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Sonntag, 25. November 2012

Sonntag, den 04. November 2012 - Thomas R

Sechs Tage, 2.008 Worte. Mal schauen, wie viele an diesem siebten und letzten Tag der
Alltagsdokumentation noch dazu kommen. Viel zu erzählen habe ich heute wirklich nicht. Ich
war vor allem familiär unterwegs, hab‘ meine Mutter auf‘n Kaffee in der Rösterei getroffen, war
dann bei meiner großen Schwester auf zwei Tassen Tee, hab‘ mit meinem Neffen Englisch-
Vokabeln geübt. Und siehe da, für‘n Job bei der Deutschen Bahn ist er bereits überqualifiziert.
Wär‘ ja aber auch schlimm, wenn nicht. Er ist immerhin schon in der Fünften.

Abends gab‘s dann mit meinem Freund und Lieblingstwitterer (@olle_meia) die sonntägliche
Fress- und Tatort-Tradition. Nur ohne Tatort. Aber so unsagbar schlecht der Polizeiruf auch war,
so göttlich unser Fraß: Selbst gemachte Adana Kebabs. Also geil gewürztes Lammhack, mit
Haloumi und geschnippeltem Gemüsekram in kross gebackenem Fladenbrot-Vierteln. Dazu
wie‘s sich gehört ordentlich Sauce oben drauf. Knoblauch und scharf. Entschuldigung, aber es
ist Kreuzberg hier.

Mein Magen ist noch immer völlig überfordert. Siehe Freitag. Aber genau darum war‘s wie
schon so oft ein wahrlich gelungener Wochenabschluss. In diesem Fall für erschreckend
profane sieben Tage, über die ich im Normalfall wohl eher wenige Worte verloren hätte.

Samstag, 24. November 2012

Samstag, den 03. November 2012 - Thomas R



8 Wochen. Und immer noch so zerknautscht, wie am ersten Tag. Ich hatte angenommen, dass
sich das schneller verwächst. Aber gut, keine Eile, das passiert sicher noch früh genug.
Außerdem ist der kleine Kaspar* ja trotzdem bzw. sowieso ein unglaublich niedliches Stück
Mensch. Mittlerweile schaut er einen sogar direkt an, wenigstens wirkt es bewusst. Und nicht
mehr ganz so apathisch und gesichtswurstig, wie vor drei, vier Wochen, als ich ihn das letzte
Mal gesehen hab‘.

Kinder, wie die Zeit vergeht. Plötzlich sind sie überall, diese Kinder. Als wäre das der neueste
Shit aus Cupertino, den einfach jeder haben muss: iKids. Mein Freundeskreis ist voll dabei und
macht diesen Trend mit, wie keinen je zuvor. Zugegeben, die Anschaffung – oder sagen wir
lieber Produktion – macht ja auch irre Spaß. Aber warum denn gleich alle auf einmal?

Bevor wir uns falsch verstehen. Ich hab‘ nichts gegen Kinder. Überhaupt nicht. Seit 17 Jahren
bin ich stolzer Onkel, seit 11 Jahren auch Pate. Und ganz ehrlich, ich find‘s gigantisch.

Also vielleicht bin ich auch einfach nur neidisch, dass es für mich gerade noch so weit entfernt
scheint, dieses Wunder namens neues Leben. Dabei könnte ich es mir finanziell inzwischen
sogar leisten. Und vor allem und sehr viel wichtiger, ich habe zum ersten Mal eine so großartige
Freundin, dass ich mir Kinder mit ihr vorstellen kann.

Aber ganz ehrlich, lasst uns etwas Zeit. Wir ziehen sehr wahrscheinlich, sehr bald zusammen
und wohnen dann nicht nur in einer gemeinsamen Wohnung, sondern auch erstmals in
derselben Stadt. Und irgendwann wird der Moment schon kommen, in dem wir es uns nicht nur
vorstellen können, sondern es einfach vollführen, Mitose, Meiose und den ganzen Rest der
zellteilenden Bi0logie. Ganz sicher nicht in acht Wochen. Aber wer weiß, vielleicht ja dann zu
Kaspars dritten Geburtstag...

(* Name geändert, Anm. d. Red.)

Freitag, 23. November 2012

Freitag, den 02. November 2012 - Thomas R



Neun Kilo. Wer sich schon mal den Pfand für einen 24er-Kasten Bier zurückgeholt hat, weiß, wie
sich neun Kilo anfühlen, wie sie in der Hand liegen und langsam aber sicher immer schwerer
werden und den Arm runterziehen, während einem der Getränkemarkt mit jedem Schritt
unerreichbarer erscheint.

Dabei fühl‘ ich mich gar nicht sooo viel leichter. Aber hey, warum sollte ich das Urteil der
Waage anzweifeln, ausgerechnet in einem der so seltenen Momente, in denen sie mal für mich
aussagt? So ein Freak bin ich nun auch wieder nicht.

Sagte er, nachdem er dem Internet von seiner Diät erzählt hat. Nun ja. Jetzt ist es auch egal,
machen wir es also offiziell: „Hallo, mein Name ist Thomas und ich zähle Kalorien.“ Oder
präziser gesagt: Ich lasse zählen. Unsere schöne, neue Welt beschert uns nämlich nichts, das
es nicht gibt. Darum habe ich die Rechnerei ausgelagert bzw. hinein gelagert. Ins Telefon. Die
App. nennt sich „Shape Up“ und ja, natürlich schäme ich mich. Aber scheiße, was soll ich
machen? Es funktioniert. Und zwar so was von!

Aber ganz ehrlich, wenn Du plötzlich kurz davor bist, die 90 Kilo zu schrammen, dann einen
ZEIT-Artikel über das (laut jüngsten Studien) neue Krebsrisiko Nummer 1, das in der
Bauchhöhle eingelagertes Viszeralfett, liest und eine Freundin hast, die eben nicht nur ein
zauberhaftes Wesen und einen klugen Kopf hat, sondern auch Kleidergröße 36, dann hast Du
wirklich genug Gründe um grundlegend was an Dir und Deinem Lebensstil zu ändern. Ernsthaft,
mein Schweinehund kann froh sein, dass ich ihn noch nicht nach China exportiert habe.

Und das Schönste an diesen 9 Kilo ist ja, dass ich mir jetzt so viel öfter mal was gönnen kann,
worauf ich wirklich Bock habe. Einen schönen Kasten Augustiner zum Beispiel.

Donnerstag, 22. November 2012

Donnerstag, den 01. November 2012 - Thomas R



S01E07.avi. Wenn etwas zu dieser Woche gehört, dann Breaking Bad. Ich weiß, ich bin
unfassbar spät dran – hab‘ letzten Sonntag erst ‘mit angefangen, shame on me! – aber ALTER!
IST! DAS! GEIL!

Ich bin sehr wahrscheinlich nicht der Erste, von dem ihr das hört. An sich bin ich auch gar nicht
so der Serientyp. Gut, Lost habe ich damals auch mitgemacht, logisch. War ja auch unfassbar
brillant erzählt, die ersten zwei oder drei Staffeln. Bis irgendwann plötzlich so viel mehr Fragen
im Raum standen, als jemals hätten beantwortet werden können. Das war dann nicht mehr so
schön. Gar nicht mehr, um genau zu sein. Aber Ende murks, alles murks? So weit würde ich
nicht gehen, hätte ich doch bis vergangenen Sonntag behauptet, dass mich noch nie eine Serie
so dermaßen gefesselt hat, wie die einsamen bzw. eben doch nicht ganz so einsamen
Insulaner.

Aber dann, siehe oben. Breaking Bad, Staffel 1. So viel weniger Charaktere, so viel mehr
Charakterstudie. Die so große, wie großartige Message der ersten Staffel: Vorsicht, das Böse
ist in jedem von uns. Wer jetzt noch immer nicht mal ansatzweise weiß, wovon ich hier
überhaupt rede, dem sei eines dringend geraten: Breaking.Bad.S01E01.avi – JETZT!

Mittwoch, 21. November 2012

Mittwoch, den 31. Oktober 2012 - Thomas R



211 Tage. Solange ist es jetzt schon her, dass meine Oma gestorben ist. Daran musste ich heute denken. Es ist schließlich „El Día de los Muertes“, der Tag der Toten. Und zwar der erste, an dem meine Großmutter mit dazu gehört. Nach fast 90 Jahren hat sie sich ihre Teilnahme aber auch wirklich mehr als verdient. Hier sitze ich also und gedenke Ihrer: „Liebe Oma, hab‘ Spaß da oben, grüß die Anderen und bis bald einmal, so in 50, 60 oder 70 Jahren.“

War heute noch was? Ach ja, Halloween. Tschüssween.

Mehr habe ich zum überflüssigsten Tag des Jahres wirklich nicht zu sagen. An marodierenden
Kinderbanden kann ich mich in Kreuzberg zudem jeden Tag erfreuen. Dafür brauche ich echt
keinen peinlichen Import-Feieranlass. Import-Scheiße gibt es ja leider auch in unserer Sprache. Manchmal bringe ich den schlimmen Medienmenschensprachgebrauch sogar versehentlich mit nach Hause, bedanke mich beispielsweise bei meiner Freundin für „guten Input“. Schon im nächsten Moment schäme ich mich aber. Sehr sogar. Das nur fürs Protokoll bzw. zu meiner Verteidigung. Ich find‘s vermutlich unerträglicher als es in Wirklichkeit ist.

Die Wirklichkeit ist aber auch, dass ich dieses Mediensprech so überhaupt nicht ertrage. Nie,
nie, niemals, auch und schon gar nicht in der Arbeitszeit wird jemals irgendetwas „fein für mich sein“, auch werde ich unter gar keinen Umständen jemals etwas „in die Tüte sprechen“ oder mich auf etwas „comitten“.

Das schwöre ich, so wahr mir der Duden helfe.

Dienstag, 20. November 2012

Dienstag, den 30. Oktober 2012 - Thomas R.

37 Seiten. 37 verdammte Seiten Last-Minute-Notfall-Medienkonzeptscheiße habe ich heute
runtergehackt. An nur einem Arbeitstag. Dafür bringt der Feierabend jetzt: Zwei Gläser Barolo
und eine Ritter Sport Knusperkeks. Es ist also Wein-und-Schokolade-Abend. Normalerweise
gibt‘s das bei mir nur nach extrem nervigen Tagen. Heute war aber eigentlich ganz okay.

Erstaunlich okay sogar. Das liegt auch, wenn nicht sogar ausschließlich, an meiner absurd
zauberhaften Freundin. Sie rief gerade noch mal an, halb schlafend schon, die Spangen
bereits im Mund und ermahnte mich ernst, nicht zu vergessen, dass sie auch supersexy und
begehrenswert sei. Und eben nicht nur niedlich, was ich ihr vermutlich nicht nur gefühlt,
sondern tatsächlich alle zwei Minuten sage. Einfach sagen muss, wenn Ihr mich fragt.

Aber Ihr fragt ja nicht. Und vermutlich ist das sogar besser so. Denn Herzscheiße interessiert
nun wirklich niemanden. Schon gar nicht die Gutartige. So sind wir Menschen eben. Mitfreuen
fällt den meisten ja schon bei engen Freunden schwer. Wie kann mein Glück dann auch nur
irgendwen auf virtuell-unbekannte Weise erfreuen? Richtig, gar nicht.

Darum sei jetzt von meinem Unglück die Rede. Wobei Unglück doch ein bisschen viel der Ehre
ist. Mir ist ja nichts passiert. Kein Flug übern Lenker, kein horrender Kostenvoranschlag, nichts
und wieder nichts, was sich lohnte, hier erwähnt zu werden. Nichts als Arbeit. Davon aber
natürlich viel zu viel.

Egale Medienscheiße wieder. Ein Projekt, an dem ich vor meinem Urlaub auch mal kurz
beteiligt war. Wegen dem anderen, fast genauso egalen Projekt, das sich so unschön in die
Länge zog, siehe Montag, hatte ich aber vorher kaum Zeit dafür. Und gestern wurde ich, warum
auch immer, gar nicht damit behelligt. Dafür mit einem ganz neuen, noch viel egalerem Job.

Aber statt mich weiter diesem Neuen widmen zu können, und mich an dem ihm
innewohnenden Zauber zu ergötzen bzw. ihn erstmal ausfindig zu machen, hieß es heute
Morgen plötzlich: Stop. Hammertime. (Dödödödö!) Ok, zugegeben, eigentlich hieß es
irgendwas mit plötzliche Krankheitsausfälle, oh nein, oh nein, das Team braucht
Unterstützung, bla, bla, bla, bitte rette uns, wir wollen nicht das mit den Fähnchen machen,
bla, Hilfe, Hilfe, bla, bla!

So kamen die 37 Seiten zustande. Ja, jetzt würdet Ihr doch lieber über meine Freundin
sprechen? Das war so klar. Nun gut, Wein und Schokolade sind zum Glück noch in Griffweite.
Aber nee, jetzt will ich nicht mehr. Der Moment ist vorbei, sorry. Vielleicht Morgen wieder, mal
sehen.

Montag, 19. November 2012

Montag, den 29. Oktober 2012 - Thomas R

546,75€. In Worten: Fünfhundertsechsundvierzig Euro und Fünfundsiebzig Cents. Meine Fresse,
ein Flug über'n Lenker kostet also genau so viel wie ‘ne Woche Last-Minute in Bulgarien. All-
Inclusive, versteht sich.

Ja gut, der Flug war nonstop, aber es gab weder Verpflegung, noch ein Bordprogramm. Und die
Landung war wirklich beschissen. Die zwei Cuts überm rechten Auge und der geprellte Arm sind
Zeuge. Richtig, ich bin der Box-Champion unter den Fahrradunfallopfern. Nur ohne Gürtel. Und
Preisgeld. Dabei könnte ich das gerade echt sehr gut gebrauchen.

Aber Moment, Ihr wisst ja noch gar nicht, was mir letzte Woche passiert ist. Also Rückblick. Ich
weiß, das hier soll ein Tagebucheintrag sein. Über heute. Aber hey, so was kommt von so was.
Oder wie Cora E. einst rappte: „Es wär heut‘ nicht wie es ist, wär‘ es damals nicht gewesen, wie
es war“.

Damals, genau. Oder wie es heute heißt: Letzten Donnerstag. Ich musste, was
Medienmenschen manchmal eben so müssen. In einem loftartigen Studio in Berlin-Mitte
rumhampeln. Und eine fundierte Meinung zu einem egalen Projekt simulieren. Aber ich hatte
nicht nur keine Meinung, ich hatte auch kaum mehr Geduld. Es war nämlich die letzte Woche
vor meinem lang ersehnten Urlaub, den ich schon um zweieinhalb Wochen nach hinten
geschoben hatte, weil dieses verfickte Projekt einfach nicht fertig werden wollte.

Doch dann ist endlich Donnerstag. Und wir sitzen mit der aufgeregten Kundin im besagten
Studio, drehen hier ein bisschen rum und korrigieren dort ein wenig nach. Irgendwann ist dann
auch wirklich die letzte, verschlimmbessernde Detailfickerei von jedem Meinungsmunde
kommentiert, die endlich Kundin glücklich und wir alle fertig. Ich vor allem mit mir selbst.

Nach den obligatorischen Abschiedsfloskeleien hasten wir alle irgendwo hin. Die Kundin
Richtung Bahnhof, die Kollegen zum geparkten Wagen und ich zu meinem Rad. Ich lenke es
aus der Einfahrt, biege rechts auf die Straße und mache einem mir entgegenkommenden Auto
Platz. Es fährt an mir vorbei und bevor ich wieder Richtung Fahrbahnmitte lenken kann, wird
direkt vor mir plötzlich die Fahrertür eines schwarzen Mercedes geöffnet. Ich schreie und
bremse abrupt.

Ich schreie offensichtlich laut und bremse gut. Denn während die Tür nur diesen Spaltbreit
geöffnet bleibt, fliege ich, wie oben schon verraten, übern Lenker. Der Rest ist schnell erzählt.
Zumindest schneller als bisher: Landung. Aua. Schimpfen. Zwei Zeugen drängen mich ins
nahgelegene Krankenhaus. Der Übeltäter, nun ja, nennen wir ihn fairerweise Übelverursacher,
kommt mit, wenigstens bis zur Anmeldung. Alles Weitere kann ich dann aber auch wirklich
alleine: Untersuchung. Röntgen. Diagnose (siehe Box-Champion). Zurück zum Fahrrad. Fahrrad
blockiert. Nächster Tag, Freitag: Fahrrad in die Werkstatt schleppen. Den Kostenvoranschlag
könne ich mir dann ja nach dem Urlaub abholen.

Nach dem Urlaub. Also heute. Gesagt, geweint. Nein, nicht wirklich, auch wenn‘s echt zum
Heulen ist: Noch mal: 546,75€. Oder in anderen Worten: Totalschaden. Und das wirklich
Tragische an der Geschichte. Das Rad hat auch nur‘n Hunni mehr gekostet. Damals. Also in
diesem Fall: Letzten Monat. True story, aber vor allem sad story.

P.S.: Ich erzähle euch das hier aber nicht, weil ich euer Mitleid will. Ein wenig Expertise wäre
allerdings schon schön. Ich mein‘, vielleicht ist ja einer der 20 Leser hier tatsächlich ein auf
Unfallrecht spezialisierter Jurist, der mir vor Gericht – oder noch eleganter – außergerichtlich
statt Schmerzensgeld ein neues Rad erstreitet. Hmm?