Montag, 19. Mai 2014

Montag, den 28. April 2014 - Silke

Hamburg - Osnabrück

Der Tag fängt gut an, es wird von zu Hause gearbeitet und ich kann mein aktuelles Projekt ein Stück nach vorne bringen – damit an das letzte, durchgearbeitete Wochenende anschließen. (Randnotiz: Es ist keine gute Idee, selber unrealistische Deadlines für Projekte mit unbekanntem Arbeitsvolumen zu setzen, damit den Chef so sehr zu erfreuen, dass er es dem Vorstand erzählt und man damit nicht mehr aus der Sache rauskommt).

Später fahre ich nach Osnabrück zu meinem Freund in der Hoffnung, ein Stück vom Wochenende nachholen zu können. Pünktliche Ankunft zu einem Fußballspiel (Bundesliga/zweite Liga/Champions League/man weiß es nicht), große Freude meinerseits, der Laptop wird also wieder rausgeholt, der Chef freut sich noch mehr als ich über dieses Spiel. 

Grundsätzlich habe ich mich (Dank jahrelanger Jungs-WG-Zugehörigkeit) an Fußball gewöhnt; einige Aspekte schätze ich mittlerweile sogar sehr:



·     Fußballspiele bieten ein angenehmes Hintergrundgeräusch, man kann prima dabei  arbeiten/lesen/schlafen, ohne sich in der Sache beeinträchtigt zu fühlen

·     Bunte, Gala und Co können gar nicht gegen die romantischen und/oder sexuellen Aktivitäten der Protagonisten abseits des Spielfelds an berichten; schöne Beispiele sind hier der van-der-Vaart, Ashley Cole, David Beckham, Effenberg als Klassiker und dass die Frau vom Schweini jetzt lieber beim Gomez die Teller spült, kann ich ihr persönlich nicht verdenken (obwohl der Schweini sicher mehr Integrität besitzt)

·     Boateng. Ich sage den Namen einfach gerne laut. Boateng.

·     David Beckham – gut auf dem Spielfeld, gut in Unterhosen. Nicht so gut in Interviews.

·     Victoria Beckham – großartige Geschäftsfrau, gut in Interviews, nicht so gut in Unterhosen, aber dafür schickt sie ja auch David los.

·     Trikottausch am Ende des Spiels.

·     Der Unterhaltungsfaktor eines Spiels in Gesellschaft von Fans beider Mannschaften



Fußball ist einfach so viel größer als der Ball.

Montag, den 28. April 2014 - Ole



Work-Life-Balance

Mir steckt morgens mal wieder ein wenig das anstrengende Wochenende in den Knochen. Aber das war es wert! Ich bin trotzdem froh, dass ich heute und morgen vom „Home Office“ aus an meinem Projekt in den USA arbeiten kann. Aufgrund der Zeitverschiebung (MESZ -6) beginne ich aktuell eh häufig erst richtig zu arbeiten, wenn meine Kollegen bereits den Feierabend vor Augen haben… Apropos Feierabend: letzte Woche habe ich endlich mein (persönliches) iPhone mit dem Firmenkalender und -Email Account synchronisiert. Ich war wirklich begeistert wie einfach, problemlos und schnell das funktionierte. Praktisch. Die Benutzerfreundlichkeit, definiert als Produkt aus Effektivität, Effizienz und Zufriedenstellung, erscheint mir jedoch täglich fragwürdiger. Seit der Synchronisation erreichen mich 24/7 Nachrichten und Termine auch außerhalb der Arbeitszeiten und meines Zuständigkeitsbereiches. So auch heute ständig. Es stört mich – „…doch wenn es klingelt, bin ich rasend schnell am Telefon, es kann doch sein, dass mich irgendwer braucht.“
Privat helfe ich wiederum jederzeit gerne. Das ist etwas anderes. Deshalb bin ich heute ja auch bei meiner Cousine in Münster. Meine Cousine hat bald Geburtstag und möchte zuvor Ihren morschen Balkon erneuern. Sie müsste 38 werden. Hart nachgedacht…. Genau, Sie ist 15 Jahre älter als ich. Als ich dann den Balkon in Augenschein nahm, musste ich noch härter nachdenken, als bei ihrem Alter. Was für eine vermurkste Anbaubalkon-Konstruktion. Und dann auch noch im 3. Stockwerk. Ich erinnere mich an meinen Vater, der auf seinen betrieblichen Baustellen sowie im Familienleben immer so furchtbar motivierende Worte sagte wie: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“, „Von nichts kommt nichts!“, „Ey! Mach das vernünftig da!“ und „Einem Ingenieur ist nichts zu schwoer!“. Ich arbeite motiviert und eigenverantwortlich ganz entspannt von 10 – 18 Uhr.
Meine Cousine kommt heim und erfreut sich schon einmal an dem soweit sichtbaren Ergebnis. Wir fahren zum Abendessen in einen anderen Stadtteil zu Yvonne – selbstverständlich mit dem Fahrrad. Dort esse ich zum ersten Mal eine selbstgemachte Spargeltarte. Vorweg Grissini mit einem köstlichen Schinken umhüllt. Dazu jede Menge trockenen Weißwein. Das perfekte Dinner. Anschließend verlieren wir drei uns in weinsinnige Unterhaltungen über Identität, Individualität und Sozialverhalten, wobei drei doch recht unterschiedliche Ansichten aufeinander stießen. Bravo!

Tune des Tages:              Gisbert zu Knyphausen – Sommertag

„Manchmal glaube ich, dass ich zu langsam bin
für all' die Dinge, die um mich herum geschehen.
Doch all' die Menschen, die ich wirklich, wirklich gerne mag,
sie sind genauso außer Atem wie ich…“

Montag, den 28. April 2014 - Kyra


Heute konnte ich mich wieder um 7:30 aus dem Bett raffen um mit M. zu frühstücken. M. ist mein Freund und wir wohnen zusammen links der Weser. Meine Oma hat sich langsam daran gewöhnt und kommt sogar über den großen Fluss gefahren um uns in der nicht ganz so schicken Neustadt zu besuchen. Ich habe ihr erklärt, dass die Zeiten sich ändern und man heute hier wohnt. Naja, M. hat ein sehr organisiertes Leben, mit einem ganz normalen Beruf. Ich als Flugbegleiterin da eher nicht, deshalb versuche ich mich, immer wenn ich zu Hause bin, in das nine to five Muster von ihm einzuordnen und stehe halt um 7:30 Uhr pünktlich zum Frühstücken auf. In aller erster Linie mache ich das nur um mehr Punkte von meiner To Do Liste abhaken zu können. Zum sozialisieren bin ich nämlich noch viel zu müde um diese Uhrzeit. 


Heute stand wieder ziemlich viel auf meinem Plan. Davon lasse ich mich aber nicht mehr beeindrucken - meine To Do Liste wird immer länger statt kürzer. Aber auch heute war meine Müdigkeit wieder größer als alles andere und ich habe mich nach meinem Frühstück wieder ins Bett gelegt! Großer Faux-pas! Nunja und bis jetzt habe ich heute meine Steuererklärung angefangen, gewaschen,  ein bisschen rumgeputzt und Koffer gepackt. Jetzt bin ich allerdings schon spät dran und voller Freude: Gleich sehe ich meine liebe Freundin M., die heute von ihrem Spanien Aufenthalt wiederkommt, der gefühlte 100 Jahre ging. Tja auch als Flugbegleiterin schafft man es nicht immer seine Freunde in der Welt zu besuchen...

Montag, den 28. April 2014 - Martin

Die Woche beginnt scheiß früh und recht ungewöhnlich. Da wir unbedingt um 6Uhr in der Firma sein sollen (was sich noch als völlig unnötig herausstellt) muss ich um 4.30Uhr aufstehen. Dem einstündigen Arbeitsweg sei Dank. Da das Wochenende mal nicht komplett aus dem Ruder gelaufen ist, bin ich erstaunlich fit. Ich kann Farben erkennen und komme ohne größere Probleme aus dem Bett.

Bei der Arbeit stehen Schulungen an. Ich muss den Mitarbeitern beibringen wie man Teile des Cockpits richtig verschraubt. Das Coupe der C-Klasse ist in eine andere Halle gezogen, deshalb ändert sich was im Ablauf und wir müssen das Cockpit montieren. Schulungen sind ok, nur muss man den ganzen Tag das Gleiche erzählen. Hab schon überlegt es zur Abwechslung immer anders zu erzählen. Was da wohl für Autos bei rauskommen würden?

Ich mache recht früh Feierabend und schwinge mich aufs Rennrad. Wir waren gestern beim Fußball in Duddenhausen und sind auf dem Rückweg eine radtaugliche Strecke gefahren. Die will ich heute testen. Sie stellt sich als ganz gut heraus. Gut ausgebaute Wege zwischen Feldern und keine Rentner die unvermittelt und nichts raffend aus Einfahrten gefahren kommen und versuchen junge Männer vom Rennrad zu rammen.

Hat wirklich was an einem Montag so fit zu sein. Ansonsten geht es montags nach der Arbeit meist ins Sauerstoffzelt oder so, aber bestimmt nicht aufs Rad.
Seit ein paar Tagen werden wir von einem Nazi-Vogel terrorisiert, der immer gegen die Autos und Scheiben springt. Und da Vögel recht schwer zu fangen sind, muss ich die Woche noch ein Luftgewehr auftreiben, um dem Spuk ein Ende zu setzen.

Montag, den 28. April 2014 - Verena



Der Wecker klingelt wie immer um 5:45 Uhr. Aus unerfindlichen Gründen meinte C plötzlich, ich müsse heute als erstes aufstehen. Ich grummel, stehe auf und gehe ins Bad. Kein Snooze für die Snooze-Königin! Ich muss als erstes aufstehen! Ich fühle mich ungerecht behandelt, bin motzig und frage mich, wie dieser Tag wohl noch weitergehen soll, wenn er schon so scheiße startet. Meinen Kaffee bekomme ich trotzdem. Ich bin ein bisschen besänftigt und am Ende auch erstaunt, wie früh ich aus dem Hause komme und im Büro bin. 

Dort war gestern ein sehr wichtiges Seminar gestartet mit sehr wichtigen Referenten. Alle waren ganz hibbelig bei der Planung und ich hatte Freitagnachmittag noch die glorreiche Idee, ein paar kurze Video-Interviews für unsere Website mit den Referenten aufzunehmen. Die Idee war gut, die Umsetzung wie immer eher stressig. Ich hatte einen Seminarraum für die ganze Woche angefragt, damit ich das Video-Equipment dort aufgebaut stehen lassen kann und nach Bedarf spontan die Interviews aufnehmen könnte. In der Mittagspause des Seminars sollte das erste Interview stattfinden; kurz vor Mittag bekam ich das OK für den Raum. Ich sammelte zwei Kameras, Mikro, Stative zusammen, drapierte zwei Sessel, versteckte hässliche gelbe Postkisten unter weißem Papier und versuchte Kameras und Ton irgendwie professionell-aussehend auszurichten. Soundcheck. Alles gut. 

Der erste Interviewpartner war Professor K von einer britischen Privat-Universität. Ein sehr großer, grauhaariger Mann. Er sah aus wie auf den Fotos. Und eben sehr groß. Und natürlich mit tollem britischen Englisch. E führte das Interview. Es ging u.a. um die Frage, ob Wissenschaft und Forschung gesponsert werden sollten. Das ganze Interview konnte in 5 Minuten und in einem Take aufgenommen werden. Das spart mir eine Menge Arbeit nachher. 

Mein eigentliches Aufgabengebiet besteht darin, Seminare zu organisieren, womit ich dann auch weitermachen konnte. Am Sonntag beginnt mein nächstes Seminar zum Thema „Local Politics and Citizen’s Participation“ und es gab noch einiges zu tun. Dieses Seminar in den Zeitraum vor Kommunal- und Europawahl zu legen, bringt den Nachteil mit sich, dass viele Leute einfach keine Zeit für Zusatztermine haben, weil sie zu sehr mit Wahlkampf beschäftigt sind.  

Ich bleibe länger im Büro und nehme mir dafür vor, am nächsten Tag zum Sport zu gehen. Zwischen 18 und 20 Uhr ist Rush-Hour im Studio und meistens alle Cross-Trainer besetzt, da braucht man gar nicht erst hingehen. Wie oft hab ich mich schon geärgert. Oder gar nicht erst einen Parkplatz bekommen. Und dann will ich auch nicht erst so spät zu Hause sein.
Dann kochen wir noch was, erzählen uns vom Tag, essen und schauen Simpsons.

Montag, den 28. April 2014 - Ralf

Montach ist Scheisstach. Immer.
Es ist 6 Uhr morgens, ich sitze im LKW und befinde mich immer noch im Wochenendmodus. Der Körper will nur eins: Zurück ins Bett. Aber hilft ja alles nichts, wat mut dat mut.

Schicksalsjahre eines Kirchturmkutschers. Seit Tagen fahren wir immer den gleichen Kunden in Gelsenkirchen an. Hinfahren, anmelden, warten, lange warten, abladen, zurück zum Hof. Der Montag bringt etwas Abwechselung, wenn auch nicht viel. Ein anderer Kunde, gleicher Stadtteil, eine Straße weiter. Zu sehen gibt es hier... nichts. Ein schlammiger Parkplatz mit Schlaglöchern so tief wie ein Kleinkind. Dazu buckelige Straßen und altersschwache Industriegebäude. Dreck, Maschinen und Schrott.

Ich liebe mein Ruhrgebiet. Auch wenn ich meistens nur die Rückseite zu sehen bekomme. Aber auch das kann seinen Charme haben. Ruhrgebiet, nicht Ruhrpott. Ruhrpott, dass ist Stahl, Kohle und Schwerindustrie. Von alledem ist nicht mehr viel übrig geblieben, ein paar Reste hier und da. Ansonsten sind die großen Namen und mit ihnen die großen Fabriken verschwunden. Ruhrpott, das war einmal. Jetzt sind wir Ruhrgebiet und auf dem besten Weg zur “Metropole Ruhr“. Selbst Krupp, die mehr als 100 Jahre mit ihren Fabriken und Stahlwerken das Bild von Essen bestimmt haben, haben ihre Wurzeln abgerissen, planiert und begrünt. Dazwischen, ein Prachtbau wie er protziger nicht sein kann. Woanders würde dieser Klotz gar nicht großartig auffallen. Hier aber steht er für arrogantes Protzgehabe weltfremder Manager. Erstmal alles abreißen was nicht gefällt, dann sich von einen Stararchitekten was schickes bauen lassen, pleite gehen und mal schauen wie es weiter geht. So geht Strukturwandel, zumindest hier bei uns.

In den letzten 20 Jahren haben sie es immer wieder versucht. Altes abreißen, neues drauf bauen und dann leer stehen lassen weil kein Bedarf dafür besteht. Ich bin aber in Gelsenkirchen. Hier gibt es weder Protz noch Prunk. Hier gibt es nur das, was andere sich unter Ruhrpott so vorstellen. Schmutzige Fassaden mit leeren Fensterhöhlen. Hier willste nich ne Nacht lang kaputt übern Zaun hängen.

Wenigstens die Menschen hier kann man strukturell nicht umwandeln. Sie sind wie sie sind. Freundlich aber zweckbestimmt. Wenn ich mich mit jemanden unterhalte der nicht von hier kommt, höre ich manchmal das wir unfreundlich wären. Nein, unfreundlich ist man hier nicht. Nur wortkarg. Kurze Sätze, nur das nötigste sagen. Muss reichen.
Wat willste auch groß labern, musse halt ma auffen Punkt kommen. An einen Montagmorgen um 7 Uhr irgendwo im Hinterhof von Gelsenkirchen ist das ganz angenehm. Ich bin immer noch müde, lustlos und verkatert, da will ich nicht viel reden. „Kommse auffe Waage, stellste dich da rechts hin. Bagger lädt.“. Jeder weiß was er zu tun und zu lassen hat, somit ist der erste Auftrag schnell erledigt.

Und wat anderet lieb ich am Revier wie et dat nur hier geben tut.
Kiosk, auch bekannt als Trinkhalle. Die moderne Version kommt als Verkaufswagen daher und bringt dir das Frühstück bis in den Hinterhof von Gelsenkirchen. Kommse nich zum Kiosk, kommt der Kiosk zu dich. Frühstück ist also gesichert, einer der wichtigsten Punkte im Tagesablauf somit als erledigt abgehakt.

Rückfahrt zum Hof, Auto leer machen, nächsten Kunden laden, Abfahrt. Diesmal im Hinterhof von Essen. Ein Anruf im Büro, allet klar, fang an. Enger Hof, viel Rangieren, ein wenig fluchen und irgendwann sind die drei Container auch getauscht. Der Tacho ermahnt mich das ich schon 4,5 Stunden Lenkzeit hätte und nun mindestens 30 Minuten Pause machen müsse. Ich beuge mich der elektronischen Anweisung, mache 30 Minuten Pause und fahre dann zum Hof zurück. Auto leer machen, für den nächsten Tag vorladen, Feierabend.

Der Montag wird im halbautomatischen Modus absolviert. Mehr ist nicht drin an einen Montag. Der Abend gestaltet sich dementsprechend einfach. Duschen, Essen und ein wenig Fernsehen, in den Werbepausen ab und zu mal bei Facebook vorbei schauen. Auf der Couch einschlafen und irgendwann mitten in der Nacht ins Bett wechseln, die Nacht ist um 4 wieder vorbei.

Montag, 12. Mai 2014

Gemeinsame Gegenwart 2014 - Autoren

"Dein Lohn, mein Sohn, Du kannst der nächste sein,
muss man zwar Texte schreiben, keine Angst, da wächst Du rein.
Vorausgesetzt, Du traust mir jetzt" Dendemann


Ab den 19. Mai - Gemeinsame Gegenwart 2014 mit:

Martin




Martin ist 32 Jahre alt und arbeitet nach einer sehr kurzen Übergangszeit als LKW Fahrer (es sind knapp 2 Jahre geworden) als Prozessingenieur bei einer Firma in Bremen, die die Logistik für das dortige Daimlerwerk abwickelt.

Wenn er endlich zu hause angekommen ist, bewohnt er mit 3 Mitbewohnern ein Haus in Hämelhausen oder setzt sich aufs Rennrad. Am Wochenende lässt er es gerne mal krachen, was sein Körper ihm Anfang der Woche regelmäßig heimzahlt. Was auch bald mal besser werden soll, wobei es dafür noch keinen konkreten Termin gibt.  



Christoph


Christoph ist seit 30 Jahren und ein paar Monaten am leben. Seit ca. zwei Jahren tut er das hauptsächlich im Stühlinger, in der Guntramstraße. Oft ist er fröhlich, manchmal ist er traurig und immer wieder ist er müde. Dann träumt er vor sich hin oder geht spazieren.
Im Alltagsleben ist er als Wirtschaftsphysiker beschäftigt und hat mit hochperiodischer Mikro- und Nanostrukturierung zur Funktionalisierung von Oberflächen zu tun. Er interessiert sich im privaten aktuell speziell für Gemüseanpflanzen, Fahrradreparaturen, Handwerksbetätigungen, Biorhythmusanpassung, Weltverschwörungstheorien und lange deutsche Wörter. 



Dörte Kugler

Dörte ist 31 Jahre alt und lebt seit sechs Jahren in Ostfriesland. Sie hat nach Umwegen nun ihre Berufung gefunden. Offiziell als technisch/kaufmännische Angestellte bezeichnet, arbeitet Sie als "Mädchen für alles" in einer Tiefbaufirma.
Nach Feierabend trifft sie sich gerne mit Freundinnen zum gemeinschaftlichen Tussi-Turnen oder geht in den nahe liegenden Stall zu ihrem Pflegepferd.
Nachdem sie mit Sack und Pack und zwei Fellnasen, vor kurzem erst, von einem schönen Eigenheim direkt am Ems-Jade-Kanal in eine kleine Stadtwohnung gezogen ist, plant sie derzeit den nächsten Umzug in eine noch kleinere Erdgeschosswohnung mitten auf dem Land; aber dafür mit Garten und tollen Ausblick. Das ruhige Landleben ist halt doch eher nach ihrem Geschmack.
 


Kyra Seedorf

Kyra (27) lebt in Bremen, pendelt nach Frankfurt a.M. und arbeitet in der Luft.. Sie liebt mal mehr, mal weniger andere Länder, andere Menschen und deren Sitten. Am meisten liebt sie ihre eigene Zeit. Täglich kämpft Sie mit der Umsetzung  ihres „optimal“ durchdachten Wochenplans, der Beziehung, Freunde, Sport, gesundes Essen und diverse Nichtigkeiten unter einen Hut bringen könnte... 



Ole Ellinghausen


Der feine Herr Ellinghausen (23) ist seit Mitte Februar Holzingenieur der Fachrichtung Möbel und Ausbau. Aufgrund zahlreicher Zufälle arbeitet er gegenwärtig im Bereich des Messemanagements und organisiert mit viel Freude weltweite Messeauftritte mittelständischer Unternehmen. Ab September soll es für Ihn zurück nach Kopenhagen gehen, um dort ein Masterstudium zu absolvieren. Bis dahin lebt er allerdings wieder in seiner Heimat Nienburg an der Weser.

Laut sozialem Netzwerk ist er in einer Beziehung mit Sebastian B. - das stimmt natürlich nicht. Allerdings treten sie zusammen - aka Johnny & Sebo - bei elektronischen Musikveranstaltungen als laptoploses Dj-Duo seit mehreren Jahren im Nordwesten Deutschlands auf. Er mag: Mädels, Musik, Möbel, Metropolen, Nachtleben, Natur und Postkarten. Er meidet: Schwachköpfe, Armleuchter und Dumpfbacken.



Ralf Albert


Als Kind des Ruhrgebiets (Jahrgang 1970) ist Ralf nach einer bewegten Vergangenheit irgendwann hinterm Lenkrad eines LKWs gelandet. Ursprünglich sollte es nur für den Übergang sein bis er was anderes gefunden hat. Aber bekanntlich hält nichts so lange wie ein Provisorium.

So kam es dazu, dass er nun im und ums Ruhrgebiet herum und darüber hinaus herumfährt, den ganzen Tag aus dem Fenster schaut und dafür auch noch bezahlt wird. Wenn er das nicht macht, dann macht er was mit Computern. Oder was mit Freunden.

Ganz privates hat bei ihm keinen Netzanschluss, man muss auch mal schweigen können. Wenn er das Schweigen bricht, dann in der im Ruhrpott gesprochenen Sprache. Fernab aller Regeln und frei ausm Bauch heraus.
 


Silke Ahrens


Wenn Silke (30) nicht gerade in Hamburg (Wohnort) oder Osnabrück (Liebe) ist, verbringt sie ihre Zeit in Kopenhagen und Wien, wo sie sich mit den Mysterien des Vertriebes beruflich auseinandersetzt. Zu ihren privaten Zielen in diesem Jahr gehört das Dänen-verstehen-lernen und die intensive Beschäftigung mit großen, kleinen und seitlichen Krähen. 
 

Verena

Verena (33) lebt inzwischen in Köln, organisiert internationale Seminare bei einer politischen Stiftung und reist dabei regelmäßig mit ausländischen Teilnehmergruppen quer durch Deutschland. Nebenbei beendet sie seit einer ganzen Weile ein Studium in Business Administration, führt den semi-erfolgreichen Blog verenas-welt.com und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit Musik, Reisen, Fotografie, Kochen und Fitnessstudio.

 


Thomas

Nach einem Jahr in der alten Heimat an der Weser zeigte die Nadel Thomas (31) inneren Kompasses in Richtung Hannover. Auch der Arbeit wegen. Hier will er mit ganz viel Ambitionen und keinerlei Innovationen Ingenieur sein. Angekommen und fast eingerichtet im Studentenviertel der Nordstadt, glaubt er an ein Ende der Odyssee, die ihm langsam die Umzugshelfer ausgehen lässt. Nebenbei nimmt er sich mehr vor als er wegschafft, zum Beispiel das beiläufige Vollschreiben seines Blogs DeinLieblingsmensch.de.




Sonntag, 11. Mai 2014

Sex and the City


„Wie heißt noch mal die Serie mit den drei Nutten und deren Mutter? 
Ach ja, Sex and the City.” Brian aus Family Guy

Ich sage gleich, ich habe es nicht geschafft auch nur eine Folge am Stück zu sehen. Und damit meine ich nicht, dass mir bisher die Zeit fehlte, sondern dass ich es nicht ausgehalten habe. Jeglicher Versuch, die 60 Minuten durchzuhalten, endete mit Magenkrämpfen, zusammengerollt vor dem Sofa. Als die Serie noch zur Prime Time auf Pro7 lief, habe ich mal ein paar Folgen geschaut, proportioniert mit Werbeunterbrechungen oder gelegentlichem hin und her zappen. Ich habe mich nie darauf konzentriert, was da eigentlich gerade Thema war. Dafür war es mir zu peinlich.

Nichts desto trotz macht die Serie eines von Anfang an richtig. Die Hauptcharaktere sind keine Cheerleader Beauties, wie sie uns vom amerikanischen Fernsehen als amerikanischer Durchschnitt verkauft werden. Bis auf die Brünette sehen alle recht authentisch aus. Ich kenne Frauen, die sehen weiß Gott besser aus und diese Frauen kennen auch mich. Kann ich nur leider jetzt nicht beweisen.
Die Serie spielt in New York, damit das funktioniert, haben die vier halt hoch dotierte Jobs und unabhängig müssen sie sein, gehört alles zum Serienkonzept, ist Okay und wird auch nicht weiter drüber nachgedacht.

Die Serie ist für Frauen gemacht, die gerne gackernd mit Freundinnen, Sekt und Weingummi zwischen den Zehen vor dem Fernseher hocken. Dabei rufen Sie ständig: genau so sieht das aus! Es ist, als ob die mein Leben abfilmen!
Mag sein, das Leben sähe dann so aus:

Die Carry, deren Stimme man auch aus dem Off hört, ist Kolumnistin und zwar eine, die durch das Schreiben bekannt geworden ist und nicht erst bekannt war und dann gefragt wurde, ob sie was schreiben möchte. Ich glaube, diese Sorte Kolumnistin gibt es nicht so häufig. Carry hat es schwer, nimmt es aber leicht oder geht Schuhe kaufen.
Richtig Pech hat sie mit ihren Typen. Da wäre zum einen der Millionär, wahnsinnig aufdringlich der Typ, zum anderen ein russischer Musiker und Ballett- oder Theaterirgendwas, ebenfalls scheißreich und berühmt. Als Kontrastprogramm muss ein kräftiger, großer, langhaariger Pornodarsteller - Tischler - Schönling herhalten, der natürlich total liebevoll ist, weil er schließlich einen Hund hat und verschenken tut er seine Designermöbel auch nicht. Ziemliche Loser also, weshalb Carry ständig die Betten wechselt, sie muss schließlich vergleichen. Das bringt es eigentlich auf den Punkt. Die gesamte Serie besteht darin, dass die vier Frauen vergleichen und zu keiner Entscheidung kommen.
Sie vergleichen die Männer, Lebensstile, Konten und sich untereinander.

Einer der erwähnten Kreischmomente ist, wenn einer der ständig wechselnden Partner im Bett was „falsch“ gemacht hat. Vielleicht hat er gelächelt oder was weiß ich, jedenfalls muss das was den Frauen beim Vergleichen aufgefallen ist kurz darauf in einem Szenerestaurante lautstark für alle unbeteiligten Gäste ausdiskutiert werden. Es folgt ein Gag nach den anderen!
„Ich glaube mein Freund ist tot. Der Sex ist wie immer, aber in der Küche sieht es aus…!“ So hoch hängt in etwa die Messlatte. Hihi… Latte. An der Performance der Mädels zweifelt natürlich niemand, sie sind schließlich Profis und falls es nicht untermiteinander funktioniert, dann reicht es ja, wenn nur einer Schuld daran hat. Sonst wäre es auch nicht mehr so lustig und locker.

Immerhin widmen sich die Frauen nebenbei anderen Dingen: Mode, Events, Karriere, Marken, alles sehr tiefsinnig. Hätte ich nicht bereits zu Beginn zugegeben, dass ich beim schauen Bauchschmerzen bekomme, hätte ich es bei einem „anstrengend und uncool“ als Fazit belassen. Was mich gehindert hat weiterzugucken sind nicht die vorhersehbaren Gags oder die klischeehaften Charaktere oder das vollkommene Ausblenden von Menschen außerhalb des SatC Kosmoses, das sind alles Dinge, die dem Serienprinzip geschuldet sind. Alles okay, aber auch alles auf Augenhöhe mit Two and a half Men.

Was es für mich unerträglich macht, sind die peinlichen Momente. Das ständige Emanzipationsgelaber basiert ausschließlich auf Seitenhiebe gegenüber dem anderen Geschlecht. Nichts Eigenes, nichts Innovatives, stattdessen fucking Ironic. Kann einem egal sein, einfach nicht gucken, leider glauben tausende Teenies, so würde es tatsächlich funktionieren. Dann das Mode Ding… Da gibt es soviel zu zusagen und noch mehr zu ertragen. Ist halt ein Frauending. Ich hoffe, das versöhnt alle.

Funfact. Ich habe mal gelesen, Schwule würden sich darüber beschweren, dass seit Sex and the City alle Frauen plötzlich meinen ihnen ihre langweiligen Probleme erzählen zu müssen

Dienstag, 8. April 2014

Schlagende Argumente

„Ich such' den Power-Knopf bei solchen Vollspacken,
ein schlauer Kopf tankt Sauerstoff oder geht Holz hacken.“ Dendemann

Es ist still geworden.

Mir wurde mal gesagt, oder besser angemahnt, dass ich zu viel in zu kurzen Abständen veröffentlichen würde. In Angesicht meiner gegenwärtigen Kreativpause, sehr schwer vorstellbar. Man, also er, käme nicht mit. Ja, das kann nerven.  Das ursprüngliche Argument lautete, Quantität und Qualität, das geht nicht zusammen. Grundsätzlich. Er hat sich dazu entschieden und irgendwo hat man das ja auch schon mal gehört, also muss es stimmen und außerdem ist das seine persönliche Erwartungshaltung an meinen Blog, die ginge mich nichts an, die müsste ich nur umsetzen.

Ich war anderer Meinung. Viel hilft viel und die Qualität ist ja schon allein dadurch gegeben, dass der ganze Kram von mir stammt. Selbst wenn es ihm nicht gefällt, kann er es immerhin meiner Person zuordnen. Das ist mehr, als ich woanders verlinkt sehe. Darum geht es mir und ich denke, denjenigen, der die Seite gezielt anklickt, ebenfalls. Als ob jemand in einem personenbezogenen Blog liest, weil der Inhalt so gründlich recherchiert ist. Pff.
Naja, wie solche Leute nun mal sind, verwechselte er mich mit einem Dienstleistungsunternehmen und seine Körpersprache ließ vermuten, dass er für meine Blogeinträge bereits im Voraus gezahlt hatte. Ich würde das ja nicht machen, wenn mir egal wäre was die anderen Denken. Und wer Feedback einfordert, der muss auch mit Kritik leben können. Soweit seine Meinung.

Wer was einfordert, das zu erfahren, wäre mal wirklich interessant gewesen. Stattdessen fragte ich ihn, ob mir die Meinung Dritter, nach gründlicher Überlegung natürlich, auch als irrelevant oder falsch erscheinen und meiner bevorzugten Vorgehensweise nicht entsprechen dürfe. Zwar handelte es sich dabei um eine rhetorische Frage, er hätte trotzdem wenigstens kurz darüber nachdenken können. Den Moment hatte er verpasst. So wurde es nochmal anstrengend. Gerade auf Partys braucht solche Grundsatzdiskussionen kein Mensch. Ich versuchte das Ganze zu beenden und verwies auf die Kommentarfunktion in meinem Blog. Die ist extra für solche Fälle eingerichtet. Es hätte mich sehr überrascht, hätte er auf meinen nett gemeinten Hinweis endlich angemessen gelassen reagiert. Wer nur setzt ständig diese militante Internetgeneration auf mich an?
Bevor er handgreiflich wurde, haute er das Killerargument schlechthin raus. Einen Satz, der jeden Talk Show Gast sofort mundtot macht. Es sollten unzählige Nächte folgen, in denen ich wach lag und über das Gesagte nachdachte…

Er meinte, mit mir könne man nicht Diskutieren. Was bleibt mir da noch anderes übrig, als sofort alldem unreflektiert nachzukommen, was ein Fan Leser von mir erwartet? Wer bin ich denn, mein Produkt nicht auf die Wünsche Einzelner abzustimmen? Das gesamte Socialmedia Ding würde ad absurdum geführt. Schließlich möchte ich auch nur geliebt werden… usw.
Man stelle sich mal vor, eine Teenagerin lädt bei Facebook ein Profilbild hoch und keine ihrer Freundinnen bestätigt ihr, wie hübsch sie ist. Dann kann sie es auch gleich lassen. Das wäre wie Krieg, zu dem keiner hingeht. Bzw. nur einer, der sich daraufhin im Internet beschwert, dass die anderen nicht mitmachen.

Das ist nicht der Grund, weshalb ich ein halbes Jahr nichts mehr veröffentlicht habe. Dafür gibt es einen undramatischen, langweiligen Grund, der nichts mit Kritik zu tun hat.
Was ich eigentlich fragen wollte, hat denn jetzt jeder alles weggelesen? Ist jeder mitgekommen?
Gut, dann kann es ja endlich weitergehen.
 

Samstag, 25. Januar 2014

Rentnerglück

"When I step up in the place
ay yo I step correct
Woo-Hah
got you all in check"
Busta Rhymes

Unsere Generation, also meine Generation, ich weiß ja nicht wer sich hier angesprochen fühlt, also sagen wir, oder ich sage das einfach mal selber, diejenigen, die in den 80ern geboren wurden, die kriegen ja keine Rente mehr! Das liegt zum einen daran, dass die Kinder mit minderwertigen Zeichentrick Serien aufwachsen, zum anderen liegt es an der Wirtschaft und daran, dass sich niemand mehr mit seinem Schicksal abfinden will und einfach immer weitermacht. Da kann man die Grünphasen der Fußgängerampeln noch so kurz halten, die Rentner werden immer mehr. Viele Grundschullehrer schulen bereits auf Altenpfleger um. Dahin wandert der Markt. Ihr merkt, mit der Wirtschaft kenne ich mich nicht aus, aber wenn man den Ossi bereits 25 Jahre mit durchziehen muss, dann wird auch in Zukunft nichts für die Rente übrig bleiben.Oder wie oder was oder was ist?

Mir ist das eh alles scheiß egal. Diese Sorge um die Rente, du musst gut verdienen, denk doch mal an später und weißte noch früher? Da war alles besser, selbst die Zukunft und so weiter. Davon lasse ich mir doch nicht die Freude auf das gehobene Alter versauen. 
Die Rentner, mit denen ich in Kontakt komme, sind so sehr von ihrer jahrelangen Knechte beansprucht worden, die wissen gar nichts mit ihrer vielen Freizeit anzufangen. Menschen um die 60 sind tickende Zeitbomben. Die können sich zum langen Feierabend des Lebens hin in einem gewaltigen Anfall von Aktionismus entladen. Denen fällt plötzlich auf, dass das Haus eine leichte Schräglage aufweist oder dass sich ein Helikopterlandeplatz im Garten ganz gut machen würde, alleine schon für den Notfall.

Das Rentnerehepaar, das bei mir unten im Haus wohnt, lebt stattdessen ihr Pflichtbewußtsein gegenüber Recht und Ordnung aus. Das ist wohl gemeint, wenn die Polizei von "aufmerksamen Nachbarn" spricht. Falls bei uns einer in das Haus einbricht, bekommt die Polizei mit Sicherheit ein sehr detailliertes Bild des Ablaufes beschrieben, mit Uhrzeit und einer Begründung weshalb man ausgerechnet zu dieser Uhrzeit am Fenster „vorbeikam“. Die Täterbeschreibung würde weniger detailiert ausfallen - Ein jungendlicher Lausejunge war das, mit einem unmöglichem Haarschnitt, nicht gegrüßt, ach, gar nichts hat der!

Wenn ich auf den Hof einrolle, schauen die Rentner zu erst auf die Uhr! An der Haustür werde ich dann abgefangen und nach der sozialen Lage befragt, woraufhin natürlich direkt ein TäterCharakterprofil erstellt wird.

„Wissen Sie, wem das Auto gehört?“
„Nein.“
„Da ist seit gestern der TÜV abgelaufen, das darf gar nicht mehr an der Straße stehen, wenn da was passiert! Sie kommen in Deubels Köke.“
„Ich weiß wirklich nicht wem das Auto gehört. Zudem glaube ich, dass es egal ist, ob das Auto TÜV hat oder nicht.“
„Aber Sie waren das doch, der letztens hier so auf dem Hof geparkt hat?!“
„Nee, aber ich habe das Auto auch gesehen. Falls Sie das beruhigt.“
„Ich kam da gerade so durch mit meiner Gehhilfe.“
„Ja, das stand wirklich etwas ungünstig, da muss man dann etwas langsamer dran vorbei, dann geht das schon.“
„Unmöglich ist so was.“
Usw.

"So was" kommt dabei raus, wenn man vor dem Ruhestand wichtige Dinge vernachlässigt hat. Hobbys und Interessen zum Beispiel. Und damit meine ich keine generierten Modeerscheinungen, sondern etwas, das vorwiegend nach innen funktioniert, auf das man zurückgreifen kann, falls die Rente letztendlich das ganz große Angeber-Facebook-Profil nun tatsächlich nicht hergeben sollte. Mit sich selbst gut auszukommen ist nicht so schwierig und dem Frieden kann man ruhig mal trauen. Außerdem wird es doch möglich sein, die eine oder andere Leidenschaft bis ins hohe Alter aufrecht zu erhalten. Und einige Freunde sind hoffentlich ebenfalls noch da. Auch mal an später denken. Jetzt schon. Liebe Sparkasse.

Natürlich gibt es unter den Rentnern welche, die es richtig machen. Oder gemacht haben. Vor dem Ruhestand. Ich saß letztens im Zug, im richtigen nebenbei bemerkt, auf diese logistische Meisterleistung komme ich irgendwann mal zurück, jedenfalls setzte ich mich auf den ersten freien Sitzplatz, neben einer alten Dame. Ich bin allgemein versucht nicht zu fragen, ob dieser Platz noch frei ist, sieht man ja, aber viele fühlen sich bestohlen und/oder bedrängt, wenn man nicht korrekt nachfragt, deshalb frage ich halt trotzdem. Die Bahn ist schließlich für viele alterslose Menschen, die es sich vorgenommen haben irgendwann in ihrem wohlverdienten Ruhestand ein überdimensioniertes, rotes Leinentuch von ihrem abbezahlten Boot runterzuzerren, ein „Arbeitsplatz“. 
Bei der alten Dame brauchte ich nicht zu fragen ob der Platz noch frei sei, die hatte sofort geschnallt, dass jemand, der gerade eingestiegen ist, am liebsten sitzen möchte, besonders dann, wenn derjenige 15 Minuten auf den verspäteten Zug warten musste. Ich setzte mir Kopfhörer auf und holte das Buch aus dem Rucksack. Möglichst so, dass die Dame auf dem Fensterplatz nicht den Titel erkennen oder mir ins Buch luschern konnte. So interessant sind das Buch oder ich nicht, dass irgendwer eine Diskussion diesbezüglich anstrengen würde, dennoch habe ich eine Heidenangst mich irgendwann mal für die Zeilen von Charles Bukowskis rechtfertigen zu müssen. Ich verließ mich darauf, dass die Omi davon ausging, ich sei ein Techno hörender, in der Woche latentaggressiver Nichtsnutz, der sich durch die fünf Seiten einer Paul Kalkbrenner Biografie quält. Der Zug Stand und ich hatte meine Ruhe.

Nach drei Liedern stupste mich die Omi an. Ich schaute hoch, schob die rechte Muschel des Kopfhörers beiseite und musste direkt grinsen. Die alte Dame klatschte in die Hände und meinte: „Es geht endlich los. Wir fahren! Was die Bahn immer für Anstalten macht!?“
Ich versuchte einen Witz: „Ich verstehe nicht, wieso die Bahn überhaupt noch Minutenzeiger auf ihren Uhren hat, der Stundenzeiger würde doch völlig ausreichen.“
Die Dame stimmte mir zu und freute sich in mir einen Verbündeten gefunden zu haben.
„Warum musste ich nur an so einen Blödmann wie dich geraten? Weil du nicht wählerisch bist.“, las ich gerade bei Bukowski, da stupste mich die Dame wieder an.
 „Der junge Mann von schräg gegenüber redet seit Hannover in einer Tour durch und ich dachte,  Mädchen würden viel tratschen.“ Schräg gegenüber saßen drei Jugendliche und tranken Jever und Pepsi Cola. Drei sind eine Party, dachte ich. Der eine mit dem Hurricane 2011 Pullover tratschte tatsächlich in eins durch. Wir lauschten etwas dem Monolog, dann wurde es mir zu peinlich, also zu persönlich, ich grinste rüber und schüttelte den Kopf, die Dame lachte und schüttelte ebenfalls den Kopf. In Neustadt verabschiedete sie sich, wünschte mir eine gute Weiterfahrt und verließ trotz Verspätung gut gelaunt den Zug. Die konnte dem Ganzen und vermutlich auch dem großen Ganzen mehr abgewinnen als ich, genau das meinte ich weiter oben.
Zudem ist es schön zu wissen, dass wirklich was rüberkommen kann, nachdem man angestupst wurde.

Samstag, 4. Januar 2014

Knight Rider

Montag, 30.12.2013, 17:40, RTL Nitro – Ein mysteriöser Saboteur

„Das hier ist besser als French Connection.“ Kameramann

Die Intros 80er Jahre Serien sind der Wahnsinn. Ein Mann und sein Autowagen kämpfen gegen das Unrecht. Damit ist eigentlich schon alles gesagt, wenn es sich bei dem Mann nicht um David Hasselhoff, der nicht ganz unschuldig am Mauerfall ist und bei dem Autowagen um K.I.T.T. einem schwarzen Trans Am mit rotem LED Licht an der Motorhaube handeln würde. Ausgerechnet diese Folge ist der zweite Teil eines Zweiteilers. Michael Knight nimmt mit K.I.T.T. an einem Rennen teil, in dem alternative Antriebsstoffe im Vordergrund stehen. Solar, Alkohol, Strombenzin. K.I.T.T. tritt mit flüssigem Stickstoff im Tank an.
Es besteht der Verdacht, dass das Rennen Sabotiert werden soll. Sagt bereits der Titel, dazu gibt es eine kleine Einleitung, was bisher geschah.
Bevor das Dreitagesrennen beginnt, lernen wir die Fahrer und die Beteiligten drum herum kennen. Ein Spartenkanal überträgt die Veranstaltung und immerhin gibt es eine einzige Reporterin, die sich für das Rennen interessiert.

Die Serie ist bekannt für ihre Logiklücken, gerade was die Physik angeht. Neben den Dialogen, das unterhaltene Element. Michael fährt mit K.I.T.T. in die mobile Einsatzzentrale der Foundation für Recht und Verfassung. Ein zwei Meter breiter LKW mit Auflieger. In einer Einstellung passt das Auto von der Breite her gerade so in den Anhänger, unmöglich für den Fahrer auszusteigen. In der nächsten Einstellung ist reichlich Platz, es stehen sogar zusätzlich völlig überdimensionierte Rechner rum. Aber wenn Michael Knight es akzeptiert, tue ich es auch. Gerne.
Dass Reifen auf Sandigem Boden quietschen, für die einfachste Funktion, wie das Öffnen des Schiebedaches, drei knöpfe gedrückt werden müssen und Scanner die unmöglichsten Dinge erfassen, ist nicht zu hinterfragen. Auch ist es auffällig, dass der nächste Einsatzort immer in der entgegengesetzten Richtung zur fahrenden Kommandozentrale liegt, was einen coolen U-Turn unabdingbar macht.

Weiter in der verzwickten Story. Wer hätte Interesse das Rennen zu Sabotieren? Im Grunde ist jeder Verdächtig. Die beiden saufenden Texaner, deren Rolle eindeutig an die Duke Brüder, aus der Serie ein Duke kommt selten allein, angelehnt ist, sie fahren sogar einen orangefarbenen Dogde Charger, sie saufen und langen Mädels an den Hintern, sehr verdächtig! der arabische Fahrer, dessen Heimatland als größter Ölexponat weltweit gegen alternative Energien vorgeht! der Deutsche Helmut Glas, weil er Deutscher ist!
Es könnte sich auch um einen Verrückten handeln, wie Michael Knights Chef Devon Miles feststellt, was mit einem „völlig richtig“ seitens Michaels bestätigt wird. Es bleibt spannend.

Die Rennstrecke besteht aus einer uneinsichtigen Felslandschaft, Regeln gibt es scheinbar keine. Nachdem das erste Auto von einem Hügel aus beschossen wird und direkt explodiert, finden die Organisatoren ein Schießgewehr unter dem Bett des Arabers. Ich habe es gleich gewusst! K.I.T.T. meint, die Kugel und das Gewehr passen zusammen, wie Michael und schwarze Lederjacken. Anschließender Dialog:

DM: „Es war der Araber.“
MK: „Es hätte auch der Chinese sein können.“
DM: „Einfach jedoch sehr komplex.“

Der Fall scheint gelöst. Doof nur, dass am nächsten Renntag der Dogde der Duke Brüder explodiert. Zum Glück konnte die Reporterin, die hautnah beim Rennen dabei sein wollte und bei den Saufbolden mitfuhr, von Michael gerettet werden.
Ein weiterer Runnning Gag der Serie: ein Passant trifft auf K.I.T.T. und will ihn aufbrechen oder gegen pinkeln oder den Innenraum fotografieren oder abschleppen… und bleibt verblüfft zurück, weil K.I.T.T. für jede erdenkliche Situation eine coole Funktion eingebaut hat. Das durfte die Reporterin auch schon feststellen. Natürlich greift Michael Knight die Dame ab, unnötig zu erwähnen. So ist es heute und so war es damals, wer nichts im Laden hat, sollte sich ein teures Auto ins Schaufenster stellen.

In der zweiten Nacht im Fahrerhotel belauscht die Reporterin wie der Chef des Spartensenders mit seinem Saboteur schimpft. Das Morden ginge zu weit, obwohl die Quoten schon geil sind. Die Reporterin wird von ihnen ertappt, gefesselt und am dritten Renntag zwischen zwei Pappmascheefelsen gelegt, wo sie darauf wartet, dass eine meterlange Zündschnur runter brennt und sie mitsamt der Kulisse weggesprengt wird. Es hat was von Coyote und Roadrunner. Der Plan: Die Sabotage soll der Reporterin in die Schuhe geschoben werden. Das Motiv: Sie würde von der Berichtserstattung profitieren. Dummerweise jagte sie sich bei ihrem letzten Akt selbst mit in die Luft. Hähähäh [manische Lache].
Jedoch haben die Bösewichte, wie so oft, die Rechnung nicht mit dem Superauto K.I.T.T. gemacht. Wer rechnet schon mit einem sprechenden Auto?
In wirklich allerletzter Sekunde kann das Dynamit entschärft und das Leben der Reporterin gerettet werden. Sie petzt alles und im nächsten Moment sind der Saboteur und der Senderchef in Handschellen.

Natürlich kamen in der Folge der Turbo Boost, die zeitlos schöne Bonnie und David Hasselhoffs dreckige Lache zum Einsatz. Michael Knight gewann das Rennen übrigens, welches leider aufgrund der unberechtigten Verhaftung des arabischen Fahrers keine Gültigkeit hat. So komplex ist die Story, da hängt alles zusammen. Dazu hat man was über Vorurteile gelernt und es wurde die Quotengier der TV Sender kritisch hinterfragt. Letzter Abschluss Gag und man kann zufrieden den Fernseher ausschalten, was soll danach schon kommen? Vielleicht ja Baywatch!