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Sonntag, 25. November 2012

Sonntag, den 04. November 2012 - Thomas H



Um 9:30 Uhr klingelt der Wecker. Als Nichttrinker ist es einerseits beruhigend zu wissen, dass es am nächsten Morgen zu keinen Startschwierigkeiten kommt, anderseits vermisse ich die Nachwirkungen des Rausches vom Vortag. Gerade wenn etwas auf dem Programm steht, das überhaupt nichts von mir abverlangt. Heute um 10:30 Uhr kommt nämlich die neue Turtles Serie auf Nickelodeon und gleich eine Doppelfolge. Spannung erfüllt den Raum. Ich gehe Brötchen kaufen. Zehn normale Brötchen für 2,50 Euro, das klingt fair.

Bis Jan zum Stadion fährt, Werder Bremen anfeuern, schauen wir uns im ZDF die Wiederholung von Wetten Dass...? an. Letzten Monat habe ich noch gescherzt, als nächstes macht der Atze Schröder den Assistenten und nun ist es soweit. Ohne einen Proleten scheint es nicht zu gehen. Am schlimmsten ist jedoch Beth Ditto. Die Sängerin der Band Gossip.
Dicke Menschen, die im Rampenlicht stehen, sind im Grunde zum dick sein verdammt. Sie werden dafür gelobt trotz strengem Schönheitsideal so lebensfroh und erfolgreich zu sein. Dabei werden sie nur hergezeigt. Mit so einer Stimme wäre sie ohnehin bekannt geworden, leider steht sie nun für all die dicken Teenies Pate. Ihr Image ist unweigerlich an ihrer Körperfülle gebunden. Die dicke von Gossip. Und falls sie wirklich mal abnehmen will, obwohl sie schon dutzende Male beteuerte, sich so wie sie ist wohl zu fühlen, werden ihr sofort Probleme nachgesagt. Ein schlanker Elton beispielsweise, undenkbar. Einmal das Dickerchen, immer das Dickerchen, bis sie tot in einer Berliner Wohnung aufgefunden werden. Hallöchen, hallöchen.

Jan war ein unkomplizierter Gast. Für ihn hole ich sogar mein zweites Frühstücksgeschirr hervor und ein zweites Handtuch habe ich auch. Erzähl bitte allen, dass es bei mir normal abläuft. Wenn ich das selbst vermittle, glaubt mir wieder keiner. Der Satz: bleib doch noch eine Stunde, ist das Höchstmaß an Gastfreundschaft, das ich aufbringen möchte. Ansonsten bin ich Fan der Selbstbedienung. So wie in den amerikanischen Sitcoms, wo der Nachbar, begleitet vom Gegröle der Zuschauer, durch den Hintereingang die Küche betritt und sich erstmal am Kühlschrank bedient. Alles andere strengt alle anderen viel zu sehr an.

Heute setze ich mein erstes Spiel verletzungsbedingt aus. Verletzt am Spielfeldrand stehen und nur Zuschauer zu sein, kann ich nicht besonders gut. Dafür ist das Spiel in der Kreisklasse zu sehr vom Zufall bestimmt. Das machen auch die Slapstick Einlagen nicht wett. Im Internet das Ergebnis nachzuvollziehen, fällt mir nicht viel leichter. Die Mannschaft hat verloren und das gegen einen Verein, der mehr nach unten schauen muss als nach oben. Ich darf während meiner Verletzungspause nicht mehr auf die Ergebnisse schauen! Ab jetzt.

Ich wollte eigentlich über den Freimarkt gehen, aber es regnet und ach, was will ich da?
Dann schone ich lieber mein Bein und schaue fern. Who watches the Watchmen? Ich!

Samstag, 24. November 2012

Samstag, den 03. November 2012 - Thomas H



„KOMMT ALLE AUS DEM HAUS, ES SCHNEIT!!!“
Ich bin wach. Mein Nachbar Linus hat die Musik aufgedreht. Spongebob Weihnachtslieder, danach der Soundtrack vom Musical König der Löwen, daraufhin folgt harter Metal. Was sonst? Er feiert heute in seinen 29. Geburtstag hinein und groovt sich ein. Es soll eine kleine, interne MC-DJ Feier werden. MC-DJ ist die Betitelung des engen, gut belastbaren Freundeskreises aus Hoya Zeiten. So ähnlich wie Skulls and Bones, nur cooler eben. Jan hat sich als Übernachtungsgast bei mir angekündigt, was bedeutet, ich muss aufräumen, das Sofa beziehen etc. Besuch, es gibt keinen besseren Grund zu putzen. Außer Asthma vielleicht.

Es regnet. Ich habe Linus versprochen ihm beim Bierholen zu helfen. Wir wollten die 800 Meter zum REWE zu Fuß zurücklegen und den erschwerten Rückweg mit der S-Bahn antreten. Nach den ersten Metern entschließt sich Linus dazu, lieber den weitaus kürzen Weg zum Penny zu nehmen und anstatt zwei Kisten, acht Sechserträger Haake Beck aus den Laden zu schleppen. Das bedeutet für jeden einen Träger in die linke Hand, einen in die rechte Hand und jeweils einen Träger unter die Arme. Es ist peinlich. Wir sehen nicht gut genug aus, als dass Alkoholkonsum bei uns ironisch oder wie eine Ausnahme wirken würde.

Falls ich mich wiederholt dafür rechtfertigen muss, weshalb ich nichts trinke, führe ich diesen Umstand an. Der Staffellauf der Alkoholbeschaffung. Geht ein Mann mit einem Kasten Bier in der Hand den Fußweg entlang, denken die Leute, der bringt einen Kasten Bier dorthin, wo er benötigt wird. Müht man sich aber mit vier Sechserträgern ab, ist man mindestens asozial und zur gesellschaftlichen Schelte freigegeben. Da könnte ich glatt wieder anfangen zu trinken.

Mein Beitrag zum Buffet sind die Altbewerten Chicken Nuggets aus der Pfanne. Wir schauen uns auf dem Beamer Fotos und Videos der letzten Hochzeiten aus dem Freundeskreis an. Vier Hochzeiten und kein Todesfall, guter Schnitt bisher. Nicht zu trinken funktioniert auch heute wunderbar, trotzdem muss ich meine Abstinenz abermals erklären. Viele greifen den Verzicht als persönliche Beleidigung auf. Der feine Herr hat es wohl nicht nötig. Wie Martin schon richtig sagte: man muss sich öfters dafür rechtfertigen nichts zu trinken, als dafür, jemanden in die Bude gekotzt zu haben. Ist so.

Freitag, 23. November 2012

Freitag, den 02. November 2012 - Thomas H



Aus Gründen bin ich gezwungen auf den PC Windows 7 neu zu installieren. Das bedeutet alle relevanten Dateien auf die externe Festplatte laden und die meisten Programme aufs Neue aus dem Internet herunterbeamen. Da muss man was nebenbei zutun haben, sonst dreht man bei den Voranschleichenden Ladevorgängen durch. Ich räume auf, also Dinge beiseite und gehe Duschen. Mit oder ohne Verband duschen? Ich habe weder das heilende Gel, noch Mullbinden, noch einen Meter Klebeband um den Verband zu stabilisieren im Haushalt. Was solls, runter damit, es muss auch ohne gehen, im wahrsten Sinne.

Als ich aus der Dusche komme, steht meine Wohnungstür weit offen. Merkwürdig. Ich habe heute nicht einmal die Wohnung verlassen, mein Nachbar war nicht heimlich zu besuch und fehlen tut auch nichts. Merkwürdig. Vielleicht habe ich gestern die Tür lieblos ins Schloss geschwungen und sie ist durch einen Luftdruck aufgegangen? Das kaufe ich mir ab.

Windows läuft wieder und ninite.com lädt den Großteil der Programme automatisch auf den PC. Zeit genug einzukaufen. Wo sind denn meine Schuhe? Ach ja, die habe ich in den Flur gestellt und dabei die Wohnungstür offen gelassen. Shit, nun habe ich die Nachbarn umsonst beunruhigt. Obwohl, Achtsamkeit kann nie schaden.
Beim Penny lege ich die Einkäufe auf das Warenband und stelle mich etwas abseits, auf Höhe der Kasse. In die Warteschlange reihe ich mich selten ein. Das ist zu offensichtlich verschwendete Zeit, außerdem entkomme ich so dem ganzen Trubel, verschnupfte Nasen, rechtfertigende Blicke usw.
Während ich warte, suche ich bereits das Kleingeld passend raus und beobachte was andere einkaufen und kombiniere, was bei denen heute Abend geplant ist. Für manche hat das Wochenende ja weiterhin einen Stellenwert. Für mich sind mittlerweile nur noch Öffnungszeiten relevant.
Eine junge Frau unterbricht meine Gedanken. Ob ich ihre Reuepunkte haben möchte?
Ja.
Ach, Treuepunkte. Nein. Danke.
Die nette Frau könnte das Highlight des Tages werden. Üblicherweise denken die Leute, ich wolle die Geheimnummer ihrer EC Karte ausspionieren.

Musik Musik Musik, ich höre den ganzen Tag Musik. Detektivarbeit in Sachen Lebensqualität. Ein alter, unbekannter Song geht mir nicht aus den Kopf und das sonst so zuverlässige Internet bietet keine Antwort. Dafür aber Ersatz. Trotz Anhaltspunkt, das Lied bedient sich bei Timmy Ts One more Try, habe ich nicht die leiseste Ahnung.
Das Perquisite Album Across klingt ähnlich wie das Album vom Blumentopf DJ Sepalot. Mehrerer solcher Erkenntnisse begleiten mich durch den Abend.
Vor der Saufpause hätte ich Pumping on your Stereo von Supergrass aufgedreht und etwas in Richtung Wochenende angeschoben. Die Saufpause, wie Martin die abstinenten Wochen betitelt, war früher die Zeit zwischen den Wochenenden. Das letzte Bier ist jetzt ungefähr sechs Wochen her und es soll noch ungefähr acht Wochen so weitergehen.

Bei Wer wird Millionär Mitraten, bei Breaking Bad in der vierten Staffel quer einsteigen und über Pastewka schmunzeln, bisher merke ich nichts von irgendeiner Verblödung durch das Fernsehen. Kommt bestimmt noch.

Im Bett höre ich mir den dreistündigen Podcast von den Game One Jungs über die Teenage Mutant Ninja Turtles an. Sonntag kommt die neue TMNT Serie auf Nickelodeon. Vorfreude.

Donnerstag, 22. November 2012

Donnerstag, den 01. November 2012 - Thomas H



Heute steht der Termin beim Orthopäden an. Traue Niemanden, der keine Beschwerden hat, muntere ich mich auf. Ich nehme wieder Hobalala von Marc Fischer mit. Aus Angst das Buch zu schnell durchzulesen, habe ich seither nicht mehr reingeschaut. Es könnte ganz interessant sein, zu sehen, wie viele Seiten ich heute schaffe, respektive, wie lange ich heute warten muss. Zehn Seiten später bin ich dran. Der Arzt sieht aus wie Joachim Meyerhoff. So, als ob er mir schon etwas brechen werde, sollte er nichts finden. Eine Auszubildende im blauen Kittel schaut mich, während sie nach meinem Leiden fragt, lasziv über ihren Brillenrand an.

Hose runter, höre ich vom Arzt. Es gibt doch nichts Lächerlicheres als einen Mann in Shorts und hochgezogenen Baumwollsocken. Zum ersten Mal beginne ich zu verstehen, was Menschen an Tätowierungen finden. Ein chinesisches Schriftzeichen oder ein Rocker-Emblem auf der Wade würden mir, zumindest vor der Arzthelferin, vielleicht eine geheimnisvolle Aura verleihen und mich nicht dastehen lassen, als wäre ich beim Scheißen erschreckt worden.

Der Arzt sucht mit dem Ultraschallgerät, wobei er nicht mit dem Glitsch spart, unter meiner linken Kniekehle nach den von mir diagnostizierten Muskelfaserriss. Gefunden! Ich hatte recht!
Weiter ging es mit Röntgen. Mein rechtes Knie ist ebenfalls eine einzige Baustelle. 
Eigendiagnose: Außenband lädiert.
Diagnose: Kniescheibe überbeansprucht.
Das kann sich natürlich auch auf das Außenband auswirken, einigen wir uns auf Unentschieden. Mein Faserriss wird mit einer geruchsintensiven Schmiere behandelt und großflächig bandagiert. Der Hinweis des Arztes, er klebe die Mullbinde für den besseren Halt extra großzügig auf der Beinbehaarung ab, wird das spätere Entfernen nicht angenehmer gestalten.
Zur Entlastung der Kniescheibe werden mir Einlagen für die Schuhe verschrieben. Einlagen, Bandage, fehlt nur noch der Fahrradhelm und rabiate Hauptschüler gehen auf mich los. In der Orthopädietechnik ist es total nett. Nette Angestellte, netter Umgang, nette Zuzahlung. Ich komme mir beim bestellen der Einlagen richtig privilegiert vor.

Nach dem Arztbesuch gehe ich in die Stadt, strawanzen. Die Läden in der Bremer Innenstadt sind von mir über Jahre hinweg abgelatscht worden. Einzig die Menschen vor den Regalen sind neu, in den Regalen steht derselbe Krempel. Ob die Frauen in den Parfümerien wissen, dass sie nur aufgrund ihres Aussehens angestellt sind? Und wie Kundinnen darauf wohl reagieren? Mit Eifersucht, Mitleid oder mit Vertrauen in das Produkt?
Egal, ich jedenfalls kaufe dort nie etwas. Im Grunde genommen, starre ich im vorbeigehen nur umher. Mit dem Abgreifen des neuen Intro Magazins (Gratis) ist das Durchqueren der großen Kaufhäuser für mich ausreichend gerechtfertigt.
Das Studio Braun Projekt Fraktus ist auf dem Intro Cover und auf 3Sat und im Internet… Bildungsauftrag erfüllt.

Bei Hot Shots kippe ich auf dem Grabbeltisch mit den Zeigefingern in einem irrsinnigen Tempo die frisch eingetroffenen, gebrauchten Maxi Singles nach vorne. Klack. Klack. Klack.
„Habe ich. 90er. Lohnt nicht.“ Es ist wie eine Zeitreise. Unglaublich wer alles eine CD veröffentlichen durfte. Der halbe Big Brother Container saß schon mal in einem Tonstudio. Letztendlich hat es sich doch gelohnt. Für mich, für Walter aus dem Big Brother Haus weniger. Einen Lacher und eine Maxi CD nehme ich für insgesamt zwei Euro mit nach Hause. Der Lacher: Helge Schneider – Zwosprachig aufgewachsen. Die Maxi: Herbert Grönemeyer – Bleibt alles anders.

Vor dem Fernseher entlaste ich meine Beine. Tele 5 hat aufgerüstet. Peter Rütten, ehemaliger Chefautor der Harald Schmidt Show, hat seine eigene Sendung bekommen. Danach laufen bereits bekannte Folgen von Ulmen TV  und um 23:10 Uhr Stuckrad-Barre mit seinem eins gegen eins Polittalk. Fesselnd ist das Programm nicht, aber immerhin haben sich die drei gegen Rambo 2 – Der Auftrag durchgesetzt. Der Verband müffelt angenehm nach Heilsalbe.

Mittwoch, 21. November 2012

Mittwoch, den 31. Oktober 2012 - Thomas H



Ich schlief erst um 4 Uhr ein. Um 8:15 Uhr habe ich den Termin beim Arzt. Seit meinem letzten Besuch hat sich in der Praxis einiges geändert. Am Eingang liegen Mundschutze aus, Hinweisschilder weisen darauf hin, niemanden die Hand zu schütteln, es ist wie in einer Quarantänestation, und ein neuer Arzt ist in die Praxis gezogen. Letzteres erklärt den Wandel zu alternativen Heilmethoden, wie der Hypnose.

Die neue mit Bild oder die alte ohne Bild? Der Sprechstundenhilfe ist es egal welche Krankenkassenkarte sie von mir bekommt. „Der Computer erkennt keine Bilder.“
"Achso" - Der Schlachtruf der Dummen.

Angeblich ist ein volles Wartezimmer das Aushängeschild eines guten Arztes, weshalb viele Ärzte ihr Wartezimmer ordentlich überfüllen. Dieser Warteraum ist allerdings leer, dafür überheizt. Meine Jacke lasse ich trotzdem an. Ich will das mitgebrachte Buch nicht in der Hand behalten oder hier liegen lassen oder erst zur Garderobe gehen müssen, mit den Kleiderbügeln klappern, an den Taschen rumnesteln und das alles während man auf mich wartet.

Zwei weitere Patienten gesellen sich in einem despektierlichen Abstand zu mir in den Warteraum. Beide sind in meinem Alter, beide im Anzug oder zumindest im adretten Aufzug. Mich beschleicht der Gedanke, dass der Dr. med. Dr. phil. eher für seine Krankschreibungen bekannt ist. Nach fünf Minuten bekomme ich einen Schnupfen, bilde ich mir ein.

Der Arzt nimmt sich viel Zeit. Er ist der Meinung, das mache einen guten Arzt aus, genauso wie der Verzicht auf das obligatorische, aber Virenverbreitende Händeschütteln. Er erklärt mir, was sich in meinem Knie abspielt und empfiehlt ein Phlogenzym, 800 Tabletten für circa 125 Euro, und einen Orthopäden. Von den Orthopäden hat er nur gutes Gehört, er nehme sich ebenfalls Zeit für seine Patienten und wenn nicht, dann hat er wohl mal einen Blick auf die Monatsabrechnung geworfen. Statt der Hand gibt es einen guten Gag zum Abschied. Die Tabletten werde ich mir nicht kaufen, die Fußballerarthrose ist ohnehin vorprogrammiert. Den Termin beim Orthopäden nehme ich hingegen gerne. Morgen, 11:45 Uhr.

Beim Penny schaue ich mich nach was zu Essen um. Es scheint so was wie eine Hawaii-Toast Woche bei Penny zu sein. Zumindest sind die Zutaten gerade im Angebot. Vor mich hinbrabbelnd, streife ich durch die Regale - Ananas aus der Dose, Scheiblettenkäse und Schinken, den Ofen vorheizen und rein damit. Die mittlere Schiene. Nanananaa, das ist der Hawaii Tost, Toast Hawaii schmeckt allen gut. Was ist mit dir? - und was ist Scheiblettenkäse eigentlich für eine widerwärtige Wortschöpfung?

Zu Hause höre ich Lieder von Joao Gilberto und Wendy Carlos, passend zum Roman Hobalala von Marc Fischer. Eine Hommage an den Bossa Nova. Das Buch könnte man in zwei Tagen durchlesen, wären da nicht so viele Randinformationen, die ich alle erst im Netz nachvollziehe, bevor ich weiterlese.
Spontan entschließe ich mich dazu über den Freimarkt zu gehen und mich dem dortigen Gedrängel auszusetzen. Vom Balkon aus ändert sich meine Meinung. Der Regen hat Schuld. Außer etwas Unkonventionelles zum Abendessen und mein Können am Geschicklichkeitskran unter beweis zu stellen, und zwar allein mir gegenüber, zog mich dort eh nichts hin.

Dienstag, 20. November 2012

Dienstag, den 30. Oktober 2012 - Thomas H.


Es könnte sein, dass die Heizung erst durchlüftet werden muss, erfahre ich von Linus. Interessanter Punkt. Den Wasserkreislauf sollen aber andere aufschrauben. Die Heizung plätschert vor sich hin, es wird sogar etwas warm. Mal abwarten, was da noch kommt und ob mir das genügt.

Ein Rabe landet auf der Dachrinne neben meinem Balkon und scheißt unvermittelt in den gepflasterten Hof. Ich höre wie der Schiss unten auf das Pflaster klatscht. Der Rabe schaut sich unaufgeregt um und hüpft, ohne mit den Flügeln zu schlagen, von der Dachrinne. Coole Performanz vom König des Herbstes.

Die Nachrichten sind voll mit den vier Milliarden Deal zwischen LucasArts und Disney. Zumindest die Nachrichten, die ich so verfolge. Endlich gibt George Lucas die Star Wars Rechte aus seinen raffgierigen Klauen. Bereits für 2015 ist Episode 7 geplant und George Lucas darf höchstens beratend einwirken. Dass ich das noch erleben darf.

Montag, 19. November 2012

Montag, den 29. Oktober 2012 - Thomas H.



„Dann musst du früher aufstehen“. Das Killerargument von vielen Eltern, die sich das Elend dieser Welt nicht anders erklären können. Einfach nicht früh genug aufgestanden. Ich stehe um 7 Uhr auf und habe das Gefühl, es ist nicht früh genug. Ich steige auf mein Rad und fahre an Lottoannahmestellen, Friseursalons, Imbisse und einen Laden für Kifferutensilien vorbei, direkt zum Jobcenter. Was war wohl zuerst da? Das Jobcenter oder das soziale Umfeld. Mit einem Termin darf ich an den Schaltern vorbei gehen. Der Warteraum ist völlig überfüllt. Die Menschen stehen wartend auf den Treppen. Manche bringen zur Unterstützung sogar ihre ganze Familie mit. 

Die Sachbearbeiterin will meinen Antrag sehen. Ich habe nie einen Antrag bekommen - ich schwör. Mir wurde bei meinem ersten Termin zwar aufgeführt welche Unterlagen ich mitzubringen habe, aber nie war die Rede von einem Antrag. Die Dame druckt mir die sieben Seiten aus und schickt mich zurück auf den Flur. Den Antrag sehe ich tatsächlich zum ersten Mal. Alle Information, die der Antrag von mir haben möchte, kann ich aus den mitgebrachten Unterlagen abschreiben.
Letztendlich ging es nur um die Unterschriften. Es ist wie überall: Er hat Recht, aber kein Diplom, seine Doktorarbeit abgeschrieben, seine Hausaufgaben vergessen, also hat er nicht Recht. Wo kämen wir denn sonst hin? Zurück im Büro der Sachbearbeiterin weißt sie mich freundlich daraufhin, dass ich vergessen habe die Rückseiten auszufüllen. Einen Vorwurf macht sie mir nicht, trotzdem rechtfertige ich mich. Auf den Rückseiten geht es ums private Vermögen. Sie schätzt mich richtig ein und macht überall ein Kreuz bei „Nein“. Nichts geschenkt bekommen im Leben. Bis auf das Nachreichen einer aktuellen Meldebestätigung ist alles erledigt. Während ich auf meine Unterlagen warte, denke ich darüber nach, welchen Stellenwert saubere Schuhe in unserer Gesellschaft haben.

„Haben sie meinen Kugelschreiber eingesteckt?“
„Natürlich.“

Das Bürger Service Center ist ebenfalls überfüllt. Dennoch benötigen die Angestellten, Beamte sind das mit Sicherheit keine, gegen jede Erwartung nur zehn Minuten mir eine aktuelle Meldebestätigung auszuhändigen. Mir wird empfohlen zum kopieren zu Saturn zu gehen. Fünf Cent die Kopie, das ist fair. Die erste Kopie wird auf DIN A3 gedruckt, für zehn Cent. Nachdem ein Mitarbeiter das Papierfach wieder aufgefüllt hatte, wurde der zweite Versuch beidseitig bedruckt, wieder zehn Cent. Egal jetzt. Ich radele zurück zum Jobcenter und schmeiße die Kopie in den Briefkasten des verantwortlichen Fachbereichs. Hoffentlich.

Der Arzt meines Vertrauens ist seit heute aus dem Urlaub zurück. Ich möchte wissen, was mit meinem linken Bein nicht stimmt und mir ein paar Überweisungen abholen. Die Eigendiagnose lautet Muskelfaserriss. Ein Ziehen in der Kniebeuge hatte ich schon länger nach den Fußballspielen, aber dass ich überhaupt nicht mehr sprinten oder schmerzfrei Schießen konnte, ist neu. Seit meinem letzten Besuch hat sich dort einiges getan. Auf den Praxisschild sind zur Allgemeinmedizin, Hypnose und Akupunktur hinzugekommen. Klingt so, als hätte der Arzt sich zusätzlich ein paar Pseudowissenschaften angeeignet, via Fernstudium. Das kommt bei den älteren Patienten bestimmt gut an. Kann mir egal sein. Bisher wurde mir mit meinen körperlichen Gebrechen auf konventionelle Art und Weise gut geholfen. Das eine Mal also.
Nachdem ich im Hausflur bei der Praxis klingelte, öffnet mir eine kleine, hutzelige Frau die Tür und fragte was ich wolle. Einladend war das nicht. Meinen Plan, mich einfach ins Wartezimmer zu setzen und den Bukowski zu Ende zu lesen bis ich aufgerufen werde, traute ich mich nicht ihr in dieser Situation zu unterbreiten. Störe ich etwa?
Einen Termin hätte ich gerne, fiel es aus mir heraus. Dann sind sie hier richtig, entgegnete die Sprechstundenhilfe und bat mich herein. In der kleinen Praxis war kein einziger Patient. Mittwochfrüh soll ich wiederkommen. Meine bisherigen Arzttermine wurden über Monate hinweg angesetzt. Dagegen ist Mittwochfrüh schon fast als eine Verabredung zu bezeichnen.

Zuhause suche ich den Antrag. Den unterschwelligen Vorwurf, den ich mir selbst gemacht habe, wollte ich nicht auf mich sitzen lassen. Was soll ich sagen, ich habe wirklich nie einen Antrag mitbekommen. Skandal. Ich lege mich wieder ins Bett und lese den Bukowski dort.

Abends gehe ich einkaufen, mache mir etwas zu essen und schaue die Simpsons. Es ist so verdammt kalt geworden. In den Nachrichten zeigen sie weiße Landschaften und berichten von dem Hurrikane in den USA. Genauer gesagt rast ein Hurrikane in diesem Augenblick auf die Küste von New York zu. Bis Wer wird Millionär kommt, drehe ich die Heizung auf 5 und gehe wieder ins warme Bett. Eine Stunde später ist es immer noch kalt im Wohnzimmer. Die Heizung geht schon wieder nicht. Jedes Jahr dasselbe Theater.