Freitag, 23. Mai 2014

Freitag, den 2. Mai 2014 - Kyra

A. hat ein Tempurbett, darin kann man perfekt schlafen, vor allem wenn man vorher wieder über 24 Std. wach war und die letzte Nacht viel Wein getrunken wurde. Wenn ich bei Ihr zu Besuch bin ist es immer sehr entspannt. Sie macht mir leckeren Latte Macchiato à la Barrista perfetto. Dann bleiben wir lange im Bett, quatschen viel und machen uns dann auf in die Aachener City. Wer noch nicht auf dem Kölner Dom war, sollte lieber mal den Aachener Dom besuchen. Das habe ich mir auch gedacht.

Abends fahren wir dann aber nach Köln. Nicht zum Dom hoch, aber so ähnlich. Wir helfen unserm Freund G. heute beim Umzug. Sachen schleppen ist schon scheiße, wir ziehen uns schnell aus der Situation mit der Erklärung des erhöhten Risikos eines Gebärmuttersturzes. Dann dürfen wir coole Ikea-Möbel aufbauen. M. ist übrigens auch zum Helfen gekommen. Dieses ist einer der Momente, die man planen muss damit man sich wenigstens für einen Abend sieht.

Spät wird es aber nicht mehr, schließlich bin ich auch nicht mehr die Jüngste und die letzten Nächte waren schon wieder lang genug, A. und Ich fahren wieder mit dem Zug nach Aachen. Und M. sehe ich dann erst in einer Woche wieder.

Freitag, den 2. Mai 2014 - Thomas

Ich wache auf. Solange das klappt, machen sich nur die anderen Sorgen. Körperlich am Arsch bin ich trotzdem. Das liegt entweder an der ungewohnten Matratze oder an eine gestrige Aktion, die ich besser einem professionellen Stuntman überlassen hätte.

Ich liege im Bett mit Kater, wie Beyoncé Knowles. Super Punchline von Kollegah, gerappt sogar noch besser. Dazu muss man wissen, dass Beyoncé mit Jay-Z verheiratet ist und dessen bürgerlicher Name lautet Shawn "Carter". Und deshalb liegt die mit einem "Kater" im Bett, wie ich im Moment.
Mehr als mir selbst Punchlines zu erklären, ist gerade nicht drin. Über das iPhone höre ich das neue Kollegah Album King, komplett auf Youtube verfügbar. Dass der da nichts gegen hat...?

Auf dem Dorf muss man sich vorzeitig um die Abendgestaltung kümmern. Die Zeiten jemanden auf Verdacht zu besuchen, sind definitiv vorüber. Alle sind reserviert. Hier abends zu Hause zu hocken, weil nichts los ist, ist schlimmer als in der Stadt zu Hause zu hocken und sich zu sagen „Ich könnte, will aber nicht raus.“ Daran ist im Grunde gar nichts schlimm, das ist eher angenehm.
"Das ist das Problem mit dem Trinken. Wenn etwas Schlimmes passiert, trinkt man, um es zu vergessen. Wenn etwas Gutes passiert, trinkt man, um es zu feiern. Und wenn nichts los ist, trinkt man, damit was passiert." Charles Bukowski. Nun muss ich aber echt mal aufstehen, sonst komme ich aus der Mitleidsnummer nicht wieder raus. 

Easy und Charlie veranstalten einen Grillabend. Das ist doch schon mal eine Option. Ich hole mein Auto aus Drakenburg ab und fahre einkaufen. Von den Drakenburgern hat Niemand Zeit, ich kann mir denken woran das liegt.

Ganze sieben Leute erscheinen heute zum Fußballtraining. Zum Glück steht nichts Anstrengendes auf dem Programm.
Um 21:30 bin ich in Hassel. Der Grill ist zwar bereits aus, aber es gibt noch Reste. Der Vorteil wenn Frauen Grillen: Die Salate sind selbst gemacht. Der Nachteil wenn Frauen Grillen: Das Fleisch ist verbrannt. Für mich reicht das allemal. Wir schauen The Voice Kids. Überzüchtete Kinder, die sich irritierend souverän vor den Kameras artikulieren, singen um die Wette. Die Jury macht einen auf coole Onkels und verrückte Tante und am Ende kommen zwei Kinder ins Finale. Die Mini Playback Show war damals sehenswerter. Wir hocken auf dem Sofa und unterhalten uns, wenn nicht gerade auf die Handys gestarrt wird. Biertrinken funktioniert wieder, obwohl, es hat eher eine Konterwirkung.

Freitag, den 2. Mai 2014 - Verena


Im Büro fällt uns ein, dass es doch gut wäre, wenn wir den Südasien-Kollegen in der Geschäftsstelle darüber informieren, dass eine pakistanische Ministerin zum Seminar kommt. Gesagt, getan. Er freut sich. 10 min später kommt die Info, dass sie doch nicht kommen kann, weil man sich in ihrem Büro anscheinend nicht rechtzeitig um das Visum kümmerte. Facepalm. Während ich sämtliche Listen ändern muss und das Hotelzimmer abbestelle, frage ich mich, ob in ihrem Büro jetzt ein Job frei wird oder ob es ihre eigene Schuld war. Dinge, die ich nie erfahren werde. 


Für mittags wird ein weiteres Interview anberaumt. Kein Problem, steht ja alles. Als ich in den Raum komme, stelle ich fest, dass alles weggeräumt ist. Ich möchte alles hinschmeißen und habe keine Lust mehr, so schnell noch mal alles zusammen zu suchen und mühsam aufzubauen. [Hier das verärgerte FFFFUUUUUU-Rageface vorstellen]. Aber wie immer im Leben: Hilft ja nix! Also bau ich wieder alles auf während ich verärgert vor mich hingrummel. Ich suche meine Chefin und E, um ihnen zusagen, dass ich ne halbe Stunde länger brauche. Sie kommen mir in einem Gang entgegen. Glücklicherweise passt ihnen das sehr gut. Also kommen sie mit Mr B eine halbe Stunde später zum Interview. Mr B ist Schriftsteller und Editor bei einem großen Magazin in den USA und sieht älter aus als auf den Fotos im Internet. Dafür ist er sehr lustig. Das Interview wird gedreht, aber diesmal vergas E leider eine Frage und wir drehten sie nach und ich muss sie nachher irgendwie reinschneiden und am besten so, dass Ton- und Videospuren synchron sind. I have no idea what I’m doing here. Pokerface, kriegen wir schon irgendwie hin. Haha. 


Am Nachmittag bekomme ich auch endlich die Russisch-Übersetzung des Seminarprogramms und ändere noch ein paar Uhrzeiten darin. Ich bin erstaunt, wie viel ich lesen kann, wenn man weiß, was da stehen soll. Zu allerletzt schickt mir D auch die spanische Version. Endlich konnte ich alles drucken und die Mappen für die Teilnehmer packen, noch ein paar Listen drucken und alles an der Rezeption abgeben, damit sie bei Anreise an die Gäste gegeben werden können.

Endlich Wochenende. Ich fahre nach Hause.

Freitag, den 2. Mai 2014 - Ole



„Freitag ist Hightag, vielleicht ein paar Drinks!“ - SIDO

Schon wieder ausgeschlafen – JEAH! Fix gefrühstückt und dann in eines meiner Lieblingsoutfits: der Scheibenschießen-Dress. Es kam mir äußerst komisch vor, in diesem Outfit außerhalb der fünften Jahreszeit durch das Dorf zu laufen. Alle schauten mir nach, Autofahrer grüßten, … Und alles nur, weil Thorben seiner Ayleen ausgerechnet am Abend des Ausmarsches 2013 vor allen Drakenburgern ein Antrag auf dem Festzelt machen musste. Ich erinnere mich, was das für ein Geschwätz nach dieser Aktion gab. Ob alt oder jung – alle hatten nichts anderes erwartet. „Wie sich das gehört“ aber „das hat der doch morgen eh wieder vergessen…“ Nun ist tatsächlich der Tag gekommen. Ich freue mich für die beiden. Wünsche ihnen von Herzen das Beste für die gemeinsame Zukunft und drücke sie fest. Ich frage mich, ob sich bei den beiden durch die Hochzeit wohl irgendetwas ändert? Ich glaube einige von den Jungs haben nur Thorben zur Hochzeit gratuliert. „Ladies First“ ist den meisten hier auf jeden fall kein Begriff. Die eine Hälfte dieser Jungs geht nun in die Kartbahn und beginnt ab 14:00 Uhr damit towerweise Weinbrand-Cola zu konsumieren, die andere Hälfte und ich gehen nach Hause, bevor es später zum Polterabend geht.
Ich höre ein paar Platten, mache meinen Balkon fit für den Sommer und suche nach ein paar hochwertigen Gartenstühlen für den Balkon meiner Cousine. Als mein Sebastian B. dann auch endlich mal wieder in der guten alten Heimat ankam, machte ich mich auf den Weg, um ihn abzuholen.
Circa zur gleichen Zeit wie gestern, befinde ich mich wieder auf dem Hof des nunmehr Brautpaars. Eine der Porzellantassen, die ich zum Poltern mitgebracht habe, zersprang erst nach dem vierten Wurf auf den Boden. Hinterher habe ich mich geärgert, dass ich die Tasse nicht spätestens nach dem zweiten Versuch behalten habe. Die war echt gut! Das Haus ist voll. Ich stehe auf dem Balkon, rauche, trinke Bier und unter Aufforderung auch sämtliche Schnäpse, die tabletweise an mir vorbeikommen. Wir haben spaß. Dabei entwickle ich mit Küppi, Burkhard und Gerd ne reine Weltidee. Wir wären gemachte Männer – wenn es nicht wie immer bei der Schnapsidee bleiben würde… Ich habe mir die Idee dieses Mal immerhin notiert, falls aus mir in der Möbelbranche nichts werden sollte. Wir verlagern das Trinken nach drinnen und ich lerne einen Arbeitskollegen von Thorben kennen. Martin, ursprünglich aus Dessau. Wie immer frage ich mich als erstes, was jemanden wohl nach Nienburg verschlägt. Arbeit und Liebe. Lasse ich gelten. Wir unterhalten uns gut. Er kennt das von mir verehrte Bauhaus und denkt nicht ich spreche von einem Baumarkt… Endlich mal neuer Input. Jemand, der nicht hier geboren und geblieben ist.
Als einer der letzten Gäste verlasse ich die gute Stube. Auf dem Heimweg schreibt mir überraschend eine Freundin, wie großartig „The Black Keys Work“ von Erlend Øye ist. Wieder einmal werden viele schöne Erinnerungen wach.

Tune des Tages:              Erlend Øye – The Black Keys Work

„Kissing you is nice, but hard…“

Freitag, den 2. Mai 2014 - Ralf

Der Freitag beginnt früh. Gefühlt ist es Grade-Ebend-Nachdem-Ich-Eingeschlafen-Bin als der Wecker klingelt. Selbst als ich um 5 Uhr im LKW sitze habe ich noch das Gefühl Mitternacht sei noch nicht rum. Es geht nach Stollberg ins Rheinland, gute 120km hin und 120km wieder zurück. Normalerweise müsste ich gar nicht so früh im LKW sitzen, es würde durchaus reichen wenn ich 2 Stunden später los fahren würde. Aber ich bin halt nicht alleine auf der Straße. Fahre ich um 5 Uhr los, komme ich ohne Staus durch und bin nach knapp 1:45 Stunden in Stollberg. Eine Stunde später, also um 6 Uhr, komme ich zwar wunderbar an Köln vorbei, gerate aber spätestens im Kreuz Aachen in den Stau und brauche für die gleiche Strecke schon mal eine halbe Stunde länger. Um 7 Uhr loszufahren wäre nur noch in der Theorie möglich. Ich habe es mal ausprobiert und bin von einen Stau in den nächsten gekommen: 3 Stunden für 120km. Grade Freitags oder Montags ist es die Hölle. Ist wahrscheinlich nur etwas psychologisches und lässt sich nicht rational erklären, aber an diesen beiden Wochentagen fahren alle wie bekloppt.

Also quäle ich mich um 5 Uhr morgens in den LKW damit ich die Tour in einen Rutsch ohne Pause hin und zurück schaffe. Mit etwas Glück schaffe ich noch ein wenig Abladen und dann zwingt mich das digitale Kontrollgerät auch schon zu einer Pause die ich eigentlich nicht machen will.

LKW fahren hat schon lange nichts mehr mit Romantik zu tun. Die Lenkzeiten werden von einen gnadenlosen digitalen Kontrollgerät aufgezeichnet. Genauso die Geschwindigkeit.. Da das vielen Unternehmern nicht mehr ausreicht und sie live verfolgen wollen wo sich ihre Fahrzeuge gerade befinden, gibt es dann noch zusätzlich die Fernüberwachung.
Einfach mal da lang fahren wo es schön ist? Schon lange nicht mehr. Pause machen weil man gerade mal keine Kraft mehr hat? Bringt einen in Erklärungsnot. Wenn man denn mal einen Platz findet wo man Pause machen kann.

Viele Kraftfahrer kämpfen jeden Abend um ihren Schlafplatz. Parkplatznot nennt sich das Drama lapidar im Politikerdeutsch. Gegenmaßnahmen? Keine. Selbst tagsüber ist es schwer geworden einen Platz zu finden an dem man seine vorgeschriebenen Pausen machen kann. Es kommt vor, dass sich Anwohner über einen „wild parkenden LKW“ beschweren. Wenn dann die Ordnungsbehörden vor Ort sind, stellt sich heraus das der Fahrer dort abladen muss weil sich genau dort irgend eine kleine Firma befindet die halt mal mit einen großen LKW beliefert wird. Wenn sie denn schon mal da sind, dann wollen sie auch nicht umsonst gekommen sein. Ihr Einsatz muss irgendwie finanziert werden. Also stellen sie ein Bußgeldbescheid aus. Begründung? Egal, irgendwas findet sich immer. Oft hört man dann von den Polizisten, dass der Chef dann halt einen kleineren LKW schicken müsse. Erwidert man darauf das die Straßen dann noch voller seien weil sich dann ja große und kleine LKW diese teilen müssten, bekommt man zum Bußgeldbescheid ein Achselzucken gratis hinzu.

LKW fahren macht einfach keinen Spaß mehr. Es kommt eher selten vor, dass ich irgendwo in kleinen Straßen anliefern muss. Kann man positiv oder negativ sehen. Aber genauso selten kommt es vor, dass ich mal irgendwo in einer schönen Gegend unterwegs bin. Ich sehe zu 90% nur die Rückseite der Ballungszentren. Die kleinen Firmen die früher irgendwo auf dem Land ansässig waren, sind zum großen Teil verschwunden. Überleben können nur die großen Unternehmen. So juckelt man von einen Industriegebiet zum nächsten und sieht in erster Linie Autobahnen, Rasthöfe, Industriegebiete und deren schmutzige Betriebshöfe.
Ich könnte auch etwas anderes als Altmetall in Containern fahren. Das würde aber Termindruck, Stress und der ewige Kampf mit Lenk- und Ruhezeiten bedeuten. Und wenn nicht das, dann schlechte Bezahlung weil die Konkurrenz aus Osteuropa auf den Markt drängt.

Mein Beruf bietet keine Zukunft, keine Perspektive und nur wenig Hoffnung. Aber ich hab es ja nicht mehr lange bis zur Rente. 20 Jahre vielleicht noch, wenn ich durch halte. Wenn die Knochen mitspielen, wenn ich nicht vorher irgendwo am Baum lande oder an einen Stauende von einen „Kollegen“ zusammengeschoben werde der nicht bremst, weil er pennt, telefoniert oder einfach nur unfähig ist sein Gefährt zu lenken.

Ich schaffe es Freitag früh Feierabend zu machen. Früh bedeutet 14 Uhr, von 5 Uhr an gerechnet sind das schlappe 9 Stunden. Ich kann froh sein, denn so mancher Kollege hat den Feiertag irgendwo auf einen Rastplatz verbracht, arbeitet täglich 13-15 Stunden, kommt erst Samstags nach Hause und darf sich Sonntags gegen 22 Uhr schon wieder hinters Lenkrad klemmen.

Zu Hause schlafe ich irgendwann auf der Couch vor dem Fernseher ein. Ich weiß nicht wann ich eingeschlafen bin, weiß auch nicht wann ich aufgewacht bin. Ich gehe ins Bett und werde erneut wach als es schon lange Hell ist.

Freitag, den 2. Mai 2014 - Silke

Bücke
 
Ein Tag des Abschieds, ein schöner Tag, diesmal von einem Stück Kindheit. Das Haus meiner Großeltern, in dem wir früher viel Zeit verbrachten, wird verkauft und muss ausgeräumt werden. Es ist ein schönes, großes Haus mit vielen versteckten Kammern, Truhen und Schätzen, so ist es uns früher jedenfalls immer vorgekommen. Mein Bruder und ich gehen noch einmal von Raum zu Raum und erzählen H. von unseren Erinnerungen, durchleben noch einmal die Stunden, die wir im Büro mit der Katze zubrachten, die Sandkiste, das Tonnenpferd, die Verrücktheiten und Skurrilitäten unseres Opas, den Genie desselben.
 

Wir dürften mitnehmen, was wir möchten – unsere Oma wohnt schon seit einiger Zeit nicht mehr im Haus. Dazu gehören dann auch die Reste der Hausbar, mit denen wir diesen Tag beenden und die Erinnerungen noch einmal aufleben lassen.

Freitag, den 2. Mai 2014 - Martin



Ein sehr komischer Freitag. Fühlt sich an wie Montag, ist jedoch Freitag. Ich steige verwirrt aus dem Bett und denke es ist Mittwoch. Vermutlich bin ich darum bei der Arbeit nicht so recht motiviert und schaffe auch nicht ganz viel. Da passt es gut, dass eh nicht viel los ist und alles rund läuft. Bislang sind in der neuen Montage noch keine Fehler aufgetreten. Also ist am Ende noch kein Opel oder Dacia heraus gekommen.

Highlight des Tages ist das Beenden des Rasenmähens von Mittwoch. Denke das sagt schon einiges über diesen Freitag aus. Meine Unmotiviertheit von der Arbeit setzt sich nach Feierabend nahtlos fort. Ein paar Freunde wollen Grillen und Heise fragt an ob er im Anschluss hier pennen kann. Ich sage sicherheitshalber beides ab und lese noch Oldtimer-Zeitschriften.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Thomas

Die Taschen sind gepackt. Bis Sonntag bleibe ich in der alten Heimat. Das Rahmenprogramm für die nächsten vier Tage steht, mal davon abgesehen, dass bei der Intensität des Programms der ein oder andere Tag eh zur Erholung dienen wird. Mit dem Auto dauert es etwa 50 Minuten bis nach Drakenburg. Die Straßen sind verhältnismäßig leer, das liegt wohl am Feiertag. Ich fahre nicht gerne Auto. Mehr als Sitzen, Lenken, Gasgeben, Bremsen bzw. Hupen und Radiohead hören kann man nicht machen und das dauert dann solange bis man angekommen ist. Völlig unverständlich wie sich Altersgenossen Gedanken darüber machen, ob sie selbst den Weg vom Sofa bis zur Toilette mit dem Auto zurücklegen sollten.
Ich bin mit den ehemaligen Mitspielern des TUS Drakenburg zum Essen verabredet. Und zwar am Weserwehr. Sei erwähnt.
Danach geht es geschlossen zum Pokal-Viertelfinalspiel Drakenburg gegen Arminia Hannover. Die Arminia spielt nächstes Jahr in der Oberliga und ist entsprechend klarer Favorit. Vielleicht hilft das Fritz-Walter Wetter.

Bei der Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung bekommt der aufmerksame Beobachter bereits einen ersten Eindruck unserer Bierlaune.
Zur Halbzeit steht es 0:0. Gutes Ergebnis. Am Ende setzen sich die Hannoveraner etwas zu deutlich mit 3:0 durch, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut. Ich möchte nicht wissen, was los gewesen wäre, hätten die Drakenburger das Ding irgendwie gemacht. Es war so schon schlimm genug. Das TUS Heim war proppenvoll, eine riesige Sause. Was im TUS Heim geschieht, bleibt auch im TUS Heim, was mir meiner Erinnerungen nach sehr entgegenkommt. Irgendwann werde ich halt abgeholt.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Dörte

Der Tag begann mit Kopfschmerzen. Wie sollte es auch anders sein! Es war einfach zu viel Wein.
Dennoch standen wir früh auf. Schließlich hatten wir Oma und Opa versprochen den großen Wohnzimmerschrank auseinander zu schrauben, damit das alte Ding am Freitag in die neue Wohnung umziehen kann. Das war schnell erledigt und zur Belohnung gab's richtig lecker was zu Essen. Bei Oma schmeckt's halt immer am Besten.
Den Rest des Tages verbrachte ich alleine mit meinen Kopfschmerzen auf dem Sofa und kuschelte mich in meine Wolldecke ein. Patrick ist noch los zum Angeln. Der hatte erstaunlicherweise den Mittwoch Abend sehr gut überstanden und keinerlei Nachwirkungen davon getragen.
Ich schlief längst als er nach Hause kam. Er grummelte kurz, dass er nichts gefangen hatte und lies mich weiterschlafen.

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Ole

Die gute alte Zeit

Seit langem mal wieder ausgeschlafen – JEAH! Keinerlei Verpflichtungen heute – entspannt! Ich rolle mich aus dem Bett, rüber zum Plattenschrank und grabe mich völlig unbenommen durchs Regal. Ich bleibe bei dem Album „Overgrown“ von James Blake hängen. Hmmm ich weiß noch ganz genau, als ich diese Platte in der Sound Station in Kopenhagen gekauft habe. Viele schöne Erinnerungen gehen mir durch den Kopf. Das mag ich. Genau das richtige, um gut gelaunt in den Tag zu starten, auch wenn die Melodien selbst von jeder Menge Melancholie geprägt sind. Selbst das Gatefold-Cover erscheint mir melancholisch. Ich trinke einen Becher Kaffee und versinke mit jedem Titel tiefer in Gedanken. In der letzten Endlosrille angekommen, kehre ich zurück in die Gegenwart. Mein Unterbewusstsein möchte jetzt „Just A Blip“ von Arthur Russel hören. Den Gefallen tue ich mir. Danach geht’s duschen. Jetzt bin ich wach. Ich schiebe mir eine selbstgetuned‘te Tiefkühlpizza in den Ofen und stelle mir einen Timer. Der Klassiker, wenn ich mal alleine in meinem Elternhause war. Ich schalte meinen alten Fernseher ein und der Receiver möchte - wie immer wenn ich das Ding mal einschalte - irgendwelche Satelliten updaten. Ich aber nicht. Ich zappe durch das erste Dutzend Sender von fast 300 Kanälen, die kein Mensch braucht. Auf K1 läuft „Vier Fäuste Gegen Rio“. Ich freue mich, entscheide mich aber trotzdem eine halbe Stunde vor dem Ende zum Kranzbinden für die Hochzeit von Ayleen & Thorben zu gehen.

Darum dreht sich schließlich das gesamte lange Wochenende. Morgen ist Brückentag und standesamtliche Trauung mit späterem Polterabend. Samstag dann der Große Tag für A & T. Ich bin gespannt. Ich war zwar schon öfters auf Hochzeitsfeiern, aber es ist für mich die erste Hochzeitsfeier eines Freundes meiner gefühlten Generation, an der ich vollständig teilnehmen kann. Ich fange deshalb an, mich ganzheitlich mit diesem Thema auseinander zu setzen und mache alles was dazugehört mit, um dieses Phänomen auch einmal ausgiebig aus einer involvierten Perspektive zu betrachten. Sogar der Junggesellenabschied auf der Reeperbahn, der mich persönlich sonst immer sehr stört, wenn ich auf dem Weg zum Feiern in die Talstraße oder zum Hamburger Berg über die Reeperbahn muss, habe ich mitgemacht...

Was heißt heiraten und warum heiratet man wohl ein anderes Individuum? Abgesehen von steuerlichen Vorteilen, hat sich mir das bis jetzt immer noch nicht erschlossen. Eine Heirat ist für mich so bedeutungslos, wie der Valentinstag, Halloween oder auch die Figur des Weihnachtsmanns. Diese Bräuche sind meiner Meinung nach Humbug. Eine Tradition, die vorgibt wichtig zu sein, tatsächlich aber ein Schwindel ist. Liebe ist für mich keine Erwartungshaltung. Das kostbarste, was man einem anderen Menschen geben kann, ist ganz einfach seine (Lebens-)Zeit und nicht irgendein Versprechen vor dem Standesamt oder einem Gott.
– Ich muss gerade an „Manfred Mustermann“ vom Blumentopf denken –

Trotzdem: jede/r gerne so, wie sie/er glücklich werden mag. Außerdem freue ich mich natürlich auch auf die daraus resultierenden Feierlichkeiten. Das Kranzbinden erfüllt, wie erwartet, das traditionelle Klischee. Die paar Männer schleppen die schweren Äste rein und raus und trinken das Bier, während die wohlgenährten Frauen mit den Kindern auf wundersame Weise die kleinen Zweige zu einem schönen, grünen Kranz zusammenbinden. Nachdem die Kränze für die Kirche und die Feierstätte wiederum von Männerhand erfolgreich an den Türen angebracht wurden, machten sich alle Binder mit einem Kranz in Herzform auf den Weg zum Brautpaar in Spe. Dafür gab es anschließend im Garten ein paar auf die Zunge. Als es so langsam kalt wurde, machte ich mich mit meinem alten Freund und Kupferstecher Küppi auf den Weg nach Hause. Bei Ihm gab es neben einem Absacker auch noch einige Runden Tekken 3 und Tony Hawks Pro Skater 2 auf einer „gechip’ten“ Playstation 1. Auch das weckte viele Erinnerungen und bereitete großen Spaß.

Tune des Tages:              James Blake – Life Round Here

„Part time love is the life round here
We're never done
Everything feels like touchdown on a rainy day…”

Donnerstag, den 1. Mai 2014 - Christoph



Ich habe heute bis nach 12 Uhr geschlafen. Dann habe ich mit Lisa, Lukas, Franzi und Lukas gefrühstückt. Plötzlich Lärm. Lore ruft, da draußen geht’s voll ab. Wir hasten auf den Balkon. Die Demo kommt am Haus vorbei, der kosmische Käfer läuft und macht elektronische Musik. Ich ziehe mir schnell Schuhe und Jacke an, haste die Treppe runter und vor der Tür: der Käfer. Sofort sehe ich Henner und Natalie, dann Rene, den sehe ich in letzter Zeit ja überall (und zwar meistens barfuß). Ich reihe mich ein und freue mich über die schöne Musik. Etwas später sehe ich ein Mädchen mit Kinderwargen, der mit Plane überzogen vor sich her geschoben wird. Ganz in der Nähe ein Einkaufswagen, der genauso gestylt ist. Hej, das Mädel kenn ich doch. Ich spreche sie an und frage, ob sie mit X zusammen wohnen würde. Denn dort in der WG habe ich sie gesehen. Sie erinnert sich auch und erzählt mir aber, dass sie außerhalb in einem Wohnprojekt wohnt. „Und was ist da in dem Kinderwagen?“ Darin wird die Anlage transportiert, erfahre ich. Die Anlage, die gestern Nacht den Stühli-Park beschallt hat. Ahja, interessante Info, interessantes Mädchen. Im nächsten Moment dreht sie ab und tschüss. Als wir durch die halbe Stadt gefahren sind, erblicke ich L (meine Ex). Das war nicht so geil. Habe mich dann im Demozug nach hinten fallen lassen. Dann gab es ne Kundgebung vor dem Bahnhof, dann weiter, Polizeisperre, dann die 'Auflösung'. Ungeachtet der selbst angesagten Auflösung zieht ein Teil des Zugs weiter und macht nun vor dem Stadttheater Mucke. Dort sehe ich Miri, lade sie morgen zu der Bötzeparty ein und tausche mit ihr die Nummern. Ich verabschiede mich sogleich und drehe mich um. Zwei Meter hinter mir sehe ich L (meine Ex) mit ihrer Freundin M. Sieht so aus als hätten sie mich nicht gesehen. Ich drehe mich schnell um 90 Grad und gehe flotten Schrittes aus der Szene. Mit den anderen gehe ich zum nahegelegenen Dönerladen, sie wollen Bier holen. Ich habe mich in Sicherheit gefühlt doch M und L (Ex) wollten zur gleichen Zeit zu diesem Döner. Ich bleibe recht ruhig, merke aber, dass mir das unangenehm ist. Sie spricht mit K und Jasi. Ich höre, dass ihr neuer Freund in der gleichen Kneipe arbeitet wie Jasi. Das nervt, ich will sowas nicht wissen! Weg da. Ich entscheide mich die Innenstadt zu verlassen. Ich will jetzt Ruhe. Ich gehe nach Hause und entschließe mich mit dem Fahrrad nach Bötzingen zu radeln. Immer die Dreisam runter in das gelobte Land. Es fängt leicht an zu regnen, als ich schon fast da bin. Die kleine Radtour hat mir sehr gut getan. Als ich auf dem Hof ankomme erblicke ich viele fremde Menschen, aber sehen natürlich alle nett aus. Es wurde ja angekündigt, dass auch einige Freunde aus Berlin und sonst woher anreisen. Es wird an dem freistehenden Herd unter dem Schirmdach gekocht, oder besser gesagt, gebacken, nämlich Pfannkuchen. Ich begrüße die Leute die vornean stehen mit Handschlag, stelle mich vor und versuche mir die Namen zu merken. Vielleicht gibt’s für mich ja später noch einen Pfannkuchen, die Leute hier sind ja erfahrungsgemäß sehr gastfreundlich. Ich gehe erstmal weiter zu Frieder um ihm Hallo zu sagen. Er ist gerade mit seinem Hofmitbewohner dabei Fackeln zu machen. Dabei wird ein neuer Ansatz verfolgt: Klopapierrollen in einen Eimer voll flüssiges Wachs tauchen. Es steht gleich auf dem Plan mit der VW-Pritsche zu dem Biohof 'Diestel' zu fahren, dessen Besitzer mit Frieder und Wolle befreundet ist. Sie bekommen auch öfters mal Gemüse von ihm, dass dann im Solarofen (10m²-Kollektorpanel im Garten) getrocknet wird. Ich werde gefragt, ob ich mit will. Dort ist Tag der offenen Tür. Kurzerhand sage ich 'klar'. Wenig später sitze ich mit fünf anderen Kerlen und zwei Kindern im VW-Transporter und kurve um den Kaiserstuhl. Ich bin müde und genieße es einfach aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft an mir vorbeiziehen zu sehen. Die Kinder machen quatsch, ist aber gut. Wir fahren zuerst zum Hof und gucken da mal rein. Felix macht Bilder, weil er das gut kann und die für Werbezwecke (für den Hof) nutzen will. Die zwei Leute die dort Gemüse sortieren, haben dunkle haut und sehen indisch aus. Ich mache mir kurz vorurteilige Gedanken. Wir merken schnell, dass das eigentliche Geschehen am Feld stattfindet und fahren dort hin. Da treffen wir dann auch Moki, den Besitzer. Er ist größer als ich, kräftig und trägt Vollbart und Turban. Sein indischer Akzent klingt nett und er ist es auch. Alle finden ihn toll. Da ich immer noch müde bin, halte ich mich aus den Gesprächen raus. Moki nimmt kein Blatt vor den Mund und macht fröhlich anrüchige Witze. Sehr sympatisch. Die Kinder klettern auf die modrigen Strohballen, eine Frau fährt Trecker über das Feld (was sehr interessant auf mich wirkt), Mokis Frau hat Avocado-Mus gemacht, wir schauen in den Schuppen die neu reparierte Maschine an, Wasser läuft über. Wir essen die Avocado-Creme mit leckerem Brot, reden über dies und das und fahren nach gefühlten 1,5 Stunden wieder. Wir waren die einzigen echten Gäste. Aber das macht nichts, die Leute sind froh und ich auch. Zurück am Hof in Bötzingen gibt es bald Abendessen. Am großen Tisch unter dem Scheunendach bekommt jeder davon ab. Eine tolle Gemeinschaft. Aber ich weiß, dass ich die Gäste von Auswärts  nie wirklich kennen lernen werde.  Die Motivation es zu versuchen hält sich deshalb in Grenzen. Macht nichts, ich entspanne mich. Auf diesem Hof ist so viel. So viel Zeug, das schön ist zu besitzen, und sicher auch praktisch ist, aber ich frage mich, was man damit macht, wenn man es nicht mehr braucht. Was wenn man umzieht und das alles nicht mitnehmen kann. Man muss sich eigentlich immer Gedanken machen, wenn man sich Dinge anschafft, schon beim Anschaffen, wie man sie wieder entsorgt. Das machen die Menschen viel zu wenig. Deshalb vermüllt dieser Planet auch. Und die Menschen hier am Hof sind in dieser Hinsicht sicher die besseren Menschen. Achja, egal. Es regnet noch ein Weilchen, dann hört es aber auf und das ist ein prima Anlass für mich wieder nach Freiburg zu fahren. Die Heimfahrt tut mir wieder gut, ich bin recht schnell mit Klappjens unterwegs. Kurz vor der Stadt offenbart sich ein wunderschöner Himmel mit Nebelschwaden über dem Roßkopf, ein Bild, dass man sonst nur aus dem Auenland kennt. Unter der B31-Brücke ist immer noch dieser kleine Rave in Gange, der schon lief, als ich raus gefahren bin. Sieht aber nicht einladend aus und ich bin froh, dass ich nicht dort sein muss. In Freiburg fahre ich in meine alte WG zu Jasi, weil wir einen Film schauen wollten. Und zwar: Liebling ich habe die Kinder geschrumpft. Ein lustiger Film aus den 80ern, den ich als kleiner Junge im Kino gesehen habe. Mir fällt auf, wie amerikanisch er ist und wie mir das damals überhaupt nicht aufgefallen ist. Der Sohn des verrückten Erfindervaters macht einen guten Spruch, als seine Schwester ihm verkohlten Toast auf den Teller gibt: „Ich mache eine Spezialdiät. Keinen giftigen Müll mehr.“ Haha,  gerade genau mein Geschmack. Nach diesem Ausflug in die Vergangenheit zappen wir und landen bei Vicky Christina Barcelona. Sehr interessant erzählte Geschichte. Wir sehen die Szene, in der der Spanier die Frauen nach Oviedo einlädt, mit ihm dorthin mit dem Flugzeug zu fliegen und gemeinsam Zeit zu verbringen und miteinander zu schlafen. Es kann eine schöne Einstellung sein, mit Liebe und Sexualität so offen umzugehen. Und es gibt auch viele gute Argumente dafür. Ich gehe nun aber, will nicht weiter darüber nachdenken. Gute Nacht Jasi, bis morgen. Als ich an der Eschholzstraße ankomme denke ich, dass ich noch kurz in die Beatbar gehen könnte. Vielleicht ist Daniel da. Gesagt getan und tatsächlich. Ich stelle mich zu ihm, er hat Zeit und es hängt gerade niemand sonst bei ihm an der Anlage rum. Schön, dass ich mal diese Position einnehmen kann. Ich würde gerne öfters mit ihm Zeit verbringen. Aber das klappt nicht und erhält aber auch die Spannung in einer herzlichen Männerfreundschaft. Nachdem wir uns von unseren neuesten Gedanken erzählt haben und nachdem ich Bescheid gegeben habe, dass die Bötzeparty um einen Tag verschoben wird, gehe ich nach Hause. In der Küche treffe ich Franzi mit Mareike. Zwei schöne Frauen, die mich anlachen. Ich begrüße Mareike, die ich zwar schon kannte, aber nicht als so interessant in Erinnerung hatte. Ich setze mich also noch in Jacke dazu und quatsche mit den Mädels. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und darauf, mit ihnen nach Bötzingen zu fahren. Müde gehe ich nun zu Bett. Gute Nacht!