Samstag, 28. Mai 2011

Das Unwort des Jahrzehnts

„Milk is chillin, Giz is chillin, what more can I say? Top billin.” Audio Two

Ich schäme mich wenn Menschen ihre ironischen Aussagen mit einem albernen Dialekt unterstreichen. Man versteht es doch auch so, ohne „icke“ und „joa mei“. Schlimm sind auch die, die dir und dich oder mir und mich verwechseln und nicht aus dem Ruhrpott kommen, es also mit Absicht machen. Alles klar, urkomisch, dann doch lieber die Situation unkommentiert lassen, als so vor sich herzubrabbeln.

Unsere Meine Muttersprache wird schon genug zum Krüppel immigriert. Der Amerikaner hat mit seinem MTV Sprech einen großen Teil dazu beigetragen. Gegen eine stetige Weiterentwicklung der Sprache ist nichts einzuwenden, wer will schon ein angestrengtes Deutsch sprechen wie Heinrich Mann oder ein hochgestochenes Englisch wie Shakespeare? Es würde nicht dem Sound des 21. Jahrhunderts entsprechen.

Unerträglich wird die Entwicklung erst dann, wenn Wörter bis in die Bedeutungslosigkeit mutieren. Ich bin ein langjähriger Anhänger der Rap Musik. Manchmal passen MCs die Wortendungen dem Reimschema an, getreu dem Motto: alles für den Reim. Je nach Talent hört sich das gekonnt und vor allem gewollt an. Ein Nachteil dieser Wortmutationen ist, dass sie 1:1 aus dem amerikanischen Slang ins deutsche übernommen werden.

Um auf den Punkt zu kommen: ich kann das Wort chillen nicht ausstehen. Chillen ist in jeglicher Ausführung der George W. Bush unter den Anglizismen. Das amerikanische chilling beutet soviel wie kühlen, im Sinne von abkühlen, lockern, entspannen. Im deutschen bedeutet chillen scheinbar nichts weiter als sich hinsetzen.

Genauso wie man einen Schwarzen an seiner Hautfarbe erkennt, erkennt man einen Idioten an der Nutzung des Begriffs Chillen.

Dem Ausdruck den Todesstoß versetzt, hat vor Jahren bereits die ehemalige MTV Moderatorin Anastasia. Sie traf sich mit irgendeiner HipHop Formation, lass es die Massiven Töne gewesen sein, zu einem Interview in einem Berliner Café und moderierte ihr Tun mit den Worten: ich chill noch mal eine Runde bevor die Jungs da sind. Hauptsache irgendetwas Genretypisches daherplappern. Daraufhin setzte sie sich auf einen Stuhl und wirkte so hyperaktiv wie zuvor. Noch nie ist eine Vokabel so dermaßen inflationär benutzt wurden. Seitdem verwenden den Begriff nur noch Idioten. Im Radio werben sie damit, dass ihre Musik zum abchillen sei. Das klingt aus dem radio wie ein Qualitätsmerkmal, dabei spielen die eh immer nur die zweihundert vorbehaltenen Songs.

Ungenutzter kann man Zeit nicht verbringen, als mit chillen.

Neben Kopf und kleinen Zeh Stoßen, gibt es doch nichts, das einen wütender macht als ein grenzdebiler Typ, der einem rät mal zu chillen. Chill ma`. Falls man sowieso gerade in Rage ist, sollte man besser Menschen meiden, die halb sitzend, halb liegend in einem Stuhl lungern.
Auffällig ist auch, verdächtigt man jemanden und dieser jemand erinnert einen daran erstmal zu chillen, dann ist dieser jemand immer, ausnahmslos immer schuldig wie die Hölle. Idioten verwenden den Begriff hauptsachlich dazu alles auf Null, also auf ihr Niveau, zurückzusetzen. Sie wollen Zeit gewinnen oder hoffen ernsthaft, dass derjenige, der ruhig bleibt recht bekommt. Sogar ein ganzes Wochenende verbringen jene unter der Prämisse zu chillen. Was soll das bedeuten? Fernsehgucken, nüchtern bleiben, Sitzen oder gar Liegen?
Nicht nur für mich ist chillen das neue Unzurechnungsfähig, der Inbegriff des unbewussten Handelns. Die Gerichtsmedizin weiß bereits bescheit.
Das musste mal gesagt werden.
Peace...

auch so ein Wort

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