Dienstag, 6. Dezember 2011

Adventskalender Tür #6

Nach der Harald Schmidt Show am Dientag kam eine als Dokumentation getarnte Reality Soap über eine Lastwagen fahrende Familie. Schön zu sehen, dass ein allgemeines Interesse an dem Berufszweig des Lastkraftwagenfahrers zu bestehen scheint. Angeschaut habe ich mir das trotzdem nicht. Alles was ich über das Transportieren von Waren mittels 50 Tonnern wissen muss, weiß ich von Martin oder Volker. Da Volker aber in seinen Erzählungen meist nicht über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Sattelfett hinaus kommt, frischte ich vor ein paar Wochen mein Wissen auf, indem ich bei Martin auf dem Bock mitfuhr.
Hoya – Augsburg – Oldenburg – Hoya. Ein echter Brummifahrer könnte jetzt die Autobahnstrecken aufzählen, ich weiß nur, die ungeraden Autobahnbezifferungen gehen von Nord nach Süd und die geraden von West nach Ost.

Zur Unterhaltung habe ich uns die 5. Staffel Stromberg ausgeliehen, ansonsten gab es ja noch genug zu erzählen. Was in der oben erwähnten Sat.1 LKW Doku Soap sicherlich nicht gezeigt wird, ist die Tatsache, dass viele Trucker während der Fahrt irgendetwas aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik am laufen haben und ich meine damit nicht den CD Player. Draußen war es nebelig und 50 Meter Sicht sind im Ernstfall eh viel zu wenig, da ist es schon fast egal, ob man geradeaus stiert oder etwas versetzt. So kann man argumentieren. Persönlich kenne ich selbstverständlich niemanden der so etwas macht, aber man fragt sich schon weshalb bei klarer Sicht LKWs auf Stauenden zurasen.
Welche wichtige Information ebenfalls in der Doku etwas untergehen dürfte, falls es zu einer Zwangslage kommen sollte, die eine unplanmäßige Verlängerung der Stehzeit einfordert, ist es unheimlich praktisch vorher bei McDonalds eine handvoll Servierten eingesteckt zu haben. Es ist einfach beruhigend zu wissen, wenn man sie hat.

Zudem erkennt man erfahrene Fahrer daran, dass sie es irgendwie schaffen sich während der Fahrt auszuziehen um bei Kabinenlicht ihre Kollegen nackt zu überholen…

Im Gegensatz zu meinem letzen Besuch, ist der Fortschritt ins Führerhaus eingezogen. Radarwarner, Notebooks, Navigationsgeräte, die dich um die Mautstationen schiffen, alles so nützlich wie verboten. komplett neu war mir die elektronische Streckenaufzeichnung. Was früher ein Fahrtenschreiber analog aufzeichnete, übernimmt jetzt eine Chipkarte, die man nicht so schnell austricksen oder wenn die Polizei mit der Kelle winkt, verspeisen kann. Was natürlich immer gut funktioniert, ist der Satz: „Tschuldigung, heute ist mein erster Tag.“

Der Betriebshof ist das Facebook der Brummifahrer und Verbrecher. Hier treffen zwei denkbar schlechte Faktoren brutal aufeinander. Erstens, die meisten Asphalt-Cowboys sind alleine in ihren Maschinen und gesellschaftlichen Umgang nicht gewohnt und zweitens geht man davon aus, dass man den anderen so schnell nicht wieder sehen wird. Diese Kombination lädt zum schwadronieren und Geschichten erfinden ein. Der eine überlegt die Anschaffung eines weiteren Luxusartikels oder die hübsche, distinguierte, polyglotte Freundin des anderen reist vergnügt um die Welt. Eben alles Dinge, auf die man beim Anblick der Person nicht sofort schließen würde. Ein anderes Indiz für die Angeberlust sind die Namensschilder hinter der Frontscheibe, ganz schlimm, wenn die Humor vortäuschen sollen. Das glaube ich denen nämlich auch nicht. Um dennoch angemessen kumpelhaft auf die Spinnereien einzugehen, wird bei jeder Sichtung eines Bordells oder Rastplatzes, auf dem ein zu offensichtlich geparkter VW Bus der T-Reihe steht, gehupt. Es wird sich schon der richtige angesprochen fühlen.


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