Freitag, 23. Juli 2010

Funky for you III

„I'm gonna make it real funky for you“ Nice & Smooth

An Zufall glaubte ich bei ihr schon lange nicht mehr. Inszeniert wirkte es aber auch nie. Es passte einfach. Mit solchen Dingen wie einer Affinität zu Anime Serien oder allgemein zum Comic hält man lieber hinter dem Berg wenn man sich als potenzieller Geschlechtspartner etablieren möchte. Zum Glück hat sie damit angefangen. Aus Langeweile mal erwähnt, dass die neue Dragonball Z Staffel ziemlich lahm und außerdem bereits jedem aus den Mangas bekannt sei. Ich kannte den Kram, weil ich zu jener Zeit täglich den Bus am Bahnhof nehmen musste und zum Zeitvertreib die Manga Hefte im Bahnhofskiosk las. Das ging schnell und war unterhaltsam. Sie kannte die Serie von einem befreundeten Comiczeichner. Na toll, sie hängt mit interessanten Super Urban-Typen ab, während ich am Bahnhof rumlunger. Mittlerweile stand es 3:0 für sie.

Verrückt was einem so durch den Kopf geht während man vom Beifahrersitz aus versucht die komplette Gangschaltung wieder in die dafür vorgesehene Halterung, ich glaube Getriebe heißt das, zu bekommen. Beim Hochschalten hatte sie den Knauf samt Hebel plötzlich in der Hand. Ich rühre in der Mittelkonsole rum wie ein Irrer. Um die Dramaturgie zu unterstreichen, schlingert sie demonstrativ mit dem Lenkrad umher und schreit dabei gekünstelt. Was ist das denn für ein scheiß Spaß? Jetzt rühren wir gemeinsam. Einer sollte besser mal lenken. Irgendwann rastet der Hebel wieder ein, alles gut. Ich selbst habe keinen Führerschein, kann mir aber denken, dass so ein Verhalten nicht der Straßenverkehrsordnung entspricht.
Sie fährt einen unkaputtbaren, trotzdem ziemlich verschlissenen, Pick up Truck (4:0). Nicht so einen übertrieben coolen Pick up wie Colt Sievers ihn fährt, eher so das Modell Howie Munson. Dennoch verliert man schnell den Respekt vor gegnerischen Autos und Straßengräben.

- Was war das denn eben?
- Das hat der manchmal. Schlimmer ist, wenn das Tape-Deck Anstalten macht.
- Aber du hättest doch wenigstens vom Gas gehen können.
- Das ist nicht gut für den Motor, wenn man so rumschleicht. Komm, ich lade dich zum Essen ein. Also McDonalds…

Yes, mit einem Pick up durch den Drive In. Ein Kindheitstraum, den ich erst seit ein paar Wochen habe, erfüllt sich. Es ist tatsächlich so cool wie man sich das vorstellt. Auf dem Parkplatz stellen wir uns in die einzige freie Parklücke, die genug Platz bietet. Die Burger teilen wir akribisch in Fleisch und nicht Fleisch unter uns auf (4:1). Es lief, wie die meiste Zeit, Soulmusik. Sie ist schon länger dabei (5:1), für mich hingegen eröffnete sich ein ganz neues Genre. Frauen, die Soulmusik hören und etwas damit anfangen können, sind per se klasse. Erst dachte ich, sie will auf das Erwachsenenimage raus und Jazz sei ihr dafür zu verkopft, aber sie lebt das. Egal wie das klingt.
Barry White, Al Green, Marvin Gaye, Curtis Mayfield und wie sie alle heißen, zeigen einem stilvoll auf wie das funktioniert, so zu zweit. „Komm Baby, ich mache dir den Barry White.“ Immer noch einer meiner favorisierten Körbe.

Es läuft gerade der Klassiker Respect von Aretha Franklin. Neben uns im Auto beißt ein etwas korpulenterer Herr in seinen Big Mac. Schön genüsslich im Zeitlupentempo, als ob er dafür bezahlt werden würde. „Just a little bit, just a little bit“, singt Aretha. Wie wahr und einen Lacher wert. Von oben herunter fühlt man sich nicht so beobachtet und kann sich richtig auslassen.
Ich will meine Füße auf das Armaturenbrett verfrachten, nur bin ich zu groß dafür. Die Sitze lassen überhaupt kein Spiel zu. Peinlich wie das aussieht.

- Was ist eigentlich in der Kiste drin? Die, die auf der Ladefläche steht?

Ich kann es mir denken. Eine Abdeckplane und darunter bestimmt Maschinengewehre.

- Meine Liebhaber.
- Na, viele können das ja nicht sein.
- Klein gehackt.
- Ohh. Kay.

Wir unterhalten uns darüber wie peinlich es ist, jemanden Liebesgrüße via Laken oder Sonstigem das man so an Straßenbrücken befestigen kann, zu übermitteln. Joa, finde ich jetzt nicht. Um ehrlich zu sein, entsprach das schon meiner Vorstellung von maximaler Romantik. Abgesehen von der Barry White Nummer natürlich. Dann kann ich das ja von der Liste streichen. Auf Ewig. 6:1, der Tag geht deutlich an sie.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Der Sommer ist für alle da

"She's got the look
What in the world can make a brown-eyed girl turn blue
When everything I'll ever do I'll do for you" Roxette

Das mit dem etwas kühleren Wetter kommt mir eigentlich entgegen. Ich habe mir vor ungefähr einem Monat zwei Pullover für insgesamt 90 Euro gekauft. Wie alle meine Sachen: runtergesetzt. Einen schwarzen Hilfiger Pullover und einen schwarzen Hugo Boss Pullover. Fühlen sich beide grandios an. Allein der Boss Pulli hätte 90 Schleifen gekostet. Jedenfalls trage ich die jetzt während der dunkleren Phase des Rekordsommers.

Apropos Sommer. Wie die Leute mit der Sonne umgehen kommt mir etwas affektiert vor. Als ob die sämtliche Vorgaben aus der Werbung 1:1 übernehmen. Frisuren, Look, Freizeitgestaltung. Das wird jetzt kein beleidigter Artikel über Flip Flop Idioten oder Sonnenbrillen Affen. Keine Panik.
Nur, was mir aufgefallen ist, blondierte Typen tragen immer gelb. Auf Mallorca hätten wir fast den falschen Kameraden in unsere Gruppe eingeschlossen, weil jener identisch aussah wie unser, von zu Hause mitgebrachter, Freund der Haartönungen. Was ebenfalls gar nicht geht, ist der V-Auschnitt bei T-Shirts oder überhaupt. Das sieht so schmierig aus. Die passende Hühnerbrust dahinter kombiniert meist Slipper dazu und ist auch ansonsten schlecht beraten.
Gut finde ich die Römersandalen bei den Frauen. Sieht gut aus. Röcke bleiben hingegen diesen Sommer wohl aus. Dabei ist die Versuchung doch groß einen Legionärs-Look nachzuahmen. Oder darf man das nicht? Ich kenne mich in der Hinsicht nicht genügend aus. In der Fußgängerzone entdecke ich beim hinterher schauen jedenfalls nur Hotpants, die im Winter wahrscheinlich wieder als Gürtel ihre Verwendung finden.
Aber warum nicht? Kann man anbieten. Und da diese Seite gerade dabei ist völlig zu einem Fashion Blog zu mutieren… liebe Leute, seht doch zu, dass das Kopfhörerkabel UNTER eurer Kleidung entlangläuft, anstatt freizügig vor euch herzubaumeln. Das sieht ziemlich spackig aus. Ich vermute sogar, dass überhaupt gar keine Musik aus den Kopfhörern kommt. Genauso gut könnte man mit einem Butterbrot in der Hand durch die Fußgängerzone latschen. Neben Leuten, die mit Pizza, Bürger, Gebäck oder Eis in ihrer Hand aufwarten, sieht man aus wie auf einem Schulausflug. 8. Klasse. Das traut sich ja auch keiner. Also bitte.
Über Frauen, die sich mit den Gurten ihrer Umhängetaschen die Möpse spalten, darf man womöglich nichts sagen. Ist der Situation geschuldet. Pure Ästhetik, dieser Sommer.

Eingestreut: an diesen Text möchte ich gerne diesen Text von Christoph Schlingesief anhängen. Christoph steht über der Rechtschreibung und die Zeit sich nochmals einen Text durchzulesen, hat er nicht. Wie aus dem Text hervorgeht. Aber wieder mal dankenswert wahre Worte. Der Schlingensief Beitrag funktioniert übrigens unabhängig von dem anderen Geschmiere.

Mal was anderes. Seitdem ich nackt schlafe, muss ich stets zu einer bestimmten Uhrzeit auf die Toilette. Sieht da noch jemand einen Zusammenhang?

Dienstag, 20. Juli 2010

Das Streben nach Glück

"Wenn ich zurück könnte, Zeiten zurückdrehen,
würd ich so viel von der ganzen Scheiße zurücknehmen.
doch es führt kein Weg zurück.
darum, blick ich nach vorn und streb nach Glück." Curse

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und Pizza ist wie HipHop weder schlecht noch recht beliebt.“ Dendemann

"Ich bin ganz mein sonniges Selbst." Patrick Bateman

Lieben und Lachen, mehr braucht der Mensch nicht zum glücklich sein. Stimmt erstmal. Glück ist zum Glück kein Dauerzustand, das ist klar. Darauf möchte ich auch gar nicht hinaus. Was mir abhandengekommen ist, ist ein Leitgedanke, eine von vornherein klare Ideologie, so etwas wie ein persönlicher Hedonismus, der die seelischen Talfahrten adaptiert, etwas, das mir was gibt, voran man festhalten kann. Früher habe ich mich sehr auf den HipHop und Fußball gestützt. Es steckt natürlich mehr als nur Musik und Sport dahinter, das sollte klar sein. Mit Gewissheit kann ich nur sagen, die Arbeit ist es nicht, die diesen Platz einnimmt. Zurzeit lebe ich ganz gut mit einem: nur weil ich nicht weiß wohin es wie weitergeht, heißt das noch lange nicht, dass es scheiße wird.

EDIT

Zum Beispiel fuhr ich letztens über die Autobahn, die Sonne war da, drängte sich aber nicht unangenehm auf, im CD-Player lief Gang Starr mit I´m the Man. Es fühlte sich alles richtig an. Ich höre HipHop seit der zweiten Stunde, also ab dem Moment, ab dem ich alt genug war, um diese Musik zu würdigen. Es war aber eben nur ein nachvollzogenes Glücksgefühl. Vor einer Woche stand ich auf dem Balkon, wieder Sonne, und ich hörte das Instrumental von Curse Hand hoch. Eine absolut stimmige Konstellation. Aber erst die Erinnerungen an bessere Tage ließen die Situation so stimmig erscheinen. Wirklich festhalten konnte ich den Moment natürlich nicht. Das Glück dahinter lässt sich nur zeitweilig simulieren. Ich würde diese Momente gerne mit einer Idee davon wie es weitergeht verbinden können. Überflüssig zu erwähnen, dass es mir nicht gelingt. Ich halte Nostalgie für eine gefährliche Sache. Gerade mit 27. Es ist ja ganz schön, wenn Erinnerungen einen aufheitern, aber es ist leider die falsche Richtung. Dasselbe Gefühl würde ich gerne mit nach vorne nehmen.

Musik ist für mich ein wichtiger Indikator für das Glück. Das behauptet wahrscheinlich jeder der etwas auf sich hält. Musik darf ja jeder für sich beanspruchen. Musik hat einen durchweg guten Ruf, da lehnt man sich gerne an. Man kennt das von Leuten, die auf ihrer Facebook Seite ständig ihren derzeitigen, möchtegern individuellen, Musikgeschmack kundtun. Musik ist halt hyper inflationiert.
Bei mir ist das schon ernst gemeint, weit weg von angestrebten Images und Attributen. Mein Vorteil ist es, dass ich von vornherein immer etwas mit Musik und den einzelnen Songs verbunden habe. Viel mehr als nur aktuell, beliebt oder interessiert zu sein.
Ich dachte tatsächlich mal vor dem Release eines heißbegehrten Albums: Ab dann wird alles besser. Wurde es nicht. Verrückt.

Die Assoziation mit filmischen Augenblicken macht mich ebenfalls kurzzeitig glücklich.
Es ist wie mit der inszenierten Musik, nur in bildlicher Form. Ich mag den Begriff Kopfkino nicht. Er wird von Menschen benutzt, denen ich gerne jegliche Fantasie absprechen möchte, zudem klingt der Begriff grenzdebil. Jedes Mal wenn ich Schauplätze oder Gegebenheiten antreffe, die ich trotz aller Übertreibungen aus Filmen als positiv, geschmackvoll oder richtig wiedererkenne, überkommt mich das Gefühl von „richtige Zeit, richtiger Ort“. Nehmt zum Beispiel Städte, wie sie in Filmen porträtiert werden. Trifft man so etwas in der Realität an, dann beschleicht mich eine unheimliche Zufriedenheit. Am besten singt dann noch Frank Sinatra That´s Life, aber muss nicht. Festhalten kann ich diese Momente leider ebenfalls nicht. Nur registrieren und bestenfalls mitnehmen.

Natürlich gibt es auch glückliche Momente, die weder inszeniert, noch auf Erinnerungen beruhen, die uneingeschränkt in der Gegenwart stattfinden. Nur erlebe ich diese selten alleine. Ich fühle mich vom Glück der anderen abhängig. Früher war das anders. Da bin ich mir sicher. Da habe ich die Dinge von einem anderen Standpunkt aus betrachtet. Außerdem war ich leichter zu begeistern. Es ist nicht so, dass der Pessimismus im Hause Lieblingsmensch eingezogen ist, es ist eher eine natürlich gewachsene Sichtweise, die mich darauf brachte mehr Leid auf mich zunehmen, mehr auf Verzicht zu setzen. Die Idee dahinter ist manchmal so einleuchtend, leider aber auch nur manchmal. Eins ist sicher, wenn das jeder tun würde, wäre alles um einiges leichter. Die Rechnung ist ganz einfach. Anstatt:

Ich – Leid = Glück

Dachte ich mir:

Leid / Alle = Glück

Nur doof, wenn keiner mitmacht. Alle setzen im Leben immer auf Sieg und wollen ganz vorne mit dabei sein. Verständlich. Da ist es besser, wenn man sich selbst von Enttäuschungen und sonstigem Gedöns frei machen kann, jegliches Risiko für die eigene Gefühlswelt delegiert. Irgendwo muss das Risiko ja hin, ganz nach der Zauberformel: Ich – Leid = Glück.

Dennoch bleibe ich dabei: alleine wird man nicht glücklich.
Jaja, Wahnsinns Erkenntnis, ich weiß, danke danke.
Loyalität geht vor Integrität. Als absolut integre Persönlichkeit, fiel mir das anfangs ziemlich schwer. Ihr merkt schon, mit mir kann man keinen Krieg gewinnen.
Ich teile es sogar mit, wenn ich einen Moment richtig feiern kann. Vielleicht ist mein: „Ich bin gerade, genau in diesem Augenblick, sauglückselig“, etwas übertrieben und peinlich, aber ich weiß ja, dass die anderen das genau so brauchen wie ich. Auch wenn sie es selbst nicht wissen. Wirklich Glück hervorbringen, kann man vermutlich nur so.



Mir geht es übrigens gut. All the Best.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Vergnügungsdampfer

"I was looking for some action
But all I found was cigarettes and alcohol" Oasis

Schaust du auch hier
Warum fangen Menschen an zu rauchen? An der Schule, wo wahrscheinlich die meisten Raucher ihre erste Zigarette geraucht haben, sind sicherlich die Gründe die geliehene Coolness und das sozial auffällige Umfällt. In zahlreichen Anekdoten, die sich alle stark ähneln, geht es ums weglaufen und verstecken vor den Lehrern und manchmal wurde es sogar richtig brenzlig. Hui Hui. Anekdoten haben einen viel zu guten Ruf, als dass jemand mal darauf käme zu erwähnen, wie bekackt und anstrengend das früher alles war. Beziehungsweise gewesen sein muss.
Für mich war das nämlich nie etwas. Alle Raucherkinder auf meiner Schule waren auffällig schlecht in selbiger und bekamen Sonderurlaub, weil es familieninterne Schwierigkeiten gab.

Rauchen ist erstmal nicht besonders lukrativ. Es kostet ein Vermögen, macht die Organe kaputt und es hetzt einem die militanten Nichtraucher auf den Hals. Das schlimmste daran ist jedoch dieses schreckliche Suchtverhalten, wofür ich überhaut kein Verständnis habe. Einmal Raucher, immer Raucher. Zudem behaupte ich, dass es Männern nicht steht, wenn sie rauchen. Wirklich nur in den seltensten Fällen und Gegebenheiten. So wie die Pfeife erst ab einem gewissen Alter nach Genuss und Verdienst aussieht. Eine Gruppe von Rauchern zum Beispiel sieht immer verbannt und etwas traurig aus. Da kann dann selbst Johnny Depp rauchend dazwischen stehen. In Kneipen ist der Dunst ein wichtiger Faktor für das Flair, aber alleinig dafür verantwortlich sein, möchte ich auch nicht.

Die Uncoolen fangen also mit dem rauchen an, weil sie zu den Coolen gehören wollen, ok. Aber warum fangen die Coolen an zu rauchen?

Meine Bewunderung gegenüber Oasis ist der Grund, warum ich mit circa 25 Jahren angefangen habe zu rauchen. Martin und ich beschlossen nur zu rauchen, wenn auf Partys ein Oasis Song läuft. Als anerkennende Geste, so wie die Friedenspfeife. Alles andere wäre Verschwendung der kostbaren Kondition, die man zum Feiern und zum nach Hause wanken benötigte, gewesen. Zudem finde ich es wichtig, dass man rauchen kann. Also dass man es beherrscht, es gut aussehen zulassen. Lunge, Filmgesten usw. Auf gar keinen Fall darf man anfangen zu husten oder ähnliches. Das wäre so, als wenn man bei seinem ersten Tattoo anfängt zu weinen. Ich halte nichts von Tätowierungen, aber Schmerz sollte man kennen.

Es funktionierte prima. Die erste Zeit. Der richtige Augenblick für eine Zigarette wurde irgendwann auf das Stimmungsbild ausgedehnt. Betrunken ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Stimmung, dennoch wird immer darauf geachtet, dass die Geste stimmt. Wie mit dem Alkohol, wird mir beim Nikotin allein der "Rauschzustand" nie etwas geben können.
Über die Zeit hat sich für mich ein apodiktisches Schema eingependelt.
  • Ich rauche nur in Verbindung mit Alkohol, was oft gleichbedeutend mit Wochenende ist.
  • Ich kaufe mir nie Zigaretten aus der Reihe, sondern rechne die immer von meinem Wochenendbudget ab. Die Kohle, die du mitnimmst ist eh weg. Dann ist es auch egal wofür.
  • Ich schnorre möglichst, um den Gang zum Automaten zu vermeiden. Die Anstrengung steht nicht im Verhältnis zu meinem Konsum.
  • Ich spendiere gerne und ungefragt Zigaretten aus meiner Packung. Alleine schon um Punkt drei zu rechtfertigen, aber vor allem, weil mir Zigaretten nichts bedeuten.
  • Mir ist die Marke von geschnorten Zigaretten egal. Ich schmecke eh keinen Unterschied.
  • Es geht um die Geste. Zum Beispiel kaufe ich mir Malboro Light im Softpack mit weißem Filter. Allein wegen des Erscheinungsbildes.
  • Ich rauche nie wenn ich alleine bin
  • Beweggrund ist die Stimmung, nie der Moment.
Was wie ein selbst auferlegtes Regelwerk klingt, funktioniert für mich absolut Zwangsfrei. So wie es ist, bleibt es oder ich verliere das Interesse daran.
Ich bezeichne mich nicht als Raucher, genau wie ich mich mit meinem Dreitagebart nicht als Bartträger bezeichne.

Zugegeben, Oasis oder andere Meinungsmacher als Begründung anzuführen ist schwach. Besser hat es ein Kumpel gemacht. Er hat aufgehört zu Trinken und wusste in Diskotheken nicht mehr wohin mit seinen Händen. Das war für ihn ein absolut einleuchtendes Argument mit dem Rauchen anzufangen. Übrigens, die bisher beste Erklärung ein Vegetarier zu sein, ist: das Fleisch steht mir beim Essen zu sehr im Mittelpunkt. Schön, wenn man sich davon frei machen kann. Zweitbeste Ansage: Meine Freundin ist Vegetarierin, was mich auch zu so eine Art Vegetarier macht.

Freitag, 2. Juli 2010

Die Wohnungen der anderen Teil I

"Für manch ein Mieter hats sich nie gelohnt
es wird kein Heim wo keine Liebe wohnt" Dendemann

Mein Job bringt es mit sich, dass ich hin und wieder in die Wohnungen von Privatpersonen einsteigen muss. Natürlich alles mit Termin und freundlichem Lächeln und so weiter.
Wer bei uns mietet ist entweder Hausmeister, durch das soziale Raster gerauscht oder nimmt bewilligend einige Unzulänglichkeiten an der Immobilie in Kauf. Bremen ist schon so ein kleines Königreich. Mit anderen Worten ich treffe in meinem Alltag nicht selten auf Extremfälle.

Einen Vorwurf kann man Niemanden machen, will ich auch gar nicht. Besonders die älteren Herrschaften, bei denen unsere Finanzabteilung gerne auf die natürliche Fluktuation setzt, stehen oft mittellos da und haben sich mehr oder weniger mit ihrer Situation abgefunden, bzw. kennen keinen Anspruch. Oft haben sich diese Menschen schon aufgegeben, sind verwitwet und geben sich keine Mühe mehr nach außen hin irgendetwas darzustellen, das sie nicht sind. Für wen auch?
Ihr Verhalten wird intern gerne als verloddert, oder etwas freundlicher ausgedrückt, als eigenwillig verschrien. Ich hingegen habe da volles Verständnis für. Na gut, einige Eigenwilligkeiten, gerade von den Damen jenseits jeglicher relevanten Zielgruppen, kann ich nur schwer nachvollziehen. Da wäre zum Beispiel die Sammelwut. Damit meine ich kein Messi-Verhalten, wie jemand der auf dem Hinterhof Übersteiger exerziert, genauer meine ich damit das Anhäufen von Puppen oder Werkzeug. Mittlerweile wetten wir vor jeder Begehung, hinter welcher Tür sich das Puppenzimmer der Omi oder die Werkstatt des Opis versteckt. Werkzeug: ok, aber Puppen? Die Dinger waren schon vor Chucky gruselig und ein ganzes Zimmer voll davon kann bei sensiblen Menschen Traumata auslösen. Das verfehlt den eh schon schwer nachvollziehbaren dekorativen Effekt jawohl völlig.
Man stelle sich mal vor, die hätten alle Namen und einen persönlichen Bezug. Woher kommt eine solche Leidenschaft?
Bisher waren alle Oldies nett. Ich habe auch kein Problem damit, mir Kriegsgeschichten anzuhören. Gerne auch zweimal hintereinander, in Bremen sprechen ja fast alle angenehm dialektfrei. Vielmehr tut es mir leid nichts an ihrer rudimentären Wohnsituation ändern zu können, insofern sie das überhaupt wollen.

Das genaue Gegenteil sind die jungen Menschen, die mit dem sozialen Raster. Jedes Mal beim betreten einer dieser Wohnungen, beschleicht mich das Gefühl, die Wände wurden um den Plasma Fernseher herumgemauert. Ein Jugendlicher, nennen wir ihn Kevin, angelehnt an den Film Kevin allein zu Haus, hat den Vogel abgeschossen. Sein Bruder und gleichzeitig Nachbar hatte uns die Wohnung aufgeschlossen. Kevin sollte später nachkommen. Anhand des Nachnamens war uns von vornherein klar, dass hier einer auf den Koran schwört. In der Regel sind gerade diese Wohnungen aufgeräumt. Man erkennt halt, dass zumindest ein Familienmitglied 24 Stunden am Tag den Haushalt führt.
Anders bei Kevin. Er wohnte zwar bei seiner Mutti, nur waren die Eltern gerade im Urlaub. Scheinbar schon seit längerem.
Optisches Highlight war die Treppe. Auf jeder Stufe stand jeweils ein Paar Nike Air. Geputzt.
Die Küche war hingegen nicht geputzt. Überall lagen Pizzaschachteln herum, im Ofen wurde die Wäsche getrocknet und das Spülbecken wurde scheinbar zum Schuhe putzen benutzt.
Das Esszimmer wurde zum Poker Room umfunktioniert. Fressalien, Zigarren und Bier standen noch neben dem Pokerkoffer. Im Wohnzimmer war dann auch der erwartete Plasma Fernseher. Davor stand eine Couch mit Decke und davor platziert ein Heizstrahler. Die Wände waren nicht gedämmt und im Winter, den wir zu der Zeit hatten, ist das ziemlich ungenehm. Auf dem Boden lagen etliche Gangster und Jet Li Filme, auf dem Couchtisch eine kleine, sehr sensibel wirkende Waage und ein halbes dutzend abgepackte Tütchen. Habe ich schon erwähnt, dass wir nur bei terminlicher Absprache zu Besuch kommen? Der Großteil stellt netterweise seine Peinlichkeiten vorübergehend in den Schrank oder sonst wohin.
Die Rede ist von Marihuana. Für ganz dumme ist auf den Tütchen noch ein Hanfblatt abgebildet. Ob er dealt oder wie wir alle einfach nicht gerne beschissen wird, bleibt unklar und war mir auch völlig egal.

Der zweite Stock lieferte uns Kevins Zimmer. Bereits auf dem Flur kamen uns Stapel von Klamotten entgegen. Boss, Diesel, Hilfiger. Ich kenne mich nicht genügend aus um zu sagen ob die alle echt waren oder ob die Eltern die aus dem Türkei Urlaub mitgebracht hatten. Gefälschte Markenklamotten: ja, Steine: nein.
Kevins Zimmertür ging nicht ganz auf. Ein Klamottenberg verweigerte mir den Einlass. Ich musste mich schon reinkämpfen, weshalb meine Kollegin keine Lust hatte nachzukommen. Selber Schuld, so hatte sie das Bräute-Kabinett verpasst. Die Wände hingen voll von namenlosen, nackten Amerikanerinnen. Als Poster, natürlich. Ein Regal, ausgestattet mit einer beeindruckenden Pornosammlung, bedeckte das letzte freie Stück Tapete. Reizüberflutung, zum Glück war das Zimmer nicht besonders groß. Das Schlafzimmer der Eltern war der einzige Raum, in dem ich beim durchqueren nicht auf meine Füße achten musste, dafür stieß ich mir den Kopf an.
Wenn mal keine Pornographie, dann eben Slapstick. Kevin kam nach Hause, allein, und entschuldigte sich mehrmals bei uns für die Unordnung. Jaja, egal. Nach außen hin schien der Typ wie einer der gerne irgendwo öffentlich abhängt. Chillen und so. Er hatte Nike Air an, eine And1 Hose, ein Ed Hardy Shirt und ein buntes Trucker Cap, schief auf den Kopf drapiert. Vom Beruf bestimmt Blogger. Solche Typen scheinen ausschließlich in ihr Image zu investieren. Mein Vater würde uns jetzt über einen Kamm scheren und Luxus-Penner dazu sagen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Schrass

„Ich bin Doktor der Philologie
Ich habe 13 Jahre geforscht
In Berkeley und in Heidelberg
Nun ist es fertig mein Lebenswerk” Knorkator

Die Wortschöpfung schrass stellt sich zusammen aus den beiden Adjektiven scheiße (schrecklich, schlimm, schlecht) und krass. Krass ist ein positiv geprägter Ausdruck, der häufig in Zusammenhang mit negativen Ereignissen genannt wird, was schnell zu Verwirrungen und Missverständnissen führen kann. Meiner Meinung nach bringt das Wort krass nicht genügend zum Ausdruck, wie schlimm oder schrecklich oder eben scheiße eine Begebenheit wirklich ist. Deshalb fühlte ich mich in der Pflicht, ein neues Wort zu erfinden. Es ist das schrass!

Fällt zum Beispiel ein spektakuläres Tor bei der WM, dann sagt der Volksmund: das war ein krasses Tor. Ein außergewöhnliches Erlebnis, wie ein Konzert, kann krass gewesen sein.
Nun werden irrtümlicherweise negative Ereignisse genauso mit dem Adjektiv krass umschrieben. Zum Beispiel ist es krass, dass Elvis auf der Toilette gestorben ist, es ist aber auch ziemlich scheiße so abzutreten. Explodiert in Göttingen eine alte Fliegerbombe, ist das erstmal scheiße, aber eben auch krass, also schrass.

Das passende Nominativ zu schrass wäre Schrassinn. In der Politik passiert viel Schrassinn. Übrigens ist die Schreibweise mit zwei s richtig. Es sieht besser aus, außerdem halte ich eh nicht viel von dieser Rechtschreibregel.
Was nicht funktioniert ist die Zusammenstellung schrasser Scheiß oder schrasse Scheiße. Dies wäre eine Tautologie, wie zum Beispiel blinder Schiedsrichter. Schon ziemlich schrass was die sich da zusammen pfeifen.
Krasse Scheiße oder krasser Scheiß bleiben als Steigerung des Wortes krass natürlich weiterhin fest im Sprachgebrauch verankert.

Da die Blogosphäre so groß und mächtig ist, sollte die landesweite Verbreitung des neuen, schon längst überfälligen Wortes schrass schneller voranschreiten als ein Lauffeuer. Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung wie schnell sich so ein Lauffeuer verbreitet, denke aber, der Name ist Programm. Lasst uns etwas schaffen, wozu weder Goethe und Schiller, noch die Wortschaffenden Popliteraten oder Udo Lindenberg je in der Lage waren. Lasst uns die deutsche Sprache etwas eindeutiger machen.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Genug Malle für alle

„Ich würde sogar auf Jürgen Drews Beerdigung gehen.“ Hendrik

„ey Alter, biste Malle im Kopp oder was?“ So etwas hört man zum Beispiel aus offenen Autofenstern, nachdem man an der Ampel von der Linksabbiegerspur aus bei grün schnell an den Geradeausfahrern vorbeizieht, weil man spontan bemerkt hat, dass man doch rechts abbiegen wollte. Als Beleidigung ziemlich zutreffend, wie ich jetzt in Erfahrung bringen durfte. Ich war nämlich Vorort. Ich war auf Mallotze.

Wo soll ich anfangen? Also zuerst: jedes Klischee stimmt, weil auch jedes Klischee bewusst bedient wird.

Es wird grundsätzlich in Gruppen angereist. Ein Fußballverein, der noch nicht auf Malle war, ist kein ernstzunehmender Fußballverein. Selbst Mannschaften aus der Verbandsliga kommen um sich mal so richtig wegzuschießen. Schiss wiederum muss man vor den Ü40 Kegelclubdamen haben. Alle außer Form, alle ekstatisch, alle laut und alle haben sie große Hände. Die Truppenzugehörigkeit suggeriert ein gemeinsames Themen-Shirt.

„Wir spritzen alles voll“ - Freiwillige Feuerwehr
„Sonderschulabschluss 2010 – Urlaub auf Insel inkl. WM“ - Ü30 Hedonisten
„Die Aufsteiger sind da“ - Fusi Verein
„Ficken oder was?“ - U30 Hedonisten

Dazu kommen noch alle möglichen Abi-Shirt Varianten. Ganz ohne lustigen Spruch kommen die Ü40 Herren aus. Die tragen alle bunte Jürgen von der Lippe Hemden bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, gerne kombiniert mit „Altherren Bräune“ und Kettchen.
Der Rest der Männer läuft mit einem freien Oberkörper herum. Alles Opfer ihrer eher geringen Körpergröße, aufgepumpt bis zum Hirninfarkt. Aber wenigstens haben die alle, wenn schon keinen Hals, einen großen Schatten. Tatsächlich lief eine Gruppe von zehn Mitarbeiterinnen eines Friseursalons an der Promenade entlang, alle in Pink mit blondierten Haaren. Sofort ging die alte Diskussion los: die geht, die geht nicht, man, hat die Hupen, unverschämt, ich sauf mir die jetzt schön, nee lass Alter, digg mal lieber die, dicker, usw.
Passieren tut natürlich nichts. Die Gruppen bleiben alle konsequent unter sich. Ab zwei ist man eine Gruppe und im Grunde sicher vor übergriffen jeglicher Art. Außer vor den Schwarzen, aber dazu später mehr.

Rechtfertigung für alles hier, ist die Sonne. Wir hatten stellenweise 30 Grad, kein Schatten. Da ich mich weigerte, mich dem Malle-Zwang zu unterwerfen, brachte ich keine Asi-Letten und nur ein Shirt mit Aussage mit auf die Insel. Ich cremte mich sogar ein! Ab dem zweiten Tag.
Ohne Schuhwerk darf man konsequent keinen Laden betreten. Also keinen Biernachschub holen, keine Zigaretten kaufen, kein Eis und nicht adäquat pinkeln gehen. Ich machte mir schnell Feinde mit meiner Contrahaltung gegenüber den Asi-Letten.
„Ho` ma ne neue Rutsche Pils“
„Bring mir ma Zigaretten mit“
„Warum pinkelst du denn nicht wie alle anderen einfach ins Meer?“
„Selber Schuld wenn du da rein trittst“
Am vierten Tag kaufte ich mir dann für drei Euro meine ersten FlipFlops. Aber wie es so ist, einigen kannst du es einfach nicht recht machen.
„kannste mal beim gehen die Füße hochnehmen?“


Auf Malle spricht man Deutsch. Falls irgendein Ureinwohner sich weigern sollte einen zu verstehen, dann redet man halt etwas lauter mit ihm. Mit Englisch kommt man nicht besonders weit, außer bei den Schwarzen, aber dazu später mehr. Hochdeutsch ist eher selten. Oft ist die Deutsche Sprache nur anhand Satzverstärkungswörtern, auf die sich scheinbar alle vorher am Flughafen geeinigt haben, herauszuhören. Beispiele: Ficken, Alter, nä, Schland, Normal. Eine Frau konnte noch so hübsch sein, wenn beim reden plötzlich ein sächsischer Akzent herauskam, ist alles nichts. Genau wie bei den Pumpern, deren Bauchnabel nach außen ragt. Es sieht immer scheiße aus, da kannste spritzen was du willst.

Bierkönig, Megapark, Oberbayern, Kölle Kalk, Riu Palace, das sind die wichtigsten Anlaufstationen. Von überall kommen die Flyer-Verteiler und drängen sich mit ihren Angeboten auf. Die leben auf Malle in engen Viermann-Wohnungen, für 1500 Euro im Monat belästigen sie Betrunkene und verdienen sich ihr Trinkgeld damit, dass sie die heruntergefallenen Cent-Stücke aufsammeln. In allen Läden stinkt es nach Schweiß und Kotze. Alle Feiern auf engsten Raum, dazwischen immer wieder unmotivierte Tänzerinnen aus Osteuropa. Wenn man gut aussieht, steht einem die Welt offen, denke ich.
In Deutschland hätten sich schon lange alle untereinander an die Fresse gehauen, hier kommen alle wunderbar miteinander aus. Es ist verrückt. Die Security ist nur dafür da, um die Betrunkenen rauszutragen. Die leichten Damen auf ihren Tanzpodien stoßen selbstständig die Flirtweltmeister von sich ab. Die wiederum lassen sich dafür feiern. Niederlagen kennen die Leute hier nicht.

Das Liedgut ist eine Frechheit. Wie gerne würde ich einem Songschreiber dieser Güte mal beim Texten über die Schulter schauen. 50 Prozent der Lieder kennt man so ähnlich aus den Stadien. Die anderen 50 Prozent kennt man aus den Charts, nur wurde der Text eingedeutscht und auf Deutschland oder sämtlichen Synonyme für Geschlechtverkehr umgeschrieben. Tagsüber, am Strand, drehten sich die Texte ausschließlich darum, dass die große Liebe weg ist und man ihr hinterher heult. Abends ist dann eine neue große Liebe gefunden und alles geht wieder von vorne los. Wenn Frauen einen Ballermann Hit beisteuern, geht es entweder darum, dass ausnahmslos alle Männer schlechte Lover sind, da grölen gerne die Friseursalon Mitarbeiterinnen mit, oder dass er etwas ganz besonderes ist. Wer soll diesen Ansprüchen genügen? Dann doch lieber: „Sie ist solo, sie ist soloooo, ich bin solo, scheiß egal!“

Und mittendrin lauern die von der korrupten Polizei geduldeten Schwarzen Männer mit ihren Sonnenbrillen, Uhren und Designer Schmuck. Armani Sonnenbrille, nur drei Euro. Während des Essens kommen sie an und fragen dieselbe Person problemlos dreimal hintereinander, innerhalb von zehn Minuten.
Sie sind überall, 24 Stunden am Tag. Ihre Frauen arbeiten wenigstens nur nachts. Schwarze Prostituierte, die aussehen wie Oprah Winfrey. Kein Geschenk. Aber fast. 20 Euro für eine schöne Fick. Das schlimmste ist, dass die einen anpacken, im vorbeigehen quasi. Malle ist wie St. Pauli bei Nacht, nur mit Sonne, denke ich. Für einige ist auch das noch ein einziger Spaß. Am Strand kommen die Asiatinnen an und fragen wie es denn mit dem Bedürfnis nach einer Massasch stünde. Asiatinnen klingt ja schon wie eine einzige Sexfantasie, aber die sehen eher aus wie Deine Mudda mit Schlitzaugen, halt wie Asiaten nun mal aussehen, alle gleich und meist hässlich. Die einzige Gattung Mensch, die da noch mithalten kann sind Inder. Und Linienrichter auf Kreisebene.

Wer die schmutzigen Details, alles über das Hotel und vieles mehr lesen möchte, der kann das in naher Zukunft hier tun. Wer nicht eingeladen ist, aber trotzdem mitlesen möchte, soll mir eine eMail schreiben, sich zu erkennen geben und kurz Hallo sagen. Hoffentlich verständlich, dass ich das sondieren werde.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Weltmeisterschaft for Dummies

„Von wegen Fußball integriert, da hat doch heutzutage jede Nation seine eigene Mannschaft.“ Sönke

Diese Verrückten. Natürlich freue ich mich alle vier Jahre wie ein kleines Kind auf die Fußball Weltmeisterschaft, selbst der kleine Bruder, die Europameisterschaft, lässt mich vergessen zwischendurch auch mal ein Wasser zu trinken, aber was in Deutschland während des WM-Monats abgeht, wirkt auf mich sehr befremdlich. Seitdem 2006 die Marke „Das Sommermärchen“ als das Aushängeschild der Deutschen überhaupt proklamiert wurde, drehen alle durch. Deutscher Nationalstolz darf wieder gelebt werden und weil niemand weiß wie das geht, schaut man sich das eben aus anderen Ländern ab. Autokorsos stammen aus der Türkei, Vuzuelas aus Südafrika, Menschenaufläufe aus Sumatra, die Laola stammt aus Mexiko und England steuert noch mal eine ganz eigene Interpretation von Begeisterung bei. Die Deutschland-Flaggen wedeln nicht mehr nur von den Hotelbalkonen auf Mallorca, sondern lassen sich mittlerweile überall finden.


Vielleicht kennt ihr das Gefühl, das mich manchmal auf Festivals beschleicht. Man steht in der Menschenmenge vor der Bühne, ist angestrengt, weil man sich schon lange vor dem Auftritt reindrängeln musste, dabei ist das Interesse an der Band gar nicht groß, dafür aber ihr Name und man möchte einfach nur dass es los und auch schnell wieder vorbei geht, damit man endlich sagen kann: ja, die habe ich auch gesehen.
Jedenfalls scheint es mir, geht es so 90 Prozent der Deutschen mit der WM. Plötzlich sind alle Fans des Sports. Sogenannte Erfolgsfans. Da eigene Erfahrungen mit dem Ball oder jahrelange Recherchen fehlen, wird sich die Meinung von der BILD geliehen und oft nicht wieder zurückgegeben. Heute noch die Helden, morgen schon wieder die Wurst-Truppe. Bei Frauen wirkt das ganze noch angestrengter. Aber die dürfen das, Frauenquote ist beim Feiern immer total wichtig. Nicht wenige glauben, Fantreue spiegelt sich durch die richtigen Assecoires und durch das Grölen der angesagten Gesänge wider. Als wollten sie ihre Ahnungslosigkeit durch Schminke, Perücke und Alkoholpegel ausgleichen. Die Euphorie um die Nationalmannschaft ist in einem Land, das Ironie für den Gipfel des Humors hält, schwer einzuschätzen.


2006 habe ich ein einziges Spiel, Deutschland gegen Schweden, zwischen tausenden anderen Anhängern geschaut. Public Viewing genannt. Eine Wahnsinns Abzocke und nur weil tausend Leute auf einmal Jubeln, empfinde ich das nicht als angenehmer oder bedeutungsvoller. Die Frauen haben vor dem Jubeln erst nach links und rechts geschaut, um sicher zu gehen, ob sie sich im Falle eines Abseitstores nicht blamieren. Kinder konnten gar nichts sehen. Der Rückweg zum Bahnhof war das schlimmste. Alles ist laut und eng und stumpf gewesen. Vertreter anderer Nationen pöbeln gegen die Deutschen und die Deutschen gegen alle anderen Nationen. Hooligans freuen sich auf die WM wie arbeitslose Jugendliche auf die Sommerferien, sie fallen dann nämlich weniger auf. Seitdem schaue ich nur noch Privat oder in überschaubaren Kneipen.

Ich würde mich als Fußball-Fachmann bezeichnen. Nicht weil ich jeden Ersatzspieler der Nordkoreanischen Mannschaft von der Konsole her kenne, sondern weil ich selbst am liebsten mitspielen würde. Ich kann ein Spiel lesen und kenne den Charakter der Mitwirkenden. Den Sachverstand eines Günther Netzers weiß ich einzuschätzen und in die Aussagen der Interviewten interpretiere ich ein Stimmungsbild. Ehrlich gesagt, warte ich alle zwei Jahre wieder auf einen Anruf vom Bundestrainer. Meine Nummer habe ich auf der offiziellen Facebook Seite des DFBs hinterlassen, daran soll es nicht scheitern.

Mittwoch, 14. April 2010

Adoleszenz Nightmare Teil III

„A kiss with a Fist is better then none” Florence & The Machine

„Wärst du eine von ihren vielen Affären gewesen, dann wäre sie dir heute vollkommen egal. Ich weiß das, du weißt das, und sie weiß das womöglich auch.“ Für solche Ratschläge hat man Freunde.
Wenn sie nur nicht so verdammt gut aussehen und ihr Beuteschema mich nicht so sehr verhöhnen würde, wäre ich schon längst weg. Kontakt abgebrochen. Aber so schwanke ich ständig zwischen den Figuren Hans-Jörg Tschirner aus dem Film „Agnes und seine Brüder“ und eines chauvinistischen Gönners.

Mittlerweile sind wir beide am Ende unseres Studiums angelangt. Wir haben viel miteinander zutun, logisch, schließlich haben wir uns beide für dieselbe Studienrichtung entschieden. Das hat sich ja in der Schule schon angedeutet. Die Noten haben sich erstaunlicherweise angenährt. Sie hat ihr Glück gefunden, behauptet sie. Mein Privatleben stagniert hingegen zusehends, aber dafür mache ich mir nichts vor.

Wir treffen uns gleich zum lernen mit anschließendem Glas Rotwein bei mir.
Welcher Käse zu welchem Rotwein? Claude-Michel Schönberg oder Andrew Lloyd Webber? Familienkutsche oder Sportwagen? Kerzen bei Tisch? Golf oder Sex? Das sind die Fragen, die sie zurzeit beschäftigen und es steht ihr verdammt gut.
Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich meine damalige Situation nie angesprochen habe. Wer weiß, vielleicht wäre der Damm gebrochen und sie hätte sich mit Tränen in den Augen um meinen Hals geworfen, mir erzählt, wie ihr alles leidtäte, alle Typen nur ein schlechter Ersatz waren, sie sich nicht anders zu helfen gewusst hätte, weil ich ihr so unnahbar vorkam. Dann könnte ich sie endlich getrost vergessen.
Und wäre es anders gekommen, dann würden wir wahrscheinlich heute genauso hier sitzen. Die Zeit hätte unser Verhältnis zueinander schon wieder angeglichen.

Man lebt nur einmal. Alle wissen es, keiner lebt danach. Da können die ganzen Leute mit ihren Pseudolebensphilosophien ja gleich singen: Olé, wir fahren in den Puff nach Barcelona. Und genauso, wie ich im Puff von Barcelona war, lasse ich mir diese Gelegenheit jetzt ebenfalls nicht nehmen. Und wenn es schief geht, in drei Jahren lachen wir darüber und es fängt wieder bei Null an.

Ihre Außenwirkung ist fantastisch. Sie sieht nicht nur blendend aus, sie sitzt sogar gerade. Damals wollte sie sich nie auf mein Sofa setzen, wenn ich bereits darauf saß. Heute scheint es zu gehen. Wir kamen uns in den letzten Tagen näher als die ganzen Jahre voller Gerede und Hergezeige zuvor. Alles sei ihr verziehen. Ich kokettiere mit den wenigen lustigen Momenten unserer gemeinsamen Vergangenheit und schaue ihr dabei etwas zu lange in die Augen.
Hin und wieder erwähne ich ein paar Frauennamen, man will ja begehrt wirken und nicht zu undersexed rüberkommen. Die "Hand aufs Knie" Nummer ist der größte Fehler. Damit bist du derjenige, der unmissverständlich den ersten Schritt macht, auf ewig. Man stelle sich mal vor, noch in zehn Jahren den Satz hören zu müssen: der wollte mal was von mir, aber...
Da schwingt alles Schlechte mit. Niederlage, Zurückweisung, Größenwahn, Unterklassifizierung, Unattraktivität, Leichtsinn, Realitätsverlust. Den Satz möchte man lieber auf seiner Seite wissen. Ich lege ihr meine Hand auf das Knie.

Sie steht wortlos auf und geht. Das war es.
Habe ich nach all der Zeit keine klare Ansage verdient? Darf ich jetzt raten was das zu bedeuten hat? Es hat Jahre gedauert bis ich herausgefunden habe, dass ich mag dich gleichbedeutend ist mit ich liebe dich nicht und nun das.

Vor ein paar Jahren war sie kurzweilig Single, ein Zeitfenster von vier bis fünf Monaten. Als mir ihr neuer Besetzer vorgestellt wurde, was sehr selten vorkam, und er in einem kurzen, unterhaltungslosen Gespräch durchsickern ließ, er trinke keinen Alkohol, ausnahmslos und sei gleichzeitig St. Pauli Fan, weil das so authentisch mache, fragte ich sie wo man denn solche Typen kennenlernt. Außenseiter auf dem Dorf werden so. Sie meinte nur lapidar, dass ich meine Chance ja nicht genutzt hätte. Welche Chance?
Zugegeben, in dieser Zeit kam sie mir, vermutlich aus einem schlechten Gewissen heraus oder aus Langeweile, etwas entgegen, aber wie soll man das nach jahrelangen Abweisungen als Annährung deuten? In den vier oder fünf Monaten hätte ich mich also ganz besonders nett, besonders aufmerksam und besonders verliebt verhalten sollen, so, als wäre ich jemand anderes, so als wäre ich etwas Besonderes. Ich hatte nie eine reele Chance. Ihr Gewissen hingegen scheint sie allerdings beruhigt zu haben.

Morgen werde ich ihr erzählen, wie sehr ich ihre Freundschaft zu schätzen weiß und was sie denn dachte, was ich vorgehabt hätte und dass sie ein ganz falsches Bild von mir habe.
Bis zur nächsten Gelegenheit. Aber bis dahin ist sie mir wirklich egal.

Dienstag, 13. April 2010

Adoleszenz Nightmare Teil II

„Und egal wie schön du bist,
wie schön es mit dir ist
Mann, was hab ich davon,
wenn es mich von inn' zerfrisst
Ich sag: Wieso muss denn immer alles so anstrengend sein“ Jan Delay



Wir reden häufig via Internet. Sie schreibt mir ihre Probleme, die sie mit irgendwelchen namenlosen Typen hat und ich versende die verschiedensten Smilies, passend zu der Stimmung, die ich aus ihren Zeilen herauslese. Ihr irgendetwas zu erklären, habe ich längst aufgeben. Zu kompliziert, zu schlecht formuliert, einfach nicht nachvollziehbar. Für keinen von uns beiden. Oft endete es in selbstgerechter Fernkritik an meiner Person. Als hätte sie diesen Tipp von einem Therapeuten bekommen, um mit mir fertig zu werden. Dann serviere ich doch lieber nichtssagenden Smalltalk oder Euphoriegedudel, alles leicht und eindeutig.



Hin und wieder sehen wir uns noch auf Partys. So ziemlich jeder hatte schon was mit ihr. So sagt man, bin natürlich nie dabei gewesen. Egal ob man das glauben will oder nicht, im Hinterkopf bleibt es. Die gemeinsamen Partyauftritte enden jedes Mal in einem Desaster. Wir unterhalten uns, ich bringe meinen Part, wir machen uns gegenseitig betrunken, ich rede mit einer anderen Frau und kurz darauf kippt der Abend. Sie weint oder stürzt sich auf irgendeinen, mir völlig fremden Kerl oder will urplötzlich nach Hause. Alleine. Ich stehe kopfschüttelnd daneben und denke: Lass sie. Was ich wirklich denke? Ich denke, es hat mit mir zu tun! Obwohl, ein Vorwurf wurde mir nie gemacht. Der Gedanke, dass ich gar keinen Anteil an ihrem Leben haben darf, erscheint mir sehr ungerecht.

Meinen Kumpelpart habe ich drauf. Ich mache kleine Komplimente, warte rauchend vor der Damentoilette, gebe hin und wieder einen aus, organisiere einen Fahrer und lass sie vor ihren Bekannten glänzen. Ihr Problem verstehe ich nicht. Mein Problem ist es, dass ich mich auf Frauen einlasse, die mich nicht ansatzweise attraktiv genug finden, um mich zu küssen. Das ist die reinste Zeitverschwendung. Dieses pointenlose Rumgekumpel sieht nur nach außen hin gut aus.

Viel zu selten kommt was dabei rum, werde ich gefahren, vorgestellt oder kann mich hin und wieder wirklich gut amüsieren. Der Aufwand und das Gefühl, dass ich der einzige bin, der etwas investiert, überwiegen. Besonders wenn ich ihr applaudieren darf, weil wieder ein anderer noch weniger Sätze als Minuten brauchte, um bei ihr zu landen.



Wie Rocky Balboa schon sagte: Treibst du dich mit dummen Menschen rum, hält man dich für dumm. Treibst du dich mit klugen Menschen rum, hält man dich für Klug. Viele Frauen haben diesen Ansatz für sich erweitert: Treibst du dich mit klugen, hässlichen Menschen rum, hält man dich zumindest nicht für oberflächlich.



In unseren Unterhaltungen geht es fast ausschließlich ums Bett, Körper, Männer, Frauen und Beziehungen im Allgemeinen.
Heutzutage ist man ja schon ein potenzieller Sexualverbrecher oder jemand der wild onanierend durch die Fußgängerzone rennt, wenn man bei der Magnum Werbung an Sex denkt. Aber mal ehrlich, an was für einen Kontext habt ihr gedacht, als ich euch eben von unseren Gesprächsinhalten erzählt habe? Seht ihr, es ist unausweichlich.


Der sexuelle Zusammenhang lässt sich nicht ausblenden. Niemand möchte über solche Themen neutral reden. Glauben Frauen denn wirklich irgendein Mann hört es gerne, wenn sie ihm von ihren Liebschaften erzählt oder davon ob ihre Titten zu groß oder zu klein für irgendetwas sind, ohne dass er ein Interesse an seiner Person hineininterpretiert? Da kann man sexuell so ausgelastet sein wie man will, es ist einfach zu offensichtlich und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Aussagen.

Wenn sie sagt: ich hatte ein Date mit einem gut aussehenden Typen, er war aber nichts für mich, dann höre ich: Schau her, ich bin begehrt und schwer zu kriegen.
Sagt sie: mein Kleid passt mir oben rum nicht mehr, höre ich: Schau her, ich bin gut proportioniert, aber nicht eitel.
Sagt sie: das klingt ja so, als wäre die Frau perfekt für dich, höre ich: ich bin angemessen verliebt in dich und unumstritten die bessere Alternative.


Es geht weiter mit diversen Geschmacksbekundungen, die ich auch nur als Unterstreichung meiner und vor allem ihrer tollen Persönlichkeit betrachte.

Natürlich findet man diese Frau irgendwann begehrenswert, sie tut ja einiges dafür, aber wenn man ihr dann näher kommen will, hat man in den scheinbar harmlos gemeinten Doppeldeutigkeiten falsche Signale gedeutet. Wie konnte das nur passieren?
Als nächstes wird einem vorgeworfen, man würde während der Magnum Werbung an Sex, anstatt an Eis denken. Was ist man nur für ein oberflächlicher Mensch…?
Ich verstehe meine Rolle in solchen Freundschaften nicht. Manchmal scheint es mir, als wäre ich ausschließlich dafür da, ihren beschissenen Charakter aufzuwerten.