Donnerstag, 22. Mai 2014

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Silke


Bücken 
 
Freudig werde ich von den älteren Semestern meiner Familie mit Ausrufen von „Silke, mehr sollst du jetzt aber nicht mehr abnehmen!“ und „Du, dünne Frauen finden Männer aber auch nicht gut. Da musst du aufpassen, sonst bist du H. aber auch schnell wieder los“ begrüßt, ein bisschen wie in einem B-Movie.

Tatsächlich habe ich eher zu- als abgenommen, seit ich meine Omas das letzte Mal gesehen habe. Ich frage mich, ob sie das als Kompliment meinen oder ihre Sehstärke neu eingestellt werden muss. Schön klischeehaft werden mir dann auch Hänsel-und-Gretel-Hexe mäßig die Finger in die Rippen gepickt, um auch wirklich sicherzugehen dass noch genug Fett am Kindchen (also an mir) ist.

Sollte ich mal Enkelkinder haben, werde ich ähnlich vorgehen, denke ich.

So also das Kaffee trinken – danach geht es noch mit dem Auto los, um den Verwandten zu zeigen, wie sich die Gegend verändert hat (der obligatorische Spaziergang fiel ins Wasser, wörtlich). Das war eine schöne Aktion, auch ich habe die Dörfer, Gebäude und Firmen gefühlt ewig nicht gesehen.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Ralf

Der Donnerstag begann mit ausgiebigen Ausschlafen. Ich hatte mir für den Tag nichts großartiges vorgenommen. Ein kleines K&K-Frühstück (Kaffee&Kippe) so wie ich es gewohnt bin und dann ein wenig Schreibkram erledigen. Die Behörden können recht ungeduldig sein.

Gegen Mittag bekam ich eine Mail von J. J kenne ich über drei Ecken aus dem Internet und bin ihr bis zu diesen Tag noch nie begegnet obwohl sie nicht sehr weit weg wohnt. J will eine „Internetseite“ haben und fragte ob ich mal auf einen Kaffee vorbei kommen könne. Obwohl J recht attraktiv ist, hatte ich bei „Kaffee“ tatsächlich an das Heißgetränk gedacht und nicht an einen „Kaffee“ der bei Frauen gerne die „Briefmarkensammlung“ ersetzt. Mir machten noch geistige Verdauungsstörungen vom Vorabend zu schaffen. Selbst wenn J mir einen „Kaffee“ angeboten hätte, hätte ich wohl eher dankend abgelehnt.
Am Nachmittag fuhr ich zu J. Sie erzählte mir was sie vorhabe und ob ich ihr dabei helfen könne. Kurz zusammengefasst lässt sich J's Vorhaben mit „Eine Mischung aus Amazon und Facebook“ umschreiben. Nichts ungewöhnliches, jeder der keine Ahnung von Internet hat und da eine ganz große Nummer aufziehen will, denkt das man sich mit ein paar Mausklicks eine Webseite zusammenklicken kann die sämtliche Leistungen von Amazon&Facebook bietet und noch ein paar Extras mehr.

Ich machte J klar das so ein Vorhaben finanziell schnell im fünfstelligen Bereich liegt. Und das seien nur die Kosten für die Erstellung der Webseite. Und selbst wenn sie das Geld hätte, würde ihr das ja wenig nutzen. Ohne Besucher ist selbst eine Mischung aus Amazon&Facebook so wertvoll wie ein kleiner Hundehaufen. „Ich dachte die kommen alle von Google!?“ erklärte mir J ihr Geschäftsmodell. Ich versuchte J zu erklären das Google nicht ganz freiwillig die Besucher zu ihr schicken würde und das sie dafür schon etwas tun müsse. Selbst wenn, ist J's Vorhaben vom Prinzip her so exotisch, dass Google auch mit viel guten Willen und einer Menge gebuchter Anzeigen kaum jemanden auf J's Seite aufmerksam machen würde.

J war etwas enttäuscht und machte Andeutungen das andere es wohl könnten und ich nur nicht wollte. Oder es schlichtweg nicht könnte. Meinerseits gab es keinen Versuch J in die Realität zurück zu holen und ihr klar zu machen das auch ein Big Business ganz klein anfängt. Ich beließ es also dabei und gab ihr den Ratschlag erst einmal klein anzufangen und dann zu schauen wie es läuft. Warum fragen Menschen eigentlich andere Menschen um Rat wenn sie der Meinung sind das der Ratgebende keine Ahnung hat sobald er ihre Erwartungen enttäuscht? Ich fühlte mich ein wenig angepisst von J.

Wir drifteten thematisch schnell ab und J erzählte mir irgendwelche Sachen die mich nur marginal interessierten. Irgendwann begann dann J ihr Leid zu klagen wie schlecht die Menschen, die Welt und das Universum sei. Ich fragte mich derweilen ob ich irgendwo „Seelenmülleimer“ auf der Stirn stehen hätte und nickte nur höflich oder stimmte ihr mit einen gelegentlichen „Ja, ja“ zu. Mir war nicht nach Diskussion, jetzt hätte ich lieber einen „Kaffee“, dafür war es aber schon zu spät.

J steigerte sich recht schnell in ihr Leid mit dem Universum rein, so dass es mir fast ebenso schnell zu bunt wurde. Nach ein paar Stunden verabschiedete ich mich von J und den festen Vorsatz mich nicht mehr mit Internetbekanntschaften - egal ob langjährig und vertraut oder nur flüchtig - zu treffen. Wenn andere abends im Bett liegen und Schäfchen zählen, liege ich im Bett und zähle die durchgeknallten Internetbekanntschaften die ich bisher getroffen habe. Meist schlafe ich dann mit der Furcht ein, dass eine dieser Internetbekanntschaften mich zerstückelt und mich im Eisfach ihres Kühlschranks deponiert.

Auf dem Rückweg von J nach Hause hatte mich P noch angerufen. P kenne ich seit mehr als 20 Jahren, er ist im Vergleich zu den Menschen die ich in den letzten Tagen getroffen habe die reinste Erholung. P wollte nur mal hören wie es mir geht, was darin endete, dass ich mit P, seiner Frau und seiner Tochter im Schrebergarten vor dem Grill saß. Es gesellten sich noch einige andere Bekannte und Freunde zu uns, so das der Donnerstag überraschend angenehm und entspannend endete.

Obwohl ich den Abend gerne noch länger genossen hätte, endlich mal keine Verrückten in meiner näheren Umgebung, musste ich ihn recht früh beenden. Für Freitag war mal wieder um 4 Uhr aufstehen angesagt, Brückentag war ja schließlich gestrichen.
Es gibt Tage, an denen ich gar nicht arbeiten muss und dennoch den Job hasse wie die Pest. Was mir Sorgen macht ist, dass es immer mehr solcher Tage gibt.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Verena



Feiertag! C arbeitet und ich genieße die Ruhe und Freizeit und gammel hauptsächlich auf der Couch rum und gucke Fernsehen; irgendein Girlie-Film mit Lindsey Lohan. Zum Glück kann ich mich zum Sport aufraffen und schaffe ganze 45 min auf dem Cross-Trainer. Das Problem ist hierbei nicht die Kondition, sondern die Langweile. Ich habe mir angewöhnt, Klatschmagazine beim Training zu lesen: Viele Bilder, wenig Text, das geht ziemlich gut. Bei einem Buch würde ich ständig in den Zeilen verrutschen, vermutlich fehlt mir da auch die Konzentration. Wenn man Pech hat, sind Leute neben dir, die die ganze Zeit am Quatschen sind. Find ich super nervig. Heute war aber nicht viel los.

Abends gucken wir noch eine Folge Game of Thrones.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Martin

Mein Plan am Feiertag lange zu schlafen kollidiert mit dem Plan meines Mitbewohners um 6 Uhr stinkbesoffen und klingelnd vor der Tür zu stehen. Um die Freude perfekt zu machen, hat er noch einen nicht minder besoffenen Kumpel dabei. Wenn ich nüchtern bin gehen mir Besoffene tierisch auf den Sack. Könnte nie Taxifahrer am Wochenende sein. In meinem Zimmer höre leider vieles von unten, da die Tür nicht die Beste ist. Eher ein Vorhang aus Holz was die Geräuschdämmung angeht. Nachdem ich zuerst überhaupt nicht erfreut war geweckt zu werden und das einer auch noch meinte zu mir ins Bett krabbeln zu müssen um mir was zu erzählen, wurde es doch noch ganz lustig. P. wollte sich irgendwann durch einen kleinen Stunt für die Störung entschuldigen und ist in Jack Ass-Art in unsere Hecke gesprungen. Immerhin was…

Der Regen lässt lange keine Radtour zu und darum entschließe ich mich Mutter zu besuchen und Wäsche zu machen. Ich hänge die Wäsche vorbildlich auf und nehme nicht den Wäschetrockner, was uns eine Menge Geld spart. Ein gutes, aber in erster Linie uraltes Gerät mit gigantischem Stromverbrauch. Solange wir den noch haben, können die verbliebenen Atomkraftwerke wohl nicht vom Netz.

Das Wetter wird nachmittags doch noch besser und ich drehe mit meinem Kumpel Matze eine kleine Runde. Matze hat richtig Dampf in den Beinen, aber heute lassen wir es ruhig angehen. Die Straßen sind noch nasser als gedacht was einem mangels Schutzblechen eine schöne Dreckdusche von unten beschert.  Wieder angekommen schraube ich noch ein wenig an dem Rad, mit dem ich heute unterwegs war. Die Schaltung zickt noch leicht rum. Mehr als ein halbwegs brauchbarer Kompromiss kommt bei meinem Geschraube allerdings nicht rum.

Mein kochender Mitbewohner Tobi ist seit gestern zum Angeln auf Fehmarn, was mich dazu zwingt einen Döner zu holen, bevor es ins Bett geht.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Kyra

Es ist 5 Uhr morgens, wir sind gerade gelandet. Ich habe M. gestern schon gebeten mir eine Mitfahrgelegenheit nach Aachen zu besorgen. So etwas zu organisieren ist nämlich meist recht schwierig und teuer aus dem Ausland und M. kann das auch viel besser ;) Mir kam gestern die  spontane Idee, dass ich ja das Wochenende mal nach Aachen zu meiner Freundin A. fahren kann. Das letzte Mal ist schon wieder viel zu lange her. Also, wenn nicht jetzt, wann dann? Bis die Mitfahrgelegenheit kommt ist aber noch lange Zeit. Klar, um 5 Uhr morgens schläft die Welt noch. Also leg ich mich hier bei Lufthansa auch nochmal ins Bett.

Die Mitfahrgelegenheit war sehr mysteriös, aber das ist mir auch nicht mehr neu. Ich frag mich nur immer, wie ich die  Fahrer dann im Anschluss bewerten soll? Eigentlich hat ja alles geklappt und war pünktlich, aber Unfreundlichkeit könnte man ja auch bewerten. Immerhin musste ich nicht in der Mitte sitzen, das passiert mir, dank meiner Größe nämlich ständig.

A und ich  haben viel zu bequatschen, viel Wein zu trinken und ich habe die letzte Nacht mal wieder in der Luft durchgemacht, schrecklich anstrengende Passagiere gehabt und dann noch die Mitfahrgelegenheit... Heute schaffe ich nix mehr.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Mittwoch, den 30. April 2014 - Martin

Da mein Kollege mit dem ich normal eine Fahrgemeinschaft hab, heute selber fährt schaffe ich es erst um kurz vor 9 bei der Arbeit zu sein. Kaum ist der Druck früh aufstehen zu müssen weg, wird es auch nichts. Dank Gleitzeit ist das aber meistens egal.

Der Arbeitstag verläuft unspektakulär. Wir lassen einige Flächen räumen um Platz für neue Montage Sets zu schaffen und machen noch ein Paar Restarbeiten. Gegen Mittag wird das neue Konzept zur Bandversorgung vorgeführt. Nennt sich Supermarkt und beinhaltet meiner Meinung nach zu viele Handlingschritte. Vielleicht habe ich den tieferen Sinn aber auch noch nicht verstanden.
Nach Feierabend geht es heute nicht aufs Rennrad. Die Beine waren bei der gestrigen Tour recht schwer und es ist Zeit für eine Pause. Die Tour gestern war eh nicht gut. War im Landkreis Verden unterwegs und die stehen da auf Betonplatten Radwege mit möglichst großen Fugen zwischen den Betonplatten. Sehr ungeeignet für die schmalen, harten Reifen.

Ich nutze die Zeit um den Rasen zu mähen. Ich steh auf Rasen mähen und es ist auch meine Aufgabe hier. Mit der Aufgabe bin ich super davon gekommen. Macht Spaß, ist draußen und ein Motor röhrt dabei. Und das halbe Jahr ist es gar nicht. Wenn man das z.B. mit Kochen vergleicht, was Tobis Aufgabe ist. Leider schaffe ich nur ein Drittel des Rasens, da der Regen kommt.
Also rein und paar Sachen am PC erledigen. Das immer wieder abkackende LTE-Internet muss gekündigt werden und mich würde mal interessieren wie viele Punkte ich in Flensburg nach dem neuen System hab. Hatte nach dem alten System mal 10, hab mich aber in der letzten Zeit ganz gut benommen und hoffe, dsas alle weg sind. Leider macht der Drucker Ärger und ich kann nichts ausdrucken.  Der Drucker fliegt nur Dank des Fliegengitters nicht aus dem Fenster.

Ich reaktiviere die Facebook-Gruppe für den diesjährigen Biermarathon. Wir müssen zuerst einen Termin finden an dem es den meisten passt weil sie nicht schon woanders zum Bier abpumpen sind. Ich werde dieses Jahr wieder auf die Schnelltrinkkünste meines langjährigen Partners Thomas Heise setzen.

Da ich keine rechte Lust habe heute was zu starten und morgen für eine längere Ausfahrt fit sein will, nutze ich den Abend um an den Fahrrädern zu schrauben und fehlende Teile zu bestellen. Ebay hat alles da, nur gibt es nirgendwo mehr Schuhplatten für meine Pedale, nur weil sie seit 12 Jahren nicht mehr gebaut werden. Überall steht nur der Tipp, dass man sich rechtzeitig einen Vorrat an Schuhplatten hätte zulegen sollen. Jetzt müssen doch neue her, obwohl die alten noch super funktionieren. Setze eh beim Rennrad auf alte Teile. Im Gegensatz zur Gruppe der zur optisch schnellen Rennradfahrer. Das neueste und beste Material aber nichts in den Beinen. Macht besonders Spaß diese Leute am Berg mit einem 15 Jahre alten Mittelklasserad stehen zu lassen.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Silke

Bücken
 
Wir werden alle nicht jünger, unbestreitbar. Seit den 9 Monaten in Kopenhagen lässt sich ein Strang silberner Haare nicht mehr ignorieren (ich schreibe diese den Dänen zu). Glücklicherweise lebe ich seit März wieder fast vollständig in Deutschland, dass hat die weitere Verfärbung erst einmal aufgehalten.

Die Lachfalten sind in Ordnung, die gehen auch echt nicht auf’s dänische Konto, sondern sind das Resultat jahrelanger Anstrengungen in die richtige Richtung.

Trotzdem habe ich mir ein neues Hobby zugelegt, welches ich täglich mit viel Freude und Überzeugung ausübe: Anti-Aging Cremes. Anti-Aging Cremes sind ein bisschen wie das Glauben an den lieben Gott – an guten Tagen ist man der bombenfesten Überzeugung, dass man aufgefangen wird, an schlechten hat man wenigstens noch die Hoffnung, dass es sich noch lohnen könnte.

Die ganzen Studien zu dem Thema finde ich unglaubwürdig (da klar von Kosmetikkonzernen erkauft), ich halte mich da an die Besprechung von neuen Produkten im Heat Magazine (empfehlenswert).

Nach einem Tag im Büro in Kopenhagen fühle ich mich auf alle Fälle circa 3 Tage älter und freue mich, in einigen Stunden wieder in der Original-Heimat auf dem Lande einzutreffen, um am morgigen Tag den 93. Geburtstag meiner Oma zu feiern.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Ralf

Den Tag vor dem Feiertag überlebe ich nur mit viel Hoffnung darauf das auch dieser Tag irgendwann ein Ende hat. Wenn die Motivation zusammengeschlagen am Boden liegt, ist es schwer fröhlich und beschwingt durch den Tag zu kommen. Gestern gegen Feierabend gab es noch einen Aushang am Schwarzen Brett. „Um unsere Disposition zu optimieren, werden ab dem 3.5.14 alle LKW mit Ortungssystem ausgestattet.“ Bedeutet so viel wie: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Irgendwo in der Chefetage sitzt ein Eierkopp der wohl meint alles besser machen zu können und nicht merkt das seit Monaten alles nur schlimmer wird.

Egal, der Tag hat irgendwann ein Ende und dann ist Tanz in den Mai angesagt. Also schon mal langsam vorplanen wie und wo man den Abend verbringen kann. Zur Auswahl steht einmal die Maifeier des Nachbarn. Zum anderen ein wenig rumhängen mit alten Freunden. Nach ein paar Telefonaten entscheide ich mich gegen die nachbarliche Maifeier und für das gepflegte Rumhängen mit alten Freunden.

Wir entscheiden uns für einen Abend im Stile eines Klammerblues. Langsam angehen lassen. Ganz langsam. Wir sind alle nicht mehr die jüngsten und haben die dollsten Tage längst hinter uns gelassen. Als ich noch Mitte Zwanzig war, da floss der Maibock in Strömen. Heute hängt das Damoklesschwert von Familie, Arbeit und Verantwortung über uns. Und nicht zuletzt, die geschundenen Knochen. Den ersten Mai mit dicken Kopp und Hausmitteln zur Bekämpfung des Katers zu verbringen, ist schon lange nicht mehr wirklich eine Option. Freie Tage sind kostbar geworden und wollen genossen werden.

Wir entscheiden uns für eine Kneipe oder das was man früher Kneipe nannte und jetzt … ich weiß gar nicht wie das jetzt heißt. Kneipe auf alle Fälle nicht mehr. Im mit Sonnenschirmen überdachten Biergarten, mit der Option zum Tresen zu wechseln falls es zu nass-kalt wird, lässt es sich aushalten.
Wir lecken uns bei einem Kaltgetränk unsere Wunden die uns durch Arbeit, Leben und/oder Umstände zugefügt wurden. Na gut, ganz so schlimm ist es nicht. Man erzählt sich halt was so alles in den letzten Monaten, in denen man sich nicht gesehen hat, passiert ist. Schwelgt in Erinnerungen. Redet über die Zukunft. Trinkt noch ein Kaltgetränk.
Und dann, nach den dritten oder vierten Kaltgetränk, sind wir doch wieder irgendwie Mitte Zwanzig und glotzen den pornonesque aufgetakelten Mädels hinterher.

„Mach dir nicht den Hunger kaputt!“ hat mich meine Mutter immer ermahnt. Sie meinte damit, ich solle vor den Mahlzeiten nicht ständig was essen damit ich zu den Mahlzeiten auch noch Appetit auf die Mahlzeit habe. Aber Hunger ist doch nur ein Gefühl. Wie kann man sich ein Gefühl kaputt machen? Hunger kommt immer wieder, jeden Tag. So habe ich damals als sechs- oder siebenjähriger gedacht. Heute möchte ich den pornonesque aufgetakelten Mädels hinterher schreien „Mach dir nicht die Liebe kaputt!“

Mädels... an diesen Abend sind die „Mädels“ Frauen Mitte dreißig bis vielleicht Mitte vierzig, die sich in knappe Schale geworfen haben um sich zum fünften oder sechsten Frühling, den sie gerade erleben, etwas passendes an Land zu ziehen. Bei uns sagt man dazu „Auf Trebe gehen“. Es scheint mir, für sie ist Liebe wie ein Hungergefühl das man stillen muss. Und sei es mit einem kleinen Snack zwischendurch. Geh'n wir ma auf Trebe und schau'n ma wat wa an Land ziehen können. Wenn et nix is, nächstes Wochenende könn' wa ja wieder auf Trebe geh'n.

Im laufe des Abends steht die Queen of Pornonesque mehr oder minder plötzlich neben mir. Als Realist würde ich sagen, sie stand schon eine ganze Zeit neben mir. Nur aufgefallen, ist es mir relativ plötzlich. Sie hatte mich ein paar mal leicht angerempelt, so ganz aus versehen, so als wenn nicht genug Platz für alle da wäre, als wäre man in der U-Bahn und könnte gar nichts dagegen tun das die U-Bahn überraschend und unvermittelt anfährt.

Platz war eigentlich genug vorhanden, ich habe mich jedoch an unhöfliche und aufdringliche Menschen gewöhnt und ignoriere sie einfach. Deswegen fiel mir ihre Rempelei anfangs wahrscheinlich gar nicht so sehr auf.

Als sie dann aber etwas deutlicher und betonter rempelte, ging auch mir Holzkopf ein Licht auf. So ganz unbeabsichtigt war das Gerempel wohl nicht. Bis dahin hatte ich nur ihre Rückansicht wahrgenommen. Lassen wir mal den etwas zu engen und kurzen Rock außen vor, genauso wie das zu enge und zu knappe Oberteil, was gibt es schon an der Rückseite einer Frau zu beurteilen. Ausgenommen sie hat drei Beine oder einen dritten Arm der ihr aus'm Rücken wächst. Ich bereitete mich darauf vor mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern falls sich gleich Mrs. Right umdrehen und mich anschauen würde.

Beim nächsten Rempler, den sie gekonnt mit der Schulter ausführte, gab sie mir dann die Chance einen Blick in ihr Gesicht zu werfen. Instinktiv zog ich die Mundwinkel hoch und und bei der Instinkthandlung blieb es auch. Von vorne sah sie aus als hätte ihr Macker erst vor kurzem mit steigender Freude ihr Gesicht mit den Fäusten bearbeitet. Ein paar aufs Maul, bis die Lippen aussehen wie ein knallrotes Gummiboot. Zwei drei gekonnte Schläge auf die Augen bis sie die ganze Farbpalette zwischen Blau und Grün einnehmen. Zu guter Letzt noch ein paar Backpfeifen, so spart man das Rouge.

Sie schaute kurz weg, drehte sich dann doch wieder zu mir um und grinste mich an. „Ok, jetzt musst du was sagen...“ dachte ich mir. Irgendwas belangloses. Ich entfachte ein Feuerwerk der Phantasie, zog den Jokertrumpf und war darauf vorbereitet das gleich die Phantasiefeuerwehr kommt damit nicht gleich der ganze Laden in Brand gerät: „Gute Musik“ schrie ich ihr ins Ohr und deutete mit dem Zeigefinger in Richtung Decke von wo die Dudelmusik zu kommen schien.

„Ja. Is doch ok. Ich finds gut.“ brüllte sie zurück und versuchte irgendwie eine rhythmische Bewegung zu einen imaginären Takt zu machen. Ich musterte sie kurz von oben bis unten. Ihre Bewegungen, die so schlacksig und unkoordiniert waren, hatten ihre Ursache wahrscheinlich in ihrem Schuhwerk. Nix gegen hochhackige Schuhe, sieht toll aus. Hätte sie die Schuhe jedoch an Ort und Stelle ausgezogen, sie hätte mir nicht mehr in die Augen schauen können. Höchstens noch in den Bauchnabel. „Finds nicht gut? Musik?“ schrie sie mir ins Ohr.

Meine Antwort lies eine kurze Weile auf sich warten. Pfläumchen, Schlüpperstürmer, Kleiner Feigling und wie die ganzen Minifläschchen heißen die man unter lauten Getöse auf irgendeiner Tischplatte, Tresen oder Barhocker kloppt bevor man sie öffnen darf, in Kombination mit Jägermeister-Cola und anderer untoten Mixgetränken aus den 80ern, dazu Energy Drinks plus Alkohol, ergeben einen Atem der wie Klostein riecht.

Ich dachte, meine offenherzige Art jedem Menschen frei raus zu sagen was er (oder sie) verdient, könnte mich jetzt aus der Situation retten. Wenn auch wenig charmant, dafür kurz und schmerzvoll. „Dein Atem riecht nach Klostein!“ brüllte ich ihr ins Ohr während der DJ von Rudis Rollender Rubeldisco den Lautstärkeregler für den nächsten Refrain noch einmal weit über Anschlag hinaus aufdrehte. „JA. Das ist Rammstein“ antwortete sie mir und nebelte mich erneut mit eine Wolke aus Cola-Klostein-Geruch ein.

Nein Schätzelein. Weder bin ich in Sachen Rammstein noch Dudelpop auch nur ansatzweise Experte. In beiden Bereichen fehlt mir sogar Basiswissen. Aber eins weiß ich, bei Rammstein singt keine Frau. Und das was da gerade mit 130 Dezibel aus den Lautsprechern tönt, ist eines dieser DSDS-Sternchen dessen Namen man sich nie merken kann weil der eine Halbwertzeit einer schmutzigen Unterhose hat.

Sie grinste nun etwas breiter, fast so als hätten wir eine gemeinsame Basis für ein längeres Gespräch gefunden. Scheiße. Wat nu? Die Musik ist zu grausam und vor allem zu laut um ihr etwas erklärendes zu sagen. Die Frau ist auch viel zu besoffen um etwas erklärendes zu verstehen. Aussichtslos das ganze mit Worten zu lösen?

Vor zwanzig Jahren hätte ich ihr eine Freifahrt mit Ficken angeboten oder sie gleich vor Ort flachgelegt. Quatsch, stimmt gar nicht. Vor zwanzig Jahren wäre ICH so dudelhackendicht gewesen das ich eine Blondine nicht von einen Bobtail hätte unterscheiden können und somit gar nicht in der Lage gewesen irgendwen flachzulegen. Mich selber ausgenommen.
Mittlerweile stört es mich extrem wenn jemand so dudelhackendicht ist und recht offensichtlich versucht MICH flachzulegen, dies aber bei besten Willen nicht mehr hinbekommen würde, selbst wenn ich tatkräftig dabei helfen würde.

Der Übergang von selber zu besoffen sein um jemanden anderes flachzulegen dahin das die anderen zu besoffen sind als das man sie flachlegen wollen würde, ist sehr abrupt. Oder ich habe die Zwischenphase schlichtweg verpasst. Der Gedankengang brachte mich aber auf eine Idee und so brüllte ich ihr „Ich bin Optikficker und du bist nicht mein Kaliber!“ ins Ohr. Ihre Reaktion: „Du bist Optiker? Habe ich gemerkt, schöne Brille hast du...“

Ich lies es unkommentiert, machte keine weiteren Versuche irgendwas zu unternehmen und schaute sie mit leeren Auge an. Ende im Gelände was meine Weisheit betraf. Zum Glück drehte sie sich auch im gleichen Augenblick zu ihrer Freundin um. Aber wie in jeden guten Horrorfilm, wenn man denkt es ist gerade vorbei, steht der Kettensägenmörder plötzlich wieder mit kreischender Kettensäge in der Tür und war wohl gerade nur mal kurz die Kettensäge tanken.

Ihre Kettensäge war ihre Stimme, ihre Tankfüllung eine kleine Falsche die aussah wie Kümmerling, roch wie Krankenhausabwasser und aussah wie Altöl. „HIER!“ schrie sie und drückte mir die kleine Flasche ins Gesicht. Es entwickelte sich ein kurzer Dialog aus „Nein Danke! MussNochFahrn!“ und „AchKommTrinkMaEinen!“ der daraus bestand, dass jeder seinen Satz dreimal wiederholte. Dumm gelaufen für mich, sie hat den Dialog gewonnen. Stößchen, sie legte den Kopf in den Nacken, ich nutze die Gelegenheit und warf die Flasche dezent irgendwo hinter mir auf den Boden.
Ich weiß gar nicht wozu man Freunde hat. In solchen Momenten können sie ganz weit weg sein obwohl sie direkt neben dir stehen. Also gab ich meinem Kollegen einen dezenten Tritt gegen das Schienbein und erregte somit seine Aufmerksamkeit. Wortlos deutete ich der Queen of Pornonesque mit Händen an das mein Kollege gerne gehen würde und ich leider, leider mit müsse. „Ochschadeaberauch...“ gurgelte sie mir noch ins Ohr bevor ich mich aus ihrer Reichweite entfernte.
Ich beendete den Abend recht frühzeitig und überlegte ob beim Nachbarn wohl noch Licht brennen würde und etwas von der Maibowle übrig sei. Dieser Gedanke wurde jedoch von einen anderen Gedanken verdrängt. Ist Liebe ein Hungergefühl das man stillen muss, egal mit was, Hauptsache satt? Ist Liebe wie ein Hungergefühl das jeden Tag aufs neue zurück kommt, das nicht tot zu bekommen ist egal wie oft man es füttert?

Der Tag ist für mich zu Ende und ich schließe den Gedankengang mit einen Zitat von dem alten Zausel Steve Jobs: Stay hungry. Stay foolish. Es passt, auch wenn er wahrscheinlich was ganz anderes meinte. Oder vielleicht auch nicht.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Kyra

In so einem Kingsize Bett kann man sehr gut schlafen, gestern Nacht ist mir vor Müdigkeit gar nicht aufgefallen wie gemütlich es ist. Jetzt ist es schon wieder 9 Uhr morgens, ich habe also viel zu lange geschlafen. In Deutschland ist es ja schon 15 Uhr. Also Sport muss heute nochmal ausfallen, ich will schließlich nochmal in die Stadt gehen. S. ist auch schon wach, sehr gut. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang und ein bisschen Sightseeing. Unser Hotel liegt direkt am „Freedom Walk“ , eine rot aufgemalte Linie die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei führt. Also gehen wir wie blöde Touris die Linie entlang. Ich mag Boston, die Stadt ist so unamerikanisch, nicht so weitläufig und nicht in diesem 0815 Schachbrettmuster. Aber WARUM sind alle Amerikaner immer so mega freundlich??? Das regt mich schon wieder mit meiner morgendlichen Muffelstimmung auf.

Wir sehen den Platz des „Boston Masacres“, die alte City Hall wo die „Boston Tea Party“ eskalierte, die alte Markthalle und den Stadtfriedhof. Das genügt dann auch für heute, schließlich werden wir heute noch 7 Stunden im Flugzeug hin und her gescheucht. Ich will aber unbedingt noch zu „Five Guys“, meinem absoluten Lieblingsburgerladen in den USA. Dieses Cheatessen habe ich schon lange eingeplant, also habe ich absolut kein schlechtes Gewissen. Wenn ich wieder zu hause bin kann ich eh viel besser sporten ;)

Ich lege mich im Hotelzimmer noch kurz hin und versuche dann meine ganzen Shopping Eroberungen in den Koffer zu packen. Jetzt geht’s wieder nach Hause.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Christoph



Liebes Tagebuch. Morgen ist frei und somit beginnt heute schon quasi das Wochenende. Obwohl ich mir überlegt habe am Freitag noch zu arbeiten. Es gefällt mir gut alleine im Büro zu sein und es ist so ein entspanntes Arbeiten, wenn man weiß, dass man eigentlich auch frei machen könnte, den Soll erfüllt hat. Aber heute noch 'normaler' Betrieb. Zum Schluss war ich mit meinem Chef alleine da und habe ein Paket für den Versand fertig gemacht. Dafür bin ich zwar nicht ausgebildet worden, aber wie gesagt, wir sind nur noch zu zweit da und mein Chef wird mir das wohl kaum abnehmen. Ich habe mir dabei mit der Schere in die Hand geschnitten. Ziemlich dumm. Aber nicht dolle, das heilt wieder. Das Paket sah dann gut (unbeblutet) aus und ich habe es in Feierabendlaune in die Tasche gesteckt, um es später zur Poststelle zu bringen. Aber erst fahre ich jetzt ins Kiez und treffe meinen Kollegen, wie abgemacht. Ich komme rein und muss mich umsehen. Da ist auf ein Mal der halbe Raum erhöht auf Dielen gestellt. Nett. Neue Sitzordnung gibt's auch, ich setze mich mitten in den Raum auf das Zweiersofa. Als mein Kollege kommt bestellen wir, wie immer, einen Gin-Tonic und ein alkoholfreies Bier. Ich kriege letzteres. Wir schnacken über dies und das und irgendwann zeigt M. mir ein Handygame namens 2048. Tja, der Rest des Kiezabends gehört diesem Spiel. Aber nur fast. Denn die schöne Bedienung macht mich ein wenig nervös. Ich ärgere mich kurz über die Unsicherheit, die ich verspüre, aber freue mich dann auch drüber. Irgendwann merke ich, dass ich ja noch das Paket zur Post bringen wollte. Mist, schon nach acht. Das ärgert mich. Ich will trotzdem nach Hause. Also zahlen und tschüss. Ich versuchs noch bei der Poststelle, aber schon zu. Zu Hause setze ich mich auf meinen bequemen Schwingsessel (von einem Ur-Ex-Mitbewohner geerbt und passend zu dem Rest meiner zusammengeklaubten Einrichtung alt und ausgedient) und spiele 2048.  Irgendwann ruft K an und fragt, nach meinen Abendplänen. Ich willige ein mit ihr und ein paar anderen aus meiner Ex-WG später aufs Grether zu schauen. Auf dem Weg dorthin laufen wir an zig gepanzerten Polizeibeamten vorüber. Ich habe sie vorhin schon auf dem Nachhauseweg vom Kiez gesehen und es ist ja in aller Munde, dass das Gretherfest dieses Jahr quasi per Allgemeinverfügung komplett verboten wurde. Viele Mensch regen sich über die Strenge des Amts für Ordnungswahn auf. Ich auch ein bisschen. Finde es völlig überzogen so martialisch aufzufahren. Da werden die Bullen in Massen aus den entferntesten Dörfern des Landes herangekarrt, nur um hier vor den friedlichen Feierstudenten einen auf dicke Hose zu machen. Naja, aber scheint zu wirken. Beim Grether ist totenstille, Menschen kommen in kleinen Gruppen gucken und schimpfen leise unter den Augen den verteidigungsbereiten Polizisten (der eine sogar mit Flammenwerfer oder Feuerlöscher auf dem Rücken) und verschwinden wieder in kleinen Gruppen. Wir bleiben ein bisschen da und hören Caribus Odessa von einem Balkon schallen. Es erreichen uns Nachrichten, dass vor dem Bettelstudenten Musik läuft, punkige Musik. Nach einer Weile hin und her und einem kurzen Toilettenbesuch in K. Kita, die dort in der Nähe ist (Roman wundert sich über die kleinen Armaturen und niedrige Anbringung derselben, weil er versehentlich auf der Kindertoilette gelandet ist), gehen wir auch zu der Musik-Ecke. Die Polizei kesselt schon hören wir und sind schaulustig. Raketen sausen in die Luft, knallen, eine Durchsage vom Polizeiwagen kommt: „Achtung, dies ist eine wichtige Durchsage. Sie brauchen nicht auf kosmischen Käfer zu warten. Er ist schon wieder auf dem Heimweg- er wird nicht kommen. Dies ist keine Versammlung mehr und unterliegt somit nicht mehr dem Schutze der Versammlungsfreiheit. Ich bitte die vernünftigen Leute den Platz zu verlassen. Dies war die zweit Durchsage, wenn Sie nach der Dritten den Platz nicht verlassen haben, werden wir ihn räumen. Dies ischt mein Ernschd!“ Böller fliegen in die Reihen der Polizisten. Find ich ja nicht so geil. Naja, die Leute verlassen natürlich nicht den Platz, aber ich, denn es wurde gerade berichtet, dass auf der blauen Brücke Musik ist. Ab dahin. Zwei Minuten später kommt uns schon ein Zug Menschen, von der rollenden Musik angeführt, entgegen. Ich erkenne Ronny, grinse ihn an und begrüße ihn per Handschlag. Die Musik ist elektronisch und wie erwartet saugeil. Eine Kreuzung neben der gekesselten stoppt die Menge und tanzt um die Musikanlage herum. Ich sehe viele bekannte Gesichter und freue mich, dass wir doch noch tanzen können. Wenig später kommt der blaue leichenwagenähnliche Mercedes, den ich öfters in der Nähe meiner Arbeit sehe. Die Musik samt zwei, drei tanzenden Mädels werden zur Unterhaltung der Massen auf dessen Dach gehoben. Um halb drei gehe ich mit Jasi weg, die Polizeibeamten sind wieder in Stellung gegangen.. Kurz in die Beatbar geschaut, Jasi nach Hause gebracht und auf mein Zimmer gegangen. Ich höre Lärm draußen und schaue aus dem Fenster. Lukas bastelt mit Tine und zwei anderen Freunden einen Maibaum vor Franzis Fenster. Ach was eine schöne Liebesgeste. Ich geh runter und wir merken, dass da Musik aus dem Stühlipark kommt. Eine Menschentraube tanzt dort um den Musikwagen. Jetzt sind sie also hier. Ich höre, dass die Polizei die vorherige Versammlung abgedrängt hat, mit dem Angebot, die Leute sollen doch in den Park gehen. Gute Idee. Hier treffe ich K und Robert wieder und wir tanzen noch über eine Stunde. K ist leicht betrunken und wir suchen unsere Nähe. Sie gibt mir einen Kuss auf den Hals, ich lasse das geschehen und freue mich drüber. Wie gut, dass wir nie was hatten, wir riskierten nicht unsere Freundschaft. So soll es auch bleiben. Ich bekomme von Ronny noch einen Flyer in die Hand gedrück, morgen Demo. Die ist wichtig! Gegen vier gehe ich müde und zufrieden schlafen.

Mittwoch, den 30. April 2014 - Dörte

Frei! ...Ich schlief etwas länger, Patrick musste arbeiten, stand aber relativ spät auf. Trotzdem fand er noch die Zeit mir einen Tee ans Bett zu bringen. Mein Herzblatt!
Um Neun stand ich dann auch auf und fing ohne Frühstück an die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Saugen, wischen, Treppenflur fegen und wischen. Hatte ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt.
Danach schnibbelte ich noch schnell einen Salat für abends zusammen. Nachmittags wollte ich dann ein bisschen „Tagebuch“ schreiben, kam aber nicht weit. Tee-Besuch kündigte sich an und blieb auch glatt bis abends. Das passte nicht so ganz in meinen Tagesplan aber war doch sehr nett.
Um 19:00 Uhr waren wir dann noch auf eine Maibaumfeier eingeladen. Mit unserem Salat bewaffnet fuhren wir los...800m zur Feier. Der Salat war so schwer der musste gefahren werden!
Wann genau der Tag endete, weiß ich nicht mehr genau. Aber wir sind zu Fuß nach Hause gekommen und die Klamotten waren weder dreckig noch kaputt und von den Nachbarn hat sich bis jetzt auch noch keiner beschwert; also war's wohl unspektakulär.