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Mittwoch, 21. Mai 2014

Mittwoch, den 30. April 2014 - Martin

Da mein Kollege mit dem ich normal eine Fahrgemeinschaft hab, heute selber fährt schaffe ich es erst um kurz vor 9 bei der Arbeit zu sein. Kaum ist der Druck früh aufstehen zu müssen weg, wird es auch nichts. Dank Gleitzeit ist das aber meistens egal.

Der Arbeitstag verläuft unspektakulär. Wir lassen einige Flächen räumen um Platz für neue Montage Sets zu schaffen und machen noch ein Paar Restarbeiten. Gegen Mittag wird das neue Konzept zur Bandversorgung vorgeführt. Nennt sich Supermarkt und beinhaltet meiner Meinung nach zu viele Handlingschritte. Vielleicht habe ich den tieferen Sinn aber auch noch nicht verstanden.
Nach Feierabend geht es heute nicht aufs Rennrad. Die Beine waren bei der gestrigen Tour recht schwer und es ist Zeit für eine Pause. Die Tour gestern war eh nicht gut. War im Landkreis Verden unterwegs und die stehen da auf Betonplatten Radwege mit möglichst großen Fugen zwischen den Betonplatten. Sehr ungeeignet für die schmalen, harten Reifen.

Ich nutze die Zeit um den Rasen zu mähen. Ich steh auf Rasen mähen und es ist auch meine Aufgabe hier. Mit der Aufgabe bin ich super davon gekommen. Macht Spaß, ist draußen und ein Motor röhrt dabei. Und das halbe Jahr ist es gar nicht. Wenn man das z.B. mit Kochen vergleicht, was Tobis Aufgabe ist. Leider schaffe ich nur ein Drittel des Rasens, da der Regen kommt.
Also rein und paar Sachen am PC erledigen. Das immer wieder abkackende LTE-Internet muss gekündigt werden und mich würde mal interessieren wie viele Punkte ich in Flensburg nach dem neuen System hab. Hatte nach dem alten System mal 10, hab mich aber in der letzten Zeit ganz gut benommen und hoffe, dsas alle weg sind. Leider macht der Drucker Ärger und ich kann nichts ausdrucken.  Der Drucker fliegt nur Dank des Fliegengitters nicht aus dem Fenster.

Ich reaktiviere die Facebook-Gruppe für den diesjährigen Biermarathon. Wir müssen zuerst einen Termin finden an dem es den meisten passt weil sie nicht schon woanders zum Bier abpumpen sind. Ich werde dieses Jahr wieder auf die Schnelltrinkkünste meines langjährigen Partners Thomas Heise setzen.

Da ich keine rechte Lust habe heute was zu starten und morgen für eine längere Ausfahrt fit sein will, nutze ich den Abend um an den Fahrrädern zu schrauben und fehlende Teile zu bestellen. Ebay hat alles da, nur gibt es nirgendwo mehr Schuhplatten für meine Pedale, nur weil sie seit 12 Jahren nicht mehr gebaut werden. Überall steht nur der Tipp, dass man sich rechtzeitig einen Vorrat an Schuhplatten hätte zulegen sollen. Jetzt müssen doch neue her, obwohl die alten noch super funktionieren. Setze eh beim Rennrad auf alte Teile. Im Gegensatz zur Gruppe der zur optisch schnellen Rennradfahrer. Das neueste und beste Material aber nichts in den Beinen. Macht besonders Spaß diese Leute am Berg mit einem 15 Jahre alten Mittelklasserad stehen zu lassen.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Silke

Bücken
 
Wir werden alle nicht jünger, unbestreitbar. Seit den 9 Monaten in Kopenhagen lässt sich ein Strang silberner Haare nicht mehr ignorieren (ich schreibe diese den Dänen zu). Glücklicherweise lebe ich seit März wieder fast vollständig in Deutschland, dass hat die weitere Verfärbung erst einmal aufgehalten.

Die Lachfalten sind in Ordnung, die gehen auch echt nicht auf’s dänische Konto, sondern sind das Resultat jahrelanger Anstrengungen in die richtige Richtung.

Trotzdem habe ich mir ein neues Hobby zugelegt, welches ich täglich mit viel Freude und Überzeugung ausübe: Anti-Aging Cremes. Anti-Aging Cremes sind ein bisschen wie das Glauben an den lieben Gott – an guten Tagen ist man der bombenfesten Überzeugung, dass man aufgefangen wird, an schlechten hat man wenigstens noch die Hoffnung, dass es sich noch lohnen könnte.

Die ganzen Studien zu dem Thema finde ich unglaubwürdig (da klar von Kosmetikkonzernen erkauft), ich halte mich da an die Besprechung von neuen Produkten im Heat Magazine (empfehlenswert).

Nach einem Tag im Büro in Kopenhagen fühle ich mich auf alle Fälle circa 3 Tage älter und freue mich, in einigen Stunden wieder in der Original-Heimat auf dem Lande einzutreffen, um am morgigen Tag den 93. Geburtstag meiner Oma zu feiern.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Ralf

Den Tag vor dem Feiertag überlebe ich nur mit viel Hoffnung darauf das auch dieser Tag irgendwann ein Ende hat. Wenn die Motivation zusammengeschlagen am Boden liegt, ist es schwer fröhlich und beschwingt durch den Tag zu kommen. Gestern gegen Feierabend gab es noch einen Aushang am Schwarzen Brett. „Um unsere Disposition zu optimieren, werden ab dem 3.5.14 alle LKW mit Ortungssystem ausgestattet.“ Bedeutet so viel wie: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Irgendwo in der Chefetage sitzt ein Eierkopp der wohl meint alles besser machen zu können und nicht merkt das seit Monaten alles nur schlimmer wird.

Egal, der Tag hat irgendwann ein Ende und dann ist Tanz in den Mai angesagt. Also schon mal langsam vorplanen wie und wo man den Abend verbringen kann. Zur Auswahl steht einmal die Maifeier des Nachbarn. Zum anderen ein wenig rumhängen mit alten Freunden. Nach ein paar Telefonaten entscheide ich mich gegen die nachbarliche Maifeier und für das gepflegte Rumhängen mit alten Freunden.

Wir entscheiden uns für einen Abend im Stile eines Klammerblues. Langsam angehen lassen. Ganz langsam. Wir sind alle nicht mehr die jüngsten und haben die dollsten Tage längst hinter uns gelassen. Als ich noch Mitte Zwanzig war, da floss der Maibock in Strömen. Heute hängt das Damoklesschwert von Familie, Arbeit und Verantwortung über uns. Und nicht zuletzt, die geschundenen Knochen. Den ersten Mai mit dicken Kopp und Hausmitteln zur Bekämpfung des Katers zu verbringen, ist schon lange nicht mehr wirklich eine Option. Freie Tage sind kostbar geworden und wollen genossen werden.

Wir entscheiden uns für eine Kneipe oder das was man früher Kneipe nannte und jetzt … ich weiß gar nicht wie das jetzt heißt. Kneipe auf alle Fälle nicht mehr. Im mit Sonnenschirmen überdachten Biergarten, mit der Option zum Tresen zu wechseln falls es zu nass-kalt wird, lässt es sich aushalten.
Wir lecken uns bei einem Kaltgetränk unsere Wunden die uns durch Arbeit, Leben und/oder Umstände zugefügt wurden. Na gut, ganz so schlimm ist es nicht. Man erzählt sich halt was so alles in den letzten Monaten, in denen man sich nicht gesehen hat, passiert ist. Schwelgt in Erinnerungen. Redet über die Zukunft. Trinkt noch ein Kaltgetränk.
Und dann, nach den dritten oder vierten Kaltgetränk, sind wir doch wieder irgendwie Mitte Zwanzig und glotzen den pornonesque aufgetakelten Mädels hinterher.

„Mach dir nicht den Hunger kaputt!“ hat mich meine Mutter immer ermahnt. Sie meinte damit, ich solle vor den Mahlzeiten nicht ständig was essen damit ich zu den Mahlzeiten auch noch Appetit auf die Mahlzeit habe. Aber Hunger ist doch nur ein Gefühl. Wie kann man sich ein Gefühl kaputt machen? Hunger kommt immer wieder, jeden Tag. So habe ich damals als sechs- oder siebenjähriger gedacht. Heute möchte ich den pornonesque aufgetakelten Mädels hinterher schreien „Mach dir nicht die Liebe kaputt!“

Mädels... an diesen Abend sind die „Mädels“ Frauen Mitte dreißig bis vielleicht Mitte vierzig, die sich in knappe Schale geworfen haben um sich zum fünften oder sechsten Frühling, den sie gerade erleben, etwas passendes an Land zu ziehen. Bei uns sagt man dazu „Auf Trebe gehen“. Es scheint mir, für sie ist Liebe wie ein Hungergefühl das man stillen muss. Und sei es mit einem kleinen Snack zwischendurch. Geh'n wir ma auf Trebe und schau'n ma wat wa an Land ziehen können. Wenn et nix is, nächstes Wochenende könn' wa ja wieder auf Trebe geh'n.

Im laufe des Abends steht die Queen of Pornonesque mehr oder minder plötzlich neben mir. Als Realist würde ich sagen, sie stand schon eine ganze Zeit neben mir. Nur aufgefallen, ist es mir relativ plötzlich. Sie hatte mich ein paar mal leicht angerempelt, so ganz aus versehen, so als wenn nicht genug Platz für alle da wäre, als wäre man in der U-Bahn und könnte gar nichts dagegen tun das die U-Bahn überraschend und unvermittelt anfährt.

Platz war eigentlich genug vorhanden, ich habe mich jedoch an unhöfliche und aufdringliche Menschen gewöhnt und ignoriere sie einfach. Deswegen fiel mir ihre Rempelei anfangs wahrscheinlich gar nicht so sehr auf.

Als sie dann aber etwas deutlicher und betonter rempelte, ging auch mir Holzkopf ein Licht auf. So ganz unbeabsichtigt war das Gerempel wohl nicht. Bis dahin hatte ich nur ihre Rückansicht wahrgenommen. Lassen wir mal den etwas zu engen und kurzen Rock außen vor, genauso wie das zu enge und zu knappe Oberteil, was gibt es schon an der Rückseite einer Frau zu beurteilen. Ausgenommen sie hat drei Beine oder einen dritten Arm der ihr aus'm Rücken wächst. Ich bereitete mich darauf vor mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern falls sich gleich Mrs. Right umdrehen und mich anschauen würde.

Beim nächsten Rempler, den sie gekonnt mit der Schulter ausführte, gab sie mir dann die Chance einen Blick in ihr Gesicht zu werfen. Instinktiv zog ich die Mundwinkel hoch und und bei der Instinkthandlung blieb es auch. Von vorne sah sie aus als hätte ihr Macker erst vor kurzem mit steigender Freude ihr Gesicht mit den Fäusten bearbeitet. Ein paar aufs Maul, bis die Lippen aussehen wie ein knallrotes Gummiboot. Zwei drei gekonnte Schläge auf die Augen bis sie die ganze Farbpalette zwischen Blau und Grün einnehmen. Zu guter Letzt noch ein paar Backpfeifen, so spart man das Rouge.

Sie schaute kurz weg, drehte sich dann doch wieder zu mir um und grinste mich an. „Ok, jetzt musst du was sagen...“ dachte ich mir. Irgendwas belangloses. Ich entfachte ein Feuerwerk der Phantasie, zog den Jokertrumpf und war darauf vorbereitet das gleich die Phantasiefeuerwehr kommt damit nicht gleich der ganze Laden in Brand gerät: „Gute Musik“ schrie ich ihr ins Ohr und deutete mit dem Zeigefinger in Richtung Decke von wo die Dudelmusik zu kommen schien.

„Ja. Is doch ok. Ich finds gut.“ brüllte sie zurück und versuchte irgendwie eine rhythmische Bewegung zu einen imaginären Takt zu machen. Ich musterte sie kurz von oben bis unten. Ihre Bewegungen, die so schlacksig und unkoordiniert waren, hatten ihre Ursache wahrscheinlich in ihrem Schuhwerk. Nix gegen hochhackige Schuhe, sieht toll aus. Hätte sie die Schuhe jedoch an Ort und Stelle ausgezogen, sie hätte mir nicht mehr in die Augen schauen können. Höchstens noch in den Bauchnabel. „Finds nicht gut? Musik?“ schrie sie mir ins Ohr.

Meine Antwort lies eine kurze Weile auf sich warten. Pfläumchen, Schlüpperstürmer, Kleiner Feigling und wie die ganzen Minifläschchen heißen die man unter lauten Getöse auf irgendeiner Tischplatte, Tresen oder Barhocker kloppt bevor man sie öffnen darf, in Kombination mit Jägermeister-Cola und anderer untoten Mixgetränken aus den 80ern, dazu Energy Drinks plus Alkohol, ergeben einen Atem der wie Klostein riecht.

Ich dachte, meine offenherzige Art jedem Menschen frei raus zu sagen was er (oder sie) verdient, könnte mich jetzt aus der Situation retten. Wenn auch wenig charmant, dafür kurz und schmerzvoll. „Dein Atem riecht nach Klostein!“ brüllte ich ihr ins Ohr während der DJ von Rudis Rollender Rubeldisco den Lautstärkeregler für den nächsten Refrain noch einmal weit über Anschlag hinaus aufdrehte. „JA. Das ist Rammstein“ antwortete sie mir und nebelte mich erneut mit eine Wolke aus Cola-Klostein-Geruch ein.

Nein Schätzelein. Weder bin ich in Sachen Rammstein noch Dudelpop auch nur ansatzweise Experte. In beiden Bereichen fehlt mir sogar Basiswissen. Aber eins weiß ich, bei Rammstein singt keine Frau. Und das was da gerade mit 130 Dezibel aus den Lautsprechern tönt, ist eines dieser DSDS-Sternchen dessen Namen man sich nie merken kann weil der eine Halbwertzeit einer schmutzigen Unterhose hat.

Sie grinste nun etwas breiter, fast so als hätten wir eine gemeinsame Basis für ein längeres Gespräch gefunden. Scheiße. Wat nu? Die Musik ist zu grausam und vor allem zu laut um ihr etwas erklärendes zu sagen. Die Frau ist auch viel zu besoffen um etwas erklärendes zu verstehen. Aussichtslos das ganze mit Worten zu lösen?

Vor zwanzig Jahren hätte ich ihr eine Freifahrt mit Ficken angeboten oder sie gleich vor Ort flachgelegt. Quatsch, stimmt gar nicht. Vor zwanzig Jahren wäre ICH so dudelhackendicht gewesen das ich eine Blondine nicht von einen Bobtail hätte unterscheiden können und somit gar nicht in der Lage gewesen irgendwen flachzulegen. Mich selber ausgenommen.
Mittlerweile stört es mich extrem wenn jemand so dudelhackendicht ist und recht offensichtlich versucht MICH flachzulegen, dies aber bei besten Willen nicht mehr hinbekommen würde, selbst wenn ich tatkräftig dabei helfen würde.

Der Übergang von selber zu besoffen sein um jemanden anderes flachzulegen dahin das die anderen zu besoffen sind als das man sie flachlegen wollen würde, ist sehr abrupt. Oder ich habe die Zwischenphase schlichtweg verpasst. Der Gedankengang brachte mich aber auf eine Idee und so brüllte ich ihr „Ich bin Optikficker und du bist nicht mein Kaliber!“ ins Ohr. Ihre Reaktion: „Du bist Optiker? Habe ich gemerkt, schöne Brille hast du...“

Ich lies es unkommentiert, machte keine weiteren Versuche irgendwas zu unternehmen und schaute sie mit leeren Auge an. Ende im Gelände was meine Weisheit betraf. Zum Glück drehte sie sich auch im gleichen Augenblick zu ihrer Freundin um. Aber wie in jeden guten Horrorfilm, wenn man denkt es ist gerade vorbei, steht der Kettensägenmörder plötzlich wieder mit kreischender Kettensäge in der Tür und war wohl gerade nur mal kurz die Kettensäge tanken.

Ihre Kettensäge war ihre Stimme, ihre Tankfüllung eine kleine Falsche die aussah wie Kümmerling, roch wie Krankenhausabwasser und aussah wie Altöl. „HIER!“ schrie sie und drückte mir die kleine Flasche ins Gesicht. Es entwickelte sich ein kurzer Dialog aus „Nein Danke! MussNochFahrn!“ und „AchKommTrinkMaEinen!“ der daraus bestand, dass jeder seinen Satz dreimal wiederholte. Dumm gelaufen für mich, sie hat den Dialog gewonnen. Stößchen, sie legte den Kopf in den Nacken, ich nutze die Gelegenheit und warf die Flasche dezent irgendwo hinter mir auf den Boden.
Ich weiß gar nicht wozu man Freunde hat. In solchen Momenten können sie ganz weit weg sein obwohl sie direkt neben dir stehen. Also gab ich meinem Kollegen einen dezenten Tritt gegen das Schienbein und erregte somit seine Aufmerksamkeit. Wortlos deutete ich der Queen of Pornonesque mit Händen an das mein Kollege gerne gehen würde und ich leider, leider mit müsse. „Ochschadeaberauch...“ gurgelte sie mir noch ins Ohr bevor ich mich aus ihrer Reichweite entfernte.
Ich beendete den Abend recht frühzeitig und überlegte ob beim Nachbarn wohl noch Licht brennen würde und etwas von der Maibowle übrig sei. Dieser Gedanke wurde jedoch von einen anderen Gedanken verdrängt. Ist Liebe ein Hungergefühl das man stillen muss, egal mit was, Hauptsache satt? Ist Liebe wie ein Hungergefühl das jeden Tag aufs neue zurück kommt, das nicht tot zu bekommen ist egal wie oft man es füttert?

Der Tag ist für mich zu Ende und ich schließe den Gedankengang mit einen Zitat von dem alten Zausel Steve Jobs: Stay hungry. Stay foolish. Es passt, auch wenn er wahrscheinlich was ganz anderes meinte. Oder vielleicht auch nicht.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Kyra

In so einem Kingsize Bett kann man sehr gut schlafen, gestern Nacht ist mir vor Müdigkeit gar nicht aufgefallen wie gemütlich es ist. Jetzt ist es schon wieder 9 Uhr morgens, ich habe also viel zu lange geschlafen. In Deutschland ist es ja schon 15 Uhr. Also Sport muss heute nochmal ausfallen, ich will schließlich nochmal in die Stadt gehen. S. ist auch schon wach, sehr gut. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang und ein bisschen Sightseeing. Unser Hotel liegt direkt am „Freedom Walk“ , eine rot aufgemalte Linie die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei führt. Also gehen wir wie blöde Touris die Linie entlang. Ich mag Boston, die Stadt ist so unamerikanisch, nicht so weitläufig und nicht in diesem 0815 Schachbrettmuster. Aber WARUM sind alle Amerikaner immer so mega freundlich??? Das regt mich schon wieder mit meiner morgendlichen Muffelstimmung auf.

Wir sehen den Platz des „Boston Masacres“, die alte City Hall wo die „Boston Tea Party“ eskalierte, die alte Markthalle und den Stadtfriedhof. Das genügt dann auch für heute, schließlich werden wir heute noch 7 Stunden im Flugzeug hin und her gescheucht. Ich will aber unbedingt noch zu „Five Guys“, meinem absoluten Lieblingsburgerladen in den USA. Dieses Cheatessen habe ich schon lange eingeplant, also habe ich absolut kein schlechtes Gewissen. Wenn ich wieder zu hause bin kann ich eh viel besser sporten ;)

Ich lege mich im Hotelzimmer noch kurz hin und versuche dann meine ganzen Shopping Eroberungen in den Koffer zu packen. Jetzt geht’s wieder nach Hause.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Christoph



Liebes Tagebuch. Morgen ist frei und somit beginnt heute schon quasi das Wochenende. Obwohl ich mir überlegt habe am Freitag noch zu arbeiten. Es gefällt mir gut alleine im Büro zu sein und es ist so ein entspanntes Arbeiten, wenn man weiß, dass man eigentlich auch frei machen könnte, den Soll erfüllt hat. Aber heute noch 'normaler' Betrieb. Zum Schluss war ich mit meinem Chef alleine da und habe ein Paket für den Versand fertig gemacht. Dafür bin ich zwar nicht ausgebildet worden, aber wie gesagt, wir sind nur noch zu zweit da und mein Chef wird mir das wohl kaum abnehmen. Ich habe mir dabei mit der Schere in die Hand geschnitten. Ziemlich dumm. Aber nicht dolle, das heilt wieder. Das Paket sah dann gut (unbeblutet) aus und ich habe es in Feierabendlaune in die Tasche gesteckt, um es später zur Poststelle zu bringen. Aber erst fahre ich jetzt ins Kiez und treffe meinen Kollegen, wie abgemacht. Ich komme rein und muss mich umsehen. Da ist auf ein Mal der halbe Raum erhöht auf Dielen gestellt. Nett. Neue Sitzordnung gibt's auch, ich setze mich mitten in den Raum auf das Zweiersofa. Als mein Kollege kommt bestellen wir, wie immer, einen Gin-Tonic und ein alkoholfreies Bier. Ich kriege letzteres. Wir schnacken über dies und das und irgendwann zeigt M. mir ein Handygame namens 2048. Tja, der Rest des Kiezabends gehört diesem Spiel. Aber nur fast. Denn die schöne Bedienung macht mich ein wenig nervös. Ich ärgere mich kurz über die Unsicherheit, die ich verspüre, aber freue mich dann auch drüber. Irgendwann merke ich, dass ich ja noch das Paket zur Post bringen wollte. Mist, schon nach acht. Das ärgert mich. Ich will trotzdem nach Hause. Also zahlen und tschüss. Ich versuchs noch bei der Poststelle, aber schon zu. Zu Hause setze ich mich auf meinen bequemen Schwingsessel (von einem Ur-Ex-Mitbewohner geerbt und passend zu dem Rest meiner zusammengeklaubten Einrichtung alt und ausgedient) und spiele 2048.  Irgendwann ruft K an und fragt, nach meinen Abendplänen. Ich willige ein mit ihr und ein paar anderen aus meiner Ex-WG später aufs Grether zu schauen. Auf dem Weg dorthin laufen wir an zig gepanzerten Polizeibeamten vorüber. Ich habe sie vorhin schon auf dem Nachhauseweg vom Kiez gesehen und es ist ja in aller Munde, dass das Gretherfest dieses Jahr quasi per Allgemeinverfügung komplett verboten wurde. Viele Mensch regen sich über die Strenge des Amts für Ordnungswahn auf. Ich auch ein bisschen. Finde es völlig überzogen so martialisch aufzufahren. Da werden die Bullen in Massen aus den entferntesten Dörfern des Landes herangekarrt, nur um hier vor den friedlichen Feierstudenten einen auf dicke Hose zu machen. Naja, aber scheint zu wirken. Beim Grether ist totenstille, Menschen kommen in kleinen Gruppen gucken und schimpfen leise unter den Augen den verteidigungsbereiten Polizisten (der eine sogar mit Flammenwerfer oder Feuerlöscher auf dem Rücken) und verschwinden wieder in kleinen Gruppen. Wir bleiben ein bisschen da und hören Caribus Odessa von einem Balkon schallen. Es erreichen uns Nachrichten, dass vor dem Bettelstudenten Musik läuft, punkige Musik. Nach einer Weile hin und her und einem kurzen Toilettenbesuch in K. Kita, die dort in der Nähe ist (Roman wundert sich über die kleinen Armaturen und niedrige Anbringung derselben, weil er versehentlich auf der Kindertoilette gelandet ist), gehen wir auch zu der Musik-Ecke. Die Polizei kesselt schon hören wir und sind schaulustig. Raketen sausen in die Luft, knallen, eine Durchsage vom Polizeiwagen kommt: „Achtung, dies ist eine wichtige Durchsage. Sie brauchen nicht auf kosmischen Käfer zu warten. Er ist schon wieder auf dem Heimweg- er wird nicht kommen. Dies ist keine Versammlung mehr und unterliegt somit nicht mehr dem Schutze der Versammlungsfreiheit. Ich bitte die vernünftigen Leute den Platz zu verlassen. Dies war die zweit Durchsage, wenn Sie nach der Dritten den Platz nicht verlassen haben, werden wir ihn räumen. Dies ischt mein Ernschd!“ Böller fliegen in die Reihen der Polizisten. Find ich ja nicht so geil. Naja, die Leute verlassen natürlich nicht den Platz, aber ich, denn es wurde gerade berichtet, dass auf der blauen Brücke Musik ist. Ab dahin. Zwei Minuten später kommt uns schon ein Zug Menschen, von der rollenden Musik angeführt, entgegen. Ich erkenne Ronny, grinse ihn an und begrüße ihn per Handschlag. Die Musik ist elektronisch und wie erwartet saugeil. Eine Kreuzung neben der gekesselten stoppt die Menge und tanzt um die Musikanlage herum. Ich sehe viele bekannte Gesichter und freue mich, dass wir doch noch tanzen können. Wenig später kommt der blaue leichenwagenähnliche Mercedes, den ich öfters in der Nähe meiner Arbeit sehe. Die Musik samt zwei, drei tanzenden Mädels werden zur Unterhaltung der Massen auf dessen Dach gehoben. Um halb drei gehe ich mit Jasi weg, die Polizeibeamten sind wieder in Stellung gegangen.. Kurz in die Beatbar geschaut, Jasi nach Hause gebracht und auf mein Zimmer gegangen. Ich höre Lärm draußen und schaue aus dem Fenster. Lukas bastelt mit Tine und zwei anderen Freunden einen Maibaum vor Franzis Fenster. Ach was eine schöne Liebesgeste. Ich geh runter und wir merken, dass da Musik aus dem Stühlipark kommt. Eine Menschentraube tanzt dort um den Musikwagen. Jetzt sind sie also hier. Ich höre, dass die Polizei die vorherige Versammlung abgedrängt hat, mit dem Angebot, die Leute sollen doch in den Park gehen. Gute Idee. Hier treffe ich K und Robert wieder und wir tanzen noch über eine Stunde. K ist leicht betrunken und wir suchen unsere Nähe. Sie gibt mir einen Kuss auf den Hals, ich lasse das geschehen und freue mich drüber. Wie gut, dass wir nie was hatten, wir riskierten nicht unsere Freundschaft. So soll es auch bleiben. Ich bekomme von Ronny noch einen Flyer in die Hand gedrück, morgen Demo. Die ist wichtig! Gegen vier gehe ich müde und zufrieden schlafen.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Dörte

Frei! ...Ich schlief etwas länger, Patrick musste arbeiten, stand aber relativ spät auf. Trotzdem fand er noch die Zeit mir einen Tee ans Bett zu bringen. Mein Herzblatt!
Um Neun stand ich dann auch auf und fing ohne Frühstück an die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Saugen, wischen, Treppenflur fegen und wischen. Hatte ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt.
Danach schnibbelte ich noch schnell einen Salat für abends zusammen. Nachmittags wollte ich dann ein bisschen „Tagebuch“ schreiben, kam aber nicht weit. Tee-Besuch kündigte sich an und blieb auch glatt bis abends. Das passte nicht so ganz in meinen Tagesplan aber war doch sehr nett.
Um 19:00 Uhr waren wir dann noch auf eine Maibaumfeier eingeladen. Mit unserem Salat bewaffnet fuhren wir los...800m zur Feier. Der Salat war so schwer der musste gefahren werden!
Wann genau der Tag endete, weiß ich nicht mehr genau. Aber wir sind zu Fuß nach Hause gekommen und die Klamotten waren weder dreckig noch kaputt und von den Nachbarn hat sich bis jetzt auch noch keiner beschwert; also war's wohl unspektakulär.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Thomas

Ich gehe ins Fitnessstudio. So früh sind nur Rentner hier. Endlich normale Leute. Es ist das erste Mal seit meiner Mitgliedschaft, dass ich es bin, der die Gewichte nach untern hin korrigiert. Normalerweise bin ich der einzige, von dem man denken könnte, er sei auf Anraten eines Arztes oder einer Frau hier. Ich warte ja auf den Tag, an dem ich an der Rezeption nach einer Überweisung gefragt werde.

Heute kam es zu zwei Unannehmlichkeiten, die mir in einer nervöseren Verfassung zu denken gegeben hätten.
1. Das Laufband beginnt bei der Funktion Quickstart mit der geringsten Laufgeschwindigkeit, bis man es manuell beschleunigt. Heute schaffte das Laufband es nicht in der Anfangsgeschwindigkeit mein Gewicht zu tragen. Es zurrte angestrengt los, es tat sich aber nichts unter mir. 

2. Als ich auf dem Gerät für den Bizeps saß, hörte ich hinter mir, wie eine Omi versuchte das Wort Jägermeister an einem Stück und korrekt auszusprechen. Ich hatte ein Jägermeister T-Shirt an und ahnte bereits, dass da gleich noch was auf mich zukommen wird.
„Ach Schääägermiesten, das kenne ich doch, da habe ich einen Untersetzer von.“
Gleichzeitig malte sie mit ihrem Finger das abgedruckte Jägermeister Logo auf meinem Rücken nach. Schockstarre. In Zukunft ziehe ich nur noch schlichte T-Shirts zum Sport an.

Ansonsten bleibt zu sagen, immer erst den Bizeps trainieren, daraufhin den Trizeps. So vermeidet man, dass bei der Bizeps-Trainingsbewegung das Gewicht auf den frisch trainierten Trizeps lastet. Eine unnötige Belastung, die… wehtut. Der Trizeps ist übrigens für die eigentliche Kraft im Oberarm zuständig, wobei aber der Bizeps die Arme dick macht. Nun ratet mal, welches der beiden Geräte ständig besetzt ist… Trizeps, Bizeps, es langweilt jeden, aber es ist nun mal Teil meiner Welt.

Mein neuer Arbeitsvertrag liegt im Briefkasten. Die Briefkästen befinden sich im Hausflur. Wenn ich schon jedes Mal die Haustür aufschließen muss um reinzukommen, wie schafft das dann täglich der Postbote? Klingelt der einmal alles durch oder hat der einen Generalschlüssel? Mysteriös.

Der 30. April hat mittlerweile die gleiche Erwartungshaltung wie Silvester. Das ist vielleicht der Grund, weshalb ich nicht unbedingt weg muss. In Hannover heißen alle Veranstaltungen gleich: Tanz in den Mai. Darunter kann ich mir nichts vorstellen. Sowie ich tanze, fällt der Mai eh verletzungsbedingt aus.
Deshalb bleibe ich lieber zu Hause und schaue Fern. New Girl ist eine wirklich gute, lustige Serie. Allein die Tatsache, dass Zooey Deschanel das Skript zur Sendung selber schreibt, produziert und was weiß ich noch alles, macht sie zur eventuell tollsten Frau die ich kenne, die mich aber nicht kennt. Beiläufig singt sie in ihrer eigenen Band und spielt Klavier... Pff.
Jedenfalls hilft mir die Serie über Arrested Development hinweg.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Verena

Auf der Arbeit versuche ich möglichst viel zu erledigen, damit ich am Freitag nicht so lange da bleiben muss. Niemand ist freitags gerne lang im Büro. Erfahrungsgemäß passiert auch immer noch irgendwas auf den letzten Drücker, wofür man sich bestenfalls noch Zeit-Puffer einrichtet. Mit der Seminargruppe fahren wir wieder vier Tage nach Dresden, besuchen den Bundesparteitag der FDP und treffen Abgeordnete im Sächsischen Landtag, es gibt eine Stadtführung und wir haben auch einen kleinen Stopp in Weimar. Ich melde die Gruppe überall an, bastele Listen, verschicke Programme, schicke dem Hotel und dem Busfahrer ein Update und suche auch noch einen weiteren Dolmetscher für Deutsch/Englisch. Es sieht schlecht aus, das wird noch stressig…
Die Lokalredaktion sagt ab. Jetzt Plan B oder C anfragen.
Ja, was soll ich mich jetzt noch abhetzen, morgen ist Feiertag, geh ich da eben ganz in Ruhe zum Sport. Wir kochen und schauen Fernsehen.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Ole



Münster – Teuto – Hildesheim – Nienburg – North Carolina – Drakenburg – Kopenhagen

Ein letztes ausgedehntes Frühstück bei meiner Tante. Ich liebe den Geruch und Geschmack von dem frisch gemahlenen Kaffee aus ihrem Vollautomaten. Danach geht es mit dem Auto zurück Richtung Nienburg. Die Rückfahrt bei strahlendem Sonnenschein durch den Teutoburger Wald ist wirklich schön. Ich würde gerne einen Spaziergang machen. Auf dem Hinweg habe ich diese Strecke komplett verschlafen und geregnet hat es glaube ich auch. Unterwegs ruft eine Freundin an und bittet mich um technische Hilfe. Computerprobleme via Ferndiagnose zu beheben ist mir bisher nur selten gelungen, aber ich gebe mir Mühe. Ich mag den Menschen am anderen Ende des Telefons. Nach guten 20 Minuten bin ich mit meinen Problemlösungsansätzen vorerst am Ende und Ihr Akku ist leer. Bis nach Hause kommen mir viele schöne Erinnerungen mit ihr in den Sinn.
Nach dem Mittagessen mache ich mich auf den Weg ins Büro. Ich habe noch einiges zu erledigen. Es ist auch der letzte Tag eines Kollegen. Als Freund wird er mir jedoch erhalten bleiben. Die Stimmung ist irgendwie verkatert. Die Firma hatte am Vortag bereits eine kleine Abschiedsfeier veranstaltet. Da wäre ich gerne dabei gewesen…
Nach Feierabend kletterten wir auf das sonnenbeschienene Flachdach des benachbarten Billigmodeladens, um gemeinsam noch ein Bierchen zu trinken. Sowas verbindet. Gefällt mir. Nach der zweiten Kanne schaffe ich den Absprung. Später versuche ich die üblichen Verdächtigen aus meiner Nachbarschaft für ein paar Getränke in der letzten Kneipe des Dorfes zu begeistern. Dafür gibt es extra eine kleine Whatsapp-Gruppe. Das ist wirklich praktisch - führt heute aber leider nicht zum gewünschten Erfolg. Ich bleibe daheim und skype mehrere Stunden mit einer Freundin in Kopenhagen. Die Zeit verfliegt.

Tune des Tages:              Thelonious Monk – Hackensack

Man, dieses Drum Solo von Art Blakey!*@#+$