Dienstag, 22. Dezember 2009

Marilyn Hausmann

"Meine Wohnung lebt, bebt, klebt, denn ich hab seit Dekaden nicht gefegt,
Gewischt, und alles, was dazu gehört
Hätt´ ich doch auf Mutti gehört:
Ach mein Sohn, wie oft hab ich dir schon gesagt,
Mach deinen eigenen Kack wech
Heute fängt sie schon zu kotzen an, sieht sie nur mein Backblech" Fischmob
Neben Fensterputzen, meine Fenster gehen wenigstens noch nach innen auf, weshalb ich sie trotzdem nicht putzen werde, ist Wischen das lästigste, was dir deine Wohnung abverlangen kann. Ich habe Laminat. Damit wird oft in den Wohnungsanzeigen geworben, obwohl es kaum Gründe dafür gibt. Laminat sieht nur aus wie Holz, ist aber Plastik, ein fußkalter Staubmagnet, der selten richtig verlegt wird und obendrauf angeblich sehr empfindlich ist.

Bei der Unterschrift des Mietvertrages ermahnte mich die Maklerin, den gerade neu verlegten Boden nur Nebelfeucht zu wischen. Laminat sei ja so empfindlich. Vor dem Einzug kaufte ich mir, billig billig, einen Wischmop, ohne irgendwelchen modernen Schnick Schnack. Im Grunde ein Kunststoffstiel mit Lappen unten dran. Die Vormieterin hat mir die Bude, und damit auch den Boden, blitzblank übergeben. Die ersten Monate gab es also keinen Grund für mich den Boden zu wischen. Eine Freundin teilte diese Meinung, meinte dennoch mir erklären zu müssen, wie man den Umgang mit dem Mop möglichst Nervenschonend über die Bühne bekommt. Sie empfahl beim Wischen immer ein Tuch bei sich zuführen, falls man zuviel Wasser auf den Boden geklatscht hat. Es besteht die Gefahr, dass der Boden sonst stumpf und oder wellig wird. Laminat ist ja so empfindlich. Ich sah schon die hinterlegte Kaution davon treiben. Meine Nervosität muss auf sie übergesprungen sein. Sie selbst stand kurz vor einem Umzug und wollte plötzlich los, ihren Laminatboden begutachten.

Mehr aus Neugierde als aus einer Notwendigkeit heraus, beschloss ich im Sommer dieses Jahres den Boden zu wischen. Bei geöffneten Fenstern ist die Bude wieder ratzfatz trocken, so meine Idee dahinter. Fläche Freiräumen, Fegen, Eimer, spezielles Reinigungsmittel, Warmwasser, Wischmop, Tuch, allein der Aufwand ließ die Erwartungen steigen. Im Grunde habe ich den Dreck vor mir her geschoben, bis an die Türschwelle ran.

Ein halbes Jahr später, also im Winter, genauer dieses Wochenende, wurde ich gezwungen den Boden ein zweites Mal zu wischen. Bisher haben die Socken den gröbsten Dreck aufgenommen, aber gegen den Schneematsch unter den Schuhen und das Gekleckse beim Kochen und Essen kamen die dünnen Businesssocken nicht mehr an.

Die Werbung würde diese Flecken als hartnäckig bezeichnen. Mal eben drüber gleiten war nicht, stattdessen war Schrubben angesagt. Der billige Teleskopstab des Mops hielt dem Druck nicht stand und brach in zwei Hälften, also musste ich in gebückter Haushälterinhaltung weitermachen. Auf Nebelfeucht war danach geschissen. Viel hilft viel. Auch auf taktisches Vorgehen, um Fußabdrücke auf der frisch gewischten Fläche zu vermeiden, verzichtete ich wohlwollend.
Hauptsache es bremst nichts mehr beim Moonwalk üben. Der Flur bleibt wie er ist, mit mehr Fußabdrücken versehen als der Walk of Fame. Solange draußen Schnee liegt ist das die reinste Sisyphusarbeit.
Die Auszeichnung zum Hausmann des Jahres hat mir meine Waschmaschine verliehen, in Form einer einzelnen Socke. Sowas passiert wirklich.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Avatar - Aufbruch nach Pandora

„Mein Blatt hat 3D Format, mein Stift ist Zauberstab“ Dendemann

Wenn mich mal meine Kinder fragen: „Wie war das denn damals für Sie, als der 3D Film in die hiesigen Lichtspielhäuser Einzug hielt?“, dann kann ich antworten: „yoah, schlecht nicht, schlecht nicht.“

Ich war gestern in dem ersten ernstzunehmenden 3D Film mit realen Schauspielern. Avatar - Aufbruch nach Pandora. Der Film ist ein edel verpacktes Der mit dem Wolf tanzt oder Pocahontas, wie ich gestern lernen durfte. Ein fremder Planet soll von seinen Rohstoffen befreit werden. Doof nur, dass die drei Meter großen, blauen Ureinwohner breitärschig auf den größten Rohstoffvorkommnissen des Planeten hocken. Die Aliens sehen aus, als ob Snoop Dogg der Blue Man Group beigetreten wäre. Um die Ureinwohner zu infiltrieren wird das Bewusstsein eines Menschen in gezüchtete Alienklone transferiert. Wie in Second Life. Bisher waren Wissenschaftler die Auserwählten für die Außenmissionen auf dem Planten mit der für Menschen giftigen Atmosphäre. Bis einer der Nachwuchswissenschaftler stirbt, weshalb dessen Zwillingsbruder den auf die DNA abgestimmten Avatar lenken darf. Ein verkrüppelter Exmarine. Er schafft es in den inneren Kreis der Ureinwohner aufgenommen zu werden und interpretiert die ganze Situation mit der Kolonisierung plötzlich anders. Überraschend kämpft er mit seinen neuen Brüdern und Schwestern gegen die Armee der Eindringlinge, die aus hirnlosen Söldnern besteht. Alles sehr vorhersehbar.
Erst die anfängliche Skepsis, dann die Verbrüderung mit dem Clan, dann der Verstoß aus Selbigen, erneutes Vertrauen gewinnen, Gemetzel, Happy End.

Aber wegen dem Storyboard war ich nicht im Kino. Nachdem sich die Augen an die neue Sichtweise gewöhnt haben, fallen die Effekte gar nicht mehr so sehr auf. Anfangs sieht man richtig wie Szenen nur gedreht wurden, weil man da so schön einen 3D Effekt einbauen konnte. Zehn Minuten hält das an, danach achtet man nicht mehr darauf und lässt es einfach auf sich wirken. Umso kleiner die Details, desto besser kommt die dritte Dimension rüber. Es ist nicht so, wie sich das viele vorstellen. Wenn ein Ball ins Bild geworfen wird, dann möchte man den nicht auffangen und man hält sich auch nicht schützend die Arme vor das Gesicht wenn ein Auto durch das Kino rollt. Wie gesagt, am besten kommen die kleinen Details, wie fliegender Dreck oder langsame Kamerafahrten. Es bringt den Film nicht voran, es stört aber auch nicht.

Letztendlich braucht 3D kein Mensch. Vermutlich ist das der Reiz dahinter, es ist so schön unnütze. In Filmen, die mehr auf das Drehbuch setzen, wird 3D nicht so gut ankommen. Die Gefahr ist natürlich groß, dass um die Effekte herum geschrieben wird. Ich lasse mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Ins Actionkino gehe ich eh selten und Rambo funktionierte bisher auch prima in 2D.

Gedanke: Woody Allen könnte noch mal einen 3D Film drehen. Nicht weil er die neue Technik gut in seine Filme integrieren könnte, sondern weil alle im Kino Woody Allen Brillen auf hätten. Wäre ein tolles Bild. Das muss ihm doch die Tränen in die Augen schießen lassen.

Die Brille kauft man übrigens mit, bei jedem Besuch wieder. Vielleicht ändert sich das, wenn sich das Konzept durchgesetzt und jeder zweite so eine Brille zu Hause rum liegen hat.

Insidergag: Geht Gringo ins 3D Kino…

Montag, 14. Dezember 2009

Meister der blauen Pausen

„Wenn nichts passiert, dann bin ich meistens glücklich
Und dennoch muss ich immer etwas tun“ Sven Regener

Wenn man von dem was man sich vornimmt 50 Prozent in die Tat umsetzt, halte ich das schon für einen guten Schnitt. Kommt natürlich darauf an wie viel man sich vornimmt und wie umfangreich die Unternehmungen sind. Im Grunde ziemlich armselig, könnten es doch 100 Prozent sein. Ich meine, wo liegt das Problem?

Ich achte darauf, dass aus mir keiner wird, der Versprechen macht und im Voraus schon weiß, dass dies mehr eine Geste war, als wirkliches Interesse.
Wenn jemand sich etwas vornimmt, das nur ihn selbst betrifft, wie zum Beispiel in naher Zukunft reich, clean oder dünn zu werden, dann urteile ich da nicht drüber. Soll er. Man muss im Leben nicht immer auf Sieg setzen. Das darf gerne daneben gehen, wie gesagt, 50 Prozent halte ich für eine gute Quote.

Aber wenn man andere an seine genialen Vorhaben beteiligt oder selbst in die Pläne anderer mit einbezogen wird, Besuche, Ausflüge, Investitionen usw., dann liegt mir sehr viel daran, dass ich in Zukunft die betroffene Person, wenn sie wieder von einem Vorhaben berichtet, nicht belächle, sondern sagen kann: genau so wird es gemacht.
Zustimmen tue ich solchen Planungen nämlich fast immer. Warum nicht, denke ich mir. Irgendetwas muss man ja immer tun. Ich bin dabei. Hört sich doch gut an. Ja, natürlich sehen wir uns bald wieder. Na klar kannst du mich jederzeit besuchen kommen, aber ruf vorher an, ich könnte unter der Dusche stehen. Wohl wissend, dass meine voreiligen Zusicherungen, begleitet von einem Schmunzeln, immer noch mehr Wert sind als die leeren Gesten der anderen. Ideal wäre es natürlich wenn man es wie Hannibal Smith machen könnte und mindestens einmal pro Folge sagen dürfe: Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert.
Leider läuft es heute noch oft wie in der Kindheit ab. Irgendetwas wird, mit dem Zusatz wenn du älter bist, versprochen, in der Hoffnung, dass dann Friede herrscht. Das Kind würde sich vielleicht, im Gegensatz zu mir, sogar trauen die richtige Antwort zu geben: Ein Scheiß wird passieren.
Aber es sind ja die Gesten und das Zwischenmenschliche was zählt. Nur kann ich nichts mit solchen Gesten anfangen. Das Einbeziehen deiner Person ist mit Sicherheit gut gemeint, was es aber gleichzeitig zu dem genauen Gegenteil von gut macht.

Menschen, die sich diesem Problem bewusst sind, erkennt man daran, dass sie gar keine festen Zusagen mehr machen. Man könnte sie ja an ihren Aussagen festnageln. Sich alle Optionen offen zuhalten, die Angst jemanden zu enttäuschen und seine Entscheidungen an anderen festzumachen sind jedenfalls keine Lösungen. Auch seine eigenen Worte mit einem „eigentlich“ und dem dazugehörigen Konjunktiv zu endkräftigen, finde ich genauso sinnfrei. Sätze in denen das Wort „eigentlich“ vorkommt, sind eigentlich gar keine Sätze, sogenannte Nullsätze. Jedem sollte sein Wort doch etwas wert sein, nur scheint es mir, dass viele das Vertrauen in sich und andere bereits verloren haben.
Oder auch nicht, mal sehen, sage ich dann…

Um dagegenzuwirken mache ich hier und jetzt aus meinem spekulativen „Natürlich wird das gemacht“ ein handfestes „genauso wird es gemacht“. Soweit ich mich entsinnen kann, habe ich dieses Jahr jedes Mal meinen Worten Taten folgen lassen. 100 Prozent Quote. Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert.

Klar kannst du nächstes Wochenende hier pennen, Christoph
Ab Februar sind wir Nachbarn, Linus
Ich würde sehr gerne mit dir nach Russland fliegen, Julia
Im Mai wird gewandert, Martin
Ich spiele am kommenden Beach Soccer Turnier für den TUS
Und ich fliege mit euch nach Mallorca
Amsterdam steht, Martin

Freitag, 11. Dezember 2009

Partylift

„Gebt mir ein YEAH wenn ihr wisst was ich meine“ Dendemann

Es gibt gewisse Dinge, die steigern das Wohlbefinden von null auf hundert innerhalb einer Sekunde. Möpse. Auch. Aber worauf ich hinaus möchte sind Dinge, die man gezielter abrufen kann als Sonnenschein oder eben Möpse. Es geht um die Zeit vor dem ausgehen, vor dem rausgehen, vor der Party. Wenn das Befinden noch nicht für Wochenendeinsteigermusik wie Dusty Springfield oder A Tribe called Quest bereit ist, dann liegt es nahe, gemeinsam Filme oder Serien auf DVD zu schauen, anstatt ins Wochenende zu schwofen.

Bei mir ist es zum Beispiel die Serie Scrubs. Wenn man die schaut, bevor man irgendwo hinfährt, dann kommt man dort in der Regel total albern drauf und gutgelaunt an. Denselben Effekt haben Monty Python oder Family Guy.

Möchte man sich in eine coole, elitäre, leicht arrogant anmutende Haltung versetzen, sollte man den absoluten Geheimtipp Stuckrad bei den Schweizern anschauen. Schlag- und ausgehfertig nach neun Folgen genialem Einbahnstraßendialog von dem ehemaligen Autor der Harald Schmidt Show Benjamin von Stuckrad Barre.

Vergesst das Gefühl, das ihr habt wenn ihr auf eine Party geht, gerade von einem Konzert kommend, und auf die Frage warum ihr denn jetzt erst aufschlagt, mit: ich war eben noch auf einem Konzert, antworten dürft. Das ist nichts wert, wenn ihr vor der Party einen Helge Schneider Film mit Audio Kommentar vom Meister Himself geschaut habt. Außer bei Praxis Doktor Hasenbein, ihr werdet merken wieso. Etwas Bodenständigeres habe ich selten gehört und gesehen. Viel besser kann man Musik, Schauspiel und Charakter nicht verbinden. Man hat das Gefühl, die ganzen Erkenntnisse könnten abfärben, wenn man es nur oft genug schaut. Helge redet dich in eine beschwingliche Scheißegalhaltung hinein, ich möchte es gar Zufriedenheit nennen.

Wird das Milieu sozial auffälliger, empfehle ich den Film Menace II Society. In den 97 Minuten wird öfters das N-Wort benutzt als auf jeder ONYX Platte. Dazu werden Knarren schräg gehalten, Fastfood gefressen, Joints geraucht und ausschweifende Partys gefeiert mit dem dazu passenden Soundtrack. Der Film Kids haut in dieselbe Kerbe. So langsam sollte ich aus dem Alter raus sein mir solche vorpubertären Gangsterfilme anzuschauen, aber normalpubertäre Gangsterfilme wie Scarface sind so lähmend, die funktionieren nicht vor Partys in Nbg an der W.

Es ist unausweichlich, dass es in Verbindung mit Alkohol irgendwann losgeht sich gegenseitig mit lustigen Youtube Videos zu übertrumpfen. Noch in dieser Phase sollte man aufbrechen. Dieses Otto Waalkes typische „Einen hab` ich noch…“ hört nicht auf und man verpasst den Anschluss an Bus, Bahn oder Gesellschaft.

Was ich persönlich für eine sehr gute Idee halte, ist es klassische Musikvideos von DVD oder wer hat, von Festplatte eines DVD Recorders abspielen zu lassen. So hat man Musik und einen Blickfang. Den Rest kann man auf Konversation setzen. Das funktioniert noch besser, wenn man zuvor ein paar Stunden dieser „die lustigsten Homevideos“ Sendung aufgenommen und den dicken Kommentator rausgeschnitten hat. Beißende Hunde, fallende Skater, plumpsende Kinder, dumme Menschen allgemein garantieren in Bierlaune den einen oder anderen Lacher. Das läuft tonlos neben der smoothen Musik und wenn man mal nichts zu reden hat, schaut man da halt hin. Jackass oder ähnliche Formate werden sogar noch untertitelt und eignen sich perfekt für unter der Musik. Wo ich vorhin den Film Kids erwähnte, dort läuft im Hintergrund ein Skater Video. Sehr cool, aber da muss man schon eine gewisse Grundstimmung mitbringen und wie wir alle wissen, macht man sich durch nichts schneller unbeliebt, als tanzend einen Raum zu betreten.


Und das trinken dabei nicht vergessen.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Jahresrückblick 2009

"This is it, I can say
I’m the light of your world , run away
we can feel, this is real
Every time I’m in love that I feel" Michael Jackson

Was ihr hier lest ist die dritte Version des Textes. Erst wollte ich aufzählen was war gut, was war nicht so gut dieses Jahr, während ich das so aufschrieb dachte ich: ein Glück musst du das nicht lesen. Ist das Langweilig.
Beim zweiten Anlauf wollte ich es mir einfacher machen und stumpf eine Linkliste erstellen, die für sich sprechend, das Jahr rekapitulieren sollte. Nicht so schlecht die Idee, aber gewisse Dinge müssen abschließend gesagt werden, die ich so nirgends im World Wide Web fand.

Jetzt also doch einwenig plaudern.

Finanzkrise einander mal

2009 ist im Nachhinein betrachtet, und darum geht es ja bei einer Retrospektive, ein ziemlich ereignisreiches Jahr gewesen. Irgendwo las ich auch von 2009, dem Krisenjahr. Im Managermagazin womöglich. 2008 fing die Scheiße mit den Lehmann Brothers an. Letztes Jahr war ich ein frischgebackener, also arbeitsloser, Bauingenieur, der, falls er die Gelegenheit gehabt hätte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, eine ganze Versicherungsgesellschaft mit seinen Beiträgen durch die Krise hätte schleppen können. In der Zeit habe ich mich unter der Finanzkrise schön weggeduckt und Tabletten gegen meinen gereizten Spinalnerv gefressen, als wären es Nimm 2.
Im Dezember 2008 unterschrieb ich einen Arbeitsvertrag, der mir die Möglichkeit eröffnete nach Bremen zu ziehen. Die ersten Wochen wohnte ich noch bei einer Freundin, bis ich im Februar meine eigene Wohnung bezog.
Die eigene Wohnung. So mächtig wie das klingt ist es nicht. Ich finde es wichtig, dass man das mal sagt, sonst denken andere sie müssten um so etwas ein riesiges Geschiss machen. Abitur, erstes Auto, erster Arbeitsvertrag, erste Wohnung, 30, Kind, Hochzeit, Scheidung. Darauf darf man anstoßen, aber bitte erzählt mir nicht, wie heftig das alles ist.

Das alte, leidige Thema

Wenn Ärzte sich Röntgenbilder anschauen, sollten sie nicht fluchen. Allgemein sollten Ärzte nie fluchen. Mein neuer Neurochirurg verschrieb mir innerhalb von zwei Minuten eine Physiotherapie. Ich bekam letztes Jahr bereits Physiotherapien und ging dazu noch ins Fitnessstudio, ein speziell auf Bandscheibenprobleme abgestimmtes Programm. Besser wurde es nur für kurze Zeit. Was bei der Tortour letztendlich herauskam waren erneut Rückenschmerzen. Nun hat man in Bremen eine größere Auswahl an Ärzten und Kompetenzen. Der erneute Anlauf einer Physiotherapie verzeichnete früh Erfolge. Vor allem, weil mir endlich vieles richtig erklärt wurde. Die Psyche mischt sich ja in jede Krankheit ein und wenn es ein gebrochenes Bein ist. Seit ungefähr dem vierten Quartal kann ich gänzlich auf Tabletten verzichten. Selbst das Härteprogramm, Ostkurve im kalten Weserstadion, läuft problemlos ab. Die versprochene Besserung ist eingetreten. Leider wurde mir auch versprochen, dass ich eine vollkommene Heilung, mit der dazugehörigen Beweglichkeit, bei meinem Schreibtischjob ausschließen könne.
Die Schlacht ging aber erstmal an mich. Ich darf wieder Fußball spielen und habe im November mein erstes Spiel gemacht. Konditionell ungefähr auf demselben Niveau, auf dem sich Paul Gascoigne heute befinden dürfte, aber dafür sind die zwanzig Minuten, die mir vergönnt wurden, schmerzfrei abgelaufen. Ich konnte sogar einwenig brillieren.

Extrablatt, Extrablatt, alle Tot
Was wurde in diesem Jahr viel gestorben? Wenn ich die ganzen Einträge lese und die schlecht zusammengestellten Videos betrachte, mit dieser scheiß Musik unterlegt, dann hoffe ich, dass diese Social Network Blase bereits geplatzt ist, wenn ich abtreten muss.
Zeitweise fühlte ich mich richtig bedroht von Leuten, die mir ihre Links und Gruppeneinladungen schickten. Mir kam es vor wie am 11. September, als mir von überall her gesagt wurde, was ich zu empfinden habe.
Jeder soll auf seine Weise trauern, aber ich weigere mich zuglauben, dass es irgendwem hilft mit seiner Trauer besser fertig zu werden, indem er sie über das Internet verbreitet. 99 Prozent dieser „Trauernden 2.0“ geht es bei ihrer Anteilnahme nur um den Gutmensch Charakter, den man billig absahnen kann. Trauer, Pietät und Mitgefühl funktionieren im Stillen viel besser.
Einige machen sich noch nicht einmal die Mühe Rest in Peace auszuschreiben.
Und warum auf Englisch, warum nicht auf Chinesisch? Hat man sich das etwa irgendwo abgeschaut? Genau wie das Verhalten in solchen Situationen einfach kopiert wird? Nach dem Motto: Mein gewissen ist rein, ich habe ein Kreuz an den virtuellen Straßenrand gestellt?
Eine StudiVz Gruppe zum Gedenken an einen verstorbenen Menschen zu gründen, macht aus dir noch lange keinen besseren Menschen.

Allgemein wurde sich dieses Jahr wie bescheuert auf Gutmensch Themen gestürzt: Trauer, Mitleid, Toleranz, Ein Herz für Blogs, daran sieht man mal wie verunsichert alle sind.

Der King of Pop lebt im Kühlregal

Die mediale Inszenierung von verstorbenen Personen des öffentlichen Lebens ist zum einen Berichterstattung und zum anderen ein Fluch für die Verbliebenen. Wenn es hieß Michael Jackson wurde in einem Studio gesehen, dann interessierte mich das genauso wie dessen Todesursache. Nämlich sehr. Was da dieses Jahr in den Medien passierte, war nur die logische Konsequenz eines arrangierten Lebens und die ganzen R.I.P. - Schreiber kaufen konsequenterweise die CD Regale leer.
Ich wurde tatsächlich von jemand gefragt, ob bei 6 GB Michael Jackson Material alles dabei sei…
Wen Michael Jackson nicht als Kinderstar oder Frontmann der Jacksons oder als Solokünstler erreicht hat, den hat er spätestens mit seinem Tod erreicht. Wie viele das letztendlich wirklich waren, soll jeder für sich einschätzen.
Ich bin mal gespannt, wann die Werbung Michael Jackson ausschlachtet, wie bei Elvis mit dem Curry King...

Courage und Suizid

Dominik Brunner wird vor lauter Zivilcourage von ein paar Jugendlichen erstochen und Robert Enke hat Depressionen und schmeißt sich vor einen Zug. Natürlich besteht besonders im zweiten Fall ein öffentliches Interesse. Nur wie mit der Trauer umgegangen wurde, war für viele wieder die falsche Art. Der Trubel war pietätlos und wer das behauptete war selber pietätlos und kann sich mal bitte jemand Gedanken um den Lokführer machen usw.
Hätten die mal alle die Schnauze gehalten. Klar haben die Medienmacher am Modell Michael Jackson gesehen, wie sich mit der Verunsicherung der Menschen und deren daraus entstehender Auseinandersetzung mit dem Reizthemen Tod und Anteilnahme, Kasse machen lässt. Wäre Michael Jackson noch am Leben, dann hätte es keine Kerner Sondersendung über den Tod von Robert Enke gegeben. Sage ich.
Wie wenig wirklich nachgedacht wird, sah man an dem Länderspiel Deuschland : Elfenbeinküste. Vor dem Spiel fanden eine Schweigeminute und sonstige Huldigen für den verstorbenen Nationaltorhüter statt. Es wurde nochmals an die schwere Last erinnert, die Robert Enke mit sich herum trug. Alles verständnis- und rücksichtsvolle Menschen im Stadion, denkt man. Als dann in der circa 70. Minute Mario Gomez eingewechselt wurde, wurde dieser von demselben Publikum, noch vor dessen ersten Ballkontakt, ausgepfiffen. Idiotie, wie sie die Simpsons-Macher nicht besser hätten inszenieren können.
Außerdem wette ich, dass Leser mich darauf ansprechen werden, dass ich ja selber Stellung nehmen würde und dass man so was nicht schreiben dürfe. Dazu kann ich nur sagen: lasst mich, ich habe Depressionen.

Apropos, das Thema Depression ist zurzeit total hip. Wenn jetzt eine weitere Staffel von Germanys next Topmodel laufen würde, dann gäbe es keine Diskussion über mangelnde Bildung oder Magersucht, sondern die dummen Bohnenstangen wären alle Depressiv. Mit Sicherheit.

Musik, Buch, Film – Glück ist positiver Cashflow
Musik, Buch und Film bleiben in Kombination ein guter Parameter um das Jahr einzuschätzen.

Ich bin oft ins Kino gegangen. Die kindliche Vorfreude musste ich mir nie erhalten, für mich wird der Kinobesuch immer ein Ereignis, auf das es sich zufreuen lohnt, bleiben. Egal wie der Film letztendlich war. Ähnlich wie beim Stadionbesuch, für Licht- wie Fußballspiel gilt: beides kann ereignislos ablaufen.
Ganz in meiner Nähe wohnt eine Videothek, mit einer bisher ungekannten Vielfalt. Man kann nachfragen, bekommt Empfehlungen und sogenannte Geheimtipps. Da kann das Internet nicht mithalten. Der Preis ist ungeschlagen, billiger als jede Abmahnung, weshalb ich auch dutzende Filme in diesem Jahr gesehen habe. Der beste von Ihnen war Inglorious Bastards.

Das Knalleralbum dieses Jahres kam bereits 2008 heraus. The way I see it von Raphael Saadiq. Ansonsten wurden 2009 viele gute Alben veröffentlicht. Jay Z, Reakwon, Jan Delay, Depeche Mode, U2, Air, Jochen Distelmeyer, Element of Crime, Muse, Williams usw. Wirklich gekauft habe ich mir davon keins. Das wird aber nachgeholt, sobald ich einen neuen CD-Player, bzw. mich mit iTunes angefreundet habe. Meine größte Aufmerksamkeit genießt weiterhin das totgesagte HipHop Genre und dem damit verbundenen Ausverkauf der Vinyl Scheiben. Eine Single für 3 Euro, Ein Album 6 Euro, bitte!
Viele gute Bands erschlossen sich mir, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte. Bei anderen, mir bekannten Interpreten, entdeckte ich wiederum in den Tiefen ihrer Discographie so manche Perle. Die Charts habe ich mir mittlerweile, eher unfreiwillig, völlig abgewöhnt.
Drei Jahre ohne MTV oder Viva gehen spurlos an einem vorbei.
Genau wie die großen Festivals wieder Mal an mir vorbei gingen. Trotzdem war ich, für meine Verhältnisse, auf vielen Konzerten vertreten. Ob die Band Live besser ist, kommt natürlich auf die Band an. Der Zustand Live garantiert noch lange kein gutes Konzert. Das denken häufig kleine Jungen mit Zahnspange, die trotz allem eine Chance bei Mädchen haben wollen, die genauso denken. Ich wurde aber nicht enttäuscht, gerade Kool Savas hat seit dem Splash Finale von 2005 nicht nachgelassen.

Meinen Vielleserstatus (ab 30 Bücher im Jahr. Habe ich mal irgendwo gelesen, was sonst?) dürfte ich knapp verfehlt haben. Ist mir eigentlich nicht wichtig, nur, wenn man die Zeit für Bücher findet, hat man anderes ebenfalls im Griff. Diesen Eindruck bekam ich jedenfalls über die letzten Jahre. Total simpel, wer braucht da noch Feng Shui?

Der Verein
Klinsmann ist dann doch voreilig entlassen worden, was natürlich einzig an den hohen Erwartungen lag. Experiment fehlgeschlagen und mit van Gaal auf nun mal sicher gehen. Von wegen. Schwierige Holländer. Die Saison verläuft nicht optimal, aber ich habe auch schon gute Spiele in diesem Jahr gesehen.
Was mich beruhigt, obwohl es gar keinen Grund zur Unruhe gibt, ist die Tatsache, dass Bayern selbst bei einem Neuanfang nach der Ära Hoeneß und einem eventuellen Scheitern van Gaals mit den jungen Spielern eine super Mannschaft zusammen hat. Kroos, Müller, Badstuber, Lahm, Schweinsteiger und Gomez sind über die nächsten Jahre eine gute Grundlage um Deutscher Meister zu werden. Wer die Mannschaft erweitern wird, seien es schwer zu haltende Stars wie Ribery, Robben oder Demichelis, oder ob neu eingekauft werden muss, ist dabei egal. Aber wie es aussieht nimmt alles ein glückliches Ende. Wie so oft.
Bayern Kontext gehört in jeden Jahresrückblick.

Dein Lieblingsmensch

Die Gefühlslage schwankte so vor sich hin. Ein paar Menschen haben mich positiv überrascht und andere hingegen nachhaltig enttäuscht. Nachhaltig ist gut... auch nicht mehr als sonst. Unabhängig von meiner Erwartungshaltung. Das betrachte ich aber als normal. Dafür kenne ich einfach zu viele Menschen, als dass es immer untereinander glatt läuft und außerdem ist es ja schon schwierig genug mit sich selbst klar zukommen. Leider habe ich viele Dinge, die ich ändern oder anpacken wollte, nicht geändert oder angepackt. Das muss ich mir vorwerfen lassen. Mir gegenüber.
Ich wollte die Hände mehr in die Hosentaschen stecken, anstatt sie in den Jackenärmel verschwinden zu lassen. Das sieht so unreif aus. Im Taxi wollte ich mich nach hinten setzen. Bei allen drei Taxifahrten in diesem Jahr saß ich wieder vorne. Das Thema Fremdsprachen habe ich fast aufgegeben, ich kann es einfach nicht. Guido, mach was.
Optimistisch gesehen, gehen mir für 2010 die Vorhaben so schnell nicht aus.
Das Archiv reflektiert mein Jahr im Grunde genug.

2009… This is it.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

Montag, 7. Dezember 2009

Truck me harder Mothertrucker

„Ich stehe zu meinem Laster wie Spediteure“ Dendemann

Mein Urlaub ist geplant. Wie ich bereits erwähnte, ist der klassische Club Urlaub nichts für mich. Urlaub ist sowieso das falsche Wort. Meine freien Tage in der ersten Juni Woche sind verplant, ist richtiger. Es geht auf Achse. Martin, der während der vorlesungsfreien Zeit sich das Geld für die horrenden Studiengebühren mit LKW Fahren verdient, fährt auch dieses Jahr wieder und nimmt mich sogar mit. Wir liefern Fracht aus in alle Herrenländer. Wahrscheinlich aber nur nach Dortmund oder Bochum, maximal Österreich. Hoffentlich Österreich. Vorgenommen hatten wir uns das schon lange, nur wie es halt so ist, jeder macht seinen Kram und schwups ziehen die Jahre ins Land.

50 Tonner. Das klingt nach Arbeit, ist es aber nicht. Nicht für mich. Eher Kategorie komfortabler Abenteuerurlaub. Jeden Tag wird mindestens ein Ganove zur Strecke gebracht.
Die heutigen Lastkraftwagen erinnern mehr an ein Wohnmobil mit Einbauküche als an ein Nutzfahrzeug. Luxus pur. Früher, als mein Vater noch Zuckerrüben zwischen alle Herrendörfer kutschierte, durfte ich hin und wieder mitfahren. Damals hatten die Trucks, wenn es hochkam, eine Schlafkabine direkt hinter dem viel zu harten Fahrersitz. Mein Vater behauptete einst, dass LKW Fahren erst richtig Spaß mache, wenn man Kolonne fahre. Er meinte damit wohl die halbstündigen Überholmanöver. Über Funk wurde verabredet, dass der hinterste LKW auf die linke Fahrbahn ausschert und die gesamte Autobahn hinter sich staut, die anderen vor ihm ziehen alle in die frei gewordenen Lücke und überholten. Bergauf.
Entdeckte man eine Kontrolle von der Rennleitung (Polizei), wurden entgegenkommende Kollegen mittels hochhalten der orangefarbenden Tachoscheibenverpackung gewarnt. So eine Kameradschaft findet man auf der Straße heutzutage nur noch in Motorradgangs.

Martin ist ein richtiger Mothertrucker. Jederzeit bereit die Tachoscheibe zu fressen oder bei schlimmeren Vergehen auch mal eine Entführung vorzutäuschen. Mein Job wird es sein Martin die Muntermacher in den Mund zu werfen und alles textlich zu dokumentieren. Bild- und Videomaterial wären, was die Beweislage angeht, ein Schuss ins eigene Bein. Ich bin mal gespannt, wann auf unserer Tour das erste Mal auf die Funkdisziplin geschissen wird. Das wird groß, Schmidt groß. Danach werden wir uns womöglich ein Jahr nicht wieder sehen wollen.

Donnerstag, 26. November 2009

Woo Hah!! Got You All in Check

"Ab und zu und ab und zu oft blick ich zu Boden
was soll ich euch noch erzählen außer ein paar kleinen Episoden" Dendemann

Wenn man bei mir die Straße runter geht, so grob Richtung Flughafen, dann kommt man zwangsläufig zu den hässlichen Mehrfamilienbauten, die bevorzugt von Familien mit Rotzlöffelkindern bezogen werden. Die Slums von morgen, schon heute. Diese 30stöckigen architektonisch einfältigen Skelettbauten markieren überall den Stadtrand. Es leben so viele Menschen auf engsten Raum gegeneinander, dass sich in der unmittelbaren Nähe eine eigene Infrastruktur bildet.

Meine Slums haben noch den ersten Anstrich und wirken so, als ob hier wirklich an ein fortschrittliches Wohnkonzept geglaubt wurde. Neben der Apotheke und dem Friseur gibt es einen Penny und einen Plus geradewegs gegenüber. Vor einer Gaststätte, die gleich mehrere Kegelbahnen aufbieten kann, sitzen Rentner im Jogginganzug, kombiniert mit Sandalen, und begaffen die Anwohner, um sie beim Falschparken zu erwischen.

Wenn die Sonne durch die Regenwolken bricht und auf den Sichtbeton scheint, dann komme ich mir vor wie an der Nordsee. Die ganzen Markisen und der falsche Italiener tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Braunschweigs Innenstadt ruft dieselbe Assoziation in mir hervor. Nordseeurlaub war nie so toll. Bis heute habe ich den Verdacht, dass meine Eltern mir irgendeine schlimme, in meiner Kindheit diagnostizierte, Krankheit vorenthalten. Anders kann ich mir diese Saunatherapien und Wattwanderungen nicht erklären.

Im Gegensatz zu den Slums leben in meinem Haus ganz genau acht Parteien. In letzter Zeit gab es eine große Fluktuation. Die Nachbarn unter mir sind ausgezogen. Schätze mal wegen mir. In meiner ersten Woche kamen die an meine Tür und schenkten mir diese filzigen Lärmblocker für unter die Stuhlbeine. Darauf fragten sie, ob ich hier nun wohnen bliebe oder ob die Vormieterin, dieses unkommunikative Trampeltier, wiederkommen würde. Da konnte ich sie beruhigen.

Neben mir wohnte ein junger Airbus Mitarbeiter und Mountainbikefahrer. Mountainbike in Bremen… Der ist jedenfalls auch raus und dafür ein junges Paar drin. Die sind ganz nett, von denen habe ich mir mal einen Korkenzieher geliehen. Unten links wohnt eine ältere Dame, die mit einem südländisch aussehenden Typen eingezogen ist. Auf dem neuen Klingelschild standen zwei Namen, also nicht verheiratet. Standen, weil eine Woche später der hintere Name grob weggerissen wurde. Den Mann habe ich seitdem nicht mehr gesehen. Hat wohl nicht funktioniert. Jedenfalls wohnt die ältere Dame jetzt mit ihrer Tochter zusammen. Ob die Tochter volljährig ist, ist schwer einzuschätzen. Ansonsten hätte ich gesagt: scharfe Scherbe.

Im Hausflur habe ich vor kurzem vier junge Menschen getroffen. Höchstwahrscheinlich Studenten. Der einzige Junge unter ihnen und eine der jungen Frauen sahen aus, als ob sie direkt vom Mittelmeer hergezogen seien. Sie sprachen auch nur spanisch miteinander. Die anderen beiden Ladies waren, und diesmal bin ich mir absolut sicher, wahnsinnig Attraktiv. Abends hörte ich auf dem Flur wie Singer Songwriter Musik aus der Wohnung kam, was meinen ursprünglichen Verdacht, dass es sich hier um Stundenten und Spanier handeln müsse, bestätigte.

Bis auf diese zufälligen Begegnungen treffe ich nie jemanden aus dem Haus an. Dabei steigt nicht nur wegen der jüngeren Menschen mein Interesse an der Nachbarschaft.

Es interessiert mich brennend wer von denen meine Mülltonne mitbenutzt und wer die zweite Papiertonne beschlagnahmt hat und wer meine Zeitung aus dem Briefkasten klaut. Okey, dagegen habe ich nichts, es ist dennoch unheimlich. Ein anderer Mieter stopft dafür seine Tageszeitung und Reklame bei mir in den Kasten. Ist es derselbe, dem die Katzen im Flur gehören? Meine Pakete nimmt auch irgendwer unkommentiert entgegen und legt sie vor meine Tür. Nett, aber bei wem bedanken und wen schreiend aus dem Kellerverschlag anspringen, wenn er oder sie auf den Weg zu den Mülltonnen ist? Irgendwer lässt im Keller auch immer das Licht brennen. Wenn ich aus dem Haus gehe, sehe ich oft zwielichtige Gestalten hinter ihren Vorhängen stehen, wie sie mich beobachten, so, als ob ich der Böse wäre. Die führen bestimmt Buch, um ihre Anschläge besser planen zu können.

Wenigstens gibt es hier keine Rotzlöffelkinder.

Montag, 16. November 2009

Hygienegott mit Fahne

„Auf den Alkohol, dem Ursprung und die Lösung all unserer Lebensprobleme“ Homer Simpson

Hygienethemen sind sehr beliebt. In Blogform wie in Gesprächen, die keinen höheren Standard beanspruchen. Auf Partys oder mit Frauen zum Beispiel. Die Leute hören einem aufmerksam zu und lauern auf einen Fauxpas. Gleich verhaspelt er sich und gibt zu, dass er nur eine Unterhose besitzt. So in etwa. Oder das genaue Gegenteil tritt ein, dann ist man zu dekadent oder penibel. Was Hygiene angeht, schweben alle auf Wolke Sieben und denken in Fünfsterne Hotelstandards. Selbst jetzt in diesem Augenblick wird das hier gelesen und gleichzeitig gedacht: der hat doch was zu verbergen. Nasenhaare oder schlimmeres. Haare eh nur auf dem Kopf, wenn überhaupt und schon wären wir mitten in einem Dialog. Damit kann man Stunden füllen. Gerne auch mal aus der passiven Rolle heraus mit einer Randbemerkung angewidert zurückschießen: Was benutzt du? mach dich doch nicht lächerlich.

Darum soll es hier jedoch nicht gehen, sondern um ein anderes, beliebtes Thema, das ebenfalls lebhafte Gespräche ohne jeglichen Anspruch verspricht. Auf Partys oder mit Männern zum Beispiel. Reizthema Kriegsschuldfrage äh... Lieblingsbier.

Bevor ich das erste Bier trank, hörte ich bereits HipHop. Die angepriesenen Marken waren in deutschen Rapgefilden oft Heineken oder Beck´s. Ich schätze mal wegen der Rhymes. Und weil man hierzulande kein Old English erwerben konnte, waren es bei mir anfangs genau deshalb Heineken und Beck´s. Zumindest standen die auf dem Wunschzettel ganz oben. Getrunken wurde, aus geografischen und traditionellen Gründen heraus, Herforder Pils. Was die örtliche Feuerwehr trank, das wurde auch in der Dorfkneipe ausgeschenkt und so etablierte sich die Marke in der Region. Ansonsten wurden Schellen verteilt. Wichtig war das für die Nachbarschaftshilfe, da diese in Bier vergütet wurde. Bei der Marke musste man sich einig sein, sonst war das vorerst der letzte Schwarzbau, der unter Nachbarn hochgezogen wurde. Oder anders ausgedrückt, hattest du Haake Beck im Keller stehen, konntest du im Fall eines Brandes lange auf die Feuerwehr warten. (Ich habe an dieser Stelle ebenfalls einen Reim erwartet)

Vorweg, gekühlt kann man jedes Pils trinken.
Einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits auf Empfehlung eines gewissen Herrn Hans A., tranken wir eine zeitlang das unterschätzte Hansa Pils. Alles andere ist euer Bier.
Die 0,33 Liter Dose Hansa Pils kostete damals ungeschlagene 50 Pfennig. Palettenweise haben wir das Zeug aus dem Markt getragen.
Einmal bin ich mit Lunchmann und Klöden los um neue Reserven anzulegen, als Rösschen, die gute Seele, meinte, wir sollten unbedingt noch eine Familienpackung Klopapierrollen mitbringen. Kein Ding. Lunchmann und ich beförderten drei Paletten feinsten Hansa Stoffs auf das Kassenband, während Klöden an die riesige Packung Kackband dachte. Grau, einlagig, umweltbewusst.
Wenn man nur zwei Produkte kauft und eines davon ist Klopapier, dann ist es völlig egal, was das zweite Produkt darstellt, das Klopapier wirkt immer wie eine an den Kauf gebundene Sicherheitsmaßnahme. Wie auch in diesem Fall. Für danach, kommentierte Klöden den Kauf.
Mein Vater behauptete, von dem Gesöff würde man früher oder später blind werden. Jaja, solche Sätze behält man nicht lange im Ohr. Vor allem nicht, wenn sie von so mondänen Flaschenbiertrinkern kamen. Eines Nachts, ich schlief aufgrund eines übertriebenen Hansa Pils Genusses wie ein Apfel (mit Stiel nach oben), fiel, wie so oft seitdem ich meine Anlage und Playstation und sonst alles an der einen Steckdose hinterm Fernseher angeschlossen hatte, bei uns im Haus der Strom aus. Wenn man nun in der finstersten Nacht aufwacht und man sieht weder die vertrauten Stand By Lichter diverser Elektrogeräte noch den Wecker oder das Mondlicht, dann kann man schon mal in Panik geraten. Was für ein Horrorerlebnis und das Ende der Hansaära.

Da man alles einmal getrunken haben sollte, erwogen wir die anstehende Center Park Woche für eine ausführliche Bierprobe zu nutzen. Im Idealfall sollte ein neues Stammpils dabei herausspringen. Zugelassen zur Probe waren nur Dosenbiere. Monate vorher durchsuchten wir die Regale der flächendeckend reichlich vorhandenen Spirituosenanbieter. Tankstellen unter anderem. Es kam einiges zusammen. Wir dekorierten den Couchtisch in unserem Bungalow mit den Dosen und warteten den richtigen Abend ab, um eine unverfälschte, fundierte Analyse zu erstellen. Soll heißen, wir warteten auf einen nüchternen Moment.
Von dem Ergebnis der Bierprobe weiß ich nichts mehr. Ich weiß nur noch, dass ordentlich Dosenbier übrig blieb. Diese verstauten wir in einem Karton und nahmen sie mit zu dem Bungalow, der erst vor kurzem kennengelernten Mädelsgruppierung. Ich weiß auch nicht mehr wer von uns den Karton trug, ist ja auch egal, jedenfalls gab der durchgeweichte Boden nach und erbrach die Dosen aus einer ordentlichen Fallhöhe auf den Teppich des Wohnzimmers. Mehrere Dosen platzten dabei auf und veranstalteten im Raum eine heitere Schaumparty. Leider sahen das nicht alle so. Bis auf weiteres wurde wieder auf Flaschenbier umgestiegen.

Der Reichtum, oder besser gesagt die Erkenntnis am Bier nicht zu sparen, brach über uns herein. Kilkenny, Budweiser, Desperados, Miller Genuine Draft, Heineken, Strongbow usw.
Man trank eh nur zwei, drei Biere, bevor es zum härteren Zeugs überging. Das muss die Intention gewesen sein, ansonsten kann ich mir den Luxus nicht erklären.
Heutzutage trinkt man ja nur noch phasenweise. Bierphase, Fleischeinwurf, Schnapsphase usw.

Im Nachhinein kann ich von mir behaupten alles Handelsübliche am Hals gehabt zu haben, was mir zu einem empirischen Urteil verhalf: Hauptsache der Schnabel ist nass.
Nee, also stimmt schon aber mein Lieblingsbier ist Staropramen. Das Beck´s des Ostens, wie ich es nenne. Auch wenn es widersprüchlich klingt, klingt es dennoch gut. Zurzeit ist es sogar das süffigere Staropramen Granat. Dunkelbier vom Fass.
Preislich wie geschmacklich ist es einfach das alltagstauglichste Pils, das es gibt und zwar, das es überall gibt. Prost. (Liebe Staropramen Brauerei, meine Adresse lautet Alsterdorfer Straße 108)

Sonntag, 15. November 2009

Neue Meister

"Die Strafe entspricht der Schuld: aller Lust zum Leben beraubt zu werden, zum höchsten Grad von Lebensüberdruß gebracht zu werden." Kierkegaard

Ich habe am Samstag die Ausstellung Go for it! Olbricht Collection (a Sequel) in der Weserburg –Theater für moderne Kunst– besucht. Für einen Euro mehr, kann man eine Kombikarte erstehen und das gegenüberliegende GAK (Gesellschaft für Aktuelle Kunst) gleich mitbesuchen. Habe ich gemacht.
Ich gehe privat nicht besonders oft in Museen, eher selten oder für den, der es ehrlich mag: nie. Demzufolge bewege ich mich nicht so selbstsicher durch die Gänge, wie das die Rollkragenpullovertragenden Kunstinteressierten tun, die ihre Arme hinter dem Rücken verschränken und das Programmheft bei sich führen. Sie beugen sich bei jedem Bild leicht vor, als wären sie in der Adult Ecke der Videothek gelandet. Diese Leute erkennen vermutlich auch nicht mehr als ich wenn sie über ihren Brillenrand schauen.
Über die ausgestellten Künstler hatte ich mich vorher überhaupt nicht informiert.
Kunst ist wie Musik, dachte ich. Wenn mich der Song oder das Bild oder die Kunst an sich nicht innerhalb von 30 Sekunden erreicht, dann kriegt es mich nie. So darf man ruhig denken, keine Angst vor der Hochkultur.

Die Gänge sind lang und verwinkelt, viel schlimmer als in jedem Supermarkt. Ich legte ein ziemliches Tempo vor und bekam beim überholen der anderen Besucher ein schlechtes Gewissen. Die 30 Sekundenregel befolgen! was sollen sonst die anderen denken? ermahnte ich mich.

Die Bilder und Skulpturen sahen wirklich gekonnt aus. Ich könnte jetzt über die hohe Kunst der Fuge fabulieren, habe aber offen gesagt überhaupt keine Ahnung davon. Die Kunst ist zum Glück modern und deshalb sehr ausdrucksstark. Im ersten Teil fließt viel Blut, Totenköpfe, Gerippe, nackte Menschen in eindeutigen Positionen, Titten, Schniepel und so weiter. Kann man denn noch mit Sex schocken oder ist das schon der Sex nach dem großen Schock?
Es muss ja immer weitergehen mit dem Sex, auch in der Kunst.

Ein Dom wurde von Wim Dolvoye in einem geschätzten Maßstab von 1:100 aus Metal nachgebaut, nachgebogen. Da erkennt man die Zeit, die Anstrengung dahinter und das Detail darin, das ist Stumpf, das gefällt mir.
In den anderen Teilen ging es gesitteter weiter, dafür wurde es politisch. Es waren viele wirklich gute Ideen dabei. Eine Flagge von einem Fantasiestaat gefiel mir sehr. Die politischen Hintergründe verstand ich nicht. Der Beitrag kam auch von einem spanischen Künstler und alle Informationsfetzen waren, eben drum, auf Spanisch.

Der Eintritt hatte sich nach einer Viertelstunde bereits amortisiert. Ich entdeckte ein Bild, das mich auf eine fabelhafte Idee für die eigenen vier Wände brachte. Ich fotografierte es. Kurzzeitgedächtnis wie ein Sieb, Langzeitgedächtnis wie eine Höhlenmalerei.
Schmunzeln musste ich bei einem Arrangement zweier Zurechtgerissener Zigarettenschachteln. Eine Malboro Light Schachtel wird von einer Malboro Schachtel gefickt. Die Starken ficken die Schwachen. Eine andere klasse Idee war es, aus Eiswürfel ein Iglu im Gefrierfach zu bauen.
- „Hast du Eiswürfel da?“
- „Ja, im Gefrierfach.“
und dann, beim öffnen das Faches: BÄM, ein Iglu. Ist das noch Design oder schon Kunst?
So was gefällt mir jedenfalls. Der Gedanke das ist ja simpel, da hätte ich auch selber drauf kommen können kam mir nicht in den Sinn. Es wirkt so simpel weil schon jemand darauf gekommen ist.

"Also dieses Bild heißt Sunnyboy Pupseis. Ich mein` wer das nicht haben will ist dumm. Ich mein` japanische Uhr, ist doch genial." Jonathan Meese

Einige Collagen erinnerten mich an eine Dokumentation, die ich über Jonathan Meese gesehen habe und andere wiederum an Plattencover. Ein schneller Blick auf das Datum neben dem Bild zeigt recht deutlich was zuerst da war. So elitär kann die Kunst nicht gewesen sein. Manches kannte ich aus dem Internet, bzw. musste bereits als Profilbild des einen oder anderen Social Network Users herhalten.
Ich bilde mir ein, vieles verstanden zu haben und nehme mir heraus, einiges davon nicht zu mögen.

Im GAK bekomme ich von der emsigen Kassiererin einen Zettel in die Hand gedrückt. Sie meinte, das müsse man für das Verständnis gelesen haben. Ich fragte sie, ob ich mir die Ausstellung nicht ersteinmal anschauen könne, meine Gedanken dazu machen dürfe und erst dann die Rechtfertigung lese. Es ging nicht, der Künstler lässt keinen Platz für Interpretationen zu und damit es überhaupt keine Missverständnisse gibt, war die Besichtigungsroute vorgegeben. Die Kassiererin meinte noch, es gäbe auch ein erklärendes Interview auf Video in einem der Räume. Ich bedankte mich mit den Worten ich kann lesen und ging entgegengesetzt des vorgegebenen Weges. Betrachten wir es als künstlerischen Akt.

Die Ausstellung von Matt Mullican hat mir nicht gefallen. City as a Map (of Ideas) ist das Thema. Kartenausschnitte von Hamburg und Fotografien von Badezimmerutensilien müssen für seine Ideen herhalten. Vorstellen kann man sich das Ganze wie den McDonalds Autobahnatlas, in dem alle McDonalds Restaurants eingetragen sind. Anstatt McDonalds Restaurants sind es bei Mullican eben Enzyklopädien. Mir gefällt es nicht, zu simpel, da hätte ich auch selber drauf kommen können. Den beiden Französinnen, die den Rest der Besuchermassen bildeten, schienen die Detailüberladenen Karten zu gefallen. Sie unterhielten sich ganz angeregt. Le Croissant de Baguette usw.

Was passiert eigentlich mit Menschen, die Kunst nicht weiterempfehlen möchten? Werden die grundsätzlich als Banausen oder als dumm oder gar als dumme Banausen abgestempelt?
Wenn dem so ist, dann mal los.

Dienstag, 10. November 2009

Kleinscheiß

„Tu es, tu es, tu es“ aus dem Film Starsky & Hutch

„Das ist der Angriff der Gegenwart auf meine übrige Zeit“ Jochen Distelmeyer

Die kleinen Dinge, die man erledigen muss, damit das Zuhause ein Zuhause und der Mensch ein Mensch bleibt, nehmen langsam überhand, bzw. werden immer mehr von mir vernachlässigt. Bisher kam es mir so vor, als sei solcher Kleinscheiß völlig normal, weil er nebenbei verlief und sich unauffällig durch den Alltag zog. Mittlerweile ist es der Alltag. Kleine Handgriffe, die einem dank bahnbrechender Entwicklungen immer leichter fallen sollten, vereinnahmen meine Zeit zusehends. Vielleicht liegt es daran, dass die Tage kürzer werden, die Temperaturen niedriger und man selbst bequemer.

Es beginnt bereits am frühen Morgen. Der Hinterreifen meines Fahrrades muss jede Woche neu aufgepumpt werden, per Hand. Das kleinere Elend, dennoch jeden morgen ein nettes Hallo.
Der Brief-/Zeitungskasten möchte jeden Tag geleert werden. Ich habe das Gefühl, meine Nachbarn stecken mir ihre nutzlosen Zeitungen ebenfalls in den Kasten. Beim Restmüll ist es jedenfalls schon soweit. Weil ich die Haustür dafür offen lasse, um sie nicht wieder aufschließen zu müssen, laufen die beiden Katzen eines Nachbarn, trotz Haustierverbot, unbeobachtet in den Hausflur und mir treudoof hinterher. Die muss ich bis zu meiner Wohnungstür abgeschüttelt haben, was bei einem recht übersichtlichen Treppenhaus gar nicht so leicht ist. Aus dem Zeitungsstapel wird die Werbung genommen, der Rest kommt ins Altpapier.

Irgendwelche Wäsche muss immer gewaschen werden, vom Bettbezug über die Unterwäsche, hin zu den Hosen. Die zum trocknen aufgehängte Wäsche muss dafür vom Wäscheständer runter, damit die neue Ladung Platz hat. Bügeln ist den Montagen vorbehalten, wegen „Wer wird Millionär“. Bereits gebügelte Wäsche liegt aufgestapelt im Schlafzimmer, aber nicht im dafür vorgesehenen Schrank. Schließlich ist es leichter sich ein Shirt von oben abzugreifen, anstatt Schranktür auf, Schranktür zu. Socken zusammenlegen.

Abwaschen, und zwar das gesamte schmutzige Geschirr und nicht nur jenes, welches man zum kochen benötigt. Musik raussuchen, dabei am besten gleich die gehörten CDs und Platten wieder den richtig Hüllen zuordnen.
Abtrocknen. Essenkochen. Den Ofen benutze ich nicht, weil ich den erst vor der nächsten Benutzung sauber machen wollte. Das Ofenlicht ist durchgebrannt, was die Verschmutzungen auf einen Schlag verschwinden ließ. Aus den Augen, bedeutet in diesem Fall noch lange nicht aus dem Sinn.
Den Verschnitt wegräumen. Der Restmüll und die Einweggläser müssten mal wieder die Wohnung verlassen. Dasselbe gilt für das Altpapier, dabei habe ich ebengerade erst diese beschissenen lokalen Zeitungen hoch getragen.

Das Essen kredenzen. Wäsche aufhängen und am Bullauge der Waschmaschine entlang wischen, um die Fusseln und anderen Mist zu entfernen. Essen und dabei Simpsons schauen. Tisch abräumen. Überlegen was einem fehlt, es fehlt immer irgendetwas.
Einkaufen gehen, natürlich vergisst man beim verlassen der Wohnung das Überflüssige mit in den Keller zunehmen. Auf der Straße dran denken, dass morgen die Müllabfuhr kommt und man eigentlich das Altpapier mit in den Keller hätte nehmen können. Einkaufen und dabei etwas Wichtiges wie Zahnpasta vergessen.

Kühlschrank einräumen und Undefiniertes im Gemüsefach vorfinden. Gemüsefach auswischen, Gemüsematsch entsorgen und sich daran erinnern, dass man ja den Hausmüll runter bringen wollte, nur um es daraufhin trotzdem nicht zu erledigen. Im Internet nach der aktuellen Serie suchen. Für den Fall, dass man mal 45 Minuten Zeit hat.

Rasieren. Zahnpastatube ausquetschen, sich eingestehen, dass das keinen Zweck hat und in den Markt gehen, Zahnpasta kaufen. Brötchen für morgen früh mitbringen.
Zähneputzen. Den Zahnpastaspritzbeschuss vom Spiegel wischen. Sich im Bad umschauen und sich für die kommenden Tage weitere Putzaktionen vornehmen. Rechnungen und Quittungen wegheften. Sich über dumme Ausgaben ärgern und fragen wo denn die ganzen Krümel um den Toaster herum schon wieder herkommen.

Der nächste Tag beginnt damit, dass ich die Brötchen auf dem Toaster aufbacke und alles um den Toaster herum vollbrösele. Nach dem Frühstück steige ich auf mein fast plattes Fahrrad und sehe wie die Müllabfuhr am Haus vorbei fährt. Nach der Arbeit geht dann der ganze Scheiß wieder von vorne los. Das ist doch Wahnsinn. Im Sommer hat sich der Haushalt bis zum Wochenende aufgetürmt und wurde dann weggeschafft. Leider sind die Wochenenden bis 2010 reserviert, sodass ich gezwungen bin, die Wohnung täglich bis zum 20:15 Feierabend notdürftig zu präparieren. Zufriedenstellend ist das nicht. Dabei sind so beschwerliche Arbeiten wie das Staub- und Bodenwischen, Bloggen, Rückenübungen oder Schuhe putzen, nicht einmal in den Tagesablauf inbegriffen.

Falls jemand vor hat einen Kommentar zu schreiben: Ich bin nicht der Meinung, dass eine Frau dafür da ist hinter mir herzuputzen und einmal die Woche meinen Fahrradreifen aufzupumpen. Auch Zugehdamen sind die Töchter von irgendwem.

erstes, prominentes Opfer

Mittwoch, 4. November 2009

Waschmittel

„Beim Essen ein Schwein, beim Trinken ein Loch“ Element of Crime

Bisher hat noch keine meiner zahlreich durchgeführten Wäschen zu dem scheinbar zu hochgesteckten Ziel, die Wäsche Fleckenfrei aus der Trommel zu entlassen, geführt. Im Büro oder sonst im Alltag getragene Klamotten sind ja nicht überdurchschnittlich verschmutzt im Sinne von dreckig. Da reichen oft 40 Grad in Kombination mit dem in der Werbung als „herkömmlich“ bezeichneten Waschmittel vom Discounter. Es duftet mit etwas Fantasie sogar Frühlingsfrisch.

Für Härtefälle, also die Sachen, die ich am Wochenende anhatte, kaufe ich Marken Waschmittel. Hier geht es um Alkoholflecken in Verbindung mit Cola, Säften, Energiedrinks und anderem Alkohol wie Bier oder Wein. Nicht selten Koche und Esse ich nur in Unterwäsche, der Grund liegt auf der Hand und hängt später auf ewig in den Klamotten.

Die teuren Markenwaschmittel sind Spezialisten für: Weichspüler, Farbschonende Wäsche, Weißwäsche, Buntwäsche, hartnäckige Flecken, Verfärbungen usw. und das alles bereits bei niedrigen Waschtemperaturen. Fürn Arsch.

Einmal habe ich es bereits geschafft meine Weißwäsche blau einzufärben. Wie konnte ich damit rechnen, dass die blauweiße Enyce Trainingsjacke abfärbt?
Wäre es so, dann wäre sie doch längst selbst völlig blau vom vielen Waschen. Meine Milchmädchenrechnung berücksichtigte leider nicht die Struktur des Stoffes. Auf die Maschen kommt es an. Die sogenannte Maschigkeit. Grobmaschige Stoffe sind empfänglicher für Verfärbungen, habe ich gelernt.
Erst sollte es die milde Bleiche richten. Aber wieso fast einen Liter Bleiche kaufen, wenn mir der Fehler eh nie wieder unterlaufen wird? Weiße Sachen kaufe ich mir nicht mehr. Der Umwelt zu liebe, nicht dass der Verdacht aufkommt, ich wolle mich um die Herausforderung drücken. Außer bei Hemden natürlich, die kommen für 1,20 Euro das Stück (ab 10 Hemden 10 €) in die Wäscherei neben dem Dönerladen, gegenüber der Spielhalle. Ein fairer Preis wenn man bedenkt, dass die Dinger lupenrein sauber, gebügelt und trocken für den sofortigen Gebrauch bereit gehängt werden. Wer Thomas Bernhard ließt, weiß wie aufwendig es ist ein Hemd richtig zu bügeln.
Ich kaufte mir damals Entfärber. Das hat wunderbar funktioniert, bis auf bei einem Teil, das jetzt Hellblau schimmert. Mir wurde erklärt, dass damals (kann alles heißen) die weißen Klamotten extra ein Blaustich verpasst bekamen, damit das Weiß heller wirkt… gut möglich, ich habe das Teil bislang nicht wieder angezogen.

Zurzeit benutze ich ein Waschmittel mit dem Klangvollen Namen „Vanish Oxi Action Intelligence Plus Gel“. Das Zeug soll alles können. Ob Urin oder Uran, weiß oder bunt, Seide oder Wolle und das alles Chlorfrei. Keine roten Augen mehr beim Waschen.
Jedenfalls, ich tue wie mir von der Gebrauchsanweisung aufgetragen und rubbele das Zeug auf die Flecken, die obstinaten. Danach packe ich die Kugel fachgerecht in die Trommel zur Wäsche. Sogar mein herkömmliches Waschmittel mit dem Klangvollen Namen „Waschmittel“ darf ich wie üblich weiter benutzen. Übrigens bin ich nach schlechten Erfahrungen mit Trockenwaschmittel auf Flüssigwaschmittel umgestiegen. Die doch sehr schwammig formulierte Mengenangabe „Viel hilft viel“ auf den Trockenwaschmittelverpackungen hinterließ aufgrund der Überdosierung Flecken auf der Wäsche. Eine Sisyphusarbeit.

Wie auch immer. Das Ergebnis des futuristisch anmutenden Zaubermittels lautet: jeder noch so kleine Fettfleck ist geblieben. Der in der Werbung mit einem Fadenkreuz angedeutete Fleckenfinder würde selbst bei Christian Wörns keinen Fleck finden.
Wegschmeißen oder verschenken werde ich es sicherlich nicht. Bis es aufgebraucht ist, experimentiere ich weiter mit den einzelnen Funktionen der Waschmaschine in Abstimmung mit der Dosierung. Vielleicht ist ja meine Waschmaschine einfach nur ein schlechter Schütze…

Ich bin für jeden Tipp dankbar, der nichts mit einer Schere zutun hat.