Donnerstag, 24. Juni 2010

Genug Malle für alle

„Ich würde sogar auf Jürgen Drews Beerdigung gehen.“ Hendrik

„ey Alter, biste Malle im Kopp oder was?“ So etwas hört man zum Beispiel aus offenen Autofenstern, nachdem man an der Ampel von der Linksabbiegerspur aus bei grün schnell an den Geradeausfahrern vorbeizieht, weil man spontan bemerkt hat, dass man doch rechts abbiegen wollte. Als Beleidigung ziemlich zutreffend, wie ich jetzt in Erfahrung bringen durfte. Ich war nämlich Vorort. Ich war auf Mallotze.

Wo soll ich anfangen? Also zuerst: jedes Klischee stimmt, weil auch jedes Klischee bewusst bedient wird.

Es wird grundsätzlich in Gruppen angereist. Ein Fußballverein, der noch nicht auf Malle war, ist kein ernstzunehmender Fußballverein. Selbst Mannschaften aus der Verbandsliga kommen um sich mal so richtig wegzuschießen. Schiss wiederum muss man vor den Ü40 Kegelclubdamen haben. Alle außer Form, alle ekstatisch, alle laut und alle haben sie große Hände. Die Truppenzugehörigkeit suggeriert ein gemeinsames Themen-Shirt.

„Wir spritzen alles voll“ - Freiwillige Feuerwehr
„Sonderschulabschluss 2010 – Urlaub auf Insel inkl. WM“ - Ü30 Hedonisten
„Die Aufsteiger sind da“ - Fusi Verein
„Ficken oder was?“ - U30 Hedonisten

Dazu kommen noch alle möglichen Abi-Shirt Varianten. Ganz ohne lustigen Spruch kommen die Ü40 Herren aus. Die tragen alle bunte Jürgen von der Lippe Hemden bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, gerne kombiniert mit „Altherren Bräune“ und Kettchen.
Der Rest der Männer läuft mit einem freien Oberkörper herum. Alles Opfer ihrer eher geringen Körpergröße, aufgepumpt bis zum Hirninfarkt. Aber wenigstens haben die alle, wenn schon keinen Hals, einen großen Schatten. Tatsächlich lief eine Gruppe von zehn Mitarbeiterinnen eines Friseursalons an der Promenade entlang, alle in Pink mit blondierten Haaren. Sofort ging die alte Diskussion los: die geht, die geht nicht, man, hat die Hupen, unverschämt, ich sauf mir die jetzt schön, nee lass Alter, digg mal lieber die, dicker, usw.
Passieren tut natürlich nichts. Die Gruppen bleiben alle konsequent unter sich. Ab zwei ist man eine Gruppe und im Grunde sicher vor übergriffen jeglicher Art. Außer vor den Schwarzen, aber dazu später mehr.

Rechtfertigung für alles hier, ist die Sonne. Wir hatten stellenweise 30 Grad, kein Schatten. Da ich mich weigerte, mich dem Malle-Zwang zu unterwerfen, brachte ich keine Asi-Letten und nur ein Shirt mit Aussage mit auf die Insel. Ich cremte mich sogar ein! Ab dem zweiten Tag.
Ohne Schuhwerk darf man konsequent keinen Laden betreten. Also keinen Biernachschub holen, keine Zigaretten kaufen, kein Eis und nicht adäquat pinkeln gehen. Ich machte mir schnell Feinde mit meiner Contrahaltung gegenüber den Asi-Letten.
„Ho` ma ne neue Rutsche Pils“
„Bring mir ma Zigaretten mit“
„Warum pinkelst du denn nicht wie alle anderen einfach ins Meer?“
„Selber Schuld wenn du da rein trittst“
Am vierten Tag kaufte ich mir dann für drei Euro meine ersten FlipFlops. Aber wie es so ist, einigen kannst du es einfach nicht recht machen.
„kannste mal beim gehen die Füße hochnehmen?“


Auf Malle spricht man Deutsch. Falls irgendein Ureinwohner sich weigern sollte einen zu verstehen, dann redet man halt etwas lauter mit ihm. Mit Englisch kommt man nicht besonders weit, außer bei den Schwarzen, aber dazu später mehr. Hochdeutsch ist eher selten. Oft ist die Deutsche Sprache nur anhand Satzverstärkungswörtern, auf die sich scheinbar alle vorher am Flughafen geeinigt haben, herauszuhören. Beispiele: Ficken, Alter, nä, Schland, Normal. Eine Frau konnte noch so hübsch sein, wenn beim reden plötzlich ein sächsischer Akzent herauskam, ist alles nichts. Genau wie bei den Pumpern, deren Bauchnabel nach außen ragt. Es sieht immer scheiße aus, da kannste spritzen was du willst.

Bierkönig, Megapark, Oberbayern, Kölle Kalk, Riu Palace, das sind die wichtigsten Anlaufstationen. Von überall kommen die Flyer-Verteiler und drängen sich mit ihren Angeboten auf. Die leben auf Malle in engen Viermann-Wohnungen, für 1500 Euro im Monat belästigen sie Betrunkene und verdienen sich ihr Trinkgeld damit, dass sie die heruntergefallenen Cent-Stücke aufsammeln. In allen Läden stinkt es nach Schweiß und Kotze. Alle Feiern auf engsten Raum, dazwischen immer wieder unmotivierte Tänzerinnen aus Osteuropa. Wenn man gut aussieht, steht einem die Welt offen, denke ich.
In Deutschland hätten sich schon lange alle untereinander an die Fresse gehauen, hier kommen alle wunderbar miteinander aus. Es ist verrückt. Die Security ist nur dafür da, um die Betrunkenen rauszutragen. Die leichten Damen auf ihren Tanzpodien stoßen selbstständig die Flirtweltmeister von sich ab. Die wiederum lassen sich dafür feiern. Niederlagen kennen die Leute hier nicht.

Das Liedgut ist eine Frechheit. Wie gerne würde ich einem Songschreiber dieser Güte mal beim Texten über die Schulter schauen. 50 Prozent der Lieder kennt man so ähnlich aus den Stadien. Die anderen 50 Prozent kennt man aus den Charts, nur wurde der Text eingedeutscht und auf Deutschland oder sämtlichen Synonyme für Geschlechtverkehr umgeschrieben. Tagsüber, am Strand, drehten sich die Texte ausschließlich darum, dass die große Liebe weg ist und man ihr hinterher heult. Abends ist dann eine neue große Liebe gefunden und alles geht wieder von vorne los. Wenn Frauen einen Ballermann Hit beisteuern, geht es entweder darum, dass ausnahmslos alle Männer schlechte Lover sind, da grölen gerne die Friseursalon Mitarbeiterinnen mit, oder dass er etwas ganz besonderes ist. Wer soll diesen Ansprüchen genügen? Dann doch lieber: „Sie ist solo, sie ist soloooo, ich bin solo, scheiß egal!“

Und mittendrin lauern die von der korrupten Polizei geduldeten Schwarzen Männer mit ihren Sonnenbrillen, Uhren und Designer Schmuck. Armani Sonnenbrille, nur drei Euro. Während des Essens kommen sie an und fragen dieselbe Person problemlos dreimal hintereinander, innerhalb von zehn Minuten.
Sie sind überall, 24 Stunden am Tag. Ihre Frauen arbeiten wenigstens nur nachts. Schwarze Prostituierte, die aussehen wie Oprah Winfrey. Kein Geschenk. Aber fast. 20 Euro für eine schöne Fick. Das schlimmste ist, dass die einen anpacken, im vorbeigehen quasi. Malle ist wie St. Pauli bei Nacht, nur mit Sonne, denke ich. Für einige ist auch das noch ein einziger Spaß. Am Strand kommen die Asiatinnen an und fragen wie es denn mit dem Bedürfnis nach einer Massasch stünde. Asiatinnen klingt ja schon wie eine einzige Sexfantasie, aber die sehen eher aus wie Deine Mudda mit Schlitzaugen, halt wie Asiaten nun mal aussehen, alle gleich und meist hässlich. Die einzige Gattung Mensch, die da noch mithalten kann sind Inder. Und Linienrichter auf Kreisebene.

Wer die schmutzigen Details, alles über das Hotel und vieles mehr lesen möchte, der kann das in naher Zukunft hier tun. Wer nicht eingeladen ist, aber trotzdem mitlesen möchte, soll mir eine eMail schreiben, sich zu erkennen geben und kurz Hallo sagen. Hoffentlich verständlich, dass ich das sondieren werde.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Weltmeisterschaft for Dummies

„Von wegen Fußball integriert, da hat doch heutzutage jede Nation seine eigene Mannschaft.“ Sönke

Diese Verrückten. Natürlich freue ich mich alle vier Jahre wie ein kleines Kind auf die Fußball Weltmeisterschaft, selbst der kleine Bruder, die Europameisterschaft, lässt mich vergessen zwischendurch auch mal ein Wasser zu trinken, aber was in Deutschland während des WM-Monats abgeht, wirkt auf mich sehr befremdlich. Seitdem 2006 die Marke „Das Sommermärchen“ als das Aushängeschild der Deutschen überhaupt proklamiert wurde, drehen alle durch. Deutscher Nationalstolz darf wieder gelebt werden und weil niemand weiß wie das geht, schaut man sich das eben aus anderen Ländern ab. Autokorsos stammen aus der Türkei, Vuzuelas aus Südafrika, Menschenaufläufe aus Sumatra, die Laola stammt aus Mexiko und England steuert noch mal eine ganz eigene Interpretation von Begeisterung bei. Die Deutschland-Flaggen wedeln nicht mehr nur von den Hotelbalkonen auf Mallorca, sondern lassen sich mittlerweile überall finden.


Vielleicht kennt ihr das Gefühl, das mich manchmal auf Festivals beschleicht. Man steht in der Menschenmenge vor der Bühne, ist angestrengt, weil man sich schon lange vor dem Auftritt reindrängeln musste, dabei ist das Interesse an der Band gar nicht groß, dafür aber ihr Name und man möchte einfach nur dass es los und auch schnell wieder vorbei geht, damit man endlich sagen kann: ja, die habe ich auch gesehen.
Jedenfalls scheint es mir, geht es so 90 Prozent der Deutschen mit der WM. Plötzlich sind alle Fans des Sports. Sogenannte Erfolgsfans. Da eigene Erfahrungen mit dem Ball oder jahrelange Recherchen fehlen, wird sich die Meinung von der BILD geliehen und oft nicht wieder zurückgegeben. Heute noch die Helden, morgen schon wieder die Wurst-Truppe. Bei Frauen wirkt das ganze noch angestrengter. Aber die dürfen das, Frauenquote ist beim Feiern immer total wichtig. Nicht wenige glauben, Fantreue spiegelt sich durch die richtigen Assecoires und durch das Grölen der angesagten Gesänge wider. Als wollten sie ihre Ahnungslosigkeit durch Schminke, Perücke und Alkoholpegel ausgleichen. Die Euphorie um die Nationalmannschaft ist in einem Land, das Ironie für den Gipfel des Humors hält, schwer einzuschätzen.


2006 habe ich ein einziges Spiel, Deutschland gegen Schweden, zwischen tausenden anderen Anhängern geschaut. Public Viewing genannt. Eine Wahnsinns Abzocke und nur weil tausend Leute auf einmal Jubeln, empfinde ich das nicht als angenehmer oder bedeutungsvoller. Die Frauen haben vor dem Jubeln erst nach links und rechts geschaut, um sicher zu gehen, ob sie sich im Falle eines Abseitstores nicht blamieren. Kinder konnten gar nichts sehen. Der Rückweg zum Bahnhof war das schlimmste. Alles ist laut und eng und stumpf gewesen. Vertreter anderer Nationen pöbeln gegen die Deutschen und die Deutschen gegen alle anderen Nationen. Hooligans freuen sich auf die WM wie arbeitslose Jugendliche auf die Sommerferien, sie fallen dann nämlich weniger auf. Seitdem schaue ich nur noch Privat oder in überschaubaren Kneipen.

Ich würde mich als Fußball-Fachmann bezeichnen. Nicht weil ich jeden Ersatzspieler der Nordkoreanischen Mannschaft von der Konsole her kenne, sondern weil ich selbst am liebsten mitspielen würde. Ich kann ein Spiel lesen und kenne den Charakter der Mitwirkenden. Den Sachverstand eines Günther Netzers weiß ich einzuschätzen und in die Aussagen der Interviewten interpretiere ich ein Stimmungsbild. Ehrlich gesagt, warte ich alle zwei Jahre wieder auf einen Anruf vom Bundestrainer. Meine Nummer habe ich auf der offiziellen Facebook Seite des DFBs hinterlassen, daran soll es nicht scheitern.

Mittwoch, 14. April 2010

Adoleszenz Nightmare Teil III

„A kiss with a Fist is better then none” Florence & The Machine

„Wärst du eine von ihren vielen Affären gewesen, dann wäre sie dir heute vollkommen egal. Ich weiß das, du weißt das, und sie weiß das womöglich auch.“ Für solche Ratschläge hat man Freunde.
Wenn sie nur nicht so verdammt gut aussehen und ihr Beuteschema mich nicht so sehr verhöhnen würde, wäre ich schon längst weg. Kontakt abgebrochen. Aber so schwanke ich ständig zwischen den Figuren Hans-Jörg Tschirner aus dem Film „Agnes und seine Brüder“ und eines chauvinistischen Gönners.

Mittlerweile sind wir beide am Ende unseres Studiums angelangt. Wir haben viel miteinander zutun, logisch, schließlich haben wir uns beide für dieselbe Studienrichtung entschieden. Das hat sich ja in der Schule schon angedeutet. Die Noten haben sich erstaunlicherweise angenährt. Sie hat ihr Glück gefunden, behauptet sie. Mein Privatleben stagniert hingegen zusehends, aber dafür mache ich mir nichts vor.

Wir treffen uns gleich zum lernen mit anschließendem Glas Rotwein bei mir.
Welcher Käse zu welchem Rotwein? Claude-Michel Schönberg oder Andrew Lloyd Webber? Familienkutsche oder Sportwagen? Kerzen bei Tisch? Golf oder Sex? Das sind die Fragen, die sie zurzeit beschäftigen und es steht ihr verdammt gut.
Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich meine damalige Situation nie angesprochen habe. Wer weiß, vielleicht wäre der Damm gebrochen und sie hätte sich mit Tränen in den Augen um meinen Hals geworfen, mir erzählt, wie ihr alles leidtäte, alle Typen nur ein schlechter Ersatz waren, sie sich nicht anders zu helfen gewusst hätte, weil ich ihr so unnahbar vorkam. Dann könnte ich sie endlich getrost vergessen.
Und wäre es anders gekommen, dann würden wir wahrscheinlich heute genauso hier sitzen. Die Zeit hätte unser Verhältnis zueinander schon wieder angeglichen.

Man lebt nur einmal. Alle wissen es, keiner lebt danach. Da können die ganzen Leute mit ihren Pseudolebensphilosophien ja gleich singen: Olé, wir fahren in den Puff nach Barcelona. Und genauso, wie ich im Puff von Barcelona war, lasse ich mir diese Gelegenheit jetzt ebenfalls nicht nehmen. Und wenn es schief geht, in drei Jahren lachen wir darüber und es fängt wieder bei Null an.

Ihre Außenwirkung ist fantastisch. Sie sieht nicht nur blendend aus, sie sitzt sogar gerade. Damals wollte sie sich nie auf mein Sofa setzen, wenn ich bereits darauf saß. Heute scheint es zu gehen. Wir kamen uns in den letzten Tagen näher als die ganzen Jahre voller Gerede und Hergezeige zuvor. Alles sei ihr verziehen. Ich kokettiere mit den wenigen lustigen Momenten unserer gemeinsamen Vergangenheit und schaue ihr dabei etwas zu lange in die Augen.
Hin und wieder erwähne ich ein paar Frauennamen, man will ja begehrt wirken und nicht zu undersexed rüberkommen. Die "Hand aufs Knie" Nummer ist der größte Fehler. Damit bist du derjenige, der unmissverständlich den ersten Schritt macht, auf ewig. Man stelle sich mal vor, noch in zehn Jahren den Satz hören zu müssen: der wollte mal was von mir, aber...
Da schwingt alles Schlechte mit. Niederlage, Zurückweisung, Größenwahn, Unterklassifizierung, Unattraktivität, Leichtsinn, Realitätsverlust. Den Satz möchte man lieber auf seiner Seite wissen. Ich lege ihr meine Hand auf das Knie.

Sie steht wortlos auf und geht. Das war es.
Habe ich nach all der Zeit keine klare Ansage verdient? Darf ich jetzt raten was das zu bedeuten hat? Es hat Jahre gedauert bis ich herausgefunden habe, dass ich mag dich gleichbedeutend ist mit ich liebe dich nicht und nun das.

Vor ein paar Jahren war sie kurzweilig Single, ein Zeitfenster von vier bis fünf Monaten. Als mir ihr neuer Besetzer vorgestellt wurde, was sehr selten vorkam, und er in einem kurzen, unterhaltungslosen Gespräch durchsickern ließ, er trinke keinen Alkohol, ausnahmslos und sei gleichzeitig St. Pauli Fan, weil das so authentisch mache, fragte ich sie wo man denn solche Typen kennenlernt. Außenseiter auf dem Dorf werden so. Sie meinte nur lapidar, dass ich meine Chance ja nicht genutzt hätte. Welche Chance?
Zugegeben, in dieser Zeit kam sie mir, vermutlich aus einem schlechten Gewissen heraus oder aus Langeweile, etwas entgegen, aber wie soll man das nach jahrelangen Abweisungen als Annährung deuten? In den vier oder fünf Monaten hätte ich mich also ganz besonders nett, besonders aufmerksam und besonders verliebt verhalten sollen, so, als wäre ich jemand anderes, so als wäre ich etwas Besonderes. Ich hatte nie eine reele Chance. Ihr Gewissen hingegen scheint sie allerdings beruhigt zu haben.

Morgen werde ich ihr erzählen, wie sehr ich ihre Freundschaft zu schätzen weiß und was sie denn dachte, was ich vorgehabt hätte und dass sie ein ganz falsches Bild von mir habe.
Bis zur nächsten Gelegenheit. Aber bis dahin ist sie mir wirklich egal.

Dienstag, 13. April 2010

Adoleszenz Nightmare Teil II

„Und egal wie schön du bist,
wie schön es mit dir ist
Mann, was hab ich davon,
wenn es mich von inn' zerfrisst
Ich sag: Wieso muss denn immer alles so anstrengend sein“ Jan Delay



Wir reden häufig via Internet. Sie schreibt mir ihre Probleme, die sie mit irgendwelchen namenlosen Typen hat und ich versende die verschiedensten Smilies, passend zu der Stimmung, die ich aus ihren Zeilen herauslese. Ihr irgendetwas zu erklären, habe ich längst aufgeben. Zu kompliziert, zu schlecht formuliert, einfach nicht nachvollziehbar. Für keinen von uns beiden. Oft endete es in selbstgerechter Fernkritik an meiner Person. Als hätte sie diesen Tipp von einem Therapeuten bekommen, um mit mir fertig zu werden. Dann serviere ich doch lieber nichtssagenden Smalltalk oder Euphoriegedudel, alles leicht und eindeutig.



Hin und wieder sehen wir uns noch auf Partys. So ziemlich jeder hatte schon was mit ihr. So sagt man, bin natürlich nie dabei gewesen. Egal ob man das glauben will oder nicht, im Hinterkopf bleibt es. Die gemeinsamen Partyauftritte enden jedes Mal in einem Desaster. Wir unterhalten uns, ich bringe meinen Part, wir machen uns gegenseitig betrunken, ich rede mit einer anderen Frau und kurz darauf kippt der Abend. Sie weint oder stürzt sich auf irgendeinen, mir völlig fremden Kerl oder will urplötzlich nach Hause. Alleine. Ich stehe kopfschüttelnd daneben und denke: Lass sie. Was ich wirklich denke? Ich denke, es hat mit mir zu tun! Obwohl, ein Vorwurf wurde mir nie gemacht. Der Gedanke, dass ich gar keinen Anteil an ihrem Leben haben darf, erscheint mir sehr ungerecht.

Meinen Kumpelpart habe ich drauf. Ich mache kleine Komplimente, warte rauchend vor der Damentoilette, gebe hin und wieder einen aus, organisiere einen Fahrer und lass sie vor ihren Bekannten glänzen. Ihr Problem verstehe ich nicht. Mein Problem ist es, dass ich mich auf Frauen einlasse, die mich nicht ansatzweise attraktiv genug finden, um mich zu küssen. Das ist die reinste Zeitverschwendung. Dieses pointenlose Rumgekumpel sieht nur nach außen hin gut aus.

Viel zu selten kommt was dabei rum, werde ich gefahren, vorgestellt oder kann mich hin und wieder wirklich gut amüsieren. Der Aufwand und das Gefühl, dass ich der einzige bin, der etwas investiert, überwiegen. Besonders wenn ich ihr applaudieren darf, weil wieder ein anderer noch weniger Sätze als Minuten brauchte, um bei ihr zu landen.



Wie Rocky Balboa schon sagte: Treibst du dich mit dummen Menschen rum, hält man dich für dumm. Treibst du dich mit klugen Menschen rum, hält man dich für Klug. Viele Frauen haben diesen Ansatz für sich erweitert: Treibst du dich mit klugen, hässlichen Menschen rum, hält man dich zumindest nicht für oberflächlich.



In unseren Unterhaltungen geht es fast ausschließlich ums Bett, Körper, Männer, Frauen und Beziehungen im Allgemeinen.
Heutzutage ist man ja schon ein potenzieller Sexualverbrecher oder jemand der wild onanierend durch die Fußgängerzone rennt, wenn man bei der Magnum Werbung an Sex denkt. Aber mal ehrlich, an was für einen Kontext habt ihr gedacht, als ich euch eben von unseren Gesprächsinhalten erzählt habe? Seht ihr, es ist unausweichlich.


Der sexuelle Zusammenhang lässt sich nicht ausblenden. Niemand möchte über solche Themen neutral reden. Glauben Frauen denn wirklich irgendein Mann hört es gerne, wenn sie ihm von ihren Liebschaften erzählt oder davon ob ihre Titten zu groß oder zu klein für irgendetwas sind, ohne dass er ein Interesse an seiner Person hineininterpretiert? Da kann man sexuell so ausgelastet sein wie man will, es ist einfach zu offensichtlich und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Aussagen.

Wenn sie sagt: ich hatte ein Date mit einem gut aussehenden Typen, er war aber nichts für mich, dann höre ich: Schau her, ich bin begehrt und schwer zu kriegen.
Sagt sie: mein Kleid passt mir oben rum nicht mehr, höre ich: Schau her, ich bin gut proportioniert, aber nicht eitel.
Sagt sie: das klingt ja so, als wäre die Frau perfekt für dich, höre ich: ich bin angemessen verliebt in dich und unumstritten die bessere Alternative.


Es geht weiter mit diversen Geschmacksbekundungen, die ich auch nur als Unterstreichung meiner und vor allem ihrer tollen Persönlichkeit betrachte.

Natürlich findet man diese Frau irgendwann begehrenswert, sie tut ja einiges dafür, aber wenn man ihr dann näher kommen will, hat man in den scheinbar harmlos gemeinten Doppeldeutigkeiten falsche Signale gedeutet. Wie konnte das nur passieren?
Als nächstes wird einem vorgeworfen, man würde während der Magnum Werbung an Sex, anstatt an Eis denken. Was ist man nur für ein oberflächlicher Mensch…?
Ich verstehe meine Rolle in solchen Freundschaften nicht. Manchmal scheint es mir, als wäre ich ausschließlich dafür da, ihren beschissenen Charakter aufzuwerten.

Montag, 12. April 2010

Adoleszenz Nightmare Teil I

Genug Frauen glauben doch tatsächlich noch daran, dass sie mit Männern auf einer rein freundschaftlichen Basis den Tag oder sogar die Nacht verbringen könnten. Lächerlich.
Solche Frauen ernstzunehmen fällt mir sehr schwer. Männer die so etwas glauben, kann und will ich nicht ernstnehmen.

„I don´t wanna be your Friend, I just wanna be your Lover“ Radiohead

Ausgerechnet das schönste Mädchen der Klasse wollte neben mir sitzen. Neben mir! Ich sah weder gut aus, noch war ich besonders beliebt. Damit ich akzeptiert wurde, musste ich schon ziemlich lustig sein, was manchmal in eine anstrengende Pointenjagd ausartete.
Den Grund für ihr Interesse lieferten meine Noten. Darauf kam ich schnell, war ja nicht blöd. Sie dagegen war schon ziemlich… trist.
Warum sie zudem die Unterrichtspausen unbedingt mit mir verbringen wollte, leuchtete mir nicht ein. Ich sei witzig, sagte sie. Pausenclown, dachte ich. Wie gesagt, ich war ja nicht blöd. Na gut, beschweren durfte ich mich nicht. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, ein so hübsches Mädchen zum lachen zu bringen, hätte mein Ego nicht gestreichelt. Wir verstanden uns gut. Viele ihrer Probleme, und ich durfte mir alle ihre Probleme anhören, konnte ich zwar nicht nachvollziehen, aber vielleicht waren es meine gleichgültig vorgetragenen Ratschläge und feurigen Pamphleten, die sie hoffen ließen, es findet alles im Leben ein gutes Ende. Sie kam mir mit Dingen, die ich in meinem Denken längst abgelehnt oder bereits abgeschlossen hatte. Es musste auf sie gewirkt haben, als hätte ich von allem einen Masterplan gehabt. Dabei wollte ich nur meinen Spaß.

Irgendwann ging das Ganze auf privater Ebene weiter. Wir trafen uns auf Partys und nachdem sich die anderen an den ersten Schock, sie und ich, gewöhnt hatten, gingen wir auch mal gemeinsam dorthin. Auf den Partys durfte ich dann mal reden. Probleme hatte ich keine, sie war mein einziges Problem und darüber wurde selbstverständlich nicht geredet, weshalb ich eines meiner Lieblingsthemen breit trat. Mein gut ausgeprägter Musikgeschmack kam mir dabei sehr entgegen. Ich nahm ihr Tapes auf und erklärte ihr warum Oasis besser ist als Blur. Sie hatte nicht soviel zu erzählen. Welcher Sänger gerade süß war und welcher wohl das meiste Geld verdienen würde, sowas halt.
Sie brachte nicht gerade viel in die Freundschaft mit ein. Das durfte mir auch egal sein, schließlich war ich es der anfassen wollte. Die Hilfestellung beim Geräteturnen reicht einem irgendwann nicht mehr und dann hört man sich halt die Probleme an und investiert einfach mehr als der andere.

Als sie mir von ihren geplanten, kosmetischen Operationen erzählte, war das Ding für mich klar. Sie wollte sich übel aussehende Pigmentierungen vom Dekolletee weglasern lassen. Die Prozedur ziehe sich über Monate hin und so weiter. Der einzige Grund warum Frauen einem von ihren körperlichen Unzulänglichkeiten erzählen, ist doch der, dass es später im Bett zu keinem großen Hallo kommt. Ich meine, hätte ich eines gehabt, dann hätte ich auch versucht mein Holzbein rechtzeitig zu thematisieren. Dass ich sie so wie sie war ganz ok fand, interessierte im Nachhinein nicht.

Es endete wie solche Freundschaften immer enden. Sie hatte plötzlich einen Freund und ich durfte seine reichlich vorhandenen Charakterlücken stopfen. Bei ihr durfte ich nichts stopfen. Als ich ihr daraufhin erklärte, sie sei für diese Art von Freundschaft einfach nicht interessant genug, wurde ich zum anstrengenden Part von uns beiden degradiert. Ich wäre ein schlechter Freund, ein Blödmann gar.
Der Fairness halber muss ich zugeben, ihre Präsenz wirkte sich sehr wohlwollend auf andere Frauen aus. Nach dem Motto: Wenn die mit dem, dann kann der gar nicht so doof sein. Und so war es ja auch. Dass man einer von den Guten ist, bekommt man selbst nie glaubwürdig vermittelt, das müssen andere für einen tun oder man muss es, wie in diesem Fall, herzeigen.

Heute sind wir befreundet, es ist lange genug her. Gut, sie nennt es eine Freundschaft und ich widerspreche ihr nicht, aber eines ist mal sicher, meine Freunde nehme ich ernst, nur bei ihr will mir das nicht so recht gelingen.

Samstag, 20. März 2010

Nimm die Wäsche vom Waschbrett - Das Abnehmmanifest

Abnehmen leicht aussehen lassen. Der beste Antrieb dies zu erreichen, sind die Frauen. Zwar immer noch teurer als Benzin es jemals werden wird, aber wenn man alles richtig macht, dann braucht man wenigstens nicht mehr von A nach B zu gondeln, dann kommt sie nämlich zu dir gegondelt. So sieht das aus.

Jede Frau die dir sagt, sie würde deinen kleinen Bauch lieben, oder die deinen Hüftspeck als Love Handels bezeichnet, lügt. Mit Liebe hat das gar nichts zu tun, im schlimmsten Fall geht sie dir fetten Sau fremd. Schon motiviert?
Die Ausreden, ich gleiche das mit Charakter wieder aus oder sie weiß meine Bildung zu schätzen, sind nur die anfänglichen, kleinen Hürden, die auf dem Weg zum Glück genommen werden müssen.

Hierarchie des Sexappeals:

Geld
Körper
Fresse
Nichts
Nichts
Handwerkliches Geschick
Charakter
Nichts
Nichts
Bildung

Die besten Beispiele hierfür, findet man bei Profifußballern oder schaut euch mal in euren Bekanntenkreis um.

Wenn das akzeptiert ist, muss der nächste Bann gebrochen werden. Körper definiert sich nicht durch die Waage, sondern durch den Spiegel. Gezielt weniger zu essen ist das Handwerk, der Muskelaufbau ist die Kunst. Bedeutet Sport. Einfach nichts mehr essen ist was für Loser.
Es ergibt keinen Sinn auf Masse zu trainieren, zudem sieht es scheiße aus. Falls ihr noch keinem ernstzunehmenden Sport frönt, hierbei denke ich an sämtliche Ballsportarten, Athletik und Schwimmen, dann tut wenigsten so, als ob ihr für eine dieser Sportarten trainiert. Der Gedanke dahinter ist der, dass man beim Trainingsplan auf den Erhalt seiner Kondition und Beweglichkeit achten muss. Agilität ist Attraktivität. Wer dies einsieht braucht auch keine weiteren Kapitel mehr über den gesundheitlichen Aspekt zu lesen. Der schwingt im Subtext bereits mit.

In der Ernährung steckt der Teufel. Beim Sport vermitteln die Endorphine einem die nötige Motivation, bei der Ernährung liegt der Schlüssel zum Glück im Fett. Hier muss von Verzicht die Rede sein, alles andere hat auf Dauer keinen Nährwert. Es muss reduziert werden, aber nicht radikal. Auf Fett und Kohlenhydrate muss ganz besonders geachtet werden. Abends, abends ist dann, wenn man nichts mehr tut, muss auf Kohlenhydrate verzichtet werden. Stattdessen ist eine Eiweißhaltige Ernährung zu empfehlen. Angeblich hält es auch länger satt. Obst und Gemüse gehen allerdings immer und sind ein wichtiger Grundstein. Morgens hingegen darf geschlemmt werden. Morgens ist, bevor man etwas tut. Fett braucht der Körper leider, um die Vitamine aufzunehmen. Hierbei beachten: keine tierischen Fette zu sich nehmen. Butter und Margarine sind quasi überflüssig, da in der Nahrung genügend Fett vertreten ist.

Was für den einen oder anderen hart klingen mag, ist wirklich realistisch durchführbar und fällt einem nach kurzer Zeit schon positiv ins Gewicht. Eine Schlüsselrolle hierbei spielt das Trinken. Weiterlesen!
Der versuch drei Liter Wasser oder Tee zu trinken, sollte jeden Tag erneut angegangen werden. Auf die frühere, standardmäßige Völlerei, die übertriebene Zunahme von Fett, Zucker, Alkohol und sonstigen Kalorien, soll nicht vollkommen verzichtet werden. Dafür schmeckt es auch zu gut.
Ganz nach dem Motto: „Bier trinke ich auch gerne, da habe ich aber hart für gearbeitet“, darf man sich natürlich mal was gönnen. Geradezu aufdrängen tun sich hierfür die Wochenenden. Wichtig ist der Kopf bei der ganzen Sache. Wenn es ein Leidensweg wird, dann macht man etwas falsch. Die Sache sollte von vornherein angegangen werden, wie Vegetarier ihren Vegetarismus angehen: Es muss zum Alltag werden, ohne dass es den Alltag vereinnahmt. Ansonsten ist der JoJo Effekt vorprogrammiert.

Hunger darf deshalb nicht zugelassen werden. Der Körper fühlt sich verarscht und speichert bei der ersten Gelegenheit alles was er gebrauchen kann und wo er dieses tut, kann man sich ja denken. Wasser und Tee füllen den Magen, sodass kleinere Mahlzeiten es leichter haben zu sättigen. Diese darf man ruhig über den Tag verteilt zu sich nehmen. Am Anfang hat man Hunger, klar, es fehlt ja auch was, woran sich der beleibte Körper über Jahre hinweg gewöhnt hat. Da muss man sich den Kopf zunutze machen. Ich habe Bücher über die Juden im Holocaust gelesen. Danach schämt man sich für seinen Hunger. An dieser Stelle sei gewarnt es mit dem Lesen nicht zu übertreiben, da das den oben genannten Antrieb verwässert. Bildung ist diesbezüglich eher hinderlich. Der Anspruch an den Ansporn Frau steigt, was die Motivation sinken lässt. Auf ein Diagramm kann ich jawohl verzichten.

Viel Erfolg wünscht Dein Lieblingsmensch (bald auch in dünn)

Ich behalte es mir vor das Manifest jederzeit zu ändern oder mich bei Misserfolg davon zu distanzieren.

Mittwoch, 17. März 2010

Der Berufsberater

"Bist du Fleischermeister? Studierst du Medizin?
Bist du ein Zugereister oder kommst du aus Berlin?
Bist du Dominatrix oder doch eher devot?
Bist du Pianistin oder Hubschrauberpilot?" Farin Urlaub

Im Grunde steht der Berufsberater auf einem verlorenen Posten. Was soll er den Kids im Abschlussjahr ihrer Schullaufbahn schon großartig vermitteln? Anhand von Noten, was ich sowieso für einen Fehler halte, schieben die einem immer dieselben Berufsempfehlungen zu, immer etwas abseits von der Realität. Nur Berufsberater will keiner werden.
Frei nach Farin Urlaub „Es ist egal was du bist, Hauptsache ist, es macht dich glücklich“, sollte man die Berufswahl angehen. Wie oft begegne ich Verkäufern an der Kasse eines Supermarktes in meinem Alter oder in einem Außenposten eines Internetanbieters gestriegelt im Anzug und unheimlich wichtig ausschauend und ahnungslos. Denen ist das ganze Jobding entweder nicht so wichtig, die sparen ihre Kohle für den jährlichen Urlaub oder den Flachbildfernseher, oder sie machen sich glaubhaft etwas vor.
Absolut beneidenswert, wenn man sich dem Druck, sich über die Tätigkeit definieren zu müssen, völlig entledigen kann. Schlechte Erziehung vorausgehend, habe ich das Gefühl das elterliche Haus und Hof, plus übertrieben großer Garage, Toppen zu müssen. Ist Quatsch, weiß ich auch, soweit aber die Erwartungshaltung.

Ich habe in verschiedenen Berufen gearbeitet, auch auf Lohnsteuerkarte. So viele Jahre sind noch nicht zusammen gekommen, aber aufgrund von Vergleichen und spannenden Erzählungen von Freunden aus deren Berufsalltag, kann ich mir ein Bild machen, wie ein angenehmes Berufsleben, das sich nicht allzu sehr in das echte Leben einmischt, im Idealfall sich sogar gut untermischt, auszusehen hat.

Was ein angenehmer Beruf mitbringen sollte:

1. Man sollte nicht am Wochenende arbeiten müssen
2. Man sollte seine eigene Kleidung tragen dürfen
3. Man sollte vor der Arbeit duschen müssen, nicht danach
4. Man sollte sich nicht nur auf sich selbst verlassen können

Es gibt ja einen Grund warum nirgends so sehr gelogen wird, wie in beruflichen Angelegenheiten. Das geht von den Kollegen, über die Tätigkeit, bis hin zum Gehalt. Immer wird etwas beschönigt. Ach ja und ausfüllen tut es einen auch.
Gesellschaftlich gesehen darfst du nicht einfach etwas tun, was dich am kacken hält. Wenigstens sollte nebenbei etwas laufen, das den kargen Job in jungen Jahren rechtfertigt. Aber da ist kein Roman in der Mache, keine Studioaufnahmen, kein extravagantes Hobby, kein illegaler Handel mit irgendwas, keine revolutionäre Geschäftsidee, kein Patent, kein Studienplatz, sondern man kommt einfach nur über die Runden.
Für strebsame Karrieremenschen und diejenigen, die diese vorantreiben, ist das so, als würde man bei Monopoly vergessen Straßen zu kaufen und sich nur durch das Wasser- und Stromwerk und den einen oder anderen Bahnhof über Los halten. Unvorstellbar, so ganz ohne Gewinnstrategie ins Berufsleben einzusteigen.

Für mich sind diese Leute ein Indiz dafür, dass es auch anders geht. Sozialwissenschaftler haben dafür bestimmt einen unelegant abgekürzten Begriff parat.
Letztens kam bei uns die Frage auf: Wie können Busfahrer in München sich dort ein geregeltes Leben finanzieren? Allein die Tatsache, dass sie umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen, kann das gesicherte Familienleben wohl kaum garantieren.
Für mich stand im Grunde schon immer fest, dass ich studieren möchte. Allein wegen des Bildungsstatus. Erst mit der Enttäuschung, was das Studienleben und das damit hergehende Verhalten einiger Gleichaltriger angeht, begann ich umzudenken. Scheiß auf die, die von mir irgendetwas erwarten.
Es stand so schlecht um mich, dass ich damals davon ausging, dass Busfahrer grundsätzlich mies gelaunt sind; Kellner nach der Arbeit heulend ins Kissen fallen und Kundenberater sich in ihren Anzügen viel zu ernst nehmen; logisch, die haben ja alle auch einen scheiß Beruf.

Heutzutage ist der Arbeitsmarkt Krieg. Alleine das ist schon ätzend genug, zusätzlich noch davon auszugehen, sich den aussichtsreichsten Posten erkämpfen zu müssen, artet in puren Stress aus und man entfernt sich schneller von sich selbst, als es einem bewusst wird.

Sich den Beruf wieder zunutze zu machen anstatt umgekehrt, ist ein erstrebendwertes Ziel.

Egal was man ist. Natürlich bin ich froh dieses aus einer Position heraus schreiben zu können, aus der der Schuhverkäufer einem immer noch an Al Bundy denken lässt, aber das Recht zu Scheitern möchte ich mir deshalb nicht nehmen lassen.


Donnerstag, 11. März 2010

Theorie Dr. Holiday

"Tja, wie soll ich es ihnen klar machen? Sie haben Krebs, überrascht?"
Dr. Hasenbein

In der Schule war ich der Rekordhalter was die Anzahl der Schulstunden anging. Ich war nie krank. Es kam mal vor, dass ich vom Sportunterricht wegen irgendwelcher Brüche oder Bänderrisse befreit wurde, aber zu ganztägigen Schulausfällen wegen Volkskrankheiten wie Grippe, Allergien oder irgendwelchen aktuellen Trendviren, kam es so gut wie nie. Auch 2009 war ich nicht einmal beim Allgemeinmediziner, geschweige denn krankgeschrieben.
Das mag an der schon früh ausgeprägten Verachtung gegenüber all jenen gelegen haben, die sich an Klausurtagen krank schreiben ließen, um dann eine Woche später die gleiche Arbeit, mehr oder weniger gut informiert, nachschreiben zu können. So was war natürlich verdächtig, ganz besonders bei den Wiederholungstätern, die ihren Hausarzt liebevoll Doc Holiday nannten. Sonderlich ausgebufft fand ich so ein Verhalten nicht. Letztendlich kamen solche Kandidaten immer in Zugzwang und auf dem Dorf waren sowieso nur kernige Jungs und Mädels gefragt, die auch mal bei Regen raus durften.

Kränkliche Kinder sind eventuell noch bemitleidenswert, mit kränklichen Jugendlichen aber lässt sich gar nichts anfangen und kränkliche Erwachsene sind nur noch peinlich und anstrengend.
Vitamin A, C, E, viel Alkohol, Magnesium und anderer Standardkram, der sich von vornherein in den Lebensmitteln befindet, sind meine einzigen Gesundheitserhaltenen Maßnahmen. Das lässt auf ein gutes Immunsystem schließen, auf das ich auch seit Jahrzehnten zurückblicken kann, welches ich dennoch mittlerweile anzweifele.
Ich fühle mich seit Tagen krank. Eigentlich sind es eher die kleineren Symptome, die mich veranlassen, mir Gedanken zu machen. Die Brecheranzeichen wie Appetitlosigkeit und ein gewisses Grundschwächegefühl, bis hin zur Übelkeit, bleiben aus.

Die Klüsen und die spröden Lippen führe ich mal auf die furztrockene Luft zurück, die die scheiß Klimaanlage im Büro einem acht Stunden lang ins Gesicht bläst. Selbst drei Liter Wasser am Tag und Nivea Creme helfen dagegen nicht. Durchgehend rauscht dieses Monstrum monoton vor sich hin und wenn es mal eine Pause macht, bekommt man einen größeren Druck auf die Ohren als beim Cranium Crunch. Das ist der Nachteil wenn man im 2. Stock arbeitet und sich die Bürofenster nicht öffnen lassen, da hier jeder zweite Mitarbeiter suizidgefährdet ist.

Dass ich friere, mag am Wetter liegen. Die Hoffnung, es könnte endlich langsam besser werden, liegt unter einer Decke Neuschnee begraben. Zu dumm, die Büroluft gibt weder Wärme noch Feuchtigkeit her und dennoch läuft die Nase. Das können doch nicht nur äußerer Einflüsse sein. Am meisten macht mir die ständige Müdigkeit zu schaffen.
Werbung, bitte hilf!

Montag, 1. März 2010

Funky for you II

zu Teil III

"Du und ich, ich und du, viel mehr gehört wohl nicht dazu." Dendemann

Sie bekam ihr Fahrradschloss nicht auf. Endlich, das war meine Gelegenheit, ihr zu beweisen was ich auf dem Kasten hatte. Eine schlechte Partie war ich mit Sicherheit nicht. Ich konnte den Ball auf dem Finger drehen, trug betrunkene Freunde nach Hause, stritt nicht beim Autofahren, wusste genau wo welcher Sender auf der Fernbedienung zu finden war und verschenkte mühsam aufgenommene Tapes. Nur handwerklich geschickt war ich nicht besonders. Die sollten in Pornofilmen mal mehr Fußballer und Bauingenieure in ihre komplexen Handlungen einbinden, dann wäre der Umgang mit dem Hammer für viele Frauen auch kein so wichtiges Auswahlkriterium. Ich bekomme noch nicht einmal einen vernünftigen Knoten hin, geschweige denn auf. Wäre ihr Fahrrad angeknotet gewesen, dann wäre an dieser Stelle womöglich schon wieder Schluss.

-Komm, gib mal den Schlüssel her.

Einmal den Schlüssel im Schloss gedreht und das Rad war von der Straßenlaterne befreit. Mich erstaunte es selbst wie lässig ich das habe aussehen lassen. Na, wenn sie das nicht beeindruckte, dann muss sie mit David Copperfield per Du gewesen sein.

-Haste gesehen wie das geht? Ich werde nicht immer da sein können, um dein Fahrrad von Straßenlaternen zu befreien.

Sie verdrehte die Augen und boxte mir auf die Schulter.

Vor einer Stunde lagen wir noch auf einem Wäscheberg in einem Geschäft für die Dame von Welt. Sie suchte ein Sommerkleid und ich flanierte hinter ihr her und kommentierte ihre Auswahl mit super und damit siehst du aus wie eine richtige Dame aus einem Pariser Vorort. Keine Ahnung ob das ein Kompliment war, es war jedenfalls so gemeint.

-Nervt es dich nicht, wenn ich ständig hinter dir herlatsche?
-Nee, was willst du denn sonst machen? Die Kleider anprobieren?
-Ich könnte mich hinsetzen und später beim bezahlen helfen.



Während sie durch die Reihen hüpfte und anprobierte, holte ich mein Handy raus und schrieb ins Telefonbuch vor ihren Namen ein doppeltes A, damit sie über allen anderen stand. Eine Frau, die einem beim Fahrstuhl fahren umarmt, sollte man nach ihrer Telefonnummer fragen. Sie hatte Höhenangst, so zumindest die offizielle Version. Seit diesem Tag waren wir noch auf so manchem Berg oder Dach und es ging immer gut, ohne großartiger Nervosität. Beim Fahrstuhl fahren umarmten wir uns dennoch weiterhin.

Als ich sie wiederfand, stand sie gerade vor einem drehbaren Kleiderständer.
Ihr zu folgen war nicht besonders schwer. Überall lagen Klamotten, Gürtel, Schäle über den Regalen geworfen und markierten ihre Spur.

-Warst du das?
-Ja, dafür arbeiten die Leute doch hier.
-Okay.

Ich räumte ein bisschen hinter ihr her, wusste aber auch nicht wohin mit den ganzen Sachen und warf alles wieder lieblos über einen Tisch mit Angeboten. Eine Verkäuferin beobachtete mich und fragte, ob sie das schon mal zur Kasse bringen dürfe. Ich erklärte ihr, das sei alles noch in der engeren Auswahl und verschwand in die Entgegengesetzte Richtung.
Wofür brauchte sie überhaupt ein Sommerkleid? Das passte doch gar nicht zu ihr.

-Wie findest du das?
-Sehr schön, aber wie bekommst du so deinen Walkman mit und überhaupt, hast du dann vor eine Handtasche zu tragen und wer trägt dann deine Handtasche wenn wir tanzen gehen wollen?
-Es gibt auch sportliche Taschen.
-Ich habe auch so was. Du kennst sie, die liegt bei mir stinkend in der Ecke. Die mit den Fußballschuhen drin.


Das Musikargument hinterließ Eindruck. Musik war ihr Ding. Sie bekam in Clubs oft ungefragt gebrannte CDs von den DJs geschenkt. Auf den CDs waren eine einfallslose Auswahl von angesagten R´n´B Songs und eine Telefonnummer. Diese Saftnacken. Die CDs liegen heute alle bei mir unterm Autositz. Die meisten ungehört. Sie war es auch, die mir früh beibrachte, dass man Kopfhörer aufsetzt und nirgends hineinstopft.
Ich sagte ja, ein Sommerkleid passte zu ihr wie ein Zigarettenautomat ans Weserstadion. Sie war sowieso mehr der sportliche Typ. Fast täglich rannte sie der Bahn hinterher und rief dabei: „erst aussteigen lassen!“. Jetzt also Kleider anstatt urbanen Sneaker Look.

Eine nicht so sportliche Frau, die ihren Arsch der Breite von Wühltischen angepasst hatte, vermutlich um so besser die Schnäppchen jagende Konkurrenz abzuwehren, versuchte sich zwischen uns und den Kleiderständern durchzudrängeln. Ich zog sie zu mir.

-Komm zu mir, damit die dicke Frau…
-Denkt wir wären zusammen?


Die sperrige Dame interessierte sich nicht für uns. Selbst nachdem sie uns mit ihrer ausladenden Hüfte erwischt hatte, drehte sie sich nicht um. Ich hielt sie immer noch fest als wir gemeinsam in die kompletten Kollektionen der letzten paar Sommer fielen. Es war ein bisschen wie Fahrstuhl fahren.

-...durch den Gang passt.

Samstag, 6. Februar 2010

Work Outer Kategorien 4-6

"Ich schaff zwei Klimmzüge, steh kurz vor ner Diabetes,
und nur wegen der Schwimmflügel glaubt keiner, dass man Triatleth ist" Dendemann

Die vierte Kategorie ist der Dicke, das personifizierte Drüsenproblem, der Gourmet unter den Sportlern, kurz: der Kassenpatient. Das Fitnessstudio befindet sich im 2. Obergeschoss, darunter ist eine Bowlinganlage. Am Gebäudeeingang kann man nicht unbedingt sagen, an welches Stockwerk sich der junge Mann orientieren wird. Eindrittel der Dicken treffe ich an der Rezeption wieder. Oft sind sie schneller oben, da ihr Fitnessstand es nicht zulässt die Treppen zu benutzen. Zum Work out tragen sie die alten Basketball Shirts mit den dazu passenden Shorts auf. Zum Beispiel ein verblasstes Chicago Bulls Trikot aus der goldenen Ära als Jorden, Pippen und Rodman dort noch spielten oder ein Football Hemd der Oakland Raiders. Früher liefen alle so auf dem Schulhof rum, heute ist nur noch vereinzelt das Emblem der New York Yankees zusehen. Die Affinität amerikanische Mannschaftsembleme zu tragen, habe ich damals genauso wenig nachvollziehen können, wie die Baseballregeln an sich. Aber wer auf dem Laufband den Eindruck einer Lavalampe hinterlässt, kann auf diesen modischen Fauxpas auch scheißen. Klarer Fall, hier trainiert einer, damit er später in den engen Sarg passt oder wenigsten die Kniescheiben auf dem Weg zum Kühlschrank etwas Entlastung erfahren. Keine wirkliche Konkurrenz beim flanieren entlang des Lady Fitness Bereiches.

Die letzten beiden Kategorien sind nämlich genau diesen gewidmet. Unterm Strich bleiben nur zwei Typen Frau. Die attraktiven und die unattraktiven. Leider herrscht nicht selten eine große Diskrepanz zwischen Gesicht und Arsch Körper. Hat sie einen Top Körper, ist im Gesicht einiges im Argen und umgekehrt. Erst gestern dachte ich mir bei einer: hm, schlecht nicht, bis mir die Segelohren auffielen, die unter dem dünnen Haar hervorlugten. Da ich nichts von Oberflächlichkeiten halte, zählte sie natürlich zu den attraktiven Kandidatinnen.

Um Kondition zu pumpen und weil ich den Zustand meines zermarterten Körpers am besten während des Laufens einschätzen kann, gehe ich nach dem Eisenstemmen auf das Laufband. Hinterste Reihe. Keine Steigung und anfängliche 8 Kilometer die Stunde. Vor mir trainiert eine junge Dame ihre Gesäßmuskeln auf dem Stepper. Eine Frau, wie aus dem Werbefernsehen für Bauchweggürtel. Nach der Benutzung.
Ist es eigentlich normal, dass man sich beim Stepper soweit nach vorne beugen muss?
Egal, „The Body“ tänzelt also vor mir her. Angetrieben von der Herausforderung und dem Song The Gladiator von Common, passiert es. Ich komme mit dem unteren Hüftbereich an den Emergency Stop Schalter. Wenn man damit nicht rechnet, wird der eigene Körper zum Geschoss. Ich knalle nach vorne gegen das Display und fluche auf. Aua aua. Zum Glück hat Jewgenija Kanajewa ebenfalls Kopfhörer in den Ohren und bekommmt nichts von meinem Übermut mit. So beschissen wie das ausgesehen hat, kann ich in dem Moment noch nicht einmal auf den liebenswerten Döspaddel Charme setzen, wie ihn allen voran Dick und Doof mit ihren unfreiwillig clumsigen Aktionen ausstrahlten. Einfach dumm gelaufen.

Um dem Wahrheitsgehalt gerecht zu werden, noch eine kleine Anekdote aus der Umkleidekabine. Da ich „der Neue“ bin, habe ich noch kein Timing dafür, zu welcher Uhrzeit man am besten zum Training kommt und viel wichtiger, wann man duschen geht. Unglücklicherweise bin ich genau ins Schichtende der Muskelprotze geraten. So muss man sich im Knast fühlen, nur dass nirgendwo ein Hörnchenmeister in Sicht war. Ich könnte jetzt mit ein paar Pornoklischees aufräumen, aber ich will den mitlesenden Damen mal ihre Illusionen nicht nehmen. Ich meine, jeder Handwerker ist ja auch attraktiv. Was allerdings stimmt, die Seife rutscht einem unter der Dusche wirklich immer aus den Händen.
Es wurde laut in der Umkleide.

Ein schwarzer Typ, auf dessen T-Shirt das Kürzel UFC prangte, brüllte rum:
„Alter, mir wurde letzte Woche meine Jacke geklaut. Wer klaut MIR denn die Jacke?“

Anderer Heini: „Alter, immer alles einschließen.“

UFC Typ: „Alter, einschließen? dachte wir sind hier alles Kollegen. Seit zehn Jahren schließe ich meine Sachen nicht ein.“

Anderer Heini: „Alter, man lernt nie aus. Es gibt für alles ein erstes Mal“

Ganz anderer Heini: „Alter, ich schwör, Alter, man lernt nie aus.“

UFC Typ: „Wo ist eigentlich Ali?“

Jemand direkt neben mir: „Man, der hat was blondes, gelocktes gesehen, der kommt später. Hähähähä.“

UFC Typ: „N` blonden Typen oder was? Hähähähä“

Ich: „Hähähähä.“ Bloß nichts sagen, was zu einer Handtuchschlacht führen könnte.

Jemand direkt neben mir: „Hähähä, nee die Jakeline. Ich schwör Alter, das ist ein Eiskalter Engel. Steht auch auf ihrem Studi Profil.“

UFC Typ: „Nä eiskalte Votze ist das! Hähähähä!"

Alle: „Hähähähä.“

Unter der Dusche posen wir noch gemeinsam um die Wette.

Freitag, 5. Februar 2010

Work Outer Kategorien 1-3

„Ladies weit und breit, schön dass ihr euch einig seid“ Dendemann

Dies wird mein insgesamt dritter Text über das Fitnessstudio und mein gefühlter hundertster Text über Fitness im Allgemeinen. Dein Lieblingsmensch entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Themen Blog. Warum nicht?

Nach einer lächerlichen Woche ist mir aufgefallen, dass immer die gleichen Personen, mich inbegriffen, zur selben Zeit das Gym besuchen. Natürlich liegt das an den Arbeitszeiten oder was die sportlich ambitionierten Menschen sonst so nachmittags treiben. Bei den Frauen erhöht der Wiedererkennungswert den Flirtfaktor ungemein. Am besten sind die, bei denen die Südländer bereits im Ansatz abblitzen. Das Balzverhalten amüsiert mich so sehr, dass ich zwar Kopfhörer in den Ohren habe, aber der iPod aus bleibt. In dem Fitnessstudio haben, grob gepeilt, 60 Prozent einen Immigrationshintergrund. Oder sie haben es mit der Solarium Flat übertrieben. Jedenfalls ist es sehr interessant wer mit wem und wieso. Im Grunde kann man die Besucher in sechs Kategorien unterteilen.

Die massiven Muskelberge haben ihre eigene Spielecke, die Ecke mit den Ganzköperspiegeln. Wenn man was von ihnen lernen kann, dann, dass auf der Ästhetikskala Muskeln über der Mode stehen. Siehe Daniel Küblböck. Dabei meine ich zu behaupten, dass ein ordentlicher Anzug selbst aus Michael Moore einen Menschen machen würde, was ich einem trainierten Bizeps nicht zutraue. Muskelshirts sind ok, Goldketten schon zuviel, aber MC Hammer Fallschirmhosen sind nur noch lächerlich. Zum Teil tragen die schlecht frisierten Gorillas beim Gewichte stemmen sogar Lackschuhe und Caps. Die Hoffnung ihren Körper irgendwie gewinnbringend einsetzen zu können, sei es im Beruf oder am Weib, schwebt über ihren Köpfen, als Ausdunstung getarnt.
Kein Witz, einer der Schränke konnte sich nicht selber am Rücken kratzen und ich rede hier nicht von einer unbequemen Stelle zwischen den Schulterblättern, sondern eher so vom Nackenbereich. Der Verdacht drängt sich auf, dass Hulks Verwandtschaft dieselben Probleme beim Telefonieren hat und das Handy nicht ans Ohr bekommt. Drauf aufmerksam mache ich sie lieber nur auf diesen anonymen Weg, sonst bekommt man in der Dusche den Heizkörper um den Hals gewickelt. Mehr dazu später im zweiten Teil.

Eine andere Kategorie sind die Durchschnittstypen. Nicht zu Fett, nicht zu kräftig, dennoch den einen oder anderen definierten Muskel. Ich bin so einer. Was mich aber von den anderen unterscheidet, sind die Tatsachen, dass ich alleine ins Studio gehe und nach dem Training dusche. Die Pärchen Zirkeltrainierer blockieren mit ihren Handtüchern und Trinkflaschen sämtliche Geräte. Sie unterhalten sich über ihre langweiligen Jobs, das LA VIVA oder wo es den besten Appletini der Stadt gibt.
Wenigstens tragen sie zu ihrem Dreitagebart sportliche Klamotten, sonst würde man nicht erkennen, dass sie überhaupt trainieren. Sie führen die Übungen falsch aus, drücken die Gelenke immer ganz durch und übertreiben es mit den Gewichten. Warum sind die hier? Wenn zwei von ihnen, immer pärchenweise, in die Umkleidekabine verschwinden, kommen sie bereits nach weniger als 5 Minuten umgezogen wieder heraus und ja, sie tragen Kleidung im Look von Peyman Amin.
Wenn ich es mir recht überlege, zähle ich mich doch nicht zu denen, dann eher so zur dritten Kategorie.

Der Athlet. Einige wenige machen auf mich den Eindruck, als seien sie Hochleistungssportler oder als ob sie zumindest die 100 Meter in 10 Sekunden schaffen würden. Kein Gramm Fett am Leib und die Waden tätowiert. Drahtige Körper, abgerundet durch Bundeswehr-Kurzhaarfrisuren. Die kommen auch alleine zum Work out, stellen sich aber einsam in eine Ecke und betreiben Hochgeschwindigkeitsseilspringen oder Tempo Sit-ups. Die nehmen sich noch nicht einmal die Zeit zum starren.
Ich möchte den selbstverliebten Kraftprotzen nicht unterstellen, dass unter ihnen kein Hammerwerfer sei und dass Hammerwerfen nicht auf einem hohen sportlichen Niveau betrieben werde, aber die Angelegenheit, dass draußen auf dem Parkplatz ihre Frauen im Auto auf sie warten müssen, wirkt schon irgendwie unprofessionell auf mich.

Teil Zwo... kommt!