Donnerstag, 2. August 2012

Dein Lieblingsmensch schaut fern Teil 1


"Das Fernsehen gibt so viel und verlangt so wenig" Homer Simpsons

Kaum habe ich euch Disneys Pheanius und Ferb ans Herz gelegt, läuft auf Super RTL schon der nächste Knaller: Zig und Sharko – Meerjungfrauen frisst man nicht. Aus demselben französischen Studio Xilam, die auch für Oggy und die Kakerlaken verantwortlich sind. Beide Serien sind so genannte Silent Comedys.
Zig ist eine Hyäne, die auf einer tropischen Insel lebt und Marina, die benachbarte Meerjungfrau, fressen will. Die erfinderische Krabbe Bernie ist sein Helfer und Sidekick. Damit es nicht zu einfach und ordentlich unterhaltsam wird, hat die naive Marina in Sharko einen schlagkräftigen Beschützer. Allein die Gesten und Mimiken sind es wert die sieben Minuten in eine der 80 Folgen zu investieren. Wer das nussjagende Vieh aus Ice Age mag, wird diesen Humor lieben. Der Koyote und der Roadrunner standen sicherlich auch Pate. Also ehrlich, wer das nicht lustig findet…



Ich bin ja auf Zigs Seite

Mittwoch, 1. August 2012

Run this Town

"Meep Meep" Der Roadrunner

Anfangs lief ich ohne Musik. Die Kopfhörerkabel sind zu kurz, um von der Jogginghose bis zu den Ohren zu reichen. Vorausgesetzt die Hose hat überhaupt Taschen. Für eine Trainingsjacke, so wie ich sie aktuell beim Laufen trage, war es vor ein paar Wochen noch zu warm. Von der Jackentasche aus reicht das Kabel bis in die Ohren. Den Haustürschlüssel flechte ich nach wie vor in die Schnürsenkel. Die 100 Meter von meiner Wohnung bis zum Werdersee gehe ich. Manchmal habe ich die Gelegenheit in die vorbeifahrende Bahn und somit in die genervten Gesichter der Leute zu blicken. Nicht in ihre Richtung zu müssen, motiviert mich zusätzlich. Zum Warmmachprogramm gehört die Strecke vom Roten Kreuz Krankenhaus bis zur Brücke über den Werdersee. Bis hierhin stimmt die Körperhaltung noch. Spaziergänger werden elegant umkurvt und die Zeit zwischen Klingeln und dem Überholmanöver eines Fahrradfahrers vergeht so langsam, dass ich mich oft besorgt umdrehe.
Das Brückengeländer bietet sich perfekt für die Dehnungsübungen an. Leider ist an dieser Abzweigung auch am meisten los. Trinker nutzen die Nähe zum Rewe Markt, Familien mit Kinderwagen streiten über die einzuschlagende Richtung und Mädchen wechseln vom flachen Schuhwerk auf Skates. Die Trinker stören nicht, die sind eher nett. Die Spaziergänger mit Kinderwagen verstehe ich häufig nicht, die sind mir entsprechend egal. Nur den Mädchen auf den Skates traue ich nicht, die sind mindesten acht bis zehn Zentimeter kleiner als sie vorgeben zu sein.

Wie beim Laufen auch, kann man beim Dehnen viel verkehrt machen. Amateure legen ihre Sehnen anstatt die Hacken auf das Geländer und bringen ihre Füße in eine unnatürliche, verdrehte Position. Dazu sollte man darauf achten mindestens 30 Sekunden in einer leicht beanspruchenden Dehnhaltung zu verbringen. In der Dehnphase laufen natürlich hoch motivierte, in Spandex gekleidete Jogger an mir vorbei. Es gibt eindeutig einen Gruß unter entgegenkommenden Joggern. Eine schlampig ausgeführte Handbewegung auf Hüfthöhe. Ich habe ihn nie erwidert. Wenn es nach mir ginge, bestünde der Gruß aus einer sauber ausgeführten Clothesline. Diese Familienväter in ihren semiprofessionellen Spandex Suits sind mir unheimlich. Die verbrennen bei ausdauernder Belastung sicherlich Zucker, vielleicht kommen sie sogar an das schwer zu erreichende Fett, aber denen geht es doch niemals um die Endorphine. Über den psychosomatischen Effekt beim Laufen hinauszukommen, ist sehr schwierig. Für mich ist das Gefühl "etwas getan zu haben" sowieso der einzige ganzheitliche Ansatz. Die Annahme, man nehme ab indem man regelmäßig ein paar Runden drehe, ist illusorisch. Die körperlichen Grenzen ausloten, überschreiten und mich daraufhin bestätigt fühlen, mehr ist nicht drin.

Ich laufe nie ganz um den Werdersee, sondern immer nur bis zu einem bestimmten Punkt und dann dieselbe Strecke wieder zurück. Mal das Knie, mal der lädierte Rücken oder die übersäuerten Schienbeine, irgendetwas zwingt mich immer zur Umkehr. Der Grund: Die andere Seite des Werdersees ist großflächiger und bietet mehr Auslauf für Hunde, Drachenflieger und FKK Omis. Außerdem gibt es einen ausgewiesenen Bereich für Schwimmer, einen Spielplatz und Sonstiges was Kinder anlockt.

Ich laufe am Roland Krankenhaus vorbei, an den Gipsarmrussen und all die versehrten mit ihren Gehhilfen. Die hassen den schludrig gekleideten Gelegenheits-Jogger wie mich, mit seinem provokant abgeschlafften Laufstil. Als ob ich hier nur wegen denen einen auf leichtfüßig machen würde. Und ich komme sogar noch ein zweites Mal vorbei, agil und mit Daumen hoch. Pure Verachtung.
Es ist interessant zu beobachten, wohin junge Frauen schauen, wenn sie mir beim Joggen entgegenkommen. Abwechselnd in die Wolken, die Bäume oder auf das Wasser. Da gibt es überhaupt nichts zusehen, aber alles immer noch besser als des Starrens bezichtigt zu werden. Zwischen dem ersten Blickkontakt und dem Aneinandervorbeiziehen liegen bestimmt zehn Sekunden. Solange beschämt in die Runde zu schauen, ist schon etwas albern. Erst auf den letzten Meter werfen sie einen eingeschnappten Blick rüber. Nach unten schauen sie nie, wegen des Doppelkinns. Vermute ich. Erst einmal wurde mir zugelächelt.

Was das Laufen oder das Streckemachen so anstrengend gestaltet, ist nicht der eigene Körper, sondern die der anderen. Am unerträglichsten sind Läufer, die mich überholen und kurz vor mir wieder in ihr normales Tempo verfallen. Das kommt zum Glück sehr selten vor. Ziehe ich während ihrer Dehn- oder einer Schwächephase wieder an ihnen vorbei, kann ich mir ein „Meep Meep“ nicht verkneifen. Radfahrer haben einen klar ausgeschilderten, eigenen Weg, die belästigen im Idealfall niemanden. Hunde hingegen nerven immer. Inline Skater eigentlich auch. Wenn sie einen überholen, sind sie durch das ausufernde Schwungholen in ihrer Geschwindigkeit und dem Platzbedarf nur schwer einzuschätzen. Am schlimmsten sind Pärchen, die Hand in Hand fahren müssen. Der Typ sehnt ganz offensichtlich den Moment in der Beziehung herbei, in dem sie endlich über den Umstand des gemeinsamen Inline Skaten hinweg sind. Oft versprühen die Herren auf ihren modernen Rollschuhen den Charme eines Achtzigerjahre Freddy Mercurys. Und sie wissen es. They want to break free.
Oder sie spielen einfach nur bei Starligt Express mit. Kann auch sein.

Sonntag, 17. Juni 2012

Wolfgang Neuss

"Heut’ mach ich mir kein Abendbrot, heut’ mach ich mir Gedanken." Wolgang Neuss

Ich möchte den PmD Hype nutzen, um auf Wolfgang Neuss, dem Indianer, dem Mann mit der Trommel, aufmerksam zu machen. Gestern lief auf 3Sat die Dokumentation Wolfgang Neuss - Testament. Hier könnt ihr sie nochmal sehen. Und falls notwendig nochmals. Ich höre dem ungeheuer gerne zu. Wer gut redet, dem gibt man gerne recht und wenn derjenige auch noch recht hat, was will man mehr? Wer ist schon gerne dumm? Niemand! Also viel Spaß.

Samstag, 16. Juni 2012

Picture my Day #10

15.06.2012 .Wieder ein Tag in Bildern. Die Teilnehmerliste könnt ihr hier abrufen.



























Hier sind die Links zu PmD

Donnerstag, 31. Mai 2012

Persepolis

Persepolis lief vor kurzem im Bayrischen Rundfunk. Natürlich spät nachts. Der in Frankreich produzierte Animationsfilm von 2007 zeigt das Leben der Marjane Saprati im Iran während der islamischen Revolution. Saprati führte bei dem Film selbst Regie, was für die Authentizität spricht. Zum Erstaunen vieler Iraker wurde der Sender des BRs nach der Ausstrahlung nicht niedergebrannt. Ist schon was anderes hier. Der Film bekam 2008 den Oscar für den besten animierten Film. Lasst euch nicht von dem minimalistischen Stil abschrecken, der Stimmung tut der schwarz/weiß Look sehr gut. Alles über den Film lesen, könnt ihr bei Wiki, sehen könnt ihr ihn nur hier und bei Youtube und auf DVD und sonst wo. Wer Lara Croft für eine starke Frau hält, sollte den Film unbedingt schauen und sich danach etwas eingestehen.

Samstag, 26. Mai 2012

FC Bayern München - Die Saison 2011/12


WARNUNG: in diesem Text geht es ausschließlich um Fußball. Was irgendwelche Herren Abseits des Platzes erzählen und behaupten, ist irrelevant.


Als Freund und Förderer des FC Bayern München werde ich oft um eine Stellungsnahme zur abgelaufenen Saison gebeten. Viele scheinen zu ahnen, dass es nach drei verschenkten Titeln nicht unbedingt mit dem Traditionsverein vorbei ist. Wie geht es also weiter, vorausgesetzt Bayern tritt nächste Saison überhaupt wieder an.

Die Saison 2011 – kein Titel

Dortmund spielt den besseren Fußball. Dies war 2011 bereits zu erkennen. Aber nimmt man die Saison der Bayernspieler aus dem Jahr 2010, ist eine durchwachsende Saison und die Wachablösung an der Tabellenspitze absolut nachvollziehbar.
Bayern wurde 2010 Meister, Pokalsieger und stand im Finale der Champions League. Bei der WM 2010 spielten neun Bayernspieler alle sieben möglichen Partien und in welcher Verfassung Robben aus dem Finale wieder kam, daran wurden wir am Dienstag mit dem umstrittenen Freundschaftsspiel gegen Holland erinnert. Und weil ein exzentrischer Louis van Gaal unfehlbar ist, kauft er keinen einzigen Spieler für die Saison 2011 nach und unternimmt stattdessen riskante Wechselspiele. Die Saison konnte man schnell abhacken. Das Argument, das sind Profis, die dürfen nie müde sein, ist kein Argument. Wie gesagt, es geht nur um Fußball.

Die Saison 2012 – immer noch keinen Titel

2012 kam mit Jupp Heynckes, der von mir favorisierte Trainer, zurück zu den Bayern. Auch die Einkäufe stimmten mich auf eine positive Saison ein. Die Hinrunde lief entsprechend gut.
Die Todesgruppe in der Champions League wurde souverän gewonnen und die Herbstmeisterschaft ging, mit einen neuen Vereinsrekord, verdient an die Bayern.
Natürlich fiel es auf, dass die Dortmunder ihre Spielphilosophie verbessert haben. Deutlich wurde es im direkten Duell gegen die Bayern. Sie spielten einen enorm schnellen, präzisen Umschaltfußball. In der Hinrunde lief der BVB noch verzweifelt gegen tief stehende Mannschaften an, eine Spielweise, die merkwürdigerweise in der Rückrunde nur selten von den Gegnern im unteren Tabellendrittel angewandt wurde. Eben die Spielweise, mit der sich der FC Bayern fast immer auseinander setzen muss.
Leider wurde nie weiter hinterfragt, wieso Bayern so desolat aus der Winterpause kam. Laut Heynckes, haben sie sehr gut gearbeitet. Vielleicht waren es die vertraglich festgelegten Werbespiele um die Geldgeber zufrieden zu stellen, denen gibt man aber nicht gerne die Schuld, oder es wurde ganz einfach nicht besonders gut gearbeitet. Bayern ließ gegen defensiv stehende Mannschaften viele Punkte liegen, während Dortmund wiederum seinen persönlichen Vereinsrekord aufstellte. Im direkten Duell war es der Egoismus, bzw. die besondere „Spielerklasse“, auf die sich die Bayern allzu oft verließen und die dann das Spiel verlor. So ist das, wenn das Gewicht in der Mannschaft nicht gleichmäßiger verteilt ist. Robben gewinnt Spiele oder er verliert sie eben. Für mich als Freund und Mitbegründer der dritten Generation war es eine gute Saison. Einen Grund so mitzufiebern, hatte ich bisher nur bei den Welt- und Europameisterschaften. Champions League Finals mit deutscher Beteiligung sind leider viel zu selten um cool zu bleiben.

Die Finalspiele

Die Saison war mit drei Finalspielen, das Rückspiel in Dortmund mitgezählt, keinesfalls ein Desaster. Auch dass alle drei verloren wurden, kann ich verkraften. Das DFB Pokalfinale wurde durch individuelle Fehler auf Bayernseite entschieden. So verliert man natürlich und auch entsprechend hoch. Für mich sah das so aus, als waren die Bayern mit dem Kopf bereits im CL Finale oder sie sind ganz einfach so unheimlich schlecht. Um das herauszufinden, musste man nur eine Woche später das Champions League Finale schauen. Die Bayern spielten überragend, waren eindeutig überlegen, nur hat Cech einmal mehr bewiesen, weshalb er und nicht Neuer, der beste Torwart der Welt ist. Den Vergleich zwischen Drogba und Gomez ging ebenfalls an Chelsea. Dazu unten mehr. Für Fußballästheten hat das unattraktivere System nun mal die Champions League gewonnen. Im Halbfinale gegen Barcelona war ich noch für Chelsea, logisch, einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung was den Sieg der Bayern im Finale anging. Barcelona hätte die Münchner in den neunzig Minuten vorgeführt. Man erinnere sich an das Finale 2011, ManU stand von vornherein als Verlierer fest und anders wäre es den Bayern auch nicht ergangen. Naiv wie ich bin, hoffte ich, dass Chelsea in einem einzigen, finalen Spiel mehr aufrücken würde, aber dass die von Minute eins ab so sehr auf den Abpfiff hofften, hätte ich nie gedacht. Falls Abramowitsch davon ausgeht wenigstens diese Saison mit Chelsea einen Gewinn zu erwirtschaften, dann hat er jetzt 3,6 Million mehr die er der einen Milliarde Ausgaben gegenüberstellen kann und falls es ihm nur um das Prestige ging, dann hat er spätestens jetzt ganz Fußball Europa gegen sich aufgebracht. Der Titel hat an Glanz verloren, aber heute redet ja auch keiner mehr über Griechenlands EM Sieg 2004. Die Intensität der Bayern wird aufgrund der Niederlage nicht nachlassen und schaue ich nur ein Jahr weiter, sehe ich Chelsea nicht im Viertelfinale der CL 2013.

Die Saison 2013 – wie es weitergehen könnte

Die statische Spielweise der Bayern, die sehr vom Tempo und der Technik von zwei, drei Akteuren lebt, ist ein gefundenes Fressen für Mannschaften, die ihre stärke nicht darin sehen das Spiel selber aufzuziehen. Gladbach, Hannover und Dortmund haben aufgezeigt, wie man das System knackt. Effektiver Umschaltfußball. Das sind Mannschaften, die sehr selten den Ball lange in der gegnerischen Hälfte halten. Der Ballbesitz findet, wenn überhaupt, in der eigenen Hälfte statt, was dann den aufrückenden Gegnern beim schnellen umschalten mit langen Bällen zum Verhängnis wird.
Die Effektivität dieser Spielweise ist unumstritten, nur sehe ich darin kein internationales Potenzial oder finde besonderes Gefallen daran. Die Bayern orientieren sich nach oben, an den FC Barcelona. Die zelebrieren den Ballbesitz und das Hineindrängen des Gegners in die eigene Hälfte. Barcelona hat aber auch die Zeit und die Mittel investiert um eine perfekte Mischung an Spielern für dieses System zu finden. Sie scheuen nicht davor zurück dreistellige Millionenbeträge für das Zusammenstellen der ersten Mannschaft auszugeben. So kostete die Suche nach einem mitspielenden Stürmer, mit Henry, Ibrahimovic und letztendlich Fabregas und Villa, insgesamt 204 mio Euro (Eto´o Tausch inbegriffen). Auch die über Jahre gewachsene Jugendarbeit, mit weltweit agierenden Jugendscouts und einer klaren Spielphilosophie, ist bei Bayern ebenfalls lange nicht soweit fortgeschritten.
Ganz im Gegenteil. Ein Strafraumstürmer wie Gomez ist eher kontraproduktiv um auf das Niveau der Katalanen zu kommen. Er lebt einzig von der individuellen Klasse der beiden Außenstürmer Ribery und Robben. Wenn der Ball in den Sechzehner des Gegners gespielt wird und Gomez kann ihn nicht direkt abnehmen, ist der Ball auch meist daraufhin wieder weg. Ich persönlich begrüße Bayerns mutigen Weg zum Offensivfußball, alles andere könnte ich mir nur mit Bauchschmerzen anschauen, aber es schadet ja nichts die Spritzigkeit und die Lauffreude anderer Mannschaften in das eigene Konzept einzubinden und letztendlich darauf hinzuarbeiten den Ball durch die entstehenden Gassen in der Mitte zu spielen.
Mit Alaba hat sich aus der eigenen Jugend eine perfekte Lösung für die linke Seite ergeben. Schnell, lauffreudig, offensivstark und mit viel Potenzial nach oben. Wäre das derzeitige Konzept der Bayern nicht so erfolgreich und Gomez nicht als alleinige Spitze so treffsicher, dann würde ich heute schon auf das Barca Prinzip umstellen und mir eine längere Findungsphase gönnen. Im Tor haben wir einen der Besten. Neuer
Die Abwehr ist jung und stand zum Ende der letzten Saison schon fest. Alaba – Badstuber – Boateng – Lahm
Auf der Doppelsechs ist Schweinsteiger gesetzt, daneben fehlt noch ein Weltklassemann. Die kosten ungefähr 40-50 Millionen. Gomez dafür hergeben.
Das Mittelfeld besteht im Grunde aus einer offensiven Viererkette und löst den klassischen Stürmer ab. Ribery – Kroos – Müller – Robben
Müller kann die kurzen Wege im Sechzehner auch machen, wenn nicht sogar besser als Gomez, weil spontaner und einfallsreicher aus dem Mittelfeld heraus mit mehr Übersicht und Tempo. Alle vier können vor dem gegnerischen Tor gefährlich auftauchen, sind abschlussstark und vor allem, sie spielen den finalen Pass und haben die Technik dafür mal auf den Ball zu treten, voran Stolper Gomez bereits scheitert. Das wäre doch mal was. Bayern schiebt eh bevorzugt den Ball in der gegnerischen Hälfte hin und her, dann stecken in dem 4-2-4 System aber viel mehr Gefahr, Ideen, Bewegungen und Möglichkeiten drin. Wo habe ich denn jetzt die Nummer vom Uli…

Merkwürdigerweise bin ich gar nicht so scharf auf eine brutale Titeljagt. Titel sind die angenehme Begleiterscheinung, wenn man attraktiven und effektvollen Fussball spielt.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Der Profimensch

„Und ich würde das gerne schön finden
und ich wäre so gern ein Ästhet
Doch ich sehe das alles ganz anders,
als die Freunde der Realität“ Funny van Dannen

Zum Profifußballer langt es bei mir wohl leider nicht. Mehr. Vermutlich bin ich zu teuer und gleichzeitig schlecht vermarktbar. Aber mir bleibt ja noch die Möglichkeit ein Profimensch zu werden. Profi- nicht Gutmensch. Bisher trieb ich mich mit den ganzen Amateurmenschen herum und hatte gewaltigen Spaß dabei, nur war die Entlohnung beschissen. Nun also Profimensch. Was braucht es dazu? Außer einem Elfenbeinturm, nicht viel!

Im Internet fand ich folgende Anleitung:

In der Hierarchie Mensch werden die Talente nach unten hin großzügiger verteilt, weil der Amateur auf sein Talent angewiesen ist. Der bei Amateuren beliebte Satz, man muss alles können, erweckt in einem Vollprofi nichts als Mitleid, Ekel und Verachtung. Der Satz impliziert, dass derjenige sich im Leben mühsam durchschlagen muss. Mit der Belastbarkeit ist es dasselbe. Hat der keine Freunde? Weiß der nicht was er bei Google eingeben muss? Oder am traurigsten, weiß der nicht was gut ist? Denn der große Vorteil, den das Profidasein mit sich bringt, ist der Luxus der absoluten Unabhängigkeit von jeglichem Talent und Engagement.

Vorweg. Es bringt dir gar nichts ein Profileben zu führen, wenn du dich nicht ständig nach unten hin vergleichst. Denk nicht an dich, denk daran, wie dich die anderen wahrnehmen. Es geht nicht darum alles richtig zu machen, sondern das zu lassen, was die Amateure falsch machen. Halte dich einfach an die etablierten, gesellschaftlichen Konventionen. So kommst du nicht in Verlegenheit dich erklären zu müssen. Deine Überzeugungen stehen quasi bereits ausformuliert auf Zigarettenschachteln. Die offenkundigsten Prinzipien lauten: trinke keinen Alkohol, der macht dumm. Kein Fernsehen. Fernsehen macht dumme Menschen dümmer, dein Einsatz ist vielleicht gering, aber das damit verbundene Risiko steht in keinem Verhältnis. Dann lieber einen Rosé zum Essen. Und natürlich nicht Rauchen.
Die Maxime ist ganz einfach, die Meinungen eines Profis muss man irgendwo nachlesen können. So muss er nie selber Eindrücke gewinnen. Wie soll das auch gehen? Wie gewinnt man denn Eindrücke? Das Verhalten, das Aussehen, Meinungen, im Grunde ist alles vordeklariert.

Um das alles besser nachvollziehen zu können, ein kurzes Beispiel aus dem Bereich der Ernährung. Bio und Frisch ist besser als der ganze andere Dosenscheiß aus Tüten oder ausgebeuteten Entwicklungsländern. Tiefkühlfächer, Instand Produkte, Vorgemahlene Gewürze, Discounter, Homogenisiertes, Ketchup, das ist alles was für Amateure. Solche fundierten Profi/Amateur, Gut/Böse Vergleiche sind allgegenwärtig und möchten erkannt und diskutiert werden. Hast du das verinnerlicht, kannst du ruhigen Gewissens außer Haus essen. Bevorzugt teuer.
Das ist nämlich die disziplinarische Grundeinstellung auf dem Weg zum Profi. Es geht nicht darum, ob du es verstehst, hast oder kannst, sondern wie es aussehen würde, verstündest, hättest oder könntest du es. Nur darauf kommt es an. Engagement ist nicht gefragt.

Gleichwohl gehört Produktivität zum markantesten Merkmal eines jeden Profimenschen. Auch hier gilt, nicht machen, sondern, was würde ich machen, könnte ich es. Und planen kann man schließlich alles. Das beginnt bereits damit, dass ein Profimensch sich nicht mit einem unproduktiven „Tschüss“ verabschiedet, sondern mit einem viel effektiveren „Bis bald“. Gestandene Profis benutzen sogar ein nonchalantes „Bis morgen“. Damit wirklich zu überzeugen, wäre für den Anfang aber zu viel verlangt.

Denn die anspruchvollste Herausforderung kommt erst noch. Das Abstumpfen. Es ist deshalb so anspruchsvoll, weil du gleichzeitig deine Ecken und Kanten abrunden musst. Klingt zwar widersprüchlich, davon darfst du dich aber nicht abschrecken lassen. Deine Bescheidenheit, Natürlichkeit, oder sonstige Gewohnheiten, die dich bisher ausmachten, aufzugeben und in den Habitus eines Profis hineinzuwachsen, ist eine gewaltige innere Hürde. Du musst den Anker deines Hedonismus einholen und dich vom Mainstream treiben lassen. Das schwierige daran ist, die letzten Jahrzehnte, und den damit verbundenen, missgebildeten Charakter, einfach mal so als eine Phase abzutun. Schwierig, schwierig, das benötigt viel Einsicht. Das Beste ist natürlich, es kommt erst gar nicht zu dieser inneren Zerrissenheit, indem du dir nie etwas zu Eigen gemacht hast.

Allzu vorbelastete Kandidaten scheitern an dieser Hürde. Aber solange es Menschen gibt, die es schaffen ihre Fantreue aufzugeben oder ihrem Hund immer ähnlicher zu sehen, besteht weiterhin Hoffnung. Übe am besten folgende Sätze vor dem Spiegel ein, hundertzwanzig Wiederholungen, dreimal in der Woche, dreißig Monate lang, bis du sie im Schlaf beherrscht: Geld kann man gar nicht genug haben. Enden ist besser als wenden. Umso größer die Bäume, desto kleiner die Menschen. Ich habe Kleider so gern. 24 Stunden sind nicht genug. Die 70er sind das goldene Zeitalter. Wo die Reinlichkeit am größten, ist Fords Hilfe dir am nächsten. Was für die Frau das Make up, ist für den Mann der Anzug. Vinyl ist schwarzes Gold. Je mehr Nähte, desto mehr Nöte. Meine Pläne stehen.

Nachdem das sitzt, ist der Rest nur noch ein etwas intensiverer Einkaufsbummel. Du kaufst oder leihst dir die Hingabe, Leidenschaft und Interessen anderer, bzw. deren Endprodukte. Alles was irgendwann mal Menschen an Energie, ob durch ihre Kreativität, Teilnahme oder sonstige Beiträge, aufgebracht haben, um ihre Subkultur oder Kunst ins allgemeine Interesse zurücken, kannst du dir heute auf einfachsten Wege einverleiben. So musst du dich nie wirklich einbringen oder einen Bezug zu den Dingen herstellen und bleibst schön stromlinienförmig.

Trage, was du gerne wärst. Höre, was die Jahrzehnte überdauert hat. Lese, was Kult ist. Schaue, was du nicht verstehst. Wähle denjenigen, der gewinnen wird und vor allem, mache dir keine Gedanken, alles steht irgendwo für dich bereit.



von Fiva MC gibt es eine sehr weibliche Sicht auf das Thema

Dienstag, 15. Mai 2012

Der Mann mit der Tuba im Hintergrund

„Der Dicke hasst die Leibesertüchtigung sehr, wir aber hassen ihn noch viel mehr.“ Matthias Seuffert

Abnehmen, das kann man sich ja immer wieder vornehmen. Genau wie so vieles andere, das sich richtig anfühlt. Mich hinter den Wohlstandsbäuchen meiner Bekannten versteckend, ernähre ich mich in letzter Zeit viel zu gut. Das Wetter spielt mir dabei ins Gewissen. Solange kein T-Shirt Wetter herrscht, werde ich auch nicht an die Notwendigkeit des Abnehmens erinnert. Das muss ich dann selber machen, siebenmal die Woche. Das ist der erste Schritt. Auf die weitern tausend Schritte warten meine Laufschuhe schon seit zwei Wochen vergebens. Ich habe eine Zahl vor Augen, die sich leider nicht mit der harten Realität, die mir meine Waage täglich vorhält, vereinbaren lässt. Da muss ich wohl wieder selber ran. Also erstmal kein Kroketten Wettessen mehr. Sage ich jetzt, und damit das so bleibt, führe ich als Gedächtnisstütze wieder Tagebuch. Außerdem hat das den Vorteil, dass die Zeit nicht mehr so feige dahin schleichen kann, ohne dass ich es mitbekomme und zumindest im Nachhinein könnte ich den Tagen ein wenig mehr Bedeutung unterjubeln. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich manchmal sogar ein roter Faden auftut. Vereinzelt werde ich dann auch wieder hier Beiträge veröffentlichen. Alles geht leichter mit Musik! Attacke!



Zigarre rauche ich nicht, das werte ich schon mal als Erfolg

Montag, 23. April 2012

Stillstand

„Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders“ Herbert Grönemeyer

„Wie könnte ich stehen bleiben als größter Fan des Fortschritts?“ Dendemann

Ich vermisse den Fortschritt. Der Mond sieht noch genauso aus wie in den 60er Jahren, Science Fiction Filme kündigen ausschließlich die Apokalypse an, die Mode will nicht sterben und dreht sich munter weiter im Kreis und daran dass das Hoverboard bis 2015 auf den Markt kommt, glaube ich schon lange nicht mehr. Stattdessen werden mir Telefone, aus denen eine Stimme erklingt, als revolutionär verkauft. Nein, auf den Fortschritt ist kein Verlass.

Zum Glück ist der Fortschritt nun nicht das Wichtigste, gerade wenn man bedenkt, was es schon alles gibt. Am Ende eines jeden Jahres, wenn ich die Dinge Revue passieren lasse, sei es unter Freunden oder auf Blogebene, komme ich auf einiges, das letztes Jahr noch nicht da war. Seien es Freundschaften, Musik, Interessen, Pläne, Eindrücke, Erkenntnisse, Autoren, Schriftsteller, Künstler, Berufe, Sprachen, Scheine an der Uni, ja, selbst Internetseiten. Ich sorge selbst für meinen persönlichen Fortschritt. Ganz ungezwungen, aus der Neugierde und dem Wissen heraus, dass das nicht alles gewesen sein kann.
Bevor ich etwas als langweilig, uninteressant oder gar als Zeitverschwendung abtue, muss ich mir erst hundertprozentig sicher sein. Die Frage, warum ist das den Aufwand nicht wert? muss beantwortet werden. Bevor das geschehen ist, ist erstmal alles interessant. Mit dem Leben im Rückstand ist derjenige, der sich nicht mehr einlässt.

Geprägt hat mich vor Jahren das Verhalten des Vaters einer Freundin. Er schaute im Fernsehen Indiana Jones und der letzte Kreuzzug und war zu recht völlig begeistert von dem Film. Er kannte ihn zuvor nicht. Das war nicht der eigentliche Skandal, viel schlimmer war, dass er auf meinen Hinweis, es gäbe noch zwei weitere Teile, mit völligem Desinteresse reagierte. Das war ihm absolut egal, er war zufrieden damit in jenem Augenblick diesen Film zusehen. Ich schätze, er hat sich nicht mal den Titel oder die Story gemerkt. Noch heute habe ich für so ein Verhalten kein Verständnis. Damals konnte eine derartige Lethargie meine kleine Welt gewaltig erschüttern. Schließlich rannte ich bei jedem guten, mir unbekannten Lied zum DJ und fragte ihn nach dem Interpreten oder wartete in Filmen auf den Abspann, um mir die Namen der Verantwortlichen zu merken.

Zum Stillstand kommt es früh genug. Irgendetwas macht dich fertig, lässt dich am Altbewährten festhalten, dich nur noch vergleichen und abwiegeln, bis du deinen Enthusiasmus verlierst und alles zur reinen, schnelllebigen Unterhaltung oder gar Arbeit verkommt, ohne etwas zu hinterlassen.
Oder dir gehen schlicht die Inspirationsquellen aus. Wen soll man fragen? Wo sich aufhalten? Was als nächstes lesen? Das was im nächsten Jahr auf dich wartet, kannst du bei Google nicht finden. Auch nicht auf gut Glück.
An der Musik lässt sich das Problem sehr gut festmachen. Natürlich gibt es da draußen tausende von mir unbekannte Songs, die mir gefallen, die es vielleicht in meine Top Ten schaffen würden. Ich weiß es, weil ich bereits welche davon gehört habe und mir nicht notieren konnte oder es mir in dem Moment einfach reichte sie zu hören. Das kann einen verrückt machen, gleichzeitig bleibt man aber auch aufmerksam. Andere Titel habe ich wiederum recherchiert und bin heute froh darüber, dass ich sie kenne.


Montag, 26. März 2012

Schon gehört?

"Auch der Begriff Piratenpartei ist geistiges Eigentum." Sven Regener

Das Zitat passt nur am Rande zur folgenden Verbraucherinformation, gut ist es trotzdem.
Seitdem ich das iPhone abbezahle und mir somit iTunes aufgedrängt wurde, habe ich aufgrund der schlechten Bedienbarkeit, intuitiv ist das Programm nun wirklich nicht, die Möglichkeiten von iTunes nie ausgeschöpft. Erst vor ein paar Monaten bin ich darauf gekommen in das riesige Podcast Angebot reinzuhören. Jegliche Podcasts, egal ob professionell oder privat dahergestottert, sind kostenlos und können entweder direkt bei iTunes gehört oder auf das iPhone heruntergeladen werden. Legal. Die Bandbreite ist sehr groß und ich habe noch lange nicht alles angeklickt, dennoch komme ich nachts kaum noch zum lesen, weil ich mich lieber vom Kopfkissen aus mittels Nerdwissen oder von psychologischen eins gegen eins Gesprächen in den Schlaf lullen lasse. Dem Freund von Marina Weisband muss es genauso gehen.

Auf meiner Liste der favorisierten Podcasts liegt der Plauschangriff von Game One ganz vorne. Die Redaktion der MTV Show setzt sich in einem Stuhlkreis um Gregor, der jeden Podcast leitet, und redet über Videospiele oder über Themen quer durch die Filmwelt, mal aktuell, mal retrospektiv. Authentischer als die Nerds Jungs geht es nicht mehr. Dennoch driftet die Unterhaltung nie ins Nerdtum ab. Viel Angeberwissen und ernstzunehmende Empfehlungen fallen ganz beiläufig, so weiß ich jetzt zum Beispiel dass Mario von den Mario Brothers am selben Tag wie ich Geburtstag hat. Dass er eine erfundene Figur ist, wusste ich schon vorher. Falls wer Zweifel daran hatte. Oft kommt es dazu, dass einer der Diskussionsteilnehmer im laufe des meist zweistündigen Austausches stellvertretend für mich einen Gedanken ausspricht. Deshalb gibt man ihnen auch so gerne Recht. Dazu kommt, dass die Rhetorik stimmt. Vor, sagen wir, Stefan Raabs oder Boris Beckers rhetorischen Fähigkeiten muss sich keiner verstecken. Apropos, ganz großes Tennis war der Podcast zum Staffelfinale von LOST. Wie wahr, wie wahr.

Weiter kann ich das philosophische Radio von WDR 5 empfehlen. Es kommt natürlich auf das Thema und die Gäste an, aber in jedem Fall ist die Moderation klasse. Sowieso bieten sich Radiosendungen als bequemer Podcast Download an.

Ebenfalls vom WDR gibt es z.B. die Fernsehsendungen Dittsche, Zimmer frei und Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs als "Hörsendung" für das Handy. Zimmer frei ist gar mit Bild, was auch mehr Sinn ergibt. Der Dialog zwischen Dittsche und Ingo funktioniert ohne Bild hingegen prima.

Im Grunde gibt es von fast jedem Format eine Podcast Version. Hörbücher von Heinz Strunk, Sven Regener und sonstigen Popliteraten werden angelesen und wer drauf steht, findet Olaf Schubert, Klass und Joko oder Domian mit ihren Sendungen unter den Podcasts bei iTunes. Noch ist die Qualität recht hoch, bin gespannt wann sich das ändert. Aber bis dahin gibt es keine bessere Einschlafhilfe oder wie der Fernfahrer sagen würde: Ablenkung für neben der Arbeit.

Eine Perle kann ich hier direkt mal verlinken. Sven Regener echauffiert sich über den Umgang mit der Plattenindustrie --> Hier
Ist nicht das Podcast Format, ich weiß nicht wie man die verlinkt, falls es überhaupt geht.