Samstag, 24. Mai 2014

Samstag, den 3. Mai 2014 - Christoph



Heute habe ich lange geschlafen. Wieder. Zum Glück habe ich eine Kanne Wasser auf meinen Nachttisch gestellt, als ich ins Bett gegangen bin. V ist vorhin gegangen, Lisa war in der Küche und hat neugierige Augen gemacht. Ich liege im Bett und überlege, wie der Tag weitergeht. Wir wollten doch früh zur Bötzeparty. Das geht mit mir erstmal nicht. Ich muss schlafen. Jonathan und Ina sind ja auch noch nicht da. Sie wollten mit dem Auto aus KA herkommen. Solange die nicht da sind, kann ich mich ja entspannen. Zu etwas anderem bin ich auch nicht in der Lage. Irgendwann ruft Ina von der Autobahn auf meinem Handy an und sagt, dass sie noch etwas brauchen. Das ist mir natürlich recht. Es klang so als würden sie Bescheid geben, dass sie sich verspäten. Dabei haben wir gar nicht wirklich was abgemacht, aber so fällt nicht das Augenmerk auf meine desolate Verfassung. Als sie da sind, ist die Küche auch schon voll mit Leuten. Wir trinken Bier und hören Franzis Musik. Meine Laune wird besser. Mit Jonathan mache ich mich an die Licht-Säule, die wir vor einigen Monaten gebastelt haben. Wir fixieren die zwölf Schalter in einer Reihe, sodass man nacheinander die Lichter von Grün auf Rot und umgekehrt schalten kann. Das fertige Stück muss noch in den Punto verfrachtet werden, Ina fährt ihn, Jonathan mit Mietwagen vorweg und ich mit Fahrrad nach einer Weile hinterher. Erstaunlich, dass eine Zwei-Meter-Säule in den Wagen passt. Reines italienisches Raumwunder. Der  kaputte Auspuff röhrt und ab geht's. Ich fahre wieder mit Klappjens die Dreisam runter und komme entspannt auf dem Grillplatz an. Die Zelte stehen, die Bar ist eröffnet, das Lagerfeuer lodert, der Kicker wird bekickt und das Buffet ist für umme.  Bierchen gibt’s aus dem Rucksack und ich freue mich all die Freunde und Bekannten zu sehen. Ein erstklassiges Hippi-Fest. ;)  Ich sah sogar das interessante Mädchen von der Demo wieder. Wir begrüßten uns und ich erfuhr ihren Namen. Bestimmt ist sie mit ihrem 'Wohnprojekt von außerhalb' hier, die kennen sich doch untereinander oft. Aber egal. Als es dunkel wird, baue ich mit Jonathan und Frieder die Säule neben der Tanzfläche auf. Es klappt und die ersten Leute lachen über die Ironie der „Säule des Tanz“. Um 22oo Uhr habe ich eigentlich ne Schicht am Crêpes-Stand. Ich komme ein paar Minuten zu spät und darf Kolle gleich mal ablösen. Das Bratgeschick hat mich nicht verlassen und die schmackhaft verzierten Fladen gehen über die Theke, die Hände, den Mund in den Bauch der spendenfreudigen Freunde. Doch die meiste Zeit in dieser Nacht verbrachte ich unter dem Tanzzelt, nachdem ich meinen roten Glitzerzylinder und -schal angezogen hatte. Auflegen tat zunächst Ole, der mir bekannt wurde eigentlich über meine aktuelle Mitbewohnerin, aber so stellte es sich heraus, auch vor einiger Zeit kurz zur Zwischenmiete in meiner Ex-WG gewohnt hatte, deren Bewohner auch hier waren und wir uns alle freuten, dass Freiburg und die Welt so klein ist, dass alle alle kennen. Friede, Freude Crêpes-Kuchen. Und Fusion-Feeling bis um halb sieben. Zwischendurch war noch die Polizei da, ich konnte es in angedudeltem Zustand nicht unterlassen dem Beamten meine Meinung zu sagen und begann den Einwurf mit: „Hallo Herr Wachtmeister...“ Ich habe mir vor der Party verboten Polizisten zu beschwichtigen. Deshalb hielt ich mich sehr kurz. Der Beamte wiederholte dann kurz meine Meinung (Jaja, das ist ja einfach ein ganz nettes, friedliches Fest!) und ich ging schnell weg, bevor ich peinlich werden konnte. Im Morgengrauen entschloss ich mich, dass ich nun genug hätte und tritt den Rückweg an. Wieder strampelte ich die Dreisam hoch und freute mich unheimlich und zufrieden auf mein Bett. Ich kam gut voran, gab mit unter Gas, weil ich auch sehr müde war. In Lehen muss man die Dreisamseite wechseln und über die Brücke dort fahren. Vor ein paar Wochen habe ich hier Maulwurfshaufenerde geholt, für mein Gemüsebeet auf der Fensterbank. Heute flitze ich die abschüssige andere Brückenseite hinab, biege links auf den geteerten Fahrradweg ab und merke, dass ich einem entgegenkommenden Fahrradfahrer ausweichen muss, was bei der Geschwindig- und Abschüssigkeit mit dem kleinen Klapprad nicht so einfach ist. Ich komme von der Straße ab, und rutsche mit dem Vorderrad den 15cm-Absatz hinab. Nach rechts kann ich nicht, da ist ein Zaun,  also blieb mir wohl nichts anderes übrig, als nach links gegen den Absatz zu lenken und zu stürzen. Zack. Nach einem Moment wird mir bewusst, dass ich auf der Straße liege und nicht mehr fahre und denke, dass ich mich wohl hingepackt habe. Ach Mist, denke ich, aber scheiß drauf, aufstehen und weiter geht’s. Als ich stehe kommt der andere Fahrradfahrer auf mich zugelaufen und hat schon im nächsten Moment sein Handy an der Backe und ruft den Notarztwagen. Ich merke, dass mir Blut aus dem Gesicht läuft und meine rechte Hand ein wenig saftet. Ich meine zwar, dass mir nichts passiert ist, aber ich setze mich, um den Herren zu beruhigen, auf einen Baumstamm und warte auf den Rettungswagen. Ich merke leichte Schmerzen am Kiefer und schmecke Zahnbrocken in meinem Mund. Kacke, die wachsen doch nicht nach. Die Sanitäter stellen mich auf die Beine, checken mich kurz durch und kleben meine Wunden zu. Ich muss vor ihnen zugeben, dass ich 'zwei, drei Biere' getrunken habe und das wird mir nicht übel genommen. Aber auch nicht so recht geglaubt. Egal. Ich kann wieder gehen und fahre nach Hause, lege mich ins Bett, versuche meinen Kiefer ruhig zu halten und schlafe sofort ein.

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