Dienstag, 20. Mai 2014

Dienstag, den 29. April 2014 - Kyra


Die Nacht war zu kurz. Aber als erstes bin ich erleichtert wenn ich 4:30 Uhr auf dem Wecker sehe und denke: Zumindest habe ich nicht verschlafen. Sehr gut. Dann denke ich: Ich will wieder schlafen, auch das verfolgt mich. Aber ich habe mir abgewöhnt am Tag vorher früh ins Bett zu gehen, weil ich mich sonst ärgere, dass ich nicht schlafen kann. Das kann auch nicht gut sein für das Gemüt. Jetzt geht’s mit dem Zug 3 ½ Std nach Frankfurt und später nach Boston mit meiner Freundin S. Es kommt nicht oft vor, dass wir zusammen fliegen, aber manchmal schaffen wir es uns das einzuplanen. So lässt es sich immer leichter arbeiten. Meine Uniform ziehe ich erst später an, sonst hab ich auf der Zugfahrt keine Ruhe. Menschen denken nämlich ganz gerne, dass das schöne freundliche Lufthansa Gelb eigentlich die Farben der grummeligen Deutschen Bahn sind. Oder Sie sind einfach farbenblind oder unaufmerksam oder mutig- egal, auf jeden Fall bekommt man dann auch ganz gerne Beschwerden und Fragen um die Ohren geworfen. Also ganz in Zivil getarnt, versuche ich nun noch ein bisschen im Zug zu schlafen, damit ich die 7 Stunden später mit den 400 Passagieren an Bord auch überstehe.


So, heute ist noch Dienstag in Boston oder Mittwoch früh in Deutschland. Die Uhrzeiten verwirren mich immer. Manchmal gibt es so Tricks, da ist es in Los Angeles 9 Stunden früher, da kann ich dann einfach 3 Stunden auf meiner deutschen Uhr plus rechnen, dann habe ich die Los Angeles Zeit. Das ist einfacher als 9 Stunden minus wenn ich so übermüdet bin (ja es ist verwirrend). Wegen der Übermüdung bin ich immer ein bisschen dümmer. Dann findet man auf einmal in einer überdimensionalen amerikanischen Mall alles schön und kauft es. Am nächsten Tag mit ausgeschlafenen Augen sehe ich dann, dass ich wieder Opfer der amerikanischen Reizüberflutung  wurde und gestern den Fehlkauf des Jahrhunderts gemacht habe und dann muss ich mich nochmal schnell aufmachen um die Sachen umzutauschen bevor es wieder nach Deutschland geht. So ist es auch heute, ich gehe mit S. in die Mall und habe schwuppdiwupps 5 Tüten in der Hand. Manchmal hat man keine andere Wahl, wenn man morgen wieder nach Hause fliegt und unbedingt noch sein Lieblingsschampoo kaufen will und sowieso von Freunden und Familie eine Wunschliste aufgetragen bekommen hat.

Wir entscheiden uns in der Cheesecake Factory zu Essen, so richtig kitschig. Ich guck auf die Uhr und rechne mir ungefähr aus, dass es in Deutschland schon 3 Uhr morgens ist, also mitten in der Nacht und die fettigen Buffalo Wings bestimmt nicht in meine gesunde Ernährungsvorstellung passen. Naja gestern mit M. habe ich ja auch schon gecheatet, dann geht das heute auch. Morgen lege ich dann einfach eine Extra Stunde Sport im Hotel Fitnessstudio ein.

Die Wings mit der Blue Cheese Soße waren super lecker und der Oreo -Extreme Cheesecake zum Nachtisch ein Traum. Darauf kann man sich immer verlassen: Fast-food können die Amis.
Ich bin nun schon über 24 Stunden wach, ich falle ins Hotelbett und will nur schlafen.

Dienstag, den 29. April 2014 - Martin

Es geht mit den Schulungen weiter und bislang waren noch keine Klugscheißer dabei, die Glauben sie hätten den Wagen im Grunde mitkonstruiert und wissen daher eh schon alles. Scheitern zu meiner Belustigung dann aber meist an Schraube Nr.1.

Ich bin kein Freund des Dienstages. Da ist einfach nichts. Ziemlich in der Mitte tut er sich in keiner Disziplin besonders hervor. Füllt halt sie Woche auf, um am Ende auf 7 Tage zu kommen.
Einziges Dienstags-Highlight ist die Champions League. Und heute steht ein richtiges Highlight an. Bayern gegen Real. Ich bin jeher Anhänger von Borussia Dortmund und drücke heute den Bayern die Daumen. Solange es nicht Schalke ist, bin ich international für die Deutschen Teams. Bei Schalke geht das beim besten Willen nicht. Aber meist hat sich das bei denen ja eh immer kurz nach der Vorrunde erledigt. Für Bayern verläuft es nicht optimal und es steht schnell 0-2. 

Zum Fußball kommen oft Kumpels zu uns. Der Kühlschrank im Wohnzimmer hat eine gewisse Anziehungskraft. Sogar Vater kam heute auf ein Bier vorbei. Es ist bei uns auch ideal zum Fußball gucken. Das Wohnzimmer hat sich seinen Kneipencharakter bewahrt und laut sein ist auch immer drin. Ich bewohne mit 3 Mitbewohner (Tobi, Paco, Contya) ein Haus in Hämelhausen. Die Nachbarn hören uns nicht und wir haben genug Platz. Dazu ist es noch billig und ein wenig runter gerockt. Also genau das richtige.

Im Laufe des Tages wird mir noch meine Mütze zurück gebracht, die ich beim Osterfeuer verloren habe. Hoffe meine Hose wird mir im Laufe der Woche auch noch zugeschickt.

Dienstag, den 29. April 2014 - Verena



Zum Glück war das nur eine einmalige Laune mit dem zuerst aufstehen und ich darf wie immer 10 min weiterschlafen bis C mich weckt. 

Im Büro ist alles wie immer und relativ entspannt. Ich organisiere, spreche mich mit Seminarleitern ab, bringe die Seminarpapiere zum Druck, versuche noch einen Gesprächstermin bei der lokalen Zeitungsredaktion zu bekommen. Sie antworten seit Tagen nicht auf meine Anfrage und halten meine weiteren Planungen auf. 

Im Seminar ist ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat aus Argentinien zu Gast. Als ich damals dort war, besuchte ich eine seiner Wahlkampfveranstaltungen. Naja, er hat nicht gewonnen. Ein Interview wäre toll gewesen, aber es fehlte leider die Zeit.

Auf dem Rückweg nach Hause halte ich noch beim Aldi, um Mittagspausen-Salat für die nächsten Tage zu kaufe. Wenn man so nichts tuend an der Kasse warten muss, gucke ich mir immer an, was die Leute vor mir so kaufen und was sie wohl daraus kochen. Manchmal ist es einfach: Tiefkühlpizza. Manchmal muss man Phantasie aufbringen. Oft sieht man, ob Leute tatsächlich kochen oder nur die drei Paprika für das Fix-Tütchen holen. Manchmal möchte ich gerne fragen, aber natürlich würde ich mich nie trauen.

C geht nicht zum Spanisch. Wir kochen und gucken eine weitere Folge Game of Thrones. Dienstags kommt ja nie was Gutes im Fernsehen.
Aber morgen dann bestimmt Sport!

Dienstag, den 29. April 2014 - Ole

Ich brauche keinen Bohrer, ich brauche ein Loch

Nach einem nährreichen Frühstück bei meiner Tante, ging es zurück auf den Balkon meiner Cousine. Zum Mittag gab es das übrig gebliebene Viertel der Spargeltarte – leider ohne Weißwein. Der Verschleiß der teilweise billigen Werkzeuge macht mir ab Mittag besonders zu schaffen. Nachdem ich alle (5) Akkuschrauber meiner Verwandten und deren Bekannten in Münster durchprobiert hatte und damit nicht zufrieden stellend vorankam, entschied ich mich dann doch mit viel Gefühl auch die Schrauben mit einer Bohrmaschine in die vorgebohrten Löcher des äußerst festen Tropenholzes einzudrehen. Fertig. Zufrieden. Nach meiner traumatischen Fließbandarbeitserfahrung in der Übergangsphase zwischen Schulabschluss und Studium kann ich mich stets sehr an Arbeit mit einem sichtbaren Ergebnis erfreuen. Auch wenn ich moralisch die Ansichten von Henry Ford teile, dass jeder Mensch (der es von sich aus will) arbeiten und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann und auch sollte, gibt es für mich nichts trostloseres als die Entfremdung des Arbeiters vom Werkstück. Wenn ich mich in meinem Dunstkreis in der Heimat so umsehe, stelle ich leider auch fest, dass es offenbar mehr Menschen gibt, die kapitulieren als scheitern. Schade. Zur Erinnerung mache ich noch schnell ein Foto auf meinem MR 10 Freischwinger, der seit dem Kauf aus Platzgründen bei meiner Cousine steht. Sie versucht mir seitdem beide Exemplare abzukaufen, aber das wird nichts…

Meine Cousine hat für uns (Tante, Yvonne, Sie & ich) abends einen Tisch im Restaurant „Scharfer Zahn“ direkt um die Ecke bestellt. Am Nebentisch saß vermutlich eine Familie + Freundin des ach so erwachsenen Sohnes, der schätzungsweise auch Anfang 20 war. Die Mutter war offenbar eine vermeintlich junggebliebene Mittelstufenlehrerin, die lustiger Weise ihren Schülern am Tag vor den Osterferien den Zappelphilipp vorgelesen hat, „um der Klasse einen Spiegel vorzuhalten“. Ach ja… diese Jugend heutzutage! Der Sohn faselte in verbal inkontinenter Weise ständig „Hans Guck-in-die-Luft“. Der Vater sagte den ganzen Abend kein Wort an dem Tisch.
Als die ach so tolle Lehrerin und ihre Familie endlich das Lokal verließen, konnte ich mich endlich wieder auf meinen Tisch konzentrieren. Wir waren allerdings alle recht müde vom (Vor-)Tag. Ich hatte einen wirklich hervorragenden Texas Burger mit scharf.
Anschließend ging es dann noch zum Fußi gucken in den Huberti Hof. Eine stillose, aber gut gefüllte Vereinskneipe. Der Wirt geht zum rauchen raus. Dann gibt es nichts zu trinken. Nach dem fetten Burger würde ich auch gerne eine rauchen. Yvonne trifft einen bekannten. Der scheint ganz nett zu sein. Ich frage ihn nach einer Zigarette. Wir beide gehen raus und unterhalten uns eine Zigarettenlänge. Er kennt Nienburg. Wow! Er habe mal vor einigen Jahren auf dem Weserradweg in Nienburg übernachtet. Achso, klar. Sonst führt einen dort wohl auch nichts hin. Wir sind uns einig.

Tune des Tages:              Blumentopf – Die Jungs aus dem Reihenhaus

„…mein Vater denkt dass ich mein Talent verschenk,
weil ich am Abend MC bin und nur am Vormittag Student.
Doch wer mich kennt von Live-Konzerten mit dem brauch ich nicht reden.
Was ich fühl wenn ich rap, ist in meinen Augen zu lesen.“

Dienstag, den 29. April 2014 - Silke

Osnabrück - Kopenhagen 

Heute geht es zum Management-Meeting nach Kopenhagen – ein Tag voller Diskussionen und weniger Aktionen. Seit fast einem Jahr bin ich nun bei einer dänischen Firma in Anstellung. Die Firma gefällt mir gut, der Job macht Spaß und das Arbeitsverhalten der dänischen Kollegen macht die ganze Sache zu einer abenteuerlichen Herausforderung, die hautpsächlich darin besteht, nicht ausfallend zu werden.

Die Dänen sind die glücklichsten Arbeitnehmer der Welt (lt. Statistik). In Dänemark gibt es auch ein Wort dafür: Arbeitsglücklichkeit.

In der Theorie ist das ein tolles Konzept, in der umgesetzten Version (für nicht-Dänen) eher anstrengend: Angemessene Arbeitszeiten sorgen dafür, dass der gemeine Däne sich gegen 9 Uhr an den Schreibtisch bewegt, zwischen 9.30 Uhr und 12:00 Uhr in durchschnittlich 3-4 Meetings viel diskutiert, aber zu keinen Entscheidungen kommt, sich dann mit ein paar Gläsern frischer Milch zu Mittag (es gibt irgendwas mit Schwein) stärkt, um sich dann mit neuer Motivation weiteren Diskussionen bis ca. 16:00 Uhr zu widmen. Zwischendurch werden viele Emails geschrieben – alles, was nicht in Meetings diskutiert wird, muss per Email ausgetragen werden, das ist der Brauch. Kollegen, die nach 16:45 noch im Büro sind, sprechen von Burn-Out Gefahr und davon, wie sehr sie sich den Arsch aufreißen.
 

In Dänemark sagt man den Schweden nach, ein stressiges Leben für den Job zu führen und im allgemeinen die Karriere sehr zu pushen. Ich habe mal Interessehalber gegoogelt, der Schwede arbeitet im Durchschnitt 39.2 Stunden in der Woche.

Ich habe mich dafür entschieden, die positiven Aspekte in der Zusammenarbeit mit den Dänen zu sehen: Um mich von Handgreiflichkeiten selber abhalten zu können, wenn mir wieder ein Kollege sagt „Nein, dass gehört nicht zu meinem Job“ oder „Sehr lustig, ein Meeting nach 16.30 Uhr“, habe ich mich eingehend mit den gängigen Entspannungspraxen beschäftigt.

Manche sagen, ich wäre gleichgültiger geworden – aber ich weiß, dass es die Tiefenentspannung sein muss.

Dienstag, den 29. April 2014 - Thomas

Um 6 Uhr bin ich wach. Die alte „aufstehen und zur Arbeit fahren“ Zeit. Das geht ja einigen so, der Kopf hat längst gekündigt, nur der Körper macht bis zum 64. Lebensjahr weiter.
Um 7:30 Uhr stehe ich auf und bringe den Müll an die Straße. Die Hannoveraner packen ihr Altpapier in blaue Kunststoffsäcke. Schizophren, aber sonst weht das Papier durch die Gegend oder wird nass und schwer… ich habe keine Ahnung was das soll.

Um 10 Uhr habe ich das Vorstellungsgespräch. Ich finde, Vorstellungsgespräche sollten grundsätzlich in Kneipen stattfinden, das wäre viel ehrlicher und würde beiden Seiten ein realistischeres Gesamtbild verschaffen.
Grundsätzlich läuft es leider anders ab. Ich stelle mir das so vor: da gibt es eine gewitzte Agentur, die vor Arbeitgebern Seminare hält, worauf sie in Vorstellungsgesprächen beim Bewerber zu achten haben. Körpersprache; Dresscode; wo setzt sich der Bewerber hin; Wasser oder Kaffee; welche Aussage beinhaltet grundsätzlich was ganz anderes; wo liegen die versteckten Schwächen… usw.
Dieselbe Agentur hält dann die entsprechenden Seminare für den Arbeitsuchenden, gesponsert vom Amt oder so. Was sagt welche Körperhaltung aus; was ziehen sie angemessenes an; setzten sie sich nie an den Kopf des Tisches; immer ein Getränk annehmen; vermeiden sie folgende Begriffe; sagen sie, sie könnten sich nicht mit 80% Lösungen zufrieden geben… usw.
Und so krampft jedes Gespräch völlig durchcodiert vor sich hin und die Agentur für das Karriereglück lässt sich den Arsch vergolden.

Das Büro der Firma befindet sich im fünften Stock. Ich hoffe, man merkt es mir nicht an, dass ich die Treppe genommen habe. Das Gespräch verläuft super. So wie es halt sein sollte, locker, respektvoll, ehrlich und lustig. Ja, lustig! Meine Ausführungen kommen gut an und er hat auch ein paar Kracher drauf. Wir lachen uns gewissermaßen über die Berufsmaschinerie kaputt. Alles sehr sympathisch.

Zwei Stunden saß ich im Gespräch… Das Wetter ist kaiserlich, weshalb ich mir einen Teil meiner reichlich vorhandenen Zeit nehme und durch die Innenstadt schlendere. Ich gehe gerne zu Fuß, auch in Hannover latsche ich alles ab. Zeit zum denken, und ich meine damit nicht nachdenken oder sich Sorgen machen. Wann machen das andere eigentlich, wenn die immer soviel zu tun haben? Jeder und Alles fordert ständig ein Stück Ihrer Aufmerksamkeit. Meiner Einschätzung nach, wollen es die „Betroffenen“ nicht anders. Worüber sie sich im Grunde wirklich beklagen, ist ein fehlendes Lob dafür, standhafte Säulen der Gesellschaft zu sein. Für mich fiele das Lob eher bescheiden aus. Teilnehmerurkunde hieß das bei den Bundesjugendspielen.
Marlboro schickt mir eine Gratispackung ins Haus. Jetzt ohne Zusätze. Leider liegt kein Schreiben bei: Danke für unsere Jobs, Mit freundlichen Grüßen, die NGG.

Erste Nervosität schleicht sich ein. Heute ist das Halbfinale der Champions League, Bayern gegen Real Madrid. Wenn man Real die letzten Spiele beobachtet hat, weiß man um die geringe Chance der Bayern. Nämlich 50:50. Ich schaue das Spiel im Klein Kröpke, bei mir um die Ecke. Eine Gruppe Spanier setzt sich genau vor mich. Wenigstens haben sie ihre Gitarren im Wohnheim vergessen. Es steht bereits 0:1 für Real als ich mein erstes Weizen an den Tisch bekomme. Ich Idiot bestelle ein zweites und prompt steht es 0:2. Es ist die alte, scheinbar jedem bekannte, Schwäche der Bayern. Die Standardsituationen. Weder erzielen sie Tore aus Standards, noch wissen sie wie man sie verteidigt.
Als ich den Biergarten verlasse, steht es bereits 0:3. Ich gehe rüber in die Cocktailbar. Bis auf zwei Studentinnen ist der Laden herrlich leer. Ich bestelle mir einen Blue Lagoon und schaue die zweite Halbzeit in der Bar auf einen der beiden kaputten Fernseher. So was Dummes. Da ist CL Halbfinale und bei dem einen Fernseher ist die linke Seite blind und bei dem anderen krisselt das Bild wie bei uns früher RTL.
Alles besser als im Biergarten des Klein Kröpcke. In erster Linie saßen da Anti-Bayern Fans, dann Lokalpatrioten und dann vielleicht Fußballinteressierte. „Estoy feliz y tú tambien”, jaja, ihr mich auch.
In der Cocktail Bar ist es ganz angenehm und tatsächlich stellt sich bei mir ein innerer Frieden ein. Die 0:4 Niederlage kann ich akzeptieren, nur schade, dass kein Österreicher die Partie pfiff, die Musik von Spotify ist auch nicht so schlecht und ich glaube, der Blue Lagoon ist ein Mädchencocktail.

Zu Hause schaue ich endlich Gravity. Tolle Kamerafahrten, sonst unspektakulär. Arte zeigt viel zu spät den Film Blue Valentine. Es geht darum was passiert, wenn man aus den falschen Gründen liebt und der ständige Vorwurf der Frau: schaffe mehr, sei bedeutsam, sei was Besonderes, schöpfe dein Potenzial aus usw. Guter Film.

Dienstag, den 29. April 2014 - Dörte

Um 5:45 klingelte der Wecker. Wie immer drückte ich die Schlummertaste...und nochmal...und nochmal. Dienstag war ich fitter und startete mit viel Elan in den Tag.
Im Büro war's wie immer. Nur musste ich wieder länger arbeiten. Schließlich will ich Mittwoch frei machen.
Abends luden wir uns noch bei Oma auf ne Tasse Tee ein und hörten alte Geschichten von Opa. Immer wieder schön.
Ziemlich spät sprang ich noch schnell unter die Dusche und ab ins Bett.

Dienstag, den 29. April 2014 - Christoph


Liebes Tagebuch,

die letzte Nacht habe ich nicht so gut geschlafen. Ich bin immer mal wieder aufgewacht. Medea hat in der oberen Etage meines Hochbettes geschlafen, musste aber wegen einer noch nicht ausgeheilten Blasenentzündung ein paar mal aufs Klo. Allerdings war das gar nicht das Problem. Es war mal wieder laut auf der Straße. Egal. Ich bin heute morgen tatsächlich joggen gegangen. War ganz angenehm, aber ich habe nicht die volle Runde gemacht, weil mein Fuß mir wieder Beschwerden machte. Auch egal. Bei der Arbeit war's anstrengend. Schön war, dass wir gemeinsam Spargel gegessen haben und zumindest ab Mittag dann auch alle recht gut gestellt waren. Morgens musste ich mal kurz vor einer Diskussion der Kollegen flüchten. Hab mich dann zum rauchenden M. auf die Eingangstreppe gehockt und ein bisschen mit ihm gequatscht. Er hat erstaunlich gute Laune dafür, dass er immer noch nicht ganz durch ist mit seiner Magendarmverstimmung und dafür, dass er geschäftliche Turbulenzen eigentlich nicht so gut ab kann. Nach der Arbeit bin ich sehr zufrieden nach Hause gefahren. Ich weiß gar nicht woran das gelegen hat. Wahrscheinlich einfach weil ich den Tagessoll erfüllt hatte und für den Feierabend nichts vor hatte. Der füllte sich mit Abendbrotessen und Fußball gucken. Hat ja nicht lange gedauert, bis das Spiel Bayern gegen Real entschieden war. Schade, ich hatte mich schon auf zuverlässige Bayern gefreut. Egal. 2254, ich gehe schlafen.

Gute Nacht liebes Tagebuch!

Montag, 19. Mai 2014

Montag, den 28. April 2014 - Dörte

Montage sind ohnehin schon ein Grauen, aber morgens um Zwei aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden braucht kein Mensch. Etwas orientierungslos versuchte ich zu deuten, was für ein Geschrei das draußen war.... zwei Katzen, die sich bekämpften. Wenigstens nicht meine Stubentiger. Die lagen zusammengerollt auf dem Teppich und schliefen fest. Ich schloss das Fenster und legte mich wieder ins Bett.
Im Büro war es wie jeden Montag. Müde, nervig und viel zu viel zu tun. Nach der Mittagspause ging's dann aber, zumindest was meine Montagslaune anging. Der Schreibtisch allerdings war nicht mehr als solcher zu erkennen. Somit hing ich nach Feierabend noch ne gute Stunde dran und hatte dann auch gleich ne Ausrede um nicht mehr zum Sport zu müssen.
Der Abend endete auf dem Sofa vorm Fernseher.

Ein ganz normaler Montag also...

Montag, den 28. April 2014 - Christoph



Liebes Tagebuch,

es ist gerade eine regnerische Zeit. Nachdem der letzte Monat eigentlich viel zu trocken war, regnet es jetzt ordentlich nach. Die Dreisam ist fast schon wieder zu einem reißenden Fluss geworden. Vor ein paar Jahren ist mal ein Obdachloser drin ertrunken. Er wollte ein Fahrrad rausziehen, glaube ich, und wurde dann selbst rausgezogen, raus aus der Stadt und irgendwo flussabwärts am Ufer hängen geblieben. So stelle ich's mir gerade vor. Wenn ich mit meinem Klapprad (Jens) jeden morgen über die Dreisam fahre, dann schaue ich nach rechts, Richtung Frankreich, Richtung Rheinebene. Ich liebe diesen Anblick. Dieses Gefühl der Freiheit. In der anderen Richtung liegt der Schwarzwald. Berge sind zwar schön, aber geben mir niemals dieses Gefühl der Freiheit. Vielleicht liegt es daran, dass ich in der norddeutschen Tiefebene aufgewachsen bin. Wie auch immer...
Es war gar nicht so schwer heute aufzustehen. Ich war ohne Quälerei um 8:10 Uhr bei der Arbeit und damit zufrieden. Das Wochenende ohne Alkohol hat sich gelohnt. Meinem Kollegen ging es nicht so gut. Er hat Bauchprobleme, nachdemse gestern Hackfleisch mit 'Stich' zwar gut durchgebrachten, aber eben doch gegessen haben. Das habe ich auch schon Mal gemacht, vermeintlich tiefgefrorenes Hackfleisch aus dem vergletscherten Pseudo-Tiefkühlfach, zwar gut gebraten und doch fast vergiftet, zu mir genommen. Kotzen, Kacken, Sterben. Nene, das mach ich nicht nochmal.
Als ich heute morgen mein Handy vom Flugzeugmodus zurück in den AV-Wanzenmodus stellte bimmelte es, eine SMS von Medea. Ob sie morgen (also heute, die SMS war von der letzten Nacht) bei uns in der WG übernachten könnte, sie kommt durch Freiburg auf dem Weg von Göttingen nach Colmar. Schnell zurück geschrieben, dass das klar geht und ab über die Dreisam zur Arbeit. Dort habe ich gearbeitet. Am Computer. Teambesprechung um halb elf mit Kuchen von der italienischen Großmutter der halbitalienischen Kinder meiner Kollegin. Wir müssen uns mehr bemühen Projekte an Land zu ziehen. Denn die Koreaner kommen überhaupt nicht aus dem Quark und wir können nicht mehr ewig auf die warten. OK.
Ich habe endlich wieder super geiles Mittagessen in der SUSI bekommen, die Osterferien sind vorbei. Nach dem Mittagessen wurde ich müde und habe etwas über Schrittmotoren gelesen und über Schaltregister und Leistungstreiber. Dann habe ich ein bisschen von einer Elektronikwerkstatt geträumt. Abends gab's noch ein Gespräch mit meinen Chefs, was sehr angenehm war, und dann habe ich ein bisschen aufgeräumt und bin nach Hause gefahren. Dort erwartete mich schon ein Briefumschlag auf dem Schreibtisch, nebst 3,80 von Lisa für's ausleihen vom Punto (Ünschi). Der Briefumschlag lag zuletzt auf dem Postamt und musste, da es sich um ein Einschreiben handelte, dass ich letzten Freitag nicht entgegennehmen konnte, mit einer Vollmacht von Lisa abgeholt werden.  Die Erwartung erfüllte sich beim Blick auf den Absender: Kulturkosmos. Fett, das Fusion-Ticket in der Hand. Wo hänge ich es hin? Oder verstecke ich es lieber, nicht dass es jemand klaut?  Dann habe ich es einfach auf dem Tisch liegen lassen. Als Medea dann kam, sind wir einkaufen gegangen. Sie hatte eine super Idee: Zum Abendessen Spinat, Kartoffeln und Spiegelei zu essen. Ich habe das dann noch um Fischstäbchen ergänzt. Der Mann vorm Treff3000 bekam von mir zwei Euro und hat mir dafür Gutes gewünscht, das war nett. Auch dass wir dann mit meinen Mitbewohnern zusammen in der Küche saßen und gemeinsam gegessen haben, war sehr nett und witzig. Medea hat nen super Humor. Ich lache wenn sie lacht und sie lacht wenn ich lache. Das sind sehr gute Voraussetzungen für eine spaßige Zeit.
Jetzt sitzen wir nebeneinander, sie schreibt ihr Tagebuch und ich schreibe mein Tagebuch. Das ist ein schönes Gefühl und sicher nett anzusehen :) Vielleicht schauen wir noch eine folge Karambolage und dann will ich schlafen, morgen früh will ich früh aufstehen und sollte eigentlich joggen gehen.

Gute Nacht liebes Tagebuch!

Montag, den 28. April 2014 - Thomas

Ich komme eine Viertelstunde zu spät auf der Arbeit an, es fällt niemanden auf. Das Montagsmeeting scheint ebenfalls niemanden zu interessieren. Recht so. Ich fahre den PC hoch, lösche den Internetverlauf, schreibe meine Kündigung und fülle den Urlaubsantrag aus. Ein Kollege fragt mich, ob ich heute Abend zum Studentenwohnheim fahren könne, der Beton wird geliefert, und das sei ja in meiner Nachbarschaft. So war es zwar mal abgemacht, aber ich habe mich bereits geistig abgeseilt. Der Chef ahnt was los ist. Wenn hier jemand bei Betreten eines Büros die Tür hinter sich schließt, ist das nie ein gutes Zeichen. Sich gütlich trennen, geht in diesem Fall wohl kaum, zumindest kriegen wir es einigermaßen hin, uns gegenseitig kein allzu schlechtes Gewissen zu machen. Ich gebe den Generalschlüssel und das iPhone ab, kläre ein paar Kleinigkeiten, schreibe einen Zettel, der so was wie eine Übergabe der ausstehenden Arbeiten darstellen soll und verabschiede mich von den Kollegen. In der Buchhaltung hole ich mir noch das Spesengeld für die Bayerntour aus vergangener Woche ab. 60 Euro bar auf die Hand! danach heißt es: Ferien für immer.

Zu Hause bemerke ich das Ladekabel des Firmen iPhones auf dem Küchentisch. Das muss ich wohl nachschicken. Auf dem Sofa liegen und lesen, klappt grundsätzlich höchstens fünf Minuten, dann fällt mir das Buch ins Gesicht. Im Bett werde ich davon eher wach.

16 Uhr, zu spät für das Mittagessen und zu früh für Abendbrot. Dann gibt es halt Spaghetti Bolognese statt Kaffee und Kuchen zum Kaffee. Nebenbei erledige ich so allerhand Kram. Wäsche, Müll, Putzen. Dinge, die sonst einen erheblichen Zeitaufwand mit sich brachten, erledige ich jetzt „nebenbei“. Erstaunlich wie schnell man sich von der Arbeit und den ganzen Themen drumherum lösen kann. Im so genannten Feierabend funktionierte das nicht so gut. Nach dem Essen setze ich mich an den Schreibtisch, höre die aktuelle Folge von Sanft und Sorgfältig und sortiere Akten. Eigentlich sind es viele, einzelne Blätter. Aktenordner besitze ich nur einen.

Es ist eine schlechte Idee an Montagen die Pfandflaschen zum Supermarkt zu tragen. REWE ist der einzige Markt in der Nähe, der einen Pfandautomaten hat, der alle Flaschen bedingungslos annimmt. Außer Club Mate. Die Schlange reicht bis vor den Eingang. REWE scheint mit Ausschreitungen zu rechnen. Eine Einmeterfünfzig kleine Sabrina Setlur gibt breitbeinig und mit verschränkten Armen die Security. Vor mir sind zwei Junge Menschen. Er mit Hornbrille, Föhnfrisur, Vollbart, Jeanshemd, Skinny-Jenas und Slipper, sie im Grunde auch, nur ohne Vollbart und Hornbrille. Drei Big Bags voll haben die beiden in einem Einkaufswagen rangerollt. Kurz überlege ich, ob ich denen das mit der Club Mate erzähle, vielleicht verziehen sie sich dann wieder. Das Mädel steckt sehr gemächlich eine Flache nach der anderen in die dafür vorgesehene Öffnung. Womöglich hat sie Angst durch den Automaten eine Hand zu verlieren oder sie liest nebenbei die Bedienungsanleitung. Ihrem Freund und/oder Mitbewohner, ist ja oft dasselbe, kann es nicht schnell genug gehen und löst sie wortlos am Automaten ab. In Menschenschlangen herrscht dankenswerterweise Redeverbot! Es geht voran. Über zehn Euro haben die beiden zusammengesammelt. Da komme ich nicht mit.

Pfandgeld hole ich beim REWE, beim Netto am "E-Damm" kaufe ich ein.
Hier verlaufe ich mich nur selten und vergesse nicht mittendrin was ich einkaufen wollte. Es soll später Hawaii Toast geben, zusammen mit einer DVD. Der Netto, bei dem ich regelmäßig einkaufe, wird genauso regelmäßig abgezogen. Heute ist es eine blonde Frau in grünen Leggings, die nach dem Piepen der Sicherheitsschranke ihre dicken Beine in die kleinen, diebischen Hände nimmt. Die ist weggelaufen, ruft irgendwer. Nicht schon wieder, stöhnt der Kassierer. Ja, so ist das hier. 

Abends setze ich mich an den PC und rechne die Statik für Volkers Holzbalkendecke. Leider habe ich keinen Taschenrechner mehr, weshalb ich die Rechnungen alle in Excel-Spalten eingeben muss. Müßig, gerade wenn das Ergebnis nicht stimmen will, bzw. stimmt es und die Ausführung muss geändert werden. Um 22 Uhr schaffe ich es auch Volker davon in Kenntnis zu setzen.
Die DVD schalte ich nach dem Intro wieder ab. Die Hawaii Toasts esse ich trotzdem. Morgen früh habe ich ein Vorstellungsgespräch und bin bisher kein bisschen darauf eingestellt. Also Hose bügeln und so. Bei Jürgen Wiebicke höre ich, dass beim Menschen, laut einer aktuellen Studie natürlich, über den Tag verteilt 2/3 seiner Gedanken unbestimmt sind. Ein wirres Zufallsprodukt an Gedankengängen. Und zwar Geschlechter unabhängig. Das restliche Drittel sei Konzentration. Mir kommt es so vor, als seien es mehr, oder ich habe mir das Drittel für das Bett aufgehoben.