Round One
"Everybody was kung-fu fighting
Those cats were fast as lightning
In fact it was a little bit frightning
But they fought with expert timing" Carl Douglas
Zumindest vom Boden aus betrachteten, sahen die Chancen auf eine faire Schlägerei ziemlich schlecht aus. Lunchmann, der die Situation vom weiten beobachtete und pfeilschnell analysierte, sprintete auf die Bande zu. Ich dachte noch, alles klar Jungs, da kommen 80 Kilo, im Nahkampf ausgebildetes Bundeswehrmaterial und gleichzeitig der A-Jugend Torschützenkönig auf euch zu gerannt. Für die Notrufnummer braucht ihr eure Telefonkarten oder Zähne ja eh nicht mehr.
Es muss an der unglücklichen Schrittfolge Lunchmanns gelegen haben, jedenfalls kann ich es mir nicht anders erklären, weshalb er stumpf in die parkende Faust von einem der größeren Schlägertypen rannte. Mittlerweile stand ich wieder, überreichte Marnie meine Jacke, als hätte ich gewußt was zu tun war, und befreite Lunchmann aus dem dilettantisch angesetzten Haltegriff des Schlägers. Das ganze würde ich heute gerne noch mal in Zeitlupe sehen, ich stelle mir das sehr heroisch vor. Übermut, du bist mein Freund.
Meine über die Jahre gesammelten Street Fighter II Kenntnisse halfen mir nicht besonders weiter. Den gefürchteten Backdoor Eye-Razor oder den Unterkantenfaustschlag sollte ich erst später in mein Repertoire der Kampfkünste aufnehmen. So bekam der Feigling spontan mein Knie in den Bauch und den Ellbogen auf den dargebotenen Rücken. Die Schläge haben gesessen, er hingegen lag. Auf dem Asphalt. Mündlich wurde die Geschichte mit dem Zusatz überliefert, ich hätte mir vor dem Move noch zweimal auf den Ellbogen geklopft. Wie ein Wrestler, der vom dritten Seil angeflogen kommt. Ich lasse das mal dahin gestellt...
Anstatt eines coolen Action-Spruches hörte ich nur ein LAUF von meinem Tag-Team Partner.
Die anderen fünf kamen auf uns zu gefetzt. In der direkten Umgebung des Kremls ist eine Polizeistation, bietet sich in der gefährlichen Gegend ja an. Lunch und ich machten die paar Meter zum Revier in Sekunden. Unser betrunkenes Geschwafel, dazu die blutigen Nasen haben die ungewöhnlich fetten Polizisten wohl zu dem Entschluss kommen lassen, wenn es eine Schlägerei zwischen Raudis gegeben hat und die eine Hälfte, die in Wirklichkeit nur ein Achtel war, schon mal hier ist, lösen wir das Problem doch ganz einfach indem wir sie einsperren. Natürlich machten wir uns Sorgen um Marnie und baten die Polizisten, in so fern sie ihre dicken Hintern noch aus den Schreibtischstühlen heraus bekämen, mal nachzuschauen, wo und ob sie überhaupt noch ist.
Kurz darauf betrat ein Streifenpolizist das Revier. Dabei hatte er Marnie, meine Jacke und den einen, den ich brutal niedergestreckt hatte. Es war sogar der kleine, der mir den mies verdeckten Schwinger erteilt hatte. Vendetta, du Größenwahnsinniger. Lunchmann, ich und der Geprügelte kamen in Einzelzellen. Um uns werde man sich später kümmern. Ein Standardsatz, den jeder Sheriff draufhaben sollte. Marnie wurde währenddessen verhört. Ihr glaubte man wohl eher als uns. Knast ist wie Diabetes, absolut kein Zuckerschlecken. Ich kam mir vor wie Martin Semmelrogge, betrunken, missverstanden und die beste Zeit hinter mir. Selbst der obligatorische Anruf wurde mir verwehrt.
Nach minutenlangem ausharren trudelte einer der beleibten Polizisten ein und hielt mir einen Promilletester entgegen. Nachdem ich gepustet hatte, vernahm ich aus der Zelle nebenan lautstark das Ergebnis von Lunchmann und kurz darauf dessen Jubelgeschrei. Verdammt, hat der Wikinger mich doch glatt um wenige nullkommairgendwas Promillepunkte geschlagen. Nach der Prozedur bekamen wir einen Zettel mit, den wir, zwecks Anzeigenerstattung, zu Hause ausfüllen und einschicken sollten. Auf diese Weise kommen vielleicht zehn Prozent der Anzeigen überhaupt wieder zur Sprache, schätzte ich.
Mittlerweile saß ein weiterer Typ mit Nasenbluten auf der Wartebank. Er wurde von fünf herbeistürmenden Typen über einen Jägerzaun geprügelt, während er auf sein Taxi wartete. So ein Weichei. Die Polizisten entließen den Schlägertypen, dessen Namen ich heute noch weiß, was sagt das über mich aus? und uns drei gemeinsam vor die Tür. Vorher durften wir wenigstens noch Opa Dieter anrufen.
Hätten wir gewollt, hätten wir dem Typen gleich vor Ort und Stelle eine Naht ziehen können, aber so waren wir nicht drauf. Den Polizisten war das sowieso egal, die hatten keinen Bock auf ihren Job und machten auch keinen Hehl daraus.
Am nächsten Tag bekam ich von meiner Mutter erst die Schuld und dann eine Telefonkarte geschenkt. Ich versteckte sie im Portemonnaie hinter dem gefälschten FBI Ausweis. Lunchmann erntete nur ein Kopfschütteln, aber wenigstens füllte seine Oma den Strafantrag für ihn aus. Wir haben das Ding zurückgeschickt mit dem Verzicht auf eine Anzeige.
Anzeigen sind der Feldzug der Geschlagenen und damit hatten wir rein gar nichts zu tun. Wir regeln so etwas auf der Straße.
Donnerstag, 23. September 2010
Mittwoch, 22. September 2010
Street Fighter - Round One
"So kam 's, dass ich sass hinter schwedischen Gardinen, während sich die anderen ihr Geld mit Remischen verdienen." Dendemann
Auf ernste Themen habe ich zurzeit überhaupt keine Lust. Heute gibt es einen Text, den ich unbeirrt mit dem Label "Drinnen" versehen kann. Ich saß nämlich im Knast und habe noch nicht einmal jemanden mit Geschlechtskrankheiten angesteckt. Wie es dazu kam…
Vorweg, so aufrührerisch ist die Geschichte nicht. Sie ist nicht einmal lustig. Gefängnis ist kein Spaß Leute. Wer mal in einer Einzelzelle mit Mike Tyson gesessen hat, der weiß wovon ich schreibe. Ganz besonders wenn man unschuldig ist. Das Trauma sitzt so tief, mir fällt es sogar schwer mich über Kachelmann lustig zu machen, obwohl er es verdient hätte.
2001. Es begann wie jede niedergeschriebene Geschichte, die von einem Zwanzigjährigen handelt, in der Disco. Damals fuhren wir auf Grund mangelnder Alternativen zu häufig in die nächstgelegene Großraum Disco, ins Kreml. Wir haben es nie hinterfragt warum sich eine Disco nach dem Amtsitz des russischen Präsidenten benennt, Hauptsache der Wodka war billig. Um es erträglicher zu machen schlugen wir immer in großen Gruppen dort auf. Zwei Autos voll, Minimum. Wir waren dankbare Kunden für jeden Getränkehändler oder eben Discobetreiber. Wir machten keinen Ärger, sahen fantastisch aus, fanden uns mit vielen Dingen ab und schluckten ordentlich was weg. Die immer gleich verlaufenden Abende verschmelzen zwar in meiner Erinnerung, dennoch habe ich den Ablauf dieses speziellen Abends noch glasklar vor Augen.
Der Laden ging bereits in die letzte Runde, das Publikum war überschaubar. Lunchmann und ich waren die letzten beiden Verbliebenen, um nicht zu sagen Zurückgelassenen, aus unserer Anfangsformation. Der Grund war wohl Marnie, eine verzogene, also weggezogene, Freundin, die wir auf der Tanzfläche antrafen. Wir tanzten zusammen mit dem traurigen Rest der Partycrowd zu schlechter Musik entsprechend schlecht. Marnie war das einzige Mädchen auf der Tanzfläche, was natürlich von den Halbstarken, und außer Bauern und Halbstarke ging niemand ins Kreml, als Freifahrtschein zum anbändeln interpretiert wurde.
Klar, die bleibt wegen dir solange! Als es dann nur noch nervig wurde, stellte ich mich mit dem Kommentar: „verzieh dich, du Affe“ dazwischen. Der Diplomatenkönig in mir hatte wieder einmal zugeschlagen. Irgendwer meinte, ich solle den Spinner mal nicht so ernst nehmen, ist halt ein besoffenes Arschloch. Das leuchtete ein. Ich bin sowieso davon ausgegangen, dass nach der Ansage Ruhe ist, naiv wie ich war.
So weit, so langweilig. Nach Ladenschluss wollte Lunchmann seinen Opa Dieter anrufen. Zwecks Abholung. Handys waren für uns noch nicht erschwinglich, weshalb wir zur nächstgelegenen Telefonzelle gehen mussten. Es gab wohl nichts Nützlicheres und gleichzeitig uncooleres, das man in seinem Portemonnaie haben konnte, als eine Telefonkarte.Außer einem Behindertenausweis vielleicht, ok. Weder Lunchmann, noch Marnie, noch meine Wenigkeit hatten eine Telefonkarte dabei und der Münzfernsprecher ist brav dem Vormarsch der Kartentelefone gewichen, was uns vor ein Problem stellte.
In der Nähe der Telefonzelle standen die Halbstarken Truppe von der Tanzfläche. Sie waren zu sechst und ja, ich habe die herbei getrunkene Prahlerei berücksichtigt, also die Anzahl bereits durch zwei geteilt. Von denen hatte bestimmt jeder eine Telefonkarte bei sich. Ich dachte mir, mit denen haste dich ja vorhin schon so gut verstanden, da fragst du mal nach, ob die dir eine Telefonkarte gegen eine entsprechende Entschädigung kurz ausleihen könnten. Der kleinste von ihnen fand die Idee ebenfalls gut und griff energisch hinter sich, dorthin, wo ich sein Portemonnaie vermutete. Aber anstatt des erwarteten Portemonnaies, holte er eine Faust hervor. Meine Alkoholikerreflexe ließen kein Ausweichen zu. Der Schwinger traf mich zielsicher am Kinn.
Sollte es zu meiner ersten Schlägerei kommen? und könnte die Überschrift in einem kausalen Zusammenhang mit meinem Knastaufenthalt stehen? Dies und nichts sonst erfahrt ihr morgen ab 12:00 im zweiten Teil, wenn es heißt: der zweite Teil!
Auf ernste Themen habe ich zurzeit überhaupt keine Lust. Heute gibt es einen Text, den ich unbeirrt mit dem Label "Drinnen" versehen kann. Ich saß nämlich im Knast und habe noch nicht einmal jemanden mit Geschlechtskrankheiten angesteckt. Wie es dazu kam…
Vorweg, so aufrührerisch ist die Geschichte nicht. Sie ist nicht einmal lustig. Gefängnis ist kein Spaß Leute. Wer mal in einer Einzelzelle mit Mike Tyson gesessen hat, der weiß wovon ich schreibe. Ganz besonders wenn man unschuldig ist. Das Trauma sitzt so tief, mir fällt es sogar schwer mich über Kachelmann lustig zu machen, obwohl er es verdient hätte.
2001. Es begann wie jede niedergeschriebene Geschichte, die von einem Zwanzigjährigen handelt, in der Disco. Damals fuhren wir auf Grund mangelnder Alternativen zu häufig in die nächstgelegene Großraum Disco, ins Kreml. Wir haben es nie hinterfragt warum sich eine Disco nach dem Amtsitz des russischen Präsidenten benennt, Hauptsache der Wodka war billig. Um es erträglicher zu machen schlugen wir immer in großen Gruppen dort auf. Zwei Autos voll, Minimum. Wir waren dankbare Kunden für jeden Getränkehändler oder eben Discobetreiber. Wir machten keinen Ärger, sahen fantastisch aus, fanden uns mit vielen Dingen ab und schluckten ordentlich was weg. Die immer gleich verlaufenden Abende verschmelzen zwar in meiner Erinnerung, dennoch habe ich den Ablauf dieses speziellen Abends noch glasklar vor Augen.
Der Laden ging bereits in die letzte Runde, das Publikum war überschaubar. Lunchmann und ich waren die letzten beiden Verbliebenen, um nicht zu sagen Zurückgelassenen, aus unserer Anfangsformation. Der Grund war wohl Marnie, eine verzogene, also weggezogene, Freundin, die wir auf der Tanzfläche antrafen. Wir tanzten zusammen mit dem traurigen Rest der Partycrowd zu schlechter Musik entsprechend schlecht. Marnie war das einzige Mädchen auf der Tanzfläche, was natürlich von den Halbstarken, und außer Bauern und Halbstarke ging niemand ins Kreml, als Freifahrtschein zum anbändeln interpretiert wurde.
Klar, die bleibt wegen dir solange! Als es dann nur noch nervig wurde, stellte ich mich mit dem Kommentar: „verzieh dich, du Affe“ dazwischen. Der Diplomatenkönig in mir hatte wieder einmal zugeschlagen. Irgendwer meinte, ich solle den Spinner mal nicht so ernst nehmen, ist halt ein besoffenes Arschloch. Das leuchtete ein. Ich bin sowieso davon ausgegangen, dass nach der Ansage Ruhe ist, naiv wie ich war.
So weit, so langweilig. Nach Ladenschluss wollte Lunchmann seinen Opa Dieter anrufen. Zwecks Abholung. Handys waren für uns noch nicht erschwinglich, weshalb wir zur nächstgelegenen Telefonzelle gehen mussten. Es gab wohl nichts Nützlicheres und gleichzeitig uncooleres, das man in seinem Portemonnaie haben konnte, als eine Telefonkarte.
In der Nähe der Telefonzelle standen die Halbstarken Truppe von der Tanzfläche. Sie waren zu sechst und ja, ich habe die herbei getrunkene Prahlerei berücksichtigt, also die Anzahl bereits durch zwei geteilt. Von denen hatte bestimmt jeder eine Telefonkarte bei sich. Ich dachte mir, mit denen haste dich ja vorhin schon so gut verstanden, da fragst du mal nach, ob die dir eine Telefonkarte gegen eine entsprechende Entschädigung kurz ausleihen könnten. Der kleinste von ihnen fand die Idee ebenfalls gut und griff energisch hinter sich, dorthin, wo ich sein Portemonnaie vermutete. Aber anstatt des erwarteten Portemonnaies, holte er eine Faust hervor. Meine Alkoholikerreflexe ließen kein Ausweichen zu. Der Schwinger traf mich zielsicher am Kinn.
Sollte es zu meiner ersten Schlägerei kommen? und könnte die Überschrift in einem kausalen Zusammenhang mit meinem Knastaufenthalt stehen? Dies und nichts sonst erfahrt ihr morgen ab 12:00 im zweiten Teil, wenn es heißt: der zweite Teil!
Montag, 20. September 2010
Stars & Stripes
Das Mixtape ist schon seit längerem online, aber zum Glück immer noch downloadable... da.
Die inoffiziellen Nachfolger von Led Zeppelin und die letzte Band bei der man von Weltruhm sprechen kann, The White Stripes, geben ihre Instrumentals für namhafte Rapper her. Was dabei herausgekommen ist, ist ein sehr guter Mix aus Rock und Rap, was, wie wir ja alle wissen, fast nie gelingt. Hier der Link.
Und das Beste: es ist Kostenlos! Wo hat man das noch in einer Welt, in der bei McDonalds die Klofrau 50 Cent von einem verlangt? Was hat die überhaupt für eine Daseinsberechtigung? Nötigung ist das! zahlt McDonalds seinen Angestellten nichts mehr? Oder gibt es einfach zu viele Mexikaner? Ach egal.
Die inoffiziellen Nachfolger von Led Zeppelin und die letzte Band bei der man von Weltruhm sprechen kann, The White Stripes, geben ihre Instrumentals für namhafte Rapper her. Was dabei herausgekommen ist, ist ein sehr guter Mix aus Rock und Rap, was, wie wir ja alle wissen, fast nie gelingt. Hier der Link.
Und das Beste: es ist Kostenlos! Wo hat man das noch in einer Welt, in der bei McDonalds die Klofrau 50 Cent von einem verlangt? Was hat die überhaupt für eine Daseinsberechtigung? Nötigung ist das! zahlt McDonalds seinen Angestellten nichts mehr? Oder gibt es einfach zu viele Mexikaner? Ach egal.
Der Künstler möchte auch genannt sein: Adrian Champion hat das feine Mixtape gemacht und uns rapperweise zur Verfügung gestellt.
Donnerstag, 16. September 2010
Kinderquatsch mit Deinem Lieblingsmenschen
"Klar versuch ich dir mit diesen Zeilen was zu sagen
Das Kribbeln das du spürst ist nur zum Teil der Bass im Magen
Jeder von uns hat so seine kleine Last zu tragen
Doch ich nehm mir einfach mal das Recht, meinen Spaß zu haben" Dendemann
Zeichentrickserien werden gewaltig unterschätzt. Besonders bei der Art von Mensch, der so schön angestrengt erwachsen ist. Viele Zeichentrickserien spielen sich auf einem Niveau ab, das Kinder gar nicht begreifen können. Sei es in Form von Anspielungen oder Humor, halt Dinge, die sich einem erst später erschließen. So etwa im Alter von 28 Jahren, als Beispiel. Oft sind Leute, die keine Zeichentrickserien schauen, beziehungsweise nie welche gesehen haben, auffällig humorlos. Gerade bei den Simpsons sind die Gags sehr alltagstauglich. Der Satz: „das ist ja wie bei den Simpsons, als…“ könnte jeder Alltagsituation vorausgehen. Wenn man die Einleitung weglässt und nur den Gag liefert, ist es sogar noch lustiger. Vorausgesetzt den übrigen Beteiligten ist das nicht zu albern oder wie sie auch sonst immer Zeichentrickserien fehl interpretieren.
Simpsons, Family Guy, American Dad, South Park oder Futurama sind mit Sicherheit nicht für das Kinderzimmer geschrieben worden. Selbst einem versierten Simpsons Schauer wie mir fallen heute noch Gags auf, die ich damals nicht begriffen hatte, weil ich mich noch nicht mit den parodierten Charakteren, Filmen oder Ereignissen beschäftigte.
Ich möchte hier jetzt niemanden mit der Kunstform des Zeichnens oder des Storytellings langweilen, nur soviel: die Argumente, das ist ja sauschlecht gezeichnet und das ergibt doch gar keinen Sinn, sind keine Argumente. Auf die Gefahr hin, dass ich es mir mit der Bildungselite verscherze, meine aktuellen Favoriten im TV sind:
Simpsons: Ein Evergreen, obwohl die neuen Folgen bei mir erstmal alt werden müssen, damit ich sie wirklich zu schätzen weiß.
Futurama: Es kommen bald neue Folgen und ich hoffe sie knüpfen wieder an die erste Staffel an, die noch sehr viele Lacher aus dem Zukunftsszenario holten.
South Park: dreht so langsam völlig ab. Die Botschaften und Anspielungen auf unsere Gesellschaft werden immer deutlicher und geschmacklich zumindest fraglich parodiert. Facebook, Emos, World of Warcraft, Boygroups, Irakkrieg usw., bei jedem Thema wird der perverse Hintergrund humoristisch bloßgelegt.
Family Guy: Es heißt ja Family Guy kupfert bei den Simpsons ab. South Park, wie die Simpsons themselves spielten bereits darauf an. Nicht schlimm in meinen Augen. Die Lacher sind zwar sehr Konstruiert, in Rückblenden und Erinnerungsstücken wird der Lacher zurechtgelegt und abgefeiert, dafür sind sie auch sehr treffsicher und eben saukomisch.
American Dad: Zielt mit der Komik einzig auf die USA und deren Way of Life, der sich geradezu anbietet verarscht zu werden. American Dad muss sich dem direkten Vergleich mit Family Guy stellen, wobei ersteres ziemlich abkackt. Wenige zündende Gags, alles sehr abgefahren und nichts Alltagtaugliches dabei.
Spongebob Schwammkopf: Einfach herrlich diese Idiotie. So ist Humor einfach nur charmant, unanstößig und harmlos unterhaltsam. Einige der Gags können Kinder niemals nachvollziehen und gerade diese dann in einem Rahmen wie der Welt von Bikini Bottom zu sehen, ist doppelt lustig. Das Beste an Spongebob ist die Figur des ständig mies gelaunten Thaddäus Tentakel. Sein ewiges Gemecker und Desinteresse an den Albernheiten von Spongie spiegelt eins zu eins den unheimlich erwachsenden Freejazzer und Zeichentrickgegner wieder, nimmt ihm die Argumentation vorweg und somit den Wind aus den Segeln. Ich durfte einmal miterleben, wie jemand Spongebob mit den Worten: was guckt ihr denn so einen Scheiß, verurteilte. Genau in diesem Moment hatte Thaddäus wieder einen seiner „Ich mache bei diesem Scheiße nicht mit“- Auftritte. Und wer bemerkte diese Ironie nicht? Wir haben den humorlosen Jemand danach aber trotzdem bei unseren Oberwasserabenteuer mitmachen lassen. Ganz nach dem Motto: sei doch nicht immer so eine mürrische Miesmuschel.
Naruto Shippuuden: Ist nicht lustig, dafür aber mit Ninjas und viel Pathos. Es wird eine gute Story erzählt. Davon bin ich eh immer Fan gewesen. Sei es Dragon Ball Z, Avatar - Herr der Elemente oder Final Fantasy 7, eine gut erzählte Geschichte macht die Standbilder wie in den Manga Vorlagen wieder wett. Dass nicht alles von pädagogischem Wert ist was da erzählt und gezeigt wird, ist mir bewusst. Es geht immer nur um die Unterhaltung und die ist gegeben. Und so kommen wir zu meiner derzeitigen Lieblingsserie…
Phineas und Ferb: Ähnlich wie bei Spongebob, ist der Serie bewusst was sie da fabriziert und lässt selten eine Gelegenheit aus sich selbst zu parodieren. Es gibt in jeder Folge zwei Handlungsstränge, die sich am Ende wie durch Zufall kreuzen. Noch nie habe ich soviel unerwartete Gags gesehen oder eine gelungenere Persiflage auf den Kampf von, ok, Gut gegen, naja, Böse. Vieles von dem Quatsch der geschieht wird von den Figuren hinterfragt, nur um gleich wieder verworfen zu werden. Der Witz erreicht einen manchmal über mehrere Ecken. Anschauen! Der Klamauk läuft auf SuperRTL so um 19 Uhr rum. Und keine Angst, auf dem Managerseminar wird Niemand erfahren, dass ihr so etwas guckt oder Sinn für Humor habt oder allgemein offen für umstrittene Dinge seid.
Leider nicht mehr im Programm: Invader Zim. Totaler Mindfuck, sehr unterhaltsam. Nur was für Fortgeschrittene.
Das Kribbeln das du spürst ist nur zum Teil der Bass im Magen
Jeder von uns hat so seine kleine Last zu tragen
Doch ich nehm mir einfach mal das Recht, meinen Spaß zu haben" Dendemann
Zeichentrickserien werden gewaltig unterschätzt. Besonders bei der Art von Mensch, der so schön angestrengt erwachsen ist. Viele Zeichentrickserien spielen sich auf einem Niveau ab, das Kinder gar nicht begreifen können. Sei es in Form von Anspielungen oder Humor, halt Dinge, die sich einem erst später erschließen. So etwa im Alter von 28 Jahren, als Beispiel. Oft sind Leute, die keine Zeichentrickserien schauen, beziehungsweise nie welche gesehen haben, auffällig humorlos. Gerade bei den Simpsons sind die Gags sehr alltagstauglich. Der Satz: „das ist ja wie bei den Simpsons, als…“ könnte jeder Alltagsituation vorausgehen. Wenn man die Einleitung weglässt und nur den Gag liefert, ist es sogar noch lustiger. Vorausgesetzt den übrigen Beteiligten ist das nicht zu albern oder wie sie auch sonst immer Zeichentrickserien fehl interpretieren.
Simpsons, Family Guy, American Dad, South Park oder Futurama sind mit Sicherheit nicht für das Kinderzimmer geschrieben worden. Selbst einem versierten Simpsons Schauer wie mir fallen heute noch Gags auf, die ich damals nicht begriffen hatte, weil ich mich noch nicht mit den parodierten Charakteren, Filmen oder Ereignissen beschäftigte.
Ich möchte hier jetzt niemanden mit der Kunstform des Zeichnens oder des Storytellings langweilen, nur soviel: die Argumente, das ist ja sauschlecht gezeichnet und das ergibt doch gar keinen Sinn, sind keine Argumente. Auf die Gefahr hin, dass ich es mir mit der Bildungselite verscherze, meine aktuellen Favoriten im TV sind:
Simpsons: Ein Evergreen, obwohl die neuen Folgen bei mir erstmal alt werden müssen, damit ich sie wirklich zu schätzen weiß.
Futurama: Es kommen bald neue Folgen und ich hoffe sie knüpfen wieder an die erste Staffel an, die noch sehr viele Lacher aus dem Zukunftsszenario holten.
South Park: dreht so langsam völlig ab. Die Botschaften und Anspielungen auf unsere Gesellschaft werden immer deutlicher und geschmacklich zumindest fraglich parodiert. Facebook, Emos, World of Warcraft, Boygroups, Irakkrieg usw., bei jedem Thema wird der perverse Hintergrund humoristisch bloßgelegt.
Family Guy: Es heißt ja Family Guy kupfert bei den Simpsons ab. South Park, wie die Simpsons themselves spielten bereits darauf an. Nicht schlimm in meinen Augen. Die Lacher sind zwar sehr Konstruiert, in Rückblenden und Erinnerungsstücken wird der Lacher zurechtgelegt und abgefeiert, dafür sind sie auch sehr treffsicher und eben saukomisch.
American Dad: Zielt mit der Komik einzig auf die USA und deren Way of Life, der sich geradezu anbietet verarscht zu werden. American Dad muss sich dem direkten Vergleich mit Family Guy stellen, wobei ersteres ziemlich abkackt. Wenige zündende Gags, alles sehr abgefahren und nichts Alltagtaugliches dabei.
Spongebob Schwammkopf: Einfach herrlich diese Idiotie. So ist Humor einfach nur charmant, unanstößig und harmlos unterhaltsam. Einige der Gags können Kinder niemals nachvollziehen und gerade diese dann in einem Rahmen wie der Welt von Bikini Bottom zu sehen, ist doppelt lustig. Das Beste an Spongebob ist die Figur des ständig mies gelaunten Thaddäus Tentakel. Sein ewiges Gemecker und Desinteresse an den Albernheiten von Spongie spiegelt eins zu eins den unheimlich erwachsenden Freejazzer und Zeichentrickgegner wieder, nimmt ihm die Argumentation vorweg und somit den Wind aus den Segeln. Ich durfte einmal miterleben, wie jemand Spongebob mit den Worten: was guckt ihr denn so einen Scheiß, verurteilte. Genau in diesem Moment hatte Thaddäus wieder einen seiner „Ich mache bei diesem Scheiße nicht mit“- Auftritte. Und wer bemerkte diese Ironie nicht? Wir haben den humorlosen Jemand danach aber trotzdem bei unseren Oberwasserabenteuer mitmachen lassen. Ganz nach dem Motto: sei doch nicht immer so eine mürrische Miesmuschel.
Naruto Shippuuden: Ist nicht lustig, dafür aber mit Ninjas und viel Pathos. Es wird eine gute Story erzählt. Davon bin ich eh immer Fan gewesen. Sei es Dragon Ball Z, Avatar - Herr der Elemente oder Final Fantasy 7, eine gut erzählte Geschichte macht die Standbilder wie in den Manga Vorlagen wieder wett. Dass nicht alles von pädagogischem Wert ist was da erzählt und gezeigt wird, ist mir bewusst. Es geht immer nur um die Unterhaltung und die ist gegeben. Und so kommen wir zu meiner derzeitigen Lieblingsserie…
Phineas und Ferb: Ähnlich wie bei Spongebob, ist der Serie bewusst was sie da fabriziert und lässt selten eine Gelegenheit aus sich selbst zu parodieren. Es gibt in jeder Folge zwei Handlungsstränge, die sich am Ende wie durch Zufall kreuzen. Noch nie habe ich soviel unerwartete Gags gesehen oder eine gelungenere Persiflage auf den Kampf von, ok, Gut gegen, naja, Böse. Vieles von dem Quatsch der geschieht wird von den Figuren hinterfragt, nur um gleich wieder verworfen zu werden. Der Witz erreicht einen manchmal über mehrere Ecken. Anschauen! Der Klamauk läuft auf SuperRTL so um 19 Uhr rum. Und keine Angst, auf dem Managerseminar wird Niemand erfahren, dass ihr so etwas guckt oder Sinn für Humor habt oder allgemein offen für umstrittene Dinge seid.
Leider nicht mehr im Programm: Invader Zim. Totaler Mindfuck, sehr unterhaltsam. Nur was für Fortgeschrittene.
Dienstag, 14. September 2010
Freitag, 10. September 2010
Heiß die Segel!
„Morgen morgen morgen fängt erst morgen an
Sorgen Sorgen Sorgen hat doch Jedermann
warum denkst du deine, sind wichtiger als meine?“ Joachim Deutschland
In zwei Wochen ist hundertprozentig mein neuer PC im Hause. Beim Umzug ist der Schreibtisch in der alten Heimat zurückgeblieben und kam erst Monate später im zweiten Anlauf hinterher. Mit dem Eintreffen des Schreibtisches wollte ich anfangen meine Zukunft zu sondieren. Das geht vom Schreibtisch aus ziemlich gut. Man ist unabgelenkt von jeglichen Faxen um einen herum, zudem ist es eine tolle Gelegenheit Konzeptalben mal wieder von Seite A bis D durchzuhören. Jetzt steht der Schreibtisch in der neuen Wohnung und als wäre es ein Omen, geht der Laptop kaputt. So ganz ohne Fremdeinwirkung. Nun muss ein neuer her. Dem Konzept treu, ein Desktop PC mit einigen Unterhaltungsqualitäten, wie zum Beispiel einer akzeptablen Grafikkarte. Das optimale Gerät ist bereits gefunden und wird nächste Woche bestellt.
Das selbsternannte Ziel liegt darin am Ende des Jahres zu wissen in welche Richtung es mit mir weitergeht. Die Handlungsoptionen lasse ich mir offen, die großen Jungs müssen mich nur mitspielen lassen. Interessen filtern, Möglichkeiten erkunden, Bewerbungen schreiben, Bewerbungen versenden. Es ist wahr, eMails sind unverbindlich, was auch überhebliche Fehltritte rechtfertigt.
Welche Stadt, welches Land, welcher Fluss, welcher Beruf oder welches Studium… Gedanken, die seit geraumer Zeit gleichzusetzen sind mit Sorgen, mache ich mir viele.
Ich wundere mich über die ständigen Umfrageergebnisse zu dem Gemütszustand der Deutschen. 80 Prozent machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Niemand hat Vertrauen in die Konjunktur, dem Staat oder dem netten Gemüsehändler von Nebenan. Das muss man sich mal vorstellen. Diese Zahl existiert für mich nur auf den Tortendiagrammen bei den Tagesthemen. Kann mir doch keiner erzählen, dass Sorgen so wie die Menschen auf den Straßen aussehen. Auch meine Sorgen sind lediglich Wichtigtuerei. Es fühlt sich schlicht verantwortungsbewusst an, überhaupt welche zu haben.
Sorgen Sorgen Sorgen hat doch Jedermann
warum denkst du deine, sind wichtiger als meine?“ Joachim Deutschland
In zwei Wochen ist hundertprozentig mein neuer PC im Hause. Beim Umzug ist der Schreibtisch in der alten Heimat zurückgeblieben und kam erst Monate später im zweiten Anlauf hinterher. Mit dem Eintreffen des Schreibtisches wollte ich anfangen meine Zukunft zu sondieren. Das geht vom Schreibtisch aus ziemlich gut. Man ist unabgelenkt von jeglichen Faxen um einen herum, zudem ist es eine tolle Gelegenheit Konzeptalben mal wieder von Seite A bis D durchzuhören. Jetzt steht der Schreibtisch in der neuen Wohnung und als wäre es ein Omen, geht der Laptop kaputt. So ganz ohne Fremdeinwirkung. Nun muss ein neuer her. Dem Konzept treu, ein Desktop PC mit einigen Unterhaltungsqualitäten, wie zum Beispiel einer akzeptablen Grafikkarte. Das optimale Gerät ist bereits gefunden und wird nächste Woche bestellt.
Das selbsternannte Ziel liegt darin am Ende des Jahres zu wissen in welche Richtung es mit mir weitergeht. Die Handlungsoptionen lasse ich mir offen, die großen Jungs müssen mich nur mitspielen lassen. Interessen filtern, Möglichkeiten erkunden, Bewerbungen schreiben, Bewerbungen versenden. Es ist wahr, eMails sind unverbindlich, was auch überhebliche Fehltritte rechtfertigt.
Welche Stadt, welches Land, welcher Fluss, welcher Beruf oder welches Studium… Gedanken, die seit geraumer Zeit gleichzusetzen sind mit Sorgen, mache ich mir viele.
Ich wundere mich über die ständigen Umfrageergebnisse zu dem Gemütszustand der Deutschen. 80 Prozent machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Niemand hat Vertrauen in die Konjunktur, dem Staat oder dem netten Gemüsehändler von Nebenan. Das muss man sich mal vorstellen. Diese Zahl existiert für mich nur auf den Tortendiagrammen bei den Tagesthemen. Kann mir doch keiner erzählen, dass Sorgen so wie die Menschen auf den Straßen aussehen. Auch meine Sorgen sind lediglich Wichtigtuerei. Es fühlt sich schlicht verantwortungsbewusst an, überhaupt welche zu haben.
Freitag, 27. August 2010
Qualitätsurteil mangelhaft
"Jeder und seine Mudda rappt" Das BO
"Too many MCs not enough Mics" The Fugees
Zurzeit beschäftige ich mich mehr so passiv mit dem Schreiben. Das bedeutet ich durchforste das Internet nach Jungen Menschen die Schreiben, aber vor allem, die gelesen werden. Ich möchte einen Qualitätsstandard ermitteln. Was wird alles veröffentlicht oder gar gedruckt. Etablierte Autoren, wozu auch der in meinen Augen sehr gute Marc Fischer zählt, enttäuschten mich in letzter Zeit. Ich lese gerade Jäger von selbigen und einen Daniel Kehlmann Roman. Beides sehr gefeierte Werke. Dennoch dachte ich, da kommt mehr. Inspirierend fand ich das alles nicht. Gerade deshalb wundert es mich wie viele andere Leser so begeistert von diversen Texten sind, die mich überhaupt nicht kriegen.
Nun klicke ich mich also seit ein paar Wochen durch das Internet, auf der Suche nach frischen Texten, so stelle ich mir zumindest die Schreibe von jungen Autoren vor. Einige A-Blogger gefallen mir. Ein Blick ins Impressum entblößt meist den professionellen Hintergrund, das ist zwar nicht das was ich suche, dennoch ein Maßstab für übrige Rechtschreibbanausen wie mich.
Andere, viel besuchte Seiten schreiben auffallend langweilig und bekommen dafür die dicken Probs in die Kommentare geschrieben. Ein angeblich lustiger Text, der völlig ohne Pointe auskommt, wird mit der Anmerkung viel gelacht zu haben unterschrieben. Wenn die Menschen wirklich so leicht zu begeistern sind, sehe ich da doch eine Chance für mich. Auf der Internetseite der NEON stand gleich auf der Startseite ein Text über Liebesdinge. Hier der Link. Macht euch mal ein eigenes Bild oder spart euch das und lest einfach hier weiter. Der Text ist total peinlich und pubertär, hat aber ebenfalls dutzende Kommentare und ordentlich Anerkennung abgesahnt. Wieso darf der diesen Schund dort veröffentlichen? Und wieso wird das vom User angenommen? Scheinbar ist das digitale Wort völlig inflationiert. Wäre man voreilig, käme man zu dem Entschluss, dass die Meinungen der Leser und damit die Anzahl der Klicks und damit der Wert einer Seite in keiner Relation zu der Relevanz der Texte und damit zu den Autoren stehen. In dieser Hinsicht ist das Internet schon das neue Fernsehen. Literarischen Anspruch hat Niemand im Web 2.0, es kommt mir auf den Ideenreichtum, neue Gedankengänge und natürlich auf Humor an.
Auf wirklich gute Amateure bin ich bisher nicht gestoßen. Ich sondiere mal weiter den Markt. Off- wie online, so sagt man doch? Mal schauen wo man sich einbringen kann oder vielleicht findet man sogar eine freie Nische. Sollte ich eventuell eine Broschüre anfertigen? Ansonsten bleibt mir ja noch diese Plattform.
Vielleicht keinen Text, aber einen Gedanken ist das allemal wert.
"Too many MCs not enough Mics" The Fugees
Zurzeit beschäftige ich mich mehr so passiv mit dem Schreiben. Das bedeutet ich durchforste das Internet nach Jungen Menschen die Schreiben, aber vor allem, die gelesen werden. Ich möchte einen Qualitätsstandard ermitteln. Was wird alles veröffentlicht oder gar gedruckt. Etablierte Autoren, wozu auch der in meinen Augen sehr gute Marc Fischer zählt, enttäuschten mich in letzter Zeit. Ich lese gerade Jäger von selbigen und einen Daniel Kehlmann Roman. Beides sehr gefeierte Werke. Dennoch dachte ich, da kommt mehr. Inspirierend fand ich das alles nicht. Gerade deshalb wundert es mich wie viele andere Leser so begeistert von diversen Texten sind, die mich überhaupt nicht kriegen.
Nun klicke ich mich also seit ein paar Wochen durch das Internet, auf der Suche nach frischen Texten, so stelle ich mir zumindest die Schreibe von jungen Autoren vor. Einige A-Blogger gefallen mir. Ein Blick ins Impressum entblößt meist den professionellen Hintergrund, das ist zwar nicht das was ich suche, dennoch ein Maßstab für übrige Rechtschreibbanausen wie mich.
Andere, viel besuchte Seiten schreiben auffallend langweilig und bekommen dafür die dicken Probs in die Kommentare geschrieben. Ein angeblich lustiger Text, der völlig ohne Pointe auskommt, wird mit der Anmerkung viel gelacht zu haben unterschrieben. Wenn die Menschen wirklich so leicht zu begeistern sind, sehe ich da doch eine Chance für mich. Auf der Internetseite der NEON stand gleich auf der Startseite ein Text über Liebesdinge. Hier der Link. Macht euch mal ein eigenes Bild oder spart euch das und lest einfach hier weiter. Der Text ist total peinlich und pubertär, hat aber ebenfalls dutzende Kommentare und ordentlich Anerkennung abgesahnt. Wieso darf der diesen Schund dort veröffentlichen? Und wieso wird das vom User angenommen? Scheinbar ist das digitale Wort völlig inflationiert. Wäre man voreilig, käme man zu dem Entschluss, dass die Meinungen der Leser und damit die Anzahl der Klicks und damit der Wert einer Seite in keiner Relation zu der Relevanz der Texte und damit zu den Autoren stehen. In dieser Hinsicht ist das Internet schon das neue Fernsehen. Literarischen Anspruch hat Niemand im Web 2.0, es kommt mir auf den Ideenreichtum, neue Gedankengänge und natürlich auf Humor an.
Auf wirklich gute Amateure bin ich bisher nicht gestoßen. Ich sondiere mal weiter den Markt. Off- wie online, so sagt man doch? Mal schauen wo man sich einbringen kann oder vielleicht findet man sogar eine freie Nische. Sollte ich eventuell eine Broschüre anfertigen? Ansonsten bleibt mir ja noch diese Plattform.
Vielleicht keinen Text, aber einen Gedanken ist das allemal wert.
Donnerstag, 19. August 2010
The Prime Time of your Life
“Now, live it, the prime time of your life” Daft Punk
Wie gefällt euch die neue Ergo Werbung? Im ersten Spot geht ein Mitzwanzigjähriger durch die Stadt, bestimmt Berlin oder Köln, kenne mich da nicht aus, in Lederjacke, hinterlässt einen ziemlich dummen Eindruck wie er so versucht die richtigen Worte für seine prekäre Situation zu finden. Am Ende des Spots, wenn er in seinen zur Jacke passenden Ledersessel sitzt und Nora Jones aufdreht, denkt man: hoffentlich hast du Dödel wenigstens verstanden wie deine Bank arbeitet. Der zweite Spot zeigt eine junge Dame, auf der Homepage als schön bezeichnet, wie sie über ihre Kindheitserinnerungen sinniert. Die denkt über die grauen Männer aus Momo nach, wie diese ihre Zeit rauben wollen, aber dank ihrer humanen Versicherung kann sie wieder lächelnd einschlafen. Das alles erklärt sie uns auf einem Dach sitzend, bestimmt das Dach eines Lofts. Ihr Loft.
EDIT: Der Spot ist an die Buchverfilmung von Nick Hornbys High Fidelity angelehnt. Erfuhr ich im Männerblog.
Klar, hier wird wieder mal völlig übertrieben wie beim Guten Morgen Frühstückskaffee, aber nehmen wir mal an es ist wirklich so wie mein damaliger Religionslehrer es mir weismachen wollte und die Werbung trifft sehr genau die Wünsche und Bedürfnisse der Zielgruppe, dann sind wir doch alle ziemlich am Arsch.
Ich bin 27 und habe überhaupt nicht das Bedürfnis in irgendeiner Metropole auf einem Hausdach zu sitzen und mein Exportbier in die Abendsonne zu halten, noch würde ich posieren, wenn jemand ein Foto davon macht. Ich kenne meine Schokoladenseite nicht. Freunde im Ausland oder besser Ausländer als Freunde, habe ich kaum und die wenigen waren schon immer da und wurden nicht von mir auf Partys herbeigequatscht und aufgrund ihrer Herkunft in den Freundesstatus erhoben. Mir liegt nichts daran Einladungen, die online eingehen, spektakulär auszuschlagen, weil ich gerade in Riga, London oder Paris bin oder ausgerechnet dann die Weltmeisterschaften in Salsa oder Capoeira stattfinden. Ich versuche erst gar nicht meinen Job als interessant, schöpferisch oder als Sprungbrett zu einem interessanten, schöpferischen Beruf zu betiteln. Meine Hobbys sind allesamt ordinär und typisch. Nichts zum abschalten dabei. Ich halte den V-Ausschnitt für die Rache der Schwulen. Ich möchte nicht, dass irgendjemand weiss, dass ich auf Knopfdruck originell sein kann. Ich bin nichts am planen dran. Ich habe keine Angst etwas zu verpassen. Ich lehne mich in Bibliotheken nicht an die Wand, wenn noch Stühle frei sind. Starbucks ist und bleibt für mich Dirk Benedict. Ich versuche nicht auf Partys zukommen, ich gehe hin oder eben nicht. Mein Geschmack hat kein Verfallsdatum. Nostalgie ist in meinen Augen Quatsch. Ich sage nein und ja und nicht mal sehen. Ich kann über mich selbst lachen, gerade dann, wenn ich es nicht als großes Charakter-Plus verkaufen kann. Ich fliege nicht gerne. Sonnenbrillen lösen bei mir nichts aus. Ich könnte nicht einen Trend nennen, nur auf der Straße laut mitzählen. Jeans und T-Shirt reichen vollkommen aus. Ich halte Kaffeetrinken für eine Geste. Ich sage Niemanden, dass ich Arte schaue. Ich koche miserabel, trotz Maggie. Ich bin rasend uninteressant und kenne auch keinen interessanteren. Ich muss immer andere übertreffen und kenne einen, der ist in der Hinsicht noch viel schlimmer.
Wie gefällt euch die neue Ergo Werbung? Im ersten Spot geht ein Mitzwanzigjähriger durch die Stadt, bestimmt Berlin oder Köln, kenne mich da nicht aus, in Lederjacke, hinterlässt einen ziemlich dummen Eindruck wie er so versucht die richtigen Worte für seine prekäre Situation zu finden. Am Ende des Spots, wenn er in seinen zur Jacke passenden Ledersessel sitzt und Nora Jones aufdreht, denkt man: hoffentlich hast du Dödel wenigstens verstanden wie deine Bank arbeitet. Der zweite Spot zeigt eine junge Dame, auf der Homepage als schön bezeichnet, wie sie über ihre Kindheitserinnerungen sinniert. Die denkt über die grauen Männer aus Momo nach, wie diese ihre Zeit rauben wollen, aber dank ihrer humanen Versicherung kann sie wieder lächelnd einschlafen. Das alles erklärt sie uns auf einem Dach sitzend, bestimmt das Dach eines Lofts. Ihr Loft.
EDIT: Der Spot ist an die Buchverfilmung von Nick Hornbys High Fidelity angelehnt. Erfuhr ich im Männerblog.
Klar, hier wird wieder mal völlig übertrieben wie beim Guten Morgen Frühstückskaffee, aber nehmen wir mal an es ist wirklich so wie mein damaliger Religionslehrer es mir weismachen wollte und die Werbung trifft sehr genau die Wünsche und Bedürfnisse der Zielgruppe, dann sind wir doch alle ziemlich am Arsch.
Ich bin 27 und habe überhaupt nicht das Bedürfnis in irgendeiner Metropole auf einem Hausdach zu sitzen und mein Exportbier in die Abendsonne zu halten, noch würde ich posieren, wenn jemand ein Foto davon macht. Ich kenne meine Schokoladenseite nicht. Freunde im Ausland oder besser Ausländer als Freunde, habe ich kaum und die wenigen waren schon immer da und wurden nicht von mir auf Partys herbeigequatscht und aufgrund ihrer Herkunft in den Freundesstatus erhoben. Mir liegt nichts daran Einladungen, die online eingehen, spektakulär auszuschlagen, weil ich gerade in Riga, London oder Paris bin oder ausgerechnet dann die Weltmeisterschaften in Salsa oder Capoeira stattfinden. Ich versuche erst gar nicht meinen Job als interessant, schöpferisch oder als Sprungbrett zu einem interessanten, schöpferischen Beruf zu betiteln. Meine Hobbys sind allesamt ordinär und typisch. Nichts zum abschalten dabei. Ich halte den V-Ausschnitt für die Rache der Schwulen. Ich möchte nicht, dass irgendjemand weiss, dass ich auf Knopfdruck originell sein kann. Ich bin nichts am planen dran. Ich habe keine Angst etwas zu verpassen. Ich lehne mich in Bibliotheken nicht an die Wand, wenn noch Stühle frei sind. Starbucks ist und bleibt für mich Dirk Benedict. Ich versuche nicht auf Partys zukommen, ich gehe hin oder eben nicht. Mein Geschmack hat kein Verfallsdatum. Nostalgie ist in meinen Augen Quatsch. Ich sage nein und ja und nicht mal sehen. Ich kann über mich selbst lachen, gerade dann, wenn ich es nicht als großes Charakter-Plus verkaufen kann. Ich fliege nicht gerne. Sonnenbrillen lösen bei mir nichts aus. Ich könnte nicht einen Trend nennen, nur auf der Straße laut mitzählen. Jeans und T-Shirt reichen vollkommen aus. Ich halte Kaffeetrinken für eine Geste. Ich sage Niemanden, dass ich Arte schaue. Ich koche miserabel, trotz Maggie. Ich bin rasend uninteressant und kenne auch keinen interessanteren. Ich muss immer andere übertreffen und kenne einen, der ist in der Hinsicht noch viel schlimmer.
Freitag, 13. August 2010
Das Thema ist so durch: IKEA
IKEA jaha, wie könnte ich das Thema auslassen? Es gibt ja so gut wie gar keine witzigen Menschen im deutschen Fernsehen. Wenn ich höre, dass selbst die Carolin Kebekus jetzt schon als witzig gehandelt wird, dann kann sich Oliver Pocher eventuell ebenfalls noch mal zutrauen mit einem potenziellen Programm auf die Bühne zurückzukehren. Zusammen mit Peach Weber. Aber bitte nicht das Thema IKEA durchnudeln, das wird nämlich hier und jetzt von mir gnadenlos zelebriert. Sowie von dutzend anderen vor mir.
Hallo erstmal, ich war ja letztens bei IKEA. Ich letztens mit meiner Freundin zu IKEA, oh neee doo. Hier IKEA, kennste nä, IKEA? Sex in IKEA Betten, ganz nett, aber das nächste Mal warte ich damit bis zum Ladenschluss.
Persönlich fange ich ja immer so an: Ich dahin…
Ein IKEA Profi bin ich bei weitem nicht. Der Laden ist halt sehr bequem und schnell von meiner Wohnung aus zu erreichen und um bei anderen Möbelhäusern nach Angeboten und Parkplätzen Ausschau zu halten, bin ich zu faul und unflexibel. Von Flohmärkten mal ganz zu schweigen. Ich mache mir auch nicht vor, den Laden jemals unter der 100-Euro-Grenze wieder zu verlassen. Eingang und Ausgang sind das einzige, das ich am Anfang und Ende noch richtig mache. Der Rest ist meiner Orientierungslosigkeit geschuldet.
Oben, im Möbelbereich, werden Einrichtungsideen simuliert, die mich, ich gebe es zu, vom Design her ansprechen. Bierwerbung erreicht mich auf ihre kumpelige Art nie, aber eine hässliche Tischlampe neben dem Plasma Fernseher gefällt mir. Hier kann man Gäste empfangen, denke ich. Den Gedanken beim Kauf den Bedürfnissen anderer zu entsprechen, hatte ich das letzte Mal als ich schwer verliebt war. Da überlegte ich tatsächlich vor dem CD-Kauf welches Album ihr eher in meinem Regal auffallen würde. Songs in A Minor von Alicia Keys oder Zwei von EinsZwo.
Nach langem Hin und Her blieb ich mir treu, es hat dann mit EinsZwo auch funktioniert, trotz allem muss ich gestehen, es war knapp. Das hätte ganz schlimm enden können mit mir. Eine Lektion, die mich heute davon abhält hässliche Tischlampen neben Plasma Fernseher zu stellen. Da fällt mir auf, ich war schon lange nicht mehr schwer verliebt gewesen. Na, dann bin ich ja bei IKEA genau richtig.
Ich scheine hier der einzige Single zu sein. Zumindest bin ich der einzige, der alleine durch die Gänge irrt. Gerne wäre ich jetzt in der Begleitung jener Person, die von sich behaupten kann, der Warnhinweis in den freistehenden Deko-Toiletten, es gäbe auch echte Toiletten am Ausgang, wäre ihr zu verdanken. Man hätte bestimmt viel Spaß. Stattdessen sehe ich junge Paare, bei denen es sich hundertprozentig um das Thema erste gemeinsame Wohnung handelt. Sie meist sehr hübsch, er unauffällig nebenher trabend. Die Frage, wie ich mich da wohl verhalten würde, stellt sich mir erst gar nicht. Eher überlege ich, was der arme Junge wohl alles an Kompromissen eingeht, um sie zu halten.
Wenn die Beziehung den Gang zu, durch und aus dem IKEA unblutig übersteht, dann ist es was Reelles. Vergnügt sieht dennoch anders aus. So recht verstehe ich es nicht, wie man es schafft, aus einer eigentlich sehr guten Ausgangssituation, so ein stressiges Szenario zu machen. Und wie wehrlos beide dagegen sind. Sie wissen gar nicht wie man das wieder abstellen soll oder warum es überhaupt begann. Beim gemeinsamen Autofahren möchte ich die nicht erleben. Oder: doch!
Ich stehe auffällig teilnahmslos vor einem Regal mit bunten Schuhkartons und beobachte das Geschehen. Dabei komme ich mir recht dämlich vor und warte eigentlich nur darauf, dass er gleich zu mir rübergeschickt wird, um mal anzufragen, ob mein Interesse für bunte Schuhkartons nicht langsam überreizt wäre. Es passiert nichts. Feigling.
Das Badezimmer kann man sich ohne weiteres von IKEA einrichten lassen. Der eigentliche Grund warum ich heute hier bin. Schnell wird mir klar, dass ich allein mit den Regalen, immerhin ab 100 Euro das Stück, den Glamour und die demonstrierte Sterilität bei mir zu Hause nicht hinbekommen werde. Außerdem, 100 Euro für ein Badezimmerregal! Bei den Preisen improvisiere ich lieber mit den Überbleibseln aus meinem alten Jugendzimmer. Da wird sich schon etwas finden.
In den voreingerichteten Wohnungen, Motto: Willkommen in meinen 55m², kommt mir der zweite IKEA typische Menschenschlag entgegen. Sohn/Tochter mit solventem Elternteil. Was die ältere Generation verpasst hat, damals gab es noch keinen IKEA, holt sie jetzt mit ihren Kindern nach. Diese wollen ausziehen und ihnen wird beim gemeinsamen Einkauf mit Mutti noch mal ganz deutlich gemacht, wieso sie das wollen.
„Das gefällt mir in rot.“
„Rot, das passt doch gar nicht zu dir. Du nimmst Grün“
Wer die Kohle hat, bestimmt nun mal.
In der Kinderabteilung spiele ich gerne den alleinerziehenden Vater. Was sehr viel schauspielerisches Geschick abverlangt, schließlich habe ich kein Kind dabei und sonst auch nirgends untergebracht. Der Flirtfaktor ist unheimlich hoch auf diesem Sektor. Mehr Chancen hast du nur auf dem Kiez oder auf jedem x-beliebigen Schützenfest und nüchtern schon mal gar nicht. Heute sind aber nur abgeklärte Eltern mit ihren ADS Kindern unterwegs, die sich untereinander, der Strapazen wohl wissend, zunicken oder das Theater abnicken, belastbar weit über das ausgestochene Auge hinaus. Nee, da fühle ich mich jetzt auch ein bisschen verschenkt.
„Was willst du denn? Außer quengelig und nervtötend sein? Geh mal zu dem Mann, der sich dein Vater schimpft.“ Robin hieß das Kind, das gerade von seiner Mutter zurecht gewiesen wird. Bestimmt Christopher Robin.
Nach der Kinderabteilung kommt noch das Restaurant und danach geht es unten weiter. Ab jetzt wird es interessant.
Ich verlaufe mich. Mir kommen Menschen entgegen, so ist das nicht gedacht, allein die Pfeile auf dem Fußboden bringen mich auf diesen Gedanken. Auf meinen Irrwegen sehe ich einen herrenlosen Einkaufswagen an einem Regal stehen. Ich schnappe ihn mir und laufe weg. Schöner Zufall, wo man ganz regulär einen Einkaufswagen herbekäme, wüsste ich eh nicht. Ein Ehemann versucht tatsächlich bei der Gardinenfrage mitzureden, er korrigiert seine Frau sogar. Den Fehler hätte ich selbst bei meinem ersten Anlauf nicht gemacht. Entsprechend wird er ohne Zögern von seiner Frau zurecht gewiesen. Unglaublich wie viele Paare sich selbst in Krisensituationen noch gegenseitig Schatz nennen. Aus Schatz wird dann irgendwann der Papa und die Mama.
Die Pflanzenabteilung macht mir Angst. Ich höre Stimmen in meinem Kopf. Möööörder, stöhnt da jemand. Schnell weiter.
Man kann sagen: hier unten kostet alles 30 Euro und kostet etwas 40 Euro, dann kostet etwas anderes eben 20 Euro. So kann man leicht mitrechnen. Ich kaufe mir einen Teppich für das Schlafzimmer. Den habe ich zwar bereits bei jemand gesehen und dort liegt er im Flur, aber in solchen Dingen fehlt es mir zum Glück an Extravaganz. Schwere, angeblich licht- und schalldämmende Vorhänge, ebenfalls für das Schlafzimmer. Eine Badleuchte für das unfallfreie Rasieren, eine Garderobe, eine Deckenleuchte für den Flur und eine für die Küche, eine Ofenform aus Glas, acht Kleiderbügel und zwei Stromsparlampen, die ich im Nachhinein nicht benötige. Macht insgesamt 188 Euro. Eingescannt von mir höchstpersönlich. Von einem Rollentausch, ich scanne ein, die Verkäuferin zahlt, wollte die Dame im gelben Hemd nichts wissen.
Ohne einen Hot-Dog geht mir niemand nach Hause. Ich musste einmal von zu vielen Hot-Dogs kotzen. Damals waren die für lau und das Beste an dem Geburtstag. Hier ist es fast genauso. Einen Euro für einen Hot-Dog inklusive einem Dauergetränk. Das Hot-Dog-Selberbelegen ist nur bedingt cool. Soviel mehr Gurken und Röstzwiebeln schafft man nicht auszubalancieren, als dass sich der Aufwand des Rumklecksens und Anstehens an den Saucenspendern wirklich lohnen würde. Die Teigtaschen hingegen kann ich überhaupt nicht empfehlen.
Hallo erstmal, ich war ja letztens bei IKEA. Ich letztens mit meiner Freundin zu IKEA, oh neee doo. Hier IKEA, kennste nä, IKEA? Sex in IKEA Betten, ganz nett, aber das nächste Mal warte ich damit bis zum Ladenschluss.
Persönlich fange ich ja immer so an: Ich dahin…
Ein IKEA Profi bin ich bei weitem nicht. Der Laden ist halt sehr bequem und schnell von meiner Wohnung aus zu erreichen und um bei anderen Möbelhäusern nach Angeboten und Parkplätzen Ausschau zu halten, bin ich zu faul und unflexibel. Von Flohmärkten mal ganz zu schweigen. Ich mache mir auch nicht vor, den Laden jemals unter der 100-Euro-Grenze wieder zu verlassen. Eingang und Ausgang sind das einzige, das ich am Anfang und Ende noch richtig mache. Der Rest ist meiner Orientierungslosigkeit geschuldet.
Oben, im Möbelbereich, werden Einrichtungsideen simuliert, die mich, ich gebe es zu, vom Design her ansprechen. Bierwerbung erreicht mich auf ihre kumpelige Art nie, aber eine hässliche Tischlampe neben dem Plasma Fernseher gefällt mir. Hier kann man Gäste empfangen, denke ich. Den Gedanken beim Kauf den Bedürfnissen anderer zu entsprechen, hatte ich das letzte Mal als ich schwer verliebt war. Da überlegte ich tatsächlich vor dem CD-Kauf welches Album ihr eher in meinem Regal auffallen würde. Songs in A Minor von Alicia Keys oder Zwei von EinsZwo.
Nach langem Hin und Her blieb ich mir treu, es hat dann mit EinsZwo auch funktioniert, trotz allem muss ich gestehen, es war knapp. Das hätte ganz schlimm enden können mit mir. Eine Lektion, die mich heute davon abhält hässliche Tischlampen neben Plasma Fernseher zu stellen. Da fällt mir auf, ich war schon lange nicht mehr schwer verliebt gewesen. Na, dann bin ich ja bei IKEA genau richtig.
Ich scheine hier der einzige Single zu sein. Zumindest bin ich der einzige, der alleine durch die Gänge irrt. Gerne wäre ich jetzt in der Begleitung jener Person, die von sich behaupten kann, der Warnhinweis in den freistehenden Deko-Toiletten, es gäbe auch echte Toiletten am Ausgang, wäre ihr zu verdanken. Man hätte bestimmt viel Spaß. Stattdessen sehe ich junge Paare, bei denen es sich hundertprozentig um das Thema erste gemeinsame Wohnung handelt. Sie meist sehr hübsch, er unauffällig nebenher trabend. Die Frage, wie ich mich da wohl verhalten würde, stellt sich mir erst gar nicht. Eher überlege ich, was der arme Junge wohl alles an Kompromissen eingeht, um sie zu halten.
Wenn die Beziehung den Gang zu, durch und aus dem IKEA unblutig übersteht, dann ist es was Reelles. Vergnügt sieht dennoch anders aus. So recht verstehe ich es nicht, wie man es schafft, aus einer eigentlich sehr guten Ausgangssituation, so ein stressiges Szenario zu machen. Und wie wehrlos beide dagegen sind. Sie wissen gar nicht wie man das wieder abstellen soll oder warum es überhaupt begann. Beim gemeinsamen Autofahren möchte ich die nicht erleben. Oder: doch!
Ich stehe auffällig teilnahmslos vor einem Regal mit bunten Schuhkartons und beobachte das Geschehen. Dabei komme ich mir recht dämlich vor und warte eigentlich nur darauf, dass er gleich zu mir rübergeschickt wird, um mal anzufragen, ob mein Interesse für bunte Schuhkartons nicht langsam überreizt wäre. Es passiert nichts. Feigling.
Das Badezimmer kann man sich ohne weiteres von IKEA einrichten lassen. Der eigentliche Grund warum ich heute hier bin. Schnell wird mir klar, dass ich allein mit den Regalen, immerhin ab 100 Euro das Stück, den Glamour und die demonstrierte Sterilität bei mir zu Hause nicht hinbekommen werde. Außerdem, 100 Euro für ein Badezimmerregal! Bei den Preisen improvisiere ich lieber mit den Überbleibseln aus meinem alten Jugendzimmer. Da wird sich schon etwas finden.
In den voreingerichteten Wohnungen, Motto: Willkommen in meinen 55m², kommt mir der zweite IKEA typische Menschenschlag entgegen. Sohn/Tochter mit solventem Elternteil. Was die ältere Generation verpasst hat, damals gab es noch keinen IKEA, holt sie jetzt mit ihren Kindern nach. Diese wollen ausziehen und ihnen wird beim gemeinsamen Einkauf mit Mutti noch mal ganz deutlich gemacht, wieso sie das wollen.
„Das gefällt mir in rot.“
„Rot, das passt doch gar nicht zu dir. Du nimmst Grün“
Wer die Kohle hat, bestimmt nun mal.
In der Kinderabteilung spiele ich gerne den alleinerziehenden Vater. Was sehr viel schauspielerisches Geschick abverlangt, schließlich habe ich kein Kind dabei und sonst auch nirgends untergebracht. Der Flirtfaktor ist unheimlich hoch auf diesem Sektor. Mehr Chancen hast du nur auf dem Kiez oder auf jedem x-beliebigen Schützenfest und nüchtern schon mal gar nicht. Heute sind aber nur abgeklärte Eltern mit ihren ADS Kindern unterwegs, die sich untereinander, der Strapazen wohl wissend, zunicken oder das Theater abnicken, belastbar weit über das ausgestochene Auge hinaus. Nee, da fühle ich mich jetzt auch ein bisschen verschenkt.
„Was willst du denn? Außer quengelig und nervtötend sein? Geh mal zu dem Mann, der sich dein Vater schimpft.“ Robin hieß das Kind, das gerade von seiner Mutter zurecht gewiesen wird. Bestimmt Christopher Robin.
Nach der Kinderabteilung kommt noch das Restaurant und danach geht es unten weiter. Ab jetzt wird es interessant.
Ich verlaufe mich. Mir kommen Menschen entgegen, so ist das nicht gedacht, allein die Pfeile auf dem Fußboden bringen mich auf diesen Gedanken. Auf meinen Irrwegen sehe ich einen herrenlosen Einkaufswagen an einem Regal stehen. Ich schnappe ihn mir und laufe weg. Schöner Zufall, wo man ganz regulär einen Einkaufswagen herbekäme, wüsste ich eh nicht. Ein Ehemann versucht tatsächlich bei der Gardinenfrage mitzureden, er korrigiert seine Frau sogar. Den Fehler hätte ich selbst bei meinem ersten Anlauf nicht gemacht. Entsprechend wird er ohne Zögern von seiner Frau zurecht gewiesen. Unglaublich wie viele Paare sich selbst in Krisensituationen noch gegenseitig Schatz nennen. Aus Schatz wird dann irgendwann der Papa und die Mama.
Die Pflanzenabteilung macht mir Angst. Ich höre Stimmen in meinem Kopf. Möööörder, stöhnt da jemand. Schnell weiter.
Man kann sagen: hier unten kostet alles 30 Euro und kostet etwas 40 Euro, dann kostet etwas anderes eben 20 Euro. So kann man leicht mitrechnen. Ich kaufe mir einen Teppich für das Schlafzimmer. Den habe ich zwar bereits bei jemand gesehen und dort liegt er im Flur, aber in solchen Dingen fehlt es mir zum Glück an Extravaganz. Schwere, angeblich licht- und schalldämmende Vorhänge, ebenfalls für das Schlafzimmer. Eine Badleuchte für das unfallfreie Rasieren, eine Garderobe, eine Deckenleuchte für den Flur und eine für die Küche, eine Ofenform aus Glas, acht Kleiderbügel und zwei Stromsparlampen, die ich im Nachhinein nicht benötige. Macht insgesamt 188 Euro. Eingescannt von mir höchstpersönlich. Von einem Rollentausch, ich scanne ein, die Verkäuferin zahlt, wollte die Dame im gelben Hemd nichts wissen.
Ohne einen Hot-Dog geht mir niemand nach Hause. Ich musste einmal von zu vielen Hot-Dogs kotzen. Damals waren die für lau und das Beste an dem Geburtstag. Hier ist es fast genauso. Einen Euro für einen Hot-Dog inklusive einem Dauergetränk. Das Hot-Dog-Selberbelegen ist nur bedingt cool. Soviel mehr Gurken und Röstzwiebeln schafft man nicht auszubalancieren, als dass sich der Aufwand des Rumklecksens und Anstehens an den Saucenspendern wirklich lohnen würde. Die Teigtaschen hingegen kann ich überhaupt nicht empfehlen.
Freitag, 6. August 2010
Die Lehre klingt, doch das Leben zwingt
"Pablo Neruda sagte, das Lachen ist die Sprache der Seele." Lisa Simpson
"Ich kenne die Lehren von Pablo Neruda." Bart Simpson
"Erstens halt' ich nicht viel von Faustregeln, jeder soll seinen [...] Haussegen selbst auspegeln" sinngemäß Dendemann
„Es muss hier endlich mal wieder etwas stehen“ - Texte soll es bei mir nicht geben. Weil ich trotzdem das Bedürfnis hatte etwas zu veröffentlichen, wollte ich mich von anderen Bloggern inspirieren lassen. Nur erzählen die alle von Inception oder verlinken etwas Prestigeträchtiges in der Hoffnung einwenig vom Glamour eines Künstlers oder Sportlers falle dabei auf sie ab. So etwas gibt es hier ebenfalls nicht. Lahm, ich weiß, stattdessen muss man hier immer so viel lesen und so…
Jedenfalls dachte ich mir: schreib doch einfach mal etwas, das zur Überschrift passt.
Es geht um Axiome. Philosophisch aufbereitete Leitsätze, die über Jahrhunderte von schlauen Köpfen ausgeklügelt und weiterverbreitet wurden, bis ins Internet drinne rein. Jedem leuchten diese erleuchteten Sätze sofort ein, man denkt, klar, so funktioniert das, das ist mehr als eine Theorie. Dabei wird vergessen, dass sich Praxis und Theorie immer noch unterscheiden. Viele nutzen solche Zitate und Lebensweisheiten um sich, und noch viel mehr den anderen, aufzuzeigen in welche Richtung ihr Leben verläuft. Verlaufen sollte. Sie entdecken einen klugen Satz, können ihn nachvollziehen und tragen ihn seitdem vor sich her. Wie anstrengend sind Menschen, die eine Erkenntnis mit einer unglaublichen Sicherheit mit sich herumtragen, als hätten sie gerade den Sinn des Lebens entdeckt, jedoch gar nicht danach handeln? Nach dem Motto: Einfach mal die Hand heben und hoffen, man wird nicht drangenommen.
Vielleicht ist es ja wirklich so und sie werden zu besseren Menschen, wenn sie erahnen, dass Kunst den Staub des Alltags von der Seele wäscht oder dass man sich das innere Kind bewahren soll, dennoch würde ich damit sehr vorsichtig umgehen. Das alles bewusst unbewusst zu adaptieren, halte ich für sinnlos ohne die richtige Ambition dahinter. Man sollte sich viel öfters mal fragen: bin das noch ich?
Es ist wie mit der Kleidung: man zieht sich immer nur an wie jemand, der man gerne wäre, nie wie man wirklich ist. Du schon? Nee, auch du nicht. Es ist ja kein Vorwurf, nur bei vielen von uns fest verankert. Man legt immer vor und versucht dann hineinzuwachsen.
Ich dachte schon bei so manchen Sinnsprüchen: ja, so sieht das aus. Aber noch nie kam ich auf die Idee vollkommen umzudenken oder einzulenken und mich dem zu verpflichten. Instinktiv macht man schon irgendwie alles richtig und wenn nicht, dann sollte man mal anfangen selbst zu denken anstatt immer nur das was schon da ist nach zu denken.
Es ist völlig unmöglich manche Ratschläge für ein besseres, freies, unbeschwertes, erfülltes Leben umzusetzen. Im Gegenteil, ich fühle mich davon wahnsinnig unter Druck gesetzt, gar versklavt. Das ist der Grund warum ich diesen ganzen nett gemeinten Scheiß hinter mir gelassen habe. Gerade diejenigen, die sich von den Weisheiten weiser Menschen inspirieren lassen und dies zu allem Überfluss noch in ihre Profile oder auf die T-Shirts schreiben, kommen mir völlig uninspiriert vor. Die Angst ihre Zeit zu verschwenden steht ihnen ins Gesicht geschrieben. "Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen." sagte einst Mahatma Gandhi. Das Wort Geschwindigkeit könnte man auch durch die Wörter Intensität oder Bedeutung ersetzen.
Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzter. Tue ich nicht, halte ich auch für völligen Bullshit. Meine Mutter würde sagen: wenn das jeder machen würde! Die Menschen, die ihren letzten Tag bereits hinter sich haben, haben diesen womöglich genauso verbracht wie jeden anderen Tag auch, bis plötzlich das Klavier vom Himmel fiel. So habe ich das für mich ebenfalls vorgesehen. Oder schlimmer, sie haben den Tag in Angst verbracht. Mal so als Beispiel wie belastend der letzte Tag sein kann. Man soll sich frei von Sorgen machen, der Gedanke dahinter ist klar, aber ich möchte meine Sorgen nicht unterschätzen. Schließlich interessiert es mich, was daraus wird. Wer so lebt, als wolle er später nichts bereuen, wird es bereuen. Wette! Entweder du kommst lachend durch das Leben oder gar nicht. Da kannste Fehler machen wie du willst, dumm sein wie du willst, Pech haben, behindert, schwul und schwarz sein... wer mit dem bereuen anfängt, hat sich für letzteres entschieden.
Diese Lehren klingen verdammt gut und richtig, es ist aber selten das, was einem für den Moment wirklich weiterhilft. Gestern sagte ich zu einer Freundin aufgrund ihrer Probleme, sie solle nach vorne schauen und kam mir dabei gleichzeitig genau so vor, wie dieser Satz ist: saudämlich. Ich habe es daraufhin mit ehrlicheren Worten wieder gutmachen wollen. Hoffentlich hat es geklappt.
Kluge Lebenslehren machen niemanden klüger, sie lassen einen eher achtloser mit seinen Freunden oder mit sich selbst umgehen. Der Satz heiligt ja bekanntlich die Mittel.
Picasso hat Dutzend solcher klugen Gedanken herausgehauen und heute ist er tot. Soviel dazu.
Empfehlen möchte ich trotzdem das Hagakure. Das Lehrbuch der Samurai. Es gibt auch eine gelesene Version von der lebenden Legende MC Torch. Die Lehren drängen sich nicht so auf, haben sich in der Praxis bewährt und der Samurai Hintergrund ist einfach nur cool.
Für das Wochenende genug Leuten ein schelchtes Gewissen gemacht. Bis Montag wenn es wieder heißt:
Viel Lesestoff für einen langen Arbeitstag!
"Ich kenne die Lehren von Pablo Neruda." Bart Simpson
"Erstens halt' ich nicht viel von Faustregeln, jeder soll seinen [...] Haussegen selbst auspegeln" sinngemäß Dendemann
„Es muss hier endlich mal wieder etwas stehen“ - Texte soll es bei mir nicht geben. Weil ich trotzdem das Bedürfnis hatte etwas zu veröffentlichen, wollte ich mich von anderen Bloggern inspirieren lassen. Nur erzählen die alle von Inception oder verlinken etwas Prestigeträchtiges in der Hoffnung einwenig vom Glamour eines Künstlers oder Sportlers falle dabei auf sie ab. So etwas gibt es hier ebenfalls nicht. Lahm, ich weiß, stattdessen muss man hier immer so viel lesen und so…
Jedenfalls dachte ich mir: schreib doch einfach mal etwas, das zur Überschrift passt.
Es geht um Axiome. Philosophisch aufbereitete Leitsätze, die über Jahrhunderte von schlauen Köpfen ausgeklügelt und weiterverbreitet wurden, bis ins Internet drinne rein. Jedem leuchten diese erleuchteten Sätze sofort ein, man denkt, klar, so funktioniert das, das ist mehr als eine Theorie. Dabei wird vergessen, dass sich Praxis und Theorie immer noch unterscheiden. Viele nutzen solche Zitate und Lebensweisheiten um sich, und noch viel mehr den anderen, aufzuzeigen in welche Richtung ihr Leben verläuft. Verlaufen sollte. Sie entdecken einen klugen Satz, können ihn nachvollziehen und tragen ihn seitdem vor sich her. Wie anstrengend sind Menschen, die eine Erkenntnis mit einer unglaublichen Sicherheit mit sich herumtragen, als hätten sie gerade den Sinn des Lebens entdeckt, jedoch gar nicht danach handeln? Nach dem Motto: Einfach mal die Hand heben und hoffen, man wird nicht drangenommen.
Vielleicht ist es ja wirklich so und sie werden zu besseren Menschen, wenn sie erahnen, dass Kunst den Staub des Alltags von der Seele wäscht oder dass man sich das innere Kind bewahren soll, dennoch würde ich damit sehr vorsichtig umgehen. Das alles bewusst unbewusst zu adaptieren, halte ich für sinnlos ohne die richtige Ambition dahinter. Man sollte sich viel öfters mal fragen: bin das noch ich?
Es ist wie mit der Kleidung: man zieht sich immer nur an wie jemand, der man gerne wäre, nie wie man wirklich ist. Du schon? Nee, auch du nicht. Es ist ja kein Vorwurf, nur bei vielen von uns fest verankert. Man legt immer vor und versucht dann hineinzuwachsen.
Ich dachte schon bei so manchen Sinnsprüchen: ja, so sieht das aus. Aber noch nie kam ich auf die Idee vollkommen umzudenken oder einzulenken und mich dem zu verpflichten. Instinktiv macht man schon irgendwie alles richtig und wenn nicht, dann sollte man mal anfangen selbst zu denken anstatt immer nur das was schon da ist nach zu denken.
Es ist völlig unmöglich manche Ratschläge für ein besseres, freies, unbeschwertes, erfülltes Leben umzusetzen. Im Gegenteil, ich fühle mich davon wahnsinnig unter Druck gesetzt, gar versklavt. Das ist der Grund warum ich diesen ganzen nett gemeinten Scheiß hinter mir gelassen habe. Gerade diejenigen, die sich von den Weisheiten weiser Menschen inspirieren lassen und dies zu allem Überfluss noch in ihre Profile oder auf die T-Shirts schreiben, kommen mir völlig uninspiriert vor. Die Angst ihre Zeit zu verschwenden steht ihnen ins Gesicht geschrieben. "Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen." sagte einst Mahatma Gandhi. Das Wort Geschwindigkeit könnte man auch durch die Wörter Intensität oder Bedeutung ersetzen.
Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzter. Tue ich nicht, halte ich auch für völligen Bullshit. Meine Mutter würde sagen: wenn das jeder machen würde! Die Menschen, die ihren letzten Tag bereits hinter sich haben, haben diesen womöglich genauso verbracht wie jeden anderen Tag auch, bis plötzlich das Klavier vom Himmel fiel. So habe ich das für mich ebenfalls vorgesehen. Oder schlimmer, sie haben den Tag in Angst verbracht. Mal so als Beispiel wie belastend der letzte Tag sein kann. Man soll sich frei von Sorgen machen, der Gedanke dahinter ist klar, aber ich möchte meine Sorgen nicht unterschätzen. Schließlich interessiert es mich, was daraus wird. Wer so lebt, als wolle er später nichts bereuen, wird es bereuen. Wette! Entweder du kommst lachend durch das Leben oder gar nicht. Da kannste Fehler machen wie du willst, dumm sein wie du willst, Pech haben, behindert, schwul und schwarz sein... wer mit dem bereuen anfängt, hat sich für letzteres entschieden.
Diese Lehren klingen verdammt gut und richtig, es ist aber selten das, was einem für den Moment wirklich weiterhilft. Gestern sagte ich zu einer Freundin aufgrund ihrer Probleme, sie solle nach vorne schauen und kam mir dabei gleichzeitig genau so vor, wie dieser Satz ist: saudämlich. Ich habe es daraufhin mit ehrlicheren Worten wieder gutmachen wollen. Hoffentlich hat es geklappt.
Kluge Lebenslehren machen niemanden klüger, sie lassen einen eher achtloser mit seinen Freunden oder mit sich selbst umgehen. Der Satz heiligt ja bekanntlich die Mittel.
Picasso hat Dutzend solcher klugen Gedanken herausgehauen und heute ist er tot. Soviel dazu.
Empfehlen möchte ich trotzdem das Hagakure. Das Lehrbuch der Samurai. Es gibt auch eine gelesene Version von der lebenden Legende MC Torch. Die Lehren drängen sich nicht so auf, haben sich in der Praxis bewährt und der Samurai Hintergrund ist einfach nur cool.
Für das Wochenende genug Leuten ein schelchtes Gewissen gemacht. Bis Montag wenn es wieder heißt:
Viel Lesestoff für einen langen Arbeitstag!
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