Montag, 30. Mai 2011

Der Typ im weinroten Pyjama

„Die neue Nachtwäschekollektion für Männer, die Authentizität und innere Werte schätzen: Ein authentischer, schnörkelloser Stil mit "Intellectual comfort". Ausgesucht hochwertige Materialien geben dieser Nachtwäsche ihren einzigartigen Trage- und Wellnesskomfort.“ Strellson Homepage

Ich will mir einen Pyjama zulegen. Den Gedanken hege ich schon seit längerem. Die Schuld dafür gebe ich dem amerikanischen Fernsehen und dem dort gezeichneten Bild des Familienoberhauptes an einem Milchmann-Sonntag. Im Bett einen Pyjama zutragen kann ich mir allerdings nicht so richtig vorstellen. Die Variante Shorts hat sich bewährt und dabei wird es auch nach dem Kauf bleiben. Als Kind hatte ich Frottee Schlafanzüge, einmal abgewöhnt möchte man nie wieder dahin zurück.
Der Pyjama ist für die ergiebigen Morgenstunden am Wochenende gedacht. Schon zu Studentenzeiten hätte ich einen Pyjama gut gebrauchen können, aber eher für die Abendstunden. Den Tagesabschnitt „Morgens“ gab es damals im traditionellen Sinne nicht.
Wie oft hätte ich die drei Fragen: wo bist du? bist du nüchtern? kannst du mich abholen? mit: Tut mir leid, ich habe bereits meinen Pyjama an, abschmettern können! Dafür hätte jeder Verständnis gehabt. Aber man tat es ja ausnahmslos gerne. Das Abholen. Von vernebelten Kleinstadt Bahnhöfen. Um 1 Uhr nachts.

Ich kann mir richtig gut vorstellen mit einer Tasse Kakao in der Hand und der Zeitung unter dem Arm auf den Balkon zu treten, den Nachbarn zuzugrüßen, mit der Zunge zu schnalzen und nach den Pflanzen zu schauen, die sich langsam durch die Balkonfliesen arbeiten. Die Zeitung würde ich nach dem Ausflug auf den Balkon direkt ins Altpapier entsorgen. Eigentlich würde das Bild des legeren Vorstadtmenschens durch die aufgeschlagene Sonntagszeitung und einer Pfeife im Mundwinkel komplettiert werden, aber das wäre mir viel zu anstrengend. Dann soll wenigstens die Farbe stimmen. Weinrot muss er sein und die Hose muss perfekt fallen. Nichtsdestotrotz darf es gerne etwas schludrig aussehen.

Ein Pyjama am Leib ist wie ein Kronleuchter an der Decke. Ein mondänes Accessoire, das dem Rest der Wohnug/ des Menschen eine gewisse Grundsolidität zuspricht. So möchte man doch sein. Grundsolide. Zumindest am Samstagmorgen.

Hier. Nee, hier ein Bild von meinem favorisierten Modell. Morgen wird bestellt.

(via)

Ansonsten komme ich jetzt über zwei Wochen ohne Handy aus, was in meinem Fall bedeutet, dass ich gleichzeitig auf den MP3 Player verzichten muss. Ehrlich gesagt wiegt letztes um einiges schwerer. Wirklich vermissen tue ich nur das Erreichen, zum Beispiel jemanden, der mich von nebeligen Kleinstadt Bahnhöfen abholt, um 1 Uhr nachts. Ich war nie einer von denjenigen, die ihr Handy für die reine Telephonie brauchten. Ihr wisst schon, jedes Gespräch, das über zehn Minuten andauert und Privates beinhaltet. Das kommt bei mir so gut wie nie vor, ich wüsste auch gar nicht was ich sagen sollte und dann wird es schnell peinlich. Was ich unbedingt sagen will, ist: es geht ohne Handy, aber es geht nicht ohne Pyjama.

Kommentare:

  1. Da ich sowohl Kronleuchter als auch Pyjama zu meinen Reichtuemern zaehlen darf, bin ich wohl der Inbegriff von grundsolide und mondaen. So hatte ich das noch nicht gesehen. Pro-Pyjama!

    Und stell Dir vor: so auf dem Balkon!

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  2. Und dazu passend Schläppchen oder Chucks?

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  3. @Ralf: Barfuss! das funktioniert nur Barfuss. Ich bin sowieso ein großer Barfuss Freund und ein Chucks Verächter.

    @Verena: der Luxus des kleinen Mannes. Jetzt fehlen nur noch Flügeltüren. Der Link funktioniert nicht. Schade

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  4. http://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/00998/Hefner-Bunnies-460_998355c.jpg Der Linktext verraet es schon.

    Und Chucks sind cool.

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