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Donnerstag, 22. Mai 2014

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Thomas

Die Taschen sind gepackt. Bis Sonntag bleibe ich in der alten Heimat. Das Rahmenprogramm für die nächsten vier Tage steht, mal davon abgesehen, dass bei der Intensität des Programms der ein oder andere Tag eh zur Erholung dienen wird. Mit dem Auto dauert es etwa 50 Minuten bis nach Drakenburg. Die Straßen sind verhältnismäßig leer, das liegt wohl am Feiertag. Ich fahre nicht gerne Auto. Mehr als Sitzen, Lenken, Gasgeben, Bremsen bzw. Hupen und Radiohead hören kann man nicht machen und das dauert dann solange bis man angekommen ist. Völlig unverständlich wie sich Altersgenossen Gedanken darüber machen, ob sie selbst den Weg vom Sofa bis zur Toilette mit dem Auto zurücklegen sollten.
Ich bin mit den ehemaligen Mitspielern des TUS Drakenburg zum Essen verabredet. Und zwar am Weserwehr. Sei erwähnt.
Danach geht es geschlossen zum Pokal-Viertelfinalspiel Drakenburg gegen Arminia Hannover. Die Arminia spielt nächstes Jahr in der Oberliga und ist entsprechend klarer Favorit. Vielleicht hilft das Fritz-Walter Wetter.

Bei der Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung bekommt der aufmerksame Beobachter bereits einen ersten Eindruck unserer Bierlaune.
Zur Halbzeit steht es 0:0. Gutes Ergebnis. Am Ende setzen sich die Hannoveraner etwas zu deutlich mit 3:0 durch, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut. Ich möchte nicht wissen, was los gewesen wäre, hätten die Drakenburger das Ding irgendwie gemacht. Es war so schon schlimm genug. Das TUS Heim war proppenvoll, eine riesige Sause. Was im TUS Heim geschieht, bleibt auch im TUS Heim, was mir meiner Erinnerungen nach sehr entgegenkommt. Irgendwann werde ich halt abgeholt.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Dörte

Der Tag begann mit Kopfschmerzen. Wie sollte es auch anders sein! Es war einfach zu viel Wein.
Dennoch standen wir früh auf. Schließlich hatten wir Oma und Opa versprochen den großen Wohnzimmerschrank auseinander zu schrauben, damit das alte Ding am Freitag in die neue Wohnung umziehen kann. Das war schnell erledigt und zur Belohnung gab's richtig lecker was zu Essen. Bei Oma schmeckt's halt immer am Besten.
Den Rest des Tages verbrachte ich alleine mit meinen Kopfschmerzen auf dem Sofa und kuschelte mich in meine Wolldecke ein. Patrick ist noch los zum Angeln. Der hatte erstaunlicherweise den Mittwoch Abend sehr gut überstanden und keinerlei Nachwirkungen davon getragen.
Ich schlief längst als er nach Hause kam. Er grummelte kurz, dass er nichts gefangen hatte und lies mich weiterschlafen.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Ole

Die gute alte Zeit

Seit langem mal wieder ausgeschlafen – JEAH! Keinerlei Verpflichtungen heute – entspannt! Ich rolle mich aus dem Bett, rüber zum Plattenschrank und grabe mich völlig unbenommen durchs Regal. Ich bleibe bei dem Album „Overgrown“ von James Blake hängen. Hmmm ich weiß noch ganz genau, als ich diese Platte in der Sound Station in Kopenhagen gekauft habe. Viele schöne Erinnerungen gehen mir durch den Kopf. Das mag ich. Genau das richtige, um gut gelaunt in den Tag zu starten, auch wenn die Melodien selbst von jeder Menge Melancholie geprägt sind. Selbst das Gatefold-Cover erscheint mir melancholisch. Ich trinke einen Becher Kaffee und versinke mit jedem Titel tiefer in Gedanken. In der letzten Endlosrille angekommen, kehre ich zurück in die Gegenwart. Mein Unterbewusstsein möchte jetzt „Just A Blip“ von Arthur Russel hören. Den Gefallen tue ich mir. Danach geht’s duschen. Jetzt bin ich wach. Ich schiebe mir eine selbstgetuned‘te Tiefkühlpizza in den Ofen und stelle mir einen Timer. Der Klassiker, wenn ich mal alleine in meinem Elternhause war. Ich schalte meinen alten Fernseher ein und der Receiver möchte - wie immer wenn ich das Ding mal einschalte - irgendwelche Satelliten updaten. Ich aber nicht. Ich zappe durch das erste Dutzend Sender von fast 300 Kanälen, die kein Mensch braucht. Auf K1 läuft „Vier Fäuste Gegen Rio“. Ich freue mich, entscheide mich aber trotzdem eine halbe Stunde vor dem Ende zum Kranzbinden für die Hochzeit von Ayleen & Thorben zu gehen.

Darum dreht sich schließlich das gesamte lange Wochenende. Morgen ist Brückentag und standesamtliche Trauung mit späterem Polterabend. Samstag dann der Große Tag für A & T. Ich bin gespannt. Ich war zwar schon öfters auf Hochzeitsfeiern, aber es ist für mich die erste Hochzeitsfeier eines Freundes meiner gefühlten Generation, an der ich vollständig teilnehmen kann. Ich fange deshalb an, mich ganzheitlich mit diesem Thema auseinander zu setzen und mache alles was dazugehört mit, um dieses Phänomen auch einmal ausgiebig aus einer involvierten Perspektive zu betrachten. Sogar der Junggesellenabschied auf der Reeperbahn, der mich persönlich sonst immer sehr stört, wenn ich auf dem Weg zum Feiern in die Talstraße oder zum Hamburger Berg über die Reeperbahn muss, habe ich mitgemacht...

Was heißt heiraten und warum heiratet man wohl ein anderes Individuum? Abgesehen von steuerlichen Vorteilen, hat sich mir das bis jetzt immer noch nicht erschlossen. Eine Heirat ist für mich so bedeutungslos, wie der Valentinstag, Halloween oder auch die Figur des Weihnachtsmanns. Diese Bräuche sind meiner Meinung nach Humbug. Eine Tradition, die vorgibt wichtig zu sein, tatsächlich aber ein Schwindel ist. Liebe ist für mich keine Erwartungshaltung. Das kostbarste, was man einem anderen Menschen geben kann, ist ganz einfach seine (Lebens-)Zeit und nicht irgendein Versprechen vor dem Standesamt oder einem Gott.
– Ich muss gerade an „Manfred Mustermann“ vom Blumentopf denken –

Trotzdem: jede/r gerne so, wie sie/er glücklich werden mag. Außerdem freue ich mich natürlich auch auf die daraus resultierenden Feierlichkeiten. Das Kranzbinden erfüllt, wie erwartet, das traditionelle Klischee. Die paar Männer schleppen die schweren Äste rein und raus und trinken das Bier, während die wohlgenährten Frauen mit den Kindern auf wundersame Weise die kleinen Zweige zu einem schönen, grünen Kranz zusammenbinden. Nachdem die Kränze für die Kirche und die Feierstätte wiederum von Männerhand erfolgreich an den Türen angebracht wurden, machten sich alle Binder mit einem Kranz in Herzform auf den Weg zum Brautpaar in Spe. Dafür gab es anschließend im Garten ein paar auf die Zunge. Als es so langsam kalt wurde, machte ich mich mit meinem alten Freund und Kupferstecher Küppi auf den Weg nach Hause. Bei Ihm gab es neben einem Absacker auch noch einige Runden Tekken 3 und Tony Hawks Pro Skater 2 auf einer „gechip’ten“ Playstation 1. Auch das weckte viele Erinnerungen und bereitete großen Spaß.

Tune des Tages:              James Blake – Life Round Here

„Part time love is the life round here
We're never done
Everything feels like touchdown on a rainy day…”

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Christoph



Ich habe heute bis nach 12 Uhr geschlafen. Dann habe ich mit Lisa, Lukas, Franzi und Lukas gefrühstückt. Plötzlich Lärm. Lore ruft, da draußen geht’s voll ab. Wir hasten auf den Balkon. Die Demo kommt am Haus vorbei, der kosmische Käfer läuft und macht elektronische Musik. Ich ziehe mir schnell Schuhe und Jacke an, haste die Treppe runter und vor der Tür: der Käfer. Sofort sehe ich Henner und Natalie, dann Rene, den sehe ich in letzter Zeit ja überall (und zwar meistens barfuß). Ich reihe mich ein und freue mich über die schöne Musik. Etwas später sehe ich ein Mädchen mit Kinderwargen, der mit Plane überzogen vor sich her geschoben wird. Ganz in der Nähe ein Einkaufswagen, der genauso gestylt ist. Hej, das Mädel kenn ich doch. Ich spreche sie an und frage, ob sie mit X zusammen wohnen würde. Denn dort in der WG habe ich sie gesehen. Sie erinnert sich auch und erzählt mir aber, dass sie außerhalb in einem Wohnprojekt wohnt. „Und was ist da in dem Kinderwagen?“ Darin wird die Anlage transportiert, erfahre ich. Die Anlage, die gestern Nacht den Stühli-Park beschallt hat. Ahja, interessante Info, interessantes Mädchen. Im nächsten Moment dreht sie ab und tschüss. Als wir durch die halbe Stadt gefahren sind, erblicke ich L (meine Ex). Das war nicht so geil. Habe mich dann im Demozug nach hinten fallen lassen. Dann gab es ne Kundgebung vor dem Bahnhof, dann weiter, Polizeisperre, dann die 'Auflösung'. Ungeachtet der selbst angesagten Auflösung zieht ein Teil des Zugs weiter und macht nun vor dem Stadttheater Mucke. Dort sehe ich Miri, lade sie morgen zu der Bötzeparty ein und tausche mit ihr die Nummern. Ich verabschiede mich sogleich und drehe mich um. Zwei Meter hinter mir sehe ich L (meine Ex) mit ihrer Freundin M. Sieht so aus als hätten sie mich nicht gesehen. Ich drehe mich schnell um 90 Grad und gehe flotten Schrittes aus der Szene. Mit den anderen gehe ich zum nahegelegenen Dönerladen, sie wollen Bier holen. Ich habe mich in Sicherheit gefühlt doch M und L (Ex) wollten zur gleichen Zeit zu diesem Döner. Ich bleibe recht ruhig, merke aber, dass mir das unangenehm ist. Sie spricht mit K und Jasi. Ich höre, dass ihr neuer Freund in der gleichen Kneipe arbeitet wie Jasi. Das nervt, ich will sowas nicht wissen! Weg da. Ich entscheide mich die Innenstadt zu verlassen. Ich will jetzt Ruhe. Ich gehe nach Hause und entschließe mich mit dem Fahrrad nach Bötzingen zu radeln. Immer die Dreisam runter in das gelobte Land. Es fängt leicht an zu regnen, als ich schon fast da bin. Die kleine Radtour hat mir sehr gut getan. Als ich auf dem Hof ankomme erblicke ich viele fremde Menschen, aber sehen natürlich alle nett aus. Es wurde ja angekündigt, dass auch einige Freunde aus Berlin und sonst woher anreisen. Es wird an dem freistehenden Herd unter dem Schirmdach gekocht, oder besser gesagt, gebacken, nämlich Pfannkuchen. Ich begrüße die Leute die vornean stehen mit Handschlag, stelle mich vor und versuche mir die Namen zu merken. Vielleicht gibt’s für mich ja später noch einen Pfannkuchen, die Leute hier sind ja erfahrungsgemäß sehr gastfreundlich. Ich gehe erstmal weiter zu Frieder um ihm Hallo zu sagen. Er ist gerade mit seinem Hofmitbewohner dabei Fackeln zu machen. Dabei wird ein neuer Ansatz verfolgt: Klopapierrollen in einen Eimer voll flüssiges Wachs tauchen. Es steht gleich auf dem Plan mit der VW-Pritsche zu dem Biohof 'Diestel' zu fahren, dessen Besitzer mit Frieder und Wolle befreundet ist. Sie bekommen auch öfters mal Gemüse von ihm, dass dann im Solarofen (10m²-Kollektorpanel im Garten) getrocknet wird. Ich werde gefragt, ob ich mit will. Dort ist Tag der offenen Tür. Kurzerhand sage ich 'klar'. Wenig später sitze ich mit fünf anderen Kerlen und zwei Kindern im VW-Transporter und kurve um den Kaiserstuhl. Ich bin müde und genieße es einfach aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft an mir vorbeiziehen zu sehen. Die Kinder machen quatsch, ist aber gut. Wir fahren zuerst zum Hof und gucken da mal rein. Felix macht Bilder, weil er das gut kann und die für Werbezwecke (für den Hof) nutzen will. Die zwei Leute die dort Gemüse sortieren, haben dunkle haut und sehen indisch aus. Ich mache mir kurz vorurteilige Gedanken. Wir merken schnell, dass das eigentliche Geschehen am Feld stattfindet und fahren dort hin. Da treffen wir dann auch Moki, den Besitzer. Er ist größer als ich, kräftig und trägt Vollbart und Turban. Sein indischer Akzent klingt nett und er ist es auch. Alle finden ihn toll. Da ich immer noch müde bin, halte ich mich aus den Gesprächen raus. Moki nimmt kein Blatt vor den Mund und macht fröhlich anrüchige Witze. Sehr sympatisch. Die Kinder klettern auf die modrigen Strohballen, eine Frau fährt Trecker über das Feld (was sehr interessant auf mich wirkt), Mokis Frau hat Avocado-Mus gemacht, wir schauen in den Schuppen die neu reparierte Maschine an, Wasser läuft über. Wir essen die Avocado-Creme mit leckerem Brot, reden über dies und das und fahren nach gefühlten 1,5 Stunden wieder. Wir waren die einzigen echten Gäste. Aber das macht nichts, die Leute sind froh und ich auch. Zurück am Hof in Bötzingen gibt es bald Abendessen. Am großen Tisch unter dem Scheunendach bekommt jeder davon ab. Eine tolle Gemeinschaft. Aber ich weiß, dass ich die Gäste von Auswärts  nie wirklich kennen lernen werde.  Die Motivation es zu versuchen hält sich deshalb in Grenzen. Macht nichts, ich entspanne mich. Auf diesem Hof ist so viel. So viel Zeug, das schön ist zu besitzen, und sicher auch praktisch ist, aber ich frage mich, was man damit macht, wenn man es nicht mehr braucht. Was wenn man umzieht und das alles nicht mitnehmen kann. Man muss sich eigentlich immer Gedanken machen, wenn man sich Dinge anschafft, schon beim Anschaffen, wie man sie wieder entsorgt. Das machen die Menschen viel zu wenig. Deshalb vermüllt dieser Planet auch. Und die Menschen hier am Hof sind in dieser Hinsicht sicher die besseren Menschen. Achja, egal. Es regnet noch ein Weilchen, dann hört es aber auf und das ist ein prima Anlass für mich wieder nach Freiburg zu fahren. Die Heimfahrt tut mir wieder gut, ich bin recht schnell mit Klappjens unterwegs. Kurz vor der Stadt offenbart sich ein wunderschöner Himmel mit Nebelschwaden über dem Roßkopf, ein Bild, dass man sonst nur aus dem Auenland kennt. Unter der B31-Brücke ist immer noch dieser kleine Rave in Gange, der schon lief, als ich raus gefahren bin. Sieht aber nicht einladend aus und ich bin froh, dass ich nicht dort sein muss. In Freiburg fahre ich in meine alte WG zu Jasi, weil wir einen Film schauen wollten. Und zwar: Liebling ich habe die Kinder geschrumpft. Ein lustiger Film aus den 80ern, den ich als kleiner Junge im Kino gesehen habe. Mir fällt auf, wie amerikanisch er ist und wie mir das damals überhaupt nicht aufgefallen ist. Der Sohn des verrückten Erfindervaters macht einen guten Spruch, als seine Schwester ihm verkohlten Toast auf den Teller gibt: „Ich mache eine Spezialdiät. Keinen giftigen Müll mehr.“ Haha,  gerade genau mein Geschmack. Nach diesem Ausflug in die Vergangenheit zappen wir und landen bei Vicky Christina Barcelona. Sehr interessant erzählte Geschichte. Wir sehen die Szene, in der der Spanier die Frauen nach Oviedo einlädt, mit ihm dorthin mit dem Flugzeug zu fliegen und gemeinsam Zeit zu verbringen und miteinander zu schlafen. Es kann eine schöne Einstellung sein, mit Liebe und Sexualität so offen umzugehen. Und es gibt auch viele gute Argumente dafür. Ich gehe nun aber, will nicht weiter darüber nachdenken. Gute Nacht Jasi, bis morgen. Als ich an der Eschholzstraße ankomme denke ich, dass ich noch kurz in die Beatbar gehen könnte. Vielleicht ist Daniel da. Gesagt getan und tatsächlich. Ich stelle mich zu ihm, er hat Zeit und es hängt gerade niemand sonst bei ihm an der Anlage rum. Schön, dass ich mal diese Position einnehmen kann. Ich würde gerne öfters mit ihm Zeit verbringen. Aber das klappt nicht und erhält aber auch die Spannung in einer herzlichen Männerfreundschaft. Nachdem wir uns von unseren neuesten Gedanken erzählt haben und nachdem ich Bescheid gegeben habe, dass die Bötzeparty um einen Tag verschoben wird, gehe ich nach Hause. In der Küche treffe ich Franzi mit Mareike. Zwei schöne Frauen, die mich anlachen. Ich begrüße Mareike, die ich zwar schon kannte, aber nicht als so interessant in Erinnerung hatte. Ich setze mich also noch in Jacke dazu und quatsche mit den Mädels. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und darauf, mit ihnen nach Bötzingen zu fahren. Müde gehe ich nun zu Bett. Gute Nacht!

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Silke


Bücken 
 
Freudig werde ich von den älteren Semestern meiner Familie mit Ausrufen von „Silke, mehr sollst du jetzt aber nicht mehr abnehmen!“ und „Du, dünne Frauen finden Männer aber auch nicht gut. Da musst du aufpassen, sonst bist du H. aber auch schnell wieder los“ begrüßt, ein bisschen wie in einem B-Movie.

Tatsächlich habe ich eher zu- als abgenommen, seit ich meine Omas das letzte Mal gesehen habe. Ich frage mich, ob sie das als Kompliment meinen oder ihre Sehstärke neu eingestellt werden muss. Schön klischeehaft werden mir dann auch Hänsel-und-Gretel-Hexe mäßig die Finger in die Rippen gepickt, um auch wirklich sicherzugehen dass noch genug Fett am Kindchen (also an mir) ist.

Sollte ich mal Enkelkinder haben, werde ich ähnlich vorgehen, denke ich.

So also das Kaffee trinken – danach geht es noch mit dem Auto los, um den Verwandten zu zeigen, wie sich die Gegend verändert hat (der obligatorische Spaziergang fiel ins Wasser, wörtlich). Das war eine schöne Aktion, auch ich habe die Dörfer, Gebäude und Firmen gefühlt ewig nicht gesehen.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Ralf

Der Donnerstag begann mit ausgiebigen Ausschlafen. Ich hatte mir für den Tag nichts großartiges vorgenommen. Ein kleines K&K-Frühstück (Kaffee&Kippe) so wie ich es gewohnt bin und dann ein wenig Schreibkram erledigen. Die Behörden können recht ungeduldig sein.

Gegen Mittag bekam ich eine Mail von J. J kenne ich über drei Ecken aus dem Internet und bin ihr bis zu diesen Tag noch nie begegnet obwohl sie nicht sehr weit weg wohnt. J will eine „Internetseite“ haben und fragte ob ich mal auf einen Kaffee vorbei kommen könne. Obwohl J recht attraktiv ist, hatte ich bei „Kaffee“ tatsächlich an das Heißgetränk gedacht und nicht an einen „Kaffee“ der bei Frauen gerne die „Briefmarkensammlung“ ersetzt. Mir machten noch geistige Verdauungsstörungen vom Vorabend zu schaffen. Selbst wenn J mir einen „Kaffee“ angeboten hätte, hätte ich wohl eher dankend abgelehnt.
Am Nachmittag fuhr ich zu J. Sie erzählte mir was sie vorhabe und ob ich ihr dabei helfen könne. Kurz zusammengefasst lässt sich J's Vorhaben mit „Eine Mischung aus Amazon und Facebook“ umschreiben. Nichts ungewöhnliches, jeder der keine Ahnung von Internet hat und da eine ganz große Nummer aufziehen will, denkt das man sich mit ein paar Mausklicks eine Webseite zusammenklicken kann die sämtliche Leistungen von Amazon&Facebook bietet und noch ein paar Extras mehr.

Ich machte J klar das so ein Vorhaben finanziell schnell im fünfstelligen Bereich liegt. Und das seien nur die Kosten für die Erstellung der Webseite. Und selbst wenn sie das Geld hätte, würde ihr das ja wenig nutzen. Ohne Besucher ist selbst eine Mischung aus Amazon&Facebook so wertvoll wie ein kleiner Hundehaufen. „Ich dachte die kommen alle von Google!?“ erklärte mir J ihr Geschäftsmodell. Ich versuchte J zu erklären das Google nicht ganz freiwillig die Besucher zu ihr schicken würde und das sie dafür schon etwas tun müsse. Selbst wenn, ist J's Vorhaben vom Prinzip her so exotisch, dass Google auch mit viel guten Willen und einer Menge gebuchter Anzeigen kaum jemanden auf J's Seite aufmerksam machen würde.

J war etwas enttäuscht und machte Andeutungen das andere es wohl könnten und ich nur nicht wollte. Oder es schlichtweg nicht könnte. Meinerseits gab es keinen Versuch J in die Realität zurück zu holen und ihr klar zu machen das auch ein Big Business ganz klein anfängt. Ich beließ es also dabei und gab ihr den Ratschlag erst einmal klein anzufangen und dann zu schauen wie es läuft. Warum fragen Menschen eigentlich andere Menschen um Rat wenn sie der Meinung sind das der Ratgebende keine Ahnung hat sobald er ihre Erwartungen enttäuscht? Ich fühlte mich ein wenig angepisst von J.

Wir drifteten thematisch schnell ab und J erzählte mir irgendwelche Sachen die mich nur marginal interessierten. Irgendwann begann dann J ihr Leid zu klagen wie schlecht die Menschen, die Welt und das Universum sei. Ich fragte mich derweilen ob ich irgendwo „Seelenmülleimer“ auf der Stirn stehen hätte und nickte nur höflich oder stimmte ihr mit einen gelegentlichen „Ja, ja“ zu. Mir war nicht nach Diskussion, jetzt hätte ich lieber einen „Kaffee“, dafür war es aber schon zu spät.

J steigerte sich recht schnell in ihr Leid mit dem Universum rein, so dass es mir fast ebenso schnell zu bunt wurde. Nach ein paar Stunden verabschiedete ich mich von J und den festen Vorsatz mich nicht mehr mit Internetbekanntschaften - egal ob langjährig und vertraut oder nur flüchtig - zu treffen. Wenn andere abends im Bett liegen und Schäfchen zählen, liege ich im Bett und zähle die durchgeknallten Internetbekanntschaften die ich bisher getroffen habe. Meist schlafe ich dann mit der Furcht ein, dass eine dieser Internetbekanntschaften mich zerstückelt und mich im Eisfach ihres Kühlschranks deponiert.

Auf dem Rückweg von J nach Hause hatte mich P noch angerufen. P kenne ich seit mehr als 20 Jahren, er ist im Vergleich zu den Menschen die ich in den letzten Tagen getroffen habe die reinste Erholung. P wollte nur mal hören wie es mir geht, was darin endete, dass ich mit P, seiner Frau und seiner Tochter im Schrebergarten vor dem Grill saß. Es gesellten sich noch einige andere Bekannte und Freunde zu uns, so das der Donnerstag überraschend angenehm und entspannend endete.

Obwohl ich den Abend gerne noch länger genossen hätte, endlich mal keine Verrückten in meiner näheren Umgebung, musste ich ihn recht früh beenden. Für Freitag war mal wieder um 4 Uhr aufstehen angesagt, Brückentag war ja schließlich gestrichen.
Es gibt Tage, an denen ich gar nicht arbeiten muss und dennoch den Job hasse wie die Pest. Was mir Sorgen macht ist, dass es immer mehr solcher Tage gibt.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Verena



Feiertag! C arbeitet und ich genieße die Ruhe und Freizeit und gammel hauptsächlich auf der Couch rum und gucke Fernsehen; irgendein Girlie-Film mit Lindsey Lohan. Zum Glück kann ich mich zum Sport aufraffen und schaffe ganze 45 min auf dem Cross-Trainer. Das Problem ist hierbei nicht die Kondition, sondern die Langweile. Ich habe mir angewöhnt, Klatschmagazine beim Training zu lesen: Viele Bilder, wenig Text, das geht ziemlich gut. Bei einem Buch würde ich ständig in den Zeilen verrutschen, vermutlich fehlt mir da auch die Konzentration. Wenn man Pech hat, sind Leute neben dir, die die ganze Zeit am Quatschen sind. Find ich super nervig. Heute war aber nicht viel los.

Abends gucken wir noch eine Folge Game of Thrones.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Martin

Mein Plan am Feiertag lange zu schlafen kollidiert mit dem Plan meines Mitbewohners um 6 Uhr stinkbesoffen und klingelnd vor der Tür zu stehen. Um die Freude perfekt zu machen, hat er noch einen nicht minder besoffenen Kumpel dabei. Wenn ich nüchtern bin gehen mir Besoffene tierisch auf den Sack. Könnte nie Taxifahrer am Wochenende sein. In meinem Zimmer höre leider vieles von unten, da die Tür nicht die Beste ist. Eher ein Vorhang aus Holz was die Geräuschdämmung angeht. Nachdem ich zuerst überhaupt nicht erfreut war geweckt zu werden und das einer auch noch meinte zu mir ins Bett krabbeln zu müssen um mir was zu erzählen, wurde es doch noch ganz lustig. P. wollte sich irgendwann durch einen kleinen Stunt für die Störung entschuldigen und ist in Jack Ass-Art in unsere Hecke gesprungen. Immerhin was…

Der Regen lässt lange keine Radtour zu und darum entschließe ich mich Mutter zu besuchen und Wäsche zu machen. Ich hänge die Wäsche vorbildlich auf und nehme nicht den Wäschetrockner, was uns eine Menge Geld spart. Ein gutes, aber in erster Linie uraltes Gerät mit gigantischem Stromverbrauch. Solange wir den noch haben, können die verbliebenen Atomkraftwerke wohl nicht vom Netz.

Das Wetter wird nachmittags doch noch besser und ich drehe mit meinem Kumpel Matze eine kleine Runde. Matze hat richtig Dampf in den Beinen, aber heute lassen wir es ruhig angehen. Die Straßen sind noch nasser als gedacht was einem mangels Schutzblechen eine schöne Dreckdusche von unten beschert.  Wieder angekommen schraube ich noch ein wenig an dem Rad, mit dem ich heute unterwegs war. Die Schaltung zickt noch leicht rum. Mehr als ein halbwegs brauchbarer Kompromiss kommt bei meinem Geschraube allerdings nicht rum.

Mein kochender Mitbewohner Tobi ist seit gestern zum Angeln auf Fehmarn, was mich dazu zwingt einen Döner zu holen, bevor es ins Bett geht.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Kyra

Es ist 5 Uhr morgens, wir sind gerade gelandet. Ich habe M. gestern schon gebeten mir eine Mitfahrgelegenheit nach Aachen zu besorgen. So etwas zu organisieren ist nämlich meist recht schwierig und teuer aus dem Ausland und M. kann das auch viel besser ;) Mir kam gestern die  spontane Idee, dass ich ja das Wochenende mal nach Aachen zu meiner Freundin A. fahren kann. Das letzte Mal ist schon wieder viel zu lange her. Also, wenn nicht jetzt, wann dann? Bis die Mitfahrgelegenheit kommt ist aber noch lange Zeit. Klar, um 5 Uhr morgens schläft die Welt noch. Also leg ich mich hier bei Lufthansa auch nochmal ins Bett.

Die Mitfahrgelegenheit war sehr mysteriös, aber das ist mir auch nicht mehr neu. Ich frag mich nur immer, wie ich die  Fahrer dann im Anschluss bewerten soll? Eigentlich hat ja alles geklappt und war pünktlich, aber Unfreundlichkeit könnte man ja auch bewerten. Immerhin musste ich nicht in der Mitte sitzen, das passiert mir, dank meiner Größe nämlich ständig.

A und ich  haben viel zu bequatschen, viel Wein zu trinken und ich habe die letzte Nacht mal wieder in der Luft durchgemacht, schrecklich anstrengende Passagiere gehabt und dann noch die Mitfahrgelegenheit... Heute schaffe ich nix mehr.