glaube heut zutage würde man eingewiesen werden wenn man so einen Blödsinn von sich gibt!

Danach (natürlich nicht ganz vollendet aber Morgen sollte es dann geschafft sein) bin ich zu meiner eigentlichen Arbeit am Rechner übergegangen. Momentan nicht so schön, da Gerichtsangelegenheiten geklärt werden müssen und ziemlicher Stress herrscht – aber wird schon wieder.

Um 15:00 hole ich täglich Daniel (11 Jahre alt – Sohn von meinem Arbeitgeber) von der Schule ab – ist zum Glück nur 5 Minuten entfernt.
Wieder daheim angekommen habe ich mich dann gleich für einen Termin fertig gemacht…wir hatten uns mit einer Frau zum Essen in ihrer Kneipe verabredet um ein eventuell anstehendes neues Projekt zu besprechen (handelt sich um die Erschließung einer Goldmine – der Goldabbau soll so in der Art ablaufen wie man es im Fernsehen immer sieht). War ein super interessanter Abend und sie (Emma) wollte immer Deutsch mit mir sprechen (sie liebt die Schweiz und Deutschland und würde so gerne dort leben…pendelt momentan immer zwischen dort und Australien). 

Zuhause angekommen hab ich mich noch ein wenig mit dem Hund beschäftigt, die Sachen vom Termin durchgegangen/darüber beratschlagt und dann war auch der Montag wieder rum.
Glücklicherweise ist der Montag in Australien nie schlimm…noch nie hatte ich dort den Gedanken „shit – Morgen ist schon wieder Monat“…

Kirsten - Montag, den 27. Juli 2015

Mit Wachs in den Haaren und verbranntem Rücken von der fuckin Kerze lieg ich im Zelt. Bor, das ist echt ne Challenge dieses Campen. Mittlerweile bin ich ein richtiges City Girl. Auch der achtstündige Road Trip war die Hölle mit himmlischen Ausblicken auf den Pacific und einem toten Coyoten auf der Straße. In Lompoc, einer schrecklichen Kleinstadt haben wir unseren zigtausendsten Veggie Burger in einem Texas Dinner gegessen und uns dann bei Vons nen Wagen voller Mampfkram gekauft. Nachdem der erste Campingplatz in Morrow Bay keinen Platz mehr für uns hatte, sind wir nun im irgendwas Creek auf Platz 91 gelandet. Instant Nudeln mit Bier und Tee, Sternenhimmel und Mondschein. Nachdem wir circa 15 Minuten gedacht haben, dass wir die Zeltstangen vergessen haben. Peilos durch und durch! Jetzt aber schnell schlafen, zum Glück gibt es hier keine Bären. Wir hören das Meer rauschen und die Coyoten heulen, das ist schon gruselig genug.

Jochen - Montag, den 27. Juli 2015

Montag, bei den meisten zählt der Montag zu den verhasstesten Tagen der Woche. 
Bei mir eigentlich nicht, weil er irgendwie noch zu meinem Wochenende gehört. Ich mache nur das Nötigste, weil ich mich gewöhnlich das ganze Wochenende im BO rumgeschlagen habe und es wenig Schlaf gab. Aus dem Grund hab ich mal mit meinem Bruder den Montag zum Wochenende erklärt. 

Heute allerdings hab ich mir den Wecker auf 8 Uhr gestellt und natürlich ignoriert, um 9 Uhr wurde ich dann unsanft von meinem Telefon geweckt. Mist, schon wieder verschlafen. 

Mein Cousin ist dran. Er hat eine Kollegin, die gerne ein  Klassentreffen (30 Jahre aus der Schule) bei uns im BO feiern möchte. Solche und ähnliche Anfragen kommen vor, das BO ist für viele einfach die Jugend gewesen.  Ich bin verpennt und mache einen Termin zum Besprechen ab, am Telefon ist sowas immer schwer. 

Ich hab heute eigentlich viel aufm Zettel, denn morgen geht’s zum Wacken Open Air,  „arbeiten“. 

Ich war noch nie da und durch eine Schnapsidee kam es dann letzte Woche dazu, dass ich bei einem Kumpel im Bierstand arbeiten kann, da ich eh nichts besseres vor habe, dachte ich mir, das ist eine nette Erfahrung. Ich kenne viele von meinen Kollegen vor Ort, da es Stammgäste bei mir im BO sind. Trinkfeste Metaller, ich freu mich drauf. Das wird ein Fest. 

Netter Nebeneffekt;  meine Freundin ist ebenfalls da zum Arbeiten, allerdings in einer Fressbude. 

Grundnahrungsmittel wie Bier und Falafel sind also gesichert…

Ich verbringe also heute viel Zeit im Auto, hier und da noch ein paar Erledigungen machen, ins Büro ein paar Unterlagen bringen und andere wieder abholen, Telefonate… sowas halt. 

Da mein Handy ziemlich vollgepumpt ist mit jeglicher Art an Musik, kann ich mich während der Fahrten schon gut auf Wacken einstellen. 

Zur Mittagszeit fahre ich zufällig durch Marklohe, hier kann ich noch schnell Gerrit besuchen, guter Freund und exzellenter Koch. Da kann ich was abgreifen, sein Vater hatte am Wochenende Geburtstag und die Reste sind ein Festival für den Gaumen.  Er hat schon die ganze letzte Woche von seinen Ideen geschwärmt, was er zaubern will und jetzt muss er mir den Beweis bringen. 

Wir haben wieder viel gelacht, das Wochenende Revue passieren lassen und natürlich war ich wieder länger als geplant da.  

So macht Arbeit Spaß. 

Da ich dennoch gut voran komme mit meiner „ to do liste“, fahre ich zu meiner Freundin. Wir packen das Auto und kaufen noch ein paar wichtige Dinge fürs Festival ein. 

So ein Festival will gut vorbereitet sein, der Blick aus dem Fenster und der Wetterfrosch versprechen nichts Schönes,  daher muss ich den ganzen Regenkrempel wie Gummistiefel und sowas rauskramen. 

Ansonsten bin ich meistens viel zu bequem, mir unsagbar viele Sachen zusammen zu suchen und zu kaufen extra  für Festivals.  Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man ohnehin die Hälfte unangerührt wieder mit nach Hause schleppt. Zumal ich ja auch an einem Bierstand arbeite, demnach kann es daran ja nicht mangeln. Ich habe auch Gottseidank noch eine Kiste fertig gepackt, mit überlebenswichtiger Festivalausrüstung von der Fusion im Juni, da war ich Gast und hab halt auch wieder unzähliges mit nach Hause gebracht, was mir jetzt aber zugutekommt. 

Heute Abend gibt es dann noch mal anständiges Essen, gesund soll es sein. Anschließend ein Film und recht früh ins Bett, die nächsten Tage werden kein Zuckerschlecken. 

Ich werde wohl den Rest von diesem Tagebuch per Hand, besoffen, nach meiner Schicht, im Auto schreiben und dann zu Hause digitalisieren. Irgendwas ist ja immer.

Silke - Montag, den 27. Juli 2015

Ein verstrahlter Start in den Tag, alles fühlt sich an wie in Watte gepackt, der Kopf tut ein bisschen weh (aber nur bei unbedachten Bewegungen, sonst ist es erträglich) und ich sollte mindestens noch eine Stunde schlafen, aber mein Körper lässt mich nicht.

Keine Grippe, sondern eine einzigartig großartige Party (die Hochzeit von S+T, zwei der mir liebsten Menschen. Ich weiss, ich weiss - Hochzeiten sind nicht cool und laden zynische Mitbürger ein, zynische Kommentare abzugeben, aber die beiden sind schon länger zusammen als andere verheiratet und es war trotzdem romantischer als bei Love Actually und Rock´N´Roll- lastiger als auf einem ACDC Konzert (ca. 1990).

Die Hochzeit war natürlich schon am Samstag, aber aufgrund der spürbar längeren Regenerationszeit des Körpers (jedenfalls meines Körpers) ab 30 werde ich noch bis mindestens Mittwoch daran erinnert werden. In diesem Fall selbstverständlich willkommen - die Freude, dass alles gut gelaufen ist, überwiegt die Nachwirkungen bei weitem. 

Jetzt gerade fehlt erst einmal die Lust, einzukaufen oder mich sonstwie mit Haushaltsführung zu beschäftigen - ich frühstücke 3 Hanuta mit Kaffee und freue mich ein bisschen, erwachsen zu sein und dies ungestraft und unbemerkt tun zu können. 

Meine heutige Produktivität ist dem Frühstück angepasst, minimal und eher ungesund. Da ganz Dänemark gefühlt den gesamten Juli über in den Ferien ist, fällt das aber aller Wahrscheinlichkeit nach nur mir auf (tatsächlich werde ich gerade von einem Kollegen, der merkwürdigerweise im Büro zu sein scheint, ermahnt "mal langsam zu machen" - nur weil er keinen Urlaub hat, muss ich ihn am Montag ja noch nicht mit Emails stressen).

Ich beende den Arbeitstag so früh, wie ich ihn spät begonnen habe, schminke die Augenringe weg und mache mich auf den Weg, um H. zu treffen - heute zelebrieren wir unseren zweiten Jahrestag. Glücklicherweise sind wir beide ähnlich gesprächig und so schauen wir uns Ant Man im Kino an (wesentlich empfehlenswerter als Avengers II, ausserdem mit Paul Rudd, und den mag ich gern) und gehen danach essen.

Den Tag beenden wir ganz romantisch mit Tom Cruise in Mission Impossible I & II, dank an Kabel 1. Leider kann ich den Tom nach seiner Sofa-Szene bei Oprah Winfrey und den Scientology-Geschichten um die Auswahl seiner Bräute (gerade im Heat Magazine gelesen: aktuell steht er kurz vor der nächsten Hochzeit mit seiner 22jährigen PA, die genauso aussieht wie seine letzte Ex-Frau) weder richtig ernst nehmen noch gut finden, die Slow-Motion Szenen in den MI Filmen helfen auch nicht richtig. Aber für den heutigen Tag ist es genau der richtige Abschluss.