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Dienstag, 20. Mai 2014

Dienstag, den 29. April 2014 - Ralf

Dienstach is die kleine Schwester vom Montach. Genauso scheiße wie nett.
Halb sechs, der Motor brummt. 45 Minuten später stehe ich wieder im Hinterhof von Gelsenkirchen. Fast exakt da, wo ich gestern auch schon war. Diesmal aber auf den schlammigen Parkplatz mit den abgrundtiefen Schlaglöchern. Glück ist bekanntlich eine Arschlochsau, deswegen hat es über Nacht noch mal geregnet. Die Schlaglöcher sind bis zur Oberkante mit Regenwasser aufgefüllt, der Staub hat sich mit dem Wasser zu einen schmierigen Film vereint auf dem es kaum ein Halten gibt. Positiv denken, wenigstens staubt es nicht so.

Ich drehe zwei Runden, rangiere ein paar mal vor und zurück bis ich den Anhänger so positioniert habe das er halbwegs Grade steht. Wenn man Pech hat, steigt man aus, versinkt bis zu den Knöcheln im Schlamm, stellt dann fest das der Anhänger so beschissen in einen Loch steht das man ihn nicht abgehängt bekommt und darf dann das ganze Spiel von Vorne beginnen. Glück gehabt, ich versinke nur 5cm tief im Schlamm und bekomme den Anhänger gleich beim ersten Versuch ab. Doppelglück, direkt nach dem Anmelden kann ich zum Kippen rein fahren. Normal ist das nicht. Normal wäre, zwei bis drei Stunden warten bis man dran kommt.

Meine Tourenplanung sieht nur einmal Gelsenkirchen Hinterhof vor. Ich habe meine Zweifel das es so bleibt und mache nach dem Abladen erst einmal Pause. Die zwei Stunden sind ja irgendwie einkalkuliert. Und die Zeit mit Arbeit verschwenden, will ich nicht. Ich hab kein Bock an diesen Dienstag. Andere haben eine kurze Woche, Freitag ist Brückentag. Nicht für mich, mein Brückentag wurde gestern gestrichen. Glück, du Arschlochsau.

Mir klappen die Augen zu, ich leg mich ne Stunde aufs Ohr bevor ich die Heimfahrt antrete. Meine Laune wird nur durch die vage Hoffnung auf frühen Feierabend aufrecht erhalten. Aber wie es so ist, mein Glück habe ich für diesen Tag schon komplett aufgebraucht. Nach der Ankunft aufm Hof darf ich noch schnell das Fahrzeug wechseln und einmal nach Dormagen fahren. Hier heißt es wieder warten auf den Kranfahrer, ohne den geht nix. Nach knappen 30 Minuten Warten kommt dann auch jemand. Aber wir sind ja nicht im Ruhrgebiet, von alleine kommt der nicht auf die Idee das ich was von ihm wollen könnte. Also nochmal aus den LKW gesprungen, Kranfahrer angesprochen und schon kann es losgehen. Zurück zum Hof, Auto leer machen, für den nächsten Tag vorladen, zweites Auto - das ich für Freitag brauche - schon mal vorladen. Feierabend.

Meine Abendplanung sieht vor wichtigen Schreibkram zu erledigen. Um 18 Uhr lege ich mich für eine Stunde hin, bin irgendwie müde. Um 3 Uhr werde ich wach und überlege das nachzuholen, was ich mir eigentlich für den Abend vorgenommen hatte. Ich verwerfe den Plan und dreh mich noch einmal um. Um 4 ist die Nacht schon wieder vorbei.

Dienstag, den 29. April 2014 - Kyra


Die Nacht war zu kurz. Aber als erstes bin ich erleichtert wenn ich 4:30 Uhr auf dem Wecker sehe und denke: Zumindest habe ich nicht verschlafen. Sehr gut. Dann denke ich: Ich will wieder schlafen, auch das verfolgt mich. Aber ich habe mir abgewöhnt am Tag vorher früh ins Bett zu gehen, weil ich mich sonst ärgere, dass ich nicht schlafen kann. Das kann auch nicht gut sein für das Gemüt. Jetzt geht’s mit dem Zug 3 ½ Std nach Frankfurt und später nach Boston mit meiner Freundin S. Es kommt nicht oft vor, dass wir zusammen fliegen, aber manchmal schaffen wir es uns das einzuplanen. So lässt es sich immer leichter arbeiten. Meine Uniform ziehe ich erst später an, sonst hab ich auf der Zugfahrt keine Ruhe. Menschen denken nämlich ganz gerne, dass das schöne freundliche Lufthansa Gelb eigentlich die Farben der grummeligen Deutschen Bahn sind. Oder Sie sind einfach farbenblind oder unaufmerksam oder mutig- egal, auf jeden Fall bekommt man dann auch ganz gerne Beschwerden und Fragen um die Ohren geworfen. Also ganz in Zivil getarnt, versuche ich nun noch ein bisschen im Zug zu schlafen, damit ich die 7 Stunden später mit den 400 Passagieren an Bord auch überstehe.


So, heute ist noch Dienstag in Boston oder Mittwoch früh in Deutschland. Die Uhrzeiten verwirren mich immer. Manchmal gibt es so Tricks, da ist es in Los Angeles 9 Stunden früher, da kann ich dann einfach 3 Stunden auf meiner deutschen Uhr plus rechnen, dann habe ich die Los Angeles Zeit. Das ist einfacher als 9 Stunden minus wenn ich so übermüdet bin (ja es ist verwirrend). Wegen der Übermüdung bin ich immer ein bisschen dümmer. Dann findet man auf einmal in einer überdimensionalen amerikanischen Mall alles schön und kauft es. Am nächsten Tag mit ausgeschlafenen Augen sehe ich dann, dass ich wieder Opfer der amerikanischen Reizüberflutung  wurde und gestern den Fehlkauf des Jahrhunderts gemacht habe und dann muss ich mich nochmal schnell aufmachen um die Sachen umzutauschen bevor es wieder nach Deutschland geht. So ist es auch heute, ich gehe mit S. in die Mall und habe schwuppdiwupps 5 Tüten in der Hand. Manchmal hat man keine andere Wahl, wenn man morgen wieder nach Hause fliegt und unbedingt noch sein Lieblingsschampoo kaufen will und sowieso von Freunden und Familie eine Wunschliste aufgetragen bekommen hat.

Wir entscheiden uns in der Cheesecake Factory zu Essen, so richtig kitschig. Ich guck auf die Uhr und rechne mir ungefähr aus, dass es in Deutschland schon 3 Uhr morgens ist, also mitten in der Nacht und die fettigen Buffalo Wings bestimmt nicht in meine gesunde Ernährungsvorstellung passen. Naja gestern mit M. habe ich ja auch schon gecheatet, dann geht das heute auch. Morgen lege ich dann einfach eine Extra Stunde Sport im Hotel Fitnessstudio ein.

Die Wings mit der Blue Cheese Soße waren super lecker und der Oreo -Extreme Cheesecake zum Nachtisch ein Traum. Darauf kann man sich immer verlassen: Fast-food können die Amis.
Ich bin nun schon über 24 Stunden wach, ich falle ins Hotelbett und will nur schlafen.

Dienstag, den 29. April 2014 - Martin

Es geht mit den Schulungen weiter und bislang waren noch keine Klugscheißer dabei, die Glauben sie hätten den Wagen im Grunde mitkonstruiert und wissen daher eh schon alles. Scheitern zu meiner Belustigung dann aber meist an Schraube Nr.1.

Ich bin kein Freund des Dienstages. Da ist einfach nichts. Ziemlich in der Mitte tut er sich in keiner Disziplin besonders hervor. Füllt halt sie Woche auf, um am Ende auf 7 Tage zu kommen.
Einziges Dienstags-Highlight ist die Champions League. Und heute steht ein richtiges Highlight an. Bayern gegen Real. Ich bin jeher Anhänger von Borussia Dortmund und drücke heute den Bayern die Daumen. Solange es nicht Schalke ist, bin ich international für die Deutschen Teams. Bei Schalke geht das beim besten Willen nicht. Aber meist hat sich das bei denen ja eh immer kurz nach der Vorrunde erledigt. Für Bayern verläuft es nicht optimal und es steht schnell 0-2. 

Zum Fußball kommen oft Kumpels zu uns. Der Kühlschrank im Wohnzimmer hat eine gewisse Anziehungskraft. Sogar Vater kam heute auf ein Bier vorbei. Es ist bei uns auch ideal zum Fußball gucken. Das Wohnzimmer hat sich seinen Kneipencharakter bewahrt und laut sein ist auch immer drin. Ich bewohne mit 3 Mitbewohner (Tobi, Paco, Contya) ein Haus in Hämelhausen. Die Nachbarn hören uns nicht und wir haben genug Platz. Dazu ist es noch billig und ein wenig runter gerockt. Also genau das richtige.

Im Laufe des Tages wird mir noch meine Mütze zurück gebracht, die ich beim Osterfeuer verloren habe. Hoffe meine Hose wird mir im Laufe der Woche auch noch zugeschickt.

Dienstag, den 29. April 2014 - Verena



Zum Glück war das nur eine einmalige Laune mit dem zuerst aufstehen und ich darf wie immer 10 min weiterschlafen bis C mich weckt. 

Im Büro ist alles wie immer und relativ entspannt. Ich organisiere, spreche mich mit Seminarleitern ab, bringe die Seminarpapiere zum Druck, versuche noch einen Gesprächstermin bei der lokalen Zeitungsredaktion zu bekommen. Sie antworten seit Tagen nicht auf meine Anfrage und halten meine weiteren Planungen auf. 

Im Seminar ist ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat aus Argentinien zu Gast. Als ich damals dort war, besuchte ich eine seiner Wahlkampfveranstaltungen. Naja, er hat nicht gewonnen. Ein Interview wäre toll gewesen, aber es fehlte leider die Zeit.

Auf dem Rückweg nach Hause halte ich noch beim Aldi, um Mittagspausen-Salat für die nächsten Tage zu kaufe. Wenn man so nichts tuend an der Kasse warten muss, gucke ich mir immer an, was die Leute vor mir so kaufen und was sie wohl daraus kochen. Manchmal ist es einfach: Tiefkühlpizza. Manchmal muss man Phantasie aufbringen. Oft sieht man, ob Leute tatsächlich kochen oder nur die drei Paprika für das Fix-Tütchen holen. Manchmal möchte ich gerne fragen, aber natürlich würde ich mich nie trauen.

C geht nicht zum Spanisch. Wir kochen und gucken eine weitere Folge Game of Thrones. Dienstags kommt ja nie was Gutes im Fernsehen.
Aber morgen dann bestimmt Sport!

Dienstag, den 29. April 2014 - Ole

Ich brauche keinen Bohrer, ich brauche ein Loch

Nach einem nährreichen Frühstück bei meiner Tante, ging es zurück auf den Balkon meiner Cousine. Zum Mittag gab es das übrig gebliebene Viertel der Spargeltarte – leider ohne Weißwein. Der Verschleiß der teilweise billigen Werkzeuge macht mir ab Mittag besonders zu schaffen. Nachdem ich alle (5) Akkuschrauber meiner Verwandten und deren Bekannten in Münster durchprobiert hatte und damit nicht zufrieden stellend vorankam, entschied ich mich dann doch mit viel Gefühl auch die Schrauben mit einer Bohrmaschine in die vorgebohrten Löcher des äußerst festen Tropenholzes einzudrehen. Fertig. Zufrieden. Nach meiner traumatischen Fließbandarbeitserfahrung in der Übergangsphase zwischen Schulabschluss und Studium kann ich mich stets sehr an Arbeit mit einem sichtbaren Ergebnis erfreuen. Auch wenn ich moralisch die Ansichten von Henry Ford teile, dass jeder Mensch (der es von sich aus will) arbeiten und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann und auch sollte, gibt es für mich nichts trostloseres als die Entfremdung des Arbeiters vom Werkstück. Wenn ich mich in meinem Dunstkreis in der Heimat so umsehe, stelle ich leider auch fest, dass es offenbar mehr Menschen gibt, die kapitulieren als scheitern. Schade. Zur Erinnerung mache ich noch schnell ein Foto auf meinem MR 10 Freischwinger, der seit dem Kauf aus Platzgründen bei meiner Cousine steht. Sie versucht mir seitdem beide Exemplare abzukaufen, aber das wird nichts…

Meine Cousine hat für uns (Tante, Yvonne, Sie & ich) abends einen Tisch im Restaurant „Scharfer Zahn“ direkt um die Ecke bestellt. Am Nebentisch saß vermutlich eine Familie + Freundin des ach so erwachsenen Sohnes, der schätzungsweise auch Anfang 20 war. Die Mutter war offenbar eine vermeintlich junggebliebene Mittelstufenlehrerin, die lustiger Weise ihren Schülern am Tag vor den Osterferien den Zappelphilipp vorgelesen hat, „um der Klasse einen Spiegel vorzuhalten“. Ach ja… diese Jugend heutzutage! Der Sohn faselte in verbal inkontinenter Weise ständig „Hans Guck-in-die-Luft“. Der Vater sagte den ganzen Abend kein Wort an dem Tisch.
Als die ach so tolle Lehrerin und ihre Familie endlich das Lokal verließen, konnte ich mich endlich wieder auf meinen Tisch konzentrieren. Wir waren allerdings alle recht müde vom (Vor-)Tag. Ich hatte einen wirklich hervorragenden Texas Burger mit scharf.
Anschließend ging es dann noch zum Fußi gucken in den Huberti Hof. Eine stillose, aber gut gefüllte Vereinskneipe. Der Wirt geht zum rauchen raus. Dann gibt es nichts zu trinken. Nach dem fetten Burger würde ich auch gerne eine rauchen. Yvonne trifft einen bekannten. Der scheint ganz nett zu sein. Ich frage ihn nach einer Zigarette. Wir beide gehen raus und unterhalten uns eine Zigarettenlänge. Er kennt Nienburg. Wow! Er habe mal vor einigen Jahren auf dem Weserradweg in Nienburg übernachtet. Achso, klar. Sonst führt einen dort wohl auch nichts hin. Wir sind uns einig.

Tune des Tages:              Blumentopf – Die Jungs aus dem Reihenhaus

„…mein Vater denkt dass ich mein Talent verschenk,
weil ich am Abend MC bin und nur am Vormittag Student.
Doch wer mich kennt von Live-Konzerten mit dem brauch ich nicht reden.
Was ich fühl wenn ich rap, ist in meinen Augen zu lesen.“

Dienstag, den 29. April 2014 - Silke

Osnabrück - Kopenhagen 

Heute geht es zum Management-Meeting nach Kopenhagen – ein Tag voller Diskussionen und weniger Aktionen. Seit fast einem Jahr bin ich nun bei einer dänischen Firma in Anstellung. Die Firma gefällt mir gut, der Job macht Spaß und das Arbeitsverhalten der dänischen Kollegen macht die ganze Sache zu einer abenteuerlichen Herausforderung, die hautpsächlich darin besteht, nicht ausfallend zu werden.

Die Dänen sind die glücklichsten Arbeitnehmer der Welt (lt. Statistik). In Dänemark gibt es auch ein Wort dafür: Arbeitsglücklichkeit.

In der Theorie ist das ein tolles Konzept, in der umgesetzten Version (für nicht-Dänen) eher anstrengend: Angemessene Arbeitszeiten sorgen dafür, dass der gemeine Däne sich gegen 9 Uhr an den Schreibtisch bewegt, zwischen 9.30 Uhr und 12:00 Uhr in durchschnittlich 3-4 Meetings viel diskutiert, aber zu keinen Entscheidungen kommt, sich dann mit ein paar Gläsern frischer Milch zu Mittag (es gibt irgendwas mit Schwein) stärkt, um sich dann mit neuer Motivation weiteren Diskussionen bis ca. 16:00 Uhr zu widmen. Zwischendurch werden viele Emails geschrieben – alles, was nicht in Meetings diskutiert wird, muss per Email ausgetragen werden, das ist der Brauch. Kollegen, die nach 16:45 noch im Büro sind, sprechen von Burn-Out Gefahr und davon, wie sehr sie sich den Arsch aufreißen.
 

In Dänemark sagt man den Schweden nach, ein stressiges Leben für den Job zu führen und im allgemeinen die Karriere sehr zu pushen. Ich habe mal Interessehalber gegoogelt, der Schwede arbeitet im Durchschnitt 39.2 Stunden in der Woche.

Ich habe mich dafür entschieden, die positiven Aspekte in der Zusammenarbeit mit den Dänen zu sehen: Um mich von Handgreiflichkeiten selber abhalten zu können, wenn mir wieder ein Kollege sagt „Nein, dass gehört nicht zu meinem Job“ oder „Sehr lustig, ein Meeting nach 16.30 Uhr“, habe ich mich eingehend mit den gängigen Entspannungspraxen beschäftigt.

Manche sagen, ich wäre gleichgültiger geworden – aber ich weiß, dass es die Tiefenentspannung sein muss.

Dienstag, den 29. April 2014 - Thomas

Um 6 Uhr bin ich wach. Die alte „aufstehen und zur Arbeit fahren“ Zeit. Das geht ja einigen so, der Kopf hat längst gekündigt, nur der Körper macht bis zum 64. Lebensjahr weiter.
Um 7:30 Uhr stehe ich auf und bringe den Müll an die Straße. Die Hannoveraner packen ihr Altpapier in blaue Kunststoffsäcke. Schizophren, aber sonst weht das Papier durch die Gegend oder wird nass und schwer… ich habe keine Ahnung was das soll.

Um 10 Uhr habe ich das Vorstellungsgespräch. Ich finde, Vorstellungsgespräche sollten grundsätzlich in Kneipen stattfinden, das wäre viel ehrlicher und würde beiden Seiten ein realistischeres Gesamtbild verschaffen.
Grundsätzlich läuft es leider anders ab. Ich stelle mir das so vor: da gibt es eine gewitzte Agentur, die vor Arbeitgebern Seminare hält, worauf sie in Vorstellungsgesprächen beim Bewerber zu achten haben. Körpersprache; Dresscode; wo setzt sich der Bewerber hin; Wasser oder Kaffee; welche Aussage beinhaltet grundsätzlich was ganz anderes; wo liegen die versteckten Schwächen… usw.
Dieselbe Agentur hält dann die entsprechenden Seminare für den Arbeitsuchenden, gesponsert vom Amt oder so. Was sagt welche Körperhaltung aus; was ziehen sie angemessenes an; setzten sie sich nie an den Kopf des Tisches; immer ein Getränk annehmen; vermeiden sie folgende Begriffe; sagen sie, sie könnten sich nicht mit 80% Lösungen zufrieden geben… usw.
Und so krampft jedes Gespräch völlig durchcodiert vor sich hin und die Agentur für das Karriereglück lässt sich den Arsch vergolden.

Das Büro der Firma befindet sich im fünften Stock. Ich hoffe, man merkt es mir nicht an, dass ich die Treppe genommen habe. Das Gespräch verläuft super. So wie es halt sein sollte, locker, respektvoll, ehrlich und lustig. Ja, lustig! Meine Ausführungen kommen gut an und er hat auch ein paar Kracher drauf. Wir lachen uns gewissermaßen über die Berufsmaschinerie kaputt. Alles sehr sympathisch.

Zwei Stunden saß ich im Gespräch… Das Wetter ist kaiserlich, weshalb ich mir einen Teil meiner reichlich vorhandenen Zeit nehme und durch die Innenstadt schlendere. Ich gehe gerne zu Fuß, auch in Hannover latsche ich alles ab. Zeit zum denken, und ich meine damit nicht nachdenken oder sich Sorgen machen. Wann machen das andere eigentlich, wenn die immer soviel zu tun haben? Jeder und Alles fordert ständig ein Stück Ihrer Aufmerksamkeit. Meiner Einschätzung nach, wollen es die „Betroffenen“ nicht anders. Worüber sie sich im Grunde wirklich beklagen, ist ein fehlendes Lob dafür, standhafte Säulen der Gesellschaft zu sein. Für mich fiele das Lob eher bescheiden aus. Teilnehmerurkunde hieß das bei den Bundesjugendspielen.
Marlboro schickt mir eine Gratispackung ins Haus. Jetzt ohne Zusätze. Leider liegt kein Schreiben bei: Danke für unsere Jobs, Mit freundlichen Grüßen, die NGG.

Erste Nervosität schleicht sich ein. Heute ist das Halbfinale der Champions League, Bayern gegen Real Madrid. Wenn man Real die letzten Spiele beobachtet hat, weiß man um die geringe Chance der Bayern. Nämlich 50:50. Ich schaue das Spiel im Klein Kröpke, bei mir um die Ecke. Eine Gruppe Spanier setzt sich genau vor mich. Wenigstens haben sie ihre Gitarren im Wohnheim vergessen. Es steht bereits 0:1 für Real als ich mein erstes Weizen an den Tisch bekomme. Ich Idiot bestelle ein zweites und prompt steht es 0:2. Es ist die alte, scheinbar jedem bekannte, Schwäche der Bayern. Die Standardsituationen. Weder erzielen sie Tore aus Standards, noch wissen sie wie man sie verteidigt.
Als ich den Biergarten verlasse, steht es bereits 0:3. Ich gehe rüber in die Cocktailbar. Bis auf zwei Studentinnen ist der Laden herrlich leer. Ich bestelle mir einen Blue Lagoon und schaue die zweite Halbzeit in der Bar auf einen der beiden kaputten Fernseher. So was Dummes. Da ist CL Halbfinale und bei dem einen Fernseher ist die linke Seite blind und bei dem anderen krisselt das Bild wie bei uns früher RTL.
Alles besser als im Biergarten des Klein Kröpcke. In erster Linie saßen da Anti-Bayern Fans, dann Lokalpatrioten und dann vielleicht Fußballinteressierte. „Estoy feliz y tú tambien”, jaja, ihr mich auch.
In der Cocktail Bar ist es ganz angenehm und tatsächlich stellt sich bei mir ein innerer Frieden ein. Die 0:4 Niederlage kann ich akzeptieren, nur schade, dass kein Österreicher die Partie pfiff, die Musik von Spotify ist auch nicht so schlecht und ich glaube, der Blue Lagoon ist ein Mädchencocktail.

Zu Hause schaue ich endlich Gravity. Tolle Kamerafahrten, sonst unspektakulär. Arte zeigt viel zu spät den Film Blue Valentine. Es geht darum was passiert, wenn man aus den falschen Gründen liebt und der ständige Vorwurf der Frau: schaffe mehr, sei bedeutsam, sei was Besonderes, schöpfe dein Potenzial aus usw. Guter Film.

Dienstag, den 29. April 2014 - Dörte

Um 5:45 klingelte der Wecker. Wie immer drückte ich die Schlummertaste...und nochmal...und nochmal. Dienstag war ich fitter und startete mit viel Elan in den Tag.
Im Büro war's wie immer. Nur musste ich wieder länger arbeiten. Schließlich will ich Mittwoch frei machen.
Abends luden wir uns noch bei Oma auf ne Tasse Tee ein und hörten alte Geschichten von Opa. Immer wieder schön.
Ziemlich spät sprang ich noch schnell unter die Dusche und ab ins Bett.

Dienstag, den 29. April 2014 - Christoph


Liebes Tagebuch,

die letzte Nacht habe ich nicht so gut geschlafen. Ich bin immer mal wieder aufgewacht. Medea hat in der oberen Etage meines Hochbettes geschlafen, musste aber wegen einer noch nicht ausgeheilten Blasenentzündung ein paar mal aufs Klo. Allerdings war das gar nicht das Problem. Es war mal wieder laut auf der Straße. Egal. Ich bin heute morgen tatsächlich joggen gegangen. War ganz angenehm, aber ich habe nicht die volle Runde gemacht, weil mein Fuß mir wieder Beschwerden machte. Auch egal. Bei der Arbeit war's anstrengend. Schön war, dass wir gemeinsam Spargel gegessen haben und zumindest ab Mittag dann auch alle recht gut gestellt waren. Morgens musste ich mal kurz vor einer Diskussion der Kollegen flüchten. Hab mich dann zum rauchenden M. auf die Eingangstreppe gehockt und ein bisschen mit ihm gequatscht. Er hat erstaunlich gute Laune dafür, dass er immer noch nicht ganz durch ist mit seiner Magendarmverstimmung und dafür, dass er geschäftliche Turbulenzen eigentlich nicht so gut ab kann. Nach der Arbeit bin ich sehr zufrieden nach Hause gefahren. Ich weiß gar nicht woran das gelegen hat. Wahrscheinlich einfach weil ich den Tagessoll erfüllt hatte und für den Feierabend nichts vor hatte. Der füllte sich mit Abendbrotessen und Fußball gucken. Hat ja nicht lange gedauert, bis das Spiel Bayern gegen Real entschieden war. Schade, ich hatte mich schon auf zuverlässige Bayern gefreut. Egal. 2254, ich gehe schlafen.

Gute Nacht liebes Tagebuch!